Lisboa 2018

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Mittwoch, 11. Mai 2016

Der Tag danach - Ein Rückblick auf das 1. Semifinale

Der Morgen danach ist nie schön, besonders nicht nach den Halbfinals des ESC´s. Nachdem ich im letzten Jahr sehr zufrieden mit den Qualifikanten war, hatte ich wohl ein etwas zu hohes Maß an Selbstsicherheit angehäuft. Und so fühle ich mich jetzt schon an das Jahr 2013 erinnert, indem im 1. Halbfinale Montenegro, Serbien und Österreich doch recht überraschend ausgeschieden sind. 

Um das mal kurz festzuhalten. In meiner Prognose ging es nicht um meine Meinung, sondern um ein Orakel, also unabhängig von meinem Geschmack. Ich hatte die Erwartung, dass sich diese 10 Acts qualifizieren würden:

1.) Russland

2.) Armenien

3.) Ungarn

4.) Bosnien

5.) Island

6.) Griechenland

7.) Malta

8.) Aserbaidschan

9.) Zypern 

10.) Kroatien

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11.) Niederlande

12.) Tschechien

13.) Österreich

14.) Estland

15.) Finnland

16.) Moldawien

17.) Montenegro

18.) San Marino

Somit tauschen wir Bosnien, Island und Griechenland durch Tschechien, Niederlande und Österreich. 

Russland und Armenien werden wohl den Sieg unter sich ausgemacht haben, wobei mein Herz Armenien, und mein Kopf Russland sagt. Dazu werden sich Ungarn und Holland ebenfalls souverän qualifiziert haben. Letzteren hatte ich bei meiner Prognose ein knappes Ausscheiden in Aussicht gestellt, da ich einfach nicht glaube konnte, dass die Holländer mit dem selben Prinzip von 2014 erneut Erfolg haben. 

Die Qualifikation Österreichs war für mich im Vorfeld relativ unwahrscheinlich, da das Lied ja sehr aus dem Rahmen fällt und mir persönlich zu kitschig ist. Außerdem dachte ich, dass die Juroren es auch deshalb eher schlechter bewerten werden. Als Zoe dann aber auf den Bildschirm zu sehen war, deutete sich für mich an, dass sie es schaffen würde. Durch clevere Schnitte wirkte es dann doch gar nicht so rosa und stimmlich kann sowieso nur Kaliopi Zoe etwas beibringen. Somit habe ich kein Problem damit, dass sich Österreich qualifiziert hat, aber es haben andere Länder deutlich hochwertigere Produktionen ins Rennen geschickt.

Ira Losco aus Malta wird wohl auch einen relativ komfortablen Abstand zum 10. Rang haben, obwohl mich das Staging dann doch eher negativ überraschte. Das Opening mit ihrem Gesicht auf dem Boden war tatsächlich genial. Aber danach verliert sich irgendwie der Druck, das Voranpreschen in ihrer Stimme. Es erinnerte mich an Irland 2014, dass ja auch durch eine unglaublich schlechte Bühnenshow ausschied. Das Outfit von Ira war auch mehr als gewöhnungsbedürftig. Natürlich soll/darf sie ihren Babybauch zeigen, aber dass geht auch eleganter. Man muss ihn ja nicht wie Birgit (Estland 2013) unter einem großen weißen Etwas verstecken, aber diese geplatzte Goldtube hätte nicht sein müssen. 

Warum in den Proben Aserbaidschan so runter gemacht wurde kann ich auch nicht ganz verstehen. Das Staging ist für mich persönlich zu viel von Statik geprägt, gepaart mit zu vielen visuellen Eindrücken. Aber dennoch ein solides Gesamtpaket. Ihre Stimme? War im Rahmen, natürlich die schwächste des Abends, aber sie konnte Anschluss an die anderen halten. Auch wenn mich einige Zweifel befallen, dass eine Sängerin im Hintergrund manche Stellen für sie übernommen hat, gelang Aserbaidschan verdient ins Finale. 2013 und 2014 schafften sie das ja auch, aber da wurde ordentlich nachgeholfen. Wobei wir natürlich nicht wissen, ob das 2016 wieder der Fall ist. (Mit solchen Vorwürfen wurde bereits Malta in der Vergangenheit konfrontiert.)

Zypern könnte auf dem heißen Stuhl sitzen und sich als 10. qualifiziert haben. Rock kommt beim ESC eben nicht so gut an. Minus One war dazu live auch nicht wirklich überragend was dafür sorgte, dass ich sie nach ihrem Auftritt schon fast draußen sah. Der Umstand, dass Griechenland mit 2x 12 Punkten aushelfen konnte, kann das Zünglein an der Waage gewesen sein.

Kroatien hat es trotz des Kleids des Grauens geschafft, ins Finale einzuziehen. Respekt dafür! Angeblich wird sie das Kleid überarbeiten und auf etwas zurück gehen, was ihre Stimme in den Vordergrund stellt. Aber auch ihre Stimme war nicht so toll, wie wir sie schon gehört haben, nämlich etwas schief. Aber dennoch glaube ich, das Kroatien auf die linke Seite der Ergebnistafel kommen könnte.

Und dann natürlich noch die größte Überraschung: Tschechien! Die wohl langweiligsten 3 Minuten auf der ESC-Bühne werden mit dem Einzug ins Finale belohnt, na toll. Bitte nicht falsch verstehen, Gabriela kann unglaublich toll singen und eine Ballade muss nicht immer langweilig sein (siehe Israel), aber Gabriela hat es sich mit diesem Song einfach nicht verdient im Finale zu stehen. Für Tschechien freut mich das alles natürlich. Um auch noch etwas konstruktives zu sagen: Stylist rausschmeißen, sie sah aus wie 40. Bitte bitte ein anderes Kleid, es wirkt um die Hüfte einfach seltsam. Und etwas lächeln dürfte auch drin sein ;)

Aber nun zu den Schocks des Abends, die Ausscheider. Wir beginnen mal unspektakulär.

In Gedenken an Montenegro und Highway


In Gedenken an San Marino und Serhat



Ich schäme mich fast für diese Zeilen, aber so schlimm war es gar nicht. Seine Backgroundsängerinnen waren wirklich überraschend gut und auch Serhat performte wirklich gut. Anständig inszeniert war das ganze auch noch, also das Maximale aus diesem Song heraus geholt. Schön, dass Serhat so für den ESC in der Türkei geworben hat.

In Gedenken an Moldau und Lidia


Die beste stimmliche Leistung von Lidia wurde wie erwartet nicht mit dem Finaleinzug belohnt. Ihr Kleid war ebenfalls ganz schön und Lidia hatte den schönsten Tag in ihrem Leben und darum geht es ja. Der Astronaut hatte ja noch seine Akkreditierung unter seinem Anzug an, eine Panne? Wie auch immer, Moldau scheitert somit zum dritten Mal in Serie und man kann nur hoffen, dass Pasha (Sänger 2012, Komponist 2013, jeweils 11.) bald zurück kommt.  

In Gedenken an Finnland und Sandhja


Sandhja hat es wie erwartet auch nicht geschafft. Trotz ihres tollen Liedes, welches es sogar in meine Spotify-Liste geschafft hat. Leider konnte sie live nicht wirklich überzeugen, was aber auch eventuell am Mikrophon liegen könnte, da man sie kaum verstanden hat. Aber auch ihr Staging war verwirrend mit dem Hang zum Sinnlosen. Ihr Outfit und ihre Haare waren dann auch noch unglücklich gewählt. Schade, aber verdientes Aus.

In Gedenken an Estland und Jüri


Hier kam dann der erste Schock für die ESC-Fans weltweit. Der außerhalb der Bühne sehr sympathische Jüri enttäuschte auf ganzer Linie mit seiner Performance. Der Charakter der Bühne war sehr schön, aber durch ihn wirkte die Bühne ziemlich leer. Stimmlich war das wirklich im Rahmen, aber seine Ausstrahlung war so was von lächerlich. Ich bin 21, mache auf ganz coole Socke, während ich einen billigen Kartentrick vorführe und das alles in meinem viel zu großen Anzug. Noch fragen? Sein Ausscheiden hatte sich in der Probewoche abgezeichnet.

In Gedenken an Griechenland und Argo


Diese Gruppe war ja bereits vor den Probewochen in Stockholm klinisch tot, passend zu Griechenland was man ihnen natürlich zugute halten muss. In Stockholm sorgten sie schließlich für einen kleinen Aufseher, da ihre Show eigentlich bei allen gut ankam. Trotzdem war das Lied natürlich immer noch nicht schön. Warum ich glaubte, dass sie sich qualifizieren könnten? Weil es Griechenland ist und Zypern stimmberechtigt war! Während des Auftritts war mir aber klar, dass es das für Griechenland war. Sie standen zwar auf Rang 6 in meiner Prognose, aber persönlich kann ich sehr gut mit ihrem Ausscheiden leben.

In Gedenken an Bosnien und Dalal, Deen, Ana Rucner & Jal


Mit diesem Ausscheiden hatte ich wirklich nicht gerechnet! Wie Griechenland konnte sich der Balkanstaat immer fürs Finale qualifizieren. Diese Serie endet nun und ich muss ganz ehrlich sagen leider! Es regen sich ja nicht nur ESC-Fans darüber auf, dass kaum noch Titel in Landessprache gesungen werden. Was ist daraus also die logische Konsequenz? Der einzige Song in Landessprache (neben Malta mit Englisch) fliegt raus. 

Lag es am Rap? Vielleicht. Lag es an Dalals extremen Outfit? Vielleicht. Lag es an Deens divenhaften Verhalten? vielleicht. Der Hauptgrund für das Ausscheiden lag im Staging, das ich so gelobt hatte. Kommen da die Jurys ins Spiel? Seit dem Skandal mit Russland traue ich denen ja alles zu. Ja was folgt ist eine Verschwörungstheorie, die leider gar nicht so unwahrscheinlich ist.

Auf der Bühne trennte die beiden Sänger ein Stacheldraht, die ihre Liebe bzw. eine Beziehung behinderte. Ana trug Rettungsfolie. Ohne hier irgendeine politische Partei zu ergreifen kann man sagen, dass das natürlich die Flüchtlingskrise mit dem Zaunbau in Europa als Vorbild hat. An sich eine schöne Idee um das zu thematisieren, dass wir nur ohne Zäune und Grenzen wirklich frei sind. Aber leider hat das Team vergessen, dass die Länder, in denen Zaunbauhochkonjunktur läuft, in diesem Semi abstimmen durften. Nämlich Griechenland, Kroatien, Ungarn und vor allem Österreich. Wer weiß, vielleicht durften die Juroren auch nicht dafür stimmen, weil es nicht zum politischen Kurs passt oder waren dadurch zumindest eingeschüchtert. Ich kann praktisch versprechen, dass Bosnien mehr Punkte aus Schweden (Das Flüchtlinge aufnimmt) erhält als aus Ungarn (Die ja nur christliche Muslime wollen). Es hätte ein Zeichen des Zusammenhalts sein können, aber Europa ist erneut zerbrochen.

In Gedenken an Island und Greta

 
Und hier der Schock des Jahres. Ich kann es mir einfach nicht erklären. Sergeys Performance vor ihr wird einen negativen Effekt auf sie gehabt haben, aber einen so starken?! Wahrscheinlich wurde sie 11. und liegt nur einige Pünktchen hinter dem 10. Platz. Es tut mir einfach leid für sie, da sie sich so gut drauf vorbereitet hat. Mir fehlen die Worte, einfach anschauen und den Kopf schütteln.

Donnerstag dann das zweite Halbfinale. Ich will nicht, dass sich dort noch mal die Greta-Frage stellt: Warum?

Samstag, 9. April 2016

Semifinale 1: Griechenland muss zittern

Am Freitag erlöste die EBU uns endlich und gab die Startreihenfolge in den Semifinals bekannt. Wie immer nach dieser Bekanntgabe, gab es riesige Schockwellen, die durch das ESC-Universum flogen. Ob ein Song zwischen 1-9 oder 10-18 antritt, entschied das Los, die genaueren Positionen wurden vom Regisseur des ESC´s nach dramaturgischen Aspekten eingeordnet. Die Bekanntgabe kam dieses Jahr recht spät, was eigentlich ein Zeichen sein sollte, das sie gut durchdacht sei. Semifinale 2 gibt es hier. Schauen wir sie uns einmal an:

1. Finnland

2. Griechenland

3. Moldawien

4. Ungarn

5. Kroatien

6. Niederlande

7. Armenien

8. San Marino 

9. Russland
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10. Tschechien

11. Zypern

12. Österreich

13. Estland

14. Aserbaidschan

15. Montenegro

16. Island

17. Bosnien und Herzegowina 

18. Malta


Die Startposition ist ein oft unterschätzter Faktor, der schon oft für Dramen gesorgt hat. Wie auch im Finale gilt: Je später, desto besser. Dieses Jahr gilt das erste Semifinale als das spannendere. Nicht, weil die Songs hier viel besser sind, sondern weil sie ausgeglichener sind. Das hängt auch damit zusammen, dass die sonstigen sicheren Qualifikanten, schwächere Songs beisteuern und damit für die Qualifikation wackeln.

Die Regisseure können natürlich nicht alle Länder glücklich machen und ich persönlich finde auch, dass es eine recht gute Entscheidung ist. Aber die Quoten für die Qualifikation werden sich nun deutlich verschieben, natürlich in die Richtung der Spätstarter. Ein Orakelspruch wird im Laufe der Woche veröffentlicht werden, meine persönliche Meinung folgt ebenfalls in diesem Post.

Zunächst für die Statistikfreunde eine Qualifikationsquoute für jeden Startplatz seit Einführung des zweiteiligen Halbfinalsystem 2008:

Startplatz 1: 50%

Startplatz 2: 56%

Startplatz 3: 31%

Startplatz 4: 38%

Startplatz 5: 38%

Startplatz 6: 69%

Startplatz 7: 56%

Startplatz 8: 50%

Startplatz 9: 50%

Startplatz 10: 63%

Startplatz 11: 31%

Startplatz 12: 63%

Startplatz 13: 69%

Startplatz 14: 81%

Startplatz 15: 69%

Startplatz 16: 60%

Startplatz 17: 83%

Startplatz 18: 88%

Wenn man also nur nach Statistik geht, würden sich die grün hinterlegten Plätze qualifizieren, die gelben teilen sich den 10. Platz. Aus dieser Statistik geht eindeutig hervor, dass es sehr wohl auf die Startposition ankommt, wobei Platz 18 der beste ist und Platz 3 & 11 der undankbarste. Aber es kommt natürlich auch darauf an, wer vor und nach dir startet. 

Somit kommen wir zu den Gewinnern und den Verlierern dieses Semifinals:

Unter den Gewinnern sind:

Finnland
Armenien
Russland
Zypern
Island 
Bosnien
Malta

Finnland darf die Show eröffnen und kann damit schon mal das ganze Potential der Bühne zeigen. Der catchy Song startet auch vor 2 schwächeren Songs, die Finnland noch besser da stehen lassen.

Armenien kommt nach dem einschläfernden Holländer und vor dem notgeilen Serhat aus San Marino. Dadurch kann sich das Lied noch besser absetzten.

Russland ist ebenfalls bei San Marino und vor der ruhigen Tschechin. Außerdem bekam er den spätesten Platz, der nach der Auslosung noch möglich war.

Island, Bosnien und Malta sind natürlich happy, weil sie das Feld beschließen dürfen und das praktisch schon die sichere Qualifikation ist. 

Natürlich gibt es auch Verlierer, Die größten sind:
Griechenland
Moldawien
Ungarn
Niederlande
San Marino
Tschechien

Griechenland wird es nun noch viel schwieriger haben sich zu qualifizieren. Das wäre das erste Mal, dass es im Semifinale hängen bleibt.

Moldawien und Ungarn hatten sich natürlich die Eröffnung der Show oder einen späteren Startplatz gewünscht. Insbesondere Moldawien braucht mit Startplatz 3 praktisch gar nicht antreten. 

Niederlande und San Marino haben zwar diesen späteren Startplatz bekommen, haben aber die ungeliebte Sandwichposition erwischt. Das bedeutet, dass sie von zwei wesentlich stärkeren Weißbrotscheiben eingeschlossen sind und dadurch schnell vergessen werden.

Doppelt bitter trifft es Tschechien. Die Sandwichposition wird noch durch den ersten Platz in der zweiten Hälfte verstärkt. Das war übrigens in den Foren der häufigste Kritikpunkt. Tschechien ist ja ohnehin schon ein ESC unbegeistertes Land und mit der nächsten verpassten Qualifikation wird das natürlich nicht besser.

Fazit: Bis auf Ungarn und Tschechien hat die EBU eine wirklich gute Startreihenfolge beschlossen, die wesentlich mehr Sinn ergibt, als z. B. die des letzten Jahres. Wie das im Semi 2 aussieht, folgt bald.





Samstag, 2. April 2016

Kroatien leuchtet in den Farben der Hoffnung

Totgesagte leben länger. Dieses Sprichwort kann man auf viele Länder im ESC beziehen. So zum Beispiel auf Finnland. Das einzige unerfolgreiche skandinavische Land, bis zum Jahre 2007. Davor waren siebte Plätze das höchste der Gefühle für Finnland. 2007 dann einige Menschen mit Maske und schon glänzt die Statistik. Ähnlich sieht es bei Lettland oder Holland aus, die nach mehrjährigen Katastrophenbeiträgen sich in den letzten Jahren durchaus stabilisieren konnten (Bei Lettland beginnt das erst jetzt). Kroatien ist im ESC eigentlich schon klinisch tot. Der letzte Vitalparameter ist schon Jahre her und die Angehörigen hatten sich bereits verabschiedet. Aber nun war die Reanimation anscheinend doch erfolgreich...

Kroatien ist beim ESC so etwas wie das Portugal des Ostens. Es nahm erstmals 1993 beim ESC als eigenständiges Land an. Zuvor war es die fleißigste Teilrepublik von Jugoslawien, was ESC-Beiträge angeht. Auch der Sieg 1989 Jugoslawiens, geht auf das Konto einer kroatischen Gruppe. Doch seit der Unabhängigkeit kommt Kroatien an die großen Erfolge nicht mehr heran. Nach dieser ersten Teilnahme, sah man das Land ununterbrochen bis 2013 beim ESC. Die beste Platzierung gelang dabei 1996 und 1999 mit den beiden 4. Plätzen. In den Jahren 2014 und 2015 schmollte das Balkanland auf Grund von schlechter Ergebnisse. Daher rechnete niemand damit, dass sie zeitnah zurückkehren würden. Doch nur 2 Jahre später kriechen die Kroaten zu ihrem Peiniger zurück in der Hoffnung, dass er dieses Jahr gnädig sein würde. Und nach den aktuellen Fanreaktionen muss sich Kroatien darauf einstellen, dass man die Rückflüge erst nach dem Finale buchen sollte. In Kroatien durchaus eine Seltenheit, da in den letzten 4 ESC-Teilnahmen (2010-2013)das Land alles andere als knapp gescheitert war.

Dieses Jahr unterbrach man den kroatischen Vorentscheid Dora, um intern aussuchen zu dürfen. 2013 versuchte man das mit folklorischen Tönen ebenfalls und schied bereits im Semifinale aus. Warum soll es nun also besser werden? Möglicherweise, weil  Kroatien wohl zum ersten Mal nicht eine Connection zum Land im Lied aufbaut, sondern einen internationalen Hit komponierte. Dieser wird nicht von einer ausgelutschten Balkangröße gesungen (sorry Kaliopi) sondern von dem wohl größten musikalischen Talents Kroatiens.

hier ist der kroatische Beitrag für den ESC 2016 von Nina Kraljić  Lighthouse:


Dieses Video soll nur eine Überbrückungsversion sein, bis man es geschafft hat, sie an verschiedenen Küstenabschnitten Kroatiens zu verfrachten und dort tolle Aufnahmen zu machen. Sobald das neue Video online geht, werde ich es hier einfügen:

Nina ist ein Neujahrskind und 24 Jahre alt. Seit ihrer frühsten Jugend beschäftigt sie sich mit Musik und diese war auch der ausschlaggebende Grund dafür, dass sie mit 14 von Zuhause ausgezogen ist. Sie ist außerdem kein großer Partyfan, sondern umgibt sich lieber in einem kleineren, aber dafür engeren Kreis von Vertrauten. Ihr besonderes Merkmal sind übrigens nicht ihre 2 Tattoos, sondern ihre außergewöhnliche Stimme. Engelsgleich, melancholisch oder beruhigend sind wohl die passenden Ausdrücke dafür. Die Stimme von Jasmine Thompson (die eine von ain´t nobody) kommt ihr wohl noch am nächsten.

Bekannt wurde Nina, wie jeder zweite Sänger scheinbar, durch the voice. Die 2015´ner Staffel gewann sie eindrucksvoll mit einem riesigem Vorsprung im Finale. Schon in diesem Wettbewerb zeigt sie, dass man nur eine untypische Stimme braucht, um bekannte Lieder ganz anders zu interpretieren. Mit Preisen für ihre erste Single in Kroatien zugeschissen, fährt sie nun nach Stockholm, um möglichst viel Aufmerksamkeit auf dem Balkan zu erregen. Dadurch kann sie ihre Karriere über die kroatische Grenze hinaus erweitern.

Ihr Song startet mit einer kurzen Einleitung eines typischen Balkaninstruments.  Danach kommt ihre Stimme die nur durch Beat, dem Holzblasinstrument und einer Harfe getragen wird. Der Refrain baut sich langsam auf, setzt sich dann doch stark vom Vers ab. Der Instrumentalteil wird durch sie unterstützt und ist dadurch kein Instrumentalteil mehr. Der zweite Refrain ist deutlich lauter, aber dennoch weit davon entfernt, aggressiv zu klingen. Die Bridge existiert nicht, stattdessen kommt der klischeehafte Tonartwechsel,welcher in einen hymnischen letzten Refrain endet. Und gerade, als das Lied so richtig Schwung aufgenommen hat, ist es auch schon wieder vorbei.

Das Lied kommt super bei den Harcore-ESC-Fans an und ist einer von 2 oder 3 Fanfavoriten. Aber diese Ernennung ist nicht immer ein gutes Zeichen, da es immer mindestens einen dieser Favoriten im Semifinale erwischt. Kroatien hat genau dafür ein Händchen, also trotz gutem Song und annehmbarer Umsetzung auf der Bühne, auszuscheiden. Doch dieser Beitrag ist der wohl stärkste in der jüngeren Vergangenheit aus Kroatien.

Dass sie Englisch singt liegt wohl an der mangelnden Selbstsicherheit Kroatiens. Instrumental gesehen ist es zwar keine Balkanballade, aber würde Bosnien als erfolgreiches Balkanland das schicken, wäre es zu 100% in Landessprache. Aber da es auf Englisch ist, wurde hier sehr sehr clever und geschickt nationale Identität mit europäischen Musikstilen verbunden. Sie singt sehr verständlich, was für Songs aus dem Osten nicht immer selbstverständlich ist. Das einzig wirklich negative was ich zu diesem Song sagen kann ist, dass der zweite Vers etwas sehr kindlich gereimt klingt. 

Harbous near
no more fear
wall of clouds disappears
so I steer
to the pier
in tears

Der Tonartwechsel zu Schluss ist im Gegensatz zu vielen anderen Songs, wirklich passend und dramaturgisch vollzogen. Das ändert natürlich nichts daran, dass das einigen nicht gefällt.

Mich persönlich hat die perfekte Stimme in der Studioversion sogar ein weinig Angst gemacht. Einfach aus dem Grund, da ein normaler Mensch stimmlich dieses Level kaum halten kann. Dadurch würde Kroatien dann beim ESC enttäuschen und wäre einmal wieder raus. Dann sah ich sie allerdings im serbischen Frühstücksfernsehen und sie hat das Lied stimmlich brillant raus gehauen. Gestik war leider gar nicht vorhanden und das sollte dringend geändert werden. Hier kann man den Auftritt sehen.


Stimmlich ist das natürlich sensationell, aber trotzdem haben sich meine Zweifel nach diesem Auftritt verstärkt. Sie singt ihn zu perfekt. Sie trifft die Töne ohne sich dabei anstrengen zu müssen. Um es in Bruce Darnells Worten zu sagen: Drama Baby, drama! Sie kann das Lied ohne Ausdruck in Mimik und Gestik einfach nicht an den Mann/Frau bringen. Die blauen Haare lassen auf eine charismatische Interpretin hoffen und am Ende hat sie in etwa soviel Charisma wie eine verschimmelte Kiwi.

Aber wie würde ich das auf der Bühne retten wollen? Naja, dass im Hintergrund die Landschaftsbilder zu sehen sind, sollte wohl klar sein. Ich würde das ganze Showkonzept auf Werbung für den Tourismus in Kroatien auslegen, also wunderschöne Landschaften auf den LED-Screens zeigen. Dann würde ich ihr einen Crashkurs in Schauspielerei geben, damit sie bei den hohen Tönen ein etwas angestrengteres Gesicht macht und gar ihre Hände benutzen würde. Um sie aber etwas aus der Schussbahn zu nehmen, würde ich Tänzer auf die Bühne bringen. Am besten ein tanzendes Paar, welches übertrieben dramatisch über den schwedischen Boden tanzt. Ach ja, man muss natürlich noch einen Effekt mit einem Licht machen, wegen Lighthouse, also Leuchtturm. Da würde aber mir zu Beginn eine Einstellung reichen und am Schluss im LED-Schirm einen Leuchtturm, der auf einer wunderschönen Düne steht.

Kroatien ist zurück, keine Frage, doch das Wunder von Stockholm sehe ich für Kroatien nicht. Eine Finalqualifikation ist durchaus möglich, aber bei der Charismaresistenz der Protagonistin auch nicht sicher dabei. Kroatien ist im Moment der klare Fan Favorit, der den Sprung ins Finale nicht schaffen wird. Schade eigentlich, denn stimmlich ist das ein Meisterwerk.