Lisboa 2018

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Donnerstag, 16. Februar 2017

Totentanz aus Paris

Letzten Donnerstag ging im Trubel des deutschen Vorentscheids eine nicht ganz unwichtige Nachricht etwas unter. Die Franzosen haben ihren Beitrag Alma mit Requiem veröffentlicht. Ein schnelles Fazit des gewollt wiedersprüchlichen Beitrags.

Die Franzosen haben letztes Jahr dank der hervorragenden Top5 Platzierung und Amir, Blut am ESC gelegt und ihre Liebe wiederentdeckt, nachdem sie zwischen 2010 und 2015 meist jenseits des 20. Platzes endeten. Der für die Auswahl zuständige Sender France 2 blieb seinem internen Auswahl Modus treu, mit einer Besonderheit. Wie auch schon bei Amir, ist der ESC Beitrag die zweite Singleauskopplung des noch nicht veröffentlichten Albums. Auskopplung Nummer 1 war in beiden Fällen ein Hit und so hatte man genug Vertrauen in die junge Pariserin. Aber hier enden die Parallelen zum letztjährigen Beitrag nicht. Der Komponist heißt in beiden Fällen Nazim Khalid. Außerdem tritt sie bei der aktuellen Europatour von Amir als opening act auf.

Aber nun etwas mehr zur Sängerin Alma, von der es keine sichere Angabe zu ihrem Alter gibt, da macht wohl jemand einen auf Anastasia (wohl zwischen 27-30). Die eigentlich mit bürgerlichen Namen Alexandra Maquet heißende Sängerin, stammt gebürtig aus Lyon, lebte aber in ihrer Kindheit in Brasilien, Italien und den USA. Als Älteste von einem Schwesterntrio (die Niederlande schicken bekanntlich ein solches) lag es früh an ihr, die Kleinen zu bespaßen. Da halfen ihre Klavier und Gesangskünste doch ganz gut. Sie studierte Wirtschaftswissenschaften und arbeitete darauf in Mailand für einige Monate. Offenbar war das ihr nicht genug und sie zog nach Paris, um sich der Musik zu widmen. Dort lernte sie auch ihren Songschreiber kennen und die Combo die Frankreich zum Erfolg bringen soll, wurde gegründet.

Nazim Khalid wird einige gute Kontakte zu France 2 gehabt haben, um seinen 2. Beitrag in Folge siegen zu lassen. Gleichzeitig wussten die Verantwortlichen bei France 2 bereits, dass sein Stil sehr gut in Europa ankommt. Ein Paradebeispiel für eine Symbiose. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist dennoch überraschend und kam aus dem Nichts. Es ist in letzter Zeit sehr selten geworden, dass der Künstler zeitgleich mit dem Song veröffentlicht wird. O'G3NE aus den Niederlanden stehen beispielsweise schon seit Ende Herbst fest, werden ihren Song allerdings erst kurz vor Frist im März einreichen.

Ihr Beitrag Requiem ist ein Werk voller Widersprüche, die die Aussage des Songs verstärken sollen: Liebe gibt es in allen Lebenslagen. Unter Requiem versteht man die Feier eines Verstorbenens kurz vor dem Begräbnis. Der Song beschreibt, dass das Leben wie die Liebe anfängt, aber auch schlagartig vorbei sein kann. Sie möchte aber einen Liebhaber haben, der sie selbst in Mitten eines solchen Requiems zum Lachen und Tanzen bringt.  Darüber hinaus verweißt sie auf den geringen Einfluss eines jeden auf die Erde. Wir mögen zwar unser Leben als besonders wichtig erachten, aber wir überschätzen dies. Die Erde wird sich weiter drehen, ein neuer Tag wird kommen und wir werden unwichtig unter der Erde liegen. Man solle die Trauer bei einer Beerdigung eher als Feier des Lebens umwandeln. Denn alles ist vergänglich und wir sollten das Leben genießen. Die Erde dreht sich, aus Funken werden Flammen, aus Mädchen Frauen und irgendwann kommt der Tag, an dem man den nächsten Tag nicht erlebt. Aber sie habe keine Angst, denn wenn die Welt sich nicht mehr drehe, werde sie wieder lieben.

Ziemlich tief gehende und düstere Zeilen, versteckt in einem orientalisch angehauchten Upbeat-Stück. Der ganze Song ist in Französisch und ich muss gestehen, bevor ich die Lyrics kannte, dachte ich nicht an einen solch lyrischen Tiefgang. Im Video ist ein Tänzerpaar zu sehen, welches an den Fassaden Paris' (natürlich inklusive Eifelturm) als schwarze Schatten tanzen. Ich würde diese als Tote interpretieren, die auch nach dem Tode fröhlich zusammen die Zeit verbringen. Ansonsten ist das Video relativ unspektakulär, zwischen Häuserschluchten und Kopfsteinpflaster, sieht man die an Miranda Cosgrove erinnernde Sängerin fröhlich umher tanzen. Der Song hat ja auch eine schöne positive Botschaft, die jedoch zum nachdenken anregt. Das Beste, was ein Autor erreichen kann.

International kommt der Titel sensationell gut an. Ob das natürlich nur an der bis dahin bekannten Konkurrenz lag? Lyrisch gefällt mir dieser Beitrag deutlich besser als der Französische letztes Jahr, der doch arg flach und typisch war. Dafür war er melodisch deutlich einprägsamer und trotz Sprachbarriere international Mehrheitsfähig. Bei Requiem habe ich da so meine Zweifel. Beim ersten Hören empfand ich den Song als schrecklich, da das Wort/Ton Verhältnis viel zu unausgewogen ist. Dazu die orientalischen Klänge, das hat mich vollends verwirrt zurück gelassen. Ich verstehe nun natürlich, dass man da viel Text rein packen wollte, aber am Ende des Tages, wird sie sowieso keine Sau verstehen. Selbst wenn, achten Sie bei 26 Songs an einem Abend auf die Texte und interpretieren diese? Man sollte nicht zu viel vom Zuschauer erwarten. Die orientalischen Einflüsse verwirren mich um ehrlich zu sein nach Prüfung ihrer Biographie nur noch mehr. Eventuell war dass das Zutun ihres Schreibers, der ja einen arabisch klingenden Namen besitzt.

Meine große Frage zum Beitrag ist, wie man das auf der Bühne umsetzen möchte, da der Titel ja doch erstmal verschreckt. Ein einfacher Mikroauftritt ist zu langweilig, ein Staging mit Choreographie sorgt für eine Diskrepanz zum Titel und ein Aufbau einer Totenmesse wäre dann wieder zu negativ zur eigentlichen Bedeutung. Das erinnert mich an Aserbaidschan 2016, bei der Samra einen Trennungssong vortrug, der Titel war Miracle. Aserbaidschan rettete sich aus diesem Namensfehler mit viel Pyro, Peng und Feuer. Wie Frankreich aus diesem Dilemma kommen soll, keine Ahnung. Die Sängerin möchte bestimmt ein Thema unterstützendes Staging, was auf Grund der fehlenden Lyrischen Aufarbeitung kontraproduktiv wäre. Ich wage einfach Mal die Prognose, dass sie vor dem LED-Bildschirm stehen wird und ein tanzendes Paar wie im Video auftauchen wird. Die Message könnte dann höchstens durch den jeweiligen Kommentator rüberbracht werden.

Frankreich hat vieles mit dieser Wahl richtig gemacht und unterstreicht seine Ambitionen, gerne mehr Erfolge feiern zu können. Ich glaube nicht an eine Top10 Platzierung, auch da ihre Stimme etwas wackelig wirkt. Aber sie werden auch nicht am hinteren Ende des Feldes landen werden. Ein solider, lyrisch überdurchschnittlicher Beitrag, ohne Hook, wird Frankreich keine Sterne vom Himmel holen, aber die Welt eventuell kurz in Atem halten.

Den Song gibt's hier zu hören

Meine Lieblingszeilen, die ich mit aktueller politischer Brisanz interpretiere, dank Marine le Pen auch in Frankreich anwendbar:" Centuries pass and disappear
What you believe is dead
Is a season"

Samstag, 11. Februar 2017

Neuer Versuch, deutsche Probleme

Den Donnerstagsmarathon haben wir hinter uns gebracht. Nach über 3 Stunden erlöste uns Barbara Schöneberger von den Brainpool Studios in Köln und hinterließ viele Fans ratlos zurück. Was ist der Song dieses Jahr wert?

Der Abend begann mit der Coverrunde und sorgte, so ehrlich muss man sein, für klare Verhältnisse. Helene kann nicht singen, hat aber eine sehr sympathische Art, Yosefine ist unscheinbar, der Kürbiß war bei falscher Songauswahl als Favorit zu nervös, der Hahn im Korb Axel hat eine riesen Stimme, dafür 0 Charisma. Und die letzte im Bunde Levina? Die machte mit einem sensationellen Adele Cover schon in Runde 1 alles klar. Das Publikum verliebte sich und es hagelte nur Lob. In Runde 2 wurde dann zusammen mit Helene und Axel Wildfire performt. Auch hier hatte das Publikum im Saal nur Augen für eine. Es erhob sich sogar! Den Satz, den Jurymitglied Lena brachte, hätte man berücksichtigen sollen: "Also von mir aus, kann jetzt Schluss sein!". Aber es ging noch eine gute Stunde weiter. Schon vor dem Finale eleminierte sie alle anderen Gegner, sodass sie gegen sich selbst im Finale stand. Es war eine Machtdemonstration, ein Spiel mit der sogenannten Konkurrenz, die sie wie Amateure aussehen ließ.

Alle im Saal waren sich einig: Wildfire ist der Song, der Deutschland vertreten solle.  Doch dann kam es zu der Verkettung (un) glücklicher Umstände. Levina performte beide Songs erneut, wobei sie bei Wildfire nicht die starke Performance abliefern konnte, wie beim ersten Durchlauf. Dazu wurde dem Zuschauer Zuhause ein Schnelldurchlauf der anderen Nationen 2017 gezeigt, dass ja bisher beinahe nur aus Balladen besteht, wie Wildfire. Der entscheidende Satz des Abends lieferte dann Florian Silbereisen: "Ich weiß nicht, ob es aus taktischen Gründen, dass schnellere Perfect life auszuwählen." Ich weiß nicht, ob Florian Silbereisen eine moralische Instanz ist und ob man auf ihn hört, aber die Zahlen sprechen für sich. Wildfire konnte alle Runden vor dem Finale für sich entscheiden, mehr als deutlich. In der finalen Abstimmung lag dann aber plötzlich Perfect life vorne, und zwar mit 70%.

Es ist also scheinbar soweit, dass wir der Konkurrenz ausweichen und taktisch den Song auswählen, um nicht erneut eine Blamage zurück zu bringen. Das wäre ja nicht schlimm, aber wir haben einen Song zu Recht mit Standing Ovation geschmückt. Das eine Lena in diesem Moment den richtigen Riecher zeigt und abbrechen wollte zeigt, dass es wohl nicht die richtige Entscheidung war. Denn nach dem ersten Hören von Perfect life regte sich kaum was im Publikum.

Perfect life ist also der deutsche Beitrag und einmal mehr halten wir uns an das typische Bild seid 3 Jahren: tolle Sängerin und ein mittelmäßiger Beitrag. Levina ist eine tolle Persönlichkeit mit einer Stimme, die nicht nur einzigartig, sondern auch gut ausgebildet ist. Studierend in London als preisgekrönte Künstlerin, andere Länder würden sich solche Sängerinnen wünschen. Diesem Ausnahmetalent geben wir dann einen Song, der Altkanzler Adenauer gefallen würde: Keine Experimente. Alle möglichen Ecken und Besonderheiten herausgenommen, sodass nur eine graue Songmasse übrig bleibt.

Das einzige, was diesen Song etwas lebendig macht, ist die internationale Diskussion, ob es sich um ein Plagiat eines anderen Songs handelt. Nein, das ist kein Flashback zu 2013 und dem Euphoria - Glorious - Don't you worry Child - Gate. Die ersten Takte von Perfect life klingen sehr ähnlich zu Titanium von David Guetta und SIA , Gott segne sie. Es handelt sich hierbei nicht um ein Plagiat, da die Töne doch in einer anderen Reihenfolge erscheinen, aber es ist ein typischer Fall von: Was hatte neulich Erfolg? Das ändere ich etwas um und baue es in meinen Song ein. So machte es Schweden in den vergangenen beiden Jahren, Dänemark 2010 und Deutschland 2013, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die Kompositionistin arbeitete sogar schon mit Guetta zusammen, also ist das typische "das hab ich noch niiiie gehört" nicht drin. Thomas Schreiber, der Kopf des deutschen ESC Debakels hat angedeutet, noch etwas am Song herum zu schrauben.

Doch das Problem bleibt: in der aktuellen Version werden wir erneut Letzter werden. Ganz einfach, weil kein Juror das als besonders sieht, um Punkte zu vergeben. Und welcher Zuschauer ruft den schon für Füllmaterial an? Das einzige spannende aus deutscher Sicht dürfte sein, ob mit dem neuen Wertungssystem 0 Punkte möglich sind. Galgenhumor muss schon im Februar angewendet werden. Falls jemand vom NDR das ließt: es wird niemand bei einem Song Tausch sauer sein! Wenn Sie wirklich den Erfolg für Deutschland zurück haben wollen, dann empfehle ich, sofort alles bis auf Levina über den Haufen zu schmeißen.

Sollten wir mit diesem Gesamtpaket also nach Kiew fahren  und erneut einen Platz jenseits von Rang 20 erreichen, MUSS das Konsequenzen in Form von Personen haben. Ein Thomas Schreiber ist spätestens dann dran abgesägt zu werden, sollte die ARD ein Interesse daran haben, sich, und viel schlimmer uns, nicht international zu blamieren.

Es könnte so einfach sein, ein einmaliges und kostensparendes Modell zu entwickeln. Aber gerne, ich liefere ja den ersten Schritt in Richtung 2018, denn Kiew habe ich aus deutscher Sicht schon abgehackt.

Option A: Wir geben einen wirklich erfolgreichen Produzenten (damit meine ich international) einen Batzen Geld in die Hand und schreibt einen Hammersong. Ein Name der mit spontan einfällt, wäre Max Martin, der wohl beste Produzent auf der Welt zur Zeit. Dann nehmen verschiedene Künstler eine Demo des Songs auf und ein Panel aus ESC - Interessieren (Journalisten, Fans, Experten) wählt die perfekte Kombi aus. Man spart sich das Geld für einen Vorentscheid.

Option B: Man schaut, welche Songs nach dem 1.09 von deutschen Künstlern veröffentlicht wurden und fragt diese an. Felix Jaehn, Zedd, Milky Chance. Somit kauft man einen internationalen Hit für den ESC ein und der Künstler hat tolle Promomöglichkeiten. Einen Vorentscheid spart man sich auch hier.

Ein letzter Absatz zu Unser Song für Kiew: Die Publikumspartizipation lag in Dimensionen von Millionen Stimmen unter dem Wert für letztes Jahr. Das kann nur zum Teil durch die niedrigste Einschaltquoten seit 2012 erklärt werden. Auch der gewollte Spannungsaufbau von Wertungsrunde zu Wertungsrunde ging schief, da im Finale mit Abstand die wenigsten Stimmen abgegeben wurden. Die Liveband Heavytones war das negative Highlight des Vorentscheids. Nicht, weil sie schlecht spielten, sondern weil sie so unpassend wie ein ägyptischer Ballonkünstler auf einer Beerdigung waren. Beim ESC wird vom Band gespielt, nix Orchester. Diese Verzerrung im Wettbewerb, da die elektronischen Sounds natürlich schlecht umgesetzt werden, war nicht nur unnötig, sondern auch unnötig teurer.

Somit bleibt uns Deutschen einmal mehr nur der Blick in andere Länder. Denn mit unseren Song werden wir keinen Blumentopf gewinnen. Was ich letzter Jahr noch als Horrorszenario ausmalte, wird in diesem Jahr als Fortsetzung gedreht.

Freitag, 3. Februar 2017

Melodifestivalen Runde 1

Es geht endlich los! Der jährliche feuchte Traum der ESC-Community geht in die erste Runde 2017. Für den unwahrscheinlichen Fall, das ihr noch gar nichts mit der Mutter aller Vorentscheide zu tun hattet, noch einmal kurz die Regeln:
In insgesamt vier Viertelfinals treten jeweils 7 Interpreten gegen einander an (nächsten 4 Samstage). Die Zuschauer stimmen ab und die Platzierten teilen sich so auf:
Rang 1:    -> Finale
Rang 2:   - > Finale
Rang 3:    -> Andra Chansen
Rang 4:    -> Andra Chansen
Rang 5-7 -> fliegen raus

In der Andra Chansen Show versammeln sich somit 8 Beiträge, die jeweils im KO-System halbiert werden. Diese 4 Beiträge kommen auch ins Finale, dass somit 12 Plätze besitzt. Klingt komplizierter als es ist und im Vergleich zum deutschen Vorentscheid ist dieses Verfahren Kindergeburtstag.

Das besondere am Melo ist, dass die Songs bis zur Show nicht veröffentlicht werden, bzw. zur Hauptprobe am Donnerstag. Da erschienen nämlich 1-minütige Auszüge, anhand ich eine Prognose abgebe. Kurz zu den Teilnehmern:

Mit Boris Renè und Ace Wilder haben wir zwei letztjährige Finalteilnehmer an Bord. Ace konnte den 3. Rang erreichen, 2014 sogar wurde sie nur haarscharf als 2. geschlagen. Dinah Na war 2015 Finalteilnehmerin, hatte mit dem Ausgang der Show aber nichts zu tun. De vet du sind der diesjährige Funact, übernehmen also das Erbe von Günther oder Sami und Victor. Nano und Arijana sind frische Gesichter, während Charlotte Perrellis nur dank Botox neu aussieht. Sie gewann das Melodifestivalen 1999 und 2008 und fuhr zum ESC. 1999 holte sie sich die Trophäe, während sie bei ihrer Rückkehr 2008 fast blamabel im Semi hängen geblieben wäre.

An Hand der kurzen Songschnipsel, die hier zusammengefasst wurden, lässt sich nur schwer eine Prognose errichten, aber ich gebe mein bestes. Die genauen Positionen werden übrigens erst nach dem Finale veröffentlicht, um Wähler nicht zu beeinflussen. Die Nummer in der Klammer geben die Startpositionen an.

Rang 1: Nano - Hold On (7)
Rang 2: Ace Wilder - Wild Child (6)
Rang 3: Boris Renè - Her Kiss (1)
Rang 4: Charlotte Perreli - Mitt liv (5)
--------------------
Rang 5: Dinah Na - One more night (3)
Rang 6: De Vet Du - Road Trip (4)
Rang 7: Arijana - Amare (2)

Am Samstag wird es zur besten Sendezeit die Auflösung geben. Mal sehen, ob das stärkste Teilnehmerfeld aller Zeiten, auch das stärkste Melo aller Zeiten wird!

UPDATE:

Die Ergebnisse sind da und es sieht folgendermaßen aus:

Ace Wilder und Nano erreichen direkt das Finale.

Renè und De Vet Du dürfen in die Hoffnungsrunde

Dinah Na, Charlotte und Arijana sind raus.

Somit habe ich drei der vier Qualifikanten richtig bestimmt. Nur der Schlagerqueenbonus bei Perrelli hatte ich für zu hoch erachtet. Fanfavorit Dinah Na konnte sich somit nicht qualifizieren, was sich dennoch andeutete, da die schwedischen Youtuber von DVD eine große junge Fanbase besitzen. Die beiden Lieder, die mir persönlich am besten gefallen sind Ace und Boris, somit also zwei Qualifikanten.

Nächste Woche gibt es das Wiedersehen mit zahlreichen bekannten Gesichtern und einem ehemaligen Sieger!

Montag, 2. Mai 2016

Orakelrunde vor den Proben: Semi 1 Eine Ära endet

Erster Mai, Tag der Arbeit und noch viel wichtiger: Letzter Tag vor den Proben! Das ist also die letzte Möglichkeit, um noch völlig frei von den Probeeindrücken, die Songs rein auf Grund der Studioversion und unhaltbaren Thesen zur Bühnenpräsentation zu bewerten. Auch das Miteinbeziehen der Diaspora darf da nicht vergessen werden. Ich habe mir gedacht, ich stecke die Spekulationen in ein seriöses Outfit und simuliere die beiden Semifinals mit einem extra dafür angefertigten Programm. Nämlich dem Scoreboard, dass 2006 von einem Spanier entwickelt wurde. Da dieses natürlich nun 10 Jahre alt ist, gibt es einige Optionen nicht. So zum Beispiel gibt es Aserbaidschan und Australien nicht in der Länderauswahl. Auch das neue Votingsystem ist nicht vorhanden.
 Das neue Votingsystem berücksichtige ich, indem ich die Simulation 2 Mal durchlaufen lasse. Einmal Televoting und einmal Jury. Diese beiden Werte addiere ich und wir haben unsere 10 Qualifikanten.

Wir kümmern uns hier um das 1.Semi, also um das vermeintlich stärkere. Insgesamt kämpfen 18 Länder um die 10 Finalplätze . Zusätzlich zu diesen Ländern dürfen Schweden, Spanien und Frankreich auch im 1. Semifinale abstimmen. Das hier ist keine persönliche Bewertung von mir, sondern eine Prognose, die versucht alle Faktoren zu berücksichtigen. Es gibt neben der Disaspora, dem Startplatz und der potentiellen Bühnenshow natürlich auch die Fälle, dass ein Künstler über sein Land hinaus bekannt ist (2015 trat the voice aus Italy für Albanien an und war erste im Televoting) oder ein Musikstück an die traditionelle Musik aus anderen Ländern erinnert (Elaiza aus Deutschland bekamen 2014 nur Punkte aus osteuropäischen Ländern). Die Jurys berücksichtigen natürlich auch diese Faktoren, achten aber auch auf die musikalische Qualität eines Beitrags.

Somit beginne ich mit dem von mir erwarteten Juryvotings:




Platz 1 Russland mit 200 Punkten: Sergey wird zu 90% dieses Semifinale gewinnen und daran haben nicht nur die Televoter einen Beitrag geleistet, sondern auch die Juroren. Ob man das Lied nun mag oder nicht: Professionell ist es allemal und darauf liegen die Juroren auch wert. Seine Stimme ist live vorzüglich, das Staging wird sagenhaft sein und sein hoher Bekanntheitsgrad in Osteuropa, kann auch bei den Juroren einen gewissen Einfluss haben.

Platz 2 Kroatien mit 147 Punkten: Nina hat mich etwas überrascht, obwohl ich die Simulation selbst durchgeführt habe. Die zauberhafte Stimme Ninas wird durch eine hoffentlich tolle Show unterstützt. In dieser Simulation gehe ich von einer tollen Show aus. Der Startplatz fällt bei den Juroren weniger ins Gewicht, als das bei den Zuschauern der Fall ist.

Platz 3 Armenien mit 140 Punkten: Iveta ist live eine Macht. Armenien versteht es auch ein gutes Staging zu entwickeln, besonders bei diesem Song ist das wichtig. Aber so professionell wie Armenien Iveta bisher dargestellt hat, wird das eine wunderbare und fantastische Show werden. Das wird kein Auftritt, sondern ein Kunstwerk werden. Die Juroren werden beeindruckt sein.

Platz 4 Ungarn mit 120 Punkten: Freddie´s Stimme geht durch Mark und Nieren und optisch ist er auch keine Donatella Versace. Die Power seines Songs wird wohl super gut herübergebracht werden, wahrscheinlich auch durch viel Pyro und Feuer.

Platz 5 Island mit 119 Punkten: Greta hat ihre Schatten verbessert und diese sorgen ja jetzt schon für eine klasse Visualisierung. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das bei den Jurys gut ankommt. Die Interaktion von Mans (Schweden 2015) wurde ja auch von den Juroren geliebt.

Platz 6 Malta mit 102 Punkten: Ira´s Song ist zwar kein siebtes Weltwunder, aber powervoll genug, um bei den Juroren gut anzukommen. Der Schlüssel für Malta liegt in der Bühnenshow und diese wird ja bereits als pompös angekündigt. Hoffentlich wird sie das auch werden, denn ansonsten reicht das Lied nicht unter allen Umständen für die Qualifikation.

Platz 7 Estland mit 98 Punkten: Die Performance von Jüri ist ja bereits jetzt halbwegs klar, denn er wird sicherlich keine Experimente eingehen. Die Wirkung seiner Stimme und seines Charismas gilt es dennoch nicht zu vergessen. Allein seine Stimme hat schon einen Punkt von jedem Juror verdient.

Platz 8 Aserbaidschan mit 89 Punkten: Das Lied wird bei kompetenten Juroren überhaupt nicht zünden, da es wie jedes zweite Lied im Radio klingt. Auch die Bühnenshow ist bei Aserbaidschan immer so ein Thema, denn manchmal ist auch weniger mehr. Dennoch wird es bei den Juroren nicht total versagen, da in manchen Ländern so etwas noch als innovativ gilt.

Platz 9: Zypern mit 43 Punkten: Rock funktioniert bei den Juroren nun mal nicht oft. Ich glaube, dass da Zypern keine Ausnahme sein wird. Es ist weder Fisch noch Fleisch, dazu das stellenweise Gebrüll mit gleichzeitigem Europopteppich. Nein, eher nichts für die Jury.

Platz 10: Österreich mit 29 Punkten: Zoe kommt mit passenden Gesamtkonzept wohl gar nicht so übel an, wenn es denn passt. Sobald sie viel rosa hat, wirkt es kitschig. Bei zu wenig Plüsch, sticht sie nicht heraus. Es ist eine Gradwanderung, die Österreich kaum erfüllen kann. Trotzdem wird sie Punkte von den Juroren bekommen (Frankreich), da sich ein mancher auf diesen 3-Minuten-Trip einlassen kann.

Platz 11: Bosnien mit 28 Punkten: Der ohnehin schon vollgepackte Song wird durch die Unfähigkeit der 4 ein Team zu bilden noch chaotischer. Außerdem wird jeder Juror etwas finden, was er an diesem Song auszusetzen hat. Sei es der Rap, das übertriebene Cellospiel von Ana oder Balkanpop generell.

Platz 12 Finnland mit 26 Punkten: Sandhjas Song ist musikalisch gesehen alles andere als ein Meisterwerk. Ein Song, der schon Millionen Mal gehört wurde und away auf away reimt. Insbesondere Komponisten und Songwriter werden diesen Song zerpflücken.

Platz 13 Griechenland mit 25 Punkten: Der wohl schwächste Beitrag aus Griechenland seit 2011 könnte insbesondere bei den Jurys für Kopfschütteln sorgen. Der Sprachenmix und der Rap sind Chaos pur. Wenn nun noch eine nur mittelmäßige Bühnenshow dazu kommt, ist dieser Platz durchaus realistisch.

Platz 14 Tschechien mit 24 Punkten:  Gabriela kann bei den Juroren wirklich hoffen, dass ihre sagenhafte Stimme irgendwie ankommt. Bei diesem Lied ist das natürlich schwierig. Dazu kommt, dass Tschechien bisher kaum Erfahrung beim Staging hat.

Platz 15 Niederlande mit 21 Punkten: Die Holländer schließen das Schlachtfeld für Platz 10 ab, alles was jetzt noch kommt, wird keine Chance haben. Slow down kann bei der Jury tatsächlich super ankommen, bei passenden Staging, dass ich ihnen auch zutraue. Dennoch wird sein Aufruf herunterzufahren wohl wenig Aufmerksamkeit erringen.

Platz 16 Moldawien mit 6 Punkten: Moldawien ist immer für eine tolle Bühnenshow gut, aber wenn das Lied so schwach ist habe ich wenig Hoffnung, dass Lidia weiter nach vorne kommen kann. Dieser Schwedenpop wäre eben schon vor 10 Jahren altmodisch gewesen, aber wer weiß, vielleicht überrascht Moldawien ähnlich wie letztes Jahr.

Platz 17: Montenegro mit 1 Punkt: Dieser Schmuddelrock kommt bei einer solchen Veranstaltung wie dem ESC nur ganz schwer an. Singen kann Highway (mit einer Ausnahme) auch nicht und die Bühnenshow wird auch nichts herausreißen können.

Platz 18 San Marino mit 0 Punkten: Das muss ich glaube ich nicht begründen...

Soweit die Jury, aber wie sieht es im Televoting aus?


Platz 1 Russland mit 188 Punkten: Sergey ist ein riesiger Star in Russland und das hat sich bestimmt auch in einige andere Länder abgefärbt. Selbst wenn nicht: Zu der ohnehin schon großen Diaspora Russlands, kommt nun noch ein perfekter Auftritt hinzu. Je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, desto klarer wird für mich, dass Russland gewinnen wird.

Platz 2 Kroatien mit 160 Punkten: Auch Nina wird ihren Platz aus dem Juryvoting halten können. Trotz früher Startnummer traue ich ihr bei der richtigen Performance so einiges zu. Die Balkanliebe erledigt ihr Übriges und auch in anderen Ländern, wird dieses Lied toll ankommen.

Platz 3 Island mit 140 Punkten: Greta profitiert natürlich von ihrer guten Startposition, zwischen zwei Wackelkandidaten. Hohe Punktzahlen aus Holland, Schweden und Finnland im Gepäck und Greta findet sich auf diesem Podestplatz wieder.

Platz 4 Malta mit 126 Punkten: Bei Ira bin ich etwas vorsichtig geworden. Trotz des besten Startplatzes bin ich mir immer noch unsicher, ob die Bühnenshow so toll wird, wie dargestellt. Sollte sie tatsächlich sensationell sein, würde sie locker vor Greta landen. Rein stimmlich sind ihr Greta und viele Andere weit voraus.

Platz 5 Aserbaidschan mit 123 Punkten: Ihr sehr zugänglicher Song mit Ohrwurmgefahr, wird im Publikum deutlich besser ankommen, als bei den Jurys. Dazu kommt, dass Aserbaidschan mysteriöserweise oft Punkte von kleinen Ländern bekommt. Dass Aserbaidschan im Televoting etwas nachhilft, ist schon lange kein Verdacht mehr. Mit Ländern wie Zypern, Moldawien oder Malta wird sich dieses Phänomen wiederholen

Platz 6 Ungarn mit 103 Punkten: Durch die schwere Startposition, wird Freddie einige Punkte verlieren. Auch das Manko, dass Kroatien direkt hinter ihm startet, sorgt auch nicht gerade für Jubelstöße in Budapest. Dennoch wird es sich locker in der Top10 halten.

Platz 7 Zypern mit 71 Punkten: Was für die Juroren uneindeutig ist, kann für die Zuschauer toll sein. So öffnet sich der Rock durch den Beat auch für die regulären Pophörer. Oder krasser formuliert: Das dumme Volk merkt nicht, dass es von G:son (Komponist) verarscht wird. Der Frontmann könnte auch noch einige Punkte aus Frankreich abstauben, da er dort an einer Castingshow teilnahm.

Platz 8 Armenien mit 58 Punkten: Den krassesten Absturz traue ich leider Iveta zu. Nicht, weil sie ein abschreckendes Gesicht hat, sondern weil der Song etwas zu speziell für den Zufallszuschauer sein könnte. Auch die ganze Bühnenshow könnte ihn erschlagen.

Platz 9 Griechenland mit 56 Punkten: Hier kann das Prinzip der Nachbarschaftsliebe zünden. Mit Bosnien, Montenegro, Koratien und insbesondere Zypern, hat Griechenland einige Punkte sicher. Auch der Rap in Pontisch, kann den ein oder anderen Wähler überzeugen.

Platz 10 Finnland mit 52 Punkten: Das einzige Wort hier: Instant-Appeal. Was schon tausendmal gehört wurde muss ja gut sein. Sonst würde es ja nicht gehört werden. Dieses Prinzip trifft voll auf Sandhja zu, die den Globen fast schon ins rollen bringen wird.

Platz 11 Estland mit 51 Punkten: Ich habe leider leider die Befürchtung, dass Jüri untergehen könnte. Zwischen den lauten und wahrscheinlich aufwändigen Shows von Österreich und Aserbaidschan, könnte er verloren gehen. Dazu haben ihn seine Baltikumbrüder auch noch verlassen.  

Platz 12 Österreich mit 29 Punkten: Direkt nach den Rockern aus Nikosia, ist der Kontrast zur süßen Zoe noch viel größer, vielleicht etwas zu groß. Hier spielt die Bühnenshow wirklich eine große Rolle, aber wie gesagt. Es wird verdammt schwierig.

Platz 13 Niederlande mit 19 Punkten: Slow down liegt ausgerechnet zwischen zwei schreienden Gören aus Kroatien und Armenien. Nur bleibt die Frage, ob dieser Aufruf dann überhaupt erhört wird. Ich persönlich glaube nicht.

Platz 14 Tschechien mit 18 Punkten: Ein ähnliches Problem besitzt auch Gabriela. Zwischen Russland uns Zypern steht, im wahrsten Sinne des Wortes, sie da. Die Chance, dass sie überhört wird, ist sehr groß. Warum hat man ihr nicht einfach einen passenden Rocksong gegeben?!

Platz 15 Bosnien mit 15 Punkten: Was?!?! Bosnien im Televoting so weit hinten. Leider befürchte ich das. Die Balkanfreunde werden natürlich auf Grund der Landessprache anrufen, aber wer sonst? Ich kann mir wirklich überhaupt nicht vorstellen, dass Dalal & Co gut ankommen werden.

Platz 16 Moldawien mit 7 Punkten: Lidia muss wohl mit dem Staatsbudget von Moldawien arbeiten, um eine Chance auf die Qualifikation zu haben. Ansonsten wird das nichts.

Platz 17,18 gehen an Montenegro und San Marino mit 1 Punkt: Aus Mitleid:

Somit haben wir dieses Gesamtergebnis und mein bisheriges Orakel:

1.) Russland 388 Punkte

2.) Kroatien 307 Punkte

3.) Island 259 Punkte

4.) Malta 228 Punkte

5.) Ungarn 223 Punkte

6.) Aserbaidschan 212 Punkte

7.) Armenien 198 Punkte

8.) Estland 149 Punkte

9.) Zypern 114 Punkte

10.) Griechenland 81 Punkte

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11.) Finnland 78 Punkte

12.) Österreich 58 Punkte

13.) Bosnien 43 Punkte

14.) Tschechien 42 Punkte

15.) Niederlande 40 Punkte

16.) Moldawien 13 Punkte

17.) Montenegro 2 Punkte

18.) San Marino 1 Punkt

  


Sonntag, 1. Mai 2016

Orakelrunde vor den Proben: Semi 2 Jurys vs. Zuschauer

Erster Mai, Tag der Arbeit und noch viel wichtiger: Letzter Tag vor den Proben! Das ist also die letzte Möglichkeit, um noch völlig frei von den Probeeindrücken, die Songs rein auf Grund der Studioversion und unhaltbaren Thesen zur Bühnenpräsentation zu bewerten. Auch das Miteinbeziehen der Diaspora darf da nicht vergessen werden. Ich habe mir gedacht, ich stecke die Spekulationen in ein seriöses Outfit und simuliere die beiden Semifinals mit einem extra dafür angefertigten Programm. Nämlich dem Scoreboard, dass 2006 von einem Spanier entwickelt wurde. Da dieses natürlich nun 10 Jahre alt ist, gibt es einige Optionen nicht. So zum Beispiel gibt es Aserbaidschan und Australien nicht in der Länderauswahl. Daher habe ich versucht, mit meinen extrem guten und professionellen Paint-Talent, die Länder nachträglich einzufügen. Mit mäßigen Erfolg. Auch das neue Votingsystem ist nicht vorhanden.

Wir kümmern uns hier um das 2.Semi, also um das vermeintlich schwächere. Insgesamt kämpfen 18 Länder, nach dem Ausschluss Rumäniens, um die 10 Finalplätze . Zusätzlich zu diesen Ländern dürfen Deutschland, Italien und Großbritannien auch im 2. Semifinale abstimmen. Das hier ist keine persönliche Bewertung von mir, sondern eine Prognose, die versucht alle Faktoren zu berücksichtigen. Es gibt neben der Disaspora, dem Startplatz und der potentiellen Bühnenshow natürlich auch die Fälle, dass ein Künstler über sein Land hinaus bekannt ist (2015 trat the voice aus Italy für Albanien an und war erste im Televoting) oder ein Musikstück an die traditionelle Musik aus anderen Ländern erinnert (Elaiza aus Deutschland bekamen 2014 nur Punkte aus osteuropäischen Ländern). Die Jurys berücksichtigen natürlich auch diese Faktoren, achten aber auch auf die musikalische Qualität eines Beitrags.

Zuerst habe ich mich in die Rolle der Juroren versetzt und im 1-8,10,12 Punktesystem aus jedem Land Punkte verteilt. Das hat folgende Wertung zu Folge



  

So schätze ich das Juryvoting in diesem Halbfinale ein. Dieses Halbfinale beinhaltet ja keine Superfavoriten auf den Sieg, sondern eher Außenseiter. 

Platz 1 Australien mit 176 Punkten: Dami Im ist ein Superstar, die eventuell auch bei den Jurymitgliedern bekannt ist. Dazu kommt, dass Australien sicherlich nicht an der Show sparen wird. Auch die Vocals von Dami sind live außergewöhnlich gut. Dazu das generelle positive Image, kaum Diaspora (Balkan ausgenommen) in diesem Halbfinale und der relativ gute Startplatz. 

Platz 2 Ukraine mit 170 Punkten: Der Song mag zwar polarisieren, aber die stimmlichen Qualitäten von Jamala sind unstrittig. Dazu kommt die unglaubliche Hologramm Bühnenshow, die ja Jamala angedeutet hat. Viele osteuropäische Nachbarn nehmen ebenfalls teil. Auch diejenigen Länder, die gerade nicht besonders gut auf Russland zu sprechen sind (Lettland), könnten in ihren Song auch etwas anderes hineininterpretieren.

Platz 3 Lettland mit 154 Punkten: Wir haben letztes Jahr bei Aminata gesehen, dass die Jurys auf diesen modernen Stil stehen. Justs hat eine ähnlich starke Stimme und das Lied stammt ja aus der Vorjahressängerin. Das Staging wird auch keine Experimente beinhalten und die Eröffnung kommt ihm auch positiv entgegen.

Platz 4 Polen mit 124 Punkten: Michal ist ein unglaublich guter Sänger und das Lied ist sehr sehr altmodisch. Da aber auch ältere Menschen in der Jury sitzen, glaube ich durchaus, dass er soweit vorne landen kann. Das Publikum in der Halle wird auch voll mitgehen. Er als Person sticht ebenfalls heraus, die einzige Gefahr besteht bei einer übertriebenen Bühnenshow.

Platz 5 Serbien mit 116 Punkten: zwischen 2 stimmschwachen Interpreten wirkt der Kontrast zu ihrer Mörderstimme noch größer und imposanter. Ihre Stimme wird viele Fans unter den Juroren finden. Auf den Text achten die Zuschauer nicht wirklich, die Jurys jedoch sehr wohl. Ihr Thema wird dort sehr gut ankommen.

Platz 6 Bulgarien mit 114 Punkten: Auch Poli startet zwischen zwei schwachen Titeln und kann sich dadurch absetzten. Dazu ihre grandiose Bühnenpräsenz und ihre Bekanntheit auf den Balkan, die manchen Juroren vielleicht auch überredet Punkte zu verleihen. Der Song klingt ebenso sehr westeuropäisch und wird auch dort die Juroren beeindrucken. Allerdings werden die etwas alteingesessenen Juroren nichts mit Poli anfangen können

Platz 7 Mazedonien mit 75 Punkten: Kaliopi kann sich super von den schwachen Songs um sie herum ansetzten, besonders mit ihrer unfassbaren Stimme. Die Juroren bewerten auch die Stimme der Künstler und dort ist Kaliopi wohl die beste. Ein zu großes Staging kann man bei ihr ausschließen, eher wird es zu dezent sein. 

Platz 8 Norwegen mit 72 Punkten: Norwegens Starplatz ist spät und direkt hinter der Ukraine, die eine Materialschlacht abliefern wird. Agnetes Stimme ist live sehr sehr wackelig, aber ich glaube, dass sie für diesen einen Song nun halbwegs Töne treffen wird. Der Bruch im Song ist sehr modern und unerwartet. Konservativen Juroren wird das ein Dorn im Auge sein.

Platz 9 Israel mit 57 Punkten: Israel steuert eine klassische Ballade zum ESC, das freut die älteren Juroren sehr. Dabei stört dann wiederum Hovi (29), das Kunstwerk. Der Startplatz ist nicht ideal, aber doch gar nicht so übel, da er zwischen zwei schlechten Sängern startet.

Platz 10 Irland mit 34 Punkten: Der ein oder andere Westlife-Fan wird sich noch unter den Juroren befinden. Dazu kommt dann die doch relativ souveräne Live-Umsetzung. Nicky ist der typische Jurorenbeitrag, der bei allen zwischen 8 und 12 liegt. Tut nicht weh, geht aber unter.

Platz 11 Albanien mit 32 Punkten: gute Startposition. Dazu auch bei den Juroren Unterstützung vom Balkan. Eneda singt sehr gut, aber eben das falsche Lied in der falschen Sprache

Platz 12: Belgien mit 24 Punkten: Ein Wort: Authentizität. Beziehungsweise wohl ein Fremdwort für Belgien. Bei den Juroren wird Laura nicht gut ankommen, dazu fehlt einfach die Glaubwürdigkeit in ihrem Auftitt.

Platz 13: Litauen mit 23 Punkten: Litauen schicht Donny mit einem Song, der in der Studioversion extrem gut klingt. Er überperformt allerdings live extrem, sodass der Song nicht das halten kann, was er im Studio verspricht. Das kann bei der Jury nicht gut ankommen.

Platz 14: Dänemark mit 17 Punkten: Dieser Boyband-Sound findet in der Musikbranche wahrscheinlich kaum noch Fans, glaube ich zumindest. Der Song ist in den 90-ern stecken geblieben, aber immerhin können sie live ganz gut singen. 

Platz 15 Schweiz mit 11 Punkten: Rykka ist einer meiner Favoriten auf eine schreckliche Bühnenshow. Dazu die schreckliche Frisur und der schreckliche Gesang, gepaart mit der schrecklichen Startposition. Nur das Genre kann noch ein paar Punkte herausholen.

Platz 16: Weißrussland mit 10 Punkten: Auch dieser Song ist etwas in der Vergangenheit hängen geblieben. Singen kann Ivan nur besitzt er leider nicht einmal den Hauch von Charisma.  Der schlechte Startplatz verschlimmert diesen Eindruck zusätzlich.

Platz 17: Slowenien mit 6 Punkten: ManuElla wird sich wohl alles mit ihrer Show kaputt machen. Es wurde ja schon bekannt, dass ein Turner sie unterstützen wird, bei diesem Song! Die Assoziationen zu Taylor Swift sind auch nicht wirklich positiv im Bereich des Wiedererkennungswerts.

Platz 18: Georgien mit 3 Punkten: Darüber muss ich glaube ich nicht viel sagen. Schlichtweg nicht mehrheitsfähig. Nur mit einem außergewöhnlichen Staging könnte da was gehen. Das sehe ich aber nicht kommen.

Nun also zum von mir spekulierten Televoting:


Platz 1 Ukraine mit 172 Punkten: Jamala kann super singen, dazu die super Startposition und die versprochene Bühnenshow. Jamala wird visuell und akustisch beeindrucken, über alle Ländergrenzen hinaus. Die Message wird von manchen Personen eventuell auch als Seitenhieb an Russland verstanden. Ich persönlich glaube fest an einen Televoting-Sieg im Halbfinale

Platz 2 Australien mit 152 Punkten: Nachbarschaftspunkte wird Australien natürlich nicht erhalten. Dennoch spielen Startplatz und Dami in die Karten von den Kängurus. Australien wird auch einiges in Geld für die Bühnenshow umsetzen.

Platz 3 Bulgarien mit 149 Punkten: Was bei den Jurys eventuell nicht ganz ankommt, wird vom Publikum umso mehr gefeiert werden. Schon jetzt feiert Poli Erfolge in Charts überall in Europa. Wenn die Stimmung gut auf den Bildschirm kommt, dann ist dieser Platz durchaus realistisch.

Platz 4 Lettland mit 132 Punkten: Natürlich wird Justs auch beim Publikum ankommen, allerdings nicht so gut, wie bei den Jurys. Das Phänomen von Aminata wird sich daher wiederholen.

Platz 5 Serbien mit 122 Punkten: Balkanpunkten sei Dank, wird Serbien im Televoting im oberen Mittelfeld mitspielen. Das Thema des Songs wird schätze ich keinen Einfluss haben, ihre starke Ausstrahlung und Stimme jedoch sehr wohl.

Platz 6 Polen mit 85 Punkten: Polen ist einige Jahrzehnte am Zuschauer vorbeigeschrammt. Was bei den Juroren noch ankommen kann, wird im Televoting wohl auf eine eher negative Resonanz stoßen. Trotzdem wird es eine überdurchschnittlich gute Platzierung für Polen, es sei denn, die Bühnenshow wird katastrophal. Diese Gefahr ist bei Mihal durchaus real.

Platz 7 Norwegen mit 71 Punkten: Durch den Mangel an skandinavischen Helfern, wird Norwegen kaum höher kommen. Bei einer guten stimmlichen Performance kann Agnete aber durchaus bis Platz 7 vorstoßen. Der plötzliche Tempowechsel wird den ein oder anderen verstören.

Platz 8 Belgien mit 70 Punkten: Ein Wort: Instant-Impact. Der Startreihenfolge sei Dank! Belgien wird der letzte Eindruck sein und daher im Televoting absahnen. Der Instant-Impact durch die Basslinie darf nicht unterschätzt werden. Zwar gibt es kaum Diaspora für Belgien, dennoch wird bei gutem Staging Laura einige Plätze gut machen.

Platz 9 Mazedonien 62 Punkte: Das alternative Balkanwerbeprogramm von Kaliopi wird sich auszahlen und der Balkan wird ihr viele viele Punkte liefern. Resteuropa wahrscheinlich eher nicht, mit Ausnahme von Italien, an dessen Musikszene der Song sich ja orientiert. 

Platz 10 Israel 53 Punkte: Der wohl größte Profiteur neben Poli der LGBT-Community ist wohl Hovi. Durch cleveres Staging und guten Gesang, wird er sich im Televoting für israelische Verhältnisse, sehr gut halten.

Platz 11 Litauen mit 43 Punkten: Das Überperformen von Donny wird nicht von allen so wahrgenommen werden. Der Partysong wird gute Laune versprühen und der Salto der blauen Augen wird manche verzücken. Für den großen Wurf wird es aber auch im Televoting nicht reichen

Platz 12 Albanien mit 30 Punkten: Zu Eneda kann ich eigentlich nur Balkanliebe schreiben. Mehr kann es nicht für Albanien geben.

Platz 13 Irland mit 22 Punkten: Die paar Westlife-Fans in Großbritannien können Nicky nicht retten. Normale Zuschauer werden dafür nicht anrufen. Es stört nicht, ist aber nicht besonders. Es wird ignoriert. Damit hat Irland ja Erfahrung

Platz 14 Schweiz mit 20 Punkten: Das Genre efreut sich immer höherer Beliebtheit und Rykka kann bei guter Leistung überraschen. Dennoch bleibt die wohl katastrophale Bühnenshow, der schlechte Startplatz und die fehlende Diaspora.

Platz 15 Dänemark mit 16 Punkten: fehlende Skandinavier, Sandwich-Startplatz, selber Sound wie Irland und wohl langweilige Bühnenshow. Mehr muss man nicht sagen.

Platz 16 Slowenien mit 10 Punkten: Die Taylor Swift Optik wird verwirren, genau so wie die Bühnenshow. Die Balkanbrüder werden auch nicht mehr viel ausrichten können.

Platz 17 Georgien mit 6 Punkten: Eine kleine Gruppe von Genrefans werden diesen Song ein paar Punkte zuschustern. Helfer aus dem Kaukasus wird es nicht geben, da diese im anderen Semifinale sind.

Platz 18 Weißrussland 3 Punkte: Der wohl langweiligste Rocksong aller Zeiten. Das schlimme ist, dass er nicht einmal polarisiert. Rockfnas finden ihn zu nett, Popfans zu rockig. Ohne seinen Wolf Shakira wird das nichts werden.

Das heißt insgesamt also insgesamt:

1.) Ukraine 342 Punkte

2.) Australien 328 Punkte

3.) Lettland 286 Punkte

4.) Bulgarien 263 Punkte

5.) Serbien 238 Punkte

6.) Polen 209 Punkte

7.) Norwegen 143 Punkte

8.) Mazedonien 137 Punkte

9.) Israel 110 Punkte

10.) Belgien 94 Punkte

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11.) Litauen 66 Punkte

12.) Albanien 62 Punkte

13.) Irland 56 Punkte

14.) Dänemark 33 Punkte

15.) Schweiz 31 Punkte

16.) Slowenien 16 Punkte

17.) Weißrussland 13 Punkte

18.) Georgien 9 Punkte


  

Samstag, 23. April 2016

Ungarn als Wegbereiter

Nun also mit etwas Verspätung der Bericht von Ungarn, die ja auch am Super Saturday ihren Beitrag erwählt haben und daher im ganzen Trubel der letzen Wochen irgendwie untergegangen sind. Aber der Letzte muss nicht der Schlechteste sein. In diesem Fall stimmt dieses Sprichwort wie schon lange nicht mehr. 

Ungarn bestrebte bereits 1993 auf eine ESC-Teilnahme, schied allerdings in der damaligen osteuropäischen Vorentscheidung als 6. (Platz 3 wäre nötig gewesen)  aus. 1994 erreichte Friderika den 4. Rang in Dublin, was bis heute die beste Platzierung für Ungarn darstellt. In den folgenden Jahren war das ESC-Leben in Ungarn sehr wechselhaft. Neben einigen tollen Platzierungen (2007), wurde manchmal das Finale gar nicht erreicht (1996, 1999, 2008,2009) und dadurch wurden auch einige Pausen vom ESC ausgelöst (200-2004, 2006,2010). Seit 2011 nimmt Ungarn ohne Pause beim ESC teil und hat seit dem immer das Finale erreicht. 

Ungarn ist oftmals das Land, was Fan-Favoriten hervorbringt. Das hat wahrscheinlich auch mit ihrem Vorentscheid zu tun, dem einen Absatz tiefer gehuldigt wird. Das Problem an Fan-Favorites ist dann aber oft, dass sie im Finale die hohen Erwartungen kaum erfüllen können. Eines der besten Beispiele für einen gescheiterten Fan-Favoriten ist wohl Kati Wolf im Jahre 2011. Als eine der Favoritinnen auf den Sieg getippt, erreichte sie nur einen 22. Platz, was ihren Ruf in Ungarn allerdings keinen Strich durch die Rechnung machte. 2014 erreichte man ebenfalls als Fan-Favorit den 5. Rang, was an dem Allzeit-Rekord kratzte. Nun soll mit der 16. Teilnahme endlich der ESC nach Budapest geholt werden, Fan-Favorit ist Ungarn einmal mehr...

Der Grund, dass Ungarn oftmals bei den Fans vordere Plätze abkassiert, könnte natürlich der groß angelegte Vorentscheid sein, der von mir liebevoll als das Melodifestivalen des Ostens bezeichnet wird. Das A Dal besitzt drei Viertelfinals, zwei Semifinals und ein Finale mit 8 Beiträgen. Von diesen werden 4 von der Jury auserwählt und in ein Superfinale verfrachtet, indem dann die Zuschauer sich ihre Rosinen herauspicken dürfen. Durch diesen Modus verhindert die Rundfunkanstalt natürlich, dass ungewöhnliche oder kritische Songs den Weg zum ESC finden (Da kann man natürlich auch eine Brücke zur ungarischen Politik bilden, vielleicht muss man sogar). Dieses Jahr konnte ich A Dal auf Grund der Konkurrenz was Vorentscheide angeht, nicht live anschauen, habe mir aber die Finalbeiträge angehört. Dabei kam ich auf einen anderen Sieger als Ungarn, denn bei mir hätte das hier gewonnen:


Definitiv wäre das eine Bereicherung gewesen, da es kein Schwedenpop ist, dazu auf Landessprache und dann sogar noch moderne Elemente mit traditionellen verbindet. Natürlich gewöhnungsbedürftig und risikoreich, also das Gegenteil von den Ungarn.

Somit entschieden sie sich Gábor Alfréd Fehérvári. Diesen Namen bitte drei Mal schnell hintereinander sagen, viel Spaß! So ähnlich wird sich das Gabór auch gedacht haben und veränderte seinen Namen in Freddie, fancy oder? 26 Jahre alt und natürlich in einer Castingshow bekannt geworden. Die in Deutschland gefloppte israelische Fernsehsendung Rising star, eröffnete Freddie (4.Platz) in Ungarn eine gewisse Popularität. Der in Győr geborene Hüne spielte Basketball, wurde allerdings von einer Verletzung gestoppt und so musste er sich andere Alternativen suchen. Er begann ein Studium von Hotelmanagement, als er sich bei Rising Star beworb. Danach widmete er sich ganz der Musik, brachte die Single des Jahres in Ungarn raus und gewann nebenbei noch das Ticket für Stockholm.

Hier ist der ungarische Beitrag für den ESC 2016 von Freddie mit Pioneer:


Zunächst ein paar Worte zum Video, dass seinen Auftritt im Vorentscheid zeigt, der mit der Studioversion unterlegt wurde. Also er singt live NICHT so perfekt, wie in dem gezeigten Video.

Die Message des Liedes lautet nach Freddie folgendermaßen: "In meinem Song geht es um den inneren Kampf, den wir tagtäglich auskämpfen und dessen Antworten in unseren tiefsten Inneren liegen. Ein wahrer Pionier stellt sich allen Problemen und trägt volle Verantwortung für sein Handeln." Soweit Freddie selbst und in den Lyrics kommt auch noch ein Hauch von Sozialkritik rüber ("Und die Liebe vom Ruhm ersetzt wurde"). Also einmal wieder ein Songtext, der eine große Botschaft beinhaltet, die dann doch relativ zusammenhangslos zum Song dasteht.

Der Song beginnt mit den Klavierakkorden und der tiefen Stimme von Freddie. Im zweiten Teil des Verses kommen dann Trommeln und Schnipser hinzu. Im Prechorus setzt das Schlagwerk wieder aus und das sehr einprägsame Pfeifen erscheint. Der ohnehin schon ruhige Vers wird vom Prechorus sogar noch unterboten. Der Kontrast zum lauten, explosionsartigen Refrain wird damit noch größer. Seine kratzige Stimme läuft auch zu Höchstleistungen auf.Der zweite Vers wird durchgängig vom Schlagzeug begleitet und auch Freddies Stimme bleibt nicht mehr so ruhig, wie ihm Vorgängervers. Der Prechorus bleibt exakt gleich. Die darauffolgende Bridge wirkt sehr sehr schnell und kumuliert die Spannung auf einen kürzeren Zeitraum. Die Bridge ist auch deshalb perfekt komponiert, da sie direkt in den letzen kraftvollen Refrain übergeht und die Spannung dafür erzeugt. Das Lied endet dann ziemlich sanft, allerdings mit den kraftvollen Worten "You should know".

Am häufigen Gebrauch des Wortes kraftvoll sollte klar sein, dass das Lied ziemlich kraftvoll ist. Aber es gibt noch große Schwächen beim Lied, die größte bei der Performance. Als guter Bruder von Mans Zelmerlöw gekleidet, läuft er unkoordiniert über die Bühne. Sein Gangstil wirkt auch alles andere als kraftvoll, eher steif und nervös. Das kann man aber durch eine gute Choreo recht simpel beheben.

Größer waren jedoch die Probleme bei der Visualisierung. Die drei Backgroundsänger verpassten jedes Mal ihren Einsatz zum pfeifen und die Leuchtstäbe verstörten mich auch eher. Dazu kam der wohl taube Trommler, der zwar super durch die Luft fetzte, aber sich bei seinem Einsatz ähnlich dämlich anstellte, wie Natalie Horchler von Cascade (Deutschland 2013) bei ihrem Versuch, die Treppe runter zu stapfen. Das Hintergrundkonzept war ähnlich verwirrend und nicht nachvollziehbar. Freddie selbst hat seine Hausaufgaben gemacht und stimmlich ist er ausgezeichnet drauf. 

Somit bleibt seinem Team noch viel Arbeit, eine ähnliche Show wie letztes Jahr auf die Beine zu stellen, die wohl der Hauptgrund für die letztjährige Quali war. Die Bühne in Stockholm bietet viele Möglichkeiten, davon werden sie bestimmt einige für sich entdecken. Auch wenn es nur etwas simples wie Feuer ist, es braucht vor allem im Refrain noch etwas. Auch die Idee mit dem Trommel war nicht verkehrt, aber nächstes Mal sollte dieser kompetenter sein. Tänzer sind natürlich auch im Bereich des Erwartbaren.

Ich persönlich sehe das hier nicht so weit vorne, wie viele andere Fans. Das Gesamtkonzept passt einfach noch nicht. Der Song an sich ist ganz gut und stark, bei mir bleibt aber ein etwas eingebildeter Eindruck Freddies zurück. Das liegt wahrscheinlich an diesen genießerischen Gesten mit den ausgebreiteten Armen, also auch widerrufbar.

Es ist und bleibt ein Fanfavorit, der allerdings nicht zu krass abstürzen kann. Finale ist ziemlich wahrscheinlich, aber danach kann ich es nicht in den Top10 sehen, wie so mancher anderer. Ein Platz zwischen 18-23 halte ich da eher für denkbar. Aber er wird wohl nicht der Pionier sein, der den ESC nach Budapest holen wird.
 

Donnerstag, 21. April 2016

Frankreich ist reich an guten Künstlern

Achja, Frankreich. Das Land das neben Großbritannien und Irland, den wohl krassesten Sturz in die Schlucht der Bedeutungslosigkeit verbracht hat. Oftmals lag es an dem zu festen Willen, die eigene Landessprache zu erhalten, aber auch an vermeintlichen Opernsängern, die Live schlechter drauf waren als Mariah Carey nach 2 Wodka lemon. Die Franzosen sind auf dem besten Weg, Großbritannien Konkurrenz zu machen, im negativen Bereich versteht sich. Dabei waren die Beiträge aus Frankreich oft nicht schlecht, Nein, aber sie kamen einfach nicht an. Die Kehrtwende soll dieses Jahr kommen, da bin ich mal gespannt.

Frankreich ist nach Deutschland der Rekordteilnehmer beim ESC. Im Jahre 2016 feiert also la grande nation ihre 59. Teilnahme am ESC, nur eine weniger als Deutschland. Während man noch bei der ersten Ausgabe 1956 leer ausging, folgte bereits 1958 der erste Sieg. Das war der Beginn einer großen Erfolgswelle, denn 1960, 1962, 1969 und 1977 folgten die nächsten Siege. Somit steht Frankreich mit 5 Siegen auf dem geteilten Platz 3, hinter Irland (7) uns Schweden (6), was die Menge an ESC-Erfolgen angeht. 

Auffällig dabei ist natürlich, dass ab 1977 scheinbar nichts mehr bei Frankreich funktioniert hat, da seit diesem Jahr kein Beitrag mehr gewann. Das hat natürlich mit dem in den 70-ern steigenden Stern Irlands und Großbritanniens zu tun, die alleine in den Jahren 1980-1997, acht Siege einfahren konnten. Als dann 1999 die Sprachregelung endgültig gekippt wurde, hatten auch andere Länder die Chance, in beliebten Sprachen zu singen. 

Diese Regeländerung war der Dolchstoß für Frankreich. Im neuen Jahrtausend kommt man auf 3 Top-Ten Plätze, das in 17 Veranstaltungen! Im selben Zeitraum wurde 8 Mal ein Platz außerhalb der Top-20 erreicht. Somit kann es nur noch aufwärts gehen, aber diesen Spruch sagt man zu Großbritannien schon seit 10 Jahren.

Frankreich ist auch dafür bekannt, die Teilnehmer zu benennen, anstatt das Volk bestimmen zu lassen. Nach den schwachen Ergebnissen bis 2013, entschied man sich 2014 für einen Vorentscheid. Der Gewinner von diesem erlangte sagenhafte 2 Punkte. 2015 bestimmte man wieder intern und konnte das Ergebnis tatsächlich verdoppeln, also 4 Punkte durch eine Parade auf dem Champs-Élysées bejubeln. Somit ist das Ziel für 2016 klar: 8 Punkte sind das Ziel!

Spaß beiseite, auch dieses Jahr entschied das französische Fernsehen (France 2) intern über einen Kandidaten. Heraus kam der 32-jährige Laurent Amir Khilfa Khedider Haddad. Weil das natürlich nicht fancy genug für den ESC ist, nennt er sich schlicht Amir. Wie vielleicht schon an dem Namen klar wird, ist er kein 0815 Franzose, sondern kann auf eine weit gefächerte Verschwandschaft  zurückblicken. Sein Vater ist Tuneser und seine Mutter hat selbst einen marokkanischen und spanischen Hintergrund. Er selbst wurde in Paris geboren, verbrachte aber einen Großteil seines Lebens in Tel Aviv.

Trotz seines für ESC-Verhältnisse hohen Alters, macht er erst seit kurzer Zeit Musik. Er hat ein abgeschlossenes Studium der Zahnmedizin und hat daher auch diese unfassbar gut gepflegten Zähne. 2013 nahm er dann an The voice spaßeshalber teil und schaffte den Einzug ins Finale. Danach folgten ein paar Anrufe und kaum aufgetaucht hat er seinen Traum erreicht: Den ESC. Er ist somit der erste männliche Solointerpret für Frankreich seit 2011. 


Hier also der französische Beitrag von Amir für den ESC 2016, J´ai cherché:


Das Lied startet mit einem ganz kurzen Streicherintro, nach dem sofort seine tiefe Stimme zu hören ist. Danach wird er nur durch Klavierakkorde und einer Gitarre begleitet. Im zweiten Teil des Verses, erhöht er seine Stimme und das Schlagzeug setzt im Off-Beat ein. Nun setzt der Refrain ein und er singt auf einmal auf Englisch! Auch die Instrumente kommen nun deutlicher zum Vorschein. Im Vers singt er wieder Französisch und der Offbeat setzt aus. Danach erklingt eine Variation des Refrains in etwas ruhiger Form, da die Instrumentierung bis auf den Beat wegfällt. Im nächsten Refrain ist allerdings wieder alles dabei. Die Bridge ist auf Französisch und auch alle Instrumente nehmen daran teil. Der Refrain wird nun erneut 3 Mal wiederholt und wie es sich für einen guten ESC-Beitrag gehört, verschönert er es mit einer anderen Umspielung in jedem Refrain. 

Das wohl auffälligste ist wohl neben der Sprache das breit gezogene Youuuuuu, und genau daran scheiden sich die Geister. Für manche wird es dadurch erst besonders gut, andere können den Song deshalb nicht ausstehen. Amir hat selbst an dem Song mitgeschrieben und singt einmal mehr auf Grund der Message den Refrain auf Englisch. 

Die Geschichte bzw. Message ist schnell erzählt. Es geht um etwas, was einen sehr glücklich macht. In seinem Fall war es die Musik, die ihm vom stupiden Zahnsäubern abgebracht hat. Im Video wurde das durch die beiden Personen auch sehr gut dargestellt. Das Mädchen, dass misshandelt wurde und mit Hilfe von Taekwondo seine Stärken zurück erhält und sogar bei Olympia starten darf, oder der Junge aus ärmeren Verhältnissen, der dank des Balletts eine Karriere und eine Chance bekommt. In diesen Fällen bezieht sich das Youuuuuu nicht auf die Musik, sondern eben auf den Kampfsport und den Tanz.

Das Video ist wirklich schön anzusehen, aber es wäre nicht der ESC, wenn nicht irgendjemand ein Plagiat darin sehen würde. In diesem Fall bin ich das, auch wenn ich es eher als Inspiration bezeichnen würde. Die Art, wie das Video nämlich gemacht wurde erinnert stark an Fucking Perfect von P!nk. Natürlich ist das nicht dramatisch und es spricht ja für den Künstler, dass er am Beispiel der noch härteren Message, ein ähnliches Video dreht.

In Fankreisen gilt dieser Song als der wohl einzige, der noch die Katastrophe Russland verhindern kann. Wenn das allerdings die letzte Waffe der Welt gegenüber Russland ist, braucht man gar nicht zum ESC antreten. Das Lied gefällt mir super super gut und es wird auch den Sommer in meiner Playlist überleben, aber als Livesong eignet er sich einfach nicht. Russland hat auch ein radiofreundliches Lied, wird aber in der Präsentation aller Voraussicht nach ähnlich viel ausgeben wie die Ukraine, um eine spektakuläre Liveperformance zu erlangen. Von Frankreich hört man zur Präsentation noch relativ wenig, kein gutes Zeichen. 

Für mich ist klar, dass er das beste Ergebnis für Frankreich seit 2009 holen wird (8. Rang), wahrscheinlich sogar noch mehr. Aber der Sieg scheint mir unrealistisch. Live kann er den Song jedenfalls super singen und performen. Von daher braucht sich Frankreich keine Gedanken in Richtung 20+ machen, dass sollten eher deutsche Fans. Frankreich hat sich für den richtigen Weg entschieden, aber leider ist umdrehen eine Option.