Lisboa 2018

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Freitag, 16. März 2018

Eisige Reaktionen auf warme Ballade aus Island

Ein neues Jahr, eine neue Chance. Gerade für Island sollte dieses Motto gelten, um die Vergangenheit etwas in Vergessenheit geraten zu lassen. Auch dieses Jahr fand das fast schon traditionsreiche Söngvakeppnin auf Island statt und der überraschende Gewinner Ari soll Island wieder zum alten Glanz vergangener Tage bringen.

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=nloweviD_90
Die ESC-Vergangenheit:

Island debütierte 1986 beim 31. Eurovision Song Contest im norwegischen Bergen und war somit das letzte Land aus dem hohen Norden, das seinen Weg zur größten Musikshow der Welt fand. Mit zwei Ausnahmen 1998 und 2002 (Dort konnte man sich auf Grund der schlechten Ergebnisse der Vorjahre nicht qualifizieren) nahm das Land immer am ESC teil, womit Island 2018 zum 31. Mal beim ESC antreten wird. Gewinnen konnte Island noch nie, allerdings konnte sowohl 1999 als auch 2009 ein hervorragender zweiter Platz belegt werden, jeweils hinter einem skandinavischen Bruder. In der jüngeren Vergangenheit konnte Island an diese Erfolge nicht ranreichen. So konnte man sich in den letzten 10 Jahren zwar sieben Mal für das Finale qualifizieren, allerdings holte Svala 2017 den Hattrick mit der dritten Nichtqualifikation in Folge. Somit spricht der Trend klar gegen Island und es ist am erst 19 jährigen Sänger diesen Trend zu brechen.

Die Auswahl:

In Island wurde mit der ersten Teilnahme 1986 das Söngvakeppni gestartet. Ein über mehrere Runden gestalteter Wettbewerb, dessen Sieger in beinahe allen Jahren auch beim ESC antrat. 2018 wurde das geänderte Konzept von 2009 weitergeführt. Es gab 2 Semifinals mit je sechs Teilnehmer, von denen sich jeweils 3 für das Finale qualifizieren konnten. In den Halbfinals entschied zu 100% das Televoting, im Finale  gab es ein absolutes Punktesystem zu 50% Jury und 50% Televoting, wobei die beiden erfolgreichsten Beträge erneut in einem Superfinale erneut gegeneinander antraten, woran eine zweite Votingrunde gekoppelt war, in der nur die Zuschauer entschieden. Die Besonderheit des isländischen Vorentscheids ist, dass es im Halbfinale die Regelung gibt, dass in Landessprache gesungen werden muss. Im Finale entfällt diese Regelung, wodurch sich 4 der 6 diesjährigen Finalisten für eine Englische Version entschieden.

Die Qualität des diesjährigen Teilnehmerfeldes ließ ordentlich zu wünschen übrig. Mag es daran liegen, dass Greta Salomé dieses Mal nicht vertreten war oder eben doch ein gewisses Desinteresse der Künstler auf Grund der letzten Ergebnisse Islands der Grund ist. Die Begeisterung in der Bevölkerung ist jedoch ungebrochen. Allein im Superfinale kamen insgesamt fast 84 000 stimmen an und auch beim ESC bricht Island mit Einschaltquoten von 95% jegliche Rekorde. In diesem Jahr galt vor allem Dagur Sigurdsson als großer Favorit. Der stämmige Isländer war ebenfalls mit einer Ballade am Start, die allerdings etwas rockiger und nicht ganz so klassisch war, wie der spätere Sieger. 

Zweiter Platz im Vorentscheid und Favorit vor der Show

Potential für Drama gab es dieses Jahr vor allem bei der Abstimmung. Dagur konnte sowohl das Jury- als auch das Televoting für sich entscheiden, Ari zog mit einem deutlichen Rückstand von circa 9000 Punkten ebenfalls ins Superfinale ein. In diesem wendete sich das Blatt allerdings überraschend und Ari war der völlig unerwartete Sieger. Daraufhin traten Spekulationen und Vorwürfe von Fans des unterlegenden Künstlers auf, dass Stimmen nicht gewertet wurden, was der Telefonanbieter klar zurückwies. Wie dem auch sei: Ari gewann mit einem knappen Vorsprung von 53,23%.

Der Künstler:

Ari Ólafsson ist ein recht bekanntes Gesicht auf Island, wobei in diesem Land mit 330.000 Einwohnern jeder Sänger recht bekannt sein sollte. Er wuchs in Islands Hauptstadt auf und verbrachte einige Zeit seiner Kindheit in Florida. Bereits im Kindesalter konnte er sich für die Bühne begeistern, sodass er mit 11 Jahren die Hauptrolle in einem Musical übernahm, entdeckt wurde er damals übrigens von Selma Björnsdottir, die Zweitplatzierte vom ESC 1999. Später nahm ihn eine bekannte norwegische Sopranistin unter ihre Fittiche und bildete ihn aus. 2015 nahm er dann an der isländischen Version von The Voice teil, gewann allerdings nicht. Es drehte sich nur einer von 4 Coaches um, eine davon Svala, also seine Vorgängerin. Danach stand er als Backgroundsänger beim Vorentscheid auf der Bühne und nun wird er Island in Lissabon vertreten. 

Der Song:

Hier ist der diesjährige isländische Beitrag "Our Choice" von Ari Ólafsson:


Our Choice erfindet das Rad natürlich nicht neu, im Gegenteil: Es wirkt doch ziemlich aus der Zeit gefallen. Der Aufbau ist klassisch,ohne Abweichungen. (Vers A, Refrain, Vers B, Refrain, Bridge, Refrain, Ausklang) Auch sehr klassisch ist der Beginn, bei dem er nur von Klavierakkorden begleitet wird, die im Refrain durch dezente Streicher erweitert werden. Im zweiten Vers kommt das obligatorische Schlagzeug hinzu und auch in den Streichern gibt es nun einige Gegenmelodien. Im Refrain treten die Instrumente weiter in den Vordergrund und der (ebenfalls obligatorische) Chor singt lange Ahhh-Töne. Die Bridge ist harmonisch sehr interessant, da auch von Dur abgewichen wird, die Instrumente hingegen ziehen sich wieder zurück, nur das Schlagzeug spielt und der Chor singt melodische Gegenbewegungen. Zum Ende der Bridge, an der jede weibliche Sängerin den klischeehaften Schrei raushauen würde, singt er einen überraschend hohen Ton mit seiner Kopfstimme. Im letzten Refrain baut er natürlich einige Abweichungen zur Melodieführung ein und auch der Chor unterstützt ihn nun. Am Ende nimmt sich das Stück erneut komplett zurück und endet nur mit ihm und dem Klavier. Bemerkenswert ist der Oktavsprung nach dem ersten Refrain, der auch im 2. Refrain beibehalten wird.

Rein kompositorisch ist das hier ein sehr klassischer Beitrag, mit einigen Besonderheiten, die beim genaueren Hinhören auffallen. Allerdings sind auch sehr viele Klischees eingebaut worden, sodass das Besondere doch fehlt und dieser Beitrag bei einem stärkeren Teilnehemerfeld wahrscheinlich untergegangen wäre. Natürlich ist es kein schlechtes Lied, nur hätte man das auch schon vor 30 Jahren hören können und damals hätte ich ihm große Chancen ausgerechnet. 

Komponiert und getextet wurde der Song von Þórunn Erna Clausen, eine der wenigen weiblichen Komponisten in Island, was Greta Salomé in der Vergangenheit sehr bedauerte. Die Enkelin eines bekannten isländischen Leichtathleten ist keine Unbekannte in ESC-Kreisen, da sie den Beitrag 2011 (20. Platz) textete. Die Sopranistin ist außerdem als Schauspielerin tätig, wo sie in einigen isländischen Produktionen tätig war. Die 42-jährige war die fleißigste Komponistin in diesem Jahr, da 3 der 6 Songs mit ihrer Beteiligung entstand (Platz 1,2 und 5). Auch 2016 und 2012 konnten sich ihre Songs für das Finale im Vorentscheid qualifizieren, hatten aber mit dem Ausgang des Sieges nichts zu tun.

Der Text: 

Die Grundaussage des Songs befindet sich im Balladen-typischen Gebiet: Wir können die Welt zu einem besseren Ort machen, aber es liegt eben auch an uns, diesen Weg aktiv einzuschlagen. Solche Weltverbesserungshymnen gibt es alle Jahre wieder, doch nur wenige erreichen ein so schwaches und kitschiges Level wie Our Choice es schafft. Hier ein paar Auszüge:
Zu viele Menschen sterben im Schmerz,
aber zusammen können wir den Schmerz lindern.
 ...

In jeder Sprache gibt es ein Wort für Liebe und Schmerz
...
Denn im Inneren sehen wir alle gleich aus

Natürlich ist das eine schöne und wichtige Botschaft, aber das ganze wirkt doch etwas ausgelutscht und zu klischeemäßig aufgebaut, was mich stark an Russland 2013 (What if) erinnert. Somit nehmen diese Zeilen qualitativ dem Song einiges weg, was wirklich sehr schade ist. Im Semifinale präsentierte er ja den Beitrag auf Isländisch als "Heim" (Welt). Dort gibt es leider keine offiziellen Englischen Lyrics, jedoch zeigt eine kurze Übersetzung, dass der Song auf Isländisch eine tiefere Bedeutung hat. (Wir suchen alle einen Weg nach Hause/ Es versteckt den inneren Seelenkrieg) Selbst wenn der Song auch auf Isländisch kein Meisterwerk wäre, dann hätte das Europa auf Grund der fehlenden Sprachkenntnisse nicht beschäftigt. Aber so wird sich der ein oder andere an den peinlich kitschigen Lyrics fremdschämen.


Hier die isländische Version:



Das Gesamtpaket: 

Das kleinste Problem an diesem Beitrag wird Ari sein, denn er macht das Beste aus diesem flachen Song. Stimmlich ist das ganz große Klasse und auch den großen Ambitus des Liedes bekommt er ohne Probleme hin. Natürlich fällt besonders der 'Kreischer' am Ende der Bridge auf, den er ebenfalls souverän meisterte. Auch die Kameras fangen den smarten Mann gut ein und er wirkt wie der Traum jeder Schwiegermutter. Auch der Anzug wirkt hochwertig und passt sogar, was ja nicht selbstverständlich ist wie wir wissen. Ari muss recht wenig an sich machen, jedenfalls finde ich keine Kritikpunkte.

Das Outfit passt schon einmal Quelle:https://www.youtube.com/watch?v=nloweviD_90

Das Staging lässt mich zwiespaltigen zurück: Einerseits ist es stimmig und passend, aber andererseits packt es mich überhaupt nicht. Zu Beginn steht er mit dem Rücken zum Publikum (Anja Nissen lässt grüßen) und singt direkt in verschiedene Kameras. Da hat das Timing noch nicht ganz gestimmt, aber das wird kein Problem sein bis Mai. Anschließend steht er an einem Mikrophonständer, bis er diesen zur Bridge umwirft (dieser Rowdy) und ein paar Schritte nach vorne macht. Um ihn herum steht eine Band, von denen vier als Backgroundsänger agieren und die Instrumente natürlich nur als Showelement spielen. Die Beleuchtung besteht zu meist aus blau und lila, außerdem gibt es einige Wolkenbilder im Hintergrund.

Natürlich kann man bei einer solch klassischen Ballade kein außergewöhnliches Staging machen - aber ein außergewöhnlich gutes ist möglich! Da Ari erst 19 Jahre jung ist, könnte das jedoch einige Abweichungen zu lassen, um diesen angestandenen Song doch noch eine gewisse Würze zu verleihen. Das es keine LED-Elemente in Portugal geben wird halte ich eher für einen Vorteil für Island. Ein schwarz/Weiß Filter zu Beginn, bis zum zweiten Vers könnte einen guten Effekt haben. Ebenso etwas Bewegung ab dem selben Zeitpunkt. Generell würde ich eine intime Atmosphäre kreieren, also wenige offene Kameraeinstellungen, viele Nahaufnahmen und ein Fokus auf den ausstrahlungsstarken Sänger. Auch ein Pyroregen zu Ende mag zwar klischeehaft wirken, könnte den Effekt des Liedes auf den Zuschauer ausbauen. Wenn man zu wenig macht, gerät dieser Beitrag sehr schnell in Vergessenheit. Auf dramatische Tänzer würde ich natürlich verzichten, das passt gar nicht. Die Band würde ich zu einem Chor umfunktionieren, die ihm nicht nur gesanglich, sondern auch optisch den Rücken stärkt. Zur Message des Songs passen die gewählten Farben bereits, jedoch würde ich zum Finale (Während seines Tones) auf orange-Töne umstellen, um den Effekt erneut zu vergrößern. Von schwarz/weiß zu blau zu orange.

Die Wettquoten und Chancen: 

Ohne mich all zu sehr in der isländischen Musikbranche auszukennen, kann ich sagen, dass er wohl eines der größten Talente auf der einsamen Insel ist und wir ihn nicht zum letzten Mal gesehen haben, egal wie es im Mai in Portugal ausgeht. Gesanglich ist er Spitze drauf, nur der Song wird ihm nicht gerecht. Ein Phänomen, dass leider ziemlich häufig beim ESC anzutreffen ist. 

Auch die Vorzeichen jenseits der eigenen Stärke sehen alles andere als gut aus. Island startet im absoluten Horror-Semifinale 1 und dann auch noch in der ersten Hälfte in der Nähe von auffälligeren und besseren Balladen wie Litauen und Estland. auch von den skandinavischen Punktelieferanten hat es nur der geizigste Finnland in das selbe Semifinale geschafft. 

Die Wetttquoten folgen diesem klaren Bild auch und so kommt es, dass Island Stand 16.03. nur auf Rang 39 liegt und somit kaum Chancen in Aussicht gestellt bekommt, sich qualifizieren zu können. Dabei ist der Trend sogar noch eher positiv, da sie vor 4 Tagen sogar die rote Laterne als 43. kurzzeitig inne hatten.

Meine Einschätzung ist leider, dass es Island auch dieses Jahr nicht schaffen wird, in das Finale einzuziehen. Und das seit 2015 die klarste Pleite werden wird. Im Gegenteil. Ich gehe eher davon aus, dass sie tief drin im Kampf um den letzten Platz stecken, besonders da Semi 1 eben das vielleicht stärkste Semifinale aller Zeiten sein könnte. Viel Potential steckt nicht mehr im Song, Ari kann sich kaum verbessern, das Staging war schon recht passend und die Frist, um doch noch mit der Isländischen Version anzutreten, ist schon abgelaufen. Es sieht sehr düster aus um Island, man kann nur hoffen, dass sich die Statistik bewahrheitet: Die zweiten Plätze wurden 1999, 2009 und vielleicht 2019 errungen?

Ein Blick zurück in bessere Zeiten: Aris Entdeckerin Selma, bei ihrem zweiten Platz 1999:



Montag, 21. August 2017

Das wünsche ich mir von dir, Deutschland (Episode 1)

In der folgenden Serie möchte ich auf den ESC 2018 zu sprechen kommen. Nachdem das Jahr 2017 nur in Ansätzen beschrieben wurde, besitze ich umso mehr Elan und Antrieb, für die nächste Ausgabe. Hier möchte ich ausgewählten Ländern Vorschläge oder Ideen bringen, was ich als HoD (Head of Delegation) als Auswahlverfahren präferieren würde. Vor allem schaue ich auf die aktuellen Charts. Welche Künstler haben das Zeug und schon international überzeugt? Natürlich spekuliere ich auf DEN Glückstreffer, um dann in jeglichen Forum zu sagen: "Ich habs ja gesagt". Beginnen möchte ich natürlich mit der Heimat, dem Sorgenkind, dem Syrien des ESC-Zirkus´. Deutschland
Schrei nach Punkten? Quelle: https://youtu.be/t1KKjykH6fw?t=2m10s


Es mag vermessen klingen, doch in den Stunden der größten Niederlage zeigen sich die größten Sieger. Wenn wir uns nach diesem Spruch leiten lassen würden, hätten wir zur Zeit ein unfassbares hoch im ESC-Universum. Doch wo Schatten ist, ist auch Licht und nicht jeder kann immer siegen. Genug dieser leeren und belangloser Versprechen. Lang genug flüchten wir uns in Ausreden, wie "Das passiert jedem einmal" oder " Niemand ist fehlerfrei", nicht zu vergessen "Es war nicht alles schlecht". Einen dieser fast schmerzvollen Aufheiterungssätze muss ich noch von mir geben: Einsicht ist der erste Weg zur Besserung und diesen Weg gehen wir nun zusammen, durch das Eruieren potentieller Vertreter.

In Deutschland hatte sich ja in den letzten Jahren der Schlendrian eingeschlichen. Nach den erfolgreichen Ära Raab (2010-2012), vielen wir in das alte Muster zurück und veranstalteten einen Vorentscheid, mit mehr oder minder bekannten Persönlichkeiten. Dass die ARD (genauer NDR) durchaus gewillt ist, etwas am eingefahrenen System zu ändern, hatte man bereits 2016 bewiesen. Die direkte Nominierung war ein schöner Farbtupfer, der allerdings dank der Personalie Xavier Naidoo, einen unschönen Braunton annahm. Der anschließende Vorentscheid damals war notgedrungen. Aber was wäre eine Alternative zum Vorentscheid? Hier eine Idee:


Vorentscheid einsparen und Geld in Künstler investieren


Zugegeben, ein durchaus unkonventioneller Ansatz, aber was haben wir noch zu verlieren? In den letzten Jahren standen viele Musiker an der Spitze der Charts, die nicht mal singen. Hier rede ich nicht von akustischer Klassik, sondern von der DJ-Szene rund um die Koryphäe David Guetta. Mittlerweile ist die Szene extrem gewachsen und neben erwähnten David Guetta finden sich dort sehr viele Amerikaner und Norweger, aber auch Deutsche müssen sich da nicht verstecken. Es ist wohl der letzte Bereich in der Populär Musik, in der viele Nationen mitmischen, auch wenn die meisten Sänger(innen) aus englisch sprachigen Ländern kommen oder eben aus Schweden.


Nun gehe ich etwas ins Detail, was jedoch an sich sehr simpel ist. Wir streichen einen nationalen Vorentscheid. Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass die Plattenfirmen kein Interesse am ESC haben, sondern auf die Karriere nach dem Event. Doch die Vergangenheit zeigt, dass der ESC oft der einzige bzw. letzte Höhepunkt jener "Karrieren" war. Oder hat man noch was von Ann-Sophie (2016) oder Jamie-Lee (2015) gehört? Habt Ihr überhaupt bemerkt, dass die beiden Jahreszahlen vertauscht sind? Dazu der Ansatz des letzten Jahres mit Song und Sänger, die keine Verbindung aufweisen. Es war eine Katastrophe mit Ansage, wie die Jahre zuvor. Wir müssen weg von dem Gedanken, eine zweite Lena zu finden, selbst mit Stefan Raab wäre das ein nahezu unmögliches Unterfangen.

Ich würde keinen Vorentscheid 2018 veranstalten. Das gesparte Geld würde ich an andere Stelle investieren denn da wird einiges zusammen kommen. Allein die Moderation der Zuckerpuppe Babsi Schöneberger - da sind wir im hohen zweistelligen Tausendbereich. Dazu die Liveübertragung, Bühnenmiete, Auf- und Abbau, Bühnentechnik,  Werbekosten, sonstige Personalkosten. Es ist denke ich nicht vermessen hier von einer Summe deutlich über 500.000€ zu rechnen. Genau dieses Geld würde ich in einen erfolgreichen Produzenten stecken. Praktisch kaufen wir eine Single eines erfolgreichen Musikers und benutzen ihn für unseren ESC.

Unser Vorteil wäre, dass
  1. der Künstler auch ein Interesse an einem guten Abschneiden hat
  2. der Künstler Teil eines eingespielten Teams ist
  3. der NDR nichts kaputt machen kann
  4. wir einen Künstler mit Erfahrung und evtl. einer großen Fanbase vorweisen können.
Eine Auswahl dieser Künstler:

Felix Jaehn


Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=F3VIJLm8qHc

Der 1994 geborene Hamburger wuchs an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns auf und hatte bereits mit 16 seine ersten Auftritte als DJ. Er ist vor allem in den Stilrichtungen Deep House und Tropical House heimisch. Seinen internationalen Durchbruch feierte er Ende 2014 mit seinem Remix von Cheerleader vom jamaikanischen Sänger Omi. Es wurde gleichzeitig sein größter Hit und erreichte Kultstatus. Es erklomm die Spitze der Charts in den DACH-Ländern, Uk, USA, Schweden, Belgien, Australien, Polen, Mexiko, Kanada und vielen anderen. Es wurde darüberhinaus als Single des Jahres in Österreich, Deutschland, Frankreich und Belgien ausgezeichnet. Platin wurde unter anderem in den USA (3x), Uk (2x), Deutschland (5x) und Schweden (7x) erreicht. Außerdem erreichte das Video bereits über 760 Millionen Aufrufe auf Youtube.  Kurze Zeit später folgte Ain´t Nobody, die Coverversion eines 32 Jahre alten Songs, mit der britischen Sängerin Jasmine Thompson. Auch dieser Song konnte in Europa die Charts stürmen mit Top5-Platzierungen in allen relevanten Charts. 2016 folgte Bonfire mit der finnischen Sängerin Alva, 2017 Hot2Touch unter britischer und amerikanischer Unterstützung. Beide Songs wurden in den DACH-Ländern veröffentlicht und konnten Erfolge verzeichnen. 



Cheerleader 2015


Ain´t Nobody 2015


Hot2Touch 2017

Robin Schulz:

Quelle: https://youtu.be/qQaFSKomyh0?t=5m28s

Der 30-jährige Osnabrücker ist schon etwas länger dabei und feierte 2013 seinen ersten Welterfolg. Seine Remixversion von Waves thronte in den DACH-Ländern, Belgien, Polen, Schweden, Norwegen, UK und einigen mehr auf der 1. In den USA kratzte er außerdem an den Top10, vielfache Platinauszeichnungen dürfen auch nicht unerwähnt bleiben. 2014 folgte dann Prayer in C vom französisch, israelischen Folkpop-Duo Lilly Wood and the Pricks. Dieser Song erreichte in nahezu ganz Europa die Topposition in den Charts, ebenso in Mexico und Russland, in den USA wurde Rang 23 erreicht. Noch bevor Felix Jaehn mit Jasmine Thompson gearbeitet hatte, produzierte Robin Schulz seinen ersten "eigenen" Song Sun goes down, mit ihr. Dieser konnte in den DACH-Ländern die Top3 erreichen. 2015 folgte Sugar mit dem kanadischen Sänger Francesco Yates. Platinstatus in DACH, Uk, USA, Kanada und Australien, gepaart mit Nummer 1 in DACH. Nach einer Zusammenarbeit 2016 mit David Guetta folgte 2017 die Veröffentlichung seines neusten Werkes, OK mit James Blunt, das in allen DACH-Ländern Rang 2 erreichte.



Waves 2013


Prayer in C 2014


OK 2017

Zedd:

Quelle: https://youtu.be/a2AjlTLdU1M?t=2m


Geboren wurde der zur Zeit erfolgreichste deutsche DJ in der Förderationsprovinz Wolga, in der damaligen Sowjetunion. Mit drei Jahren wanderten seine Eltern 1992 nach Deutschland aus. Er wuchs in Kaiserslautern auf, bis er 2012 in die USA zog. Etwas Klatsch darf hier nicht fehlen, denn er führte eine längere Beziehung mit Selina Gomez. 2012 arbeitete er mit Max Martin, Justin Bieber und Nicky Minaj zusammen. Seinen Durchbruch als Produzent hatte er 2013 mit der Single Clarity und der britischen Sängerin Foxes. Im Gegensatz zu den anderen DJ´s, konzentriert sich Zedd vor allem auf den amerikanischen Markt. Der Song erreichte in den USA den 8. Platz, in Europa wurde er kaum wahrgenommen, in Deutschland reichte es nur zu einem 94. Rang. Allerdings gewann er für diesen Song einen Grammy! Mit der Frontfrau der Band Paramore legte er ein Jahr später mit Stay The Night einen weiteren Hit drauf. Rang 2 in UK und Top20 Platzierungen in Europa standen zu buche. 2014 ging es dann weiter mit Ariana Grandes Break Free. 3x Platin, über 2,8 Millionen verkaufte Einheiten, Platz 4 in den amerikanischen Charts. 2015 und 2016 folgten weitere Hits mit I Want You To Know von Selena Gomez und Starving von Hailee Steinfeld. Sein zur Zeit neuster Hit ist Stay mit der Kanadierin Alessia Cara. Auch dieser Song reihte sich in zahlreichen Ländern an die Topplatzierungen der Charts.


Stay The Night 2013


Break Free 2014


Stay 2017

Soweit mein Vorschlag. Natürlich kann es sein, dass keiner der drei Stars Interesse am ESC hat. Für diesen Fall würde ich eine andere Option vorschlagen:

Vorentscheid mit bekannten Namen:


Wenn wir einen Vorentscheid durchführen, müssen wir die großen Namen der Musikbranche einladen. Namen, die man kennt, gestandene Künstler oder Talente mit Potential. Trotz der desaströsen Ergebnisse beim ESC, hat sich die Musikbranche in Deutschland weiterentwickelt. Wenn wir also einen erneuten Vorentscheid haben, dann bringt jeder Künstler seinen eigenen Song mit und der NDR hat nur eine beratende Tätigkeit. Dazu nur eine Votingrunde, ohne Superfinale, wie auch beim ESC. Babsi führt durchs Programm und sorgt für den Unterhaltungsfaktor. Der Gewinner MUSS danach von den öffentlichen Radios unterstützt werden! Man muss ihn in die Charts bringen, Promoaktionen schon vor dem ESC, Auftritte beim Echo, Lanz, Mittagsmagazin, Morgenmagazin, Frühstücksfernsehen,... Falls es zu einem solchen Vorentscheid kommen sollte, bräuchten wir eine große musikalische Diversität. Dazu sollte man aber bedenken, dass die großen deutschen Stars sich nicht in einem Vorentscheid messen werden, aus Angst zu verlieren. Meine Favoriten wären daher:


1. Milky Chance:

Ein großer Name zum Start: Milky Change schockte die Welt 2013 mit ihrer Chillout-Single Stolen Dance. Der Song wurde schnell zum weltweiten Hit für das Folk-Duo aus Kassel. In den europäischen Charts wurden viele Topplatzierungen erreicht, auch in Großbritannien sowie den USA schnellte die Single in die Charts. Besonderen Erfolg konnten sie in Australien und Kanada mit vierfach Platin und den USA mit über 2 Millionen verkauften Einheiten feiern. Das Album konnte sich bis auf Rang 17 in den USA hochschrauben. Seit dem ist es ruhiger um sie geworden, die folgenden drei Singles und das Album konnten nicht überzeugen. Somit wäre es der perfekte Zeitpunkt für den ESC: Sie haben einen sehr eigenen Sound, sehr chillig, modern, dabei aber trotzdem unverkennbar. Dazu können sie schon große Erfolge feiern, sind geübte Performer und benötigen eine kleine Starthilfe. Einziges Manko: Die Stimme des Frontsängers Clemens weist live einige Schwächen auf.


2. Alice Merton:

Wer? Der Name der 24 jährigen hat sich noch nicht sonderlich weit in der Branche herumgesprochen, doch dahinter steckt eine hochtalentierte Künstlerin. Die Deutsche, mit Britischen Background, absolvierte ein Studium an der berühmten Popakademie in Mannheim. Ihre Kindheit verbrachte sie hingegen in New York, Kanada und ab ihrem 13. Lebensjahr in Deutschland. Sie ist mutig und alles andere als faul, denn sie veröffentlicht ihre Musik unter ihrem eigenen Label. Durch das Internet erregte sie ordentlich Aufmerksamkeit, sodass Vodafone beschloss, ihren Song als Werbesong zu verwenden. Dadurch wurde der Song einem breitem Publikum vorgestellt und ging von da an steil nach oben (Die Parallelen zu Laing fallen nicht nur mir auf?). Ihr Song No Roots wird seitdem im Radio auf- und abgespielt, erreichte Platz 2 der deutschen Charts und wurde über 400.000 Mal verkauft. Wir haben also eine hervorragende, junge Sängerin, die selbstständig arbeitet, lyrisch alles selbst macht und keine Angst hat. Das wäre doch mal was.



3. Alle Farben:

Wenn wir in diesem Plan B - Szenario schon die drei großen DJ´s nicht überzeugen können, warum nicht den Vierten in der Riege? Frans Zimmer aka Alle Farben, feierte seinen Durchbruch 2014, wie viele andere DJ´s dank Soundcloud. Der mittlerweile 32 Jahre alte Berliner, ist außerdem auch ein begnadeter Maler, woher auch sein Künstlername seinen Ursprung nimmt. insgesamt 5 Singles konnte er in die Charts bringen, davon in Österreich und Deutschland alle in den Top15. Besonderen Erfolg feierte er im Radio, in welchem seine Lieder Dauerbrenner sind. Eine kleine Auswahl: She Moves, Supergirl, Please Tell Rosie, Bad Ideas und sein neuster Hit Little Hollywood (Unten Video). Somit hat er sich einen ordentlichen Namen in der heimischen Musikbranche gemacht, sorgt für moderne Beats und ist bereit für den nächsten Schritt: Die internationale Bühne. Für mich zumindest.

4. Maite Kelly:

Naja, man nimmt, was realistisch ist. Eine Helene Fischer ist auch für 2018 nicht vorstellbar. Sie befindet sich mitten in der Promotion ihrer neuen riesen Platte, die ja gegen die ESC-Regeln verstößt (Erstveröffentlichung nach dem 1.September). Aber auch der billige Abklatsch von ihr, Vanessa Mai, befindet sich mitten in der Bewerbung ihrer neuen Platte und hat schlichtweg keine Zeit für den ESC. Somit kommt Kandidatin Nummer 3, Maite Kelly! Die Stimmen mehren sich, dass wir es einmal mit Deutsch versuchen sollten. Mittlerweile finde ich das gar nicht so schlecht, dann hätten wir nämlich diesen Ideenansatz zumindest probiert. 2017 war ja das Jahr der Muttersprache, da nicht nur ein portugiesischer Song gewann, sondern auch alle Landessprachen das Halbfinale überstanden. Ihre Fernsehkarriere, inklusive Kelly Family, attestieren ihr umfangreiche Erfahrung. Hohe Single-Platzierungen gab es in ihrer Solo-Laufbahn noch nicht, dafür überraschte ihr Album 2016 auf Rang 6. Musikalisch ist sie durchaus am Zahn der Zeit, mit den typischen Schlagerklängen. Warum nicht? Tut nicht weh und wäre ein schöner Lückenfüller. Auch das ständige Meckern der Schlagerfans, wäre so berücksichtigt.



5. Daniele Negroni

Natürlich muss mindestens ein Casting Sternchen in einem Vorentscheid vertreten sein, doch so verzweifelt wie Großbritannien, in dem ALLE Teilnehmer bei X Factor scheiterten, sind wir dann doch nicht. Warum also Daniele? Er kommt noch aus einer Zeit von DSDS, inder die Sendung noch an alte Erfolge anknüpfen konnte. Außerdem sagt der Name dem ein oder anderen doch noch etwas, oder? Das dürfte vor allem an seiner extrovertierten und bunten Außendarstellung liegen. Auch die Verbindung Dieter Bohlen und ESC gab es schon einige Male und könnte eine Fortsetzung vertragen. Der in Italien geborene Negroni gewann 2012 Silber in der neunten Staffel und ist heute auch erst 22 Jahre alt. Seine Alben aus den Jahren 2012 und 2013, erreichte in Deutschland und Österreich die Top-10, sein Debütalbum erklomm sogar Platz 1 in Österreich. Bis auf seine Debütsingle, konnte keine weitere überzeugen. 2013 chartete seine letze Single, 2015 veröffentlichte er eine weitere:




6. Wincent Weiss

Wo wir grade bei DSDS sind: Im Zuge von Tim Bendzko und Andreas Bourani, hat sich auch dieser Sänger auf den Deutsch-Pop spezialisiert. in Schleswig-Holstein geboren, nahm er 2013 an DSDS teil und schafft es in die Top30. Dort war für den heute 24 Jahre alten schon Schluss. Er veröffentlichte einige Covers im Internet, welches zwei Jahre später von den DJ´s gestört aber Geil als Remix verwendet wurde und Platin in Deutschland erreichte. Es wurde Rang 6 in den Charts erreicht, konnte sich dabei sogar über ein Jahr in den Charts halten, ein echter Dauerbrenner also. Darauf folgten zwei weitere erfolgreiche Singles mit Musik sein und Feuerwerk. Sein 2017 erschienenes Album erreichte Platz 3 in Deutschland. Somit siedelt sich das junge Talent langsam aber sicher in der deutschen Musiklandschaft an. Dazu hat er bewiesen, dass er keinen Zufallstreffer gelandet hatte, sondern die Situation perfekt für sich ausnutzen konnte. Moderner deutscher Sound, gute Texte, vorgetragen von einem smarten und guten Live-Sänger.



7. Leslie Clio

Von einem aufsteigenden Stern zu einem fallenden Kometen. Die Hamburgerin war vor allem in Radio mit ihrer Trilogie an Singles zwischen 2012-2015 erfolgreich. In den Charts allerdings, konnte sie in keinem Land die Top20 erreichen. Aus ihrem 2017 erschienenen Album (Platz 64) chartete kein einziger Song. Die mittlerweile 31-jährige hat auch schon einiges an Erfahrung für den ESC vorzuweisen. So war sie 2015 in der deutschen Fachjury und ihre Favoriten waren die modernen Beiträge aus Lettland und Belgien, sowie die berührende Ballade aus Russland. Alle drei Songs landeten am Ende in den Top-6. Geschmack hat sie schon mal, aber kann sie das auch auf ein Lied ummünzen? Naja, hohe Lyrik sollten wir nicht von ihr erwarten, dafür Gute-Laune-Pop. Auch 2016 hatte sie eine Aufgabe, als sie auf ONE und auf eurovision.de ein paar Beiträge bewertete. Ihr Auftritt war dabei, nett gesagt, sehr speziell. Man könnte auch sagen verpeilte Blondi. Ob sie die richtige für uns wäre? Eine Option auf jeden Fall.




8. Broilers

Zum Abschluss noch ein paar lautere Töne. Wann gab es den letzten guten Rockbeitrag beim ESC? Ich bin verleitet ins Jahr 2014 den Song Something better aus Finnland zu nennen. Also könnten es in Lisboa 2018, 4 Jahre keinen guten Rocksong gegeben haben. Um das zu verhindern würde ich die diesjährigen Gewinner des ECHO´s empfehlen, die Broilers. Die Punkrock-Gruppe aus Düsseldorf, um Frontmann Sammy Amara (38), gründete sich bereits 1992. Sie konnten zwei Alben auf Platz 1 setzen und Rang 27 in den Single Charts war bisher ihr größter Einzelerfolg. Die Band besteht aus 4 Männern und einer Frau am E-Bass. Warum denn nicht? Avantasia haben 2016 eine große Fanbase beim Vorentscheid gewonnen und im Nachhinein hätte man sie statt der Manga-Braut schicken MÜSSEN. Aber anstatt in der Vergangenheit leben, könnten wir es in der Gegenwart besser machen. Voraussetzungen: Sie nehmen teil und haben den perfekten Instant-Appeal. 








Das sind also meine beiden Vorschläge, was der NDR macht, steht auf einem anderen Stern. Vielleicht wird dieses Jahr eine rationale, gut überlegte und sensationelle Idee nicht vom NDR abgelehnt. Die Konzepte sind vielfältig, doch auch bei der Umsetzung kann man viel falsch machen. Partizipation ist leider nicht möglich, da der NDR unter Führer Schreiber, das alles intern regelt. Was in anderen Länder klappt, scheint hier zu scheitern. Vor allem liegt es daran, dass wir keine klare Linie haben. in Dänemark gibt es einen Vorentscheid, der schon Tradition hat. Nach den Misserfolgen 2015 und 2016, wurde 2017 neue Details verändert, sodass nur Solokünstler starten durften. Wir wechseln zwischen Clubkonzert (2015), interner Nominierung (2016), zu Castingshow mit Song-Künstler-Puzzle (2017). Wir wechseln die Konzepte, wie Lothar Matthäus seine Frauen. So langsam sollten wir uns entscheiden, doch auch die Fixierung auf ein Projekt nach Misserfolg scheint zweifelhaft. Der einfachste Weg: Wir überzeugen dieses Jahr mit einem Konzept und führen es länger fort. Voraussetzung hierfür wäre jedoch ein Erfolg 2018.

Vielleicht ja mit einem der oben genannten Künstler? 
  


   

Samstag, 11. Februar 2017

Busy Saturday

Der Tag in Auckland ist praktisch vorbei, doch in Europa beginnt der ESC-Tag in ein paar Stunden.  Es gibt Vorrunden in Estland, Schweden, Litauen und Ungarn. Als letzte Big5-Länder werden Spanien und Italien ihre Songs auswählen. Eine vereinzelte ganz ganz flotte Prognose:

Italien:
Der 5. und finale Abend in San Remo ist das große Ende des prestigeträchtigen Festivals. Ich habe mich leider nicht all zu ausführlich mit dem 16 Akt starken Starterfeld auseinander gesetzt, Al Bano ist leider ausgeschieden. Der Statistik nach müsste ein Mann dieses Jahr gewinnen, da sich Italien seit 2011 immer geschlechtlich abwechselt.

Spanien: Der Preis für den schwächsten Vorentscheid werden sich die Briten, Deutschen und Spanier holen. Schrecklich, was uns auch hier angeboten wird, mit einer Ausnahme. Mirela mit Contigo, dem wohl klischeehaftesten Song aller Zeiten. Der Einäugige ist aber eben der König unter den Blinden. Auf Platz zwei erwarte ich die Wildcardgewinnerin Leklein, auf Rang 3 den Song do it for your lover. Flüge nach Madrid müssen wir wohl nicht buchen.

Schweden:

Vorrunde 2 wird in Malmö ausgetragen und wirkt deutlich schwächer als Woche 1 mit den Mitfavoriten Nano und Ace Wilder. Meine erwartete Reihenfolge für heute sieht folgendermaßen aus:

Rang 1 und damit direkt im Finale: Mariette - A Million Years (1)
Rang 2 und damit ebenfalls direkt im Finale: Benjamin Ingrosso - Good Lovin' (7)
Rang 3 und damit in der Hoffnungsrunde: Lisa Ajax - I Don't Give A (6)
Rang 4 und damit in der Hoffnungsrunde:  Dismissed - Hearts align (5)
Rang 5 und damit raus: Roger Pontare - Himmel Och Hav (2)
Rang 6 und raus: Etzia - Up (3)
Letzter wird: Allyawan - Vart har du Vart (4)

Die Zahlen in Klammern sind die Startpositionen. Sowohl Lisa als auch Mariette können auf Finalteilnahmen zurückblicken, Benjamin ist der Sohn einer früheren Melodifestivalen Siegerin und der alte Weihnachtsmann Roger und seine Fackeln, konnten bereits 2 Mal siegen!

Somit gute Nacht aus Auckland und ich sehe mir Schweden und Spanien live zum Frühstück an.

UPDATE:

In Italien ist die Sensation wahr geworden. In einem 5 1/2 stündigen Epos setzte sich Francesco Gabbani mit Occisentalis Karma gegen die 15 anderen campioni durch. Auf Francesca folgt also Francesco und Italien bleibt sich seiner Linie in Sachen Geschlecht treu, dass sich seit der Rückkehr 2011 immer abwechselt. Warum ich seinen Sieg als Sensation betitelt? Ganz einfach: es war der Schritt San Remos in die Gegenwart. Bisher wirkt das Festival doch sehr aus der Zeit gefallen, da die Künstler auf der Bühne oftmals nur am Mikro stehen und sich nicht bewegen. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Songwahl, da tanzbare Lieder weniger als selten sind. Dieses Jahr gewonnen hat allerdings ein Gute-Laune-Pop mit viel Herumgehüpfe auf der Bühne und, ach ja einen tanzenden Gorilla, kein Spaß. In meiner persönlichen Liste ordnet sich Italien ganz weit vorne ein, Rang 1 um genau zu sein.

In Schweden gab es derweil beim zweiten Viertelfinale gar keine Überraschungen aus Blog-Perspektive. Alle Beiträge wurden auf die richtigen Plätze orakelt. In Litauen, Ungarn und Estland konnten sich die jeweiligen Favoriten ebenfalls durchsetzen und in die nächste Runde einziehen.

Sonntag, 5. Februar 2017

Schweizer Selbstfindungsprobleme

Die Schweiz veranstaltet dieses Jahr eine etwas abgeänderte Version des Vorentscheids. Die Quotenregelung nach Region wurde gekippt und nun kamen die 6 stärksten Beiträge in einen nationalen Vorentscheid. Diese 6 weiblichen Teilnehmer präsentieren die Songs:

"Exodus" von Shana Pearson
"The Fire in the Sky" von Nadya
"Two Faces" von Michèle
"Gold" von Freschta
"Cet air là" von Ginta Biku
"Apollo" von Timebelle

Kleine Anmerkung am Rande: Ich stehe gerade noch unter dem Einfluss des Melodifestivalens und könnte daher noch kritischer sein als sonst.

Den Post eröffnen wird also Shana.

Mit 31 Jahren möchte sie den jungen Hüpfern zeigen, wie es geht. In Gegensatz zu vielen, vielen anderen Teilnehmern an nationalen Vorentscheiden, kam sie in ihrer Karriere bislang ohne Castingshows aus (oder nur so erfolglos, dass niemand davon weiß). Bei Shana kann man durch aus von Karriere sprechen, da sie schon einige Male ihren Namen in den Charts verewigen durfte, auch in Frankreich. Beim ESC würde die Dame mit amerikanischen Vorfahren gerne mit Exodus antreten. Geschrieben wurde er von einem schwedischen Team, welches eher unbekannt ist. Ein Komponist hatte die Hände 2014 beim Melo im Spiel, ein anderer ist mit 16 Millionen verkauften Platten in Asien recht erfolgreich.

Nun ja, zumindest kann sie Englisch ohne Akzent sprechen, das wars aber mit den guten Nachrichten. Der Song ist Eurodance-trash pur und ist leider im letzten Jahrtausend hängen geblieben. Solche Songs kennt man normalerweiße nur aus Moldau oder Weißrussland. Da hilft es auch nicht besonders, dass ihr Kleid wie das der moldauischen Siegerin 2016 aussieht. Das dieser Song in den Top6 der eingereichten Songs ist zeigt, wie schwach die aktuelle Konkurrenz bei den Eidgenossen ist.

Das schlimmste kommt aber noch: ich schätze es nicht als chancenlos ein. Beim verlinkten Video sind die stimmlichen Schwächen eklatant, was aber insbesondere an dem Backgroundherr liegt. Ihre Stimme ist weder sicher noch toll, aber solide. Sollte sie also stimmlich eine solide  Leistung bringen, dann muss sie nur noch mit einer tollen Show vom Lied ablenken. Viele Tänzer und sowas wie Måns, also etwas, wo man wegen der Show anruft, nicht wegen des Liedes. Die Chancen darauf sind aber sehr gering und somit wird uns dieses Lied wohl erspart bleiben.

Nun kümmern wir uns um Nadya.

Diese ist 23 und ein Castingsternchen, wer hätts gedacht! Sie absolvierte eine klassische Gesangsausbilung und nahm daraurhin beim Schweizer Supertalent teil. Dort konnte sie das Finale erreichen und ist nun bereit für den nächsten Karriereschritt. Dazu sollte man noch erwähnen, dass sie nicht die typischen Maße für eine Popsängerin hat und auch glücklich damit zu sein scheint. Der Komponist ist Schweizer und ein Spezialist für wehmütige Volkslieder. Auch sein Weg begann bei einer Castingshow und seit her arbeitet er mit einem Chor zusammen, mit welchem er eher dunklere Themen verarbeitet wie z.B. den Tod seines Vaters.

The Fire In The Sky ist ebenso eine sehr dunkle Komposition. Im Text geht es um eine brennende Welt, dem Teufel und die Auswegslosigkeit. Nadyas Stimme ist wohl die beste im gesamten Vorentscheid, da sammelt sie Pluspunkte. Die Komposition hinterlässt Rätsel bei mir. Während die Verse sehr dunkel klingen und der Prechorus sensationell gelungen ist, wirkt der Refrain hymnisch, fast schon euphorisch, nur melodisch nicht textlich. Und durch diese stimmliche Verirrung hat der Song 0 Wirkung auf mich. Dazu kommt noch, dass Nadya nicht die ausdrucksstärkste Sängerin dieser Welt ist und ihre Kostümwahl mehr als unglücklich war. Aber das sind Dinge, an denen sie arbeiten konnte.

Das Staging an sich würde ich so lassen, eventuell ein Pyroregen wegen fire in the sky, aber nochmal: der Refrain ist mir zu hell, zu euphorisch. Christina Scarlat aus Moldau 2014 mag zwar Letzte geworden sein, aber ihr habe ich diese dunkle Aura abgenommen. Und auch Nadya kann mit einigen wenigen Effekten so etwas zaubern. Ein paar offensive Handbewegungen mit finsterer Miene in die Kamera. Dazu ein Kleid, dass keine schwarzen Blumenmuster beinhaltet. Etwas gewagtes, angst einflößend, Mädl du singst vom Untergang der Welt!

Weiter gehts mit der bipolaren Michèle.

Die Schweizerin ist zwar erst 16 hat aber im Ausland schon eine Castingshow gewonnen - nämlich die erste Staffel von the voice kids 2013. Seither gab es allerdings keine Neuigkeiten von ihr und so wurde klar, dass sie einen neuen Weg einschlagen muss, eine neue Castingshow. Michèle ist die erste hier, die ihren Song Co-getextet hat. Die anderen drei Komponisten sind alles Deutsche, hat hier ja gute Erfahrungen gesammelt. Einer davon hat mir aber die Nackenhaare aufstehen lassen. Der Hofproduzent von Hitmaschine und Stilikone Michael Wendler. Außerdem der Produzent von Pietro  und Sara "Engels" Lombardi und ein paar Hits von Mickie Krause. Außerdem Schauspieler bei Berlin Tag&Nacht. Was?

Im Text geht es um ihren Charakter, der von nett und süß (sugar) bis nach wütend und sauer (salt) reichen könne. Ein paar andere Beispiele wie hell und dunkel werden auch genannt. Der Song ist in den Strophen sehr Sia, wenig Instrumente, Fokus auf die Stimme. Danach geht es etwas R&B weiter, bis zum Michael Jackson Schrei und dem Chorus. Dieser kann der aufgebauten Spannung nicht gerecht werden, da er nur aus fallenden oh oh's besteht, wenn das mal keine Warnung ist!

Der Song lebt von der Interpretin und das sollte ihr heute auch bewusst sein. Nur mit ordentlich Temperament und großen Gesten kann sie in den Köpfen bleiben. Insbesondere im Chorus sollte etwas passieren, da die oh oh Stellen gesanglich keine Hürden sind, dem Fluss des Songs aber zum stocken bringt. Mit diesem Upbeat-Beitrag wird sie auf jeden Fall einen Pluspunkt haben. Aber auch sie sollte ihre Kleiderwahl zumindest noch bedenken. Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob eine Blumenbluse die richtige Wahl für einen solch frechen Song ist.

Halbzeit mit Freschta.

Die Schweizer mögen zwar DJ BoBo und können daher als verrückt bezeichnet werden, aber Freschta ist kein typisch schwizer Vorname. Freschta ist eine 20-jährige afghanische Schönheit, die fast ihr ganzes Leben in der Schweiz verbracht hat. Auf Afghanisch hat ihr Name eine tolle Bedeutung: Ängli oder auf Hochdeutsch Engel. Bekannt wurde sie 2014 durch die Teilnahme an the voice, wo sie das Halbfinale erreichen konnte. Darauf schickte sie 2 Songs zum SRF für den ESC, wurde aber bei beiden Versuchen nicht berücksichtigt. Dieses Jahr kam eine Songwriterin auf sie zu und sie schufen zusammen Gold, pardon "gold". Unterstützt wurden die beiden von einem Produzenten, der schon für Cro und Sido arbeitete.

Freschtas Gold ist in Moll geschrieben, ea handelt sich also um ein ziemlich dunkles. Im Text gehe es um Liebeskummer, etwas mit dem sich jeder identifizieren kann. Der Song ist eine klassische Ballade, mit ganz stark zurückgenommener Instrumentation. Dadurch liegt der Fokus voll auf ihrer Stimme und es entscheidet sich recht schnell, ob sie einen berührt oder nicht. Falls sie Erfolg hat, bricht der Hörer jegliche Kommunikation oder Ablenkung ab und versingt in Freschtas Welt. In diesen Augenblick gewinnt sie den Vorentscheid. Aber es gibt auch die Möglichkeit, dass man sich nach 30 Sekunden mit anderen Dingen beschäftigt, da es einen langweilt. Egal wie es ausgehen wird, mich hat sie voll in ihren Bann gezogen.

Genau hier wird der entscheidente Punkt sein. Stimmlich wird sie ganz sicher auftreten, aber alle Aspekte des Stagings müssen perfekt auf ein ander abgestimmt sein, damit wir in ihrer Welt versinken. Dazu gehören Kameraeinstellungen, Schnitte, Blicke, Gesten, Beleuchtung, Kleiderwahl, etc. Letzteres hatte sie bereits angekündigt, werde sie etwas unkonventioneller einsetzen. Ansonsten muss ich Kritikern recht geben, dass es doch etwas zu monoton und eintönig ist. Aber sie hört auf ihre Kritiker, denn sie hat eine etwas neu abgemischte Version veröffentlicht. Etwas mehr Instrumentation und dadurch ein wenig mehr Bewegung. Ich bin sehr gespannt.

Weiter gehts mit Ginta Biku.

Die Sängerin die eigentlich Gintare Kubiliute heißt, wurde in Litauen geboren und wuchs jenseits des Bodensees auf. Die bald 30-jährige kann auf eine festivalreiche und castingarme Vergangenheit zurück blicken. Sowohl in der Schweiz, als auch in ihrem Geburtsland konnte sie einige Erfolge feiern. Nun wird also der ESC mit dem französischen Cet Air La angegriffen!

Der größte Kämpfer ist chancenlos mit stumpfen Waffen. Es wundert mich nicht, dass Preise für ihr Aussehen in ihrer Trivia sind, aber keine stimmlichen Belobigungen. Das ist ganz ganz schlimmer nasaler Gesang und fast so schlimm wie Eric Saade live. Der Unterschied ist, dass Eric Saade immerhin einen tollen Song zerstört, Gintagilde aber schon auf einem Trümmerhaufen steht. Sie versucht modern, gefühlvoll, französisch und Dancequeen in einem zu sein. Ihre drei Tänzer bleiben auf jeden Fall im Kopf, aber die Kleider eben auch. Starlight Express Albatrosse, die sich ihre Flügel für sie ausreißen?! Das war wohl eine fruchtfröhliche Nacht bei der Staging Planung.Ihr Outfit sieht hingegen sensationell aus.

Der Song beginnt mit tropischen Einflüssen und wirkt recht gut. Sobald allerdings die Bridge zum Chorus einsetzt und die Töne länger werden, versagt die Harmonik und das Lied völlig. Spannung und Tempo sind raus, da hilft auch der lyrisch starke La La La La Refrain nicht. Dieser wird in einem Instrumentalwirrwarr aufgelöst, was ich so noch nie gehört habe. Wenn ich ganz viele tolle Elemente in drei Minuten komprimiere, dann erlange ich einen Overkill. Wenn ich aber nur ganz schreckliche Elemente komprimiere, erreiche ich einen negativen Overkill. Mehr muss ich hierzu nicht sagen außer, dass die komplett französische Version deutlich authentischer klingt. Wenn die Komponisten immer sowas produzieren wundert es mich nicht, dass man sie nicht kennt.

Das große Finale für Favorit Timebelle.

Bereits 2015 war diese Multikultiband beim Vorentscheid dabei und galt wie heute als Favorit. Dieses Jahr haben sie aber einiges umgestellt. So wurde die Band halbiert, um der rumänischen Sängerin drei Backgroundsänger zu Verfügung zu stellen. Den Song hat man aus 2015 aus dem tiefsten Kaukasus ausgegraben, denn er wurde 2015 in der internen Bewerbungsrunde in Aserbaidschan ausselektiert. B-Ware scheint aber bei den Schweizern die neue A-Ware zu sein und so nahm sich Timebelle den schwedischen Song.

Nur mit Piano begleitet startet der Song mit der starken Sängerin im schrill gelben Kleidchen, bitte umziehen! Der Song baut sich typisch schwedisch auf und am Ende haben wir einen starken Refrain, der mich etwas zu sehr an Jessie J Nobodys perfekt erinnert. Es ist fast schon bezeichnend, dass diese zweite Wahl überall als Favorit gilt.  Wenn man dazu noch die Inszenierung etwas spannender gestalten würde, wäre der Sieg kaum zu verhindern.

In ein paar Stunden werden die Kandidaten in folgender Reihenfolge antreten:

1.) Nadya - The Fire In The Sky
2.) Ginta Biku - Cet Air Là
3.) Michèle - Two Faces
4.) Freschta - Gold
5.) Shana Pearson - Exodus
6.) Timebelle - Apollo

Somit bekommt Nadya die gute Position, die Bühne zu eröffnen, Freschta, Shana und Timebelle haben ebenfalls Glück gehabt. Ginta kann auf Rang 2 eigentlich gleich aus lassen und Michèle wird auch nicht glücklich sein.

Meine persönliche Wertung sieht so aus:

1.) Freschta - Gold
2.) Timebelle - Apollo
3.) Nadya - The Fire In The Sky

4.) Michèle - Two Faces

5.) Shana Pearson - Exodus
6.) Ginta Biku - Cet Air Là

Die Lücken sollen zusätzlich noch die Abstände zeigen. Nach Betrachtung aller Fakten und Spekulationen, die ich als alternative Fakten bezeichne, erwarte ich folgendes Endergebnis:

1.) Timebelle - Apollo 60% Siegchance
2.) Nadya - Thr Fire In The Sky 15%
3.) Michèle - Two Faces 11%
4.) Freschta - Gold 9%
5.) Ginta Biku - Cet Air Là 4% (da Französisch)
6.) Shana Pearson - Exodus 1%

Viel Spaß beim Vorentscheid und möge die Unschrecklichste gewinnen!

ERGEBNIS: Wie erwartet konnte Timebelle die Mehrzahl der Zuschauer hinter sich bringen. Mit einem Erdrutschsieg von beinahe 50%, sind sie der klare Favorit der Schweiz.

Freitag, 3. Februar 2017

Melodifestivalen Runde 1

Es geht endlich los! Der jährliche feuchte Traum der ESC-Community geht in die erste Runde 2017. Für den unwahrscheinlichen Fall, das ihr noch gar nichts mit der Mutter aller Vorentscheide zu tun hattet, noch einmal kurz die Regeln:
In insgesamt vier Viertelfinals treten jeweils 7 Interpreten gegen einander an (nächsten 4 Samstage). Die Zuschauer stimmen ab und die Platzierten teilen sich so auf:
Rang 1:    -> Finale
Rang 2:   - > Finale
Rang 3:    -> Andra Chansen
Rang 4:    -> Andra Chansen
Rang 5-7 -> fliegen raus

In der Andra Chansen Show versammeln sich somit 8 Beiträge, die jeweils im KO-System halbiert werden. Diese 4 Beiträge kommen auch ins Finale, dass somit 12 Plätze besitzt. Klingt komplizierter als es ist und im Vergleich zum deutschen Vorentscheid ist dieses Verfahren Kindergeburtstag.

Das besondere am Melo ist, dass die Songs bis zur Show nicht veröffentlicht werden, bzw. zur Hauptprobe am Donnerstag. Da erschienen nämlich 1-minütige Auszüge, anhand ich eine Prognose abgebe. Kurz zu den Teilnehmern:

Mit Boris Renè und Ace Wilder haben wir zwei letztjährige Finalteilnehmer an Bord. Ace konnte den 3. Rang erreichen, 2014 sogar wurde sie nur haarscharf als 2. geschlagen. Dinah Na war 2015 Finalteilnehmerin, hatte mit dem Ausgang der Show aber nichts zu tun. De vet du sind der diesjährige Funact, übernehmen also das Erbe von Günther oder Sami und Victor. Nano und Arijana sind frische Gesichter, während Charlotte Perrellis nur dank Botox neu aussieht. Sie gewann das Melodifestivalen 1999 und 2008 und fuhr zum ESC. 1999 holte sie sich die Trophäe, während sie bei ihrer Rückkehr 2008 fast blamabel im Semi hängen geblieben wäre.

An Hand der kurzen Songschnipsel, die hier zusammengefasst wurden, lässt sich nur schwer eine Prognose errichten, aber ich gebe mein bestes. Die genauen Positionen werden übrigens erst nach dem Finale veröffentlicht, um Wähler nicht zu beeinflussen. Die Nummer in der Klammer geben die Startpositionen an.

Rang 1: Nano - Hold On (7)
Rang 2: Ace Wilder - Wild Child (6)
Rang 3: Boris Renè - Her Kiss (1)
Rang 4: Charlotte Perreli - Mitt liv (5)
--------------------
Rang 5: Dinah Na - One more night (3)
Rang 6: De Vet Du - Road Trip (4)
Rang 7: Arijana - Amare (2)

Am Samstag wird es zur besten Sendezeit die Auflösung geben. Mal sehen, ob das stärkste Teilnehmerfeld aller Zeiten, auch das stärkste Melo aller Zeiten wird!

UPDATE:

Die Ergebnisse sind da und es sieht folgendermaßen aus:

Ace Wilder und Nano erreichen direkt das Finale.

Renè und De Vet Du dürfen in die Hoffnungsrunde

Dinah Na, Charlotte und Arijana sind raus.

Somit habe ich drei der vier Qualifikanten richtig bestimmt. Nur der Schlagerqueenbonus bei Perrelli hatte ich für zu hoch erachtet. Fanfavorit Dinah Na konnte sich somit nicht qualifizieren, was sich dennoch andeutete, da die schwedischen Youtuber von DVD eine große junge Fanbase besitzen. Die beiden Lieder, die mir persönlich am besten gefallen sind Ace und Boris, somit also zwei Qualifikanten.

Nächste Woche gibt es das Wiedersehen mit zahlreichen bekannten Gesichtern und einem ehemaligen Sieger!

Mittwoch, 25. Januar 2017

Die ersten Titel stehen

So langsam nimmt der ESC Fahrt auf. Grund genug, zu überblicken, was uns im Mai erwarten wird. Die ersten Kandidaten stehen schon seit einiger Zeit fest. So vertrauen Österreich, Aserbaidschan, die Niederlande, Belgien, Mazedonien, Griechenland, Irland und Zypern auf interne Nominierungen, derren Namen bereits fest stehen, die Lieder jedoch erst später veröffentlicht werden. Dazu kommen dann noch Russland, Bulgarien, Kroatien, Serbien, Frankreich, San Marino, Tschechien und Montenegro hinzu, die allerdings noch keinen Kandidaten auserwählt haben. Armeniens Interpret steht ebenfalls schon fest, gewann einen Vorentscheid allerdings ohne Song. Alle restlichen Länder bestreiten einen Vorentscheid. In drei Fällen stehen die Sieger schon fest.

Albanien Lindita Halimi mit Botë

Die kosovarische Sängerin Lindita Halimi gewann am  Vorabend des heiligen Abends, das traditionsreiche FiK. Festival i Këngës. Dieser Vorentscheid ähnelt stark dem San Remo Festival, mit Orchester, eher konservativer Musik und schicker Abendgarderobe. Ein Bewerbertyp setzt sich hierbei regelmäßig durch. Eine schöne Frau mit großen braunen Augen, die sich die Seele aus dem Leib schreit. 2009-2012 und 2014-2016 war das der Fall.

2017 war die Qualität des Wettbewerbs deutlich geringer als 2015 oder 2016. Die modernen Ansätze infinite und asaj (2016) wurden 2017 nicht fortgeführt und es blieb alles relativ blass. Am Ende überzeugte die in Amerika lebende Lindita die Jury und die Zuschauer (die erstmals abstimmen durften) am meistens. Wenig überraschend singt sie eine laute Ballade und hat große braune Augen. Lindita hat einiges an Erfahrung, nahm an American Idol teil und ist eine Bekannte von Jennifer Lopez. Dazu hat sie eine bewegende Gewichtsverlustsgeschichte, welche sie auf das Cover eines amerikanischen "Brigitte"-Abklatsches brachte. In ihrem Song Botë, Welt, geht es um unseren Planeten, dem es immer schlechter geht. Ein Augenwink auf Donald Trump? Man weiß es nicht. Was man allerdings weiß ist, dass sie den Song selbst geschriehen, pardon, geschrieben hat und zwar auf Englisch. Sie trat bereits 2015 beim FiK an, scheiterte aber an Elhaida Dani und nahm sich die Kritik zu Herzen, dass ihr damaliger Beitrag zu modern war. Somit ließ sie ihren Beitrag dieses Jahr älter wirken und diese Taktik zahlte sich aus.

Bis zum ESC möchte sie den Song noch ordentlich umkrempeln, Englisch, moderner, besser. Da gebe ich ihr recht, denn bisher wirkt es eher wie eine Warmmachübung für ihre Stimmbänder. Stimmlich ist das nicht besser zu machen, aber daran scheitert es selten in Albanien. Das Problem ist es, den Song modern und spannend zu gestalten. Insbesondere, wenn man ihn in Englisch performen will. Und ich hoffe, dass uns der "albanische Revamp" dieses Jahr ersparrt bleibt, dieser ist nämlich die schlimmste Verschlimmbesserung im ESC-Universum. Wozu das führt, sahen wir letztes Jahr, nämlich einem abgeschlagenen Semifinalausscheiden.

Georgien: Tako Gachechiladze mit Keep the faith

Am 20.01 vollführte Georgien als nächstes Land seinen Vorentscheid, und was für einen! 25, in Worte fünfundzwanzig, Beiträge umfasste der georgische ESC. Während des Hörens der Studioversionen, hatte ich schnell einen Favoriten, der sich live allerdings abschoss. Harmonik scheint kein georgisches Wort zu sein, da viele Acts live mehr als nur enttäuschten. Dazu kam oftmals eine minimalistische Bühnenshow hinzu, was die Aufregung doch etwas brach. International wurde schnell eine Favoritin gefunden: Tako.

Die 33-jährige mit den wohl schönsten Haaren seit Serbien 2009, setzte sich am Ende mit der Weltverbesserungsballade durch. Sehr rise like a Phoenix mäßig war ihr Auftritt performt. Am Ende leuchtete sogar die ins Kleid integrierte Lichterkette, WAHNSINN. Keep the faith ist eine sehr stark gesungene Ballade, welche sehr düster und unheimlich geschrieben wurde, von Tako selbst. Dabei singt auch sie sich die Seele aus dem Leib, rettet sich am Ende aber in den Chor, also etwas Arbeit muss da noch gemacht werden. Textlich kann man sie praktisch neben Albanien legen, genau da ist das Problem. Die beiden Lieder ähneln sich in Text, Stimmung, Aufbau und der Performance. Sollte Lindita also nun auch noch auf Englisch setzen, kann man beide kaum noch unterscheiden. Während Botë etwas armosphärischer ist, bleibt Keep the faith eher im Ohr hängen.

Dann kommen wir zum nächsten Problem. Der Background. In diesem erschienen nämlich Schlagzeilen, die einigen Nationen nicht gefallen werden, vor allem Russland. So zum Beispiel: "Russland marschiert in Georgien ein" Fraglich ist, ob die EBU solche Botschaften zulässt, es also als politische Botschaft sieht und nicht als historischer Fakt. Ich persönlich sehe es als historischen Fakt an und würde es daher erlauben. Anders sähe es allerdings aus, wenn man den Konflikt mit der Ukraine einblenden würde, da Russland sich ja offiziell als unbeteiligt dar stellt. Aber das ist ein anderes Thema.

Ohne Tako hier etwas vorwerfen zu wollen, aber ich sehe dort ein sehr brisantes politisches Potential. Denn es wäre nicht das erste Mal, dass Taco damit beim ESC auffällt. Taco war 2009 Mitglied der disqualifizierten Gruppe Georgiens mit dem Titel we don't wanna put in. Anhören, daran denken, dass es einen Krieg im Jahr zuvor mit Russland gab und Wladimir Putin Präsident war.

Weißrussland: Navi

Der Alptraum eines jeden ESC-Fans ist jährlich die Reise in das spärlich besuchte Weißrussland. Nach dem in früheren Jahren oftmals der Beitrag einfach gewechselt wurde, konnte man in den vergangenen Jahren größere Skandale umschiffen. Allerdings ist oftmals der größte Skandal das Teilnehmerfeld. Dieses besteht aus untalentierten Abklatsch aus den 80-ern, ein Großteil jedenfalls.

Dieses Jahr konnte man die Qualität des Felses verbessern, was uns aber nicht vor stimmlichen Totalaussetzern schonte. International war es ein Zweikampf zwischen einer der bekanntesten Bands im kleinen Ruasland und einer Indiefolk-Band, die im dritten Anlauf zum ESC fahrem wollte. Am Ende des Abends wurde klar: Alle guten Dinge sind drei!

Die Band Navi wird somit das erstemal einen Song beim ESC auf weißrussisch präsentieren, Premiere dieser selten gehörten Sprache. Der Song Historyja majho zyccia, zu Deutsch Geschichte meines Lebens, ist ein super einprägsmaer Folkpopsong, der ordentlich zum mitwippen anregt. Das Duo verfügt über eine gute Harmonik und auch die Einzelstimmen sind sehr gut, wobei die Dame den Lockenkopf doch übersingt. Die Stimmung wird ausschließlich über die Musik verkörpert, die Lyrics könnten somit auch völlig unpassend sein, da sie sowieso niemand versteht (wobei Ukrainisch, Russisch und Polnisch sehr verwandte Sprachen sind)

Beim Vorentscheid konnten sie die Herzen des Publikums erobern, die Jury nur bedingt mit einem 5. Platz. Dass diese Kombination tatsächlich für den Sieg reichen kann, galt als relativ unwahrscheinlich. Nun dürfen die gut gelaunten Sänger nach Kiew reisen. Ich wage eine Prognose: Je näher wir an den ESC kommen, desto mehr Stimmen werden auf ein Ausscheiden setzen, denn der Song hat ein großes Problem: Die hey hey hey- Schreie nerven ziemlich schnell. Aber auf Grund der aktuell depressiven Phase Europas (Balladen werden dieses Jahr keine Mangelware sein) ist dieser Beitrag perfekt. Unbeschwert, Locker und catchy. Nach dem ersten Hören, wird schon eifrig mitgesungen, zumindest gesummt. Die breite Masse könnte dieser Farbtupfer in der grauen Masse sehr gut gefallen. Und der BelaExit fürs Finale, der vergangenen beiden Jahre, könnte vergessen gemacht werden.

Das erste offizielle Video im Jahrgang 2017 haben sie auch veröffentlicht.

Wenn wir die ersten drei Songs betrachten, lassen sich noch nicht all zu viele Rückschlüsse ziehen. Die Semifinalauslosung kann da dann etwas mehr Licht ins Dunkel bringen, wobei ich sagen muss: Im Moment gefallen mir alle drei Beiträge ziemlich gut. Stand heute würde ich Belarus auf die 1, Georgien auf die 2 und Albanien (in der aktuellen Version) auf die drei setzen.

Die nächsten Vorentscheide werden aus Uk, Finnland und der Schweiz kommen. Dazu noch die Auslosung der Semifinals.

#roadtokiew