Lisboa 2018

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Montag, 10. April 2017

Das Rennpferd und die 42 Gäule

Fast genau einen Monat noch und wir werden wissen, wer in Kiew die Trophäe mit nach Hause nehmen wird und wo der Eurovision Song Contest 2017 (wohl) statt finden wird. Da mir dieses Jahr leider die Zeit für detaillierte Einzelberichte fehlt, werde ich einige gebündelte Beiträge vor dem Probenbeginn in knapp 3 Wochen veröffentlichen. Beginnen werden wir mit der entscheidensten und wichtigsten Frage: Ja wer wird denn den ESC gewinnen? Dazu begnügen wir uns einer alten britischen Sucht, dem Wetten. Im Internet wimmelt es nämlich nur von Plattformen, die Wetten für den ESC anbieten. Dazu muss man sagen, dass sich diese Plattformen insbesondere in UK, Irland und Australien großer Beliebtheit erfreuen und dadurch eine gewisse Verzerrung entstehen kann, da die eigenen Beiträge gepusht werden. Um die Favoriten zu diskutieren, nehmen wir die aktuellen Top10 der Wette auf den Sieg. Dabei handelt es sich nur um eine Momentaufnahme und nach den Proben & Semifinals ist da immer noch ordentlich Bewegung drin. Auch bedeutet ein vierter Platz beispielsweise nicht, dass man diesen Beitrag auf den vierten Platz vermutet sondern, dass er die viertgrößte Wahrscheinlichkeit hat zu gewinnen, ein großer Unterschied. Die Daten stammen vom 10.4.17 um 12:29 dt. Zeit.

1. Italien
2. Bulgarien
3. Schweden
4. Portugal
5. Belgien
6. Armenien
7. Australien
(8.) Russland
9. Frankreich
10. Aserbaidschan
11. Dänemark
...
24. Deutschland
...
32. Schweiz
...
36. Österreich
...
41. San Marino, Tschechien, Slowenien

Platz 11: Dänemark

Anja Nissen gewann den Dansk Melodi Grand Prix mit ihrem Powerbeitrag "Where I Am". Die beeindruckende Blondine schaffte somit im zweiten Anlauf die Teilnahme am ESC. Mangelndes stimmliches Talent sollte allein schon durch ihren Sieg bei the voice  Australia selbstverständlich nicht der Fall sein. So ist es auch bei ihrem eher blassen Beitrag, der ohne Anja nie und nimmer da oben stehen würde. Die Wettenden hoffen auf einen ähnlichen Effekt von Dami Im und Australien 2016, als sie mit ihrer Stimmakrobatik einen Löwenanteil der Anrufe verursachte. Der Radiopopsong beginnt mit einem an Gospel erinnerten Einstiegschor und verhält sich zu Beginn recht ruhig. Je länger der Song geht, desto mehr kommt die powervolle Stimme hervor. Dazu sieht Anja noch super aus, hat einen exzellenten Modegeschmack und begeistert im letzten Chorus wirklich jeden Zuseher. Anjas Ausrucksstärke wurde im Vorentscheid blind vertraut, ein Konzept im Staging war nicht zu erkennen. In Dänemark war es in den letzten Jahren Tradition, dass der Auftritt nahezu unverändert zum ESC gebracht wird. Für Dänemark spricht außerdem​ die skandinavische Allianz, die sich gegenseitig gerne Punkte zuschiebt (insbesondere im Zuschauervoting). Dazu kommt sowohl im Semi als auch im Finale, dass sie in Australien praktisch eine sichere 12 der Zuschauer haben wird. Es gibt nur 10 Länder mit höheren Chancen auf den Sieg, laut Wettanbietern.

Platz 10: Aserbaidschan

Der Kaukasus ist durch Dihaj und ihrem Song "Skeletons" ebenfalls im Favoritenkreis. Die Mutter eines Sohnes verbringt viel Zeit in London, schreibt dort ihre eigene moderne Elektro-Musik. Für den ESC hat sich Aserbaidschan allerdings erneut für einen schwedischen Export entschieden. Die moderne Instrumentierung wird durch einen hymnischen, mehrschichtigen Chorus ergänzt und weckt ein modernes, dunkles Gefühl. Beim Staging war Aserbaidschan dazu nie verlegen Dinge auszuprobieren und mit der erfahrenen Künstlerin Dihaj könnte ein kurzweiliges Intermezzo bevorstehen. Sie hat bereits ein aufwendiges Staging angedeutet. Stimmlich ist Dihaj erste Ware und mit der größte Star aus Aserbaidschan. Außerdem verfügt auch Aserbaidschan über viele wohlwollende Nationen in Osteuropa (besonders Georgien, Israel). Dazu kommen oft unerklärlich gute Resultate aus kleineren Ländern, die Raum für Spekulationen (und Pre-Paid Handys) lassen, aber Aserbaidschan fleißig Punkte gibt.

Platz 9: Frankreich

Alma wird Frankreich mit "Requiem" vertreten, dass bilingual vorgetragen wird. Frankreich schaffte nach langer Durststrecke letztes Jahr mit Rang 5 den Befreiungsschlag und hofft diesen Trend beibehalten zu können. Alma arbeitet dabei mit dem Komponisten des letzten Jahres zusammen, hat also durchaus Grund optimistisch zu sein. Der leicht orientalische Einfluss ihres Beitrages , könnte in Osteuropa noch zusätzlich einiges rausreißen. Live hält sie, was die Studioversion verspricht und der Charakter des Liedes lässt ein interessantes Staging zu. Dank der Big5 Regelung muss sie nicht ins Semifinale.

Platz 8: Russland

In meinem letzten Post habe ich praktisch alles über Russland gesagt, was es zu sagen gab. Ich denke nicht, dass Russland teilnehmen wird und daher streiche ich sie aus der Wertung.

Edit 15.4.17: Russland wird nicht teilnehmen und den Wettbewerb ebenfalls nicht ausstrahlen.

Platz 7: Australien

Die Fern-Fern-Ost-Erweiterung 2015 brachte eine neue Instanz, die regelmäßig um den Sieg mitsingt. Mit Rang 5 und 2 kann Australien jenseits jeglicher Diaspora, auf Qualität und Klasse setzen. So auch dieser Jahr mit dem Song "Don't come easy", gesungen von einer 17-jährigen Aboriginal person. Das sehr an Sam Smith angelegte Paket könnte ohne Probleme im Radio gespielt werden und unterscheidet sich nicht von Chartrennern. Die Single konnte sogar in Skandinavien vereinzelte Platzierungen in den Charts verbuchen. Da Australien in den letzten beiden Jahren beim Staging beeindruckte, liegt die Messlatte hoch. Auch stimmlich sind Guy Sebastian und Dami Im in einer handverlesenen Gesellschaft, in die man dieses Jahr erneut vorrücken muss. Die Ballade ermöglicht nebenbei das Verzieren wie Dami Im.

Platz 6: Armenien

Für mich Recht überraschend befindet sich Armenien weit vorne mit der Modeikone Artsvik und ihrem "Fly With Me". Der mit Ungarn einzige traditionelle geprägte Beitrag ist praktisch eine einzige Steigerung, mit der sehr starken Sängerin Artsvik. Es erinnert nicht grundlos an Iveta letztes Jahr, da das selbe Komponisten Ehepaar dahinter steckt. Mit diesen Klängen gelang Armenien der 7. Rang. Der aktuelle Song schreit nach einem aufregenden Staging, da der Song keine Hook bietet. Hier werden die armenischen Choreographen wieder Höchstarbeit leisten, Beyoncé ist die Grenze, die Iveta ehrlicherweise kratzte.

Platz 5: Belgien

Lange lange mit Italien vorne, wurde Belgien auf Grund der Promoevents etwas Wind aus den Segeln genommen. Blanche mit "City lights" befindet sich irgendwo zwischen Lana Del Rey und Lorde. Bei den Preview Events in London und Tel Aviv (Amsterdam musste sie krankheitsbedingt absagen) konnte sie mit ihrer Stimme beeindrucken, doch wirkte wie ein scheues Reh, auch während der Performance. Vertrauen sollte Blanche in die belgische Delegation haben, was man mit Laura letztes Jahr anstellte ist immer noch unfassbar, diese Charismabombe! Bei Blanche muss man ja nur für drei Minuten einen sicheren Eindruck vermitteln. Dazu wird ein modernes, kreatives Staging erwartet, der Song könnte die Radiostationen nach dem ESC fluten.

Platz 4: Portugal
Portugal setzt auf eine verträumte Disney Ballade, die selbst in den 60-ern als altbacken gegolten hätte. Jedoch schauen viele melancholisch auf diesen Beitrag und versinken in eine andere Welt. Dazu ist Portugal der kleine tapsige Welpe, der beim ESC immer auf die Schnauze fliegt und liebevoll von den ESC-Fans wieder hingerichtet wird. Somit wird ein guter Song Portugals oftmals super doll gehypte. Das Staging wird simpel bleiben und wir haben die unprovokatiefste Ballade auf dem kontroversen vierten Platz.

Platz 3: Schweden

Das Melodifestivalen fand einen recht überraschenden Ausgang, als sich zwischen den Favoriten Nano, Wiktoria und Mariette, Robin durchsetzen konnte. Sein Titel "I can't go on" ist lyrisch kein Meisterwerk, verfügt aber über eine unfassbar packende Hook. Der Song wird des Weiteren als eher Nummer sicher beschrieben, was aber mit dem Staging wieder ausgeglichen wird, wie so oft in Schweden. Beginnend im Backstage Bereich, wandert Robin mit seinen 5 Kumpels in maßgeschneiderten Anzügen die Bühne hoch, um dort mit ihnen auf Laufbändern selbstsicher zu posieren. Auf der Bühne wirkt das alles sehr selbstbewusst (verliebt), abseits der Bühne ist Robin jedoch scheu wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Da Christer Björkman als Messias nach Kiew berufen wurde, kann Robin mit großer Sicherheit sein Staging zum ESC bringen, wie üblich in Schweden. Somit ist das potentielle Versagen beim Staging für Schweden ausgeschlossen und ist ein sicherer Hafen für Wettbegeisterte.

Platz 2: Bulgarien

Wer hätte gedacht, dass Bulgarien einmal bei den Wetten soweit vorne liegen würde? Das Land, welches in den Jahren 2011-2013 das Finale verpasste und daraufhin bis 2016 auf weitere Enttäuschungen verzichtete. Nach Poli Genovas sensationellen vierten Rang letztes Jahr, lebt der Hype weiter mit dem erst 17 jährigen Kristian Kostov. Das wohl größte Talent Bulgariens hat russische Wurzeln und lebt, besonders in der aktuellen Zeit, das Motto Celebrate diversity, da seine Familie harmonievoll in Muslime und Christen unterteilt werden kann. Natürlich sind die hervorragenden Quoten auch mit dem Hype zu erklären, aber sie kommen nicht von ungefähr. Beautiful Mess ist eine klassische Ballade mit modernen Einflüssen und herrausragender Melodieführung. Dazu die gefühlvolle Stimme von Kristian und man ist der Hauptherausforderer von Goliath. Teile des Autorenteams haben schon Poli Genovas Song produziert und sind des weiteren mit Serbien und Mazedonien gleich drei Mal dieses Jahr vertreten. Beim Staging wird auch einiges erwartet, um der Favoritenrolle gerecht zu werden. Dazu kommt noch, dass durch Russlands Absage viele Punkte (besonders im Televoting) wieder verfügbar sind und von jemanden abgeholt werden müssen.

Platz 1:

Mit 22% Gewinnchance bei den Buchmachern gut 10% vor allen anderen Beiträgen, so gefällt es der Charismagranate Francesco Gabbani. Sein guter Laune Song geht sofort ins Ohr, trotz Sprachbarriere und kann der nächste große Wurf des ESC'S seit Loreen werden. Dazu kommt ein einfacher Tanz mit einem Gorilla und Anfeuerungsrufe im Song, die sicher in Kiew groß eingefangen werden. Dabei hat sein Occidentalis Karma einen sehr lustigen, dennoch ernsten und hochwertigen Kern. Westeuropäer bilden sich nämlich ein mit Yoga, YingYang, Karma, Namaste und Co ihr Leben zu verbessern, obwohl wir das alles nicht wirklich verstehen und im Grunde immernoch Affen sind, die ihren Trieben nach gehen. Das alles beruht auf einem Studium eines Buches eines Biologen, das Gabbani auf die Idee brachte. Das Staging steht, der Song ist jetzt bereits der erfolgreichste ESC Song auf YouTube aller Zeiten und die Frage ist nur: Rom, Neapel oder Verona? Gabbani favorisiert übrigens Mailand, so weit ist es schon, die Spannung war letztes Jahr doch etwas größer. Doch wer weiß, vielleicht erweißt sich Gabbani als größter FanFavoritFail (FFF) aller Zeiten!

Freitag, 31. März 2017

Zwei selbsternannte Opfer ohne Täter

Das Drama war vorprogrammiert, die EBU ignorierte es und nun haben wir den Salat: Die Politik-Eskalation des ESC's hat einen neuen Urknall erreicht, nur Täter gibt es weit und breit keine. Zwei total verhärtete Fronten, die jeweils die Gegenseite beschuldigen für die hohen Opferzahlen verantwortlich zu sein und dazwischen eine heillos überforderte Anstalt, die Neutralität predigt, sich dabei aber auf eine Seite schlägt. Herzlich Willkommen im Clown-Hamsterrad, oder anders ausgedrückt, Willkommen zum ESC 2017, Willkommen in der Ukraine!

Von Beginn an deutete sich an, dass der aktuelle Konflikt in der Ostukraine, zwischen eben dieser und Russland, auch Auswirkungen beim ESC haben werde. Welche Dimensionen das nun alles annimmt, wäre durch ein konsequentes Auftreten der Organisatoren von der EBU vermeidbar gewesen. So dreht sich das Eskalationsrad weiter und weiter, außerhalb jeder Kontrolle und die Musik wurde schon längst überrollt.

Wir rollen den ganzen Fall zurück und versuchen das Geschehen chronologisch geordnet in mundgerechten Häppchen an den Mann zu bringen. Aus russischer Sicht beginnt das Dilemma im März 2016, aus der Sicht der Ukraine zwei Jahre früher. Im Jahre 2014 begannen nämlich die Ausschreitungen in der Ukraine und die, zumindest Beeinflussung Russlands, wobei vieles für mehr spricht. Die Krim Annexion, der Flugzeugabschuß und die Unterstützung der Separatisten in Donezk und der gesamten​ Ostukraine durch Russland, führten die Ukraine in einen Bürgerkrieg und einen Krieg, gegen ein Gespenst, das selbst jegliche Beteiligung leugnet. Auch beim ESC 2014 hatte das ganze Auswirkungen. Die Ukraine, welche gerade einen Pro Westlichen Kurs Dank der Maidanrevolution (Euromaidan) eingeschlagen hatte, wurde in Dänemark von der restlichen europäischen Gemeinschaft solidarisch bejubelt und unterstützt. Das belanglose Liebeslied Tick Tock, konnte im Nachhinein als Zeitbombe verstanden werden. Das von vielen Europäern als schuldig angesehene Russland schickte ein minderjähriges blondes Zwillingspaar, das ein Liebeslied schmetterte. Liebe empfanden zu dieser Zeit nur wenige Menschen für Russland und so kam es, dass die beiden in ungeheurer Lautstärke ausgebuht wurden. Sie versuchten sich nichts anmerken zu lassen, doch man sah es ihnen an, dass ihnen der Moment mehr weh tat, als sie ihn genießen konnten. Ihr großer Moment, zerstört von der Politik des Landes.

Hier startet das Eskalationsrad mit den ersten Schwüngen, praktisch wie das Hamsterrad, das bei der Ukraine auf der Bühne stand. Der Riss zwischen Putinreich und dem Rest des Wettbewerbs wurde deutlich. Ein konsequentes Auftreten der EBU, insbesondere von Jon Ola Sand wäre bereits hier nötig gewesen. Ein einfacher Regelzusatz: Länder, die gegeneinander einen Krieg bestreiten, dürfen auf Grund dieser politischer Brisanz nicht teilnehmen. Das wäre es gewesen, doch so kam das nächste Jahr.

2015 sagte die Ukraine ab, der Konflikt wirkte sich zu stark auf den Etat des Landes aus und für Musik war nun wahrlich der falsche Zeitpunkt. Russland hingegen nahm Teil und schickte das im Nachhinein fast zynische "A million voices". Eine Friedensballade, mit diesem Text: "Wir beten für Frieden und Besserung, ich hoffe, wir können neu starten" Einige Monate nach der Krim Annexion, ein Schelm, der eine Verbindung sieht. Der europäische Zuschauer fand die sehr gefühlvolle und ausdrucksstarke Polina so toll, dass man sie auf den zweiten Platz hob, 12 Punkte aus Deutschland nebenbei. Hier ist es nun durchaus strittig, ob man es als Provokation gegenüber der Ukraine sehen muss. Man kann es auf jeden Fall, die Beweggründe werden nie aufgedeckt werden. Die EBU verlor jedoch hier erneut die Kontrolle über ihre Neutralität (welche die EBU schon lange in anderen Fällen verloren hatte). Die russische Sängerin wurde von Teilen der Halle ausgebuht, als sie größere Wertungen abkassierte. Darauf wurde ein Jubeln aus der Konserve abgespielt, sobald es Punkte gab. Ist es politisch neutral, die Meinung der Zuschauer zu unterdrücken und zu verschleiern? Ist das nicht auch schon eine Form der Einflussnahme, wenn man das negative Bild Russlands, versucht in ein anderes abzuändern?

2016, also der Start der russischen Version, war der bisherige Höhepunkt. Während Russland einen unpolitischen Song nach Stockholm schickte, entschied sich der Rückkehrer Ukraine für etwas Gewagtes. In einem skandalösen, von Politik bestimmten Vorentscheid, setzte sich Jamala mit "1944" durch. Die Krimtatarin verarbeitete darin die Geschichte ihrer Großmutter, die damals von Stalins Schergen von der Krim deportiert wurden. Man muss kein Politikwissenschaftler sein, um die Lyrics auf die aktuelle Krimsituation anzupassen. Jamala bekräftigte immer lautstark, dass es ihr nur um die Geschichte ihrer Großmutter ginge. Da sie bisher keine sonstigen politischen Aktivitäten startete, glaube ich ihr. Jedoch glaube ich daran, dass sie die aktuelle Situation für sich ausnutzte. Die Zuschauer in der Ukraine empfanden natürlich den selben Schmerz um die Krim in 2014 und sie hatte zur richtigen Zeit, das richtige Lied. Somit war der Erfolg von ihr fast sicher, am Ende jedoch noch knapper als vermutet. Als der Beitrag fest stand, waren sich viele Foren einig, dass die EBU daran etwas zu beanstanden haben muss! Die Russen drehten natürlich am Rad, machten schöne Kampagnen auf Russia Today und Politiker beschäftigten sich mit dem Thema. Die EBU jedoch ließ den Beitrag (den Text) ohne Beanstandungen zu und nun hatte sie die Kontrolle vollkommen verloren. Es kam am Finalabend natürlich wie es kommen musste: Die Russen gewannen das Publikumsvoting, landeten in der Jurywertung aber abgeschlagen weit hinten. Die Juroren der westlichen Länder haben ja nicht für Russland stimmen dürfen, argumentieren später viele russische Politiker. Fehlende musikalische Qualität, gepaart mit der riesigen Diaspora Russlands, sorgen für den Unterschied, argumentierten hingegen die Kritiker. Wie so oft, liegt die Wahrheit wohl irgendwo in der Mitte. Das Bild des Abends: die vorne liegende Ukraine oben, der auf seine Punkte wartende Sergey aus Russland unten. Ukraine jubelt über enttäuschten Russen und "besiegt" diese praktisch.

Boykottforderungen aus Russland standen seit jenem Maiabend auf dem Tagesplan. Die Ukraine war ein stolzer Sieger, durch das neue Nationalgefühl auch von einer Ausrichtung trotz fehlender Halle überzeugt. Die EBU genehmigte der Ukraine die Austragung, trotz des stehts laufenden Konflikts in der Ostukraine. Das Rad drehte sich zu schnell, um es noch zu stoppen. Nun holte sich Bürgermeister Klitschko den Wettbewerb nach Kiew, ins bisher schmucklose Messegelände. Darauf war lange nichts von den russischen Teilnahmeambitionen zu hören, bevor sie 24 Stunden vor Frist diesen Beitrag einsendeten:

A flame is burning

Da ich, im Gegensatz zur EBU weiß, dass ich keinen neutralen Bericht schreiben kann, werde ich nun sowohl die Perspektive aus Russland und der Ukraine darlegen. Die Qualität des Songs lasse ich dabei außer Acht. Für mich persönlich der schlechteste Beitrag seit 2015.

Russische Perspektive:

Wir haben uns nach langer und intensiver Diskussion entschlossen, am ESC teilzunehmen. Wir glauben an den unpolitischen Charakter des Musikwettstreits und hoffen, dass die Ukraine uns fair behandelt und unsere Sicherheit vor ukrainischen Nationalisten gewährleistet. Der ESC war schon immer losgelöst von jeglicher Politik und wir hoffen, dass die Ukraine diese Tradition beibehält.

Yulya ist keine normale Sängerin. Seit ihrem Kindesalter ist sie auf einen Rollstuhl angewiesen, das hielt sie jedoch nicht davon ab, ihre Träume zu verwirklichen. Niemand dachte, dass eine Behinderte erfolgreiche Sängerin werden könne. Niemand dachte, dass eine Behinderte ein Land beim Eurovision Song Contest vertreten könne. Mit a flame is burning erzählt sie die Geschichte, wie ihr Traum (flame) sich endlich verwirklicht und wie stolz, froh und glücklich sie ist, insbesondere, da sie es nie leicht hatte. Der ESC ist ihr großer Traum, bereits bei ihrer Castingshowteilnahme sang sie den ESC Siegerssong von 2007.

Leider erreichte uns die Nachricht von ukrainischen Behörden, dass Yulya nicht einreisen dürfe, da sie eine nationale Gefahr für die Ukraine dar stelle. Eine junge Dame in ihren Zwanzigern, die ihren Traum leben will, sei eine nationale Bedrohung? Diese Einschätzung zeigt die Russophobie und Diskriminierung von Behinderten in der Ukraine. Der ESC wird als Deckmantel der Propaganda instrumentalisiert und da machen wir nicht mit. Wir werden weder teilnehmen, noch den ESC ausstrahlen. Nächstes Jahr, sofern der ESC nicht in der Ukraine statt findet, werden wir Yulya schicken, damit sie ihren Traum erfüllen kann.

Ukrainische Perspektive:

Das ist doch alles ein bis ins letzte Detail geplante Propagandamittel der Russen! Russland hatte von Anfang an gar nicht vor teilzunehmen, dass können wir sogar beweisen. Bevor wir jegliche Beurteilung der Person Samoylova veröffentlichten, gab es ein Treffen der Delegationen, indem die Hotels verteilt bzw. verkündet wurden. Die Russen hatten kein Hotel gebucht.  Sie hätten es allen erleichtert, wenn sie einfach auf Grund der aktuellen Situation nicht teilgenommen hätten. Aber sie treten nach und benutzen des ESC als Propagandamittel gegen uns aus!

Sie verkündeten die Interpretin so kurz vor Frist, um deren Austausch unmöglich zu machen. In den letzten Jahren stand der Interpret jeweils Wochen vor Fristende fest. Zufall? Samoylova darf auf Grund geltender ukrainischer Gesetze nicht einreisen, nicht auf Grund einer von ihr ausgehender Bedrohung. Sie veröffentlichte einige Statements zur Krim auf ihren Sozialen Netzwerken und reiste auf die Krim für Konzerte. Das wäre nicht schlimm, wenn sie über legalen (heißt von der Ukraine) Wege eingereist wäre. Da sie aber von russischer Seite einreiste, startete unser Geheimdienst Ermittlungen gegen sie. Ein Gesetz besagt, dass jeder, der die Krim von russischem Territorium aus bereist, eine dreijährige Einreisesperre in die Ukraine erhält. Nach eingehender Prüfung war das bei Samoylova der Fall.

Dieses Gesetz gilt bereits seit einiger Zeit und wurde nicht für den ESC beschlossen, sondern findet Anwendung bei vielen Personen. Die Behinderung der Person spielt dabei keine Rolle. Wir haben diese Gesetze offen kommuniziert und die Russen haben extra eine Person ausgewählt, die dagegen verstößt, um das alles dann auf die diskriminierenden behindertenfeindlichen Ukrainer zu lenken. Dass das Gesetz nicht nur für Russen gilt, sondern für jede andere Nationalität auch, passt natürlich nicht ins Bild der russophoben Ukrainer. Auch bei der armenischen Interpretin gibt es aktuell Ermittlungen, wegen der selben Problematik, doch ein Ergebnis steht noch nicht fest.

Der ESC ist kein rechtsfreier Raum und geltende Gesetze müssen angewendet werden, es gibt keine Immunität! Somit schiebt Russland uns den schwarzen Peter zu. Entweder wir machen eine Ausnahme und erlauben ihr die Einreise, geben die Krim damit ein Stück auf und verstoßen gegen unsere eigenen Gesetze, oder wir sind die Bösen, die einer Behinderte den Traum zerstören. Im Übrigen haben wir nie Russland ausgeschlossen, sondern die Person. Sollte Russland so viel am Contest liegen, könnten sie ja einen Interpreten bestimmen, der nicht gegen geltende Gesetze verstößt. Ein so großes Land, hat doch bestimmt viele talentierte Sänger. Diese riesige Inszenierung ist nur ein kleiner Teil des Propagandakrieges mit Russland.

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Ob Russland nun teilnimmt oder nicht steht in den Sternen. Die Chancen stehen wohl sehr schlecht. Die EBU allerdings verhält sich alles andere als das von ihr so oft gepredigte neutral. In einem offenen Brief fordert sie die Ukraine auf, Samoylova eine Einreiseerlaubnis auszusprechen, obwohl es glasklar gegen das Gesetz ist. Der russische Einfluss in der EBU scheint riesig zu sein. Offenbar drohen in diesem Brief auch einige Nationen einen Boykott der Veranstaltung, falls das aktuelle Einreiseverbot bestehen bleibt. Ich mutmaße die Russland freundlichen Nationen wie Weißrussland, Serbien, Moldau dank neuem Präsident,... Die Ukraine werde des Weiteren mit Sanktionen in den nächsten Jahren bestraft, gegebenenfalls mit einem Ausschluss, so wie es nach EBU Recht möglich ist. Wer hier nun nicht die Doppelmoral der EBU erkennt, sollte den Absatz erneut lesen. Durch diese klare Positionierung der EBU erhält das ganze eine neue Brisanz. Ein Versuch, Samoylova per Videoleinwand aus Russland zuzuschalten, wurde öffentlichkeitswirksam kund getan, jedoch von beiden Seiten kopfschüttelnd abgelehnt. Da die EBU solche Vorschläge nicht intern verhandelt, sondern mit der Presse unter eine Decke geht zeigt, dass die EBU nur Alibi mäßig um einen Kompromiss bemüht ist. Einen klar Schuldigen und ein Opfer hat die Dachorganisation schon gefunden.

Das eigentliche Opfer sind aber andere. Samoylova, egal ob von Russland willendlich provoziert, wird um ihren Traum gebracht. Der größte Verlierer ist aber der ESC. Der in Zeiten von politischen Krisen oftmals Recht unbeschadet davon kam. In diesem Konflikt jedoch gab man beiden Parteien zu viel Spielraum, es kam viel unglücklicher Zufall hinzu und so riskiert man die Marke damit. Ironisch und lächerlich ist ein Satz, aus dem Appell der EBU an die Ukraine: "Bitte sorgen Sie dafür, dass der unpolitische Charakter des ESC'S nicht beschmutzt wird."

Für das nächste Jahr wünsche ich mir eins: Das Fernbleiben sowohl der Ukraine, als auch Russlands​, bis der Konflikt halbwegs gelöst ist. Doch scheinbar teilt die "neutrale" EBU diese Einschätzung nicht.

So rufe ich: Herr Sand, treten Sie zurück!

Montag, 16. Mai 2016

Russland - Ein Fremdkörper im ESC?

Ein von wiwibloggs (@wiwibloggs) gepostetes Foto am

Dieses Bild fasst den gesamten Samstagabend sehr gut zusammen. Das unfassbare ist einmal mehr im Globen geschehen: Der LED-Wand haushohe Favorit wurde gestürzt, obwohl ihn die Wetten und auch die Fans nahezu unanfechtbar vorne sahen. Doch der ESC hat seine eigenen Gesetze und diese schreibt er jährlich neu. 

Auf dem Bild rechts unten sieht man Sergey Lazarev aus Russland, als er das unglaublich gute Publikumsergebnis von 361 Punkten sah. Im selben Moment realisierte er allerdings, dass es nicht für den Sieg reichen würde. Passend dazu wurde oben die Ukraine eingeblendet, als deren Jubelsturm begann. Ukraine feiert und Russland kann nur zu ihnen aufsehen. Ein Bild, dass Russland mit allen Mitteln versuchte zu verhindern. Ohne Erfolg. 

Russland gewann zwar deutlich das Televoting, jedoch wurde bei den Jurys nur ein mit Belgien (!) geteilter 5. Platz erreicht. Selbst Malta erlangte mehr Punkte von den Juroren als der große Favorit. Der Komponist des russischen Beitrags, der Frank N. Furter des 21. Jahrhunderts Filipp Kirkorow, roch sofort eine Verschwörung des restlichen Europas. Eine von der Regierung gesteuerte Jurywertung, die Russland beim ESC verunglimpfen sollte. Das sind harte Vorwürfe, die sich allerdings ziemlich gut beweisen lassen:





























Mehr als die Hälfte aller nationaler Jurys haben Russland keinen Punkt gegönnt. Die typischen Punktexporteure an Russland haben natürlich dennoch ihre Lieferung abgegeben. Aber durch die politischen Entwicklungen haben 2/3 des Baltikums, die Ukraine und Georgien keine Punkte mehr an Russland gereicht. Im Televoting sieht das ganze so aus:

Nun erhält Kirkorows Aussage mehr Gewicht, da JEDES Land mindestens 3 Punkte an Russland vergeben hat. Aus der Ukraine und Georgien gab es sogar 12, ebenso wie aus Deutschland. Dadurch sind die Zweifel dann doch begründet, da es auf jeden Fall Länder gibt, aus denen keine Punkte an Russland vergeben werden dürfen. 

Aber man sollte auch den Sinn hinter den Juroren bitte gerade als Komponist betrachten: Die Jurys sollen den Effekt der Diaspora schmälern und qualitativ hochwertige Beiträge gut bewerten. War der Song Russlands qualitativ hochwertig? Die Antwort kennt jeder. Das Lied war allerhöchstens Mittelmaß und man war besseres von Captain Kirkorow gewöhnt. 

Warum Russland also mehr Punkte im Televoting bekommen hat? Weil die Show natürlich Eindruck hinterlässt. Sie bleibt im Kopf, das Lied hingegen nicht. Dazu noch die unglaublich große Diaspora und nun ist es gar keine Überraschung mehr.

Hat das nun also nur politische Gründe? Natürlich nicht. Russland war natürlich nicht das einzige Land, das in der Jury deutlich schlechter abschnitt. Ich denke da nur an Österreich, die ja nicht einmal eine Diaspora haben oder das diesjährige Paradebeispiel Polen. Auch gegenteilige Ereignisse gibt es, zum Beispiel bei Australien, Malta oder Israel.

Es ist zu einfach alles auf die Politik zu schieben, das versuchen ja die deutschen Medien auch schon länger. Natürlich hat die Außenpolitik Russlands nicht viele Freunde in der EU, aber vielleicht sollte man sich auch einfach damit abfinden, dass der Beitrag Sergeys zwar gut schmeckte, aber eben in keinem Sternerestaurant gegessen werden kann, da die Zutaten zu simpel waren. Sein darauffolgender Appel, dass Russland doch aussetzen solle, halte ich für eine gefährliche Idee. Denn der ESC ist wohl zur Zeit das einzige Event, bei dem Russland von den anderen Ländern nicht angefeindet wird, sondern sogar angefeuert wird. 

Sollte Russland also 2016 den Weg nach Kiew finden, wäre dies ein Zeichen von wahrer Größe und auch ein Schritt zur Entspannung der Situation. Sollte sich Russland dagegen entscheiden, dann kapselt sich das Land auch noch vom ESC ab und es wird immer dunkler. So dunkel, dass wieder die Vorhänge zufallen könnten. 


Mittwoch, 11. Mai 2016

Der Tag danach - Ein Rückblick auf das 1. Semifinale

Der Morgen danach ist nie schön, besonders nicht nach den Halbfinals des ESC´s. Nachdem ich im letzten Jahr sehr zufrieden mit den Qualifikanten war, hatte ich wohl ein etwas zu hohes Maß an Selbstsicherheit angehäuft. Und so fühle ich mich jetzt schon an das Jahr 2013 erinnert, indem im 1. Halbfinale Montenegro, Serbien und Österreich doch recht überraschend ausgeschieden sind. 

Um das mal kurz festzuhalten. In meiner Prognose ging es nicht um meine Meinung, sondern um ein Orakel, also unabhängig von meinem Geschmack. Ich hatte die Erwartung, dass sich diese 10 Acts qualifizieren würden:

1.) Russland

2.) Armenien

3.) Ungarn

4.) Bosnien

5.) Island

6.) Griechenland

7.) Malta

8.) Aserbaidschan

9.) Zypern 

10.) Kroatien

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11.) Niederlande

12.) Tschechien

13.) Österreich

14.) Estland

15.) Finnland

16.) Moldawien

17.) Montenegro

18.) San Marino

Somit tauschen wir Bosnien, Island und Griechenland durch Tschechien, Niederlande und Österreich. 

Russland und Armenien werden wohl den Sieg unter sich ausgemacht haben, wobei mein Herz Armenien, und mein Kopf Russland sagt. Dazu werden sich Ungarn und Holland ebenfalls souverän qualifiziert haben. Letzteren hatte ich bei meiner Prognose ein knappes Ausscheiden in Aussicht gestellt, da ich einfach nicht glaube konnte, dass die Holländer mit dem selben Prinzip von 2014 erneut Erfolg haben. 

Die Qualifikation Österreichs war für mich im Vorfeld relativ unwahrscheinlich, da das Lied ja sehr aus dem Rahmen fällt und mir persönlich zu kitschig ist. Außerdem dachte ich, dass die Juroren es auch deshalb eher schlechter bewerten werden. Als Zoe dann aber auf den Bildschirm zu sehen war, deutete sich für mich an, dass sie es schaffen würde. Durch clevere Schnitte wirkte es dann doch gar nicht so rosa und stimmlich kann sowieso nur Kaliopi Zoe etwas beibringen. Somit habe ich kein Problem damit, dass sich Österreich qualifiziert hat, aber es haben andere Länder deutlich hochwertigere Produktionen ins Rennen geschickt.

Ira Losco aus Malta wird wohl auch einen relativ komfortablen Abstand zum 10. Rang haben, obwohl mich das Staging dann doch eher negativ überraschte. Das Opening mit ihrem Gesicht auf dem Boden war tatsächlich genial. Aber danach verliert sich irgendwie der Druck, das Voranpreschen in ihrer Stimme. Es erinnerte mich an Irland 2014, dass ja auch durch eine unglaublich schlechte Bühnenshow ausschied. Das Outfit von Ira war auch mehr als gewöhnungsbedürftig. Natürlich soll/darf sie ihren Babybauch zeigen, aber dass geht auch eleganter. Man muss ihn ja nicht wie Birgit (Estland 2013) unter einem großen weißen Etwas verstecken, aber diese geplatzte Goldtube hätte nicht sein müssen. 

Warum in den Proben Aserbaidschan so runter gemacht wurde kann ich auch nicht ganz verstehen. Das Staging ist für mich persönlich zu viel von Statik geprägt, gepaart mit zu vielen visuellen Eindrücken. Aber dennoch ein solides Gesamtpaket. Ihre Stimme? War im Rahmen, natürlich die schwächste des Abends, aber sie konnte Anschluss an die anderen halten. Auch wenn mich einige Zweifel befallen, dass eine Sängerin im Hintergrund manche Stellen für sie übernommen hat, gelang Aserbaidschan verdient ins Finale. 2013 und 2014 schafften sie das ja auch, aber da wurde ordentlich nachgeholfen. Wobei wir natürlich nicht wissen, ob das 2016 wieder der Fall ist. (Mit solchen Vorwürfen wurde bereits Malta in der Vergangenheit konfrontiert.)

Zypern könnte auf dem heißen Stuhl sitzen und sich als 10. qualifiziert haben. Rock kommt beim ESC eben nicht so gut an. Minus One war dazu live auch nicht wirklich überragend was dafür sorgte, dass ich sie nach ihrem Auftritt schon fast draußen sah. Der Umstand, dass Griechenland mit 2x 12 Punkten aushelfen konnte, kann das Zünglein an der Waage gewesen sein.

Kroatien hat es trotz des Kleids des Grauens geschafft, ins Finale einzuziehen. Respekt dafür! Angeblich wird sie das Kleid überarbeiten und auf etwas zurück gehen, was ihre Stimme in den Vordergrund stellt. Aber auch ihre Stimme war nicht so toll, wie wir sie schon gehört haben, nämlich etwas schief. Aber dennoch glaube ich, das Kroatien auf die linke Seite der Ergebnistafel kommen könnte.

Und dann natürlich noch die größte Überraschung: Tschechien! Die wohl langweiligsten 3 Minuten auf der ESC-Bühne werden mit dem Einzug ins Finale belohnt, na toll. Bitte nicht falsch verstehen, Gabriela kann unglaublich toll singen und eine Ballade muss nicht immer langweilig sein (siehe Israel), aber Gabriela hat es sich mit diesem Song einfach nicht verdient im Finale zu stehen. Für Tschechien freut mich das alles natürlich. Um auch noch etwas konstruktives zu sagen: Stylist rausschmeißen, sie sah aus wie 40. Bitte bitte ein anderes Kleid, es wirkt um die Hüfte einfach seltsam. Und etwas lächeln dürfte auch drin sein ;)

Aber nun zu den Schocks des Abends, die Ausscheider. Wir beginnen mal unspektakulär.

In Gedenken an Montenegro und Highway


In Gedenken an San Marino und Serhat



Ich schäme mich fast für diese Zeilen, aber so schlimm war es gar nicht. Seine Backgroundsängerinnen waren wirklich überraschend gut und auch Serhat performte wirklich gut. Anständig inszeniert war das ganze auch noch, also das Maximale aus diesem Song heraus geholt. Schön, dass Serhat so für den ESC in der Türkei geworben hat.

In Gedenken an Moldau und Lidia


Die beste stimmliche Leistung von Lidia wurde wie erwartet nicht mit dem Finaleinzug belohnt. Ihr Kleid war ebenfalls ganz schön und Lidia hatte den schönsten Tag in ihrem Leben und darum geht es ja. Der Astronaut hatte ja noch seine Akkreditierung unter seinem Anzug an, eine Panne? Wie auch immer, Moldau scheitert somit zum dritten Mal in Serie und man kann nur hoffen, dass Pasha (Sänger 2012, Komponist 2013, jeweils 11.) bald zurück kommt.  

In Gedenken an Finnland und Sandhja


Sandhja hat es wie erwartet auch nicht geschafft. Trotz ihres tollen Liedes, welches es sogar in meine Spotify-Liste geschafft hat. Leider konnte sie live nicht wirklich überzeugen, was aber auch eventuell am Mikrophon liegen könnte, da man sie kaum verstanden hat. Aber auch ihr Staging war verwirrend mit dem Hang zum Sinnlosen. Ihr Outfit und ihre Haare waren dann auch noch unglücklich gewählt. Schade, aber verdientes Aus.

In Gedenken an Estland und Jüri


Hier kam dann der erste Schock für die ESC-Fans weltweit. Der außerhalb der Bühne sehr sympathische Jüri enttäuschte auf ganzer Linie mit seiner Performance. Der Charakter der Bühne war sehr schön, aber durch ihn wirkte die Bühne ziemlich leer. Stimmlich war das wirklich im Rahmen, aber seine Ausstrahlung war so was von lächerlich. Ich bin 21, mache auf ganz coole Socke, während ich einen billigen Kartentrick vorführe und das alles in meinem viel zu großen Anzug. Noch fragen? Sein Ausscheiden hatte sich in der Probewoche abgezeichnet.

In Gedenken an Griechenland und Argo


Diese Gruppe war ja bereits vor den Probewochen in Stockholm klinisch tot, passend zu Griechenland was man ihnen natürlich zugute halten muss. In Stockholm sorgten sie schließlich für einen kleinen Aufseher, da ihre Show eigentlich bei allen gut ankam. Trotzdem war das Lied natürlich immer noch nicht schön. Warum ich glaubte, dass sie sich qualifizieren könnten? Weil es Griechenland ist und Zypern stimmberechtigt war! Während des Auftritts war mir aber klar, dass es das für Griechenland war. Sie standen zwar auf Rang 6 in meiner Prognose, aber persönlich kann ich sehr gut mit ihrem Ausscheiden leben.

In Gedenken an Bosnien und Dalal, Deen, Ana Rucner & Jal


Mit diesem Ausscheiden hatte ich wirklich nicht gerechnet! Wie Griechenland konnte sich der Balkanstaat immer fürs Finale qualifizieren. Diese Serie endet nun und ich muss ganz ehrlich sagen leider! Es regen sich ja nicht nur ESC-Fans darüber auf, dass kaum noch Titel in Landessprache gesungen werden. Was ist daraus also die logische Konsequenz? Der einzige Song in Landessprache (neben Malta mit Englisch) fliegt raus. 

Lag es am Rap? Vielleicht. Lag es an Dalals extremen Outfit? Vielleicht. Lag es an Deens divenhaften Verhalten? vielleicht. Der Hauptgrund für das Ausscheiden lag im Staging, das ich so gelobt hatte. Kommen da die Jurys ins Spiel? Seit dem Skandal mit Russland traue ich denen ja alles zu. Ja was folgt ist eine Verschwörungstheorie, die leider gar nicht so unwahrscheinlich ist.

Auf der Bühne trennte die beiden Sänger ein Stacheldraht, die ihre Liebe bzw. eine Beziehung behinderte. Ana trug Rettungsfolie. Ohne hier irgendeine politische Partei zu ergreifen kann man sagen, dass das natürlich die Flüchtlingskrise mit dem Zaunbau in Europa als Vorbild hat. An sich eine schöne Idee um das zu thematisieren, dass wir nur ohne Zäune und Grenzen wirklich frei sind. Aber leider hat das Team vergessen, dass die Länder, in denen Zaunbauhochkonjunktur läuft, in diesem Semi abstimmen durften. Nämlich Griechenland, Kroatien, Ungarn und vor allem Österreich. Wer weiß, vielleicht durften die Juroren auch nicht dafür stimmen, weil es nicht zum politischen Kurs passt oder waren dadurch zumindest eingeschüchtert. Ich kann praktisch versprechen, dass Bosnien mehr Punkte aus Schweden (Das Flüchtlinge aufnimmt) erhält als aus Ungarn (Die ja nur christliche Muslime wollen). Es hätte ein Zeichen des Zusammenhalts sein können, aber Europa ist erneut zerbrochen.

In Gedenken an Island und Greta

 
Und hier der Schock des Jahres. Ich kann es mir einfach nicht erklären. Sergeys Performance vor ihr wird einen negativen Effekt auf sie gehabt haben, aber einen so starken?! Wahrscheinlich wurde sie 11. und liegt nur einige Pünktchen hinter dem 10. Platz. Es tut mir einfach leid für sie, da sie sich so gut drauf vorbereitet hat. Mir fehlen die Worte, einfach anschauen und den Kopf schütteln.

Donnerstag dann das zweite Halbfinale. Ich will nicht, dass sich dort noch mal die Greta-Frage stellt: Warum?

Samstag, 9. April 2016

Semifinale 1: Griechenland muss zittern

Am Freitag erlöste die EBU uns endlich und gab die Startreihenfolge in den Semifinals bekannt. Wie immer nach dieser Bekanntgabe, gab es riesige Schockwellen, die durch das ESC-Universum flogen. Ob ein Song zwischen 1-9 oder 10-18 antritt, entschied das Los, die genaueren Positionen wurden vom Regisseur des ESC´s nach dramaturgischen Aspekten eingeordnet. Die Bekanntgabe kam dieses Jahr recht spät, was eigentlich ein Zeichen sein sollte, das sie gut durchdacht sei. Semifinale 2 gibt es hier. Schauen wir sie uns einmal an:

1. Finnland

2. Griechenland

3. Moldawien

4. Ungarn

5. Kroatien

6. Niederlande

7. Armenien

8. San Marino 

9. Russland
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10. Tschechien

11. Zypern

12. Österreich

13. Estland

14. Aserbaidschan

15. Montenegro

16. Island

17. Bosnien und Herzegowina 

18. Malta


Die Startposition ist ein oft unterschätzter Faktor, der schon oft für Dramen gesorgt hat. Wie auch im Finale gilt: Je später, desto besser. Dieses Jahr gilt das erste Semifinale als das spannendere. Nicht, weil die Songs hier viel besser sind, sondern weil sie ausgeglichener sind. Das hängt auch damit zusammen, dass die sonstigen sicheren Qualifikanten, schwächere Songs beisteuern und damit für die Qualifikation wackeln.

Die Regisseure können natürlich nicht alle Länder glücklich machen und ich persönlich finde auch, dass es eine recht gute Entscheidung ist. Aber die Quoten für die Qualifikation werden sich nun deutlich verschieben, natürlich in die Richtung der Spätstarter. Ein Orakelspruch wird im Laufe der Woche veröffentlicht werden, meine persönliche Meinung folgt ebenfalls in diesem Post.

Zunächst für die Statistikfreunde eine Qualifikationsquoute für jeden Startplatz seit Einführung des zweiteiligen Halbfinalsystem 2008:

Startplatz 1: 50%

Startplatz 2: 56%

Startplatz 3: 31%

Startplatz 4: 38%

Startplatz 5: 38%

Startplatz 6: 69%

Startplatz 7: 56%

Startplatz 8: 50%

Startplatz 9: 50%

Startplatz 10: 63%

Startplatz 11: 31%

Startplatz 12: 63%

Startplatz 13: 69%

Startplatz 14: 81%

Startplatz 15: 69%

Startplatz 16: 60%

Startplatz 17: 83%

Startplatz 18: 88%

Wenn man also nur nach Statistik geht, würden sich die grün hinterlegten Plätze qualifizieren, die gelben teilen sich den 10. Platz. Aus dieser Statistik geht eindeutig hervor, dass es sehr wohl auf die Startposition ankommt, wobei Platz 18 der beste ist und Platz 3 & 11 der undankbarste. Aber es kommt natürlich auch darauf an, wer vor und nach dir startet. 

Somit kommen wir zu den Gewinnern und den Verlierern dieses Semifinals:

Unter den Gewinnern sind:

Finnland
Armenien
Russland
Zypern
Island 
Bosnien
Malta

Finnland darf die Show eröffnen und kann damit schon mal das ganze Potential der Bühne zeigen. Der catchy Song startet auch vor 2 schwächeren Songs, die Finnland noch besser da stehen lassen.

Armenien kommt nach dem einschläfernden Holländer und vor dem notgeilen Serhat aus San Marino. Dadurch kann sich das Lied noch besser absetzten.

Russland ist ebenfalls bei San Marino und vor der ruhigen Tschechin. Außerdem bekam er den spätesten Platz, der nach der Auslosung noch möglich war.

Island, Bosnien und Malta sind natürlich happy, weil sie das Feld beschließen dürfen und das praktisch schon die sichere Qualifikation ist. 

Natürlich gibt es auch Verlierer, Die größten sind:
Griechenland
Moldawien
Ungarn
Niederlande
San Marino
Tschechien

Griechenland wird es nun noch viel schwieriger haben sich zu qualifizieren. Das wäre das erste Mal, dass es im Semifinale hängen bleibt.

Moldawien und Ungarn hatten sich natürlich die Eröffnung der Show oder einen späteren Startplatz gewünscht. Insbesondere Moldawien braucht mit Startplatz 3 praktisch gar nicht antreten. 

Niederlande und San Marino haben zwar diesen späteren Startplatz bekommen, haben aber die ungeliebte Sandwichposition erwischt. Das bedeutet, dass sie von zwei wesentlich stärkeren Weißbrotscheiben eingeschlossen sind und dadurch schnell vergessen werden.

Doppelt bitter trifft es Tschechien. Die Sandwichposition wird noch durch den ersten Platz in der zweiten Hälfte verstärkt. Das war übrigens in den Foren der häufigste Kritikpunkt. Tschechien ist ja ohnehin schon ein ESC unbegeistertes Land und mit der nächsten verpassten Qualifikation wird das natürlich nicht besser.

Fazit: Bis auf Ungarn und Tschechien hat die EBU eine wirklich gute Startreihenfolge beschlossen, die wesentlich mehr Sinn ergibt, als z. B. die des letzten Jahres. Wie das im Semi 2 aussieht, folgt bald.





Sonntag, 3. April 2016

Weiter geht´s nach Moskau!

Das zweite mehr oder weniger offizielle Jahrgangstreffen, fand am 3.April 2016 in Moskau statt. Viele der anwesenden Acts hatten eine stressige Anreise hinter sich, da sie nur einen Tag zuvor in Riga, auf dem ersten Treffen waren. (Nachzulesen hier und hier) Für dieses Event haben sich insgesamt 12 Künstler angekündigt, nämlich:



  • Iveta aus Hamburg (Armenien)
  • Samra aus Aserbaidschan
  • Hovi aus Israel
  • Ira aus Malta
  • Lidia aus Moldawien
  • Kaliopi aus Mazedonien
  • Ovidiu aus Rumänien
  • Sergey aus Russland
  • Rykka aus der Schweiz
  • Barei aus Spanien
  • Ivan aus Weißrussland
  • Minus One aus Zypern
Die fett gedruckten Namen waren bereits in Riga dabei. Dieses Pre-ESC-Event ist größer als das in Riga, nicht nur wegen der größeren Teilnehmerzahl, sondern wegen dem deutlich größeren Medieninteresse. Auch die Bühne wird hochwertiger aussehen und klingen, als das Scheunentheater in Riga.



Einen ersten Eindruck liefert uns Ivan auf seinem Instagram-Account von der Pressekonferenz.  




 Im Laufe des Tages werden Interviews geführt und Fragen zu der Performance im Mai gestellt. Der Höhepunkt der Veranstaltung ist natürlich das Konzert, in dem alle Künstler ihren Song performen werden. Die Infos, die ich hier über die Interpreten schreibe stammen von Interviews von den Seiten Wiwibloggs und ESC Wissen von A bis Z,ESCKAZ .

Auf der Pressekonferenz waren allerdings nur 9 der 12 Acts anwesend. Rykka, Ovidiu und Iveta waren nicht da, vielleicht kommen sie noch, vielleicht auch nicht. Die Pressekonferenz war nicht zu verarbeiten, da die Akustik sehr schlecht war und die Hälfte der Acts der russischen Sprache mächtig waren und dadurch auch diese sprachen. Barei und Hovi saßen eng bei einander, sie kennen sich ja schon aus Riga. Auffällig war auch, dass Ira sehr außerhalb an einem Einzeltisch saß und auch nicht gerade glücklich aussah. 

1. Iveta aus Hamburg (Armenien):

Iveta war weder auf der Pressekonferenz, noch wurde bisher ein Interview mit ihr veröffentlicht. Daher beziehe ich mich ausschließlich auf ihre Liveperformance.

Der beginnende Sprechgesang wurde textlich geändert, irgendwas mit ich hab dich in meinen Kopf. Die ersten Töne in diesem ruhigen Anfangsteil wackeln noch etwas. Der Text wird aber sehr schön und deutlich von ihr gesungen und die Spannung bleibt erhalten. Die Sirene hat natürlich einen tollen Effekt live. Danach explodiert ja der Song und auch Iveta scheint diesen Teil besonders zu lieben. Stimmlich sehr stark absolviert sie diesen Part. Auch bei diesem Auftritt hat man sich Gedanken zum Staging gemacht. Dunkles Kleid, viel Nebel und einzelne, sehr wirkungsvolle Bewegungen, geben dem Song jetzt schon einen düsteren Touch. 

Wir dürfen also gespannt sein, was sich Armenien für Stockholm ausgedacht hat. Die große Sorge, dass sie dem Song nicht mächtig wird, ist sie schon einmal los, jetzt muss sie nur noch dafür sorgen, dass ihre leisen hohen Töne zu Beginn sitzen und Armenien bekommt das nächste tolle Ergebnis. 



2. Samra aus Aserbaidschan:

Auch von Samra ist noch kein ausführliches Interview erschienen, es gab nur eine ganz kurze Frage nach ihrem Kleid auf dem roten Teppich. Aber beim Kleid bleib ich gleich mal. Es war ein kurzes rotes Kleid, mit einer Art Umhang, der ebenfalls knallrot war. Diejenigen, die den britischen Vorentscheid gesehen haben, können sich wahrscheinlich an dieses Kleid noch erinnern, denn die wahre Siegerin Bianca trug genau dieses Kleid.

Die große Sorge vieler Fans war, dass sie stimmlich nicht an die Studioversion heranreichen würde. Diese Zweifel machte Samra dann aber doch relativ schnell zunichte. Stimmlich sehr stark und sicher, sang sie ihren tollen Song und unterstrich ihre Favoritenposition. Allerdings kann man es nicht performen nennen, da sie nur da stand und gut aussah, das muss man aber auch erst Mal können.


3. Hovi aus Israel:

Hovi war ja auch schon in Riga dabei und spaßte sich da schon in die Herzen vieler Fans und sang einmal wieder sensationell am Abend. Er sei schon oft in Moskau und St.Petersburg gewesen und liebe Russland über alles. Über seinen Kleiderstil sagte er, dass er es liebe teures mit billigem zu vermischen, so dass man keinen Unterschied sähe. Er tue viel für sein Haar, was natürlich viel Zeit in Anspruch nehme. 

Er habe auch von Dana International (Siegerin 1998) und seinem/ihrem Manager, viele Tipps und Tricks für den ESC bekommen. Sein favorisiertes ESC-Lied sei Euphoria von Loreen (Siegerin 2012) und dieses Jahr sieht der Spanien und Finnland (?!) ganz vorne. In seinem Lied gehe es darum, dass man immer das machen solle, worauf man gerade Lust hat und dass man auf die Meinung der Anderen scheißen solle. Ach ja un man solle ihm unbedingt auf Twitter folgen.

Auf der Bühne machte er wieder einen sensationellen Job. Besser kann man diesen Song nicht singen und unsere Diva performte sogar auf der Bühne. Stimmlich wahrscheinlich der beste Mann dieses Jahr und auch ausdruckstechnisch ganz weit vorne dabei. Je öfter ich sein Lied höre, desto mehr glaube ich an eine Qualifikation Israels.



4. Ira aus Malta:

Ira war ja schon in Riga dabei und sollte sich daher stimmlich sicherer fühlen, als die meisten anderen Interpreten. Im Interview gab sie zu Protokoll, dass sie mehr Verantwortung fühle, als bei ihrem Auftritt 2002 beim ESC. Sie habe nun mehr Erfahrung und diese wolle sie nutzen, sie wisse aber nicht, ob sie mehr Erfahrung habe, als andere Acts dieses Jahrgangs. Die größte Änderung sei für sie allerdings die Einführung der Semifinals, da dadurch der Druck auf die Interpreten deutlich vergrößert würde. Sie wiederholte, dass es Malta als isolierte Insel schwer habe, Punkte zu erreichen, da es keine Nachbarländer gäbe. 

Auf ihre Songschreiber Molly Pettersson Hammar angesprochen sagte sie, dass sie eine unglaubliche Person sei und glaube, dass sie Schweden in den nächsten Jahren erfolgreich beim ESC vertreten werde. Bei der Aufzählung ihrer anderen Schreiber hatte sie allerdings Probleme, die Namen zu nennen. 

Bei ihrem Auftritt sah sie dann deutlich besser aus, als noch in Riga. Haare und Make-Up waren eleganter und das Kleid hatte extrem gute Ansätze. Die Hose war sensationell, allerdings gab sie sich obenrum etwas zugeknöpft und auch sie hatte ein Cape. Die Farbe des Kleids (schwarz) passte aber überhaupt nicht zu ihrem fröhlichen Song. Stimmlich war das am Abend dann in dem Rahmen, den man sich von ihr erwartet hat. Sie ist nicht die beste Sängerin und das weiß sie auch, aber sie singt ihr Lied bis auf eine Stelle dann doch annehmbar. Aber das Lied verliert natürlich etwas an Schwung, wenn die Sängerin so mit den Tönen kämpfen muss.





5. Lidia Isac aus Moldawien:

Lidia hat ein modernes zweiteiliges Kleid an, dass in einem nerdhaften blau schwarz Ton gehalten ist und Rauten abbildet. Ihren Haaren hat sie einen Rotstich gegeben, der zu diesem Kleid perfekt passt. Bei ihrem Auftritt hatte sie das Kleid aus dem Vorentscheid an, mein Geschmack ist das wirklich nicht. Ja ich bin jetzt auch ein Mode-Blogger. Sie sei schon seit gestern Nacht in Moskau und hatte heute morgen ein Treffen, mit einem ihrer Komponisten. Sie habe ihren Komponisten beim letzten ESC kennengelernt, als sie als Reporterin für ein moldawisches Portal gearbeitet hatte. Irgendwann habe er ihr dann die Demoversion geschickt und sie sei sofort begesitert gewesen. 

Sie macht gerade ihren Masterabschluss in Moderation (Journalismus?) und spaßt, dass sie dann mit 40 ihre eigene Musiksendung moderieren würde. Über das Staging macht sie einen großen Bogen, sie erwähnt allerdings, dass es sehr dezent ?! sein wird und die Show nicht überzogen sein soll. Ihre Backgroundsänger lasse sie in Moldawien (Richtig so!) und sie glaube, dass ihre neuen aus Schweden kommen. 

Mich persönlich überrascht das schon, da man aus Moldawien genau das Gegenteil gewohnt ist und dieses Jahr wäre eine fast schon überzogene Show schon empfehlenswert. Hoffentlich überschätzt ihr Team den Song nicht so stark, dass es ein dezenter Auftritt bereits genügt. Aber vielleicht hat sie die ESC-Fans auch nur angelogen, damit die Überraschung in Stockholm noch größer ausfällt. Sie hat einen netten, professionellen Eindruck gemacht und ihr englisch war auch sehr angenehm. Ein solider Auftritt von Lidia. Stimmlich hat sie sehr stark zugelegt und singt den ersten Ton im Refrain nun etwas höher. Leider hat sie immer noch eine Tanzlegasthenie.



6. Kaliopi aus Mazedonien:

Kaliopi tritt 2016 bereits zum dritten Mal für Mazedonien beim ESC auf. Und trotz dieser vergleichslosen Zahl, lässt sie sich es nicht nehmen, auch auf diesen Partys vor dem ESC aufzutreten. Sie sei bereits einmal in Moskau gewesen und zwar 1987 mit ihrer Band, bei einem Festival, an dem auch Bon Jovi teilnahm. Kurzer Funfact: 21 ihrer Gegner waren in diesem Jahr noch nicht einmal geboren! Kaliopi nahm zwar nicht am Treffen in Riga teil, aber sie habe in den vergangenen Wochen Fernsehauftritte auf der gesamten Balkanhalbinsel gehabt.

Sie wird ihre große Promotour in Albanien, Bulgarien, London, Amsterdam und eventuell sogar Griechenland fortsetzen. Die alte Dame zeigt mehr Engagement, als alle anderen jüngeren Kollegen. Über ihre Performance sagte sie kein Wort, aber es wird wahrscheinlich so ähnlich werden wie 2012. Für sie sei Dona aktuell der passende Song für ihre Emotionen und sie wünsche sich, dass die Zuhörer das auch spüren können. Sie singt ihren Song auf Mazedonisch, da sie so schlecht Englisch spreche, wie ein Latinosinger. Sie könne es kaum abwarten nach Stockholm zu reisen, da es für sie das Zentrum der Popmusik sei.

Am Abend gab es dann also die Live-Premiere von Dona und was soll ich sagen. Kaliopi ist die Königin des Gesanges. Sensationell, übermenschlich und unglaublich. Diese Begriffe können diese Performance nur ansatzweise in Worte fassen. Für mich ist nun klar, dass Mazedonien im Finale stehen wird, so blind kann Europa gar nicht sein. Augen schließen und genießen bitte.


 

7. Ovidiu aus Rumänien:

Da sind wir schnell fertig. Er war nicht da. 

8. Sergey aus Russland:

Der Gastgeber des ganzen Events ist ja ein riesiger Star in Russland und so verwundert es nicht, dass er überall mit riesigem Applaus begrüßt wurde. Natürlich wurde er zuerst darauf angesprochen, dass er in den Wettbüros gerade auf Platz 1 liegt. Dies sei eine Ehre für ihn, allerdings freue er sich noch nicht darüber, da der Wettbewerb erst im Mai ist und sich bis dahin noch alles ändern könne. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt für ihn, sein Land zu vertreten, da er ein sagenhaftes Team hinter sich stehen habe. In seinem Song gehe es auch speziell um eine Person, die er allerdings nicht nennen möchte.

Er habe viele Tipps von ehemaligen Teilnehmern bekommen, vor allem den, dass er den Moment genießen solle. Auf die Frage, wer seine stärksten Rivalen dieses Jahr sind, gab er die politisch korrekte Antwort, dass alle Länder einen hervorragenden Beitrag schicken und man es schwer einschätzen könne. Er sagte natürlich ebenfalls nichts zu seiner Bühnenpräsentation. 

Bei seiner heutigen Bühnenpräsentation hatte er als einziger sogar Tänzer dabei, mit denen er super interagierte. Die 4 in schwarz gehüllten Tänzer und er hatten eine sehr durchdachte Choreo und nichts wurde dem Zufall überlassen. Gesanglich war er extrem gut, verdächtig gut. Aber spätestens beim ESC würde ein mögliches Playback auffliegen. Mir persönlich ist alles in schwarz dann doch etwas zu dunkel für diesen eigentlich fröhlichen Song. Aber unterm Strich muss man ihm einen Platz auf dem Podest beim ESC wirklich einrechnen, da er wirklich eine Show bietet und nicht nur semioptimal singt (Malta schau Mal!)


9. Rykka aus der Schweiz:

Auch sie war ja bereits in Riga dabei und konnte dabei zwar stimmlich einen guten Eindruck hinterlassen, charakterlich war sie jedoch extrem zurückhaltend und so stellte man sich natürlich die Frage, ob sie vielleicht auch nur einen schlechten Tag hatte. 

Nein, sie ist immer so. Auch in den heutigen Interviews gab sie sich extrem introvertiert und wortkarg. Wenn sie dadurch wenigstens mysteriös wirken würde, aber es sieht einfach nur überheblich und unsympathisch aus. Ihr Album hat sie natürlich auch noch einmal erwähnt. Aber wenig Worte lassen große Taten erhoffen.

Bei ihrer Performance wurden immerhin ihre Stimme weiter verbessert. Die Töne sitzen eigentlich alle, nun müssten diese nur noch schön klingen und sie hätte wieder Chancen auf das Final. Doch im Moment ist sie für mich klar unter dem Strich und sie macht es einer zum Glück sehr leicht, ihr nicht nachzutrauern.



10. Barei aus Spanien:

Barei kam ebenfalls aus Riga, allerdings schon am Morgen mit Hovi und Ira und konnte daher an der Pressekonferenz teilnehmen. Sie klärte nun auch auf, warum sie nicht auf der Stadtbesichtigung durch Riga dabei war. Ihr Koffer war ja verschwunden und sie verbrachte den ganzen Tag damit, beim Flughafen anzurufen und in Erfahrung zu ziehen, wo ihr Gepäck denn nun sei. Ihre ganzen Outfits seien im Gepäck gewesen und er kam erst eine Stunde vor der Show an. 

Für Tel Aviv müsse man sie doch von der Liste streichen, da sie zuhause proben müsse. Sie ist die einzige, die eine halbwegs detaillierte Info ausgegeben hat, wie es bei ihr auf der Bühne aussehen wird. Sie wird mit 5 Backgroundsängerinnen arbeiten, wovon eine nicht auf der Bühne stehen wird, aus Choreographiegründen. Sie wechselte ihren Choreographen ebenfalls und wird nun nicht mehr von einem Deutschen unterstützt. 

Auf der Bühne trug sie ein durchsichtigen Poncho und stimmlich war sie wieder einer der Beste. Ihr Lied ist vom Ambitus natürlich nicht das fordernste, aber lieber singt man ein solches Lied perfekt, als ein schwierigeres schlecht wie Ira aus Malta. Ihre Tanzmoves sind immer noch klasse und sie ist ein supersympathischer Mensch.


11. Ivan aus Weißrussland:

Das glaub ich jetzt nicht...


Ein von wiwibloggs (@wiwibloggs) gepostetes Foto am



Ja, Ivan hatte tatsächlich einen echten Wolf dabei, mitten auf dem roten Teppich! Zum Glück nahm er das arme Tier nicht auch noch auf die Bühne mit, warum die EBU nichts dagegen unternimmt, finde ich nebenbei bemerkt sehr sehr schwach. 

Die Hauptaussage seines Songs sei Hoffnung und Friede. Mehr Neuigkeiten gab es nicht von ihm, da er die selben Fragen gestellt bekam, wie auch in Riga. Stimmlich machte er einen noch besseren Eindruck als in Riga und auch optisch hat er sich etwas einfallen lassen. Und zwar war er ganz in weiß gekleidet, mit weißer Kriegsbemalung im Gesicht. 

Aber mittlerweile verstehe ich sogar die Wolfidee. Sein Gesang hat sich so stark verbessert, dass Weißrussland sogar wieder vom Finale träumen kann. Aber die Performance ist momentan noch zu statisch für einen solchen Song, von daher braucht er eine wunderwolfe Performance. Er wirkt aber irgendwie nicht voll zurechnungsfähig, auch von den Aussagen die er tätigt. Aber Achtung: Verstehen heißt nicht, das ich Verständnis habe.




12. Minus One aus Zypern:

Die zypriotische Band war noch nicht in Riga dabei und haben somit noch nie live ihren Song performt. Der Leadsänger schied ja bei "the voice" in Frankreich aus und hatte somit auch Zeit. Fun Fact: 19 Acts des Jahrgangs 2016, haben einen Bezug zu einer Castingshow. Aber nur 6 konnten ihre Show gewinnen, Poli aus Bulgarien war Jurorin.

Für die Band sei es das erste Mal in Moskau, der Frontsänger Francois sei aber bereits in seiner Jugend öfters da gewesen.Sie seien außerdem sehr gerührt von der Tatsache, dass sie enorm positives Feedback aus ganz Europa bekommen. Ihr Lieblingsbeitrag der Rock(!)band ist übrigens der Siegersong von Céline Dion.

Live waren sie allerdings die Enttäuschung des Abends. Das kann natürlich auch dem extrem lauten Playback liegen, die den Frontmann dazu zwing etwas over the top zu singen. Ich persönlich glaube wirklich, dass Francois bei einem guten Soundcheck auch eine gute Leistung bringen wird. Ich bin mir auch sehr sicher, dass sie ihren Auftritt noch deutlich verbessern werden, da es sehr spontan auf der Bühne aussah. 



Das bringt mich jetzt auch schon zur Gesamtbewertung dieses Treffens, das nur die Interviews und den Auftritt berücksichtigt, nicht die Stärke des Liedes und dessen Qualifikationschancen:

12. Ovidium aus Rumänien: /

11. Minus One aus Zypern: - -

10. Rykka aus der Schweiz: - -

9. Ira aus Malta: -

8. Ivan aus Weißrussland: - (Wegen des Wolfs)

7. Lidia aus Moldawien: 0

6. Sergey aus Russland: + (Wenn es wirklich live war)

5. Samra aus Aserbaidschan: +

4. Iveta aus Armenien: ++

3. Hovi aus Israel: ++

2. Barei aus Spanien: +++

Und meine klare persönliche Gewinnerin des Abend ist eindeutig

1. Kaliopi aus Mazedonien: +++