Lisboa 2018

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Samstag, 9. April 2016

Semifinale 1: Griechenland muss zittern

Am Freitag erlöste die EBU uns endlich und gab die Startreihenfolge in den Semifinals bekannt. Wie immer nach dieser Bekanntgabe, gab es riesige Schockwellen, die durch das ESC-Universum flogen. Ob ein Song zwischen 1-9 oder 10-18 antritt, entschied das Los, die genaueren Positionen wurden vom Regisseur des ESC´s nach dramaturgischen Aspekten eingeordnet. Die Bekanntgabe kam dieses Jahr recht spät, was eigentlich ein Zeichen sein sollte, das sie gut durchdacht sei. Semifinale 2 gibt es hier. Schauen wir sie uns einmal an:

1. Finnland

2. Griechenland

3. Moldawien

4. Ungarn

5. Kroatien

6. Niederlande

7. Armenien

8. San Marino 

9. Russland
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10. Tschechien

11. Zypern

12. Österreich

13. Estland

14. Aserbaidschan

15. Montenegro

16. Island

17. Bosnien und Herzegowina 

18. Malta


Die Startposition ist ein oft unterschätzter Faktor, der schon oft für Dramen gesorgt hat. Wie auch im Finale gilt: Je später, desto besser. Dieses Jahr gilt das erste Semifinale als das spannendere. Nicht, weil die Songs hier viel besser sind, sondern weil sie ausgeglichener sind. Das hängt auch damit zusammen, dass die sonstigen sicheren Qualifikanten, schwächere Songs beisteuern und damit für die Qualifikation wackeln.

Die Regisseure können natürlich nicht alle Länder glücklich machen und ich persönlich finde auch, dass es eine recht gute Entscheidung ist. Aber die Quoten für die Qualifikation werden sich nun deutlich verschieben, natürlich in die Richtung der Spätstarter. Ein Orakelspruch wird im Laufe der Woche veröffentlicht werden, meine persönliche Meinung folgt ebenfalls in diesem Post.

Zunächst für die Statistikfreunde eine Qualifikationsquoute für jeden Startplatz seit Einführung des zweiteiligen Halbfinalsystem 2008:

Startplatz 1: 50%

Startplatz 2: 56%

Startplatz 3: 31%

Startplatz 4: 38%

Startplatz 5: 38%

Startplatz 6: 69%

Startplatz 7: 56%

Startplatz 8: 50%

Startplatz 9: 50%

Startplatz 10: 63%

Startplatz 11: 31%

Startplatz 12: 63%

Startplatz 13: 69%

Startplatz 14: 81%

Startplatz 15: 69%

Startplatz 16: 60%

Startplatz 17: 83%

Startplatz 18: 88%

Wenn man also nur nach Statistik geht, würden sich die grün hinterlegten Plätze qualifizieren, die gelben teilen sich den 10. Platz. Aus dieser Statistik geht eindeutig hervor, dass es sehr wohl auf die Startposition ankommt, wobei Platz 18 der beste ist und Platz 3 & 11 der undankbarste. Aber es kommt natürlich auch darauf an, wer vor und nach dir startet. 

Somit kommen wir zu den Gewinnern und den Verlierern dieses Semifinals:

Unter den Gewinnern sind:

Finnland
Armenien
Russland
Zypern
Island 
Bosnien
Malta

Finnland darf die Show eröffnen und kann damit schon mal das ganze Potential der Bühne zeigen. Der catchy Song startet auch vor 2 schwächeren Songs, die Finnland noch besser da stehen lassen.

Armenien kommt nach dem einschläfernden Holländer und vor dem notgeilen Serhat aus San Marino. Dadurch kann sich das Lied noch besser absetzten.

Russland ist ebenfalls bei San Marino und vor der ruhigen Tschechin. Außerdem bekam er den spätesten Platz, der nach der Auslosung noch möglich war.

Island, Bosnien und Malta sind natürlich happy, weil sie das Feld beschließen dürfen und das praktisch schon die sichere Qualifikation ist. 

Natürlich gibt es auch Verlierer, Die größten sind:
Griechenland
Moldawien
Ungarn
Niederlande
San Marino
Tschechien

Griechenland wird es nun noch viel schwieriger haben sich zu qualifizieren. Das wäre das erste Mal, dass es im Semifinale hängen bleibt.

Moldawien und Ungarn hatten sich natürlich die Eröffnung der Show oder einen späteren Startplatz gewünscht. Insbesondere Moldawien braucht mit Startplatz 3 praktisch gar nicht antreten. 

Niederlande und San Marino haben zwar diesen späteren Startplatz bekommen, haben aber die ungeliebte Sandwichposition erwischt. Das bedeutet, dass sie von zwei wesentlich stärkeren Weißbrotscheiben eingeschlossen sind und dadurch schnell vergessen werden.

Doppelt bitter trifft es Tschechien. Die Sandwichposition wird noch durch den ersten Platz in der zweiten Hälfte verstärkt. Das war übrigens in den Foren der häufigste Kritikpunkt. Tschechien ist ja ohnehin schon ein ESC unbegeistertes Land und mit der nächsten verpassten Qualifikation wird das natürlich nicht besser.

Fazit: Bis auf Ungarn und Tschechien hat die EBU eine wirklich gute Startreihenfolge beschlossen, die wesentlich mehr Sinn ergibt, als z. B. die des letzten Jahres. Wie das im Semi 2 aussieht, folgt bald.





Montag, 14. März 2016

Mit Vollgas gegen die montenegrinische Wand

Was ist logisch, wenn man bei einem Wettbewerb antritt, indem die Zuschauer als große Masse den Sieger küren? Natürlich ein Lied, dass die meisten Menschen packt, Nischenmusik eignet sich hierzu aber nicht. Eine Lektion, die ausgerechnet in Montenegro wohl nicht ganz verinnerlicht wurde. Montenegro versucht die Ausnahme der Regel zu werden, dass Rock beim ESC nicht funktioniert. Ein ambitioniertes Ziel, für den kleinen Balkanstaat.


Montenegro war ja schon Bestandteil von Jugoslawien und von Serbien-Montenegro. Wir betrachten nun einmal nur die Geschichte Montenegros als eigenen Staat. Das hat zur Folge, dass die erste Teilnahme sich auf das Jahr 2007 datieren lässt. In den Jahren 2010 und 2011 gönnte sich das Land eine finanzielle Pause. Montenegro nahm also bisher 7 Mal teil. Während die ersten Jahre sehr unerfolgreich liefen, konnte sich Montenegro in der jüngeren Vergangenheit zumindest einmal stabilisieren. 2015 war dabei das erfolgreichste Ergebnis aller Zeiten, mit einem 13.Platz von Knez. Allerdings ist das nicht so schwierig, bei bisher nur 2 Finalteilnahmen, ihm eingeschlossen. 
Der ESC Gott scheint dem Land auch eine Art Auftrag gegeben zu haben: Gibt mir Balkanpop, sonst sündigt ihr! Diese These wird vom Fakt unterstützt, dass Montenegro mit Balkanpop eine 100% Qualifikationsquote hat. Bei ausnahmslos allen anderen Musikstilen wie HipHop, Pop oder Rock besitzt Montenegro eine sagenhafte Qualifikationsquote von sage und schreibe 0%. 
Somit sollte der Auftrag für die Rundfunkanstalt RTCG klar sein. Ein Balkansong muss her. Dieser wäre beliebt bei jeglichen Nachbarn und bei guter Qualität, könnten sogar noch andere Länder dafür voten. Den ersten Schritt machte RTCG, da sie einen Interpreten und ein Lied selber bestimmen wollten. Die Tür war da. Allerdings haben sie es nicht geschafft, die Tür, welche man ziehen muss, aufzubekommen. Also der letzte Weg? Mit roher Gewalt dagegen drücken
! 

Für Montenegro tritt dieses Jahr die Formation Highway an. Die 4-köpfige Männergruppe konnte bei X-Faktor Adria den 4. Platz erringen, allerdings noch zu 3. Die Urmitglieder heißen Peter Tošić, Marko Pešić und Luka Vojvodić. Nähere Infos zu den Dreien konnte ich nicht finden, aber immerhin das Alter von Marko und Luka. Nämlich 21, nach eigenen Angaben. Aber offenbar war die junge Truppe dem nationalen Fernsehen nicht erfahren genug und sie fügten noch eine 4. Person zur Gruppe hinzu. Nämlich Bojan Jovović. Der laut dieser Quelle 31-jährige besitzt die nötige ESC-Erfahrung, um die drei Kücken ruhig zu brüten und entwickeln zu lassen. 
2005 nahm er, damals noch für Serbien-Montenegro, mit der Gruppe No Name am ESC teil und konnte mit dem Lied Zauvijek moja einen 7. Platz einfahren.


Hier das Video seiner Teilnahme 2005


Hier unten der Beitrag Montenegros The Real Thing von Highway

Das ist definitiv kein Balkanpop und kein balkantypischer Song. Schon das Anfangsriff macht deutlich, dass wir es hier mit schwerem Rock zu tun haben. Die Verse sind sehr zurückgenommen, haben sogar was von Coldplay. Der Refrain eignet sich super zum Headbangen, hab leider nicht die geeigneten Haare dafür. Der nächste Vers ist durch einen deutlichen Cut vom Refrain abgetrennt und wieder sehr ruhig. Allerdings steigert es sich diesmal etwas früher und das Headbang-Thema erscheint erneut. Für eine Bridge reicht es zeitlich nicht mehr, so besitzt das Stück zwar keine Steigerung, aber es beginnt ja auch schon auf großer Höhe.

Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass wir hier eines der besten Lieder des Genres Heavy Metal hören, dass es beim ESC jemals gab. Bei einem der großen Festivals würden sie als No Names nicht untergehen, da das Stück wirklich klasse ist. Mir gefällt es sehr, obwohl ich eigentlich nicht viel mit dem Genre anfangen kann. Der Refrain bleibt im Kopf hängen und ich mache sofort die Headbang-Bewegung, ist das normal? 

Hier ist aber wie gesagt das Problem: Rock (Metal) funktioniert beim ESC nicht! Das Lied mag großen Anklang bei den Fans der Musikrichtung finden, dennoch bilden diese nur einen Bruchteil des allgemeinen Musikgeschmacks. Ein Poplied hat es da einfacher. Wenn ich einen bayrischen Schlager komponiere, werde ich bestimmt eine super Rückmeldung einiger hinterwäldlerischer Bayern bekommen. Die Deichkinder werden mich allerdings mit Schrotflinten jagen. So ähnlich ist es hier eben auch. Ansprechend für Leute, die die Musikrichtung ohnehin lieben, abturnend für Menschen mit  Mainstream Geschmack.

Ein weiteres Problem könnte die Livestimme darstellen, aber nicht auf Grund der Töne. Ihr Akzent ist extrem stark ausgeprägt, also das Englisch ist kaum verständlich. Natürlich passt das dann auch irgendwie wieder zu dem aggressiven Song, Osteuropäer und Vorurteile. Stimmlich auch nicht gerade glänzend sind sie bei diesem Auftritt.


In Stockholm erwartet und wohl eine ziemlich düstere Performance, mit sehr viel Stroboskop. Dunkle Gestalten und Tänzer, vielleicht ein paar Lasereinlagen. Meine persönliche Idee wäre ein leuchtender Handschuh. Dieser umfasst das Mikro im Ständer und dient als einzige Lichtquelle im Vers. Text ist inside you. Also in dir ist des Licht. Das wäre mal mein Vorschlag. Im Refrain dann jegliche Geschütze ausfahren, die Stockholm zu bieten hat. 


Die Zeichen der Zeit stehen gegen Montenegro, trotz super Lieds. Die Balkanhilfe aus Bosnien und Kroatien wird ebenfalls geringer ausfallen, als mit Balkanpop.Highway wird auf der Schnellstraße die Ausfahrt vor dem Finale nehmen und dadurch Zuschauer in eben diesem sein. Letzter wird man nicht, dafür werden die Nachbarn schon sorgen und San Marino ist ja auch in dem Halbfinale, aber sie sind mit Nischenmusik einfach nicht fähig, eine Mehrheit zu bedienen. Dadurch ist Montenegro einer der wenigen Beiträge, die man schon im Vorhinein vergessen kann.

Montenegro scheint aus den Fehlern der Vergangenheit einfach nicht zu lernen, warum setzen sie nicht einfach immer auf Balkanpop?! Sie haben damit nur  positive Erfahrung gemacht, mit Rock nur schlechte. Der ESC-Gott wird auch dieses Mal alles im Gleichgewicht halten und dafür sorgen, dass Montenegro ohne hörbare Heimatverbundenheit, das Finale nicht erreichen wird. Da hilft auch kein Beten.