Lisboa 2018

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Dienstag, 31. Mai 2016

Der bosnische Sender löst sich auf!

Es musste ja so kommen. Die Rundfunkanstalt in Bosnien und Herzegowina (BHRT) löst sich zum 30. Juni auf. Laut der Website von Radiosarajevo, liegt das an den unfassbar hohen Schulden, die in den letzten Jahren angehäuft wurden. Im Artikel spricht man von, in Euro umgerechnet, 12,7 Millionen Euro. Dieser riesige Schuldenberg setzt sich aus den Schulden der bosnischen und der serbischen Rundfunkanstalt zusammen. 

Da der Sender am 30.Juni jegliches Signal stoppt und kein Programm mehr ausstrahlt, könnten dunkle Zeiten auf die bosnischen Zuschauer zukommen. Ich bin nicht wirklich gut über die verzweigte Rechtesituation in Bosnien informiert, aber der Sendestopp könnte dazu führen, dass die finale Phase der EM nicht ausgestrahlt wird. Aber auch die Olympischen Spiele in Rio sind in Gefahr. 


Hier die Rundfunkanstalt in Sarajevo. Das Gebäude zeigt bereits die Probleme.

Durch dieses Auflösen kommt man der EBU zuvor, bei denen wahrscheinlich die Schulden gemacht wurden. Ich hoffe wirklich, dass sich die Zahlen auf diese Schulden beziehen, da die EBU ja schon Schritte angedroht hat. Mit dieser Aktion kam man der EBU allerdings zuvor und unterbricht nur die Mitgliedschaft und wird nicht wie Rumänien ausgeschlossen. Das hat wahrscheinlich den Vorteil, dass man einfacher wieder eintreten kann.

Aber die Probleme bleiben natürlich da, werden aber nur an andere Institutionen abgegeben. Denn die EBU wird natürlich weiterhin auf ihr Geld pochen und wenn die bosnische Regierung das nicht liefern kann, scheut die EBU bestimmt nicht vor weiteren Maßnahmen. 

Somit natürlich zum elementaren: Zur ESC-Teilnahme. Denn die ist für 2017 sehr sehr unwahrscheinlich und im aktuellen Status unmöglich. Es ist nämlich nicht bekannt, wie lange der Sender vom Netz geht. Aber selbst, wenn es eine wirklich nur kurze Zeit wäre, müssten ja noch die Schulden beglichen werden. Somit darf man sich für 2017 schon einmal verabschieden.

Falls nun mit dem Argument gespielt wird, dass sie doch 2016 nicht zum Contest zurückkehren hätten dürfen, wenn es finanziell doch so schlecht um sie stand, hat man sich nicht informiert. Denn die Rückkehr wurde ausschließlich durch private Sponsoren und die Künstler bezahlt. Die öffentliche Hand und damit der staatliche Sender zahlten keinen Cent. Das war wahrscheinlich auch gar nicht möglich.

Somit müssen wir uns nach Rumänien im letzten Jahr von der nächsten ESC-Größe verabschieden. Bosnien sorgte für einige unvergessliche Momente beim ESC. Sei es Deen 2004 mit seinem Fremdschäm-Song "In the disco" oder das Flüchtlingsdrama meets Romeo und Julia in 2016 , wieder mit Deen, Bosnien war immer für den Augenblick gut. 

Und was wünschen wir Bosnien? Auf gar keinen Fall eine überschnelle Rückkehr. Ein gesunder Sender, der zwar im Aufbau mehr Zeit benötigt, aber dann stabil und möglichst jährlich teilnehmen kann. Hoffen wir, dass man es schafft die Korruption einzudämmen und den Rundfunkbeitrag überall erheben zu können. Dazu braucht man die Unterstützung und den Willen der Politik. Und daran  könnte es scheitern. Bosnien ist nicht tot, sondern auf einer Reise. Und damit wir sie bis zur Rückkehr gut in Erinnerung behalten, schauen wir einfach die alten Beiträge.



Samstag, 9. April 2016

Semifinale 1: Griechenland muss zittern

Am Freitag erlöste die EBU uns endlich und gab die Startreihenfolge in den Semifinals bekannt. Wie immer nach dieser Bekanntgabe, gab es riesige Schockwellen, die durch das ESC-Universum flogen. Ob ein Song zwischen 1-9 oder 10-18 antritt, entschied das Los, die genaueren Positionen wurden vom Regisseur des ESC´s nach dramaturgischen Aspekten eingeordnet. Die Bekanntgabe kam dieses Jahr recht spät, was eigentlich ein Zeichen sein sollte, das sie gut durchdacht sei. Semifinale 2 gibt es hier. Schauen wir sie uns einmal an:

1. Finnland

2. Griechenland

3. Moldawien

4. Ungarn

5. Kroatien

6. Niederlande

7. Armenien

8. San Marino 

9. Russland
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10. Tschechien

11. Zypern

12. Österreich

13. Estland

14. Aserbaidschan

15. Montenegro

16. Island

17. Bosnien und Herzegowina 

18. Malta


Die Startposition ist ein oft unterschätzter Faktor, der schon oft für Dramen gesorgt hat. Wie auch im Finale gilt: Je später, desto besser. Dieses Jahr gilt das erste Semifinale als das spannendere. Nicht, weil die Songs hier viel besser sind, sondern weil sie ausgeglichener sind. Das hängt auch damit zusammen, dass die sonstigen sicheren Qualifikanten, schwächere Songs beisteuern und damit für die Qualifikation wackeln.

Die Regisseure können natürlich nicht alle Länder glücklich machen und ich persönlich finde auch, dass es eine recht gute Entscheidung ist. Aber die Quoten für die Qualifikation werden sich nun deutlich verschieben, natürlich in die Richtung der Spätstarter. Ein Orakelspruch wird im Laufe der Woche veröffentlicht werden, meine persönliche Meinung folgt ebenfalls in diesem Post.

Zunächst für die Statistikfreunde eine Qualifikationsquoute für jeden Startplatz seit Einführung des zweiteiligen Halbfinalsystem 2008:

Startplatz 1: 50%

Startplatz 2: 56%

Startplatz 3: 31%

Startplatz 4: 38%

Startplatz 5: 38%

Startplatz 6: 69%

Startplatz 7: 56%

Startplatz 8: 50%

Startplatz 9: 50%

Startplatz 10: 63%

Startplatz 11: 31%

Startplatz 12: 63%

Startplatz 13: 69%

Startplatz 14: 81%

Startplatz 15: 69%

Startplatz 16: 60%

Startplatz 17: 83%

Startplatz 18: 88%

Wenn man also nur nach Statistik geht, würden sich die grün hinterlegten Plätze qualifizieren, die gelben teilen sich den 10. Platz. Aus dieser Statistik geht eindeutig hervor, dass es sehr wohl auf die Startposition ankommt, wobei Platz 18 der beste ist und Platz 3 & 11 der undankbarste. Aber es kommt natürlich auch darauf an, wer vor und nach dir startet. 

Somit kommen wir zu den Gewinnern und den Verlierern dieses Semifinals:

Unter den Gewinnern sind:

Finnland
Armenien
Russland
Zypern
Island 
Bosnien
Malta

Finnland darf die Show eröffnen und kann damit schon mal das ganze Potential der Bühne zeigen. Der catchy Song startet auch vor 2 schwächeren Songs, die Finnland noch besser da stehen lassen.

Armenien kommt nach dem einschläfernden Holländer und vor dem notgeilen Serhat aus San Marino. Dadurch kann sich das Lied noch besser absetzten.

Russland ist ebenfalls bei San Marino und vor der ruhigen Tschechin. Außerdem bekam er den spätesten Platz, der nach der Auslosung noch möglich war.

Island, Bosnien und Malta sind natürlich happy, weil sie das Feld beschließen dürfen und das praktisch schon die sichere Qualifikation ist. 

Natürlich gibt es auch Verlierer, Die größten sind:
Griechenland
Moldawien
Ungarn
Niederlande
San Marino
Tschechien

Griechenland wird es nun noch viel schwieriger haben sich zu qualifizieren. Das wäre das erste Mal, dass es im Semifinale hängen bleibt.

Moldawien und Ungarn hatten sich natürlich die Eröffnung der Show oder einen späteren Startplatz gewünscht. Insbesondere Moldawien braucht mit Startplatz 3 praktisch gar nicht antreten. 

Niederlande und San Marino haben zwar diesen späteren Startplatz bekommen, haben aber die ungeliebte Sandwichposition erwischt. Das bedeutet, dass sie von zwei wesentlich stärkeren Weißbrotscheiben eingeschlossen sind und dadurch schnell vergessen werden.

Doppelt bitter trifft es Tschechien. Die Sandwichposition wird noch durch den ersten Platz in der zweiten Hälfte verstärkt. Das war übrigens in den Foren der häufigste Kritikpunkt. Tschechien ist ja ohnehin schon ein ESC unbegeistertes Land und mit der nächsten verpassten Qualifikation wird das natürlich nicht besser.

Fazit: Bis auf Ungarn und Tschechien hat die EBU eine wirklich gute Startreihenfolge beschlossen, die wesentlich mehr Sinn ergibt, als z. B. die des letzten Jahres. Wie das im Semi 2 aussieht, folgt bald.





Donnerstag, 10. März 2016

Balkan Pop frisch aus Bosnischer Einzelfertigung

Dieses Jahr scheint im doppelten Sinne  das Jahr der Rückkehrer zu werden und Bosnien leistet einen großen Beitrag dazu. Wir dürfen nämlich die ganze Familie Balkan beim 2016-er Jahrgang begrüßen, denn Bulgarien, Kroatien und Bosnien und Herzegowina kehren nach mehrjähriger Abstinenz wieder zurück und machen Osteuropa wieder komplett, bis auf die Slowakei und die Türkei. 

Aber auch auf anderer Ebene gibt es eine Rückkehr, denn es gibt so viele ESC-Rückkehrer wie noch nie zuvor! Im Moment stehen für Bulgarien, Island, Litauen , Malta, Mazedonien, Montenegro und eben Bosnien ESC-Rückkehrer auf dem Teilnahmezettel. 

Bosnien nahm das erste Mal 1993 teil und wird 2016 zum 19. Mal antreten. In den Jahren 2013-2015 gönnte sich die finanziell stark angeschlagene Rundfunkanstalt einen Pause und kann dieses Jahr auf Grund von Sponsorenhilfe wieder am ESC teilnehmen. Der bisher größte Erfolg gelang Bosnien im Jahre 2006 mit der Gruppe Hari Mata Hari und dem Lied Lejla, welches mit dem dritten Platz das Podest erreichte. Übrigens ist Bosnien eines der wenigen Länder, die das 2004 eingeführte Semifinale, immer überstanden haben. 

Der diesjährige Beitrag Bosnien und Herzegowinas heißt Ljubav je und wird performt von Dalal, Deen, Ana Rucner und Jala





Zunächst ein paar Sätze zu den Künstlern, damit man die 4 Namen auseinander halten kann. Die Cellistin nennt sich Ana Rucner, ist am ESC-Abend 33 und kommt aus Kroatien und hat nach einer flotten Internetrecherche nix am Hut mit Bosnien. Sie hat Cello studiert und mit exzellent an der Universität Zagreb bestanden und tourt nun durch ganz Europa. Fun Fact: Auf ihrer Website wird jedes Land durch das sie tourt namentlich erwähnt, Bosnien wird nicht erwähnt...

Dann haben wir den Rapper der mich von der Stimmfarbe leider an Sido erinntert, nämlich Jala. Vielleicht macht der 29-jährige einen auf Rapper, weil sein Vorname Jasmin ist, you never know. Er kommt aus Sarajevo und hat keinerlei größerer Erfolge....und keine Homepage.

Kommen wir zur Frau mit den nicht vollständig geöffneten Lidern. Dalal Midhat-Talakić, warum hat die Frau eigentlich keinen Künstlernamen? Die 34-jährige stammt ebenfalls aus Sarajevo und kann schon Erfolge im alten Jahrtausend nachweißen, außerdem heimische Top-10 Chartplatzierungen. 

Der letzte in der Reihe und der wohl bekannteste ist Deen. Der im Video etwas seltsam und schmierig wirkende Sänger, hat frisch seine Glatze poliert und schon einmal beim ESC geglänzt. 2004 trat er damals für Bosnien an, aber eher mit einem unseriösen Beitrag, dass am Ende mit dem 9. Platz belohnt wurde.




Aber nun zum Lied ljubav je. Eine Balkan-Ballade wie sie im Buche steht und überraschenderweise die einzige dieses Jahr. Wie es sich für eine gute BB (Balkan-Ballade) gehört, beginnt ein 30-sekündiges Streicherintro, ehe das Duett in Erscheinung tritt. Beim erwarteten zweiten Refrain überrascht dann ein Rapper die ruhige Stimmung. 

Jeder der Balkanpop bisher gehasst hat, wird ihn nach dem Lied immer noch hassen, jeder der ihn liebt, wird Bosnien lieben. Ich gehöre zur zweiten Kategorie. Der Refrain ist trotz Landessprache extrem eingängig und schön. Nur der Rapteil könnte beim ESC unpassend wirken, vor allem wenn es einer dieser Rapper ist, der beim Auftritt nur rumgrölt. Also hier hat Bosnien zum konventionellen eine eigene Note ergänzt und diese kommt besser an als erwartet.

Bühne wird wahrscheinlich typisch für solche Lieder sein: Streicher auf der Bühne, dezente Kleidung und die Background-Sänger sind zeitgleich die Streicher. Der Rapper wird erst ab seinem Part sichtbar sein und danach auf der Bühne verweilen. Das alles wird dann durch schöne Landschaftsbilder unterfüttert. Ich könnte eigentlich drauf wetten. Vorauf man allerdings acht geben sollte ist, wie sich Deen der Kamera gegenüber verhält. Im Video wirkt das stellenweise vom Gesichtsausdruck wie der Mann, der kleinen Kindern seine Hasen zeigen will. Dalal ist ein Vollprofi und weiß ganz genau, welche Bewegungen sie machen muss.

Ein wirklich guter Act aus Bosnien. Wir müssen uns gar nicht um die Qualichancen unterhalten, das hier ist im Finale. In diesem ist im schlechtesten Fall ein 15. Platz drin, da die Balkanstaaten da ordentlich Punkte lassen werden. Wenn nun noch Westeuropa Punkte schickt, kann das ganz schnell in die Top-5. Ein Sieg ist für mich eher unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich bei klasse Staging.