Lisboa 2018

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Mittwoch, 25. Januar 2017

Die ersten Titel stehen

So langsam nimmt der ESC Fahrt auf. Grund genug, zu überblicken, was uns im Mai erwarten wird. Die ersten Kandidaten stehen schon seit einiger Zeit fest. So vertrauen Österreich, Aserbaidschan, die Niederlande, Belgien, Mazedonien, Griechenland, Irland und Zypern auf interne Nominierungen, derren Namen bereits fest stehen, die Lieder jedoch erst später veröffentlicht werden. Dazu kommen dann noch Russland, Bulgarien, Kroatien, Serbien, Frankreich, San Marino, Tschechien und Montenegro hinzu, die allerdings noch keinen Kandidaten auserwählt haben. Armeniens Interpret steht ebenfalls schon fest, gewann einen Vorentscheid allerdings ohne Song. Alle restlichen Länder bestreiten einen Vorentscheid. In drei Fällen stehen die Sieger schon fest.

Albanien Lindita Halimi mit Botë

Die kosovarische Sängerin Lindita Halimi gewann am  Vorabend des heiligen Abends, das traditionsreiche FiK. Festival i Këngës. Dieser Vorentscheid ähnelt stark dem San Remo Festival, mit Orchester, eher konservativer Musik und schicker Abendgarderobe. Ein Bewerbertyp setzt sich hierbei regelmäßig durch. Eine schöne Frau mit großen braunen Augen, die sich die Seele aus dem Leib schreit. 2009-2012 und 2014-2016 war das der Fall.

2017 war die Qualität des Wettbewerbs deutlich geringer als 2015 oder 2016. Die modernen Ansätze infinite und asaj (2016) wurden 2017 nicht fortgeführt und es blieb alles relativ blass. Am Ende überzeugte die in Amerika lebende Lindita die Jury und die Zuschauer (die erstmals abstimmen durften) am meistens. Wenig überraschend singt sie eine laute Ballade und hat große braune Augen. Lindita hat einiges an Erfahrung, nahm an American Idol teil und ist eine Bekannte von Jennifer Lopez. Dazu hat sie eine bewegende Gewichtsverlustsgeschichte, welche sie auf das Cover eines amerikanischen "Brigitte"-Abklatsches brachte. In ihrem Song Botë, Welt, geht es um unseren Planeten, dem es immer schlechter geht. Ein Augenwink auf Donald Trump? Man weiß es nicht. Was man allerdings weiß ist, dass sie den Song selbst geschriehen, pardon, geschrieben hat und zwar auf Englisch. Sie trat bereits 2015 beim FiK an, scheiterte aber an Elhaida Dani und nahm sich die Kritik zu Herzen, dass ihr damaliger Beitrag zu modern war. Somit ließ sie ihren Beitrag dieses Jahr älter wirken und diese Taktik zahlte sich aus.

Bis zum ESC möchte sie den Song noch ordentlich umkrempeln, Englisch, moderner, besser. Da gebe ich ihr recht, denn bisher wirkt es eher wie eine Warmmachübung für ihre Stimmbänder. Stimmlich ist das nicht besser zu machen, aber daran scheitert es selten in Albanien. Das Problem ist es, den Song modern und spannend zu gestalten. Insbesondere, wenn man ihn in Englisch performen will. Und ich hoffe, dass uns der "albanische Revamp" dieses Jahr ersparrt bleibt, dieser ist nämlich die schlimmste Verschlimmbesserung im ESC-Universum. Wozu das führt, sahen wir letztes Jahr, nämlich einem abgeschlagenen Semifinalausscheiden.

Georgien: Tako Gachechiladze mit Keep the faith

Am 20.01 vollführte Georgien als nächstes Land seinen Vorentscheid, und was für einen! 25, in Worte fünfundzwanzig, Beiträge umfasste der georgische ESC. Während des Hörens der Studioversionen, hatte ich schnell einen Favoriten, der sich live allerdings abschoss. Harmonik scheint kein georgisches Wort zu sein, da viele Acts live mehr als nur enttäuschten. Dazu kam oftmals eine minimalistische Bühnenshow hinzu, was die Aufregung doch etwas brach. International wurde schnell eine Favoritin gefunden: Tako.

Die 33-jährige mit den wohl schönsten Haaren seit Serbien 2009, setzte sich am Ende mit der Weltverbesserungsballade durch. Sehr rise like a Phoenix mäßig war ihr Auftritt performt. Am Ende leuchtete sogar die ins Kleid integrierte Lichterkette, WAHNSINN. Keep the faith ist eine sehr stark gesungene Ballade, welche sehr düster und unheimlich geschrieben wurde, von Tako selbst. Dabei singt auch sie sich die Seele aus dem Leib, rettet sich am Ende aber in den Chor, also etwas Arbeit muss da noch gemacht werden. Textlich kann man sie praktisch neben Albanien legen, genau da ist das Problem. Die beiden Lieder ähneln sich in Text, Stimmung, Aufbau und der Performance. Sollte Lindita also nun auch noch auf Englisch setzen, kann man beide kaum noch unterscheiden. Während Botë etwas armosphärischer ist, bleibt Keep the faith eher im Ohr hängen.

Dann kommen wir zum nächsten Problem. Der Background. In diesem erschienen nämlich Schlagzeilen, die einigen Nationen nicht gefallen werden, vor allem Russland. So zum Beispiel: "Russland marschiert in Georgien ein" Fraglich ist, ob die EBU solche Botschaften zulässt, es also als politische Botschaft sieht und nicht als historischer Fakt. Ich persönlich sehe es als historischen Fakt an und würde es daher erlauben. Anders sähe es allerdings aus, wenn man den Konflikt mit der Ukraine einblenden würde, da Russland sich ja offiziell als unbeteiligt dar stellt. Aber das ist ein anderes Thema.

Ohne Tako hier etwas vorwerfen zu wollen, aber ich sehe dort ein sehr brisantes politisches Potential. Denn es wäre nicht das erste Mal, dass Taco damit beim ESC auffällt. Taco war 2009 Mitglied der disqualifizierten Gruppe Georgiens mit dem Titel we don't wanna put in. Anhören, daran denken, dass es einen Krieg im Jahr zuvor mit Russland gab und Wladimir Putin Präsident war.

Weißrussland: Navi

Der Alptraum eines jeden ESC-Fans ist jährlich die Reise in das spärlich besuchte Weißrussland. Nach dem in früheren Jahren oftmals der Beitrag einfach gewechselt wurde, konnte man in den vergangenen Jahren größere Skandale umschiffen. Allerdings ist oftmals der größte Skandal das Teilnehmerfeld. Dieses besteht aus untalentierten Abklatsch aus den 80-ern, ein Großteil jedenfalls.

Dieses Jahr konnte man die Qualität des Felses verbessern, was uns aber nicht vor stimmlichen Totalaussetzern schonte. International war es ein Zweikampf zwischen einer der bekanntesten Bands im kleinen Ruasland und einer Indiefolk-Band, die im dritten Anlauf zum ESC fahrem wollte. Am Ende des Abends wurde klar: Alle guten Dinge sind drei!

Die Band Navi wird somit das erstemal einen Song beim ESC auf weißrussisch präsentieren, Premiere dieser selten gehörten Sprache. Der Song Historyja majho zyccia, zu Deutsch Geschichte meines Lebens, ist ein super einprägsmaer Folkpopsong, der ordentlich zum mitwippen anregt. Das Duo verfügt über eine gute Harmonik und auch die Einzelstimmen sind sehr gut, wobei die Dame den Lockenkopf doch übersingt. Die Stimmung wird ausschließlich über die Musik verkörpert, die Lyrics könnten somit auch völlig unpassend sein, da sie sowieso niemand versteht (wobei Ukrainisch, Russisch und Polnisch sehr verwandte Sprachen sind)

Beim Vorentscheid konnten sie die Herzen des Publikums erobern, die Jury nur bedingt mit einem 5. Platz. Dass diese Kombination tatsächlich für den Sieg reichen kann, galt als relativ unwahrscheinlich. Nun dürfen die gut gelaunten Sänger nach Kiew reisen. Ich wage eine Prognose: Je näher wir an den ESC kommen, desto mehr Stimmen werden auf ein Ausscheiden setzen, denn der Song hat ein großes Problem: Die hey hey hey- Schreie nerven ziemlich schnell. Aber auf Grund der aktuell depressiven Phase Europas (Balladen werden dieses Jahr keine Mangelware sein) ist dieser Beitrag perfekt. Unbeschwert, Locker und catchy. Nach dem ersten Hören, wird schon eifrig mitgesungen, zumindest gesummt. Die breite Masse könnte dieser Farbtupfer in der grauen Masse sehr gut gefallen. Und der BelaExit fürs Finale, der vergangenen beiden Jahre, könnte vergessen gemacht werden.

Das erste offizielle Video im Jahrgang 2017 haben sie auch veröffentlicht.

Wenn wir die ersten drei Songs betrachten, lassen sich noch nicht all zu viele Rückschlüsse ziehen. Die Semifinalauslosung kann da dann etwas mehr Licht ins Dunkel bringen, wobei ich sagen muss: Im Moment gefallen mir alle drei Beiträge ziemlich gut. Stand heute würde ich Belarus auf die 1, Georgien auf die 2 und Albanien (in der aktuellen Version) auf die drei setzen.

Die nächsten Vorentscheide werden aus Uk, Finnland und der Schweiz kommen. Dazu noch die Auslosung der Semifinals.

#roadtokiew

Samstag, 9. April 2016

Semifinale 2: Außenseiter kommen zum Schluss

Am Freitag erlöste die EBU uns endlich und gab die Startreihenfolge in den Semifinals bekannt. Wie immer nach dieser Bekanntgabe, gab es riesige Schockwellen, die durch das ESC-Universum flogen. Ob ein Song zwischen 1-9 oder 10-19 antritt, entschied das Los, die genaueren Positionen wurden vom Regisseur des ESC´s nach dramaturgischen Aspekten eingeordnet. Die Bekanntgabe kam dieses Jahr recht spät, was eigentlich ein Zeichen sein sollte, das sie gut durchdacht sei. Semifinale 1 gibt es hier. Schauen wir sie uns einmal an:

1. Lettland

2. Polen

3. Schweiz

4. Israel

5. Weißrussland

6. Serbien

7. Irland

8. Mazedonien

9. Litauen

10. Australien

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11. Slowenien

12. Rumänien

13. Bulgarien

14. Dänemark

15. Ukraine

16. Norwegen

17. Georgien

18. Albanien

19. Belgien

Die Startposition ist ein oft unterschätzter Faktor, der schon oft für Dramen gesorgt hat. Wie auch im Finale gilt: Je später, desto besser. Das zweite Semifinale gilt als das schwächere, da hier das Feld nicht so homogen ist und die durch Diaspora ohnehin bevorteilten Länder, einen starken Beitrag schicken. 

Die Regisseure können natürlich nicht alle Länder glücklich machen und ich persönlich finde, dass es eine durchaus diskussionswürdige Entscheidung ist. Aber die Quoten für die Qualifikation werden sich nun deutlich verschieben, natürlich in die Richtung der Spätstarter. Ein Orakelspruch wird im Laufe der Woche veröffentlicht werden, meine persönliche Meinung folgt ebenfalls in diesem Post.

Zunächst für die Statistikfreunde eine Qualifikationsquoute für jeden Startplatz seit Einführung des zweiteiligen Halbfinalsystem 2008:

Startplatz 1: 50%

Startplatz 2: 56%

Startplatz 3: 31%

Startplatz 4: 38%

Startplatz 5: 38%

Startplatz 6: 69%

Startplatz 7: 56%


Startplatz 8: 50%


Startplatz 9: 50%

Startplatz 10: 63%

Startplatz 11: 31%

Startplatz 12: 63%

Startplatz 13: 69%

Startplatz 14: 81%

Startplatz 15: 69%

Startplatz 16: 60%

Startplatz 17: 83%


Startplatz 18: 88%

Startplatz 19: 80%

Wenn man also nur nach Statistik geht, würden sich die grün hinterlegten Plätze qualifizieren. Aus dieser Statistik geht eindeutig hervor, dass es sehr wohl auf die Startposition ankommt, wobei Platz 18 der beste ist und Platz 3 & 11 der undankbarste. Aber es kommt natürlich auch darauf an, wer vor und nach dir startet. 

Somit kommen wir zu den Gewinnern und den Verlierern dieses Semifinals:


Unter den Gewinnern sind:

Lettland

Mazedonien
Australien
Ukraine
Georgien
Albanien
Belgien

Lettland darf relativ überraschend den ESC eröffnen. Natürlich ist diese Position nicht gerade beliebt, aber durch drei ruhige Balladen nach ihm, kann er sich ziemlich gut absetzen.

Mazedonien kann auf die stimmliche Gottheit Kaliopi setzen. Ziemlich weit hinten und dann noch zwischen zwei stimmlich wackeligen Acts, besser hätte es kaum kommen können.

Australien bekam den letzten Platz in der ersten Hälfte und startet direkt vor der schwachen Taylor-Swift Attrappe. 

Die Ukraine startet nach den unnötigen Liebessoldaten und somit wird der Kontrast zu ihrem ernsten Song noch größer. 

Albanien und Georgien sind überraschend dort hinten zu finden und haben das Glück, dass kein großer Favorit mehr nach ihnen kommt. Dadurch werden sie auf jeden Fall mehr Votes bekommen, als bisher erwartet. 

Der größte Gewinner der Auslosung ist mit ziemlicher Sicherheit Belgien. Den beliebten Startplatz besetzt, der unmittelbar vor der Leitungsöffnung erklingt und als letzter Eindruck stehen bleibt.

Aber wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer. Diese sind:

Schweiz
Weißrussland
Irland
Slowenien
Dänemark

Die Schweiz hat neben dem Unglück, mit der Nummer 3 zu starten, auch noch das Pech, dass Rykka zwischen 2 deutlich stärkeren Balladen im Sandwich steckt. Mit ihrer wackeligen Stimme kann sie praktisch gleich in Kanada bleiben. Sie ist meine größte Favoritin auf den letzten Platz.

Weißrussland und Irland teilen das Schicksal recht früh und unglücklich eingeteilt zu sein. Beide sind im Sandwich von unglaublich guten Sängern, mit denen sie nicht einmal ansatzweise mithalten können. Dazu sind beide Songs auch noch relativ platt.

Slowenien muss direkt nach Australien ran und wurde als erstes von der zweiten Hälfte zugeteilt.

Dänemark muss sich zwischen den beiden Powerfrauen aus der Ukraine und Bulgarien behaupten. Mit diesem Song eine nahezu unmögliche Herausforderung.

Fazit: Das Ende dieses Semifinals und die hohe Balladenkonzentration zum Anfang überraschen durchaus. Als Spannungseffekt finde ich diesen Außenseiterschluss gar nicht übel. Nur die vielen Balladen zu Beginn, das hätte nicht sein müssen.

Sonntag, 3. April 2016

Weiter geht´s nach Moskau!

Das zweite mehr oder weniger offizielle Jahrgangstreffen, fand am 3.April 2016 in Moskau statt. Viele der anwesenden Acts hatten eine stressige Anreise hinter sich, da sie nur einen Tag zuvor in Riga, auf dem ersten Treffen waren. (Nachzulesen hier und hier) Für dieses Event haben sich insgesamt 12 Künstler angekündigt, nämlich:



  • Iveta aus Hamburg (Armenien)
  • Samra aus Aserbaidschan
  • Hovi aus Israel
  • Ira aus Malta
  • Lidia aus Moldawien
  • Kaliopi aus Mazedonien
  • Ovidiu aus Rumänien
  • Sergey aus Russland
  • Rykka aus der Schweiz
  • Barei aus Spanien
  • Ivan aus Weißrussland
  • Minus One aus Zypern
Die fett gedruckten Namen waren bereits in Riga dabei. Dieses Pre-ESC-Event ist größer als das in Riga, nicht nur wegen der größeren Teilnehmerzahl, sondern wegen dem deutlich größeren Medieninteresse. Auch die Bühne wird hochwertiger aussehen und klingen, als das Scheunentheater in Riga.



Einen ersten Eindruck liefert uns Ivan auf seinem Instagram-Account von der Pressekonferenz.  




 Im Laufe des Tages werden Interviews geführt und Fragen zu der Performance im Mai gestellt. Der Höhepunkt der Veranstaltung ist natürlich das Konzert, in dem alle Künstler ihren Song performen werden. Die Infos, die ich hier über die Interpreten schreibe stammen von Interviews von den Seiten Wiwibloggs und ESC Wissen von A bis Z,ESCKAZ .

Auf der Pressekonferenz waren allerdings nur 9 der 12 Acts anwesend. Rykka, Ovidiu und Iveta waren nicht da, vielleicht kommen sie noch, vielleicht auch nicht. Die Pressekonferenz war nicht zu verarbeiten, da die Akustik sehr schlecht war und die Hälfte der Acts der russischen Sprache mächtig waren und dadurch auch diese sprachen. Barei und Hovi saßen eng bei einander, sie kennen sich ja schon aus Riga. Auffällig war auch, dass Ira sehr außerhalb an einem Einzeltisch saß und auch nicht gerade glücklich aussah. 

1. Iveta aus Hamburg (Armenien):

Iveta war weder auf der Pressekonferenz, noch wurde bisher ein Interview mit ihr veröffentlicht. Daher beziehe ich mich ausschließlich auf ihre Liveperformance.

Der beginnende Sprechgesang wurde textlich geändert, irgendwas mit ich hab dich in meinen Kopf. Die ersten Töne in diesem ruhigen Anfangsteil wackeln noch etwas. Der Text wird aber sehr schön und deutlich von ihr gesungen und die Spannung bleibt erhalten. Die Sirene hat natürlich einen tollen Effekt live. Danach explodiert ja der Song und auch Iveta scheint diesen Teil besonders zu lieben. Stimmlich sehr stark absolviert sie diesen Part. Auch bei diesem Auftritt hat man sich Gedanken zum Staging gemacht. Dunkles Kleid, viel Nebel und einzelne, sehr wirkungsvolle Bewegungen, geben dem Song jetzt schon einen düsteren Touch. 

Wir dürfen also gespannt sein, was sich Armenien für Stockholm ausgedacht hat. Die große Sorge, dass sie dem Song nicht mächtig wird, ist sie schon einmal los, jetzt muss sie nur noch dafür sorgen, dass ihre leisen hohen Töne zu Beginn sitzen und Armenien bekommt das nächste tolle Ergebnis. 



2. Samra aus Aserbaidschan:

Auch von Samra ist noch kein ausführliches Interview erschienen, es gab nur eine ganz kurze Frage nach ihrem Kleid auf dem roten Teppich. Aber beim Kleid bleib ich gleich mal. Es war ein kurzes rotes Kleid, mit einer Art Umhang, der ebenfalls knallrot war. Diejenigen, die den britischen Vorentscheid gesehen haben, können sich wahrscheinlich an dieses Kleid noch erinnern, denn die wahre Siegerin Bianca trug genau dieses Kleid.

Die große Sorge vieler Fans war, dass sie stimmlich nicht an die Studioversion heranreichen würde. Diese Zweifel machte Samra dann aber doch relativ schnell zunichte. Stimmlich sehr stark und sicher, sang sie ihren tollen Song und unterstrich ihre Favoritenposition. Allerdings kann man es nicht performen nennen, da sie nur da stand und gut aussah, das muss man aber auch erst Mal können.


3. Hovi aus Israel:

Hovi war ja auch schon in Riga dabei und spaßte sich da schon in die Herzen vieler Fans und sang einmal wieder sensationell am Abend. Er sei schon oft in Moskau und St.Petersburg gewesen und liebe Russland über alles. Über seinen Kleiderstil sagte er, dass er es liebe teures mit billigem zu vermischen, so dass man keinen Unterschied sähe. Er tue viel für sein Haar, was natürlich viel Zeit in Anspruch nehme. 

Er habe auch von Dana International (Siegerin 1998) und seinem/ihrem Manager, viele Tipps und Tricks für den ESC bekommen. Sein favorisiertes ESC-Lied sei Euphoria von Loreen (Siegerin 2012) und dieses Jahr sieht der Spanien und Finnland (?!) ganz vorne. In seinem Lied gehe es darum, dass man immer das machen solle, worauf man gerade Lust hat und dass man auf die Meinung der Anderen scheißen solle. Ach ja un man solle ihm unbedingt auf Twitter folgen.

Auf der Bühne machte er wieder einen sensationellen Job. Besser kann man diesen Song nicht singen und unsere Diva performte sogar auf der Bühne. Stimmlich wahrscheinlich der beste Mann dieses Jahr und auch ausdruckstechnisch ganz weit vorne dabei. Je öfter ich sein Lied höre, desto mehr glaube ich an eine Qualifikation Israels.



4. Ira aus Malta:

Ira war ja schon in Riga dabei und sollte sich daher stimmlich sicherer fühlen, als die meisten anderen Interpreten. Im Interview gab sie zu Protokoll, dass sie mehr Verantwortung fühle, als bei ihrem Auftritt 2002 beim ESC. Sie habe nun mehr Erfahrung und diese wolle sie nutzen, sie wisse aber nicht, ob sie mehr Erfahrung habe, als andere Acts dieses Jahrgangs. Die größte Änderung sei für sie allerdings die Einführung der Semifinals, da dadurch der Druck auf die Interpreten deutlich vergrößert würde. Sie wiederholte, dass es Malta als isolierte Insel schwer habe, Punkte zu erreichen, da es keine Nachbarländer gäbe. 

Auf ihre Songschreiber Molly Pettersson Hammar angesprochen sagte sie, dass sie eine unglaubliche Person sei und glaube, dass sie Schweden in den nächsten Jahren erfolgreich beim ESC vertreten werde. Bei der Aufzählung ihrer anderen Schreiber hatte sie allerdings Probleme, die Namen zu nennen. 

Bei ihrem Auftritt sah sie dann deutlich besser aus, als noch in Riga. Haare und Make-Up waren eleganter und das Kleid hatte extrem gute Ansätze. Die Hose war sensationell, allerdings gab sie sich obenrum etwas zugeknöpft und auch sie hatte ein Cape. Die Farbe des Kleids (schwarz) passte aber überhaupt nicht zu ihrem fröhlichen Song. Stimmlich war das am Abend dann in dem Rahmen, den man sich von ihr erwartet hat. Sie ist nicht die beste Sängerin und das weiß sie auch, aber sie singt ihr Lied bis auf eine Stelle dann doch annehmbar. Aber das Lied verliert natürlich etwas an Schwung, wenn die Sängerin so mit den Tönen kämpfen muss.





5. Lidia Isac aus Moldawien:

Lidia hat ein modernes zweiteiliges Kleid an, dass in einem nerdhaften blau schwarz Ton gehalten ist und Rauten abbildet. Ihren Haaren hat sie einen Rotstich gegeben, der zu diesem Kleid perfekt passt. Bei ihrem Auftritt hatte sie das Kleid aus dem Vorentscheid an, mein Geschmack ist das wirklich nicht. Ja ich bin jetzt auch ein Mode-Blogger. Sie sei schon seit gestern Nacht in Moskau und hatte heute morgen ein Treffen, mit einem ihrer Komponisten. Sie habe ihren Komponisten beim letzten ESC kennengelernt, als sie als Reporterin für ein moldawisches Portal gearbeitet hatte. Irgendwann habe er ihr dann die Demoversion geschickt und sie sei sofort begesitert gewesen. 

Sie macht gerade ihren Masterabschluss in Moderation (Journalismus?) und spaßt, dass sie dann mit 40 ihre eigene Musiksendung moderieren würde. Über das Staging macht sie einen großen Bogen, sie erwähnt allerdings, dass es sehr dezent ?! sein wird und die Show nicht überzogen sein soll. Ihre Backgroundsänger lasse sie in Moldawien (Richtig so!) und sie glaube, dass ihre neuen aus Schweden kommen. 

Mich persönlich überrascht das schon, da man aus Moldawien genau das Gegenteil gewohnt ist und dieses Jahr wäre eine fast schon überzogene Show schon empfehlenswert. Hoffentlich überschätzt ihr Team den Song nicht so stark, dass es ein dezenter Auftritt bereits genügt. Aber vielleicht hat sie die ESC-Fans auch nur angelogen, damit die Überraschung in Stockholm noch größer ausfällt. Sie hat einen netten, professionellen Eindruck gemacht und ihr englisch war auch sehr angenehm. Ein solider Auftritt von Lidia. Stimmlich hat sie sehr stark zugelegt und singt den ersten Ton im Refrain nun etwas höher. Leider hat sie immer noch eine Tanzlegasthenie.



6. Kaliopi aus Mazedonien:

Kaliopi tritt 2016 bereits zum dritten Mal für Mazedonien beim ESC auf. Und trotz dieser vergleichslosen Zahl, lässt sie sich es nicht nehmen, auch auf diesen Partys vor dem ESC aufzutreten. Sie sei bereits einmal in Moskau gewesen und zwar 1987 mit ihrer Band, bei einem Festival, an dem auch Bon Jovi teilnahm. Kurzer Funfact: 21 ihrer Gegner waren in diesem Jahr noch nicht einmal geboren! Kaliopi nahm zwar nicht am Treffen in Riga teil, aber sie habe in den vergangenen Wochen Fernsehauftritte auf der gesamten Balkanhalbinsel gehabt.

Sie wird ihre große Promotour in Albanien, Bulgarien, London, Amsterdam und eventuell sogar Griechenland fortsetzen. Die alte Dame zeigt mehr Engagement, als alle anderen jüngeren Kollegen. Über ihre Performance sagte sie kein Wort, aber es wird wahrscheinlich so ähnlich werden wie 2012. Für sie sei Dona aktuell der passende Song für ihre Emotionen und sie wünsche sich, dass die Zuhörer das auch spüren können. Sie singt ihren Song auf Mazedonisch, da sie so schlecht Englisch spreche, wie ein Latinosinger. Sie könne es kaum abwarten nach Stockholm zu reisen, da es für sie das Zentrum der Popmusik sei.

Am Abend gab es dann also die Live-Premiere von Dona und was soll ich sagen. Kaliopi ist die Königin des Gesanges. Sensationell, übermenschlich und unglaublich. Diese Begriffe können diese Performance nur ansatzweise in Worte fassen. Für mich ist nun klar, dass Mazedonien im Finale stehen wird, so blind kann Europa gar nicht sein. Augen schließen und genießen bitte.


 

7. Ovidiu aus Rumänien:

Da sind wir schnell fertig. Er war nicht da. 

8. Sergey aus Russland:

Der Gastgeber des ganzen Events ist ja ein riesiger Star in Russland und so verwundert es nicht, dass er überall mit riesigem Applaus begrüßt wurde. Natürlich wurde er zuerst darauf angesprochen, dass er in den Wettbüros gerade auf Platz 1 liegt. Dies sei eine Ehre für ihn, allerdings freue er sich noch nicht darüber, da der Wettbewerb erst im Mai ist und sich bis dahin noch alles ändern könne. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt für ihn, sein Land zu vertreten, da er ein sagenhaftes Team hinter sich stehen habe. In seinem Song gehe es auch speziell um eine Person, die er allerdings nicht nennen möchte.

Er habe viele Tipps von ehemaligen Teilnehmern bekommen, vor allem den, dass er den Moment genießen solle. Auf die Frage, wer seine stärksten Rivalen dieses Jahr sind, gab er die politisch korrekte Antwort, dass alle Länder einen hervorragenden Beitrag schicken und man es schwer einschätzen könne. Er sagte natürlich ebenfalls nichts zu seiner Bühnenpräsentation. 

Bei seiner heutigen Bühnenpräsentation hatte er als einziger sogar Tänzer dabei, mit denen er super interagierte. Die 4 in schwarz gehüllten Tänzer und er hatten eine sehr durchdachte Choreo und nichts wurde dem Zufall überlassen. Gesanglich war er extrem gut, verdächtig gut. Aber spätestens beim ESC würde ein mögliches Playback auffliegen. Mir persönlich ist alles in schwarz dann doch etwas zu dunkel für diesen eigentlich fröhlichen Song. Aber unterm Strich muss man ihm einen Platz auf dem Podest beim ESC wirklich einrechnen, da er wirklich eine Show bietet und nicht nur semioptimal singt (Malta schau Mal!)


9. Rykka aus der Schweiz:

Auch sie war ja bereits in Riga dabei und konnte dabei zwar stimmlich einen guten Eindruck hinterlassen, charakterlich war sie jedoch extrem zurückhaltend und so stellte man sich natürlich die Frage, ob sie vielleicht auch nur einen schlechten Tag hatte. 

Nein, sie ist immer so. Auch in den heutigen Interviews gab sie sich extrem introvertiert und wortkarg. Wenn sie dadurch wenigstens mysteriös wirken würde, aber es sieht einfach nur überheblich und unsympathisch aus. Ihr Album hat sie natürlich auch noch einmal erwähnt. Aber wenig Worte lassen große Taten erhoffen.

Bei ihrer Performance wurden immerhin ihre Stimme weiter verbessert. Die Töne sitzen eigentlich alle, nun müssten diese nur noch schön klingen und sie hätte wieder Chancen auf das Final. Doch im Moment ist sie für mich klar unter dem Strich und sie macht es einer zum Glück sehr leicht, ihr nicht nachzutrauern.



10. Barei aus Spanien:

Barei kam ebenfalls aus Riga, allerdings schon am Morgen mit Hovi und Ira und konnte daher an der Pressekonferenz teilnehmen. Sie klärte nun auch auf, warum sie nicht auf der Stadtbesichtigung durch Riga dabei war. Ihr Koffer war ja verschwunden und sie verbrachte den ganzen Tag damit, beim Flughafen anzurufen und in Erfahrung zu ziehen, wo ihr Gepäck denn nun sei. Ihre ganzen Outfits seien im Gepäck gewesen und er kam erst eine Stunde vor der Show an. 

Für Tel Aviv müsse man sie doch von der Liste streichen, da sie zuhause proben müsse. Sie ist die einzige, die eine halbwegs detaillierte Info ausgegeben hat, wie es bei ihr auf der Bühne aussehen wird. Sie wird mit 5 Backgroundsängerinnen arbeiten, wovon eine nicht auf der Bühne stehen wird, aus Choreographiegründen. Sie wechselte ihren Choreographen ebenfalls und wird nun nicht mehr von einem Deutschen unterstützt. 

Auf der Bühne trug sie ein durchsichtigen Poncho und stimmlich war sie wieder einer der Beste. Ihr Lied ist vom Ambitus natürlich nicht das fordernste, aber lieber singt man ein solches Lied perfekt, als ein schwierigeres schlecht wie Ira aus Malta. Ihre Tanzmoves sind immer noch klasse und sie ist ein supersympathischer Mensch.


11. Ivan aus Weißrussland:

Das glaub ich jetzt nicht...


Ein von wiwibloggs (@wiwibloggs) gepostetes Foto am



Ja, Ivan hatte tatsächlich einen echten Wolf dabei, mitten auf dem roten Teppich! Zum Glück nahm er das arme Tier nicht auch noch auf die Bühne mit, warum die EBU nichts dagegen unternimmt, finde ich nebenbei bemerkt sehr sehr schwach. 

Die Hauptaussage seines Songs sei Hoffnung und Friede. Mehr Neuigkeiten gab es nicht von ihm, da er die selben Fragen gestellt bekam, wie auch in Riga. Stimmlich machte er einen noch besseren Eindruck als in Riga und auch optisch hat er sich etwas einfallen lassen. Und zwar war er ganz in weiß gekleidet, mit weißer Kriegsbemalung im Gesicht. 

Aber mittlerweile verstehe ich sogar die Wolfidee. Sein Gesang hat sich so stark verbessert, dass Weißrussland sogar wieder vom Finale träumen kann. Aber die Performance ist momentan noch zu statisch für einen solchen Song, von daher braucht er eine wunderwolfe Performance. Er wirkt aber irgendwie nicht voll zurechnungsfähig, auch von den Aussagen die er tätigt. Aber Achtung: Verstehen heißt nicht, das ich Verständnis habe.




12. Minus One aus Zypern:

Die zypriotische Band war noch nicht in Riga dabei und haben somit noch nie live ihren Song performt. Der Leadsänger schied ja bei "the voice" in Frankreich aus und hatte somit auch Zeit. Fun Fact: 19 Acts des Jahrgangs 2016, haben einen Bezug zu einer Castingshow. Aber nur 6 konnten ihre Show gewinnen, Poli aus Bulgarien war Jurorin.

Für die Band sei es das erste Mal in Moskau, der Frontsänger Francois sei aber bereits in seiner Jugend öfters da gewesen.Sie seien außerdem sehr gerührt von der Tatsache, dass sie enorm positives Feedback aus ganz Europa bekommen. Ihr Lieblingsbeitrag der Rock(!)band ist übrigens der Siegersong von Céline Dion.

Live waren sie allerdings die Enttäuschung des Abends. Das kann natürlich auch dem extrem lauten Playback liegen, die den Frontmann dazu zwing etwas over the top zu singen. Ich persönlich glaube wirklich, dass Francois bei einem guten Soundcheck auch eine gute Leistung bringen wird. Ich bin mir auch sehr sicher, dass sie ihren Auftritt noch deutlich verbessern werden, da es sehr spontan auf der Bühne aussah. 



Das bringt mich jetzt auch schon zur Gesamtbewertung dieses Treffens, das nur die Interviews und den Auftritt berücksichtigt, nicht die Stärke des Liedes und dessen Qualifikationschancen:

12. Ovidium aus Rumänien: /

11. Minus One aus Zypern: - -

10. Rykka aus der Schweiz: - -

9. Ira aus Malta: -

8. Ivan aus Weißrussland: - (Wegen des Wolfs)

7. Lidia aus Moldawien: 0

6. Sergey aus Russland: + (Wenn es wirklich live war)

5. Samra aus Aserbaidschan: +

4. Iveta aus Armenien: ++

3. Hovi aus Israel: ++

2. Barei aus Spanien: +++

Und meine klare persönliche Gewinnerin des Abend ist eindeutig

1. Kaliopi aus Mazedonien: +++

Das erste Kennenlernen in Riga (Teil 1)

Heute, einen Tag nach dem ersten April, fand das erste Jahrgangstreffen des ESC-Jahrgangs 2016 in Riga statt. Neben dem Kennenlernen standen Interviews, eine Stadtbesichtigung und natürlich die Performance des Liedes auf der Agenda. Es hatten sich die folgenden 10 Acts angemeldet:



  • Weißrussland
  • Bosnien & Herzegowina
  • Bulgarien 
  • Estland
  • Israel 
  • Lettland
  • Malta
  • Serbien
  • Spanien
  • Schweiz 
Aus bisher unbekannten Gründen, waren die bosnischen Teilnehmer nicht in Riga anwesend und so musste sich die Gemeinde mit 9 Songs vergnügen. Bei diesem ersten Treffen werden vor allem die ersten Kontakte geknüpft und manchmal sogar erste Freundschaften gebildet. Hovi aus Israel postete folgendes Bild auf Instagram, auf dem nur der estnische und der lettische Interpret fehlen.


 Zunächst stand der Besuch Rigas auf dem Plan, bei dem Sanja (Serbien), Poli (Bulgarien),IVAN (Weißrussland) und Hovi (Israel) teilnahmen. Ob die anderen Nationen erst später ankamen und deshalb verhindert waren, weiß ich leider nicht. Auffällig bei diesem Rundgang war, dass Poli und Sanja sehr freundschaftlich miteinander umgingen, fast so, als würden sie sich schon seit langem kennen. Das Hovi bei den beiden Diven mit seiner Art super ankommen würde, war schon davor klar. IVAN stand immer etwas abseits, was sicherlich auch mit seinen mäßigen Englischkenntnissen verbunden ist. Jeweils bei Wiwibloggs und bei Esckaz, den beiden größten ESC-Blogs, gaben sie Interviews, die ich jetzt einmal zusammenfasse:

1. Ivan aus Weißrussland:

Zunächst musste der 1,94 m Hüne sich logischerweise zu dem im Internet verbreiteten Video äußern, dass ihn nackt mit echten Wölfen zeigt, die er auch in Stockholm haben möchte. Er sagte, dass die Wölfin Shakira zwar einige Male nach ihm geschnappt hätte, aber nur, um ihm seine Grenzen zu zeigen. Er stehe voll hinter der Idee, nackt unter Wölfen zu performen, da er eine Brücke zwischen Menschen und der Natur bauen will. Das habe dann natürlich keinen sexuellen Hintergrund, sondern sei rein künstlerisch begründet. Und wenn er Leder an hätte, sähe er ja aus wie ein Jäger und er tritt nur deshalb nackt auf, um Verwirrungen zu vermeiden, natürlich...

 Er zählt unter anderem Eric Clapton als musikalisches Vorbild auf und gibt offen und ehrlich zu, dass er natürlich etwas Druck verspürt, da ein ganzes Land auf ihn setzt. Er wurde sogar in der Moskauer Metro erkannt und glaubt daher, dass er in Russland berühmt sei. Und zum Abschluss verrät er noch, dass er nach dem ESC natürlich ein Album auf den Markt bringen wird, das vor allem im Bereich Rock anzusiedeln sein soll.

In den kurzen gesanglichen Auszügen, die er a-capella von sich gab, konnte man eine starke Verbesserung was den Gesang angeht feststellen. In den Interviews hat er eine gewisse Kühle und Distanz zum Interviewer eingehalten und öfters den Blick zu seinem Manager gesucht. Das kann natürlich daran liegen, dass er der Sprache nicht wirklich Herr ist und daher etwas unsicher wirkt. Aber Sympathiepunkte erhält er deshalb natürlich nicht, aber er hat sich wesentlich besser verkauft als seine Vorgänger aus Weißrussland.




2. Poli aus Bulgarien:

 Poli erklärte zunächst, dass sie den Song in nur sehr kurzer Zeit produziert habe und sie daher auch als letzter Act den Song veröffentlicht hat. Sie wurde intern vom bulgarischen Sender nominiert, da sie erfolgreich den JESC 2015 moderiert habe und dadurch den Verantwortlichen gezeigt hätte, dass sie erneut ihr Land repräsentieren könnte. Sie mied es übrigens ihren Song, als Hymne für die Mitglieder der LGBT zu bezeichnen, sondern sagte, dass Liebe die stärkste Verbindung sei, die auch Hass nicht trennen könnte.

Dann wurde sie natürlich noch zu ihrem überraschenden Semifinalaus beim ESC 2011 befragt. Sie antwortete, dass sie natürlich traurig gewesen sei, dass sie den Song nur einmal performen konnte. Allerdings habe sie sich das Ziel gesetzt, dieses Jahr ihren Song dreimal zu singen, also den ESC zu gewinnen. Außerdem ist sie der Meinung, dass der ESC sich mehr in Richtung Westeuropa verschoben hätte und dadurch die traditionellen Klänge aus Osteuropa verloren gingen. Für sie sei das aber kein Problem, da sie Pop und Rock so sehr liebt.

Poli machte einen souveränen und freundlichen Eindruck und man sieht bei ihr die ganze Erfahrung, die sie bereits gesammelt hat. Stimmlich war sie etwas wacklig, aber dennoch souverän. Der Begriff Medienprofi umschreibt sie wohl am besten.




3. Jüri aus Estland:

Zunächst erzählte er seine kleine Anekdote zu seiner so tiefen Stimme. Vor dem Stimmbruch habe er nämlich eine ungewöhnlich hohe Stimme gehabt und musste daher im Chor immer bei den Mädchen sitzen. Er wünschte sich wieder bei den Jungs zu sitzen und mit 15/16 wurde seine Hoffnung erfüllt. Er fülle keinen Druck, obwohl er ja schon zwei Wettbewerbe gewonnen hat. Er sei erst 21 und fühle sich grade wie der König der Welt.

Auf sein Lied angesprochen sagt er, dass die größte Herausforderung für ihn ist, seinen heiteren Charakter nicht im düsteren Lied zu zeigen. Das Lied spiegelt nämlich das Gegenteil seiner selbst da. Er hat auch den ganzen Socialmedia Rummel um seine Person als Mitglied der Baltic boys nicht wahrgenommen. Bei seinem Auftritt wird er sich an seinem Vorentscheid beziehen und diesen mit einigen Überraschungen noch mysteriöser gestalten. Ach ja und das obligatorische Album wird wohl im Herbst erscheinen.

Für mich war er ganz klar der Gewinner dieses Treffens. Er war sowohl in den Interviews, als auch in der Pressekonferenz extrem locker und auch für Späße zu haben. Sein Englisch ist ebenfalls ausgezeichnet und man spürt und sieht, dass dieser junge Mann wirklich den Moment genießt.




4. Hovi aus Israel:

Zunächst erklärte er, dass er mit 14 Jahren seinen Namen in Hovi ändern ließ, weil er diesen Namen wesentlich geeigneter für seine Person fand. Er erklärte, warum er den Songwechsel durchführte. Zwischen den Zeilen konnte man verstehen, dass es größtenteils wegen der schlechten Resonanz vollzogen wurde. Beim Videodreh hatte er Angst, dass ihn die Drohnen die Haare abschneiden und niemand zerstört Hovi´s Haare! Über die Performance lässt er keinen Mucks raus, aber er verneinte nicht, dass Drohnen auf der Bühne fliegen könnten. Er macht keinen Hehl daraus, dass der ESC für ihn eine riesige Plattform ist und sich dadurch seine Albumverkäufe extrem steigern werden. Doch er sagt es auf eine so sympathische Weiße, dass man ihm gar nicht böse sein kann. Er mag die Sonne Tel Avivis übrigens nicht, da sein Make-Up deshalb immer verläuft, außerdem ist Adele sein großes Vorbild.

Hovi zeigt in seiner Erscheinung genau das, was ich mir von ihm für ein erfolgreiches Abschneiden erhofft habe. Er ist der Quotenschwule. Das hört sich jetzt natürlich böse an, aber ich meine es als Kompliment und sehe es als Vorteil. Denn Hovi wird bei dem großen schwulen Publikum super ankommen und seine ganze Aura ist die einer big city bitch. Sobald er in einem Raum ist, erstrahlt dieser im Lichte des Spaßes und seine Schlagfertigkeit macht ihn noch besser. Auch sein Englisch war exzellent und er hat mich mit diesem ersten Auftritt voll und ganz überzeugt und ich sehe wieder Hoffnung für das Finale für Israel.




5. Justs aus Lettland:

Wie auch die Acts zuvor, erklärte er, dass er nichts zu seiner Performance im Mai sagen darf, sie aber deutliche Unterscheide zum Vorentscheid haben wird. Die Kooperation mit Aminata war eher zufällig, bei einem anderen lettischen Musikwettbewerb lernten sie sich kennen und hielten den Kontakt, der dann schließlich zum Song führte.

Er fühlt des Weiteren keinen Druck, obwohl das Interesse am ESC dank Aminata 2015 doch spürbar gestiegen sei. Auch ihm ist das Baltic Boys Video unbekannt und auch mit den Songs seiner Konkurrenten hat er sich noch nicht beschäftigt. Überraschend war allerdings sein klarer Seitenhieb gegen Ivan, dem er vorwirft, dass es darum geht den besten Song darzubieten und nicht alles aufgeblasen zu gestalten, wie z.B. nackt unter Wölfen zu tanzen.  

Ein souveräner, wenn auch nicht ganz überzeugender Eindruck bleibt bei mir von ihm stehen. Er war sehr konzentriert und ehrlich, hat aber die Interviews scheinbar tot ernst genommen. Auch als Gastgeber einen Gast so direkt zu beleidigen, war nicht unbedingt der schlauste Satz. Dennoch ist Justs ein sympathischer Mensch, der auch recht gut Englisch spricht.




Fazit: Wie kamen die einzelnen Acts an?:

Weißrussland: -

Bulgarien: 0

Estland: ++

Israel: +++

Lettland: -

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Samstag, 27. Februar 2016

Der große (nackte?) Ivan will die weißrussischen Flügel wieder ausbreiten

Welches Land hat sich wohl nach Schweden am meisten über Mans´Sieg gefreut? Na die Weißrussen natürlich! Warum? Ganz einfach: Weißrussland nahm bisher 12 Mal teil und konnte sich 4 Mal für das Finale qualifizieren. Besonders daran ist, dass Weißrussland sich immer dann qualifizieren konnte, wenn der ESC in einem skandinavischen Land stattfand. Helsinki (2007), Oslo (2010), Malmö (2013), Kopenhagen (2014) und jetzt also Stockholm (2016)?

Das spannendste am weißrussischen Vorentscheid ist sowieso die Frage, ob der Gewinner wirklich beim ESC starten darf. Schon oft entschieden hohe Tiere beim staatlichen Rundfunk BTRC über das Schicksal des Siegers. Es scheint, als wäre dies in der weißrussischen Verfassung verankert. Dass das total bekloppt ist, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. 2012 gewann Aljona den Vorentscheid und freute sich schon auf Baku. Aber irgendjemand drückte einen Knopf und weg war sie. Wahrscheinlich war ihr Lied nicht voller Nationalstolz (Ich erinnere an den peinlichen 2011 Beitrag I love Belarus) und so wurde eine Band zum ESC geschickt, die die Finalquali als 16. klar verfehlte. Ein Jahr später durfte Aljona nun doch zum ESC und siehe da: Die zweitbeste Platzierung in der weißrussischen ESC-Geschichte. Also war die spannendste Frage am 22. Januar: Fährt der heutige Gewinner wirklich nach Stockholm?

Bis her sieht es ganz gut aus, also dass der Gewinner nach Stockholm fährt. 10 Interpreten nahmen an diesem Vorentscheid teil, der produktionstechnisch zumindest wirklich gut war. Schöne Bühne, hochwertiger Hintergrund und gute Mikrotechnik. Außerdem gab es im Vergleich zum letzten Jahr eine Interval-Act Abnahme von 200%! 

Meine Favoritin beim Anhören der Studioversionen war Napoli. Ein Fehler, wie ich an diesem Abend merkte. Das schöne Lied, dass natürlich an Gravity aus 2013 (Ukraine) erinnert, wurde auf der Bühne völlig entstellt. Wie eine 150-jährige Greisprinzessin stand sie mit viel zu viel Lidschatten und einem unglaublich hässlichen Kleid alleine auf der Bühne und gab sich größte Mühe. keinen Ton zu treffen, das schaffte sie auch....

Und die Konsequenzi ist: Sie startet mit dem selben Lied bald im polnischen Vorentscheid...

Hier die weißrussische Version von Olga im Wunderland

Ich war aber nicht lange geschockt, da meine Lieblingssängerin aus Weißrussland wieder im Finale stand. Mit ihrer kraftvollen, tollen Soulballade hatte sie mich mal wieder in ihrer Hand. Das Weißrussland dafür nicht abstimmen würde, war mir leider klar, aber ich genoss den Moment. Am Ende wurde sie 8.

Meine Lieblingsweißrussin: Anastasiya Malashkevich Pray for love
Aber ein junger Russe überzeugte mich ebenso: Alexander Iwanow, kurz Ivan, stahl allen durch seinen Rocksong die Show. Er sieht zwar etwas ungepflegt aus, aber das passt dann doch irgendwie zu seinem Lied, indem wilde Wölfe im Hintergrund herum rennen.

Am Ende konnte sich Ivan dann tatsächlich knapp gegen Napoli durchsetzen und im Moment darf er nach Stockholm.

Sein Lied Help you fly ist ein klassischer osteuropäischer Rocksong, auch nicht zu hart für Schlagerohren. Bislang kommt es schlecht bei der Community an, obwohl ich es als relativ catchy empfinde und auch seine Stimme sehr mag. Der Song wird gegen Ende doch noch anspruchsvoll und er meistert dies mit Geschick. An der Aufmachung muss natürlich noch verbessert werden. Typisch hierfür wäre eine Band im Hintergrund, mit viel Feuer und Schlagzeug. Eine andere wirklich passende fällt mir grade nicht ein. Vielleicht kann er ja in ein Wolfskostüm schlüpfen und dann eine Wölfin verfolgen, am besten noch mit Ausdruckstanz!!!

In Stockholm könnte die skandinavische Serie Weißrusslands enden. Das Lied ist gut, aber dazu eine passende, nicht überzogene Inszenierung zu finden ist schwierig. Stellt man ihn nur mit Band hin, vergisst man ihn, da er in der ersten Hälfte starten wird. Weißrussland muss die Qualifikation für Finale als Beute sehen und dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren!

Ivan, der wahrscheinliche Vertreter Weißrusslands:


UPDATE 21.03.16: Schon 3 Monate nichts mehr aus Weißrussland gehört! Ivan ist und bleibt der Vertreter Weißrusslands, aber sein Lied kommt immer noch sehr schlecht bei den ESC-Fans an. Das ist also Grund genug, um mal wieder in die ESC-Presse zu kommen. Na und wie geht das am besten? Mit nackten Tatsachen und kuschligen Tierchen, am besten kombiniert. Ja Ivan ist männlich, also ist dieser Versuch etwas unorthodox. Aber wie er in diesem Interview (mit Bild) sagt, ist das nicht das Einzige. Er möchte nackt unter echten Wölfen auftreten, auf der ESC-Bühne! 

Die Chancen, dass auch durchzusetzen, stehen alles andere als gut. Wölfe sind Tiere und daher ausdrücklich davon ausgeschlossen, beim ESC aufzutapsen. Das mit dem Nacktperformen würde natürlich bei der klischeehaften ESC-Community super ankommen, aber ist denke ich auch nicht machbar. Zumindest wird ziemlich sicher nicht alles zu sehen sein, hoffe ich doch. Eventuell wird er nur mit einem Hauch von nichts auftreten, oder tatsächlich nackt auftreten, dabei allerdings nur in jugendfreien Kamerapositionen. Ich würde mein Geld auf die erste Variante setzen.

Und einmal mehr zeigt sich, dass wenn die musikalische Qualität ausgeht, nur noch ausziehen hilft. Zu behaupten nur Frauen dürften das wäre sexistisch, aber in diesem Falle ist das die Wahrheit. Fazit: Ivan muss den nackten Tatsachen ins Auge sehen. Es gibt nur eine sehr sehr kleine Chance für ihn, das Finale zu erreichen.

Update: 24.03.16: Weißrussland hat nun ein "offizielles Video" für Ivan herausgebracht. Aber wie schon bei Island und der Schweiz ist es nur die Liveperformance, unter die die Studioversion gemischt wurde. Also (noch?) kein nackter Ivan im Video. An dem Lied wurde auch etwas gebastelt, aber keine großartigen Veränderungen. Das Lied wird nun mit einem Wolfsheulen eingeleitet, das in einen menschlichen Schrei übergeht. Hier hat man sich offensichtlich an der neuen Präsentationsidee orientiert. Viel helfen wird es Ivan allerdings nicht.