Es musste ja so kommen. Die Rundfunkanstalt in Bosnien und Herzegowina (BHRT) löst sich zum 30. Juni auf. Laut der Website von Radiosarajevo, liegt das an den unfassbar hohen Schulden, die in den letzten Jahren angehäuft wurden. Im Artikel spricht man von, in Euro umgerechnet, 12,7 Millionen Euro. Dieser riesige Schuldenberg setzt sich aus den Schulden der bosnischen und der serbischen Rundfunkanstalt zusammen. Da der Sender am 30.Juni jegliches Signal stoppt und kein Programm mehr ausstrahlt, könnten dunkle Zeiten auf die bosnischen Zuschauer zukommen. Ich bin nicht wirklich gut über die verzweigte Rechtesituation in Bosnien informiert, aber der Sendestopp könnte dazu führen, dass die finale Phase der EM nicht ausgestrahlt wird. Aber auch die Olympischen Spiele in Rio sind in Gefahr.
Hier die Rundfunkanstalt in Sarajevo. Das Gebäude zeigt bereits die Probleme.
Durch dieses Auflösen kommt man der EBU zuvor, bei denen wahrscheinlich die Schulden gemacht wurden. Ich hoffe wirklich, dass sich die Zahlen auf diese Schulden beziehen, da die EBU ja schon Schritte angedroht hat. Mit dieser Aktion kam man der EBU allerdings zuvor und unterbricht nur die Mitgliedschaft und wird nicht wie Rumänien ausgeschlossen. Das hat wahrscheinlich den Vorteil, dass man einfacher wieder eintreten kann. Aber die Probleme bleiben natürlich da, werden aber nur an andere Institutionen abgegeben. Denn die EBU wird natürlich weiterhin auf ihr Geld pochen und wenn die bosnische Regierung das nicht liefern kann, scheut die EBU bestimmt nicht vor weiteren Maßnahmen. Somit natürlich zum elementaren: Zur ESC-Teilnahme. Denn die ist für 2017 sehr sehr unwahrscheinlich und im aktuellen Status unmöglich. Es ist nämlich nicht bekannt, wie lange der Sender vom Netz geht. Aber selbst, wenn es eine wirklich nur kurze Zeit wäre, müssten ja noch die Schulden beglichen werden. Somit darf man sich für 2017 schon einmal verabschieden. Falls nun mit dem Argument gespielt wird, dass sie doch 2016 nicht zum Contest zurückkehren hätten dürfen, wenn es finanziell doch so schlecht um sie stand, hat man sich nicht informiert. Denn die Rückkehr wurde ausschließlich durch private Sponsoren und die Künstler bezahlt. Die öffentliche Hand und damit der staatliche Sender zahlten keinen Cent. Das war wahrscheinlich auch gar nicht möglich. Somit müssen wir uns nach Rumänien im letzten Jahr von der nächsten ESC-Größe verabschieden. Bosnien sorgte für einige unvergessliche Momente beim ESC. Sei es Deen 2004 mit seinem Fremdschäm-Song "In the disco" oder das Flüchtlingsdrama meets Romeo und Julia in 2016 , wieder mit Deen, Bosnien war immer für den Augenblick gut. Und was wünschen wir Bosnien? Auf gar keinen Fall eine überschnelle Rückkehr. Ein gesunder Sender, der zwar im Aufbau mehr Zeit benötigt, aber dann stabil und möglichst jährlich teilnehmen kann. Hoffen wir, dass man es schafft die Korruption einzudämmen und den Rundfunkbeitrag überall erheben zu können. Dazu braucht man die Unterstützung und den Willen der Politik. Und daran könnte es scheitern. Bosnien ist nicht tot, sondern auf einer Reise. Und damit wir sie bis zur Rückkehr gut in Erinnerung behalten, schauen wir einfach die alten Beiträge.
Dieses schöne Zitat vm US-Amerikaner Zig Ziglar, lässt sich gut auf die diesjährige bulgarische Interpretin beziehen oder auf die bulgarische Vergangenheit beim ESC generell. Die doppelte Rückkehr aus Bulgarien zum ESC erfreut die Fans im ganzen ESC-Universum, nur bleibt die Frage, ob sich diese Freude auch im Mai bezahlbar macht.
Bulgarien nimmt erst seit 2005 beim ESC teil und gehört damit auch eher zu den Spätstartern. Das Land kann sich aber damit rühmen, eines der schlechtesten im ESC-Universum zu sein, also was die Ergebnisse betrifft. Bei bisher 9 Teilnahmen gelang ihnen nur ein Mal die Qualifikation fürs Finale. Doch der Schein trügt.
Bulgariens erfolgreichste Platzierung war logischerweise die Finalqualifizierung 2007. Allerdings erhielt das Duo damals 157 Punkte, was den 5. Platz nach sich zog. Auch die anderen Beiträge waren nie im Bereich der Letzten in den Semis. So landeten sie bereits 4 Mal entweder auf der 11 oder der 12, knapp daneben ist eben auch vorbei. Somit darf man das Land allerdings nicht als ein ESC-Schlusslicht bezeichnen, sie hatten und haben eben nur viel Pech. Nachdem 2013 das Duo, welches für den 5. Platz verantwortlich war, auch als 12. scheiterte, setzte Bulgarien aus. Dazu kamen dann noch finanzielle Probleme, die bereits eine Rückkehr 2015 einen Strich durch die Rechnung machten. Nun, 2016, feiert das Land seine 10. Teilnahme und nun soll alles besser werden.
Die Bulgaren versuchten es bislang auch immer sehr demokratisch und veranstalteten nationale Vorentscheide. Durch die aktuell aber klamme finanzielle Lage, war es dieses Jahr nicht möglich und so wurde intern bestimmt. Aber wer soll die Last auf sich nehmen?
Die Lösung für viele Fans lag auf der Hand: Poli Genowa wird gebraucht! Sie ist ein Multitalent, erfahren und dazu hat sie noch tolle Songschreiber. Diese Gebete wurden offenbar erhört, denn im Dezember wurde bekannt gegeben, dass sie Bulgarien vertreten werde.
Auch beim ESC ist Poli keine Unbekannte. Die 1987 in Sofia geborene Bulgarin ist sozusagen die Helene Fischer des Landes. In nahezu jeder bedeutenden Show hinterlässt sie ihre Fußabdrücke. So war sie schon Juror bei The voice, nahm bei Sing wie dein Star und Let´s Dance teil, spielt in mehreren Musicals und synchronisiert für Disney. Außerdem ist sie noch UNICEF-Botschafterin. Ein wahres Multitalent.
Es begann aber alles damit, dass sie in einer Kindergruppe erste Erfahrung beim Fernsehen sammeln konnte. Darauf folgte ein Studium der Klarinette und des Films. Nach gescheiterten Anläufen bei den Vorentscheiden zum ESC 2005 und 2006, sie war 16 bzw. 17, schaffte sie es 2011 den Vorentscheid zu gewinnen. Somit durfte sie in Düsseldorf auftreten und wurde schnell zu einer Art Fanfavorit. Ihr rockiger Song mit Klaviereinflüssen in Landessprache, war äußerst beliebt und auch eine neue Hoffnung für das so gebeutelte Bulgarien. Dann kam im Halbfinale der Schock: Platz 12. Nur 6 Punkte von der Qualifikation entfernt. Europa war geschockt.
Poli´s Karriere nahm erst nach diesem vermeintlichen Misserfolg Fahrt auf und sie war in Bulgarien praktisch omnipräsent. Als dann auch noch 2015 Italien die Ausrichtung des JESC´s verweigerte, durfte Bulgarien als Zweitplatzierter diesen ausrichten. Die Moderatorin war, wer auch sonst, Poli Genowa.
Ein von Junior Eurovision Song Contest (@junioreurovisionofficial) gepostetes Foto am
Spätestens ab diesem Zeitpunkt wollten die ESC-Fans ihre Poli zurück und scheinbar ist diese Reaktion dem bulgarischen Broadcaster nicht entgangen. So kommt Poli also zurück, stärker wie je zuvor.
Hier ist der bulgarische Beitrag zum ESC 2016 von Poli Genowa If love was a crime:
Poli schrieb auch an #ILWAC mit und auch ihr Songwriterteam blieb im großen und ganzen unverändert zu 2011. Sowohl der Österreicher Sebastian Arman, der auch Heroes von Conchita (Österreich 2014) schrieb, als auch Boris Milanow aus Bulgarien, unterstützten sie bei der Produktion des Songs. Zum Team stieß dann auch noch der äußerst erfolgreiche Produzent Joacim Persson, der unter anderem schon für Kelly Clarkson und Aura Dione arbeitete.
Das Lied ist ein schneller Partysong, der bis auf eine Zeile ausschließlich in Englisch dargeboten wird. Der Vers ist dabei relativ schlicht gehalten, obwohl relativ schnell die Spannung steigt. Der Prechorus wirkt wesentlich stärker als der Refrain selber, der auf Bulgarisch ist. Der zweite Vers besitzt keine Steigerung und auch keine neuen Instrumente. Der zweite Refrain wirkt etwas krafvoller, aber eine richtige Steigerung gibt es bisher nicht. Darauf folgt ein kurzes Instrumentalsolo, bei dem eine Flöte in Vordergrund tritt und dadurch etwas osteuropäisches Feeling aufkommt. Die Bridge ist an sich nur eine Steigerung zum letzten Refrain, dass noch mit einem Saxophon verstärkt wird.
Im Text geht es um eine verbotene Liebe zwischen zwei sich liebenden Menschen. Dabei haben Freunde oder die Familie Zweifel an der Beziehung und versuchen diese zu verhindern. Aber die beiden sind ein so gutes Team, dass es sie nicht interessiert, was die anderen sagen. Besonders auffällig dabei ist, dass eine hohe Stimme zu Beginn des Liedes " ich glaube nicht in Liebe" sagt. Dabei könnten eben diese Stimmen des Umkreises gemeint sein.
Warum der Song unter den Fans so gehyped wird hat natürlich den Grund, dass es für viele schon als Hymne für die LGBT-Community gilt. Dabei hat Poli das nie verlauten lassen, sogar eher verneint. Aber die Tatsache, dass Liebe eben in einigen Regionen tatsächlich ein Verbrechen ist, bekräftigt wiederum die Community in ihrer Deutung. Also entweder klasse PR-Arbeit oder reiner Zufall, ich tippe auf die PR.
Für die Präsentation wünsche ich mir eine hellere Visualisierung als im Video. Das wirkt zu teilen doch sehr düster und etwas schnell produziert. Auf der Bühne erwarte ich außerdem Tänzer, Poli selbst kann dem Publikum auch ordentlich einheizen. 3 Minuten Party müssen das ausgesprochene Ziel sein, das wäre super!
Die Chancen für Bulgarien stehen ausgezeichnet. Fürs Gewinnen ist das Lied wohl doch etwas zu gewöhnlich und zu viele andere, fischen in diesen Gewässern. Aber die Qualifikation sollte im schwächeren Semifinale dann doch fast schon sicher sein. Somit dauerte der Umweg zwar 5 Jahre, aber die Gaststätte ist in Sichtweite.