Lisboa 2018

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Samstag, 17. März 2018

Schweiz gegen Cybermobbing und steinzeitliches Verhalten

Das Land, das Celine Dion, Vanilla Ninja und DJ BoBo in den erlesenen Kreis der Teilnehmer am Eurovision Song Contest aufsteigen ließ, sucht seit einigen Jahren die Form vergangener Tage. Nun soll endlich 2018 der Umschwung gelingen und das durch eine rundum Schweizer Produktion, ein Geschwisterpaar und dem Lied Stones


Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=jXOlPGnkZFY
Die ESC-Vergangenheit:

Die Schweiz kann man ohne Probleme als das Mutterland des ESC´s betrachten, da 1956 die einstige Idee in die Tat umgesetzt wurde. Ohne unseren neutralen südlichen Nachbarn hätte die Auswahl eines Austragungsortes im immer noch durch Krieg geschüttelten Europa zum Problem werden können. Den Heimsieg ließ die Schweiz sich ebenso nicht nehmen. Darüber hinaus konnte die Schweiz ein weiteres Mal den Pokal nach Hause bringen, als die (wie immer an dieser Stelle erwähnte) Celine Dion 1988 mit nur einem Pünktchen Vorsprung gewann. Danach gelang noch ein Dritter Platz, aber der Schwung war weg. In den vergangenen 10 Jahren wurde nur 2 Mal das Finale erreicht mit den Positionen 25 (2011) und 13 (2014). In diesem Zeitraum wurde sogar ganze 3 Mal der Letzte Platz im Semi erreicht, 2015 und 2016 sogar in Folge. Auch die hoch gewettete Band Timebelle konnte 2017 die Wende nicht schaffen und schied als 12. mit nur 4 Punkten Rückstand auf die Finalplätze aus. Nun soll mit der 59. Teilnahme endlich der erste Finalplatz seit 2014  erreicht werden. 

Die Auswahl:

Die Schweiz veranstaltet seit 2011 Die große Entscheidungsshow, dessen Sieger für die Schweiz beim Song Contest antreten darf. In den vergangenen Jahren wurden die Startplätze den regionalen Sendern verhältnismäßig aufgeteilt, die dann frei entscheiden konnten, wer diese Plätze ausfüllt. Dieses Konzept wurde 2017 aufgegeben und 2018 erneut bearbeitet. Zusammen mit der Schwedischen ESC-Größe Christer Björkmann wurde eine öffentliche Ausschreibung für Komponisten und Sänger getätigt, wobei nicht jeder Komponist auch einen Sänger präsentieren musste. Der Sinn dahinter war, dass der Fokus der Auswahl mehr auf den Song gelegt wird, als auf den Künstler. Intern wurden daraufhin 6 Künstler ausgewählt, die Anfang Februar gegeneinander antraten.

Die Änderungen in der internen Auswahl der Beiträge lohnte sich und es gab einen hochwertigen Vorentscheid, der sich qualitativ deutlich von den letzten Jahren abheben konnte. Auch wurde der Fokus auf die Inszenierung gesetzt, was natürlich ein riesiger Vorteil für den ESC ist. Unter den 6 Teilnehmern wurde recht schnell in den Foren ein Favorit auserkoren (Haha Reim) und dieser war auch der spätere Sieger: ZiBBZ. Dieser Favoritenrolle wurden sie trotz des Startplatzes 1 gerecht und gewannen sowohl das Juryvoting (knapp mit 2 Punkten) als auch das Televoting (Sehr deutlich mit fast 30 Punkten Vorsprung). Somit konnte ohne den Hauch von Drama die Show beendet werden und die Schweiz schien glücklich.


Die Künstler:

Hinter dem Künstlernamen ZiBBZ (je nach Quelle Zibbz) steckt das Geschwisterduo Corinne 'Co' Gfeller und Stefan 'Stee' Gfeller. Während Co für den Gesang zuständig ist, kümmert sich ihr Bruder Stee um den Rest (Schlagzeug, Percussion & Klavier). die Band gründete sich 2008 und ihr Name ist eine fancy dancy Abwandlung des Englischen Siblings, also Geschwister. Auf ordentlich Erfahrung können die beiden auf jeden Fall zurückgreifen. Co besitzt einen Abschluss der Laine Theatre School (Musicalausbildung) in London, auf der auch Viktoria Beckham war, dazu ist sie auf einigen namenhaften Alben als Backgroundstimme zu hören und textete auch einige Lieder, unter anderem für Fergie. Stee hingegen gewann schon mit 12 Jahren diverse Preise für sein Schlagzeugspiel und gründete seine eigene Rockband. Beide zusammen fühlen sich in ihrer Wahlheimat Los Angeles am wohlsten, wo sie auch ihre Musik zum Leben erwecken. 

Als sie dann zusammen die Band zum Leben erweckten, erhielten sie gleich großen Support von einem Jugendsender, der über Jahre hinweg über sie berichtete. Zusammen brachten sie bereits 2 Alben in den Jahren 2013 und 2017 heraus, die jeweils die Top10 der Albumcharts kratzten. Außerdem brachten sie schon einige Song in Werbespots unter, so zum Beispiel für die sehr leckere Ragusa-Schokolade oder für Subaru. Der bisher größte Erfolg in der Werbebranche war wohl die Beisteuerung der offiziellen Hymne für die Unihockey-WM 2012. An mangelnder Erfahrung sollte es also nicht scheitern.


Der Song:


Hier ist der diesjährige Schweizer Beitrag "Stones" von ZiBBZ:


Der Song ist wie es sich für einen Popsong ja fast schon gehört recht typisch, weißt aber im Aufbau einige Besonderheiten auf. Vers A, Prechorus, Refrain, Vers B, Prechorus halb, Refrain, Bridge, 2x Refrain. Zu Beginn steht Co´s Stimme sehr im Vordergrund und wird durch harte Schlagzeug-Akzente, die auch Posaunen beinhalten, ergänzt. im Prechorus ist dann nur das Piano hörbar, um den Bruch zum Refrain noch stärker zu betonen. In diesem werden die Motive aus den Versen ausgebaut und generell ein lauter, aggressiver Sound hergestellt. Die Komposition verändert sich nicht all zu sehr im zweiten Durchlauf, nimmt sich selber in der Bridge allerdings deutlich zurück, wo nur der Chor im Hintergrund zu hören ist und ein Percussion Klang-Teppich. Natürlich folgt der Höhepunkt durch den einleitenden Schrei in die beiden Finalen Refrains, bei denen es Co sich natürlich nicht nehmen lässt, noch einiges an Stimmakrobatik einzubauen.

Das moderne Pop/Rock-Stück orientiert sich nah am Zahn der Zeit und könnte ohne Probleme in jeglichen Radiostationen gespielt werden. Wenn ich diesen Song einordnen müsste, dann wäre das irgendwo zwischen "Radioactive" von den Imagine Dragons und "Are we all we are" von P!nk, denn beides sind edgy Songs, mit starkem Percussion-Anteil, von denen sich "Stones" nicht verstecken muss. Der Song wurde nach dem Sieg im nationalen Vorentscheid etwas modifiziert und der Attitude-Pegel wurde ordentlich nach oben geschraubt. Somit ist es der Schweiz als eines der wenigen Ländern gelungen, einen Song mit einem Revamp tatsächlich zu verbessern. 

Komponiert und getextet haben ZiBBZ den Song selber, mit der Unterstützung von Laurell Barker. Die Kanadierin gewann schon einige Awards in den USA und Kanada und entdeckte in den letzten Jahren die Liebe zum Eurovision Song Contest. Sie steuerte 2017 2 Songs dem Britischen Vorentscheid bei, 2018 folgten dann der Fan-Favorit im britischen Vorentscheid und sogar ins Melodifestivalen schaffte sie es mit Renaida und ihrem Song "All The Feels", welcher es bis ins Finale schaffte.


Ein anderes Werk der Co-Autorin, das es sogar bis ins Finale des Melodifestivalens schaffte.

Der Text:

ZiBBZ beschreiben die Message des Songs als Hymne gegen Mobbing. Sei es in der Schule, auf der Arbeit, im Internet oder in Form von mangelnden Selbstbewusstseins. "Mobbing hindert uns daran, unser wahres Ich zu zeigen, unser Leben in vollen Zügen zu leben und zu träumen", so ZiBBZ. Dabei rufen sie auch auf eben nicht in dieses steinzeitliche Verhaltensmuster zurück zu fallen und andere Menschen mit Steinen zu bewerfen oder ihnen in den Weg zu legen. Auch sind sie überzeugt davon, dass sie mit dieser Meinung nicht alleine da stehen. Die Selbstsucht der Menschen wird ebenfalls thematisiert, da Menschen oft nur an ihren eigenen Vorteil denken. 

Hier einige Auszüge:

Wir sind so ängstlich, wir feuern sie ab
Was ist ein Leben schon wert?
Wir sind so ängstlich, wir wiederholen den Fehler,
Nur um Erster zu sein.

...

Jede Belehrung der Vergangenheit haben wir verloren

Es tut mir leid, dass ich nicht zurück versetzt werden möchte

Nein, Ich werde keine Steine werfen

Oh, weil ich weiß, dass ich nicht alleine da stehe.

...

Sie meinen anders zu denken sei der Feind

Es ist schon seit Jahrzehnten so

und ich kann nichts dagegen tun.

Die Botschaft, in allen von Cybermobbing-Zeiten, in denen man anonym erheblichen Schaden anrichten kann, ist sehr wichtig und sehr gut verpackt. Die Lyrics sind nicht zu platt oder schwach, sondern qualitativ hochwertig, was allerdings den Zugang zur Message natürlich erschwert. Nichtsdestotrotz wurde hier sowohl ein wichtiges Thema angesprochen, als eben dieses auch gut verpackt und in dieser Kategorie nimmt die Schweiz meiner Meinung nach einen der führenden Plätze in diesem Jahr ein.


Das Gesamtpaket: 


Quelle: https://youtu.be/jXOlPGnkZFY?t=2m24s

Da ZiBBZ ja im Vorentscheid antreten mussten, konnte man schon einen ersten Entwurf für das Staging betrachten. Dieses war simpel, jedoch recht effektiv. Das Geschwisterpaar stand bzw. saß jeweils in einem Dreieck, Stee´s blau, Co´s rot und auf dem Kopf. Zu Beginn steht Co noch an einem Mikrofonständer, von dem sie sich allerdings recht schnell verabschiedet und anschließend vorne ordentlich Bewegung macht. Zur Bridge haut sie sogar auf eine Trommel. Auch die LED-Wand wurde benutzt, die ja beim ESC weg fällt. außer man bringt seine eigene mit. Deren Bilder waren jedoch sehr willkürlich ausgewählt. So gab es zu Beginn Aufnahmen aus einem Wald, welcher dann im Refrain zu (was wohl?) fliegenden Steinen wurde. Auch einige Autobahnkreuze und Kamerafahrten über Straßenblocks waren zu sehen. Das einzig wirklich Relevante für den ESC war der Effekt, als fliegende Steine als Bildeinblendung über die Bühne in Richtung Zuschauer flog. Co´s Outfit war sehr dunkel gehalten, schwarze Lederhose, schwarzes Top mit Schulterpelz und ein schwarzer Hut. Dadurch kamen natürlich ihre blonden Haare richtig zu Geltung, sowie ihr rotes Fetzen-Accessoire an ihrem Oberkörper. Allerdings ging sie in den Kameraeinstellungen der ganzen Bühne etwas verloren, da der Hintergrund auch oft schwarz war.


Der Song benötigt auf jeden Fall ein recht auffälliges und passendes Staging, da die Schweiz im starken Semifinale 1 ran muss und die Finalqualifikation die Erwartung sein sollte. Die LED-Dreiecke könnten mitgenommen werden, auch wenn diese unter Umständen etwas zu wenig sein könnte. Daher würde ich mich eher an dem Video orientieren, das sehr dunkel gehalten ist, aber zum Beispiel mit Lasern arbeitet. Tänzer würde ich bei dem Song unterlassen, allerdings könnte man den Chor sichtbar auf der Bühne dar stellen, sozusagen als Antagonist der Künstler. ZiBBZ also auf der durch die LED-Dreiecke beleuchteten Seite der Dreiecke, die klar abgegrenzt zur Dunkelheit ist. In dieser Dunkelheit (Anonymität) stehen die Chorsänger als finstere Gestalten. Zum Ende hin löst sich dieser Konflikt auf und die Gestalten wandern zu ZiBBZ. Die Laser könnten hierbei aus der Gruppe heraus kommen, um gezielte Attacken auf Opfer darzustellen, siehe Scharfschützengewehre. Auch die rote Beleuchtung zum Ende des Videos finde ich schön und diese könnte man auch auf das Staging adaptieren. Das Outfit sollte edgy, aber dennoch passend sein, dabei auch noch eher finster, aber nicht zu dunkel, um auf der Bühne nicht zu verschwinden. Von daher würde ich in der Farbwahl etwas mehr auf das bereits vorhandene weinrot setzen oder zumindest den Hut weglassen bzw. färben.


Die Wettquoten und Chancen:

ZiBBZ sind bereits gestandene Künstler, die auf eine ordentliche Vita zurückschauen können. Somit ist ein Totalversagen beim ESC praktisch ausgeschlossen, da die beiden genug Erfahrung haben, um die Schweiz nicht zu blamieren. Symphatiepunkte gibt es außerdem für die Tatsache, dass sie ihren Song mitproduziert und geschrieben haben. Sie sind vielleicht der beste Schweizer Act seit langer Zeit, nur leider haben sie ordentlich Pech im Gepäck.

Denn sie starten im sehr starken Semifinale 1, darin in der zweiten Hälfte. Aktuell sind die Top4 der Wettquoten in diesem Semi zu finden, es könnte das stärkste Semi aller Zeiten sein. Die Schweiz, die oft eher weniger Glück mit Nachbarschaftsvoting hat, sieht sich also in mitten von vielen Favoriten. Auch können weder Frankreich, Italien noch Deutschland für sie abstimmen, da diese geschlossen im anderen Semifinale abstimmen werden. Somit bleibt mit Österreich nur ein Nachbarland, die sich aber in der Vergangenheit nicht als sonderlich spendabel erwiesen haben (So gab es 2017 nur magere 2 Pünktli) 

In den Wettquoten ergibt sich ein noch schlimmeres Bild, da sie aktuell Stand 17.03. 23:00 Uhr nur auf dem 39. Platz stehen. Vor noch 5 Tagen standen sie seit einem Monat auf dem Letzen Platz aller Teilnehmer. Somit halten die Anbieter eine Qualifikation der Schweiz nicht nur für unwahrscheinlich, sondern für beinahe ausgeschlossen. 

Meine persönliche Einschätzung ist, dass ich die Schweiz noch nicht abschreiben würde. Ich finde den Song wesentlich stärker als den letztjährigen Beitrag, der ja nur äußerst knapp gescheitert war. Natürlich ist das Semifinale auch wesentlich stärker und die Schweiz muss auf Fehler der Konkurrenz hoffen. Wären sie allerdings in Semi 2 angetreten, hätte ich ihnen sogar recht gute Chancen ausgerechnet, aber in Semi 1 wird es natürlich schwer. Vielleicht wird Christer Björkmann, der ja maßgeblich für die Reihenfolge der Teilnehmer verantwortlich ist, den ein oder anderen Extra-Franken bekommen, wenn er die Schweiz auf den letzten Startplatz setzen sollte. Wir erinnern uns: Er war in der Auswahl des Beitrages involviert. Natürlich ist das nur eine meiner zahlreichen Verschwörungstheorien, wobei sich ja einige schon als wahr herausstellten. Mit gutem Staging, optimaler Startnummer und patzender Konkurrenz könnte ich mir eine Qualifikation vorstellen. Sollte ich allerdings jetzt eine Prognose abgeben, dann würde ich die Schweiz raus tippen. Aktuell sehe ich 7 Länder mehr oder weniger sicher im Finale, dazu kämpfen mindestens 8 andere Songs um die weiteren Plätze 8-15. Unter diesen sehe ich die Schweiz, unter diesen sehe ich aber auch die Schweiz als diejenigen, mit den geringsten Chancen. Neutralität zahlt sich eben doch nicht immer aus. 

Hier noch die Performance aus dem Vorentscheid (Achtung: Alte Version des Songs)


Sonntag, 5. Februar 2017

Schweizer Selbstfindungsprobleme

Die Schweiz veranstaltet dieses Jahr eine etwas abgeänderte Version des Vorentscheids. Die Quotenregelung nach Region wurde gekippt und nun kamen die 6 stärksten Beiträge in einen nationalen Vorentscheid. Diese 6 weiblichen Teilnehmer präsentieren die Songs:

"Exodus" von Shana Pearson
"The Fire in the Sky" von Nadya
"Two Faces" von Michèle
"Gold" von Freschta
"Cet air là" von Ginta Biku
"Apollo" von Timebelle

Kleine Anmerkung am Rande: Ich stehe gerade noch unter dem Einfluss des Melodifestivalens und könnte daher noch kritischer sein als sonst.

Den Post eröffnen wird also Shana.

Mit 31 Jahren möchte sie den jungen Hüpfern zeigen, wie es geht. In Gegensatz zu vielen, vielen anderen Teilnehmern an nationalen Vorentscheiden, kam sie in ihrer Karriere bislang ohne Castingshows aus (oder nur so erfolglos, dass niemand davon weiß). Bei Shana kann man durch aus von Karriere sprechen, da sie schon einige Male ihren Namen in den Charts verewigen durfte, auch in Frankreich. Beim ESC würde die Dame mit amerikanischen Vorfahren gerne mit Exodus antreten. Geschrieben wurde er von einem schwedischen Team, welches eher unbekannt ist. Ein Komponist hatte die Hände 2014 beim Melo im Spiel, ein anderer ist mit 16 Millionen verkauften Platten in Asien recht erfolgreich.

Nun ja, zumindest kann sie Englisch ohne Akzent sprechen, das wars aber mit den guten Nachrichten. Der Song ist Eurodance-trash pur und ist leider im letzten Jahrtausend hängen geblieben. Solche Songs kennt man normalerweiße nur aus Moldau oder Weißrussland. Da hilft es auch nicht besonders, dass ihr Kleid wie das der moldauischen Siegerin 2016 aussieht. Das dieser Song in den Top6 der eingereichten Songs ist zeigt, wie schwach die aktuelle Konkurrenz bei den Eidgenossen ist.

Das schlimmste kommt aber noch: ich schätze es nicht als chancenlos ein. Beim verlinkten Video sind die stimmlichen Schwächen eklatant, was aber insbesondere an dem Backgroundherr liegt. Ihre Stimme ist weder sicher noch toll, aber solide. Sollte sie also stimmlich eine solide  Leistung bringen, dann muss sie nur noch mit einer tollen Show vom Lied ablenken. Viele Tänzer und sowas wie Måns, also etwas, wo man wegen der Show anruft, nicht wegen des Liedes. Die Chancen darauf sind aber sehr gering und somit wird uns dieses Lied wohl erspart bleiben.

Nun kümmern wir uns um Nadya.

Diese ist 23 und ein Castingsternchen, wer hätts gedacht! Sie absolvierte eine klassische Gesangsausbilung und nahm daraurhin beim Schweizer Supertalent teil. Dort konnte sie das Finale erreichen und ist nun bereit für den nächsten Karriereschritt. Dazu sollte man noch erwähnen, dass sie nicht die typischen Maße für eine Popsängerin hat und auch glücklich damit zu sein scheint. Der Komponist ist Schweizer und ein Spezialist für wehmütige Volkslieder. Auch sein Weg begann bei einer Castingshow und seit her arbeitet er mit einem Chor zusammen, mit welchem er eher dunklere Themen verarbeitet wie z.B. den Tod seines Vaters.

The Fire In The Sky ist ebenso eine sehr dunkle Komposition. Im Text geht es um eine brennende Welt, dem Teufel und die Auswegslosigkeit. Nadyas Stimme ist wohl die beste im gesamten Vorentscheid, da sammelt sie Pluspunkte. Die Komposition hinterlässt Rätsel bei mir. Während die Verse sehr dunkel klingen und der Prechorus sensationell gelungen ist, wirkt der Refrain hymnisch, fast schon euphorisch, nur melodisch nicht textlich. Und durch diese stimmliche Verirrung hat der Song 0 Wirkung auf mich. Dazu kommt noch, dass Nadya nicht die ausdrucksstärkste Sängerin dieser Welt ist und ihre Kostümwahl mehr als unglücklich war. Aber das sind Dinge, an denen sie arbeiten konnte.

Das Staging an sich würde ich so lassen, eventuell ein Pyroregen wegen fire in the sky, aber nochmal: der Refrain ist mir zu hell, zu euphorisch. Christina Scarlat aus Moldau 2014 mag zwar Letzte geworden sein, aber ihr habe ich diese dunkle Aura abgenommen. Und auch Nadya kann mit einigen wenigen Effekten so etwas zaubern. Ein paar offensive Handbewegungen mit finsterer Miene in die Kamera. Dazu ein Kleid, dass keine schwarzen Blumenmuster beinhaltet. Etwas gewagtes, angst einflößend, Mädl du singst vom Untergang der Welt!

Weiter gehts mit der bipolaren Michèle.

Die Schweizerin ist zwar erst 16 hat aber im Ausland schon eine Castingshow gewonnen - nämlich die erste Staffel von the voice kids 2013. Seither gab es allerdings keine Neuigkeiten von ihr und so wurde klar, dass sie einen neuen Weg einschlagen muss, eine neue Castingshow. Michèle ist die erste hier, die ihren Song Co-getextet hat. Die anderen drei Komponisten sind alles Deutsche, hat hier ja gute Erfahrungen gesammelt. Einer davon hat mir aber die Nackenhaare aufstehen lassen. Der Hofproduzent von Hitmaschine und Stilikone Michael Wendler. Außerdem der Produzent von Pietro  und Sara "Engels" Lombardi und ein paar Hits von Mickie Krause. Außerdem Schauspieler bei Berlin Tag&Nacht. Was?

Im Text geht es um ihren Charakter, der von nett und süß (sugar) bis nach wütend und sauer (salt) reichen könne. Ein paar andere Beispiele wie hell und dunkel werden auch genannt. Der Song ist in den Strophen sehr Sia, wenig Instrumente, Fokus auf die Stimme. Danach geht es etwas R&B weiter, bis zum Michael Jackson Schrei und dem Chorus. Dieser kann der aufgebauten Spannung nicht gerecht werden, da er nur aus fallenden oh oh's besteht, wenn das mal keine Warnung ist!

Der Song lebt von der Interpretin und das sollte ihr heute auch bewusst sein. Nur mit ordentlich Temperament und großen Gesten kann sie in den Köpfen bleiben. Insbesondere im Chorus sollte etwas passieren, da die oh oh Stellen gesanglich keine Hürden sind, dem Fluss des Songs aber zum stocken bringt. Mit diesem Upbeat-Beitrag wird sie auf jeden Fall einen Pluspunkt haben. Aber auch sie sollte ihre Kleiderwahl zumindest noch bedenken. Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob eine Blumenbluse die richtige Wahl für einen solch frechen Song ist.

Halbzeit mit Freschta.

Die Schweizer mögen zwar DJ BoBo und können daher als verrückt bezeichnet werden, aber Freschta ist kein typisch schwizer Vorname. Freschta ist eine 20-jährige afghanische Schönheit, die fast ihr ganzes Leben in der Schweiz verbracht hat. Auf Afghanisch hat ihr Name eine tolle Bedeutung: Ängli oder auf Hochdeutsch Engel. Bekannt wurde sie 2014 durch die Teilnahme an the voice, wo sie das Halbfinale erreichen konnte. Darauf schickte sie 2 Songs zum SRF für den ESC, wurde aber bei beiden Versuchen nicht berücksichtigt. Dieses Jahr kam eine Songwriterin auf sie zu und sie schufen zusammen Gold, pardon "gold". Unterstützt wurden die beiden von einem Produzenten, der schon für Cro und Sido arbeitete.

Freschtas Gold ist in Moll geschrieben, ea handelt sich also um ein ziemlich dunkles. Im Text gehe es um Liebeskummer, etwas mit dem sich jeder identifizieren kann. Der Song ist eine klassische Ballade, mit ganz stark zurückgenommener Instrumentation. Dadurch liegt der Fokus voll auf ihrer Stimme und es entscheidet sich recht schnell, ob sie einen berührt oder nicht. Falls sie Erfolg hat, bricht der Hörer jegliche Kommunikation oder Ablenkung ab und versingt in Freschtas Welt. In diesen Augenblick gewinnt sie den Vorentscheid. Aber es gibt auch die Möglichkeit, dass man sich nach 30 Sekunden mit anderen Dingen beschäftigt, da es einen langweilt. Egal wie es ausgehen wird, mich hat sie voll in ihren Bann gezogen.

Genau hier wird der entscheidente Punkt sein. Stimmlich wird sie ganz sicher auftreten, aber alle Aspekte des Stagings müssen perfekt auf ein ander abgestimmt sein, damit wir in ihrer Welt versinken. Dazu gehören Kameraeinstellungen, Schnitte, Blicke, Gesten, Beleuchtung, Kleiderwahl, etc. Letzteres hatte sie bereits angekündigt, werde sie etwas unkonventioneller einsetzen. Ansonsten muss ich Kritikern recht geben, dass es doch etwas zu monoton und eintönig ist. Aber sie hört auf ihre Kritiker, denn sie hat eine etwas neu abgemischte Version veröffentlicht. Etwas mehr Instrumentation und dadurch ein wenig mehr Bewegung. Ich bin sehr gespannt.

Weiter gehts mit Ginta Biku.

Die Sängerin die eigentlich Gintare Kubiliute heißt, wurde in Litauen geboren und wuchs jenseits des Bodensees auf. Die bald 30-jährige kann auf eine festivalreiche und castingarme Vergangenheit zurück blicken. Sowohl in der Schweiz, als auch in ihrem Geburtsland konnte sie einige Erfolge feiern. Nun wird also der ESC mit dem französischen Cet Air La angegriffen!

Der größte Kämpfer ist chancenlos mit stumpfen Waffen. Es wundert mich nicht, dass Preise für ihr Aussehen in ihrer Trivia sind, aber keine stimmlichen Belobigungen. Das ist ganz ganz schlimmer nasaler Gesang und fast so schlimm wie Eric Saade live. Der Unterschied ist, dass Eric Saade immerhin einen tollen Song zerstört, Gintagilde aber schon auf einem Trümmerhaufen steht. Sie versucht modern, gefühlvoll, französisch und Dancequeen in einem zu sein. Ihre drei Tänzer bleiben auf jeden Fall im Kopf, aber die Kleider eben auch. Starlight Express Albatrosse, die sich ihre Flügel für sie ausreißen?! Das war wohl eine fruchtfröhliche Nacht bei der Staging Planung.Ihr Outfit sieht hingegen sensationell aus.

Der Song beginnt mit tropischen Einflüssen und wirkt recht gut. Sobald allerdings die Bridge zum Chorus einsetzt und die Töne länger werden, versagt die Harmonik und das Lied völlig. Spannung und Tempo sind raus, da hilft auch der lyrisch starke La La La La Refrain nicht. Dieser wird in einem Instrumentalwirrwarr aufgelöst, was ich so noch nie gehört habe. Wenn ich ganz viele tolle Elemente in drei Minuten komprimiere, dann erlange ich einen Overkill. Wenn ich aber nur ganz schreckliche Elemente komprimiere, erreiche ich einen negativen Overkill. Mehr muss ich hierzu nicht sagen außer, dass die komplett französische Version deutlich authentischer klingt. Wenn die Komponisten immer sowas produzieren wundert es mich nicht, dass man sie nicht kennt.

Das große Finale für Favorit Timebelle.

Bereits 2015 war diese Multikultiband beim Vorentscheid dabei und galt wie heute als Favorit. Dieses Jahr haben sie aber einiges umgestellt. So wurde die Band halbiert, um der rumänischen Sängerin drei Backgroundsänger zu Verfügung zu stellen. Den Song hat man aus 2015 aus dem tiefsten Kaukasus ausgegraben, denn er wurde 2015 in der internen Bewerbungsrunde in Aserbaidschan ausselektiert. B-Ware scheint aber bei den Schweizern die neue A-Ware zu sein und so nahm sich Timebelle den schwedischen Song.

Nur mit Piano begleitet startet der Song mit der starken Sängerin im schrill gelben Kleidchen, bitte umziehen! Der Song baut sich typisch schwedisch auf und am Ende haben wir einen starken Refrain, der mich etwas zu sehr an Jessie J Nobodys perfekt erinnert. Es ist fast schon bezeichnend, dass diese zweite Wahl überall als Favorit gilt.  Wenn man dazu noch die Inszenierung etwas spannender gestalten würde, wäre der Sieg kaum zu verhindern.

In ein paar Stunden werden die Kandidaten in folgender Reihenfolge antreten:

1.) Nadya - The Fire In The Sky
2.) Ginta Biku - Cet Air Là
3.) Michèle - Two Faces
4.) Freschta - Gold
5.) Shana Pearson - Exodus
6.) Timebelle - Apollo

Somit bekommt Nadya die gute Position, die Bühne zu eröffnen, Freschta, Shana und Timebelle haben ebenfalls Glück gehabt. Ginta kann auf Rang 2 eigentlich gleich aus lassen und Michèle wird auch nicht glücklich sein.

Meine persönliche Wertung sieht so aus:

1.) Freschta - Gold
2.) Timebelle - Apollo
3.) Nadya - The Fire In The Sky

4.) Michèle - Two Faces

5.) Shana Pearson - Exodus
6.) Ginta Biku - Cet Air Là

Die Lücken sollen zusätzlich noch die Abstände zeigen. Nach Betrachtung aller Fakten und Spekulationen, die ich als alternative Fakten bezeichne, erwarte ich folgendes Endergebnis:

1.) Timebelle - Apollo 60% Siegchance
2.) Nadya - Thr Fire In The Sky 15%
3.) Michèle - Two Faces 11%
4.) Freschta - Gold 9%
5.) Ginta Biku - Cet Air Là 4% (da Französisch)
6.) Shana Pearson - Exodus 1%

Viel Spaß beim Vorentscheid und möge die Unschrecklichste gewinnen!

ERGEBNIS: Wie erwartet konnte Timebelle die Mehrzahl der Zuschauer hinter sich bringen. Mit einem Erdrutschsieg von beinahe 50%, sind sie der klare Favorit der Schweiz.

Samstag, 9. April 2016

Semifinale 2: Außenseiter kommen zum Schluss

Am Freitag erlöste die EBU uns endlich und gab die Startreihenfolge in den Semifinals bekannt. Wie immer nach dieser Bekanntgabe, gab es riesige Schockwellen, die durch das ESC-Universum flogen. Ob ein Song zwischen 1-9 oder 10-19 antritt, entschied das Los, die genaueren Positionen wurden vom Regisseur des ESC´s nach dramaturgischen Aspekten eingeordnet. Die Bekanntgabe kam dieses Jahr recht spät, was eigentlich ein Zeichen sein sollte, das sie gut durchdacht sei. Semifinale 1 gibt es hier. Schauen wir sie uns einmal an:

1. Lettland

2. Polen

3. Schweiz

4. Israel

5. Weißrussland

6. Serbien

7. Irland

8. Mazedonien

9. Litauen

10. Australien

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11. Slowenien

12. Rumänien

13. Bulgarien

14. Dänemark

15. Ukraine

16. Norwegen

17. Georgien

18. Albanien

19. Belgien

Die Startposition ist ein oft unterschätzter Faktor, der schon oft für Dramen gesorgt hat. Wie auch im Finale gilt: Je später, desto besser. Das zweite Semifinale gilt als das schwächere, da hier das Feld nicht so homogen ist und die durch Diaspora ohnehin bevorteilten Länder, einen starken Beitrag schicken. 

Die Regisseure können natürlich nicht alle Länder glücklich machen und ich persönlich finde, dass es eine durchaus diskussionswürdige Entscheidung ist. Aber die Quoten für die Qualifikation werden sich nun deutlich verschieben, natürlich in die Richtung der Spätstarter. Ein Orakelspruch wird im Laufe der Woche veröffentlicht werden, meine persönliche Meinung folgt ebenfalls in diesem Post.

Zunächst für die Statistikfreunde eine Qualifikationsquoute für jeden Startplatz seit Einführung des zweiteiligen Halbfinalsystem 2008:

Startplatz 1: 50%

Startplatz 2: 56%

Startplatz 3: 31%

Startplatz 4: 38%

Startplatz 5: 38%

Startplatz 6: 69%

Startplatz 7: 56%


Startplatz 8: 50%


Startplatz 9: 50%

Startplatz 10: 63%

Startplatz 11: 31%

Startplatz 12: 63%

Startplatz 13: 69%

Startplatz 14: 81%

Startplatz 15: 69%

Startplatz 16: 60%

Startplatz 17: 83%


Startplatz 18: 88%

Startplatz 19: 80%

Wenn man also nur nach Statistik geht, würden sich die grün hinterlegten Plätze qualifizieren. Aus dieser Statistik geht eindeutig hervor, dass es sehr wohl auf die Startposition ankommt, wobei Platz 18 der beste ist und Platz 3 & 11 der undankbarste. Aber es kommt natürlich auch darauf an, wer vor und nach dir startet. 

Somit kommen wir zu den Gewinnern und den Verlierern dieses Semifinals:


Unter den Gewinnern sind:

Lettland

Mazedonien
Australien
Ukraine
Georgien
Albanien
Belgien

Lettland darf relativ überraschend den ESC eröffnen. Natürlich ist diese Position nicht gerade beliebt, aber durch drei ruhige Balladen nach ihm, kann er sich ziemlich gut absetzen.

Mazedonien kann auf die stimmliche Gottheit Kaliopi setzen. Ziemlich weit hinten und dann noch zwischen zwei stimmlich wackeligen Acts, besser hätte es kaum kommen können.

Australien bekam den letzten Platz in der ersten Hälfte und startet direkt vor der schwachen Taylor-Swift Attrappe. 

Die Ukraine startet nach den unnötigen Liebessoldaten und somit wird der Kontrast zu ihrem ernsten Song noch größer. 

Albanien und Georgien sind überraschend dort hinten zu finden und haben das Glück, dass kein großer Favorit mehr nach ihnen kommt. Dadurch werden sie auf jeden Fall mehr Votes bekommen, als bisher erwartet. 

Der größte Gewinner der Auslosung ist mit ziemlicher Sicherheit Belgien. Den beliebten Startplatz besetzt, der unmittelbar vor der Leitungsöffnung erklingt und als letzter Eindruck stehen bleibt.

Aber wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer. Diese sind:

Schweiz
Weißrussland
Irland
Slowenien
Dänemark

Die Schweiz hat neben dem Unglück, mit der Nummer 3 zu starten, auch noch das Pech, dass Rykka zwischen 2 deutlich stärkeren Balladen im Sandwich steckt. Mit ihrer wackeligen Stimme kann sie praktisch gleich in Kanada bleiben. Sie ist meine größte Favoritin auf den letzten Platz.

Weißrussland und Irland teilen das Schicksal recht früh und unglücklich eingeteilt zu sein. Beide sind im Sandwich von unglaublich guten Sängern, mit denen sie nicht einmal ansatzweise mithalten können. Dazu sind beide Songs auch noch relativ platt.

Slowenien muss direkt nach Australien ran und wurde als erstes von der zweiten Hälfte zugeteilt.

Dänemark muss sich zwischen den beiden Powerfrauen aus der Ukraine und Bulgarien behaupten. Mit diesem Song eine nahezu unmögliche Herausforderung.

Fazit: Das Ende dieses Semifinals und die hohe Balladenkonzentration zum Anfang überraschen durchaus. Als Spannungseffekt finde ich diesen Außenseiterschluss gar nicht übel. Nur die vielen Balladen zu Beginn, das hätte nicht sein müssen.

Sonntag, 3. April 2016

Weiter geht´s nach Moskau!

Das zweite mehr oder weniger offizielle Jahrgangstreffen, fand am 3.April 2016 in Moskau statt. Viele der anwesenden Acts hatten eine stressige Anreise hinter sich, da sie nur einen Tag zuvor in Riga, auf dem ersten Treffen waren. (Nachzulesen hier und hier) Für dieses Event haben sich insgesamt 12 Künstler angekündigt, nämlich:



  • Iveta aus Hamburg (Armenien)
  • Samra aus Aserbaidschan
  • Hovi aus Israel
  • Ira aus Malta
  • Lidia aus Moldawien
  • Kaliopi aus Mazedonien
  • Ovidiu aus Rumänien
  • Sergey aus Russland
  • Rykka aus der Schweiz
  • Barei aus Spanien
  • Ivan aus Weißrussland
  • Minus One aus Zypern
Die fett gedruckten Namen waren bereits in Riga dabei. Dieses Pre-ESC-Event ist größer als das in Riga, nicht nur wegen der größeren Teilnehmerzahl, sondern wegen dem deutlich größeren Medieninteresse. Auch die Bühne wird hochwertiger aussehen und klingen, als das Scheunentheater in Riga.



Einen ersten Eindruck liefert uns Ivan auf seinem Instagram-Account von der Pressekonferenz.  




 Im Laufe des Tages werden Interviews geführt und Fragen zu der Performance im Mai gestellt. Der Höhepunkt der Veranstaltung ist natürlich das Konzert, in dem alle Künstler ihren Song performen werden. Die Infos, die ich hier über die Interpreten schreibe stammen von Interviews von den Seiten Wiwibloggs und ESC Wissen von A bis Z,ESCKAZ .

Auf der Pressekonferenz waren allerdings nur 9 der 12 Acts anwesend. Rykka, Ovidiu und Iveta waren nicht da, vielleicht kommen sie noch, vielleicht auch nicht. Die Pressekonferenz war nicht zu verarbeiten, da die Akustik sehr schlecht war und die Hälfte der Acts der russischen Sprache mächtig waren und dadurch auch diese sprachen. Barei und Hovi saßen eng bei einander, sie kennen sich ja schon aus Riga. Auffällig war auch, dass Ira sehr außerhalb an einem Einzeltisch saß und auch nicht gerade glücklich aussah. 

1. Iveta aus Hamburg (Armenien):

Iveta war weder auf der Pressekonferenz, noch wurde bisher ein Interview mit ihr veröffentlicht. Daher beziehe ich mich ausschließlich auf ihre Liveperformance.

Der beginnende Sprechgesang wurde textlich geändert, irgendwas mit ich hab dich in meinen Kopf. Die ersten Töne in diesem ruhigen Anfangsteil wackeln noch etwas. Der Text wird aber sehr schön und deutlich von ihr gesungen und die Spannung bleibt erhalten. Die Sirene hat natürlich einen tollen Effekt live. Danach explodiert ja der Song und auch Iveta scheint diesen Teil besonders zu lieben. Stimmlich sehr stark absolviert sie diesen Part. Auch bei diesem Auftritt hat man sich Gedanken zum Staging gemacht. Dunkles Kleid, viel Nebel und einzelne, sehr wirkungsvolle Bewegungen, geben dem Song jetzt schon einen düsteren Touch. 

Wir dürfen also gespannt sein, was sich Armenien für Stockholm ausgedacht hat. Die große Sorge, dass sie dem Song nicht mächtig wird, ist sie schon einmal los, jetzt muss sie nur noch dafür sorgen, dass ihre leisen hohen Töne zu Beginn sitzen und Armenien bekommt das nächste tolle Ergebnis. 



2. Samra aus Aserbaidschan:

Auch von Samra ist noch kein ausführliches Interview erschienen, es gab nur eine ganz kurze Frage nach ihrem Kleid auf dem roten Teppich. Aber beim Kleid bleib ich gleich mal. Es war ein kurzes rotes Kleid, mit einer Art Umhang, der ebenfalls knallrot war. Diejenigen, die den britischen Vorentscheid gesehen haben, können sich wahrscheinlich an dieses Kleid noch erinnern, denn die wahre Siegerin Bianca trug genau dieses Kleid.

Die große Sorge vieler Fans war, dass sie stimmlich nicht an die Studioversion heranreichen würde. Diese Zweifel machte Samra dann aber doch relativ schnell zunichte. Stimmlich sehr stark und sicher, sang sie ihren tollen Song und unterstrich ihre Favoritenposition. Allerdings kann man es nicht performen nennen, da sie nur da stand und gut aussah, das muss man aber auch erst Mal können.


3. Hovi aus Israel:

Hovi war ja auch schon in Riga dabei und spaßte sich da schon in die Herzen vieler Fans und sang einmal wieder sensationell am Abend. Er sei schon oft in Moskau und St.Petersburg gewesen und liebe Russland über alles. Über seinen Kleiderstil sagte er, dass er es liebe teures mit billigem zu vermischen, so dass man keinen Unterschied sähe. Er tue viel für sein Haar, was natürlich viel Zeit in Anspruch nehme. 

Er habe auch von Dana International (Siegerin 1998) und seinem/ihrem Manager, viele Tipps und Tricks für den ESC bekommen. Sein favorisiertes ESC-Lied sei Euphoria von Loreen (Siegerin 2012) und dieses Jahr sieht der Spanien und Finnland (?!) ganz vorne. In seinem Lied gehe es darum, dass man immer das machen solle, worauf man gerade Lust hat und dass man auf die Meinung der Anderen scheißen solle. Ach ja un man solle ihm unbedingt auf Twitter folgen.

Auf der Bühne machte er wieder einen sensationellen Job. Besser kann man diesen Song nicht singen und unsere Diva performte sogar auf der Bühne. Stimmlich wahrscheinlich der beste Mann dieses Jahr und auch ausdruckstechnisch ganz weit vorne dabei. Je öfter ich sein Lied höre, desto mehr glaube ich an eine Qualifikation Israels.



4. Ira aus Malta:

Ira war ja schon in Riga dabei und sollte sich daher stimmlich sicherer fühlen, als die meisten anderen Interpreten. Im Interview gab sie zu Protokoll, dass sie mehr Verantwortung fühle, als bei ihrem Auftritt 2002 beim ESC. Sie habe nun mehr Erfahrung und diese wolle sie nutzen, sie wisse aber nicht, ob sie mehr Erfahrung habe, als andere Acts dieses Jahrgangs. Die größte Änderung sei für sie allerdings die Einführung der Semifinals, da dadurch der Druck auf die Interpreten deutlich vergrößert würde. Sie wiederholte, dass es Malta als isolierte Insel schwer habe, Punkte zu erreichen, da es keine Nachbarländer gäbe. 

Auf ihre Songschreiber Molly Pettersson Hammar angesprochen sagte sie, dass sie eine unglaubliche Person sei und glaube, dass sie Schweden in den nächsten Jahren erfolgreich beim ESC vertreten werde. Bei der Aufzählung ihrer anderen Schreiber hatte sie allerdings Probleme, die Namen zu nennen. 

Bei ihrem Auftritt sah sie dann deutlich besser aus, als noch in Riga. Haare und Make-Up waren eleganter und das Kleid hatte extrem gute Ansätze. Die Hose war sensationell, allerdings gab sie sich obenrum etwas zugeknöpft und auch sie hatte ein Cape. Die Farbe des Kleids (schwarz) passte aber überhaupt nicht zu ihrem fröhlichen Song. Stimmlich war das am Abend dann in dem Rahmen, den man sich von ihr erwartet hat. Sie ist nicht die beste Sängerin und das weiß sie auch, aber sie singt ihr Lied bis auf eine Stelle dann doch annehmbar. Aber das Lied verliert natürlich etwas an Schwung, wenn die Sängerin so mit den Tönen kämpfen muss.





5. Lidia Isac aus Moldawien:

Lidia hat ein modernes zweiteiliges Kleid an, dass in einem nerdhaften blau schwarz Ton gehalten ist und Rauten abbildet. Ihren Haaren hat sie einen Rotstich gegeben, der zu diesem Kleid perfekt passt. Bei ihrem Auftritt hatte sie das Kleid aus dem Vorentscheid an, mein Geschmack ist das wirklich nicht. Ja ich bin jetzt auch ein Mode-Blogger. Sie sei schon seit gestern Nacht in Moskau und hatte heute morgen ein Treffen, mit einem ihrer Komponisten. Sie habe ihren Komponisten beim letzten ESC kennengelernt, als sie als Reporterin für ein moldawisches Portal gearbeitet hatte. Irgendwann habe er ihr dann die Demoversion geschickt und sie sei sofort begesitert gewesen. 

Sie macht gerade ihren Masterabschluss in Moderation (Journalismus?) und spaßt, dass sie dann mit 40 ihre eigene Musiksendung moderieren würde. Über das Staging macht sie einen großen Bogen, sie erwähnt allerdings, dass es sehr dezent ?! sein wird und die Show nicht überzogen sein soll. Ihre Backgroundsänger lasse sie in Moldawien (Richtig so!) und sie glaube, dass ihre neuen aus Schweden kommen. 

Mich persönlich überrascht das schon, da man aus Moldawien genau das Gegenteil gewohnt ist und dieses Jahr wäre eine fast schon überzogene Show schon empfehlenswert. Hoffentlich überschätzt ihr Team den Song nicht so stark, dass es ein dezenter Auftritt bereits genügt. Aber vielleicht hat sie die ESC-Fans auch nur angelogen, damit die Überraschung in Stockholm noch größer ausfällt. Sie hat einen netten, professionellen Eindruck gemacht und ihr englisch war auch sehr angenehm. Ein solider Auftritt von Lidia. Stimmlich hat sie sehr stark zugelegt und singt den ersten Ton im Refrain nun etwas höher. Leider hat sie immer noch eine Tanzlegasthenie.



6. Kaliopi aus Mazedonien:

Kaliopi tritt 2016 bereits zum dritten Mal für Mazedonien beim ESC auf. Und trotz dieser vergleichslosen Zahl, lässt sie sich es nicht nehmen, auch auf diesen Partys vor dem ESC aufzutreten. Sie sei bereits einmal in Moskau gewesen und zwar 1987 mit ihrer Band, bei einem Festival, an dem auch Bon Jovi teilnahm. Kurzer Funfact: 21 ihrer Gegner waren in diesem Jahr noch nicht einmal geboren! Kaliopi nahm zwar nicht am Treffen in Riga teil, aber sie habe in den vergangenen Wochen Fernsehauftritte auf der gesamten Balkanhalbinsel gehabt.

Sie wird ihre große Promotour in Albanien, Bulgarien, London, Amsterdam und eventuell sogar Griechenland fortsetzen. Die alte Dame zeigt mehr Engagement, als alle anderen jüngeren Kollegen. Über ihre Performance sagte sie kein Wort, aber es wird wahrscheinlich so ähnlich werden wie 2012. Für sie sei Dona aktuell der passende Song für ihre Emotionen und sie wünsche sich, dass die Zuhörer das auch spüren können. Sie singt ihren Song auf Mazedonisch, da sie so schlecht Englisch spreche, wie ein Latinosinger. Sie könne es kaum abwarten nach Stockholm zu reisen, da es für sie das Zentrum der Popmusik sei.

Am Abend gab es dann also die Live-Premiere von Dona und was soll ich sagen. Kaliopi ist die Königin des Gesanges. Sensationell, übermenschlich und unglaublich. Diese Begriffe können diese Performance nur ansatzweise in Worte fassen. Für mich ist nun klar, dass Mazedonien im Finale stehen wird, so blind kann Europa gar nicht sein. Augen schließen und genießen bitte.


 

7. Ovidiu aus Rumänien:

Da sind wir schnell fertig. Er war nicht da. 

8. Sergey aus Russland:

Der Gastgeber des ganzen Events ist ja ein riesiger Star in Russland und so verwundert es nicht, dass er überall mit riesigem Applaus begrüßt wurde. Natürlich wurde er zuerst darauf angesprochen, dass er in den Wettbüros gerade auf Platz 1 liegt. Dies sei eine Ehre für ihn, allerdings freue er sich noch nicht darüber, da der Wettbewerb erst im Mai ist und sich bis dahin noch alles ändern könne. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt für ihn, sein Land zu vertreten, da er ein sagenhaftes Team hinter sich stehen habe. In seinem Song gehe es auch speziell um eine Person, die er allerdings nicht nennen möchte.

Er habe viele Tipps von ehemaligen Teilnehmern bekommen, vor allem den, dass er den Moment genießen solle. Auf die Frage, wer seine stärksten Rivalen dieses Jahr sind, gab er die politisch korrekte Antwort, dass alle Länder einen hervorragenden Beitrag schicken und man es schwer einschätzen könne. Er sagte natürlich ebenfalls nichts zu seiner Bühnenpräsentation. 

Bei seiner heutigen Bühnenpräsentation hatte er als einziger sogar Tänzer dabei, mit denen er super interagierte. Die 4 in schwarz gehüllten Tänzer und er hatten eine sehr durchdachte Choreo und nichts wurde dem Zufall überlassen. Gesanglich war er extrem gut, verdächtig gut. Aber spätestens beim ESC würde ein mögliches Playback auffliegen. Mir persönlich ist alles in schwarz dann doch etwas zu dunkel für diesen eigentlich fröhlichen Song. Aber unterm Strich muss man ihm einen Platz auf dem Podest beim ESC wirklich einrechnen, da er wirklich eine Show bietet und nicht nur semioptimal singt (Malta schau Mal!)


9. Rykka aus der Schweiz:

Auch sie war ja bereits in Riga dabei und konnte dabei zwar stimmlich einen guten Eindruck hinterlassen, charakterlich war sie jedoch extrem zurückhaltend und so stellte man sich natürlich die Frage, ob sie vielleicht auch nur einen schlechten Tag hatte. 

Nein, sie ist immer so. Auch in den heutigen Interviews gab sie sich extrem introvertiert und wortkarg. Wenn sie dadurch wenigstens mysteriös wirken würde, aber es sieht einfach nur überheblich und unsympathisch aus. Ihr Album hat sie natürlich auch noch einmal erwähnt. Aber wenig Worte lassen große Taten erhoffen.

Bei ihrer Performance wurden immerhin ihre Stimme weiter verbessert. Die Töne sitzen eigentlich alle, nun müssten diese nur noch schön klingen und sie hätte wieder Chancen auf das Final. Doch im Moment ist sie für mich klar unter dem Strich und sie macht es einer zum Glück sehr leicht, ihr nicht nachzutrauern.



10. Barei aus Spanien:

Barei kam ebenfalls aus Riga, allerdings schon am Morgen mit Hovi und Ira und konnte daher an der Pressekonferenz teilnehmen. Sie klärte nun auch auf, warum sie nicht auf der Stadtbesichtigung durch Riga dabei war. Ihr Koffer war ja verschwunden und sie verbrachte den ganzen Tag damit, beim Flughafen anzurufen und in Erfahrung zu ziehen, wo ihr Gepäck denn nun sei. Ihre ganzen Outfits seien im Gepäck gewesen und er kam erst eine Stunde vor der Show an. 

Für Tel Aviv müsse man sie doch von der Liste streichen, da sie zuhause proben müsse. Sie ist die einzige, die eine halbwegs detaillierte Info ausgegeben hat, wie es bei ihr auf der Bühne aussehen wird. Sie wird mit 5 Backgroundsängerinnen arbeiten, wovon eine nicht auf der Bühne stehen wird, aus Choreographiegründen. Sie wechselte ihren Choreographen ebenfalls und wird nun nicht mehr von einem Deutschen unterstützt. 

Auf der Bühne trug sie ein durchsichtigen Poncho und stimmlich war sie wieder einer der Beste. Ihr Lied ist vom Ambitus natürlich nicht das fordernste, aber lieber singt man ein solches Lied perfekt, als ein schwierigeres schlecht wie Ira aus Malta. Ihre Tanzmoves sind immer noch klasse und sie ist ein supersympathischer Mensch.


11. Ivan aus Weißrussland:

Das glaub ich jetzt nicht...


Ein von wiwibloggs (@wiwibloggs) gepostetes Foto am



Ja, Ivan hatte tatsächlich einen echten Wolf dabei, mitten auf dem roten Teppich! Zum Glück nahm er das arme Tier nicht auch noch auf die Bühne mit, warum die EBU nichts dagegen unternimmt, finde ich nebenbei bemerkt sehr sehr schwach. 

Die Hauptaussage seines Songs sei Hoffnung und Friede. Mehr Neuigkeiten gab es nicht von ihm, da er die selben Fragen gestellt bekam, wie auch in Riga. Stimmlich machte er einen noch besseren Eindruck als in Riga und auch optisch hat er sich etwas einfallen lassen. Und zwar war er ganz in weiß gekleidet, mit weißer Kriegsbemalung im Gesicht. 

Aber mittlerweile verstehe ich sogar die Wolfidee. Sein Gesang hat sich so stark verbessert, dass Weißrussland sogar wieder vom Finale träumen kann. Aber die Performance ist momentan noch zu statisch für einen solchen Song, von daher braucht er eine wunderwolfe Performance. Er wirkt aber irgendwie nicht voll zurechnungsfähig, auch von den Aussagen die er tätigt. Aber Achtung: Verstehen heißt nicht, das ich Verständnis habe.




12. Minus One aus Zypern:

Die zypriotische Band war noch nicht in Riga dabei und haben somit noch nie live ihren Song performt. Der Leadsänger schied ja bei "the voice" in Frankreich aus und hatte somit auch Zeit. Fun Fact: 19 Acts des Jahrgangs 2016, haben einen Bezug zu einer Castingshow. Aber nur 6 konnten ihre Show gewinnen, Poli aus Bulgarien war Jurorin.

Für die Band sei es das erste Mal in Moskau, der Frontsänger Francois sei aber bereits in seiner Jugend öfters da gewesen.Sie seien außerdem sehr gerührt von der Tatsache, dass sie enorm positives Feedback aus ganz Europa bekommen. Ihr Lieblingsbeitrag der Rock(!)band ist übrigens der Siegersong von Céline Dion.

Live waren sie allerdings die Enttäuschung des Abends. Das kann natürlich auch dem extrem lauten Playback liegen, die den Frontmann dazu zwing etwas over the top zu singen. Ich persönlich glaube wirklich, dass Francois bei einem guten Soundcheck auch eine gute Leistung bringen wird. Ich bin mir auch sehr sicher, dass sie ihren Auftritt noch deutlich verbessern werden, da es sehr spontan auf der Bühne aussah. 



Das bringt mich jetzt auch schon zur Gesamtbewertung dieses Treffens, das nur die Interviews und den Auftritt berücksichtigt, nicht die Stärke des Liedes und dessen Qualifikationschancen:

12. Ovidium aus Rumänien: /

11. Minus One aus Zypern: - -

10. Rykka aus der Schweiz: - -

9. Ira aus Malta: -

8. Ivan aus Weißrussland: - (Wegen des Wolfs)

7. Lidia aus Moldawien: 0

6. Sergey aus Russland: + (Wenn es wirklich live war)

5. Samra aus Aserbaidschan: +

4. Iveta aus Armenien: ++

3. Hovi aus Israel: ++

2. Barei aus Spanien: +++

Und meine klare persönliche Gewinnerin des Abend ist eindeutig

1. Kaliopi aus Mazedonien: +++