Lisboa 2018

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Samstag, 23. April 2016

RUMÄNIEN VERLIERT UNVERZÜGLICH TEILNAHMERECHT!

Der ESC wäre nicht der ESC, wenn es jährlich kleine oder große Skandale gäbe. Während es im letzten Jahr beispielsweise das Kümmer-Gate oder Australien als teilnehmendes Land waren, wird es dieses Jahr eine Nummer größer. Gestern, am 22.04.16 um 11:06 wurde auf der offiziellen Homepage des ESC´s bekanntgegeben, dass Rumänien ab sofort keine Rechte mehr an EBU-Programmen habe. Das ist natürlich der wohl schwerste Schlag, den ein offizielles EBU-Mitglied jemals hinnehmen musste. Nur mal so als Vergleich: Würde man jeglichen Personen, die einen IQ von unter 80 haben aus Deutschland ausweißen, würde Andrea Berg in etwa die Einschränkung in ihren Verkäufen haben, wie es TVR (rumänische Rundfunkanstalt) nun in seinem Programm aufweißt. 

Aber nun mal ernsthaft: Wer eine solche Reaktion erzeugt, muss wohl sehr viel falsch gemacht haben. Und soviel kann ich vorwegnehmen: TVR und die rumänische Regierung haben wohl alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Die EBU begründet den Rausschmiss folgendermaßen:

"Die EBU hat alle Mitglied-Leistungen für die rumänische Rundfunkanstalt TVR, auf Grund der nicht vollendeten Schuldentilgung von 16 Millionen Schweizer Franken (circa 14.565.000 Euro) eingestellt", heißt es auf der offiziellen Website. "Eine Deadline ist am 20.4 abgelaufen, in der die rumänische Regierung aufgefordert wurde, zufriedenstellende Lösungsansätze abzugeben." Die Schulden haben sich seit Januar 2007 angehäuft. 

"Es ist bedauernswert, dass wir zu diesem Schritt gezwungen werden", sagte das hohe EBU-Tier Ingrid Deltenre. "Wir sind enttäuscht, dass all unsere Versuche zur Lösung des Problems, von der rumänischen Regierung ignoriert wurden. In den letzten Wochen hat die EBU den Vorschlag des rumänischen Finanzministers, zur Eröffnung eines Insolvenzverfahren und der damit völligen Umstrukturierung des Senders, zur Kenntnis genommen. Die EBU ist eine non-profit-organisation, die 73 öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten in 56 Ländern vertritt. Die Fortsetzung dieser Verschuldung von TVR gefährdet die finanzielle Lage der EBU."

Der norwegische ESC-Diktator Jon Ola Sand (offiziell Supervisor genannt) sendete folgende Videobotschaft zur aktuellen Diskussion:



"Es ist natürlich enttäuschend, dass Rumänien nicht am ESC in Stockholm teilnehmen kann (darf?). Es ist enttäuschend für den Künstler, es ist enttäuschend für die Fans und die Zuschauer in Rumänien und in ganz Europa. Aber wir müssen hinter dieser Entscheidung stehen und wir glauben, dass es die richtige Entscheidung war. Nun können wir nur noch abwarten, wie sich die Situation für 2017 und darüber hinaus entwickelt."

Wenn die EBU nur für den ESC zuständig wäre, wären die Folgen ja relativ gering. Eine Pause vom ESC gilt ja nicht gerade als Weltuntergang. Nur (aus der Sicht Rumäniens) leider ist die EBU für sehr viele Veranstaltungen und vor allem Fernsehrechte zuständig. Mit der Einstellung jeglicher Dienstleistung der EBU an TVR entfällt für den Sender ebenfalls Olympia und die Fussball-WM in Frankreich. Den ESC dürfen sie auch nicht übertragen. Somit ist das ein großes Loch, was die EBU in das Programm von TVR sprengt. Ein ähnlich großes, das TVR in den Kassen der EBU hinterlassen hat. 

Wie bei allen Diskussionen, gibt es auch hier die andere Partei, in dem Fall die rumänische Regierung, die laut EBU 4 Anschreiben ignoriert hat. Laut der Website ESCKAZ, hat sich der rumänische Regierungssprecher Dan Suciu, folgendermaßen zum Ausschluss geäußert: "Die Schulden von TVR haben sich über Jahre angehäuft und es ist nicht fair, dass die EBU der Regierung ein Fehlverhalten aufzusagen, da die Schulden zu hoch sind. Wir haben keinen legalen Weg gefunden, diese Transaktion innerhalb von kurzen 24 Stunden, die wir hatten, zu ermöglichen. Wir können keine Garantie aussprechen, wenn wir die rechtliche Situation nicht geklärt haben."

Was heißt das nun aber für Ovidiu Anton, der ja eigentlich für Rumänien antreten sollte? Natürlich darf er nicht für Rumänien beim ESC starten, aber auf Grund der späten Absage (10 Tage vor den ersten Proben) wird er auf der offiziellen CD enthalten sein. Außerdem bleibt er laut EBU auch auf den Streamingplattformen vorhanden, um den Künstler immerhin noch diese Einnahmen zu ermöglichen. Aus der Youtube-Playlist des 2. Halbfinals wurde er logischerweise entfernt, sein Lied ist jedoch immer noch auf dem Kanal vorhanden. 

Soweit also die Fakten von offizieller Seite.

Im ESC-Universum stellt man sich natürlich die Frage, warum das jetzt entschieden wurde. 10 Tage vor Probenstart, Wochen nach dem rumänischen Vorentscheid, dessen Produktion ja auch Geld verschlingt. Ovidiu war sowohl in Amsterdam, Tel Aviv und London bei Preview-Parties, das wird wohl auch TVR bezahlt haben. Hätte man nicht noch bis nach dem ESC warten können?

Ich persönlich glaube, dass es auch ein Warnsignal für andere Länder sein soll, die auch Schulden bei der EBU haben. Bisher hat die EBU sich in nahezu allen Konflikten als sehr geduldig ausgezeichnet, nur hätte den Verantwortlichen doch klar sein müssen, dass es nicht ewig so weiter gehen kann. Wenn die Regierung natürlich drei Schreiben ignoriert, wird es schwierig einen Lösungsansatz in 24 Stunden zu präsentieren. Aber Rumänien sollte nicht den Eindruck erwecken, dass es ein unaufhaltsamer Schritt der EBU war, Wege waren da. Der Zeitpunkt vor dem ESC hilft TVR sogar noch etwas. Die EM findet im Juni, Olympia im August statt. Somit hat Rumänien noch etwas Zeit, ein Alternativprogramm aufzustellen, da diese Events natürlich viel wichtiger sind als der ESC.

Die Rumänen lassen derweil ihren Frust auf den ESC-Plattformen raus, hier ein paar Beispiele:


Viele Stimmen, die nicht aus Rumänien kommen, kritisieren ebenfalls den Zeitpunkt. Aber nicht, weil sie Rumänien unterstützen wollen, sondern aus Kulanz zu Ovidiu, der ja seit sehr vielen Jahren auf diese Chance gewartet hat. Er selbst zeigt sich übrigens so auf seiner Instagramseite.


    

Ein von Ovidiu Anton (@ovidiuanton) gepostetes Foto am

Somit ist er leider das Bauernopfer. Andere ESC-Stars haben ebenfalls ihr Mitleid bekundet, Sergey Lazarew (Russland 2016) fordert sogar eine Gastperformance von ihm, was natürlich keine schlechte PR-Masche ist. Aber diese Idee wird denke ich nicht von der EBU umgesetzt werden. Wenn man nun schon ein Abschreckungsurteil gesprochen hat, sollte man es auch nicht mehr verharmlosen, so gemein wie das nun klingt. Aber auch andere Auswirkungen dürfen nicht vergessen werden. Beispielsweise kann sich die Ukraine freuen, da die eigentlich sicheren 12 Punkte aus Moldawien an Rumänien, nun eben an die Ukraine gehen, eventuell aber an Russland. Griechenland wird dagegen sehr traurig sein, da sie in der Vergangenheit die meisten Punkte aus Rumänien kassiert hatten. Auch Moldawien und Russland werden einige Punkte missen.

Somit bleibt zu hoffen, dass bis 2017 eine Lösung gefunden wurde. Beispiele wie es gehen kann kommen aus Bulgarien oder Bosnien, die dank privater Sponsoren ihre Rückkehr feiern können. Mir persönlich wäre aber sogar eine längere Pause lieber, in der TVR völlig neu organisiert wird. Dadurch fällt zwar Rumänien für mehrere Jahre aus dem ESC weg, könnte aber nach gewisser Zeit völlig gesund teilnehmen. Dazu bräuchte man allerdings Köpfe, die dazu auch Willens sind und die hohen Schulden verschwinden dadurch auch nicht. Die EBU hat nun aber klar gemacht, dass es so nicht weiter gehen kann und Rumänien steht eine schwere Zeit bevor. 

PS: Das wäre natürlich nicht mein Blog, wenn ich noch ein paar zynische Zeilen schreiben würde. 

Da bekommen nämlich einige Zeilen aus Ovidiu´s Song eine völlig neue Bedeutung. Fast, als ob er das ganze Drama bereits aus Sicht der EBU im Song verarbeitet hätte.


Hier die Geschichte von Ovi: "Wir stehen am Rand, sie wollen uns zerbrechen, wollen, dass wir herunterfallen, denn die Macht steht auf dem Spiel. Sie lachen uns aus, während wir verblassen. Mit Blut an ihren Händen genießen sie das Mahl, die Augen der Bestie lachen uns aus, während wir verblassen. Und ich kann das alles nicht mehr hinnehmen, dieser Hass verbrennt meine Seele. Kämpfe für die Wahrheit! Sie sind Schuld, nur leere Worte! Kämpfe für die Wahrheit! Die Tage gehen vorbei, ohne dass sich etwas ändert oder erneuert! Kämpfe für die Wahrheit!" 

Das ist der perfekte Klingelton für Jon Ola Sand! Also sollte Jon Ola Sand die ganze Geschichte aufarbeiten wollen, hat er schon dank Ovidiu den passenden Text. Verrückt, dass der wirklich so gut passt, aber vielleicht war es auch ein Zeichen, dass ein solcher Song den Vorentscheid gewinnt. 

Mitleidsbekundungen bitte über den Hashtag #jesuisRoumanie

Samstag, 9. April 2016

Semifinale 2: Außenseiter kommen zum Schluss

Am Freitag erlöste die EBU uns endlich und gab die Startreihenfolge in den Semifinals bekannt. Wie immer nach dieser Bekanntgabe, gab es riesige Schockwellen, die durch das ESC-Universum flogen. Ob ein Song zwischen 1-9 oder 10-19 antritt, entschied das Los, die genaueren Positionen wurden vom Regisseur des ESC´s nach dramaturgischen Aspekten eingeordnet. Die Bekanntgabe kam dieses Jahr recht spät, was eigentlich ein Zeichen sein sollte, das sie gut durchdacht sei. Semifinale 1 gibt es hier. Schauen wir sie uns einmal an:

1. Lettland

2. Polen

3. Schweiz

4. Israel

5. Weißrussland

6. Serbien

7. Irland

8. Mazedonien

9. Litauen

10. Australien

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11. Slowenien

12. Rumänien

13. Bulgarien

14. Dänemark

15. Ukraine

16. Norwegen

17. Georgien

18. Albanien

19. Belgien

Die Startposition ist ein oft unterschätzter Faktor, der schon oft für Dramen gesorgt hat. Wie auch im Finale gilt: Je später, desto besser. Das zweite Semifinale gilt als das schwächere, da hier das Feld nicht so homogen ist und die durch Diaspora ohnehin bevorteilten Länder, einen starken Beitrag schicken. 

Die Regisseure können natürlich nicht alle Länder glücklich machen und ich persönlich finde, dass es eine durchaus diskussionswürdige Entscheidung ist. Aber die Quoten für die Qualifikation werden sich nun deutlich verschieben, natürlich in die Richtung der Spätstarter. Ein Orakelspruch wird im Laufe der Woche veröffentlicht werden, meine persönliche Meinung folgt ebenfalls in diesem Post.

Zunächst für die Statistikfreunde eine Qualifikationsquoute für jeden Startplatz seit Einführung des zweiteiligen Halbfinalsystem 2008:

Startplatz 1: 50%

Startplatz 2: 56%

Startplatz 3: 31%

Startplatz 4: 38%

Startplatz 5: 38%

Startplatz 6: 69%

Startplatz 7: 56%


Startplatz 8: 50%


Startplatz 9: 50%

Startplatz 10: 63%

Startplatz 11: 31%

Startplatz 12: 63%

Startplatz 13: 69%

Startplatz 14: 81%

Startplatz 15: 69%

Startplatz 16: 60%

Startplatz 17: 83%


Startplatz 18: 88%

Startplatz 19: 80%

Wenn man also nur nach Statistik geht, würden sich die grün hinterlegten Plätze qualifizieren. Aus dieser Statistik geht eindeutig hervor, dass es sehr wohl auf die Startposition ankommt, wobei Platz 18 der beste ist und Platz 3 & 11 der undankbarste. Aber es kommt natürlich auch darauf an, wer vor und nach dir startet. 

Somit kommen wir zu den Gewinnern und den Verlierern dieses Semifinals:


Unter den Gewinnern sind:

Lettland

Mazedonien
Australien
Ukraine
Georgien
Albanien
Belgien

Lettland darf relativ überraschend den ESC eröffnen. Natürlich ist diese Position nicht gerade beliebt, aber durch drei ruhige Balladen nach ihm, kann er sich ziemlich gut absetzen.

Mazedonien kann auf die stimmliche Gottheit Kaliopi setzen. Ziemlich weit hinten und dann noch zwischen zwei stimmlich wackeligen Acts, besser hätte es kaum kommen können.

Australien bekam den letzten Platz in der ersten Hälfte und startet direkt vor der schwachen Taylor-Swift Attrappe. 

Die Ukraine startet nach den unnötigen Liebessoldaten und somit wird der Kontrast zu ihrem ernsten Song noch größer. 

Albanien und Georgien sind überraschend dort hinten zu finden und haben das Glück, dass kein großer Favorit mehr nach ihnen kommt. Dadurch werden sie auf jeden Fall mehr Votes bekommen, als bisher erwartet. 

Der größte Gewinner der Auslosung ist mit ziemlicher Sicherheit Belgien. Den beliebten Startplatz besetzt, der unmittelbar vor der Leitungsöffnung erklingt und als letzter Eindruck stehen bleibt.

Aber wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer. Diese sind:

Schweiz
Weißrussland
Irland
Slowenien
Dänemark

Die Schweiz hat neben dem Unglück, mit der Nummer 3 zu starten, auch noch das Pech, dass Rykka zwischen 2 deutlich stärkeren Balladen im Sandwich steckt. Mit ihrer wackeligen Stimme kann sie praktisch gleich in Kanada bleiben. Sie ist meine größte Favoritin auf den letzten Platz.

Weißrussland und Irland teilen das Schicksal recht früh und unglücklich eingeteilt zu sein. Beide sind im Sandwich von unglaublich guten Sängern, mit denen sie nicht einmal ansatzweise mithalten können. Dazu sind beide Songs auch noch relativ platt.

Slowenien muss direkt nach Australien ran und wurde als erstes von der zweiten Hälfte zugeteilt.

Dänemark muss sich zwischen den beiden Powerfrauen aus der Ukraine und Bulgarien behaupten. Mit diesem Song eine nahezu unmögliche Herausforderung.

Fazit: Das Ende dieses Semifinals und die hohe Balladenkonzentration zum Anfang überraschen durchaus. Als Spannungseffekt finde ich diesen Außenseiterschluss gar nicht übel. Nur die vielen Balladen zu Beginn, das hätte nicht sein müssen.

Sonntag, 3. April 2016

Weiter geht´s nach Moskau!

Das zweite mehr oder weniger offizielle Jahrgangstreffen, fand am 3.April 2016 in Moskau statt. Viele der anwesenden Acts hatten eine stressige Anreise hinter sich, da sie nur einen Tag zuvor in Riga, auf dem ersten Treffen waren. (Nachzulesen hier und hier) Für dieses Event haben sich insgesamt 12 Künstler angekündigt, nämlich:



  • Iveta aus Hamburg (Armenien)
  • Samra aus Aserbaidschan
  • Hovi aus Israel
  • Ira aus Malta
  • Lidia aus Moldawien
  • Kaliopi aus Mazedonien
  • Ovidiu aus Rumänien
  • Sergey aus Russland
  • Rykka aus der Schweiz
  • Barei aus Spanien
  • Ivan aus Weißrussland
  • Minus One aus Zypern
Die fett gedruckten Namen waren bereits in Riga dabei. Dieses Pre-ESC-Event ist größer als das in Riga, nicht nur wegen der größeren Teilnehmerzahl, sondern wegen dem deutlich größeren Medieninteresse. Auch die Bühne wird hochwertiger aussehen und klingen, als das Scheunentheater in Riga.



Einen ersten Eindruck liefert uns Ivan auf seinem Instagram-Account von der Pressekonferenz.  




 Im Laufe des Tages werden Interviews geführt und Fragen zu der Performance im Mai gestellt. Der Höhepunkt der Veranstaltung ist natürlich das Konzert, in dem alle Künstler ihren Song performen werden. Die Infos, die ich hier über die Interpreten schreibe stammen von Interviews von den Seiten Wiwibloggs und ESC Wissen von A bis Z,ESCKAZ .

Auf der Pressekonferenz waren allerdings nur 9 der 12 Acts anwesend. Rykka, Ovidiu und Iveta waren nicht da, vielleicht kommen sie noch, vielleicht auch nicht. Die Pressekonferenz war nicht zu verarbeiten, da die Akustik sehr schlecht war und die Hälfte der Acts der russischen Sprache mächtig waren und dadurch auch diese sprachen. Barei und Hovi saßen eng bei einander, sie kennen sich ja schon aus Riga. Auffällig war auch, dass Ira sehr außerhalb an einem Einzeltisch saß und auch nicht gerade glücklich aussah. 

1. Iveta aus Hamburg (Armenien):

Iveta war weder auf der Pressekonferenz, noch wurde bisher ein Interview mit ihr veröffentlicht. Daher beziehe ich mich ausschließlich auf ihre Liveperformance.

Der beginnende Sprechgesang wurde textlich geändert, irgendwas mit ich hab dich in meinen Kopf. Die ersten Töne in diesem ruhigen Anfangsteil wackeln noch etwas. Der Text wird aber sehr schön und deutlich von ihr gesungen und die Spannung bleibt erhalten. Die Sirene hat natürlich einen tollen Effekt live. Danach explodiert ja der Song und auch Iveta scheint diesen Teil besonders zu lieben. Stimmlich sehr stark absolviert sie diesen Part. Auch bei diesem Auftritt hat man sich Gedanken zum Staging gemacht. Dunkles Kleid, viel Nebel und einzelne, sehr wirkungsvolle Bewegungen, geben dem Song jetzt schon einen düsteren Touch. 

Wir dürfen also gespannt sein, was sich Armenien für Stockholm ausgedacht hat. Die große Sorge, dass sie dem Song nicht mächtig wird, ist sie schon einmal los, jetzt muss sie nur noch dafür sorgen, dass ihre leisen hohen Töne zu Beginn sitzen und Armenien bekommt das nächste tolle Ergebnis. 



2. Samra aus Aserbaidschan:

Auch von Samra ist noch kein ausführliches Interview erschienen, es gab nur eine ganz kurze Frage nach ihrem Kleid auf dem roten Teppich. Aber beim Kleid bleib ich gleich mal. Es war ein kurzes rotes Kleid, mit einer Art Umhang, der ebenfalls knallrot war. Diejenigen, die den britischen Vorentscheid gesehen haben, können sich wahrscheinlich an dieses Kleid noch erinnern, denn die wahre Siegerin Bianca trug genau dieses Kleid.

Die große Sorge vieler Fans war, dass sie stimmlich nicht an die Studioversion heranreichen würde. Diese Zweifel machte Samra dann aber doch relativ schnell zunichte. Stimmlich sehr stark und sicher, sang sie ihren tollen Song und unterstrich ihre Favoritenposition. Allerdings kann man es nicht performen nennen, da sie nur da stand und gut aussah, das muss man aber auch erst Mal können.


3. Hovi aus Israel:

Hovi war ja auch schon in Riga dabei und spaßte sich da schon in die Herzen vieler Fans und sang einmal wieder sensationell am Abend. Er sei schon oft in Moskau und St.Petersburg gewesen und liebe Russland über alles. Über seinen Kleiderstil sagte er, dass er es liebe teures mit billigem zu vermischen, so dass man keinen Unterschied sähe. Er tue viel für sein Haar, was natürlich viel Zeit in Anspruch nehme. 

Er habe auch von Dana International (Siegerin 1998) und seinem/ihrem Manager, viele Tipps und Tricks für den ESC bekommen. Sein favorisiertes ESC-Lied sei Euphoria von Loreen (Siegerin 2012) und dieses Jahr sieht der Spanien und Finnland (?!) ganz vorne. In seinem Lied gehe es darum, dass man immer das machen solle, worauf man gerade Lust hat und dass man auf die Meinung der Anderen scheißen solle. Ach ja un man solle ihm unbedingt auf Twitter folgen.

Auf der Bühne machte er wieder einen sensationellen Job. Besser kann man diesen Song nicht singen und unsere Diva performte sogar auf der Bühne. Stimmlich wahrscheinlich der beste Mann dieses Jahr und auch ausdruckstechnisch ganz weit vorne dabei. Je öfter ich sein Lied höre, desto mehr glaube ich an eine Qualifikation Israels.



4. Ira aus Malta:

Ira war ja schon in Riga dabei und sollte sich daher stimmlich sicherer fühlen, als die meisten anderen Interpreten. Im Interview gab sie zu Protokoll, dass sie mehr Verantwortung fühle, als bei ihrem Auftritt 2002 beim ESC. Sie habe nun mehr Erfahrung und diese wolle sie nutzen, sie wisse aber nicht, ob sie mehr Erfahrung habe, als andere Acts dieses Jahrgangs. Die größte Änderung sei für sie allerdings die Einführung der Semifinals, da dadurch der Druck auf die Interpreten deutlich vergrößert würde. Sie wiederholte, dass es Malta als isolierte Insel schwer habe, Punkte zu erreichen, da es keine Nachbarländer gäbe. 

Auf ihre Songschreiber Molly Pettersson Hammar angesprochen sagte sie, dass sie eine unglaubliche Person sei und glaube, dass sie Schweden in den nächsten Jahren erfolgreich beim ESC vertreten werde. Bei der Aufzählung ihrer anderen Schreiber hatte sie allerdings Probleme, die Namen zu nennen. 

Bei ihrem Auftritt sah sie dann deutlich besser aus, als noch in Riga. Haare und Make-Up waren eleganter und das Kleid hatte extrem gute Ansätze. Die Hose war sensationell, allerdings gab sie sich obenrum etwas zugeknöpft und auch sie hatte ein Cape. Die Farbe des Kleids (schwarz) passte aber überhaupt nicht zu ihrem fröhlichen Song. Stimmlich war das am Abend dann in dem Rahmen, den man sich von ihr erwartet hat. Sie ist nicht die beste Sängerin und das weiß sie auch, aber sie singt ihr Lied bis auf eine Stelle dann doch annehmbar. Aber das Lied verliert natürlich etwas an Schwung, wenn die Sängerin so mit den Tönen kämpfen muss.





5. Lidia Isac aus Moldawien:

Lidia hat ein modernes zweiteiliges Kleid an, dass in einem nerdhaften blau schwarz Ton gehalten ist und Rauten abbildet. Ihren Haaren hat sie einen Rotstich gegeben, der zu diesem Kleid perfekt passt. Bei ihrem Auftritt hatte sie das Kleid aus dem Vorentscheid an, mein Geschmack ist das wirklich nicht. Ja ich bin jetzt auch ein Mode-Blogger. Sie sei schon seit gestern Nacht in Moskau und hatte heute morgen ein Treffen, mit einem ihrer Komponisten. Sie habe ihren Komponisten beim letzten ESC kennengelernt, als sie als Reporterin für ein moldawisches Portal gearbeitet hatte. Irgendwann habe er ihr dann die Demoversion geschickt und sie sei sofort begesitert gewesen. 

Sie macht gerade ihren Masterabschluss in Moderation (Journalismus?) und spaßt, dass sie dann mit 40 ihre eigene Musiksendung moderieren würde. Über das Staging macht sie einen großen Bogen, sie erwähnt allerdings, dass es sehr dezent ?! sein wird und die Show nicht überzogen sein soll. Ihre Backgroundsänger lasse sie in Moldawien (Richtig so!) und sie glaube, dass ihre neuen aus Schweden kommen. 

Mich persönlich überrascht das schon, da man aus Moldawien genau das Gegenteil gewohnt ist und dieses Jahr wäre eine fast schon überzogene Show schon empfehlenswert. Hoffentlich überschätzt ihr Team den Song nicht so stark, dass es ein dezenter Auftritt bereits genügt. Aber vielleicht hat sie die ESC-Fans auch nur angelogen, damit die Überraschung in Stockholm noch größer ausfällt. Sie hat einen netten, professionellen Eindruck gemacht und ihr englisch war auch sehr angenehm. Ein solider Auftritt von Lidia. Stimmlich hat sie sehr stark zugelegt und singt den ersten Ton im Refrain nun etwas höher. Leider hat sie immer noch eine Tanzlegasthenie.



6. Kaliopi aus Mazedonien:

Kaliopi tritt 2016 bereits zum dritten Mal für Mazedonien beim ESC auf. Und trotz dieser vergleichslosen Zahl, lässt sie sich es nicht nehmen, auch auf diesen Partys vor dem ESC aufzutreten. Sie sei bereits einmal in Moskau gewesen und zwar 1987 mit ihrer Band, bei einem Festival, an dem auch Bon Jovi teilnahm. Kurzer Funfact: 21 ihrer Gegner waren in diesem Jahr noch nicht einmal geboren! Kaliopi nahm zwar nicht am Treffen in Riga teil, aber sie habe in den vergangenen Wochen Fernsehauftritte auf der gesamten Balkanhalbinsel gehabt.

Sie wird ihre große Promotour in Albanien, Bulgarien, London, Amsterdam und eventuell sogar Griechenland fortsetzen. Die alte Dame zeigt mehr Engagement, als alle anderen jüngeren Kollegen. Über ihre Performance sagte sie kein Wort, aber es wird wahrscheinlich so ähnlich werden wie 2012. Für sie sei Dona aktuell der passende Song für ihre Emotionen und sie wünsche sich, dass die Zuhörer das auch spüren können. Sie singt ihren Song auf Mazedonisch, da sie so schlecht Englisch spreche, wie ein Latinosinger. Sie könne es kaum abwarten nach Stockholm zu reisen, da es für sie das Zentrum der Popmusik sei.

Am Abend gab es dann also die Live-Premiere von Dona und was soll ich sagen. Kaliopi ist die Königin des Gesanges. Sensationell, übermenschlich und unglaublich. Diese Begriffe können diese Performance nur ansatzweise in Worte fassen. Für mich ist nun klar, dass Mazedonien im Finale stehen wird, so blind kann Europa gar nicht sein. Augen schließen und genießen bitte.


 

7. Ovidiu aus Rumänien:

Da sind wir schnell fertig. Er war nicht da. 

8. Sergey aus Russland:

Der Gastgeber des ganzen Events ist ja ein riesiger Star in Russland und so verwundert es nicht, dass er überall mit riesigem Applaus begrüßt wurde. Natürlich wurde er zuerst darauf angesprochen, dass er in den Wettbüros gerade auf Platz 1 liegt. Dies sei eine Ehre für ihn, allerdings freue er sich noch nicht darüber, da der Wettbewerb erst im Mai ist und sich bis dahin noch alles ändern könne. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt für ihn, sein Land zu vertreten, da er ein sagenhaftes Team hinter sich stehen habe. In seinem Song gehe es auch speziell um eine Person, die er allerdings nicht nennen möchte.

Er habe viele Tipps von ehemaligen Teilnehmern bekommen, vor allem den, dass er den Moment genießen solle. Auf die Frage, wer seine stärksten Rivalen dieses Jahr sind, gab er die politisch korrekte Antwort, dass alle Länder einen hervorragenden Beitrag schicken und man es schwer einschätzen könne. Er sagte natürlich ebenfalls nichts zu seiner Bühnenpräsentation. 

Bei seiner heutigen Bühnenpräsentation hatte er als einziger sogar Tänzer dabei, mit denen er super interagierte. Die 4 in schwarz gehüllten Tänzer und er hatten eine sehr durchdachte Choreo und nichts wurde dem Zufall überlassen. Gesanglich war er extrem gut, verdächtig gut. Aber spätestens beim ESC würde ein mögliches Playback auffliegen. Mir persönlich ist alles in schwarz dann doch etwas zu dunkel für diesen eigentlich fröhlichen Song. Aber unterm Strich muss man ihm einen Platz auf dem Podest beim ESC wirklich einrechnen, da er wirklich eine Show bietet und nicht nur semioptimal singt (Malta schau Mal!)


9. Rykka aus der Schweiz:

Auch sie war ja bereits in Riga dabei und konnte dabei zwar stimmlich einen guten Eindruck hinterlassen, charakterlich war sie jedoch extrem zurückhaltend und so stellte man sich natürlich die Frage, ob sie vielleicht auch nur einen schlechten Tag hatte. 

Nein, sie ist immer so. Auch in den heutigen Interviews gab sie sich extrem introvertiert und wortkarg. Wenn sie dadurch wenigstens mysteriös wirken würde, aber es sieht einfach nur überheblich und unsympathisch aus. Ihr Album hat sie natürlich auch noch einmal erwähnt. Aber wenig Worte lassen große Taten erhoffen.

Bei ihrer Performance wurden immerhin ihre Stimme weiter verbessert. Die Töne sitzen eigentlich alle, nun müssten diese nur noch schön klingen und sie hätte wieder Chancen auf das Final. Doch im Moment ist sie für mich klar unter dem Strich und sie macht es einer zum Glück sehr leicht, ihr nicht nachzutrauern.



10. Barei aus Spanien:

Barei kam ebenfalls aus Riga, allerdings schon am Morgen mit Hovi und Ira und konnte daher an der Pressekonferenz teilnehmen. Sie klärte nun auch auf, warum sie nicht auf der Stadtbesichtigung durch Riga dabei war. Ihr Koffer war ja verschwunden und sie verbrachte den ganzen Tag damit, beim Flughafen anzurufen und in Erfahrung zu ziehen, wo ihr Gepäck denn nun sei. Ihre ganzen Outfits seien im Gepäck gewesen und er kam erst eine Stunde vor der Show an. 

Für Tel Aviv müsse man sie doch von der Liste streichen, da sie zuhause proben müsse. Sie ist die einzige, die eine halbwegs detaillierte Info ausgegeben hat, wie es bei ihr auf der Bühne aussehen wird. Sie wird mit 5 Backgroundsängerinnen arbeiten, wovon eine nicht auf der Bühne stehen wird, aus Choreographiegründen. Sie wechselte ihren Choreographen ebenfalls und wird nun nicht mehr von einem Deutschen unterstützt. 

Auf der Bühne trug sie ein durchsichtigen Poncho und stimmlich war sie wieder einer der Beste. Ihr Lied ist vom Ambitus natürlich nicht das fordernste, aber lieber singt man ein solches Lied perfekt, als ein schwierigeres schlecht wie Ira aus Malta. Ihre Tanzmoves sind immer noch klasse und sie ist ein supersympathischer Mensch.


11. Ivan aus Weißrussland:

Das glaub ich jetzt nicht...


Ein von wiwibloggs (@wiwibloggs) gepostetes Foto am



Ja, Ivan hatte tatsächlich einen echten Wolf dabei, mitten auf dem roten Teppich! Zum Glück nahm er das arme Tier nicht auch noch auf die Bühne mit, warum die EBU nichts dagegen unternimmt, finde ich nebenbei bemerkt sehr sehr schwach. 

Die Hauptaussage seines Songs sei Hoffnung und Friede. Mehr Neuigkeiten gab es nicht von ihm, da er die selben Fragen gestellt bekam, wie auch in Riga. Stimmlich machte er einen noch besseren Eindruck als in Riga und auch optisch hat er sich etwas einfallen lassen. Und zwar war er ganz in weiß gekleidet, mit weißer Kriegsbemalung im Gesicht. 

Aber mittlerweile verstehe ich sogar die Wolfidee. Sein Gesang hat sich so stark verbessert, dass Weißrussland sogar wieder vom Finale träumen kann. Aber die Performance ist momentan noch zu statisch für einen solchen Song, von daher braucht er eine wunderwolfe Performance. Er wirkt aber irgendwie nicht voll zurechnungsfähig, auch von den Aussagen die er tätigt. Aber Achtung: Verstehen heißt nicht, das ich Verständnis habe.




12. Minus One aus Zypern:

Die zypriotische Band war noch nicht in Riga dabei und haben somit noch nie live ihren Song performt. Der Leadsänger schied ja bei "the voice" in Frankreich aus und hatte somit auch Zeit. Fun Fact: 19 Acts des Jahrgangs 2016, haben einen Bezug zu einer Castingshow. Aber nur 6 konnten ihre Show gewinnen, Poli aus Bulgarien war Jurorin.

Für die Band sei es das erste Mal in Moskau, der Frontsänger Francois sei aber bereits in seiner Jugend öfters da gewesen.Sie seien außerdem sehr gerührt von der Tatsache, dass sie enorm positives Feedback aus ganz Europa bekommen. Ihr Lieblingsbeitrag der Rock(!)band ist übrigens der Siegersong von Céline Dion.

Live waren sie allerdings die Enttäuschung des Abends. Das kann natürlich auch dem extrem lauten Playback liegen, die den Frontmann dazu zwing etwas over the top zu singen. Ich persönlich glaube wirklich, dass Francois bei einem guten Soundcheck auch eine gute Leistung bringen wird. Ich bin mir auch sehr sicher, dass sie ihren Auftritt noch deutlich verbessern werden, da es sehr spontan auf der Bühne aussah. 



Das bringt mich jetzt auch schon zur Gesamtbewertung dieses Treffens, das nur die Interviews und den Auftritt berücksichtigt, nicht die Stärke des Liedes und dessen Qualifikationschancen:

12. Ovidium aus Rumänien: /

11. Minus One aus Zypern: - -

10. Rykka aus der Schweiz: - -

9. Ira aus Malta: -

8. Ivan aus Weißrussland: - (Wegen des Wolfs)

7. Lidia aus Moldawien: 0

6. Sergey aus Russland: + (Wenn es wirklich live war)

5. Samra aus Aserbaidschan: +

4. Iveta aus Armenien: ++

3. Hovi aus Israel: ++

2. Barei aus Spanien: +++

Und meine klare persönliche Gewinnerin des Abend ist eindeutig

1. Kaliopi aus Mazedonien: +++

Freitag, 11. März 2016

Ruslana + Bon Jovi = Rumänien 2016?

Rumänien nahm erstmals 1993 beim Osteuropäischen ESC-Vorentscheid teil, konnte sich damals allerdings nicht qualifizieren. Generell waren die ersten Jahre Rumäniens nicht vom Erfolg gekrönt: Hintere Plätze führten zu keiner Startberechtigung im nächsten Jahr, dies führe zu einem allgemeinen Desinteresse, das für schlechte Platzierungen und schließlich auch zum Verzicht auf Teilnahmen. 

Der Wendepunkt kam im Jahre 2002 mit einem 9. Platz und seit her schrammten sie mehrmals nur knapp am Sieg vorbei z.B. 2005 und 2010 mit dem 3.Platz. Auch Rumänien gehört zu den 100% Ländern. Also die Länder, die seit Einführung des Semifinales 2004, das Finale immer erreicht haben, auch wenn es 2009 sehr knapp war (Letzter Qualiplatz). 

Rumänien gab bisher bei allen Teilnahmen die Entscheidungsgewalt, wer für das Land antreten soll, an seine Bürger weiter, na ja, mehr oder weniger. Der Modus des Vorentscheids hat sich dabei mehrmals geändert und war keine Konstante. Dieses Jahr wurde wieder einmal ein Semifinale veranstaltet, aus dem 6 Teilnehmer ins Finale kamen. 5 davon durch eine Jury bestimmt, ein Kandidat vom Publikum. Jetzt wirkt das ganze nicht mehr so demokratisch. Im Finale allerdings bestimmen zu 100% die Zuschauer, wer für Rumänien an den Start gehen soll. Aber die Selecția Națională ist teuer, 1€ pro Anruf. Das erklärt auch, warum der spätere Gewinner nur 6.585 Anrufe bekam, aber damit knapp 2000 mehr als der Zweitplatzierung.

Die Bühne wirkte durch die zahlreichen LED-Schirme sehr modern. Es gab sogar einzelne LED-Strahlen von der Bühne ab, das könnte eine Idee für den nächsten ESC. Vielleicht eine Bühne im Sonnenlook? Es gab aber sehr viele technische Pannen mit den Screens und außerdem war die Kameraführung immer eine Wundertüte. Die Jury saß in knallig roten Stühlen, die wahrscheinlich aus The Voice gestohlen waren und im Bild links unten angedeutet sind.



Das Moderatorenpaar sah sehr gewöhnungsbedürftig. Der Mann im normalen Outfit, klar beim ESC bloß nicht auffallen. Die Dame hat 8294 kleine tote Katzenbabys um die Füße gewickelt. Wird das nicht verdammt heiß beim Scheinwerferlicht?



Das Feld war ausgeglichen und durchschnittlich. Nichts aufregendes, bahnbrechendes, aber eben auch kein Totalausfall. Ein Act konnte sich etwas von dieser langweiligen Masse absetzen und siehe da, er gewann.

2016 wird Ovidiu Anton für Rumänien mit dem Song Moment of silence beim ESC antreten.



Zunächst zu Ovi. Er ist 33 Jahre alt, kommt aus Bukarest, studierte Gitarre und Klavier und hat seinen Beitrag selber geschrieben! Er kann als rumänischer Ralph Siegel gesehen werden, da er nun im fünften Anlauf endlich den rumänischen Vorentscheid gewinnen konnte.

Das Lied ist natürlich in der Dimension eines Meat Loaf anzusiedeln. Diese Art von Rock versucht den Rock auf frühere Epochen zu übertragen. Bevorzugt ist hierbei natürlich das Mittelalter, wie auch bei Ovi. Das Lied steigert sich toll von der schönen Klaviereinleitung mit Streicherunterstützung in einen für dieses Genre typischen Refrain. Der Vorteil an dieser Musikrichtung liegt eindeutig im packenden Refrain, der bei anderen Rocksongs nur sehr schwer erreichbar ist.

Ovi´s Stimme ist perfekt auf dieses Lied zugeschustert, eher anders herum. Der Text ist wirklich fast akzentfrei und wir sind hier in Rumänien. Stimmlich gelangt er beim Wort silence an seine Grenzen und leider darüber hinaus. Aber ansonsten Top Leistung.

Das größte Problem im Moment liegt nicht am Song sondern an der Präsentation. Ein solch hymnisches Lied bedarf einer aufwändigen Bühnenshow um dieses ganze Gefühl gut herüber zu bringen. Ob sich die angeschlagene rumänische Rundfunkanstalt das allerdings leisten kann, steht in den Sternen.

Mein Konzept: Zu Beginn ist die Bühne in blau gehüllt und nur ein Spott zeigt auf Ovi. Auf dem LED-Screen ist eine kleine Flamme zu sehen. Diese wird immer größer und zu Beginn des Refrains werden die Flammen dann auf der Bühne abgefeuert und es entwickelt sich eine Höllenszene. Danach vielleicht Tänzer mit roten Kontaktlinsen in Nahaufnahme zeigen und eine gute Choreo für Ovi entwickeln.

Das Fazit kann nur positiv ausfallen. Das Lied ist super und einprägsam, Ovi kann singen und das Genre wird von keinem Konkurrenten besetzt. Finale ist sicher, aber für die rechte Seite der Tabelle (1-13) sehe ich eher schwarz. Aber sollte Ovi wirklich eine zündende Idee haben, kann das auch in die Top-10. Ein Sieg ist allerdings nicht drin.


Hier noch der Moment seines Sieges:


UPDATE 15.03.16: Das offizielle Video ist nun online. Wobei man wirklich hoffen muss, dass das nicht das endgültige Video sein wird. Schwach, billig, simpel. Das hat man in einem Durchlauf geschossen. Außerdem sieht er wirklich dick in dem Hemd aus, auch nicht vorteilhaft. Eine Änderung am Song ist nicht hörbar.

UPDATE 15.03.16: Das Video ist wieder offline. Da gab es wohl doch noch die späte Einsicht, dass das Video absolut schrecklich war. Aber Einstellung nur auf Privat geändert, also kann es zu einem späteren Zeitpunkt erneut veröffentlicht werden. Zur Überbrückungszeit wird uns nun die Studioversion mit den Live-Bildern angeboten. Na gut, hier stimmt wenigstens der lange Ton im Refrain besser. Dieser soll dissonant klingen, aber nicht schrecklich.