Lisboa 2018

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Mittwoch, 11. Mai 2016

Der Tag danach - Ein Rückblick auf das 1. Semifinale

Der Morgen danach ist nie schön, besonders nicht nach den Halbfinals des ESC´s. Nachdem ich im letzten Jahr sehr zufrieden mit den Qualifikanten war, hatte ich wohl ein etwas zu hohes Maß an Selbstsicherheit angehäuft. Und so fühle ich mich jetzt schon an das Jahr 2013 erinnert, indem im 1. Halbfinale Montenegro, Serbien und Österreich doch recht überraschend ausgeschieden sind. 

Um das mal kurz festzuhalten. In meiner Prognose ging es nicht um meine Meinung, sondern um ein Orakel, also unabhängig von meinem Geschmack. Ich hatte die Erwartung, dass sich diese 10 Acts qualifizieren würden:

1.) Russland

2.) Armenien

3.) Ungarn

4.) Bosnien

5.) Island

6.) Griechenland

7.) Malta

8.) Aserbaidschan

9.) Zypern 

10.) Kroatien

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11.) Niederlande

12.) Tschechien

13.) Österreich

14.) Estland

15.) Finnland

16.) Moldawien

17.) Montenegro

18.) San Marino

Somit tauschen wir Bosnien, Island und Griechenland durch Tschechien, Niederlande und Österreich. 

Russland und Armenien werden wohl den Sieg unter sich ausgemacht haben, wobei mein Herz Armenien, und mein Kopf Russland sagt. Dazu werden sich Ungarn und Holland ebenfalls souverän qualifiziert haben. Letzteren hatte ich bei meiner Prognose ein knappes Ausscheiden in Aussicht gestellt, da ich einfach nicht glaube konnte, dass die Holländer mit dem selben Prinzip von 2014 erneut Erfolg haben. 

Die Qualifikation Österreichs war für mich im Vorfeld relativ unwahrscheinlich, da das Lied ja sehr aus dem Rahmen fällt und mir persönlich zu kitschig ist. Außerdem dachte ich, dass die Juroren es auch deshalb eher schlechter bewerten werden. Als Zoe dann aber auf den Bildschirm zu sehen war, deutete sich für mich an, dass sie es schaffen würde. Durch clevere Schnitte wirkte es dann doch gar nicht so rosa und stimmlich kann sowieso nur Kaliopi Zoe etwas beibringen. Somit habe ich kein Problem damit, dass sich Österreich qualifiziert hat, aber es haben andere Länder deutlich hochwertigere Produktionen ins Rennen geschickt.

Ira Losco aus Malta wird wohl auch einen relativ komfortablen Abstand zum 10. Rang haben, obwohl mich das Staging dann doch eher negativ überraschte. Das Opening mit ihrem Gesicht auf dem Boden war tatsächlich genial. Aber danach verliert sich irgendwie der Druck, das Voranpreschen in ihrer Stimme. Es erinnerte mich an Irland 2014, dass ja auch durch eine unglaublich schlechte Bühnenshow ausschied. Das Outfit von Ira war auch mehr als gewöhnungsbedürftig. Natürlich soll/darf sie ihren Babybauch zeigen, aber dass geht auch eleganter. Man muss ihn ja nicht wie Birgit (Estland 2013) unter einem großen weißen Etwas verstecken, aber diese geplatzte Goldtube hätte nicht sein müssen. 

Warum in den Proben Aserbaidschan so runter gemacht wurde kann ich auch nicht ganz verstehen. Das Staging ist für mich persönlich zu viel von Statik geprägt, gepaart mit zu vielen visuellen Eindrücken. Aber dennoch ein solides Gesamtpaket. Ihre Stimme? War im Rahmen, natürlich die schwächste des Abends, aber sie konnte Anschluss an die anderen halten. Auch wenn mich einige Zweifel befallen, dass eine Sängerin im Hintergrund manche Stellen für sie übernommen hat, gelang Aserbaidschan verdient ins Finale. 2013 und 2014 schafften sie das ja auch, aber da wurde ordentlich nachgeholfen. Wobei wir natürlich nicht wissen, ob das 2016 wieder der Fall ist. (Mit solchen Vorwürfen wurde bereits Malta in der Vergangenheit konfrontiert.)

Zypern könnte auf dem heißen Stuhl sitzen und sich als 10. qualifiziert haben. Rock kommt beim ESC eben nicht so gut an. Minus One war dazu live auch nicht wirklich überragend was dafür sorgte, dass ich sie nach ihrem Auftritt schon fast draußen sah. Der Umstand, dass Griechenland mit 2x 12 Punkten aushelfen konnte, kann das Zünglein an der Waage gewesen sein.

Kroatien hat es trotz des Kleids des Grauens geschafft, ins Finale einzuziehen. Respekt dafür! Angeblich wird sie das Kleid überarbeiten und auf etwas zurück gehen, was ihre Stimme in den Vordergrund stellt. Aber auch ihre Stimme war nicht so toll, wie wir sie schon gehört haben, nämlich etwas schief. Aber dennoch glaube ich, das Kroatien auf die linke Seite der Ergebnistafel kommen könnte.

Und dann natürlich noch die größte Überraschung: Tschechien! Die wohl langweiligsten 3 Minuten auf der ESC-Bühne werden mit dem Einzug ins Finale belohnt, na toll. Bitte nicht falsch verstehen, Gabriela kann unglaublich toll singen und eine Ballade muss nicht immer langweilig sein (siehe Israel), aber Gabriela hat es sich mit diesem Song einfach nicht verdient im Finale zu stehen. Für Tschechien freut mich das alles natürlich. Um auch noch etwas konstruktives zu sagen: Stylist rausschmeißen, sie sah aus wie 40. Bitte bitte ein anderes Kleid, es wirkt um die Hüfte einfach seltsam. Und etwas lächeln dürfte auch drin sein ;)

Aber nun zu den Schocks des Abends, die Ausscheider. Wir beginnen mal unspektakulär.

In Gedenken an Montenegro und Highway


In Gedenken an San Marino und Serhat



Ich schäme mich fast für diese Zeilen, aber so schlimm war es gar nicht. Seine Backgroundsängerinnen waren wirklich überraschend gut und auch Serhat performte wirklich gut. Anständig inszeniert war das ganze auch noch, also das Maximale aus diesem Song heraus geholt. Schön, dass Serhat so für den ESC in der Türkei geworben hat.

In Gedenken an Moldau und Lidia


Die beste stimmliche Leistung von Lidia wurde wie erwartet nicht mit dem Finaleinzug belohnt. Ihr Kleid war ebenfalls ganz schön und Lidia hatte den schönsten Tag in ihrem Leben und darum geht es ja. Der Astronaut hatte ja noch seine Akkreditierung unter seinem Anzug an, eine Panne? Wie auch immer, Moldau scheitert somit zum dritten Mal in Serie und man kann nur hoffen, dass Pasha (Sänger 2012, Komponist 2013, jeweils 11.) bald zurück kommt.  

In Gedenken an Finnland und Sandhja


Sandhja hat es wie erwartet auch nicht geschafft. Trotz ihres tollen Liedes, welches es sogar in meine Spotify-Liste geschafft hat. Leider konnte sie live nicht wirklich überzeugen, was aber auch eventuell am Mikrophon liegen könnte, da man sie kaum verstanden hat. Aber auch ihr Staging war verwirrend mit dem Hang zum Sinnlosen. Ihr Outfit und ihre Haare waren dann auch noch unglücklich gewählt. Schade, aber verdientes Aus.

In Gedenken an Estland und Jüri


Hier kam dann der erste Schock für die ESC-Fans weltweit. Der außerhalb der Bühne sehr sympathische Jüri enttäuschte auf ganzer Linie mit seiner Performance. Der Charakter der Bühne war sehr schön, aber durch ihn wirkte die Bühne ziemlich leer. Stimmlich war das wirklich im Rahmen, aber seine Ausstrahlung war so was von lächerlich. Ich bin 21, mache auf ganz coole Socke, während ich einen billigen Kartentrick vorführe und das alles in meinem viel zu großen Anzug. Noch fragen? Sein Ausscheiden hatte sich in der Probewoche abgezeichnet.

In Gedenken an Griechenland und Argo


Diese Gruppe war ja bereits vor den Probewochen in Stockholm klinisch tot, passend zu Griechenland was man ihnen natürlich zugute halten muss. In Stockholm sorgten sie schließlich für einen kleinen Aufseher, da ihre Show eigentlich bei allen gut ankam. Trotzdem war das Lied natürlich immer noch nicht schön. Warum ich glaubte, dass sie sich qualifizieren könnten? Weil es Griechenland ist und Zypern stimmberechtigt war! Während des Auftritts war mir aber klar, dass es das für Griechenland war. Sie standen zwar auf Rang 6 in meiner Prognose, aber persönlich kann ich sehr gut mit ihrem Ausscheiden leben.

In Gedenken an Bosnien und Dalal, Deen, Ana Rucner & Jal


Mit diesem Ausscheiden hatte ich wirklich nicht gerechnet! Wie Griechenland konnte sich der Balkanstaat immer fürs Finale qualifizieren. Diese Serie endet nun und ich muss ganz ehrlich sagen leider! Es regen sich ja nicht nur ESC-Fans darüber auf, dass kaum noch Titel in Landessprache gesungen werden. Was ist daraus also die logische Konsequenz? Der einzige Song in Landessprache (neben Malta mit Englisch) fliegt raus. 

Lag es am Rap? Vielleicht. Lag es an Dalals extremen Outfit? Vielleicht. Lag es an Deens divenhaften Verhalten? vielleicht. Der Hauptgrund für das Ausscheiden lag im Staging, das ich so gelobt hatte. Kommen da die Jurys ins Spiel? Seit dem Skandal mit Russland traue ich denen ja alles zu. Ja was folgt ist eine Verschwörungstheorie, die leider gar nicht so unwahrscheinlich ist.

Auf der Bühne trennte die beiden Sänger ein Stacheldraht, die ihre Liebe bzw. eine Beziehung behinderte. Ana trug Rettungsfolie. Ohne hier irgendeine politische Partei zu ergreifen kann man sagen, dass das natürlich die Flüchtlingskrise mit dem Zaunbau in Europa als Vorbild hat. An sich eine schöne Idee um das zu thematisieren, dass wir nur ohne Zäune und Grenzen wirklich frei sind. Aber leider hat das Team vergessen, dass die Länder, in denen Zaunbauhochkonjunktur läuft, in diesem Semi abstimmen durften. Nämlich Griechenland, Kroatien, Ungarn und vor allem Österreich. Wer weiß, vielleicht durften die Juroren auch nicht dafür stimmen, weil es nicht zum politischen Kurs passt oder waren dadurch zumindest eingeschüchtert. Ich kann praktisch versprechen, dass Bosnien mehr Punkte aus Schweden (Das Flüchtlinge aufnimmt) erhält als aus Ungarn (Die ja nur christliche Muslime wollen). Es hätte ein Zeichen des Zusammenhalts sein können, aber Europa ist erneut zerbrochen.

In Gedenken an Island und Greta

 
Und hier der Schock des Jahres. Ich kann es mir einfach nicht erklären. Sergeys Performance vor ihr wird einen negativen Effekt auf sie gehabt haben, aber einen so starken?! Wahrscheinlich wurde sie 11. und liegt nur einige Pünktchen hinter dem 10. Platz. Es tut mir einfach leid für sie, da sie sich so gut drauf vorbereitet hat. Mir fehlen die Worte, einfach anschauen und den Kopf schütteln.

Donnerstag dann das zweite Halbfinale. Ich will nicht, dass sich dort noch mal die Greta-Frage stellt: Warum?

Samstag, 23. April 2016

Ungarn als Wegbereiter

Nun also mit etwas Verspätung der Bericht von Ungarn, die ja auch am Super Saturday ihren Beitrag erwählt haben und daher im ganzen Trubel der letzen Wochen irgendwie untergegangen sind. Aber der Letzte muss nicht der Schlechteste sein. In diesem Fall stimmt dieses Sprichwort wie schon lange nicht mehr. 

Ungarn bestrebte bereits 1993 auf eine ESC-Teilnahme, schied allerdings in der damaligen osteuropäischen Vorentscheidung als 6. (Platz 3 wäre nötig gewesen)  aus. 1994 erreichte Friderika den 4. Rang in Dublin, was bis heute die beste Platzierung für Ungarn darstellt. In den folgenden Jahren war das ESC-Leben in Ungarn sehr wechselhaft. Neben einigen tollen Platzierungen (2007), wurde manchmal das Finale gar nicht erreicht (1996, 1999, 2008,2009) und dadurch wurden auch einige Pausen vom ESC ausgelöst (200-2004, 2006,2010). Seit 2011 nimmt Ungarn ohne Pause beim ESC teil und hat seit dem immer das Finale erreicht. 

Ungarn ist oftmals das Land, was Fan-Favoriten hervorbringt. Das hat wahrscheinlich auch mit ihrem Vorentscheid zu tun, dem einen Absatz tiefer gehuldigt wird. Das Problem an Fan-Favorites ist dann aber oft, dass sie im Finale die hohen Erwartungen kaum erfüllen können. Eines der besten Beispiele für einen gescheiterten Fan-Favoriten ist wohl Kati Wolf im Jahre 2011. Als eine der Favoritinnen auf den Sieg getippt, erreichte sie nur einen 22. Platz, was ihren Ruf in Ungarn allerdings keinen Strich durch die Rechnung machte. 2014 erreichte man ebenfalls als Fan-Favorit den 5. Rang, was an dem Allzeit-Rekord kratzte. Nun soll mit der 16. Teilnahme endlich der ESC nach Budapest geholt werden, Fan-Favorit ist Ungarn einmal mehr...

Der Grund, dass Ungarn oftmals bei den Fans vordere Plätze abkassiert, könnte natürlich der groß angelegte Vorentscheid sein, der von mir liebevoll als das Melodifestivalen des Ostens bezeichnet wird. Das A Dal besitzt drei Viertelfinals, zwei Semifinals und ein Finale mit 8 Beiträgen. Von diesen werden 4 von der Jury auserwählt und in ein Superfinale verfrachtet, indem dann die Zuschauer sich ihre Rosinen herauspicken dürfen. Durch diesen Modus verhindert die Rundfunkanstalt natürlich, dass ungewöhnliche oder kritische Songs den Weg zum ESC finden (Da kann man natürlich auch eine Brücke zur ungarischen Politik bilden, vielleicht muss man sogar). Dieses Jahr konnte ich A Dal auf Grund der Konkurrenz was Vorentscheide angeht, nicht live anschauen, habe mir aber die Finalbeiträge angehört. Dabei kam ich auf einen anderen Sieger als Ungarn, denn bei mir hätte das hier gewonnen:


Definitiv wäre das eine Bereicherung gewesen, da es kein Schwedenpop ist, dazu auf Landessprache und dann sogar noch moderne Elemente mit traditionellen verbindet. Natürlich gewöhnungsbedürftig und risikoreich, also das Gegenteil von den Ungarn.

Somit entschieden sie sich Gábor Alfréd Fehérvári. Diesen Namen bitte drei Mal schnell hintereinander sagen, viel Spaß! So ähnlich wird sich das Gabór auch gedacht haben und veränderte seinen Namen in Freddie, fancy oder? 26 Jahre alt und natürlich in einer Castingshow bekannt geworden. Die in Deutschland gefloppte israelische Fernsehsendung Rising star, eröffnete Freddie (4.Platz) in Ungarn eine gewisse Popularität. Der in Győr geborene Hüne spielte Basketball, wurde allerdings von einer Verletzung gestoppt und so musste er sich andere Alternativen suchen. Er begann ein Studium von Hotelmanagement, als er sich bei Rising Star beworb. Danach widmete er sich ganz der Musik, brachte die Single des Jahres in Ungarn raus und gewann nebenbei noch das Ticket für Stockholm.

Hier ist der ungarische Beitrag für den ESC 2016 von Freddie mit Pioneer:


Zunächst ein paar Worte zum Video, dass seinen Auftritt im Vorentscheid zeigt, der mit der Studioversion unterlegt wurde. Also er singt live NICHT so perfekt, wie in dem gezeigten Video.

Die Message des Liedes lautet nach Freddie folgendermaßen: "In meinem Song geht es um den inneren Kampf, den wir tagtäglich auskämpfen und dessen Antworten in unseren tiefsten Inneren liegen. Ein wahrer Pionier stellt sich allen Problemen und trägt volle Verantwortung für sein Handeln." Soweit Freddie selbst und in den Lyrics kommt auch noch ein Hauch von Sozialkritik rüber ("Und die Liebe vom Ruhm ersetzt wurde"). Also einmal wieder ein Songtext, der eine große Botschaft beinhaltet, die dann doch relativ zusammenhangslos zum Song dasteht.

Der Song beginnt mit den Klavierakkorden und der tiefen Stimme von Freddie. Im zweiten Teil des Verses kommen dann Trommeln und Schnipser hinzu. Im Prechorus setzt das Schlagwerk wieder aus und das sehr einprägsame Pfeifen erscheint. Der ohnehin schon ruhige Vers wird vom Prechorus sogar noch unterboten. Der Kontrast zum lauten, explosionsartigen Refrain wird damit noch größer. Seine kratzige Stimme läuft auch zu Höchstleistungen auf.Der zweite Vers wird durchgängig vom Schlagzeug begleitet und auch Freddies Stimme bleibt nicht mehr so ruhig, wie ihm Vorgängervers. Der Prechorus bleibt exakt gleich. Die darauffolgende Bridge wirkt sehr sehr schnell und kumuliert die Spannung auf einen kürzeren Zeitraum. Die Bridge ist auch deshalb perfekt komponiert, da sie direkt in den letzen kraftvollen Refrain übergeht und die Spannung dafür erzeugt. Das Lied endet dann ziemlich sanft, allerdings mit den kraftvollen Worten "You should know".

Am häufigen Gebrauch des Wortes kraftvoll sollte klar sein, dass das Lied ziemlich kraftvoll ist. Aber es gibt noch große Schwächen beim Lied, die größte bei der Performance. Als guter Bruder von Mans Zelmerlöw gekleidet, läuft er unkoordiniert über die Bühne. Sein Gangstil wirkt auch alles andere als kraftvoll, eher steif und nervös. Das kann man aber durch eine gute Choreo recht simpel beheben.

Größer waren jedoch die Probleme bei der Visualisierung. Die drei Backgroundsänger verpassten jedes Mal ihren Einsatz zum pfeifen und die Leuchtstäbe verstörten mich auch eher. Dazu kam der wohl taube Trommler, der zwar super durch die Luft fetzte, aber sich bei seinem Einsatz ähnlich dämlich anstellte, wie Natalie Horchler von Cascade (Deutschland 2013) bei ihrem Versuch, die Treppe runter zu stapfen. Das Hintergrundkonzept war ähnlich verwirrend und nicht nachvollziehbar. Freddie selbst hat seine Hausaufgaben gemacht und stimmlich ist er ausgezeichnet drauf. 

Somit bleibt seinem Team noch viel Arbeit, eine ähnliche Show wie letztes Jahr auf die Beine zu stellen, die wohl der Hauptgrund für die letztjährige Quali war. Die Bühne in Stockholm bietet viele Möglichkeiten, davon werden sie bestimmt einige für sich entdecken. Auch wenn es nur etwas simples wie Feuer ist, es braucht vor allem im Refrain noch etwas. Auch die Idee mit dem Trommel war nicht verkehrt, aber nächstes Mal sollte dieser kompetenter sein. Tänzer sind natürlich auch im Bereich des Erwartbaren.

Ich persönlich sehe das hier nicht so weit vorne, wie viele andere Fans. Das Gesamtkonzept passt einfach noch nicht. Der Song an sich ist ganz gut und stark, bei mir bleibt aber ein etwas eingebildeter Eindruck Freddies zurück. Das liegt wahrscheinlich an diesen genießerischen Gesten mit den ausgebreiteten Armen, also auch widerrufbar.

Es ist und bleibt ein Fanfavorit, der allerdings nicht zu krass abstürzen kann. Finale ist ziemlich wahrscheinlich, aber danach kann ich es nicht in den Top10 sehen, wie so mancher anderer. Ein Platz zwischen 18-23 halte ich da eher für denkbar. Aber er wird wohl nicht der Pionier sein, der den ESC nach Budapest holen wird.
 

Samstag, 9. April 2016

Semifinale 1: Griechenland muss zittern

Am Freitag erlöste die EBU uns endlich und gab die Startreihenfolge in den Semifinals bekannt. Wie immer nach dieser Bekanntgabe, gab es riesige Schockwellen, die durch das ESC-Universum flogen. Ob ein Song zwischen 1-9 oder 10-18 antritt, entschied das Los, die genaueren Positionen wurden vom Regisseur des ESC´s nach dramaturgischen Aspekten eingeordnet. Die Bekanntgabe kam dieses Jahr recht spät, was eigentlich ein Zeichen sein sollte, das sie gut durchdacht sei. Semifinale 2 gibt es hier. Schauen wir sie uns einmal an:

1. Finnland

2. Griechenland

3. Moldawien

4. Ungarn

5. Kroatien

6. Niederlande

7. Armenien

8. San Marino 

9. Russland
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10. Tschechien

11. Zypern

12. Österreich

13. Estland

14. Aserbaidschan

15. Montenegro

16. Island

17. Bosnien und Herzegowina 

18. Malta


Die Startposition ist ein oft unterschätzter Faktor, der schon oft für Dramen gesorgt hat. Wie auch im Finale gilt: Je später, desto besser. Dieses Jahr gilt das erste Semifinale als das spannendere. Nicht, weil die Songs hier viel besser sind, sondern weil sie ausgeglichener sind. Das hängt auch damit zusammen, dass die sonstigen sicheren Qualifikanten, schwächere Songs beisteuern und damit für die Qualifikation wackeln.

Die Regisseure können natürlich nicht alle Länder glücklich machen und ich persönlich finde auch, dass es eine recht gute Entscheidung ist. Aber die Quoten für die Qualifikation werden sich nun deutlich verschieben, natürlich in die Richtung der Spätstarter. Ein Orakelspruch wird im Laufe der Woche veröffentlicht werden, meine persönliche Meinung folgt ebenfalls in diesem Post.

Zunächst für die Statistikfreunde eine Qualifikationsquoute für jeden Startplatz seit Einführung des zweiteiligen Halbfinalsystem 2008:

Startplatz 1: 50%

Startplatz 2: 56%

Startplatz 3: 31%

Startplatz 4: 38%

Startplatz 5: 38%

Startplatz 6: 69%

Startplatz 7: 56%

Startplatz 8: 50%

Startplatz 9: 50%

Startplatz 10: 63%

Startplatz 11: 31%

Startplatz 12: 63%

Startplatz 13: 69%

Startplatz 14: 81%

Startplatz 15: 69%

Startplatz 16: 60%

Startplatz 17: 83%

Startplatz 18: 88%

Wenn man also nur nach Statistik geht, würden sich die grün hinterlegten Plätze qualifizieren, die gelben teilen sich den 10. Platz. Aus dieser Statistik geht eindeutig hervor, dass es sehr wohl auf die Startposition ankommt, wobei Platz 18 der beste ist und Platz 3 & 11 der undankbarste. Aber es kommt natürlich auch darauf an, wer vor und nach dir startet. 

Somit kommen wir zu den Gewinnern und den Verlierern dieses Semifinals:

Unter den Gewinnern sind:

Finnland
Armenien
Russland
Zypern
Island 
Bosnien
Malta

Finnland darf die Show eröffnen und kann damit schon mal das ganze Potential der Bühne zeigen. Der catchy Song startet auch vor 2 schwächeren Songs, die Finnland noch besser da stehen lassen.

Armenien kommt nach dem einschläfernden Holländer und vor dem notgeilen Serhat aus San Marino. Dadurch kann sich das Lied noch besser absetzten.

Russland ist ebenfalls bei San Marino und vor der ruhigen Tschechin. Außerdem bekam er den spätesten Platz, der nach der Auslosung noch möglich war.

Island, Bosnien und Malta sind natürlich happy, weil sie das Feld beschließen dürfen und das praktisch schon die sichere Qualifikation ist. 

Natürlich gibt es auch Verlierer, Die größten sind:
Griechenland
Moldawien
Ungarn
Niederlande
San Marino
Tschechien

Griechenland wird es nun noch viel schwieriger haben sich zu qualifizieren. Das wäre das erste Mal, dass es im Semifinale hängen bleibt.

Moldawien und Ungarn hatten sich natürlich die Eröffnung der Show oder einen späteren Startplatz gewünscht. Insbesondere Moldawien braucht mit Startplatz 3 praktisch gar nicht antreten. 

Niederlande und San Marino haben zwar diesen späteren Startplatz bekommen, haben aber die ungeliebte Sandwichposition erwischt. Das bedeutet, dass sie von zwei wesentlich stärkeren Weißbrotscheiben eingeschlossen sind und dadurch schnell vergessen werden.

Doppelt bitter trifft es Tschechien. Die Sandwichposition wird noch durch den ersten Platz in der zweiten Hälfte verstärkt. Das war übrigens in den Foren der häufigste Kritikpunkt. Tschechien ist ja ohnehin schon ein ESC unbegeistertes Land und mit der nächsten verpassten Qualifikation wird das natürlich nicht besser.

Fazit: Bis auf Ungarn und Tschechien hat die EBU eine wirklich gute Startreihenfolge beschlossen, die wesentlich mehr Sinn ergibt, als z. B. die des letzten Jahres. Wie das im Semi 2 aussieht, folgt bald.