Lisboa 2018

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Montag, 10. April 2017

Das Rennpferd und die 42 Gäule

Fast genau einen Monat noch und wir werden wissen, wer in Kiew die Trophäe mit nach Hause nehmen wird und wo der Eurovision Song Contest 2017 (wohl) statt finden wird. Da mir dieses Jahr leider die Zeit für detaillierte Einzelberichte fehlt, werde ich einige gebündelte Beiträge vor dem Probenbeginn in knapp 3 Wochen veröffentlichen. Beginnen werden wir mit der entscheidensten und wichtigsten Frage: Ja wer wird denn den ESC gewinnen? Dazu begnügen wir uns einer alten britischen Sucht, dem Wetten. Im Internet wimmelt es nämlich nur von Plattformen, die Wetten für den ESC anbieten. Dazu muss man sagen, dass sich diese Plattformen insbesondere in UK, Irland und Australien großer Beliebtheit erfreuen und dadurch eine gewisse Verzerrung entstehen kann, da die eigenen Beiträge gepusht werden. Um die Favoriten zu diskutieren, nehmen wir die aktuellen Top10 der Wette auf den Sieg. Dabei handelt es sich nur um eine Momentaufnahme und nach den Proben & Semifinals ist da immer noch ordentlich Bewegung drin. Auch bedeutet ein vierter Platz beispielsweise nicht, dass man diesen Beitrag auf den vierten Platz vermutet sondern, dass er die viertgrößte Wahrscheinlichkeit hat zu gewinnen, ein großer Unterschied. Die Daten stammen vom 10.4.17 um 12:29 dt. Zeit.

1. Italien
2. Bulgarien
3. Schweden
4. Portugal
5. Belgien
6. Armenien
7. Australien
(8.) Russland
9. Frankreich
10. Aserbaidschan
11. Dänemark
...
24. Deutschland
...
32. Schweiz
...
36. Österreich
...
41. San Marino, Tschechien, Slowenien

Platz 11: Dänemark

Anja Nissen gewann den Dansk Melodi Grand Prix mit ihrem Powerbeitrag "Where I Am". Die beeindruckende Blondine schaffte somit im zweiten Anlauf die Teilnahme am ESC. Mangelndes stimmliches Talent sollte allein schon durch ihren Sieg bei the voice  Australia selbstverständlich nicht der Fall sein. So ist es auch bei ihrem eher blassen Beitrag, der ohne Anja nie und nimmer da oben stehen würde. Die Wettenden hoffen auf einen ähnlichen Effekt von Dami Im und Australien 2016, als sie mit ihrer Stimmakrobatik einen Löwenanteil der Anrufe verursachte. Der Radiopopsong beginnt mit einem an Gospel erinnerten Einstiegschor und verhält sich zu Beginn recht ruhig. Je länger der Song geht, desto mehr kommt die powervolle Stimme hervor. Dazu sieht Anja noch super aus, hat einen exzellenten Modegeschmack und begeistert im letzten Chorus wirklich jeden Zuseher. Anjas Ausrucksstärke wurde im Vorentscheid blind vertraut, ein Konzept im Staging war nicht zu erkennen. In Dänemark war es in den letzten Jahren Tradition, dass der Auftritt nahezu unverändert zum ESC gebracht wird. Für Dänemark spricht außerdem​ die skandinavische Allianz, die sich gegenseitig gerne Punkte zuschiebt (insbesondere im Zuschauervoting). Dazu kommt sowohl im Semi als auch im Finale, dass sie in Australien praktisch eine sichere 12 der Zuschauer haben wird. Es gibt nur 10 Länder mit höheren Chancen auf den Sieg, laut Wettanbietern.

Platz 10: Aserbaidschan

Der Kaukasus ist durch Dihaj und ihrem Song "Skeletons" ebenfalls im Favoritenkreis. Die Mutter eines Sohnes verbringt viel Zeit in London, schreibt dort ihre eigene moderne Elektro-Musik. Für den ESC hat sich Aserbaidschan allerdings erneut für einen schwedischen Export entschieden. Die moderne Instrumentierung wird durch einen hymnischen, mehrschichtigen Chorus ergänzt und weckt ein modernes, dunkles Gefühl. Beim Staging war Aserbaidschan dazu nie verlegen Dinge auszuprobieren und mit der erfahrenen Künstlerin Dihaj könnte ein kurzweiliges Intermezzo bevorstehen. Sie hat bereits ein aufwendiges Staging angedeutet. Stimmlich ist Dihaj erste Ware und mit der größte Star aus Aserbaidschan. Außerdem verfügt auch Aserbaidschan über viele wohlwollende Nationen in Osteuropa (besonders Georgien, Israel). Dazu kommen oft unerklärlich gute Resultate aus kleineren Ländern, die Raum für Spekulationen (und Pre-Paid Handys) lassen, aber Aserbaidschan fleißig Punkte gibt.

Platz 9: Frankreich

Alma wird Frankreich mit "Requiem" vertreten, dass bilingual vorgetragen wird. Frankreich schaffte nach langer Durststrecke letztes Jahr mit Rang 5 den Befreiungsschlag und hofft diesen Trend beibehalten zu können. Alma arbeitet dabei mit dem Komponisten des letzten Jahres zusammen, hat also durchaus Grund optimistisch zu sein. Der leicht orientalische Einfluss ihres Beitrages , könnte in Osteuropa noch zusätzlich einiges rausreißen. Live hält sie, was die Studioversion verspricht und der Charakter des Liedes lässt ein interessantes Staging zu. Dank der Big5 Regelung muss sie nicht ins Semifinale.

Platz 8: Russland

In meinem letzten Post habe ich praktisch alles über Russland gesagt, was es zu sagen gab. Ich denke nicht, dass Russland teilnehmen wird und daher streiche ich sie aus der Wertung.

Edit 15.4.17: Russland wird nicht teilnehmen und den Wettbewerb ebenfalls nicht ausstrahlen.

Platz 7: Australien

Die Fern-Fern-Ost-Erweiterung 2015 brachte eine neue Instanz, die regelmäßig um den Sieg mitsingt. Mit Rang 5 und 2 kann Australien jenseits jeglicher Diaspora, auf Qualität und Klasse setzen. So auch dieser Jahr mit dem Song "Don't come easy", gesungen von einer 17-jährigen Aboriginal person. Das sehr an Sam Smith angelegte Paket könnte ohne Probleme im Radio gespielt werden und unterscheidet sich nicht von Chartrennern. Die Single konnte sogar in Skandinavien vereinzelte Platzierungen in den Charts verbuchen. Da Australien in den letzten beiden Jahren beim Staging beeindruckte, liegt die Messlatte hoch. Auch stimmlich sind Guy Sebastian und Dami Im in einer handverlesenen Gesellschaft, in die man dieses Jahr erneut vorrücken muss. Die Ballade ermöglicht nebenbei das Verzieren wie Dami Im.

Platz 6: Armenien

Für mich Recht überraschend befindet sich Armenien weit vorne mit der Modeikone Artsvik und ihrem "Fly With Me". Der mit Ungarn einzige traditionelle geprägte Beitrag ist praktisch eine einzige Steigerung, mit der sehr starken Sängerin Artsvik. Es erinnert nicht grundlos an Iveta letztes Jahr, da das selbe Komponisten Ehepaar dahinter steckt. Mit diesen Klängen gelang Armenien der 7. Rang. Der aktuelle Song schreit nach einem aufregenden Staging, da der Song keine Hook bietet. Hier werden die armenischen Choreographen wieder Höchstarbeit leisten, Beyoncé ist die Grenze, die Iveta ehrlicherweise kratzte.

Platz 5: Belgien

Lange lange mit Italien vorne, wurde Belgien auf Grund der Promoevents etwas Wind aus den Segeln genommen. Blanche mit "City lights" befindet sich irgendwo zwischen Lana Del Rey und Lorde. Bei den Preview Events in London und Tel Aviv (Amsterdam musste sie krankheitsbedingt absagen) konnte sie mit ihrer Stimme beeindrucken, doch wirkte wie ein scheues Reh, auch während der Performance. Vertrauen sollte Blanche in die belgische Delegation haben, was man mit Laura letztes Jahr anstellte ist immer noch unfassbar, diese Charismabombe! Bei Blanche muss man ja nur für drei Minuten einen sicheren Eindruck vermitteln. Dazu wird ein modernes, kreatives Staging erwartet, der Song könnte die Radiostationen nach dem ESC fluten.

Platz 4: Portugal
Portugal setzt auf eine verträumte Disney Ballade, die selbst in den 60-ern als altbacken gegolten hätte. Jedoch schauen viele melancholisch auf diesen Beitrag und versinken in eine andere Welt. Dazu ist Portugal der kleine tapsige Welpe, der beim ESC immer auf die Schnauze fliegt und liebevoll von den ESC-Fans wieder hingerichtet wird. Somit wird ein guter Song Portugals oftmals super doll gehypte. Das Staging wird simpel bleiben und wir haben die unprovokatiefste Ballade auf dem kontroversen vierten Platz.

Platz 3: Schweden

Das Melodifestivalen fand einen recht überraschenden Ausgang, als sich zwischen den Favoriten Nano, Wiktoria und Mariette, Robin durchsetzen konnte. Sein Titel "I can't go on" ist lyrisch kein Meisterwerk, verfügt aber über eine unfassbar packende Hook. Der Song wird des Weiteren als eher Nummer sicher beschrieben, was aber mit dem Staging wieder ausgeglichen wird, wie so oft in Schweden. Beginnend im Backstage Bereich, wandert Robin mit seinen 5 Kumpels in maßgeschneiderten Anzügen die Bühne hoch, um dort mit ihnen auf Laufbändern selbstsicher zu posieren. Auf der Bühne wirkt das alles sehr selbstbewusst (verliebt), abseits der Bühne ist Robin jedoch scheu wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Da Christer Björkman als Messias nach Kiew berufen wurde, kann Robin mit großer Sicherheit sein Staging zum ESC bringen, wie üblich in Schweden. Somit ist das potentielle Versagen beim Staging für Schweden ausgeschlossen und ist ein sicherer Hafen für Wettbegeisterte.

Platz 2: Bulgarien

Wer hätte gedacht, dass Bulgarien einmal bei den Wetten soweit vorne liegen würde? Das Land, welches in den Jahren 2011-2013 das Finale verpasste und daraufhin bis 2016 auf weitere Enttäuschungen verzichtete. Nach Poli Genovas sensationellen vierten Rang letztes Jahr, lebt der Hype weiter mit dem erst 17 jährigen Kristian Kostov. Das wohl größte Talent Bulgariens hat russische Wurzeln und lebt, besonders in der aktuellen Zeit, das Motto Celebrate diversity, da seine Familie harmonievoll in Muslime und Christen unterteilt werden kann. Natürlich sind die hervorragenden Quoten auch mit dem Hype zu erklären, aber sie kommen nicht von ungefähr. Beautiful Mess ist eine klassische Ballade mit modernen Einflüssen und herrausragender Melodieführung. Dazu die gefühlvolle Stimme von Kristian und man ist der Hauptherausforderer von Goliath. Teile des Autorenteams haben schon Poli Genovas Song produziert und sind des weiteren mit Serbien und Mazedonien gleich drei Mal dieses Jahr vertreten. Beim Staging wird auch einiges erwartet, um der Favoritenrolle gerecht zu werden. Dazu kommt noch, dass durch Russlands Absage viele Punkte (besonders im Televoting) wieder verfügbar sind und von jemanden abgeholt werden müssen.

Platz 1:

Mit 22% Gewinnchance bei den Buchmachern gut 10% vor allen anderen Beiträgen, so gefällt es der Charismagranate Francesco Gabbani. Sein guter Laune Song geht sofort ins Ohr, trotz Sprachbarriere und kann der nächste große Wurf des ESC'S seit Loreen werden. Dazu kommt ein einfacher Tanz mit einem Gorilla und Anfeuerungsrufe im Song, die sicher in Kiew groß eingefangen werden. Dabei hat sein Occidentalis Karma einen sehr lustigen, dennoch ernsten und hochwertigen Kern. Westeuropäer bilden sich nämlich ein mit Yoga, YingYang, Karma, Namaste und Co ihr Leben zu verbessern, obwohl wir das alles nicht wirklich verstehen und im Grunde immernoch Affen sind, die ihren Trieben nach gehen. Das alles beruht auf einem Studium eines Buches eines Biologen, das Gabbani auf die Idee brachte. Das Staging steht, der Song ist jetzt bereits der erfolgreichste ESC Song auf YouTube aller Zeiten und die Frage ist nur: Rom, Neapel oder Verona? Gabbani favorisiert übrigens Mailand, so weit ist es schon, die Spannung war letztes Jahr doch etwas größer. Doch wer weiß, vielleicht erweißt sich Gabbani als größter FanFavoritFail (FFF) aller Zeiten!

Montag, 18. April 2016

Bulgarien schickt Alleskönnerin

"Scheitern ist ein Umweg, keine Sackgasse"
Zig Ziglar 

Dieses schöne Zitat vm US-Amerikaner Zig Ziglar, lässt sich gut auf die diesjährige bulgarische Interpretin beziehen oder auf die bulgarische Vergangenheit beim ESC generell. Die doppelte Rückkehr aus Bulgarien zum ESC erfreut die Fans im ganzen ESC-Universum, nur bleibt die Frage, ob sich diese Freude auch im Mai bezahlbar macht.

Bulgarien nimmt erst seit 2005 beim ESC teil und gehört damit auch eher zu den Spätstartern. Das Land kann sich aber damit rühmen, eines der schlechtesten im ESC-Universum zu sein, also was die Ergebnisse betrifft. Bei bisher 9 Teilnahmen gelang ihnen nur ein Mal die Qualifikation fürs Finale. Doch der Schein trügt.

Bulgariens erfolgreichste Platzierung war logischerweise die Finalqualifizierung 2007. Allerdings erhielt das Duo damals 157 Punkte, was den 5. Platz nach sich zog. Auch die anderen Beiträge waren nie im Bereich der Letzten in den Semis. So landeten sie bereits 4 Mal entweder auf der 11 oder der 12, knapp daneben ist eben auch vorbei. Somit darf man das Land allerdings nicht als ein ESC-Schlusslicht bezeichnen, sie hatten und haben eben nur viel Pech. Nachdem 2013 das Duo, welches für den 5. Platz verantwortlich war, auch als 12. scheiterte, setzte Bulgarien aus. Dazu kamen dann noch finanzielle Probleme, die bereits eine Rückkehr 2015 einen Strich durch die Rechnung machten. Nun, 2016, feiert das Land seine 10. Teilnahme und nun soll alles besser werden.

Die Bulgaren versuchten es bislang auch immer sehr demokratisch und veranstalteten nationale Vorentscheide. Durch die aktuell aber klamme finanzielle Lage, war es dieses Jahr nicht möglich und so wurde intern bestimmt. Aber wer soll die Last auf sich nehmen?

Die Lösung für viele Fans lag auf der Hand: Poli Genowa wird gebraucht! Sie ist ein Multitalent, erfahren und dazu hat sie noch tolle Songschreiber. Diese Gebete wurden offenbar erhört, denn im Dezember wurde bekannt gegeben, dass sie Bulgarien vertreten werde.

Auch beim ESC ist Poli keine Unbekannte. Die 1987 in Sofia geborene Bulgarin ist sozusagen die Helene Fischer des Landes. In nahezu jeder bedeutenden Show hinterlässt sie ihre Fußabdrücke. So war sie schon Juror bei The voice, nahm bei Sing wie dein Star und Let´s Dance teil, spielt in mehreren Musicals und synchronisiert für Disney. Außerdem ist sie noch UNICEF-Botschafterin. Ein wahres Multitalent. 

Es begann aber alles damit, dass sie in einer Kindergruppe erste Erfahrung beim Fernsehen sammeln konnte. Darauf folgte ein Studium der Klarinette und des Films. Nach gescheiterten Anläufen bei den Vorentscheiden zum ESC 2005 und 2006, sie war 16 bzw. 17, schaffte sie es 2011 den Vorentscheid zu gewinnen. Somit durfte sie in Düsseldorf auftreten und wurde schnell zu einer Art Fanfavorit. Ihr rockiger Song mit Klaviereinflüssen in Landessprache, war äußerst beliebt und auch eine neue Hoffnung für das so gebeutelte Bulgarien. Dann kam im Halbfinale der Schock: Platz 12. Nur 6 Punkte von der Qualifikation entfernt. Europa war geschockt.


Poli´s Karriere nahm erst nach diesem vermeintlichen Misserfolg Fahrt auf und sie war in Bulgarien praktisch omnipräsent. Als dann auch noch 2015 Italien die Ausrichtung des JESC´s verweigerte, durfte Bulgarien als Zweitplatzierter diesen ausrichten. Die Moderatorin war, wer auch sonst, Poli Genowa.

Ein von Junior Eurovision Song Contest (@junioreurovisionofficial) gepostetes Foto am  


Spätestens ab diesem Zeitpunkt wollten die ESC-Fans ihre Poli zurück und scheinbar ist diese Reaktion dem bulgarischen Broadcaster nicht entgangen. So kommt Poli also zurück, stärker wie je zuvor.


Hier ist der bulgarische Beitrag zum ESC 2016 von Poli Genowa If love was a crime:


Poli schrieb auch an #ILWAC mit und auch ihr Songwriterteam blieb im großen und ganzen unverändert zu 2011. Sowohl der Österreicher Sebastian Arman, der auch Heroes von Conchita (Österreich 2014) schrieb, als auch Boris Milanow aus Bulgarien, unterstützten sie bei der Produktion des Songs. Zum Team stieß dann auch noch der äußerst erfolgreiche Produzent Joacim Persson, der unter anderem schon für Kelly Clarkson und Aura Dione arbeitete. 

Das Lied ist ein schneller Partysong, der bis auf eine Zeile ausschließlich in Englisch dargeboten wird. Der Vers ist dabei relativ schlicht gehalten, obwohl relativ schnell die Spannung steigt. Der Prechorus wirkt wesentlich stärker als der Refrain selber, der auf Bulgarisch ist. Der zweite Vers besitzt keine Steigerung und auch keine neuen Instrumente. Der zweite Refrain wirkt etwas krafvoller, aber eine richtige Steigerung gibt es bisher nicht. Darauf folgt ein kurzes Instrumentalsolo, bei dem eine Flöte in Vordergrund tritt und dadurch etwas osteuropäisches Feeling aufkommt. Die Bridge ist an sich nur eine Steigerung zum letzten Refrain, dass noch mit einem Saxophon verstärkt wird.

Im Text geht es um eine verbotene Liebe zwischen zwei sich liebenden Menschen. Dabei haben Freunde oder die Familie Zweifel an der Beziehung und versuchen diese zu verhindern. Aber die beiden sind ein so gutes Team, dass es sie nicht interessiert, was die anderen sagen. Besonders auffällig dabei ist, dass eine hohe Stimme zu Beginn des Liedes " ich glaube nicht in Liebe" sagt. Dabei könnten eben diese Stimmen des Umkreises gemeint sein.

Warum der Song unter den Fans so gehyped wird hat natürlich den Grund, dass es für viele schon als Hymne für die LGBT-Community gilt. Dabei hat Poli das nie verlauten lassen, sogar eher verneint. Aber die Tatsache, dass Liebe eben in einigen Regionen tatsächlich ein Verbrechen ist, bekräftigt wiederum die Community in ihrer Deutung. Also entweder klasse PR-Arbeit oder reiner Zufall, ich tippe auf die PR.

Für die Präsentation wünsche ich mir eine hellere Visualisierung als im Video. Das wirkt zu teilen doch sehr düster und etwas schnell produziert. Auf der Bühne erwarte ich außerdem Tänzer, Poli selbst kann dem Publikum auch ordentlich einheizen. 3 Minuten Party müssen das ausgesprochene Ziel sein, das wäre super! 

Die Chancen für Bulgarien stehen ausgezeichnet. Fürs Gewinnen ist das Lied wohl doch etwas zu gewöhnlich und zu viele andere, fischen in diesen Gewässern. Aber die Qualifikation sollte im schwächeren Semifinale dann doch fast schon sicher sein. Somit dauerte der Umweg zwar 5 Jahre, aber die Gaststätte ist in Sichtweite.


Samstag, 9. April 2016

Semifinale 2: Außenseiter kommen zum Schluss

Am Freitag erlöste die EBU uns endlich und gab die Startreihenfolge in den Semifinals bekannt. Wie immer nach dieser Bekanntgabe, gab es riesige Schockwellen, die durch das ESC-Universum flogen. Ob ein Song zwischen 1-9 oder 10-19 antritt, entschied das Los, die genaueren Positionen wurden vom Regisseur des ESC´s nach dramaturgischen Aspekten eingeordnet. Die Bekanntgabe kam dieses Jahr recht spät, was eigentlich ein Zeichen sein sollte, das sie gut durchdacht sei. Semifinale 1 gibt es hier. Schauen wir sie uns einmal an:

1. Lettland

2. Polen

3. Schweiz

4. Israel

5. Weißrussland

6. Serbien

7. Irland

8. Mazedonien

9. Litauen

10. Australien

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11. Slowenien

12. Rumänien

13. Bulgarien

14. Dänemark

15. Ukraine

16. Norwegen

17. Georgien

18. Albanien

19. Belgien

Die Startposition ist ein oft unterschätzter Faktor, der schon oft für Dramen gesorgt hat. Wie auch im Finale gilt: Je später, desto besser. Das zweite Semifinale gilt als das schwächere, da hier das Feld nicht so homogen ist und die durch Diaspora ohnehin bevorteilten Länder, einen starken Beitrag schicken. 

Die Regisseure können natürlich nicht alle Länder glücklich machen und ich persönlich finde, dass es eine durchaus diskussionswürdige Entscheidung ist. Aber die Quoten für die Qualifikation werden sich nun deutlich verschieben, natürlich in die Richtung der Spätstarter. Ein Orakelspruch wird im Laufe der Woche veröffentlicht werden, meine persönliche Meinung folgt ebenfalls in diesem Post.

Zunächst für die Statistikfreunde eine Qualifikationsquoute für jeden Startplatz seit Einführung des zweiteiligen Halbfinalsystem 2008:

Startplatz 1: 50%

Startplatz 2: 56%

Startplatz 3: 31%

Startplatz 4: 38%

Startplatz 5: 38%

Startplatz 6: 69%

Startplatz 7: 56%


Startplatz 8: 50%


Startplatz 9: 50%

Startplatz 10: 63%

Startplatz 11: 31%

Startplatz 12: 63%

Startplatz 13: 69%

Startplatz 14: 81%

Startplatz 15: 69%

Startplatz 16: 60%

Startplatz 17: 83%


Startplatz 18: 88%

Startplatz 19: 80%

Wenn man also nur nach Statistik geht, würden sich die grün hinterlegten Plätze qualifizieren. Aus dieser Statistik geht eindeutig hervor, dass es sehr wohl auf die Startposition ankommt, wobei Platz 18 der beste ist und Platz 3 & 11 der undankbarste. Aber es kommt natürlich auch darauf an, wer vor und nach dir startet. 

Somit kommen wir zu den Gewinnern und den Verlierern dieses Semifinals:


Unter den Gewinnern sind:

Lettland

Mazedonien
Australien
Ukraine
Georgien
Albanien
Belgien

Lettland darf relativ überraschend den ESC eröffnen. Natürlich ist diese Position nicht gerade beliebt, aber durch drei ruhige Balladen nach ihm, kann er sich ziemlich gut absetzen.

Mazedonien kann auf die stimmliche Gottheit Kaliopi setzen. Ziemlich weit hinten und dann noch zwischen zwei stimmlich wackeligen Acts, besser hätte es kaum kommen können.

Australien bekam den letzten Platz in der ersten Hälfte und startet direkt vor der schwachen Taylor-Swift Attrappe. 

Die Ukraine startet nach den unnötigen Liebessoldaten und somit wird der Kontrast zu ihrem ernsten Song noch größer. 

Albanien und Georgien sind überraschend dort hinten zu finden und haben das Glück, dass kein großer Favorit mehr nach ihnen kommt. Dadurch werden sie auf jeden Fall mehr Votes bekommen, als bisher erwartet. 

Der größte Gewinner der Auslosung ist mit ziemlicher Sicherheit Belgien. Den beliebten Startplatz besetzt, der unmittelbar vor der Leitungsöffnung erklingt und als letzter Eindruck stehen bleibt.

Aber wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer. Diese sind:

Schweiz
Weißrussland
Irland
Slowenien
Dänemark

Die Schweiz hat neben dem Unglück, mit der Nummer 3 zu starten, auch noch das Pech, dass Rykka zwischen 2 deutlich stärkeren Balladen im Sandwich steckt. Mit ihrer wackeligen Stimme kann sie praktisch gleich in Kanada bleiben. Sie ist meine größte Favoritin auf den letzten Platz.

Weißrussland und Irland teilen das Schicksal recht früh und unglücklich eingeteilt zu sein. Beide sind im Sandwich von unglaublich guten Sängern, mit denen sie nicht einmal ansatzweise mithalten können. Dazu sind beide Songs auch noch relativ platt.

Slowenien muss direkt nach Australien ran und wurde als erstes von der zweiten Hälfte zugeteilt.

Dänemark muss sich zwischen den beiden Powerfrauen aus der Ukraine und Bulgarien behaupten. Mit diesem Song eine nahezu unmögliche Herausforderung.

Fazit: Das Ende dieses Semifinals und die hohe Balladenkonzentration zum Anfang überraschen durchaus. Als Spannungseffekt finde ich diesen Außenseiterschluss gar nicht übel. Nur die vielen Balladen zu Beginn, das hätte nicht sein müssen.

Sonntag, 3. April 2016

Das erste Kennenlernen in Riga (Teil 1)

Heute, einen Tag nach dem ersten April, fand das erste Jahrgangstreffen des ESC-Jahrgangs 2016 in Riga statt. Neben dem Kennenlernen standen Interviews, eine Stadtbesichtigung und natürlich die Performance des Liedes auf der Agenda. Es hatten sich die folgenden 10 Acts angemeldet:



  • Weißrussland
  • Bosnien & Herzegowina
  • Bulgarien 
  • Estland
  • Israel 
  • Lettland
  • Malta
  • Serbien
  • Spanien
  • Schweiz 
Aus bisher unbekannten Gründen, waren die bosnischen Teilnehmer nicht in Riga anwesend und so musste sich die Gemeinde mit 9 Songs vergnügen. Bei diesem ersten Treffen werden vor allem die ersten Kontakte geknüpft und manchmal sogar erste Freundschaften gebildet. Hovi aus Israel postete folgendes Bild auf Instagram, auf dem nur der estnische und der lettische Interpret fehlen.


 Zunächst stand der Besuch Rigas auf dem Plan, bei dem Sanja (Serbien), Poli (Bulgarien),IVAN (Weißrussland) und Hovi (Israel) teilnahmen. Ob die anderen Nationen erst später ankamen und deshalb verhindert waren, weiß ich leider nicht. Auffällig bei diesem Rundgang war, dass Poli und Sanja sehr freundschaftlich miteinander umgingen, fast so, als würden sie sich schon seit langem kennen. Das Hovi bei den beiden Diven mit seiner Art super ankommen würde, war schon davor klar. IVAN stand immer etwas abseits, was sicherlich auch mit seinen mäßigen Englischkenntnissen verbunden ist. Jeweils bei Wiwibloggs und bei Esckaz, den beiden größten ESC-Blogs, gaben sie Interviews, die ich jetzt einmal zusammenfasse:

1. Ivan aus Weißrussland:

Zunächst musste der 1,94 m Hüne sich logischerweise zu dem im Internet verbreiteten Video äußern, dass ihn nackt mit echten Wölfen zeigt, die er auch in Stockholm haben möchte. Er sagte, dass die Wölfin Shakira zwar einige Male nach ihm geschnappt hätte, aber nur, um ihm seine Grenzen zu zeigen. Er stehe voll hinter der Idee, nackt unter Wölfen zu performen, da er eine Brücke zwischen Menschen und der Natur bauen will. Das habe dann natürlich keinen sexuellen Hintergrund, sondern sei rein künstlerisch begründet. Und wenn er Leder an hätte, sähe er ja aus wie ein Jäger und er tritt nur deshalb nackt auf, um Verwirrungen zu vermeiden, natürlich...

 Er zählt unter anderem Eric Clapton als musikalisches Vorbild auf und gibt offen und ehrlich zu, dass er natürlich etwas Druck verspürt, da ein ganzes Land auf ihn setzt. Er wurde sogar in der Moskauer Metro erkannt und glaubt daher, dass er in Russland berühmt sei. Und zum Abschluss verrät er noch, dass er nach dem ESC natürlich ein Album auf den Markt bringen wird, das vor allem im Bereich Rock anzusiedeln sein soll.

In den kurzen gesanglichen Auszügen, die er a-capella von sich gab, konnte man eine starke Verbesserung was den Gesang angeht feststellen. In den Interviews hat er eine gewisse Kühle und Distanz zum Interviewer eingehalten und öfters den Blick zu seinem Manager gesucht. Das kann natürlich daran liegen, dass er der Sprache nicht wirklich Herr ist und daher etwas unsicher wirkt. Aber Sympathiepunkte erhält er deshalb natürlich nicht, aber er hat sich wesentlich besser verkauft als seine Vorgänger aus Weißrussland.




2. Poli aus Bulgarien:

 Poli erklärte zunächst, dass sie den Song in nur sehr kurzer Zeit produziert habe und sie daher auch als letzter Act den Song veröffentlicht hat. Sie wurde intern vom bulgarischen Sender nominiert, da sie erfolgreich den JESC 2015 moderiert habe und dadurch den Verantwortlichen gezeigt hätte, dass sie erneut ihr Land repräsentieren könnte. Sie mied es übrigens ihren Song, als Hymne für die Mitglieder der LGBT zu bezeichnen, sondern sagte, dass Liebe die stärkste Verbindung sei, die auch Hass nicht trennen könnte.

Dann wurde sie natürlich noch zu ihrem überraschenden Semifinalaus beim ESC 2011 befragt. Sie antwortete, dass sie natürlich traurig gewesen sei, dass sie den Song nur einmal performen konnte. Allerdings habe sie sich das Ziel gesetzt, dieses Jahr ihren Song dreimal zu singen, also den ESC zu gewinnen. Außerdem ist sie der Meinung, dass der ESC sich mehr in Richtung Westeuropa verschoben hätte und dadurch die traditionellen Klänge aus Osteuropa verloren gingen. Für sie sei das aber kein Problem, da sie Pop und Rock so sehr liebt.

Poli machte einen souveränen und freundlichen Eindruck und man sieht bei ihr die ganze Erfahrung, die sie bereits gesammelt hat. Stimmlich war sie etwas wacklig, aber dennoch souverän. Der Begriff Medienprofi umschreibt sie wohl am besten.




3. Jüri aus Estland:

Zunächst erzählte er seine kleine Anekdote zu seiner so tiefen Stimme. Vor dem Stimmbruch habe er nämlich eine ungewöhnlich hohe Stimme gehabt und musste daher im Chor immer bei den Mädchen sitzen. Er wünschte sich wieder bei den Jungs zu sitzen und mit 15/16 wurde seine Hoffnung erfüllt. Er fülle keinen Druck, obwohl er ja schon zwei Wettbewerbe gewonnen hat. Er sei erst 21 und fühle sich grade wie der König der Welt.

Auf sein Lied angesprochen sagt er, dass die größte Herausforderung für ihn ist, seinen heiteren Charakter nicht im düsteren Lied zu zeigen. Das Lied spiegelt nämlich das Gegenteil seiner selbst da. Er hat auch den ganzen Socialmedia Rummel um seine Person als Mitglied der Baltic boys nicht wahrgenommen. Bei seinem Auftritt wird er sich an seinem Vorentscheid beziehen und diesen mit einigen Überraschungen noch mysteriöser gestalten. Ach ja und das obligatorische Album wird wohl im Herbst erscheinen.

Für mich war er ganz klar der Gewinner dieses Treffens. Er war sowohl in den Interviews, als auch in der Pressekonferenz extrem locker und auch für Späße zu haben. Sein Englisch ist ebenfalls ausgezeichnet und man spürt und sieht, dass dieser junge Mann wirklich den Moment genießt.




4. Hovi aus Israel:

Zunächst erklärte er, dass er mit 14 Jahren seinen Namen in Hovi ändern ließ, weil er diesen Namen wesentlich geeigneter für seine Person fand. Er erklärte, warum er den Songwechsel durchführte. Zwischen den Zeilen konnte man verstehen, dass es größtenteils wegen der schlechten Resonanz vollzogen wurde. Beim Videodreh hatte er Angst, dass ihn die Drohnen die Haare abschneiden und niemand zerstört Hovi´s Haare! Über die Performance lässt er keinen Mucks raus, aber er verneinte nicht, dass Drohnen auf der Bühne fliegen könnten. Er macht keinen Hehl daraus, dass der ESC für ihn eine riesige Plattform ist und sich dadurch seine Albumverkäufe extrem steigern werden. Doch er sagt es auf eine so sympathische Weiße, dass man ihm gar nicht böse sein kann. Er mag die Sonne Tel Avivis übrigens nicht, da sein Make-Up deshalb immer verläuft, außerdem ist Adele sein großes Vorbild.

Hovi zeigt in seiner Erscheinung genau das, was ich mir von ihm für ein erfolgreiches Abschneiden erhofft habe. Er ist der Quotenschwule. Das hört sich jetzt natürlich böse an, aber ich meine es als Kompliment und sehe es als Vorteil. Denn Hovi wird bei dem großen schwulen Publikum super ankommen und seine ganze Aura ist die einer big city bitch. Sobald er in einem Raum ist, erstrahlt dieser im Lichte des Spaßes und seine Schlagfertigkeit macht ihn noch besser. Auch sein Englisch war exzellent und er hat mich mit diesem ersten Auftritt voll und ganz überzeugt und ich sehe wieder Hoffnung für das Finale für Israel.




5. Justs aus Lettland:

Wie auch die Acts zuvor, erklärte er, dass er nichts zu seiner Performance im Mai sagen darf, sie aber deutliche Unterscheide zum Vorentscheid haben wird. Die Kooperation mit Aminata war eher zufällig, bei einem anderen lettischen Musikwettbewerb lernten sie sich kennen und hielten den Kontakt, der dann schließlich zum Song führte.

Er fühlt des Weiteren keinen Druck, obwohl das Interesse am ESC dank Aminata 2015 doch spürbar gestiegen sei. Auch ihm ist das Baltic Boys Video unbekannt und auch mit den Songs seiner Konkurrenten hat er sich noch nicht beschäftigt. Überraschend war allerdings sein klarer Seitenhieb gegen Ivan, dem er vorwirft, dass es darum geht den besten Song darzubieten und nicht alles aufgeblasen zu gestalten, wie z.B. nackt unter Wölfen zu tanzen.  

Ein souveräner, wenn auch nicht ganz überzeugender Eindruck bleibt bei mir von ihm stehen. Er war sehr konzentriert und ehrlich, hat aber die Interviews scheinbar tot ernst genommen. Auch als Gastgeber einen Gast so direkt zu beleidigen, war nicht unbedingt der schlauste Satz. Dennoch ist Justs ein sympathischer Mensch, der auch recht gut Englisch spricht.




Fazit: Wie kamen die einzelnen Acts an?:

Weißrussland: -

Bulgarien: 0

Estland: ++

Israel: +++

Lettland: -

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