Lisboa 2018

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Samstag, 17. März 2018

Schweiz gegen Cybermobbing und steinzeitliches Verhalten

Das Land, das Celine Dion, Vanilla Ninja und DJ BoBo in den erlesenen Kreis der Teilnehmer am Eurovision Song Contest aufsteigen ließ, sucht seit einigen Jahren die Form vergangener Tage. Nun soll endlich 2018 der Umschwung gelingen und das durch eine rundum Schweizer Produktion, ein Geschwisterpaar und dem Lied Stones


Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=jXOlPGnkZFY
Die ESC-Vergangenheit:

Die Schweiz kann man ohne Probleme als das Mutterland des ESC´s betrachten, da 1956 die einstige Idee in die Tat umgesetzt wurde. Ohne unseren neutralen südlichen Nachbarn hätte die Auswahl eines Austragungsortes im immer noch durch Krieg geschüttelten Europa zum Problem werden können. Den Heimsieg ließ die Schweiz sich ebenso nicht nehmen. Darüber hinaus konnte die Schweiz ein weiteres Mal den Pokal nach Hause bringen, als die (wie immer an dieser Stelle erwähnte) Celine Dion 1988 mit nur einem Pünktchen Vorsprung gewann. Danach gelang noch ein Dritter Platz, aber der Schwung war weg. In den vergangenen 10 Jahren wurde nur 2 Mal das Finale erreicht mit den Positionen 25 (2011) und 13 (2014). In diesem Zeitraum wurde sogar ganze 3 Mal der Letzte Platz im Semi erreicht, 2015 und 2016 sogar in Folge. Auch die hoch gewettete Band Timebelle konnte 2017 die Wende nicht schaffen und schied als 12. mit nur 4 Punkten Rückstand auf die Finalplätze aus. Nun soll mit der 59. Teilnahme endlich der erste Finalplatz seit 2014  erreicht werden. 

Die Auswahl:

Die Schweiz veranstaltet seit 2011 Die große Entscheidungsshow, dessen Sieger für die Schweiz beim Song Contest antreten darf. In den vergangenen Jahren wurden die Startplätze den regionalen Sendern verhältnismäßig aufgeteilt, die dann frei entscheiden konnten, wer diese Plätze ausfüllt. Dieses Konzept wurde 2017 aufgegeben und 2018 erneut bearbeitet. Zusammen mit der Schwedischen ESC-Größe Christer Björkmann wurde eine öffentliche Ausschreibung für Komponisten und Sänger getätigt, wobei nicht jeder Komponist auch einen Sänger präsentieren musste. Der Sinn dahinter war, dass der Fokus der Auswahl mehr auf den Song gelegt wird, als auf den Künstler. Intern wurden daraufhin 6 Künstler ausgewählt, die Anfang Februar gegeneinander antraten.

Die Änderungen in der internen Auswahl der Beiträge lohnte sich und es gab einen hochwertigen Vorentscheid, der sich qualitativ deutlich von den letzten Jahren abheben konnte. Auch wurde der Fokus auf die Inszenierung gesetzt, was natürlich ein riesiger Vorteil für den ESC ist. Unter den 6 Teilnehmern wurde recht schnell in den Foren ein Favorit auserkoren (Haha Reim) und dieser war auch der spätere Sieger: ZiBBZ. Dieser Favoritenrolle wurden sie trotz des Startplatzes 1 gerecht und gewannen sowohl das Juryvoting (knapp mit 2 Punkten) als auch das Televoting (Sehr deutlich mit fast 30 Punkten Vorsprung). Somit konnte ohne den Hauch von Drama die Show beendet werden und die Schweiz schien glücklich.


Die Künstler:

Hinter dem Künstlernamen ZiBBZ (je nach Quelle Zibbz) steckt das Geschwisterduo Corinne 'Co' Gfeller und Stefan 'Stee' Gfeller. Während Co für den Gesang zuständig ist, kümmert sich ihr Bruder Stee um den Rest (Schlagzeug, Percussion & Klavier). die Band gründete sich 2008 und ihr Name ist eine fancy dancy Abwandlung des Englischen Siblings, also Geschwister. Auf ordentlich Erfahrung können die beiden auf jeden Fall zurückgreifen. Co besitzt einen Abschluss der Laine Theatre School (Musicalausbildung) in London, auf der auch Viktoria Beckham war, dazu ist sie auf einigen namenhaften Alben als Backgroundstimme zu hören und textete auch einige Lieder, unter anderem für Fergie. Stee hingegen gewann schon mit 12 Jahren diverse Preise für sein Schlagzeugspiel und gründete seine eigene Rockband. Beide zusammen fühlen sich in ihrer Wahlheimat Los Angeles am wohlsten, wo sie auch ihre Musik zum Leben erwecken. 

Als sie dann zusammen die Band zum Leben erweckten, erhielten sie gleich großen Support von einem Jugendsender, der über Jahre hinweg über sie berichtete. Zusammen brachten sie bereits 2 Alben in den Jahren 2013 und 2017 heraus, die jeweils die Top10 der Albumcharts kratzten. Außerdem brachten sie schon einige Song in Werbespots unter, so zum Beispiel für die sehr leckere Ragusa-Schokolade oder für Subaru. Der bisher größte Erfolg in der Werbebranche war wohl die Beisteuerung der offiziellen Hymne für die Unihockey-WM 2012. An mangelnder Erfahrung sollte es also nicht scheitern.


Der Song:


Hier ist der diesjährige Schweizer Beitrag "Stones" von ZiBBZ:


Der Song ist wie es sich für einen Popsong ja fast schon gehört recht typisch, weißt aber im Aufbau einige Besonderheiten auf. Vers A, Prechorus, Refrain, Vers B, Prechorus halb, Refrain, Bridge, 2x Refrain. Zu Beginn steht Co´s Stimme sehr im Vordergrund und wird durch harte Schlagzeug-Akzente, die auch Posaunen beinhalten, ergänzt. im Prechorus ist dann nur das Piano hörbar, um den Bruch zum Refrain noch stärker zu betonen. In diesem werden die Motive aus den Versen ausgebaut und generell ein lauter, aggressiver Sound hergestellt. Die Komposition verändert sich nicht all zu sehr im zweiten Durchlauf, nimmt sich selber in der Bridge allerdings deutlich zurück, wo nur der Chor im Hintergrund zu hören ist und ein Percussion Klang-Teppich. Natürlich folgt der Höhepunkt durch den einleitenden Schrei in die beiden Finalen Refrains, bei denen es Co sich natürlich nicht nehmen lässt, noch einiges an Stimmakrobatik einzubauen.

Das moderne Pop/Rock-Stück orientiert sich nah am Zahn der Zeit und könnte ohne Probleme in jeglichen Radiostationen gespielt werden. Wenn ich diesen Song einordnen müsste, dann wäre das irgendwo zwischen "Radioactive" von den Imagine Dragons und "Are we all we are" von P!nk, denn beides sind edgy Songs, mit starkem Percussion-Anteil, von denen sich "Stones" nicht verstecken muss. Der Song wurde nach dem Sieg im nationalen Vorentscheid etwas modifiziert und der Attitude-Pegel wurde ordentlich nach oben geschraubt. Somit ist es der Schweiz als eines der wenigen Ländern gelungen, einen Song mit einem Revamp tatsächlich zu verbessern. 

Komponiert und getextet haben ZiBBZ den Song selber, mit der Unterstützung von Laurell Barker. Die Kanadierin gewann schon einige Awards in den USA und Kanada und entdeckte in den letzten Jahren die Liebe zum Eurovision Song Contest. Sie steuerte 2017 2 Songs dem Britischen Vorentscheid bei, 2018 folgten dann der Fan-Favorit im britischen Vorentscheid und sogar ins Melodifestivalen schaffte sie es mit Renaida und ihrem Song "All The Feels", welcher es bis ins Finale schaffte.


Ein anderes Werk der Co-Autorin, das es sogar bis ins Finale des Melodifestivalens schaffte.

Der Text:

ZiBBZ beschreiben die Message des Songs als Hymne gegen Mobbing. Sei es in der Schule, auf der Arbeit, im Internet oder in Form von mangelnden Selbstbewusstseins. "Mobbing hindert uns daran, unser wahres Ich zu zeigen, unser Leben in vollen Zügen zu leben und zu träumen", so ZiBBZ. Dabei rufen sie auch auf eben nicht in dieses steinzeitliche Verhaltensmuster zurück zu fallen und andere Menschen mit Steinen zu bewerfen oder ihnen in den Weg zu legen. Auch sind sie überzeugt davon, dass sie mit dieser Meinung nicht alleine da stehen. Die Selbstsucht der Menschen wird ebenfalls thematisiert, da Menschen oft nur an ihren eigenen Vorteil denken. 

Hier einige Auszüge:

Wir sind so ängstlich, wir feuern sie ab
Was ist ein Leben schon wert?
Wir sind so ängstlich, wir wiederholen den Fehler,
Nur um Erster zu sein.

...

Jede Belehrung der Vergangenheit haben wir verloren

Es tut mir leid, dass ich nicht zurück versetzt werden möchte

Nein, Ich werde keine Steine werfen

Oh, weil ich weiß, dass ich nicht alleine da stehe.

...

Sie meinen anders zu denken sei der Feind

Es ist schon seit Jahrzehnten so

und ich kann nichts dagegen tun.

Die Botschaft, in allen von Cybermobbing-Zeiten, in denen man anonym erheblichen Schaden anrichten kann, ist sehr wichtig und sehr gut verpackt. Die Lyrics sind nicht zu platt oder schwach, sondern qualitativ hochwertig, was allerdings den Zugang zur Message natürlich erschwert. Nichtsdestotrotz wurde hier sowohl ein wichtiges Thema angesprochen, als eben dieses auch gut verpackt und in dieser Kategorie nimmt die Schweiz meiner Meinung nach einen der führenden Plätze in diesem Jahr ein.


Das Gesamtpaket: 


Quelle: https://youtu.be/jXOlPGnkZFY?t=2m24s

Da ZiBBZ ja im Vorentscheid antreten mussten, konnte man schon einen ersten Entwurf für das Staging betrachten. Dieses war simpel, jedoch recht effektiv. Das Geschwisterpaar stand bzw. saß jeweils in einem Dreieck, Stee´s blau, Co´s rot und auf dem Kopf. Zu Beginn steht Co noch an einem Mikrofonständer, von dem sie sich allerdings recht schnell verabschiedet und anschließend vorne ordentlich Bewegung macht. Zur Bridge haut sie sogar auf eine Trommel. Auch die LED-Wand wurde benutzt, die ja beim ESC weg fällt. außer man bringt seine eigene mit. Deren Bilder waren jedoch sehr willkürlich ausgewählt. So gab es zu Beginn Aufnahmen aus einem Wald, welcher dann im Refrain zu (was wohl?) fliegenden Steinen wurde. Auch einige Autobahnkreuze und Kamerafahrten über Straßenblocks waren zu sehen. Das einzig wirklich Relevante für den ESC war der Effekt, als fliegende Steine als Bildeinblendung über die Bühne in Richtung Zuschauer flog. Co´s Outfit war sehr dunkel gehalten, schwarze Lederhose, schwarzes Top mit Schulterpelz und ein schwarzer Hut. Dadurch kamen natürlich ihre blonden Haare richtig zu Geltung, sowie ihr rotes Fetzen-Accessoire an ihrem Oberkörper. Allerdings ging sie in den Kameraeinstellungen der ganzen Bühne etwas verloren, da der Hintergrund auch oft schwarz war.


Der Song benötigt auf jeden Fall ein recht auffälliges und passendes Staging, da die Schweiz im starken Semifinale 1 ran muss und die Finalqualifikation die Erwartung sein sollte. Die LED-Dreiecke könnten mitgenommen werden, auch wenn diese unter Umständen etwas zu wenig sein könnte. Daher würde ich mich eher an dem Video orientieren, das sehr dunkel gehalten ist, aber zum Beispiel mit Lasern arbeitet. Tänzer würde ich bei dem Song unterlassen, allerdings könnte man den Chor sichtbar auf der Bühne dar stellen, sozusagen als Antagonist der Künstler. ZiBBZ also auf der durch die LED-Dreiecke beleuchteten Seite der Dreiecke, die klar abgegrenzt zur Dunkelheit ist. In dieser Dunkelheit (Anonymität) stehen die Chorsänger als finstere Gestalten. Zum Ende hin löst sich dieser Konflikt auf und die Gestalten wandern zu ZiBBZ. Die Laser könnten hierbei aus der Gruppe heraus kommen, um gezielte Attacken auf Opfer darzustellen, siehe Scharfschützengewehre. Auch die rote Beleuchtung zum Ende des Videos finde ich schön und diese könnte man auch auf das Staging adaptieren. Das Outfit sollte edgy, aber dennoch passend sein, dabei auch noch eher finster, aber nicht zu dunkel, um auf der Bühne nicht zu verschwinden. Von daher würde ich in der Farbwahl etwas mehr auf das bereits vorhandene weinrot setzen oder zumindest den Hut weglassen bzw. färben.


Die Wettquoten und Chancen:

ZiBBZ sind bereits gestandene Künstler, die auf eine ordentliche Vita zurückschauen können. Somit ist ein Totalversagen beim ESC praktisch ausgeschlossen, da die beiden genug Erfahrung haben, um die Schweiz nicht zu blamieren. Symphatiepunkte gibt es außerdem für die Tatsache, dass sie ihren Song mitproduziert und geschrieben haben. Sie sind vielleicht der beste Schweizer Act seit langer Zeit, nur leider haben sie ordentlich Pech im Gepäck.

Denn sie starten im sehr starken Semifinale 1, darin in der zweiten Hälfte. Aktuell sind die Top4 der Wettquoten in diesem Semi zu finden, es könnte das stärkste Semi aller Zeiten sein. Die Schweiz, die oft eher weniger Glück mit Nachbarschaftsvoting hat, sieht sich also in mitten von vielen Favoriten. Auch können weder Frankreich, Italien noch Deutschland für sie abstimmen, da diese geschlossen im anderen Semifinale abstimmen werden. Somit bleibt mit Österreich nur ein Nachbarland, die sich aber in der Vergangenheit nicht als sonderlich spendabel erwiesen haben (So gab es 2017 nur magere 2 Pünktli) 

In den Wettquoten ergibt sich ein noch schlimmeres Bild, da sie aktuell Stand 17.03. 23:00 Uhr nur auf dem 39. Platz stehen. Vor noch 5 Tagen standen sie seit einem Monat auf dem Letzen Platz aller Teilnehmer. Somit halten die Anbieter eine Qualifikation der Schweiz nicht nur für unwahrscheinlich, sondern für beinahe ausgeschlossen. 

Meine persönliche Einschätzung ist, dass ich die Schweiz noch nicht abschreiben würde. Ich finde den Song wesentlich stärker als den letztjährigen Beitrag, der ja nur äußerst knapp gescheitert war. Natürlich ist das Semifinale auch wesentlich stärker und die Schweiz muss auf Fehler der Konkurrenz hoffen. Wären sie allerdings in Semi 2 angetreten, hätte ich ihnen sogar recht gute Chancen ausgerechnet, aber in Semi 1 wird es natürlich schwer. Vielleicht wird Christer Björkmann, der ja maßgeblich für die Reihenfolge der Teilnehmer verantwortlich ist, den ein oder anderen Extra-Franken bekommen, wenn er die Schweiz auf den letzten Startplatz setzen sollte. Wir erinnern uns: Er war in der Auswahl des Beitrages involviert. Natürlich ist das nur eine meiner zahlreichen Verschwörungstheorien, wobei sich ja einige schon als wahr herausstellten. Mit gutem Staging, optimaler Startnummer und patzender Konkurrenz könnte ich mir eine Qualifikation vorstellen. Sollte ich allerdings jetzt eine Prognose abgeben, dann würde ich die Schweiz raus tippen. Aktuell sehe ich 7 Länder mehr oder weniger sicher im Finale, dazu kämpfen mindestens 8 andere Songs um die weiteren Plätze 8-15. Unter diesen sehe ich die Schweiz, unter diesen sehe ich aber auch die Schweiz als diejenigen, mit den geringsten Chancen. Neutralität zahlt sich eben doch nicht immer aus. 

Hier noch die Performance aus dem Vorentscheid (Achtung: Alte Version des Songs)


Freitag, 16. März 2018

Eisige Reaktionen auf warme Ballade aus Island

Ein neues Jahr, eine neue Chance. Gerade für Island sollte dieses Motto gelten, um die Vergangenheit etwas in Vergessenheit geraten zu lassen. Auch dieses Jahr fand das fast schon traditionsreiche Söngvakeppnin auf Island statt und der überraschende Gewinner Ari soll Island wieder zum alten Glanz vergangener Tage bringen.

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=nloweviD_90
Die ESC-Vergangenheit:

Island debütierte 1986 beim 31. Eurovision Song Contest im norwegischen Bergen und war somit das letzte Land aus dem hohen Norden, das seinen Weg zur größten Musikshow der Welt fand. Mit zwei Ausnahmen 1998 und 2002 (Dort konnte man sich auf Grund der schlechten Ergebnisse der Vorjahre nicht qualifizieren) nahm das Land immer am ESC teil, womit Island 2018 zum 31. Mal beim ESC antreten wird. Gewinnen konnte Island noch nie, allerdings konnte sowohl 1999 als auch 2009 ein hervorragender zweiter Platz belegt werden, jeweils hinter einem skandinavischen Bruder. In der jüngeren Vergangenheit konnte Island an diese Erfolge nicht ranreichen. So konnte man sich in den letzten 10 Jahren zwar sieben Mal für das Finale qualifizieren, allerdings holte Svala 2017 den Hattrick mit der dritten Nichtqualifikation in Folge. Somit spricht der Trend klar gegen Island und es ist am erst 19 jährigen Sänger diesen Trend zu brechen.

Die Auswahl:

In Island wurde mit der ersten Teilnahme 1986 das Söngvakeppni gestartet. Ein über mehrere Runden gestalteter Wettbewerb, dessen Sieger in beinahe allen Jahren auch beim ESC antrat. 2018 wurde das geänderte Konzept von 2009 weitergeführt. Es gab 2 Semifinals mit je sechs Teilnehmer, von denen sich jeweils 3 für das Finale qualifizieren konnten. In den Halbfinals entschied zu 100% das Televoting, im Finale  gab es ein absolutes Punktesystem zu 50% Jury und 50% Televoting, wobei die beiden erfolgreichsten Beträge erneut in einem Superfinale erneut gegeneinander antraten, woran eine zweite Votingrunde gekoppelt war, in der nur die Zuschauer entschieden. Die Besonderheit des isländischen Vorentscheids ist, dass es im Halbfinale die Regelung gibt, dass in Landessprache gesungen werden muss. Im Finale entfällt diese Regelung, wodurch sich 4 der 6 diesjährigen Finalisten für eine Englische Version entschieden.

Die Qualität des diesjährigen Teilnehmerfeldes ließ ordentlich zu wünschen übrig. Mag es daran liegen, dass Greta Salomé dieses Mal nicht vertreten war oder eben doch ein gewisses Desinteresse der Künstler auf Grund der letzten Ergebnisse Islands der Grund ist. Die Begeisterung in der Bevölkerung ist jedoch ungebrochen. Allein im Superfinale kamen insgesamt fast 84 000 stimmen an und auch beim ESC bricht Island mit Einschaltquoten von 95% jegliche Rekorde. In diesem Jahr galt vor allem Dagur Sigurdsson als großer Favorit. Der stämmige Isländer war ebenfalls mit einer Ballade am Start, die allerdings etwas rockiger und nicht ganz so klassisch war, wie der spätere Sieger. 

Zweiter Platz im Vorentscheid und Favorit vor der Show

Potential für Drama gab es dieses Jahr vor allem bei der Abstimmung. Dagur konnte sowohl das Jury- als auch das Televoting für sich entscheiden, Ari zog mit einem deutlichen Rückstand von circa 9000 Punkten ebenfalls ins Superfinale ein. In diesem wendete sich das Blatt allerdings überraschend und Ari war der völlig unerwartete Sieger. Daraufhin traten Spekulationen und Vorwürfe von Fans des unterlegenden Künstlers auf, dass Stimmen nicht gewertet wurden, was der Telefonanbieter klar zurückwies. Wie dem auch sei: Ari gewann mit einem knappen Vorsprung von 53,23%.

Der Künstler:

Ari Ólafsson ist ein recht bekanntes Gesicht auf Island, wobei in diesem Land mit 330.000 Einwohnern jeder Sänger recht bekannt sein sollte. Er wuchs in Islands Hauptstadt auf und verbrachte einige Zeit seiner Kindheit in Florida. Bereits im Kindesalter konnte er sich für die Bühne begeistern, sodass er mit 11 Jahren die Hauptrolle in einem Musical übernahm, entdeckt wurde er damals übrigens von Selma Björnsdottir, die Zweitplatzierte vom ESC 1999. Später nahm ihn eine bekannte norwegische Sopranistin unter ihre Fittiche und bildete ihn aus. 2015 nahm er dann an der isländischen Version von The Voice teil, gewann allerdings nicht. Es drehte sich nur einer von 4 Coaches um, eine davon Svala, also seine Vorgängerin. Danach stand er als Backgroundsänger beim Vorentscheid auf der Bühne und nun wird er Island in Lissabon vertreten. 

Der Song:

Hier ist der diesjährige isländische Beitrag "Our Choice" von Ari Ólafsson:


Our Choice erfindet das Rad natürlich nicht neu, im Gegenteil: Es wirkt doch ziemlich aus der Zeit gefallen. Der Aufbau ist klassisch,ohne Abweichungen. (Vers A, Refrain, Vers B, Refrain, Bridge, Refrain, Ausklang) Auch sehr klassisch ist der Beginn, bei dem er nur von Klavierakkorden begleitet wird, die im Refrain durch dezente Streicher erweitert werden. Im zweiten Vers kommt das obligatorische Schlagzeug hinzu und auch in den Streichern gibt es nun einige Gegenmelodien. Im Refrain treten die Instrumente weiter in den Vordergrund und der (ebenfalls obligatorische) Chor singt lange Ahhh-Töne. Die Bridge ist harmonisch sehr interessant, da auch von Dur abgewichen wird, die Instrumente hingegen ziehen sich wieder zurück, nur das Schlagzeug spielt und der Chor singt melodische Gegenbewegungen. Zum Ende der Bridge, an der jede weibliche Sängerin den klischeehaften Schrei raushauen würde, singt er einen überraschend hohen Ton mit seiner Kopfstimme. Im letzten Refrain baut er natürlich einige Abweichungen zur Melodieführung ein und auch der Chor unterstützt ihn nun. Am Ende nimmt sich das Stück erneut komplett zurück und endet nur mit ihm und dem Klavier. Bemerkenswert ist der Oktavsprung nach dem ersten Refrain, der auch im 2. Refrain beibehalten wird.

Rein kompositorisch ist das hier ein sehr klassischer Beitrag, mit einigen Besonderheiten, die beim genaueren Hinhören auffallen. Allerdings sind auch sehr viele Klischees eingebaut worden, sodass das Besondere doch fehlt und dieser Beitrag bei einem stärkeren Teilnehemerfeld wahrscheinlich untergegangen wäre. Natürlich ist es kein schlechtes Lied, nur hätte man das auch schon vor 30 Jahren hören können und damals hätte ich ihm große Chancen ausgerechnet. 

Komponiert und getextet wurde der Song von Þórunn Erna Clausen, eine der wenigen weiblichen Komponisten in Island, was Greta Salomé in der Vergangenheit sehr bedauerte. Die Enkelin eines bekannten isländischen Leichtathleten ist keine Unbekannte in ESC-Kreisen, da sie den Beitrag 2011 (20. Platz) textete. Die Sopranistin ist außerdem als Schauspielerin tätig, wo sie in einigen isländischen Produktionen tätig war. Die 42-jährige war die fleißigste Komponistin in diesem Jahr, da 3 der 6 Songs mit ihrer Beteiligung entstand (Platz 1,2 und 5). Auch 2016 und 2012 konnten sich ihre Songs für das Finale im Vorentscheid qualifizieren, hatten aber mit dem Ausgang des Sieges nichts zu tun.

Der Text: 

Die Grundaussage des Songs befindet sich im Balladen-typischen Gebiet: Wir können die Welt zu einem besseren Ort machen, aber es liegt eben auch an uns, diesen Weg aktiv einzuschlagen. Solche Weltverbesserungshymnen gibt es alle Jahre wieder, doch nur wenige erreichen ein so schwaches und kitschiges Level wie Our Choice es schafft. Hier ein paar Auszüge:
Zu viele Menschen sterben im Schmerz,
aber zusammen können wir den Schmerz lindern.
 ...

In jeder Sprache gibt es ein Wort für Liebe und Schmerz
...
Denn im Inneren sehen wir alle gleich aus

Natürlich ist das eine schöne und wichtige Botschaft, aber das ganze wirkt doch etwas ausgelutscht und zu klischeemäßig aufgebaut, was mich stark an Russland 2013 (What if) erinnert. Somit nehmen diese Zeilen qualitativ dem Song einiges weg, was wirklich sehr schade ist. Im Semifinale präsentierte er ja den Beitrag auf Isländisch als "Heim" (Welt). Dort gibt es leider keine offiziellen Englischen Lyrics, jedoch zeigt eine kurze Übersetzung, dass der Song auf Isländisch eine tiefere Bedeutung hat. (Wir suchen alle einen Weg nach Hause/ Es versteckt den inneren Seelenkrieg) Selbst wenn der Song auch auf Isländisch kein Meisterwerk wäre, dann hätte das Europa auf Grund der fehlenden Sprachkenntnisse nicht beschäftigt. Aber so wird sich der ein oder andere an den peinlich kitschigen Lyrics fremdschämen.


Hier die isländische Version:



Das Gesamtpaket: 

Das kleinste Problem an diesem Beitrag wird Ari sein, denn er macht das Beste aus diesem flachen Song. Stimmlich ist das ganz große Klasse und auch den großen Ambitus des Liedes bekommt er ohne Probleme hin. Natürlich fällt besonders der 'Kreischer' am Ende der Bridge auf, den er ebenfalls souverän meisterte. Auch die Kameras fangen den smarten Mann gut ein und er wirkt wie der Traum jeder Schwiegermutter. Auch der Anzug wirkt hochwertig und passt sogar, was ja nicht selbstverständlich ist wie wir wissen. Ari muss recht wenig an sich machen, jedenfalls finde ich keine Kritikpunkte.

Das Outfit passt schon einmal Quelle:https://www.youtube.com/watch?v=nloweviD_90

Das Staging lässt mich zwiespaltigen zurück: Einerseits ist es stimmig und passend, aber andererseits packt es mich überhaupt nicht. Zu Beginn steht er mit dem Rücken zum Publikum (Anja Nissen lässt grüßen) und singt direkt in verschiedene Kameras. Da hat das Timing noch nicht ganz gestimmt, aber das wird kein Problem sein bis Mai. Anschließend steht er an einem Mikrophonständer, bis er diesen zur Bridge umwirft (dieser Rowdy) und ein paar Schritte nach vorne macht. Um ihn herum steht eine Band, von denen vier als Backgroundsänger agieren und die Instrumente natürlich nur als Showelement spielen. Die Beleuchtung besteht zu meist aus blau und lila, außerdem gibt es einige Wolkenbilder im Hintergrund.

Natürlich kann man bei einer solch klassischen Ballade kein außergewöhnliches Staging machen - aber ein außergewöhnlich gutes ist möglich! Da Ari erst 19 Jahre jung ist, könnte das jedoch einige Abweichungen zu lassen, um diesen angestandenen Song doch noch eine gewisse Würze zu verleihen. Das es keine LED-Elemente in Portugal geben wird halte ich eher für einen Vorteil für Island. Ein schwarz/Weiß Filter zu Beginn, bis zum zweiten Vers könnte einen guten Effekt haben. Ebenso etwas Bewegung ab dem selben Zeitpunkt. Generell würde ich eine intime Atmosphäre kreieren, also wenige offene Kameraeinstellungen, viele Nahaufnahmen und ein Fokus auf den ausstrahlungsstarken Sänger. Auch ein Pyroregen zu Ende mag zwar klischeehaft wirken, könnte den Effekt des Liedes auf den Zuschauer ausbauen. Wenn man zu wenig macht, gerät dieser Beitrag sehr schnell in Vergessenheit. Auf dramatische Tänzer würde ich natürlich verzichten, das passt gar nicht. Die Band würde ich zu einem Chor umfunktionieren, die ihm nicht nur gesanglich, sondern auch optisch den Rücken stärkt. Zur Message des Songs passen die gewählten Farben bereits, jedoch würde ich zum Finale (Während seines Tones) auf orange-Töne umstellen, um den Effekt erneut zu vergrößern. Von schwarz/weiß zu blau zu orange.

Die Wettquoten und Chancen: 

Ohne mich all zu sehr in der isländischen Musikbranche auszukennen, kann ich sagen, dass er wohl eines der größten Talente auf der einsamen Insel ist und wir ihn nicht zum letzten Mal gesehen haben, egal wie es im Mai in Portugal ausgeht. Gesanglich ist er Spitze drauf, nur der Song wird ihm nicht gerecht. Ein Phänomen, dass leider ziemlich häufig beim ESC anzutreffen ist. 

Auch die Vorzeichen jenseits der eigenen Stärke sehen alles andere als gut aus. Island startet im absoluten Horror-Semifinale 1 und dann auch noch in der ersten Hälfte in der Nähe von auffälligeren und besseren Balladen wie Litauen und Estland. auch von den skandinavischen Punktelieferanten hat es nur der geizigste Finnland in das selbe Semifinale geschafft. 

Die Wetttquoten folgen diesem klaren Bild auch und so kommt es, dass Island Stand 16.03. nur auf Rang 39 liegt und somit kaum Chancen in Aussicht gestellt bekommt, sich qualifizieren zu können. Dabei ist der Trend sogar noch eher positiv, da sie vor 4 Tagen sogar die rote Laterne als 43. kurzzeitig inne hatten.

Meine Einschätzung ist leider, dass es Island auch dieses Jahr nicht schaffen wird, in das Finale einzuziehen. Und das seit 2015 die klarste Pleite werden wird. Im Gegenteil. Ich gehe eher davon aus, dass sie tief drin im Kampf um den letzten Platz stecken, besonders da Semi 1 eben das vielleicht stärkste Semifinale aller Zeiten sein könnte. Viel Potential steckt nicht mehr im Song, Ari kann sich kaum verbessern, das Staging war schon recht passend und die Frist, um doch noch mit der Isländischen Version anzutreten, ist schon abgelaufen. Es sieht sehr düster aus um Island, man kann nur hoffen, dass sich die Statistik bewahrheitet: Die zweiten Plätze wurden 1999, 2009 und vielleicht 2019 errungen?

Ein Blick zurück in bessere Zeiten: Aris Entdeckerin Selma, bei ihrem zweiten Platz 1999:



Montag, 2. Mai 2016

Orakelrunde vor den Proben: Semi 1 Eine Ära endet

Erster Mai, Tag der Arbeit und noch viel wichtiger: Letzter Tag vor den Proben! Das ist also die letzte Möglichkeit, um noch völlig frei von den Probeeindrücken, die Songs rein auf Grund der Studioversion und unhaltbaren Thesen zur Bühnenpräsentation zu bewerten. Auch das Miteinbeziehen der Diaspora darf da nicht vergessen werden. Ich habe mir gedacht, ich stecke die Spekulationen in ein seriöses Outfit und simuliere die beiden Semifinals mit einem extra dafür angefertigten Programm. Nämlich dem Scoreboard, dass 2006 von einem Spanier entwickelt wurde. Da dieses natürlich nun 10 Jahre alt ist, gibt es einige Optionen nicht. So zum Beispiel gibt es Aserbaidschan und Australien nicht in der Länderauswahl. Auch das neue Votingsystem ist nicht vorhanden.
 Das neue Votingsystem berücksichtige ich, indem ich die Simulation 2 Mal durchlaufen lasse. Einmal Televoting und einmal Jury. Diese beiden Werte addiere ich und wir haben unsere 10 Qualifikanten.

Wir kümmern uns hier um das 1.Semi, also um das vermeintlich stärkere. Insgesamt kämpfen 18 Länder um die 10 Finalplätze . Zusätzlich zu diesen Ländern dürfen Schweden, Spanien und Frankreich auch im 1. Semifinale abstimmen. Das hier ist keine persönliche Bewertung von mir, sondern eine Prognose, die versucht alle Faktoren zu berücksichtigen. Es gibt neben der Disaspora, dem Startplatz und der potentiellen Bühnenshow natürlich auch die Fälle, dass ein Künstler über sein Land hinaus bekannt ist (2015 trat the voice aus Italy für Albanien an und war erste im Televoting) oder ein Musikstück an die traditionelle Musik aus anderen Ländern erinnert (Elaiza aus Deutschland bekamen 2014 nur Punkte aus osteuropäischen Ländern). Die Jurys berücksichtigen natürlich auch diese Faktoren, achten aber auch auf die musikalische Qualität eines Beitrags.

Somit beginne ich mit dem von mir erwarteten Juryvotings:




Platz 1 Russland mit 200 Punkten: Sergey wird zu 90% dieses Semifinale gewinnen und daran haben nicht nur die Televoter einen Beitrag geleistet, sondern auch die Juroren. Ob man das Lied nun mag oder nicht: Professionell ist es allemal und darauf liegen die Juroren auch wert. Seine Stimme ist live vorzüglich, das Staging wird sagenhaft sein und sein hoher Bekanntheitsgrad in Osteuropa, kann auch bei den Juroren einen gewissen Einfluss haben.

Platz 2 Kroatien mit 147 Punkten: Nina hat mich etwas überrascht, obwohl ich die Simulation selbst durchgeführt habe. Die zauberhafte Stimme Ninas wird durch eine hoffentlich tolle Show unterstützt. In dieser Simulation gehe ich von einer tollen Show aus. Der Startplatz fällt bei den Juroren weniger ins Gewicht, als das bei den Zuschauern der Fall ist.

Platz 3 Armenien mit 140 Punkten: Iveta ist live eine Macht. Armenien versteht es auch ein gutes Staging zu entwickeln, besonders bei diesem Song ist das wichtig. Aber so professionell wie Armenien Iveta bisher dargestellt hat, wird das eine wunderbare und fantastische Show werden. Das wird kein Auftritt, sondern ein Kunstwerk werden. Die Juroren werden beeindruckt sein.

Platz 4 Ungarn mit 120 Punkten: Freddie´s Stimme geht durch Mark und Nieren und optisch ist er auch keine Donatella Versace. Die Power seines Songs wird wohl super gut herübergebracht werden, wahrscheinlich auch durch viel Pyro und Feuer.

Platz 5 Island mit 119 Punkten: Greta hat ihre Schatten verbessert und diese sorgen ja jetzt schon für eine klasse Visualisierung. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das bei den Jurys gut ankommt. Die Interaktion von Mans (Schweden 2015) wurde ja auch von den Juroren geliebt.

Platz 6 Malta mit 102 Punkten: Ira´s Song ist zwar kein siebtes Weltwunder, aber powervoll genug, um bei den Juroren gut anzukommen. Der Schlüssel für Malta liegt in der Bühnenshow und diese wird ja bereits als pompös angekündigt. Hoffentlich wird sie das auch werden, denn ansonsten reicht das Lied nicht unter allen Umständen für die Qualifikation.

Platz 7 Estland mit 98 Punkten: Die Performance von Jüri ist ja bereits jetzt halbwegs klar, denn er wird sicherlich keine Experimente eingehen. Die Wirkung seiner Stimme und seines Charismas gilt es dennoch nicht zu vergessen. Allein seine Stimme hat schon einen Punkt von jedem Juror verdient.

Platz 8 Aserbaidschan mit 89 Punkten: Das Lied wird bei kompetenten Juroren überhaupt nicht zünden, da es wie jedes zweite Lied im Radio klingt. Auch die Bühnenshow ist bei Aserbaidschan immer so ein Thema, denn manchmal ist auch weniger mehr. Dennoch wird es bei den Juroren nicht total versagen, da in manchen Ländern so etwas noch als innovativ gilt.

Platz 9: Zypern mit 43 Punkten: Rock funktioniert bei den Juroren nun mal nicht oft. Ich glaube, dass da Zypern keine Ausnahme sein wird. Es ist weder Fisch noch Fleisch, dazu das stellenweise Gebrüll mit gleichzeitigem Europopteppich. Nein, eher nichts für die Jury.

Platz 10: Österreich mit 29 Punkten: Zoe kommt mit passenden Gesamtkonzept wohl gar nicht so übel an, wenn es denn passt. Sobald sie viel rosa hat, wirkt es kitschig. Bei zu wenig Plüsch, sticht sie nicht heraus. Es ist eine Gradwanderung, die Österreich kaum erfüllen kann. Trotzdem wird sie Punkte von den Juroren bekommen (Frankreich), da sich ein mancher auf diesen 3-Minuten-Trip einlassen kann.

Platz 11: Bosnien mit 28 Punkten: Der ohnehin schon vollgepackte Song wird durch die Unfähigkeit der 4 ein Team zu bilden noch chaotischer. Außerdem wird jeder Juror etwas finden, was er an diesem Song auszusetzen hat. Sei es der Rap, das übertriebene Cellospiel von Ana oder Balkanpop generell.

Platz 12 Finnland mit 26 Punkten: Sandhjas Song ist musikalisch gesehen alles andere als ein Meisterwerk. Ein Song, der schon Millionen Mal gehört wurde und away auf away reimt. Insbesondere Komponisten und Songwriter werden diesen Song zerpflücken.

Platz 13 Griechenland mit 25 Punkten: Der wohl schwächste Beitrag aus Griechenland seit 2011 könnte insbesondere bei den Jurys für Kopfschütteln sorgen. Der Sprachenmix und der Rap sind Chaos pur. Wenn nun noch eine nur mittelmäßige Bühnenshow dazu kommt, ist dieser Platz durchaus realistisch.

Platz 14 Tschechien mit 24 Punkten:  Gabriela kann bei den Juroren wirklich hoffen, dass ihre sagenhafte Stimme irgendwie ankommt. Bei diesem Lied ist das natürlich schwierig. Dazu kommt, dass Tschechien bisher kaum Erfahrung beim Staging hat.

Platz 15 Niederlande mit 21 Punkten: Die Holländer schließen das Schlachtfeld für Platz 10 ab, alles was jetzt noch kommt, wird keine Chance haben. Slow down kann bei der Jury tatsächlich super ankommen, bei passenden Staging, dass ich ihnen auch zutraue. Dennoch wird sein Aufruf herunterzufahren wohl wenig Aufmerksamkeit erringen.

Platz 16 Moldawien mit 6 Punkten: Moldawien ist immer für eine tolle Bühnenshow gut, aber wenn das Lied so schwach ist habe ich wenig Hoffnung, dass Lidia weiter nach vorne kommen kann. Dieser Schwedenpop wäre eben schon vor 10 Jahren altmodisch gewesen, aber wer weiß, vielleicht überrascht Moldawien ähnlich wie letztes Jahr.

Platz 17: Montenegro mit 1 Punkt: Dieser Schmuddelrock kommt bei einer solchen Veranstaltung wie dem ESC nur ganz schwer an. Singen kann Highway (mit einer Ausnahme) auch nicht und die Bühnenshow wird auch nichts herausreißen können.

Platz 18 San Marino mit 0 Punkten: Das muss ich glaube ich nicht begründen...

Soweit die Jury, aber wie sieht es im Televoting aus?


Platz 1 Russland mit 188 Punkten: Sergey ist ein riesiger Star in Russland und das hat sich bestimmt auch in einige andere Länder abgefärbt. Selbst wenn nicht: Zu der ohnehin schon großen Diaspora Russlands, kommt nun noch ein perfekter Auftritt hinzu. Je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, desto klarer wird für mich, dass Russland gewinnen wird.

Platz 2 Kroatien mit 160 Punkten: Auch Nina wird ihren Platz aus dem Juryvoting halten können. Trotz früher Startnummer traue ich ihr bei der richtigen Performance so einiges zu. Die Balkanliebe erledigt ihr Übriges und auch in anderen Ländern, wird dieses Lied toll ankommen.

Platz 3 Island mit 140 Punkten: Greta profitiert natürlich von ihrer guten Startposition, zwischen zwei Wackelkandidaten. Hohe Punktzahlen aus Holland, Schweden und Finnland im Gepäck und Greta findet sich auf diesem Podestplatz wieder.

Platz 4 Malta mit 126 Punkten: Bei Ira bin ich etwas vorsichtig geworden. Trotz des besten Startplatzes bin ich mir immer noch unsicher, ob die Bühnenshow so toll wird, wie dargestellt. Sollte sie tatsächlich sensationell sein, würde sie locker vor Greta landen. Rein stimmlich sind ihr Greta und viele Andere weit voraus.

Platz 5 Aserbaidschan mit 123 Punkten: Ihr sehr zugänglicher Song mit Ohrwurmgefahr, wird im Publikum deutlich besser ankommen, als bei den Jurys. Dazu kommt, dass Aserbaidschan mysteriöserweise oft Punkte von kleinen Ländern bekommt. Dass Aserbaidschan im Televoting etwas nachhilft, ist schon lange kein Verdacht mehr. Mit Ländern wie Zypern, Moldawien oder Malta wird sich dieses Phänomen wiederholen

Platz 6 Ungarn mit 103 Punkten: Durch die schwere Startposition, wird Freddie einige Punkte verlieren. Auch das Manko, dass Kroatien direkt hinter ihm startet, sorgt auch nicht gerade für Jubelstöße in Budapest. Dennoch wird es sich locker in der Top10 halten.

Platz 7 Zypern mit 71 Punkten: Was für die Juroren uneindeutig ist, kann für die Zuschauer toll sein. So öffnet sich der Rock durch den Beat auch für die regulären Pophörer. Oder krasser formuliert: Das dumme Volk merkt nicht, dass es von G:son (Komponist) verarscht wird. Der Frontmann könnte auch noch einige Punkte aus Frankreich abstauben, da er dort an einer Castingshow teilnahm.

Platz 8 Armenien mit 58 Punkten: Den krassesten Absturz traue ich leider Iveta zu. Nicht, weil sie ein abschreckendes Gesicht hat, sondern weil der Song etwas zu speziell für den Zufallszuschauer sein könnte. Auch die ganze Bühnenshow könnte ihn erschlagen.

Platz 9 Griechenland mit 56 Punkten: Hier kann das Prinzip der Nachbarschaftsliebe zünden. Mit Bosnien, Montenegro, Koratien und insbesondere Zypern, hat Griechenland einige Punkte sicher. Auch der Rap in Pontisch, kann den ein oder anderen Wähler überzeugen.

Platz 10 Finnland mit 52 Punkten: Das einzige Wort hier: Instant-Appeal. Was schon tausendmal gehört wurde muss ja gut sein. Sonst würde es ja nicht gehört werden. Dieses Prinzip trifft voll auf Sandhja zu, die den Globen fast schon ins rollen bringen wird.

Platz 11 Estland mit 51 Punkten: Ich habe leider leider die Befürchtung, dass Jüri untergehen könnte. Zwischen den lauten und wahrscheinlich aufwändigen Shows von Österreich und Aserbaidschan, könnte er verloren gehen. Dazu haben ihn seine Baltikumbrüder auch noch verlassen.  

Platz 12 Österreich mit 29 Punkten: Direkt nach den Rockern aus Nikosia, ist der Kontrast zur süßen Zoe noch viel größer, vielleicht etwas zu groß. Hier spielt die Bühnenshow wirklich eine große Rolle, aber wie gesagt. Es wird verdammt schwierig.

Platz 13 Niederlande mit 19 Punkten: Slow down liegt ausgerechnet zwischen zwei schreienden Gören aus Kroatien und Armenien. Nur bleibt die Frage, ob dieser Aufruf dann überhaupt erhört wird. Ich persönlich glaube nicht.

Platz 14 Tschechien mit 18 Punkten: Ein ähnliches Problem besitzt auch Gabriela. Zwischen Russland uns Zypern steht, im wahrsten Sinne des Wortes, sie da. Die Chance, dass sie überhört wird, ist sehr groß. Warum hat man ihr nicht einfach einen passenden Rocksong gegeben?!

Platz 15 Bosnien mit 15 Punkten: Was?!?! Bosnien im Televoting so weit hinten. Leider befürchte ich das. Die Balkanfreunde werden natürlich auf Grund der Landessprache anrufen, aber wer sonst? Ich kann mir wirklich überhaupt nicht vorstellen, dass Dalal & Co gut ankommen werden.

Platz 16 Moldawien mit 7 Punkten: Lidia muss wohl mit dem Staatsbudget von Moldawien arbeiten, um eine Chance auf die Qualifikation zu haben. Ansonsten wird das nichts.

Platz 17,18 gehen an Montenegro und San Marino mit 1 Punkt: Aus Mitleid:

Somit haben wir dieses Gesamtergebnis und mein bisheriges Orakel:

1.) Russland 388 Punkte

2.) Kroatien 307 Punkte

3.) Island 259 Punkte

4.) Malta 228 Punkte

5.) Ungarn 223 Punkte

6.) Aserbaidschan 212 Punkte

7.) Armenien 198 Punkte

8.) Estland 149 Punkte

9.) Zypern 114 Punkte

10.) Griechenland 81 Punkte

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11.) Finnland 78 Punkte

12.) Österreich 58 Punkte

13.) Bosnien 43 Punkte

14.) Tschechien 42 Punkte

15.) Niederlande 40 Punkte

16.) Moldawien 13 Punkte

17.) Montenegro 2 Punkte

18.) San Marino 1 Punkt

  


Sonntag, 1. Mai 2016

Orakelrunde vor den Proben: Semi 2 Jurys vs. Zuschauer

Erster Mai, Tag der Arbeit und noch viel wichtiger: Letzter Tag vor den Proben! Das ist also die letzte Möglichkeit, um noch völlig frei von den Probeeindrücken, die Songs rein auf Grund der Studioversion und unhaltbaren Thesen zur Bühnenpräsentation zu bewerten. Auch das Miteinbeziehen der Diaspora darf da nicht vergessen werden. Ich habe mir gedacht, ich stecke die Spekulationen in ein seriöses Outfit und simuliere die beiden Semifinals mit einem extra dafür angefertigten Programm. Nämlich dem Scoreboard, dass 2006 von einem Spanier entwickelt wurde. Da dieses natürlich nun 10 Jahre alt ist, gibt es einige Optionen nicht. So zum Beispiel gibt es Aserbaidschan und Australien nicht in der Länderauswahl. Daher habe ich versucht, mit meinen extrem guten und professionellen Paint-Talent, die Länder nachträglich einzufügen. Mit mäßigen Erfolg. Auch das neue Votingsystem ist nicht vorhanden.

Wir kümmern uns hier um das 2.Semi, also um das vermeintlich schwächere. Insgesamt kämpfen 18 Länder, nach dem Ausschluss Rumäniens, um die 10 Finalplätze . Zusätzlich zu diesen Ländern dürfen Deutschland, Italien und Großbritannien auch im 2. Semifinale abstimmen. Das hier ist keine persönliche Bewertung von mir, sondern eine Prognose, die versucht alle Faktoren zu berücksichtigen. Es gibt neben der Disaspora, dem Startplatz und der potentiellen Bühnenshow natürlich auch die Fälle, dass ein Künstler über sein Land hinaus bekannt ist (2015 trat the voice aus Italy für Albanien an und war erste im Televoting) oder ein Musikstück an die traditionelle Musik aus anderen Ländern erinnert (Elaiza aus Deutschland bekamen 2014 nur Punkte aus osteuropäischen Ländern). Die Jurys berücksichtigen natürlich auch diese Faktoren, achten aber auch auf die musikalische Qualität eines Beitrags.

Zuerst habe ich mich in die Rolle der Juroren versetzt und im 1-8,10,12 Punktesystem aus jedem Land Punkte verteilt. Das hat folgende Wertung zu Folge



  

So schätze ich das Juryvoting in diesem Halbfinale ein. Dieses Halbfinale beinhaltet ja keine Superfavoriten auf den Sieg, sondern eher Außenseiter. 

Platz 1 Australien mit 176 Punkten: Dami Im ist ein Superstar, die eventuell auch bei den Jurymitgliedern bekannt ist. Dazu kommt, dass Australien sicherlich nicht an der Show sparen wird. Auch die Vocals von Dami sind live außergewöhnlich gut. Dazu das generelle positive Image, kaum Diaspora (Balkan ausgenommen) in diesem Halbfinale und der relativ gute Startplatz. 

Platz 2 Ukraine mit 170 Punkten: Der Song mag zwar polarisieren, aber die stimmlichen Qualitäten von Jamala sind unstrittig. Dazu kommt die unglaubliche Hologramm Bühnenshow, die ja Jamala angedeutet hat. Viele osteuropäische Nachbarn nehmen ebenfalls teil. Auch diejenigen Länder, die gerade nicht besonders gut auf Russland zu sprechen sind (Lettland), könnten in ihren Song auch etwas anderes hineininterpretieren.

Platz 3 Lettland mit 154 Punkten: Wir haben letztes Jahr bei Aminata gesehen, dass die Jurys auf diesen modernen Stil stehen. Justs hat eine ähnlich starke Stimme und das Lied stammt ja aus der Vorjahressängerin. Das Staging wird auch keine Experimente beinhalten und die Eröffnung kommt ihm auch positiv entgegen.

Platz 4 Polen mit 124 Punkten: Michal ist ein unglaublich guter Sänger und das Lied ist sehr sehr altmodisch. Da aber auch ältere Menschen in der Jury sitzen, glaube ich durchaus, dass er soweit vorne landen kann. Das Publikum in der Halle wird auch voll mitgehen. Er als Person sticht ebenfalls heraus, die einzige Gefahr besteht bei einer übertriebenen Bühnenshow.

Platz 5 Serbien mit 116 Punkten: zwischen 2 stimmschwachen Interpreten wirkt der Kontrast zu ihrer Mörderstimme noch größer und imposanter. Ihre Stimme wird viele Fans unter den Juroren finden. Auf den Text achten die Zuschauer nicht wirklich, die Jurys jedoch sehr wohl. Ihr Thema wird dort sehr gut ankommen.

Platz 6 Bulgarien mit 114 Punkten: Auch Poli startet zwischen zwei schwachen Titeln und kann sich dadurch absetzten. Dazu ihre grandiose Bühnenpräsenz und ihre Bekanntheit auf den Balkan, die manchen Juroren vielleicht auch überredet Punkte zu verleihen. Der Song klingt ebenso sehr westeuropäisch und wird auch dort die Juroren beeindrucken. Allerdings werden die etwas alteingesessenen Juroren nichts mit Poli anfangen können

Platz 7 Mazedonien mit 75 Punkten: Kaliopi kann sich super von den schwachen Songs um sie herum ansetzten, besonders mit ihrer unfassbaren Stimme. Die Juroren bewerten auch die Stimme der Künstler und dort ist Kaliopi wohl die beste. Ein zu großes Staging kann man bei ihr ausschließen, eher wird es zu dezent sein. 

Platz 8 Norwegen mit 72 Punkten: Norwegens Starplatz ist spät und direkt hinter der Ukraine, die eine Materialschlacht abliefern wird. Agnetes Stimme ist live sehr sehr wackelig, aber ich glaube, dass sie für diesen einen Song nun halbwegs Töne treffen wird. Der Bruch im Song ist sehr modern und unerwartet. Konservativen Juroren wird das ein Dorn im Auge sein.

Platz 9 Israel mit 57 Punkten: Israel steuert eine klassische Ballade zum ESC, das freut die älteren Juroren sehr. Dabei stört dann wiederum Hovi (29), das Kunstwerk. Der Startplatz ist nicht ideal, aber doch gar nicht so übel, da er zwischen zwei schlechten Sängern startet.

Platz 10 Irland mit 34 Punkten: Der ein oder andere Westlife-Fan wird sich noch unter den Juroren befinden. Dazu kommt dann die doch relativ souveräne Live-Umsetzung. Nicky ist der typische Jurorenbeitrag, der bei allen zwischen 8 und 12 liegt. Tut nicht weh, geht aber unter.

Platz 11 Albanien mit 32 Punkten: gute Startposition. Dazu auch bei den Juroren Unterstützung vom Balkan. Eneda singt sehr gut, aber eben das falsche Lied in der falschen Sprache

Platz 12: Belgien mit 24 Punkten: Ein Wort: Authentizität. Beziehungsweise wohl ein Fremdwort für Belgien. Bei den Juroren wird Laura nicht gut ankommen, dazu fehlt einfach die Glaubwürdigkeit in ihrem Auftitt.

Platz 13: Litauen mit 23 Punkten: Litauen schicht Donny mit einem Song, der in der Studioversion extrem gut klingt. Er überperformt allerdings live extrem, sodass der Song nicht das halten kann, was er im Studio verspricht. Das kann bei der Jury nicht gut ankommen.

Platz 14: Dänemark mit 17 Punkten: Dieser Boyband-Sound findet in der Musikbranche wahrscheinlich kaum noch Fans, glaube ich zumindest. Der Song ist in den 90-ern stecken geblieben, aber immerhin können sie live ganz gut singen. 

Platz 15 Schweiz mit 11 Punkten: Rykka ist einer meiner Favoriten auf eine schreckliche Bühnenshow. Dazu die schreckliche Frisur und der schreckliche Gesang, gepaart mit der schrecklichen Startposition. Nur das Genre kann noch ein paar Punkte herausholen.

Platz 16: Weißrussland mit 10 Punkten: Auch dieser Song ist etwas in der Vergangenheit hängen geblieben. Singen kann Ivan nur besitzt er leider nicht einmal den Hauch von Charisma.  Der schlechte Startplatz verschlimmert diesen Eindruck zusätzlich.

Platz 17: Slowenien mit 6 Punkten: ManuElla wird sich wohl alles mit ihrer Show kaputt machen. Es wurde ja schon bekannt, dass ein Turner sie unterstützen wird, bei diesem Song! Die Assoziationen zu Taylor Swift sind auch nicht wirklich positiv im Bereich des Wiedererkennungswerts.

Platz 18: Georgien mit 3 Punkten: Darüber muss ich glaube ich nicht viel sagen. Schlichtweg nicht mehrheitsfähig. Nur mit einem außergewöhnlichen Staging könnte da was gehen. Das sehe ich aber nicht kommen.

Nun also zum von mir spekulierten Televoting:


Platz 1 Ukraine mit 172 Punkten: Jamala kann super singen, dazu die super Startposition und die versprochene Bühnenshow. Jamala wird visuell und akustisch beeindrucken, über alle Ländergrenzen hinaus. Die Message wird von manchen Personen eventuell auch als Seitenhieb an Russland verstanden. Ich persönlich glaube fest an einen Televoting-Sieg im Halbfinale

Platz 2 Australien mit 152 Punkten: Nachbarschaftspunkte wird Australien natürlich nicht erhalten. Dennoch spielen Startplatz und Dami in die Karten von den Kängurus. Australien wird auch einiges in Geld für die Bühnenshow umsetzen.

Platz 3 Bulgarien mit 149 Punkten: Was bei den Jurys eventuell nicht ganz ankommt, wird vom Publikum umso mehr gefeiert werden. Schon jetzt feiert Poli Erfolge in Charts überall in Europa. Wenn die Stimmung gut auf den Bildschirm kommt, dann ist dieser Platz durchaus realistisch.

Platz 4 Lettland mit 132 Punkten: Natürlich wird Justs auch beim Publikum ankommen, allerdings nicht so gut, wie bei den Jurys. Das Phänomen von Aminata wird sich daher wiederholen.

Platz 5 Serbien mit 122 Punkten: Balkanpunkten sei Dank, wird Serbien im Televoting im oberen Mittelfeld mitspielen. Das Thema des Songs wird schätze ich keinen Einfluss haben, ihre starke Ausstrahlung und Stimme jedoch sehr wohl.

Platz 6 Polen mit 85 Punkten: Polen ist einige Jahrzehnte am Zuschauer vorbeigeschrammt. Was bei den Juroren noch ankommen kann, wird im Televoting wohl auf eine eher negative Resonanz stoßen. Trotzdem wird es eine überdurchschnittlich gute Platzierung für Polen, es sei denn, die Bühnenshow wird katastrophal. Diese Gefahr ist bei Mihal durchaus real.

Platz 7 Norwegen mit 71 Punkten: Durch den Mangel an skandinavischen Helfern, wird Norwegen kaum höher kommen. Bei einer guten stimmlichen Performance kann Agnete aber durchaus bis Platz 7 vorstoßen. Der plötzliche Tempowechsel wird den ein oder anderen verstören.

Platz 8 Belgien mit 70 Punkten: Ein Wort: Instant-Impact. Der Startreihenfolge sei Dank! Belgien wird der letzte Eindruck sein und daher im Televoting absahnen. Der Instant-Impact durch die Basslinie darf nicht unterschätzt werden. Zwar gibt es kaum Diaspora für Belgien, dennoch wird bei gutem Staging Laura einige Plätze gut machen.

Platz 9 Mazedonien 62 Punkte: Das alternative Balkanwerbeprogramm von Kaliopi wird sich auszahlen und der Balkan wird ihr viele viele Punkte liefern. Resteuropa wahrscheinlich eher nicht, mit Ausnahme von Italien, an dessen Musikszene der Song sich ja orientiert. 

Platz 10 Israel 53 Punkte: Der wohl größte Profiteur neben Poli der LGBT-Community ist wohl Hovi. Durch cleveres Staging und guten Gesang, wird er sich im Televoting für israelische Verhältnisse, sehr gut halten.

Platz 11 Litauen mit 43 Punkten: Das Überperformen von Donny wird nicht von allen so wahrgenommen werden. Der Partysong wird gute Laune versprühen und der Salto der blauen Augen wird manche verzücken. Für den großen Wurf wird es aber auch im Televoting nicht reichen

Platz 12 Albanien mit 30 Punkten: Zu Eneda kann ich eigentlich nur Balkanliebe schreiben. Mehr kann es nicht für Albanien geben.

Platz 13 Irland mit 22 Punkten: Die paar Westlife-Fans in Großbritannien können Nicky nicht retten. Normale Zuschauer werden dafür nicht anrufen. Es stört nicht, ist aber nicht besonders. Es wird ignoriert. Damit hat Irland ja Erfahrung

Platz 14 Schweiz mit 20 Punkten: Das Genre efreut sich immer höherer Beliebtheit und Rykka kann bei guter Leistung überraschen. Dennoch bleibt die wohl katastrophale Bühnenshow, der schlechte Startplatz und die fehlende Diaspora.

Platz 15 Dänemark mit 16 Punkten: fehlende Skandinavier, Sandwich-Startplatz, selber Sound wie Irland und wohl langweilige Bühnenshow. Mehr muss man nicht sagen.

Platz 16 Slowenien mit 10 Punkten: Die Taylor Swift Optik wird verwirren, genau so wie die Bühnenshow. Die Balkanbrüder werden auch nicht mehr viel ausrichten können.

Platz 17 Georgien mit 6 Punkten: Eine kleine Gruppe von Genrefans werden diesen Song ein paar Punkte zuschustern. Helfer aus dem Kaukasus wird es nicht geben, da diese im anderen Semifinale sind.

Platz 18 Weißrussland 3 Punkte: Der wohl langweiligste Rocksong aller Zeiten. Das schlimme ist, dass er nicht einmal polarisiert. Rockfnas finden ihn zu nett, Popfans zu rockig. Ohne seinen Wolf Shakira wird das nichts werden.

Das heißt insgesamt also insgesamt:

1.) Ukraine 342 Punkte

2.) Australien 328 Punkte

3.) Lettland 286 Punkte

4.) Bulgarien 263 Punkte

5.) Serbien 238 Punkte

6.) Polen 209 Punkte

7.) Norwegen 143 Punkte

8.) Mazedonien 137 Punkte

9.) Israel 110 Punkte

10.) Belgien 94 Punkte

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11.) Litauen 66 Punkte

12.) Albanien 62 Punkte

13.) Irland 56 Punkte

14.) Dänemark 33 Punkte

15.) Schweiz 31 Punkte

16.) Slowenien 16 Punkte

17.) Weißrussland 13 Punkte

18.) Georgien 9 Punkte