Lisboa 2018

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Montag, 18. April 2016

Bulgarien schickt Alleskönnerin

"Scheitern ist ein Umweg, keine Sackgasse"
Zig Ziglar 

Dieses schöne Zitat vm US-Amerikaner Zig Ziglar, lässt sich gut auf die diesjährige bulgarische Interpretin beziehen oder auf die bulgarische Vergangenheit beim ESC generell. Die doppelte Rückkehr aus Bulgarien zum ESC erfreut die Fans im ganzen ESC-Universum, nur bleibt die Frage, ob sich diese Freude auch im Mai bezahlbar macht.

Bulgarien nimmt erst seit 2005 beim ESC teil und gehört damit auch eher zu den Spätstartern. Das Land kann sich aber damit rühmen, eines der schlechtesten im ESC-Universum zu sein, also was die Ergebnisse betrifft. Bei bisher 9 Teilnahmen gelang ihnen nur ein Mal die Qualifikation fürs Finale. Doch der Schein trügt.

Bulgariens erfolgreichste Platzierung war logischerweise die Finalqualifizierung 2007. Allerdings erhielt das Duo damals 157 Punkte, was den 5. Platz nach sich zog. Auch die anderen Beiträge waren nie im Bereich der Letzten in den Semis. So landeten sie bereits 4 Mal entweder auf der 11 oder der 12, knapp daneben ist eben auch vorbei. Somit darf man das Land allerdings nicht als ein ESC-Schlusslicht bezeichnen, sie hatten und haben eben nur viel Pech. Nachdem 2013 das Duo, welches für den 5. Platz verantwortlich war, auch als 12. scheiterte, setzte Bulgarien aus. Dazu kamen dann noch finanzielle Probleme, die bereits eine Rückkehr 2015 einen Strich durch die Rechnung machten. Nun, 2016, feiert das Land seine 10. Teilnahme und nun soll alles besser werden.

Die Bulgaren versuchten es bislang auch immer sehr demokratisch und veranstalteten nationale Vorentscheide. Durch die aktuell aber klamme finanzielle Lage, war es dieses Jahr nicht möglich und so wurde intern bestimmt. Aber wer soll die Last auf sich nehmen?

Die Lösung für viele Fans lag auf der Hand: Poli Genowa wird gebraucht! Sie ist ein Multitalent, erfahren und dazu hat sie noch tolle Songschreiber. Diese Gebete wurden offenbar erhört, denn im Dezember wurde bekannt gegeben, dass sie Bulgarien vertreten werde.

Auch beim ESC ist Poli keine Unbekannte. Die 1987 in Sofia geborene Bulgarin ist sozusagen die Helene Fischer des Landes. In nahezu jeder bedeutenden Show hinterlässt sie ihre Fußabdrücke. So war sie schon Juror bei The voice, nahm bei Sing wie dein Star und Let´s Dance teil, spielt in mehreren Musicals und synchronisiert für Disney. Außerdem ist sie noch UNICEF-Botschafterin. Ein wahres Multitalent. 

Es begann aber alles damit, dass sie in einer Kindergruppe erste Erfahrung beim Fernsehen sammeln konnte. Darauf folgte ein Studium der Klarinette und des Films. Nach gescheiterten Anläufen bei den Vorentscheiden zum ESC 2005 und 2006, sie war 16 bzw. 17, schaffte sie es 2011 den Vorentscheid zu gewinnen. Somit durfte sie in Düsseldorf auftreten und wurde schnell zu einer Art Fanfavorit. Ihr rockiger Song mit Klaviereinflüssen in Landessprache, war äußerst beliebt und auch eine neue Hoffnung für das so gebeutelte Bulgarien. Dann kam im Halbfinale der Schock: Platz 12. Nur 6 Punkte von der Qualifikation entfernt. Europa war geschockt.


Poli´s Karriere nahm erst nach diesem vermeintlichen Misserfolg Fahrt auf und sie war in Bulgarien praktisch omnipräsent. Als dann auch noch 2015 Italien die Ausrichtung des JESC´s verweigerte, durfte Bulgarien als Zweitplatzierter diesen ausrichten. Die Moderatorin war, wer auch sonst, Poli Genowa.

Ein von Junior Eurovision Song Contest (@junioreurovisionofficial) gepostetes Foto am  


Spätestens ab diesem Zeitpunkt wollten die ESC-Fans ihre Poli zurück und scheinbar ist diese Reaktion dem bulgarischen Broadcaster nicht entgangen. So kommt Poli also zurück, stärker wie je zuvor.


Hier ist der bulgarische Beitrag zum ESC 2016 von Poli Genowa If love was a crime:


Poli schrieb auch an #ILWAC mit und auch ihr Songwriterteam blieb im großen und ganzen unverändert zu 2011. Sowohl der Österreicher Sebastian Arman, der auch Heroes von Conchita (Österreich 2014) schrieb, als auch Boris Milanow aus Bulgarien, unterstützten sie bei der Produktion des Songs. Zum Team stieß dann auch noch der äußerst erfolgreiche Produzent Joacim Persson, der unter anderem schon für Kelly Clarkson und Aura Dione arbeitete. 

Das Lied ist ein schneller Partysong, der bis auf eine Zeile ausschließlich in Englisch dargeboten wird. Der Vers ist dabei relativ schlicht gehalten, obwohl relativ schnell die Spannung steigt. Der Prechorus wirkt wesentlich stärker als der Refrain selber, der auf Bulgarisch ist. Der zweite Vers besitzt keine Steigerung und auch keine neuen Instrumente. Der zweite Refrain wirkt etwas krafvoller, aber eine richtige Steigerung gibt es bisher nicht. Darauf folgt ein kurzes Instrumentalsolo, bei dem eine Flöte in Vordergrund tritt und dadurch etwas osteuropäisches Feeling aufkommt. Die Bridge ist an sich nur eine Steigerung zum letzten Refrain, dass noch mit einem Saxophon verstärkt wird.

Im Text geht es um eine verbotene Liebe zwischen zwei sich liebenden Menschen. Dabei haben Freunde oder die Familie Zweifel an der Beziehung und versuchen diese zu verhindern. Aber die beiden sind ein so gutes Team, dass es sie nicht interessiert, was die anderen sagen. Besonders auffällig dabei ist, dass eine hohe Stimme zu Beginn des Liedes " ich glaube nicht in Liebe" sagt. Dabei könnten eben diese Stimmen des Umkreises gemeint sein.

Warum der Song unter den Fans so gehyped wird hat natürlich den Grund, dass es für viele schon als Hymne für die LGBT-Community gilt. Dabei hat Poli das nie verlauten lassen, sogar eher verneint. Aber die Tatsache, dass Liebe eben in einigen Regionen tatsächlich ein Verbrechen ist, bekräftigt wiederum die Community in ihrer Deutung. Also entweder klasse PR-Arbeit oder reiner Zufall, ich tippe auf die PR.

Für die Präsentation wünsche ich mir eine hellere Visualisierung als im Video. Das wirkt zu teilen doch sehr düster und etwas schnell produziert. Auf der Bühne erwarte ich außerdem Tänzer, Poli selbst kann dem Publikum auch ordentlich einheizen. 3 Minuten Party müssen das ausgesprochene Ziel sein, das wäre super! 

Die Chancen für Bulgarien stehen ausgezeichnet. Fürs Gewinnen ist das Lied wohl doch etwas zu gewöhnlich und zu viele andere, fischen in diesen Gewässern. Aber die Qualifikation sollte im schwächeren Semifinale dann doch fast schon sicher sein. Somit dauerte der Umweg zwar 5 Jahre, aber die Gaststätte ist in Sichtweite.


Sonntag, 3. April 2016

Das erste Kennenlernen in Riga (Teil 1)

Heute, einen Tag nach dem ersten April, fand das erste Jahrgangstreffen des ESC-Jahrgangs 2016 in Riga statt. Neben dem Kennenlernen standen Interviews, eine Stadtbesichtigung und natürlich die Performance des Liedes auf der Agenda. Es hatten sich die folgenden 10 Acts angemeldet:



  • Weißrussland
  • Bosnien & Herzegowina
  • Bulgarien 
  • Estland
  • Israel 
  • Lettland
  • Malta
  • Serbien
  • Spanien
  • Schweiz 
Aus bisher unbekannten Gründen, waren die bosnischen Teilnehmer nicht in Riga anwesend und so musste sich die Gemeinde mit 9 Songs vergnügen. Bei diesem ersten Treffen werden vor allem die ersten Kontakte geknüpft und manchmal sogar erste Freundschaften gebildet. Hovi aus Israel postete folgendes Bild auf Instagram, auf dem nur der estnische und der lettische Interpret fehlen.


 Zunächst stand der Besuch Rigas auf dem Plan, bei dem Sanja (Serbien), Poli (Bulgarien),IVAN (Weißrussland) und Hovi (Israel) teilnahmen. Ob die anderen Nationen erst später ankamen und deshalb verhindert waren, weiß ich leider nicht. Auffällig bei diesem Rundgang war, dass Poli und Sanja sehr freundschaftlich miteinander umgingen, fast so, als würden sie sich schon seit langem kennen. Das Hovi bei den beiden Diven mit seiner Art super ankommen würde, war schon davor klar. IVAN stand immer etwas abseits, was sicherlich auch mit seinen mäßigen Englischkenntnissen verbunden ist. Jeweils bei Wiwibloggs und bei Esckaz, den beiden größten ESC-Blogs, gaben sie Interviews, die ich jetzt einmal zusammenfasse:

1. Ivan aus Weißrussland:

Zunächst musste der 1,94 m Hüne sich logischerweise zu dem im Internet verbreiteten Video äußern, dass ihn nackt mit echten Wölfen zeigt, die er auch in Stockholm haben möchte. Er sagte, dass die Wölfin Shakira zwar einige Male nach ihm geschnappt hätte, aber nur, um ihm seine Grenzen zu zeigen. Er stehe voll hinter der Idee, nackt unter Wölfen zu performen, da er eine Brücke zwischen Menschen und der Natur bauen will. Das habe dann natürlich keinen sexuellen Hintergrund, sondern sei rein künstlerisch begründet. Und wenn er Leder an hätte, sähe er ja aus wie ein Jäger und er tritt nur deshalb nackt auf, um Verwirrungen zu vermeiden, natürlich...

 Er zählt unter anderem Eric Clapton als musikalisches Vorbild auf und gibt offen und ehrlich zu, dass er natürlich etwas Druck verspürt, da ein ganzes Land auf ihn setzt. Er wurde sogar in der Moskauer Metro erkannt und glaubt daher, dass er in Russland berühmt sei. Und zum Abschluss verrät er noch, dass er nach dem ESC natürlich ein Album auf den Markt bringen wird, das vor allem im Bereich Rock anzusiedeln sein soll.

In den kurzen gesanglichen Auszügen, die er a-capella von sich gab, konnte man eine starke Verbesserung was den Gesang angeht feststellen. In den Interviews hat er eine gewisse Kühle und Distanz zum Interviewer eingehalten und öfters den Blick zu seinem Manager gesucht. Das kann natürlich daran liegen, dass er der Sprache nicht wirklich Herr ist und daher etwas unsicher wirkt. Aber Sympathiepunkte erhält er deshalb natürlich nicht, aber er hat sich wesentlich besser verkauft als seine Vorgänger aus Weißrussland.




2. Poli aus Bulgarien:

 Poli erklärte zunächst, dass sie den Song in nur sehr kurzer Zeit produziert habe und sie daher auch als letzter Act den Song veröffentlicht hat. Sie wurde intern vom bulgarischen Sender nominiert, da sie erfolgreich den JESC 2015 moderiert habe und dadurch den Verantwortlichen gezeigt hätte, dass sie erneut ihr Land repräsentieren könnte. Sie mied es übrigens ihren Song, als Hymne für die Mitglieder der LGBT zu bezeichnen, sondern sagte, dass Liebe die stärkste Verbindung sei, die auch Hass nicht trennen könnte.

Dann wurde sie natürlich noch zu ihrem überraschenden Semifinalaus beim ESC 2011 befragt. Sie antwortete, dass sie natürlich traurig gewesen sei, dass sie den Song nur einmal performen konnte. Allerdings habe sie sich das Ziel gesetzt, dieses Jahr ihren Song dreimal zu singen, also den ESC zu gewinnen. Außerdem ist sie der Meinung, dass der ESC sich mehr in Richtung Westeuropa verschoben hätte und dadurch die traditionellen Klänge aus Osteuropa verloren gingen. Für sie sei das aber kein Problem, da sie Pop und Rock so sehr liebt.

Poli machte einen souveränen und freundlichen Eindruck und man sieht bei ihr die ganze Erfahrung, die sie bereits gesammelt hat. Stimmlich war sie etwas wacklig, aber dennoch souverän. Der Begriff Medienprofi umschreibt sie wohl am besten.




3. Jüri aus Estland:

Zunächst erzählte er seine kleine Anekdote zu seiner so tiefen Stimme. Vor dem Stimmbruch habe er nämlich eine ungewöhnlich hohe Stimme gehabt und musste daher im Chor immer bei den Mädchen sitzen. Er wünschte sich wieder bei den Jungs zu sitzen und mit 15/16 wurde seine Hoffnung erfüllt. Er fülle keinen Druck, obwohl er ja schon zwei Wettbewerbe gewonnen hat. Er sei erst 21 und fühle sich grade wie der König der Welt.

Auf sein Lied angesprochen sagt er, dass die größte Herausforderung für ihn ist, seinen heiteren Charakter nicht im düsteren Lied zu zeigen. Das Lied spiegelt nämlich das Gegenteil seiner selbst da. Er hat auch den ganzen Socialmedia Rummel um seine Person als Mitglied der Baltic boys nicht wahrgenommen. Bei seinem Auftritt wird er sich an seinem Vorentscheid beziehen und diesen mit einigen Überraschungen noch mysteriöser gestalten. Ach ja und das obligatorische Album wird wohl im Herbst erscheinen.

Für mich war er ganz klar der Gewinner dieses Treffens. Er war sowohl in den Interviews, als auch in der Pressekonferenz extrem locker und auch für Späße zu haben. Sein Englisch ist ebenfalls ausgezeichnet und man spürt und sieht, dass dieser junge Mann wirklich den Moment genießt.




4. Hovi aus Israel:

Zunächst erklärte er, dass er mit 14 Jahren seinen Namen in Hovi ändern ließ, weil er diesen Namen wesentlich geeigneter für seine Person fand. Er erklärte, warum er den Songwechsel durchführte. Zwischen den Zeilen konnte man verstehen, dass es größtenteils wegen der schlechten Resonanz vollzogen wurde. Beim Videodreh hatte er Angst, dass ihn die Drohnen die Haare abschneiden und niemand zerstört Hovi´s Haare! Über die Performance lässt er keinen Mucks raus, aber er verneinte nicht, dass Drohnen auf der Bühne fliegen könnten. Er macht keinen Hehl daraus, dass der ESC für ihn eine riesige Plattform ist und sich dadurch seine Albumverkäufe extrem steigern werden. Doch er sagt es auf eine so sympathische Weiße, dass man ihm gar nicht böse sein kann. Er mag die Sonne Tel Avivis übrigens nicht, da sein Make-Up deshalb immer verläuft, außerdem ist Adele sein großes Vorbild.

Hovi zeigt in seiner Erscheinung genau das, was ich mir von ihm für ein erfolgreiches Abschneiden erhofft habe. Er ist der Quotenschwule. Das hört sich jetzt natürlich böse an, aber ich meine es als Kompliment und sehe es als Vorteil. Denn Hovi wird bei dem großen schwulen Publikum super ankommen und seine ganze Aura ist die einer big city bitch. Sobald er in einem Raum ist, erstrahlt dieser im Lichte des Spaßes und seine Schlagfertigkeit macht ihn noch besser. Auch sein Englisch war exzellent und er hat mich mit diesem ersten Auftritt voll und ganz überzeugt und ich sehe wieder Hoffnung für das Finale für Israel.




5. Justs aus Lettland:

Wie auch die Acts zuvor, erklärte er, dass er nichts zu seiner Performance im Mai sagen darf, sie aber deutliche Unterscheide zum Vorentscheid haben wird. Die Kooperation mit Aminata war eher zufällig, bei einem anderen lettischen Musikwettbewerb lernten sie sich kennen und hielten den Kontakt, der dann schließlich zum Song führte.

Er fühlt des Weiteren keinen Druck, obwohl das Interesse am ESC dank Aminata 2015 doch spürbar gestiegen sei. Auch ihm ist das Baltic Boys Video unbekannt und auch mit den Songs seiner Konkurrenten hat er sich noch nicht beschäftigt. Überraschend war allerdings sein klarer Seitenhieb gegen Ivan, dem er vorwirft, dass es darum geht den besten Song darzubieten und nicht alles aufgeblasen zu gestalten, wie z.B. nackt unter Wölfen zu tanzen.  

Ein souveräner, wenn auch nicht ganz überzeugender Eindruck bleibt bei mir von ihm stehen. Er war sehr konzentriert und ehrlich, hat aber die Interviews scheinbar tot ernst genommen. Auch als Gastgeber einen Gast so direkt zu beleidigen, war nicht unbedingt der schlauste Satz. Dennoch ist Justs ein sympathischer Mensch, der auch recht gut Englisch spricht.




Fazit: Wie kamen die einzelnen Acts an?:

Weißrussland: -

Bulgarien: 0

Estland: ++

Israel: +++

Lettland: -

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