Lisboa 2018

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Montag, 21. August 2017

Das wünsche ich mir von dir, Deutschland (Episode 1)

In der folgenden Serie möchte ich auf den ESC 2018 zu sprechen kommen. Nachdem das Jahr 2017 nur in Ansätzen beschrieben wurde, besitze ich umso mehr Elan und Antrieb, für die nächste Ausgabe. Hier möchte ich ausgewählten Ländern Vorschläge oder Ideen bringen, was ich als HoD (Head of Delegation) als Auswahlverfahren präferieren würde. Vor allem schaue ich auf die aktuellen Charts. Welche Künstler haben das Zeug und schon international überzeugt? Natürlich spekuliere ich auf DEN Glückstreffer, um dann in jeglichen Forum zu sagen: "Ich habs ja gesagt". Beginnen möchte ich natürlich mit der Heimat, dem Sorgenkind, dem Syrien des ESC-Zirkus´. Deutschland
Schrei nach Punkten? Quelle: https://youtu.be/t1KKjykH6fw?t=2m10s


Es mag vermessen klingen, doch in den Stunden der größten Niederlage zeigen sich die größten Sieger. Wenn wir uns nach diesem Spruch leiten lassen würden, hätten wir zur Zeit ein unfassbares hoch im ESC-Universum. Doch wo Schatten ist, ist auch Licht und nicht jeder kann immer siegen. Genug dieser leeren und belangloser Versprechen. Lang genug flüchten wir uns in Ausreden, wie "Das passiert jedem einmal" oder " Niemand ist fehlerfrei", nicht zu vergessen "Es war nicht alles schlecht". Einen dieser fast schmerzvollen Aufheiterungssätze muss ich noch von mir geben: Einsicht ist der erste Weg zur Besserung und diesen Weg gehen wir nun zusammen, durch das Eruieren potentieller Vertreter.

In Deutschland hatte sich ja in den letzten Jahren der Schlendrian eingeschlichen. Nach den erfolgreichen Ära Raab (2010-2012), vielen wir in das alte Muster zurück und veranstalteten einen Vorentscheid, mit mehr oder minder bekannten Persönlichkeiten. Dass die ARD (genauer NDR) durchaus gewillt ist, etwas am eingefahrenen System zu ändern, hatte man bereits 2016 bewiesen. Die direkte Nominierung war ein schöner Farbtupfer, der allerdings dank der Personalie Xavier Naidoo, einen unschönen Braunton annahm. Der anschließende Vorentscheid damals war notgedrungen. Aber was wäre eine Alternative zum Vorentscheid? Hier eine Idee:


Vorentscheid einsparen und Geld in Künstler investieren


Zugegeben, ein durchaus unkonventioneller Ansatz, aber was haben wir noch zu verlieren? In den letzten Jahren standen viele Musiker an der Spitze der Charts, die nicht mal singen. Hier rede ich nicht von akustischer Klassik, sondern von der DJ-Szene rund um die Koryphäe David Guetta. Mittlerweile ist die Szene extrem gewachsen und neben erwähnten David Guetta finden sich dort sehr viele Amerikaner und Norweger, aber auch Deutsche müssen sich da nicht verstecken. Es ist wohl der letzte Bereich in der Populär Musik, in der viele Nationen mitmischen, auch wenn die meisten Sänger(innen) aus englisch sprachigen Ländern kommen oder eben aus Schweden.


Nun gehe ich etwas ins Detail, was jedoch an sich sehr simpel ist. Wir streichen einen nationalen Vorentscheid. Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass die Plattenfirmen kein Interesse am ESC haben, sondern auf die Karriere nach dem Event. Doch die Vergangenheit zeigt, dass der ESC oft der einzige bzw. letzte Höhepunkt jener "Karrieren" war. Oder hat man noch was von Ann-Sophie (2016) oder Jamie-Lee (2015) gehört? Habt Ihr überhaupt bemerkt, dass die beiden Jahreszahlen vertauscht sind? Dazu der Ansatz des letzten Jahres mit Song und Sänger, die keine Verbindung aufweisen. Es war eine Katastrophe mit Ansage, wie die Jahre zuvor. Wir müssen weg von dem Gedanken, eine zweite Lena zu finden, selbst mit Stefan Raab wäre das ein nahezu unmögliches Unterfangen.

Ich würde keinen Vorentscheid 2018 veranstalten. Das gesparte Geld würde ich an andere Stelle investieren denn da wird einiges zusammen kommen. Allein die Moderation der Zuckerpuppe Babsi Schöneberger - da sind wir im hohen zweistelligen Tausendbereich. Dazu die Liveübertragung, Bühnenmiete, Auf- und Abbau, Bühnentechnik,  Werbekosten, sonstige Personalkosten. Es ist denke ich nicht vermessen hier von einer Summe deutlich über 500.000€ zu rechnen. Genau dieses Geld würde ich in einen erfolgreichen Produzenten stecken. Praktisch kaufen wir eine Single eines erfolgreichen Musikers und benutzen ihn für unseren ESC.

Unser Vorteil wäre, dass
  1. der Künstler auch ein Interesse an einem guten Abschneiden hat
  2. der Künstler Teil eines eingespielten Teams ist
  3. der NDR nichts kaputt machen kann
  4. wir einen Künstler mit Erfahrung und evtl. einer großen Fanbase vorweisen können.
Eine Auswahl dieser Künstler:

Felix Jaehn


Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=F3VIJLm8qHc

Der 1994 geborene Hamburger wuchs an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns auf und hatte bereits mit 16 seine ersten Auftritte als DJ. Er ist vor allem in den Stilrichtungen Deep House und Tropical House heimisch. Seinen internationalen Durchbruch feierte er Ende 2014 mit seinem Remix von Cheerleader vom jamaikanischen Sänger Omi. Es wurde gleichzeitig sein größter Hit und erreichte Kultstatus. Es erklomm die Spitze der Charts in den DACH-Ländern, Uk, USA, Schweden, Belgien, Australien, Polen, Mexiko, Kanada und vielen anderen. Es wurde darüberhinaus als Single des Jahres in Österreich, Deutschland, Frankreich und Belgien ausgezeichnet. Platin wurde unter anderem in den USA (3x), Uk (2x), Deutschland (5x) und Schweden (7x) erreicht. Außerdem erreichte das Video bereits über 760 Millionen Aufrufe auf Youtube.  Kurze Zeit später folgte Ain´t Nobody, die Coverversion eines 32 Jahre alten Songs, mit der britischen Sängerin Jasmine Thompson. Auch dieser Song konnte in Europa die Charts stürmen mit Top5-Platzierungen in allen relevanten Charts. 2016 folgte Bonfire mit der finnischen Sängerin Alva, 2017 Hot2Touch unter britischer und amerikanischer Unterstützung. Beide Songs wurden in den DACH-Ländern veröffentlicht und konnten Erfolge verzeichnen. 



Cheerleader 2015


Ain´t Nobody 2015


Hot2Touch 2017

Robin Schulz:

Quelle: https://youtu.be/qQaFSKomyh0?t=5m28s

Der 30-jährige Osnabrücker ist schon etwas länger dabei und feierte 2013 seinen ersten Welterfolg. Seine Remixversion von Waves thronte in den DACH-Ländern, Belgien, Polen, Schweden, Norwegen, UK und einigen mehr auf der 1. In den USA kratzte er außerdem an den Top10, vielfache Platinauszeichnungen dürfen auch nicht unerwähnt bleiben. 2014 folgte dann Prayer in C vom französisch, israelischen Folkpop-Duo Lilly Wood and the Pricks. Dieser Song erreichte in nahezu ganz Europa die Topposition in den Charts, ebenso in Mexico und Russland, in den USA wurde Rang 23 erreicht. Noch bevor Felix Jaehn mit Jasmine Thompson gearbeitet hatte, produzierte Robin Schulz seinen ersten "eigenen" Song Sun goes down, mit ihr. Dieser konnte in den DACH-Ländern die Top3 erreichen. 2015 folgte Sugar mit dem kanadischen Sänger Francesco Yates. Platinstatus in DACH, Uk, USA, Kanada und Australien, gepaart mit Nummer 1 in DACH. Nach einer Zusammenarbeit 2016 mit David Guetta folgte 2017 die Veröffentlichung seines neusten Werkes, OK mit James Blunt, das in allen DACH-Ländern Rang 2 erreichte.



Waves 2013


Prayer in C 2014


OK 2017

Zedd:

Quelle: https://youtu.be/a2AjlTLdU1M?t=2m


Geboren wurde der zur Zeit erfolgreichste deutsche DJ in der Förderationsprovinz Wolga, in der damaligen Sowjetunion. Mit drei Jahren wanderten seine Eltern 1992 nach Deutschland aus. Er wuchs in Kaiserslautern auf, bis er 2012 in die USA zog. Etwas Klatsch darf hier nicht fehlen, denn er führte eine längere Beziehung mit Selina Gomez. 2012 arbeitete er mit Max Martin, Justin Bieber und Nicky Minaj zusammen. Seinen Durchbruch als Produzent hatte er 2013 mit der Single Clarity und der britischen Sängerin Foxes. Im Gegensatz zu den anderen DJ´s, konzentriert sich Zedd vor allem auf den amerikanischen Markt. Der Song erreichte in den USA den 8. Platz, in Europa wurde er kaum wahrgenommen, in Deutschland reichte es nur zu einem 94. Rang. Allerdings gewann er für diesen Song einen Grammy! Mit der Frontfrau der Band Paramore legte er ein Jahr später mit Stay The Night einen weiteren Hit drauf. Rang 2 in UK und Top20 Platzierungen in Europa standen zu buche. 2014 ging es dann weiter mit Ariana Grandes Break Free. 3x Platin, über 2,8 Millionen verkaufte Einheiten, Platz 4 in den amerikanischen Charts. 2015 und 2016 folgten weitere Hits mit I Want You To Know von Selena Gomez und Starving von Hailee Steinfeld. Sein zur Zeit neuster Hit ist Stay mit der Kanadierin Alessia Cara. Auch dieser Song reihte sich in zahlreichen Ländern an die Topplatzierungen der Charts.


Stay The Night 2013


Break Free 2014


Stay 2017

Soweit mein Vorschlag. Natürlich kann es sein, dass keiner der drei Stars Interesse am ESC hat. Für diesen Fall würde ich eine andere Option vorschlagen:

Vorentscheid mit bekannten Namen:


Wenn wir einen Vorentscheid durchführen, müssen wir die großen Namen der Musikbranche einladen. Namen, die man kennt, gestandene Künstler oder Talente mit Potential. Trotz der desaströsen Ergebnisse beim ESC, hat sich die Musikbranche in Deutschland weiterentwickelt. Wenn wir also einen erneuten Vorentscheid haben, dann bringt jeder Künstler seinen eigenen Song mit und der NDR hat nur eine beratende Tätigkeit. Dazu nur eine Votingrunde, ohne Superfinale, wie auch beim ESC. Babsi führt durchs Programm und sorgt für den Unterhaltungsfaktor. Der Gewinner MUSS danach von den öffentlichen Radios unterstützt werden! Man muss ihn in die Charts bringen, Promoaktionen schon vor dem ESC, Auftritte beim Echo, Lanz, Mittagsmagazin, Morgenmagazin, Frühstücksfernsehen,... Falls es zu einem solchen Vorentscheid kommen sollte, bräuchten wir eine große musikalische Diversität. Dazu sollte man aber bedenken, dass die großen deutschen Stars sich nicht in einem Vorentscheid messen werden, aus Angst zu verlieren. Meine Favoriten wären daher:


1. Milky Chance:

Ein großer Name zum Start: Milky Change schockte die Welt 2013 mit ihrer Chillout-Single Stolen Dance. Der Song wurde schnell zum weltweiten Hit für das Folk-Duo aus Kassel. In den europäischen Charts wurden viele Topplatzierungen erreicht, auch in Großbritannien sowie den USA schnellte die Single in die Charts. Besonderen Erfolg konnten sie in Australien und Kanada mit vierfach Platin und den USA mit über 2 Millionen verkauften Einheiten feiern. Das Album konnte sich bis auf Rang 17 in den USA hochschrauben. Seit dem ist es ruhiger um sie geworden, die folgenden drei Singles und das Album konnten nicht überzeugen. Somit wäre es der perfekte Zeitpunkt für den ESC: Sie haben einen sehr eigenen Sound, sehr chillig, modern, dabei aber trotzdem unverkennbar. Dazu können sie schon große Erfolge feiern, sind geübte Performer und benötigen eine kleine Starthilfe. Einziges Manko: Die Stimme des Frontsängers Clemens weist live einige Schwächen auf.


2. Alice Merton:

Wer? Der Name der 24 jährigen hat sich noch nicht sonderlich weit in der Branche herumgesprochen, doch dahinter steckt eine hochtalentierte Künstlerin. Die Deutsche, mit Britischen Background, absolvierte ein Studium an der berühmten Popakademie in Mannheim. Ihre Kindheit verbrachte sie hingegen in New York, Kanada und ab ihrem 13. Lebensjahr in Deutschland. Sie ist mutig und alles andere als faul, denn sie veröffentlicht ihre Musik unter ihrem eigenen Label. Durch das Internet erregte sie ordentlich Aufmerksamkeit, sodass Vodafone beschloss, ihren Song als Werbesong zu verwenden. Dadurch wurde der Song einem breitem Publikum vorgestellt und ging von da an steil nach oben (Die Parallelen zu Laing fallen nicht nur mir auf?). Ihr Song No Roots wird seitdem im Radio auf- und abgespielt, erreichte Platz 2 der deutschen Charts und wurde über 400.000 Mal verkauft. Wir haben also eine hervorragende, junge Sängerin, die selbstständig arbeitet, lyrisch alles selbst macht und keine Angst hat. Das wäre doch mal was.



3. Alle Farben:

Wenn wir in diesem Plan B - Szenario schon die drei großen DJ´s nicht überzeugen können, warum nicht den Vierten in der Riege? Frans Zimmer aka Alle Farben, feierte seinen Durchbruch 2014, wie viele andere DJ´s dank Soundcloud. Der mittlerweile 32 Jahre alte Berliner, ist außerdem auch ein begnadeter Maler, woher auch sein Künstlername seinen Ursprung nimmt. insgesamt 5 Singles konnte er in die Charts bringen, davon in Österreich und Deutschland alle in den Top15. Besonderen Erfolg feierte er im Radio, in welchem seine Lieder Dauerbrenner sind. Eine kleine Auswahl: She Moves, Supergirl, Please Tell Rosie, Bad Ideas und sein neuster Hit Little Hollywood (Unten Video). Somit hat er sich einen ordentlichen Namen in der heimischen Musikbranche gemacht, sorgt für moderne Beats und ist bereit für den nächsten Schritt: Die internationale Bühne. Für mich zumindest.

4. Maite Kelly:

Naja, man nimmt, was realistisch ist. Eine Helene Fischer ist auch für 2018 nicht vorstellbar. Sie befindet sich mitten in der Promotion ihrer neuen riesen Platte, die ja gegen die ESC-Regeln verstößt (Erstveröffentlichung nach dem 1.September). Aber auch der billige Abklatsch von ihr, Vanessa Mai, befindet sich mitten in der Bewerbung ihrer neuen Platte und hat schlichtweg keine Zeit für den ESC. Somit kommt Kandidatin Nummer 3, Maite Kelly! Die Stimmen mehren sich, dass wir es einmal mit Deutsch versuchen sollten. Mittlerweile finde ich das gar nicht so schlecht, dann hätten wir nämlich diesen Ideenansatz zumindest probiert. 2017 war ja das Jahr der Muttersprache, da nicht nur ein portugiesischer Song gewann, sondern auch alle Landessprachen das Halbfinale überstanden. Ihre Fernsehkarriere, inklusive Kelly Family, attestieren ihr umfangreiche Erfahrung. Hohe Single-Platzierungen gab es in ihrer Solo-Laufbahn noch nicht, dafür überraschte ihr Album 2016 auf Rang 6. Musikalisch ist sie durchaus am Zahn der Zeit, mit den typischen Schlagerklängen. Warum nicht? Tut nicht weh und wäre ein schöner Lückenfüller. Auch das ständige Meckern der Schlagerfans, wäre so berücksichtigt.



5. Daniele Negroni

Natürlich muss mindestens ein Casting Sternchen in einem Vorentscheid vertreten sein, doch so verzweifelt wie Großbritannien, in dem ALLE Teilnehmer bei X Factor scheiterten, sind wir dann doch nicht. Warum also Daniele? Er kommt noch aus einer Zeit von DSDS, inder die Sendung noch an alte Erfolge anknüpfen konnte. Außerdem sagt der Name dem ein oder anderen doch noch etwas, oder? Das dürfte vor allem an seiner extrovertierten und bunten Außendarstellung liegen. Auch die Verbindung Dieter Bohlen und ESC gab es schon einige Male und könnte eine Fortsetzung vertragen. Der in Italien geborene Negroni gewann 2012 Silber in der neunten Staffel und ist heute auch erst 22 Jahre alt. Seine Alben aus den Jahren 2012 und 2013, erreichte in Deutschland und Österreich die Top-10, sein Debütalbum erklomm sogar Platz 1 in Österreich. Bis auf seine Debütsingle, konnte keine weitere überzeugen. 2013 chartete seine letze Single, 2015 veröffentlichte er eine weitere:




6. Wincent Weiss

Wo wir grade bei DSDS sind: Im Zuge von Tim Bendzko und Andreas Bourani, hat sich auch dieser Sänger auf den Deutsch-Pop spezialisiert. in Schleswig-Holstein geboren, nahm er 2013 an DSDS teil und schafft es in die Top30. Dort war für den heute 24 Jahre alten schon Schluss. Er veröffentlichte einige Covers im Internet, welches zwei Jahre später von den DJ´s gestört aber Geil als Remix verwendet wurde und Platin in Deutschland erreichte. Es wurde Rang 6 in den Charts erreicht, konnte sich dabei sogar über ein Jahr in den Charts halten, ein echter Dauerbrenner also. Darauf folgten zwei weitere erfolgreiche Singles mit Musik sein und Feuerwerk. Sein 2017 erschienenes Album erreichte Platz 3 in Deutschland. Somit siedelt sich das junge Talent langsam aber sicher in der deutschen Musiklandschaft an. Dazu hat er bewiesen, dass er keinen Zufallstreffer gelandet hatte, sondern die Situation perfekt für sich ausnutzen konnte. Moderner deutscher Sound, gute Texte, vorgetragen von einem smarten und guten Live-Sänger.



7. Leslie Clio

Von einem aufsteigenden Stern zu einem fallenden Kometen. Die Hamburgerin war vor allem in Radio mit ihrer Trilogie an Singles zwischen 2012-2015 erfolgreich. In den Charts allerdings, konnte sie in keinem Land die Top20 erreichen. Aus ihrem 2017 erschienenen Album (Platz 64) chartete kein einziger Song. Die mittlerweile 31-jährige hat auch schon einiges an Erfahrung für den ESC vorzuweisen. So war sie 2015 in der deutschen Fachjury und ihre Favoriten waren die modernen Beiträge aus Lettland und Belgien, sowie die berührende Ballade aus Russland. Alle drei Songs landeten am Ende in den Top-6. Geschmack hat sie schon mal, aber kann sie das auch auf ein Lied ummünzen? Naja, hohe Lyrik sollten wir nicht von ihr erwarten, dafür Gute-Laune-Pop. Auch 2016 hatte sie eine Aufgabe, als sie auf ONE und auf eurovision.de ein paar Beiträge bewertete. Ihr Auftritt war dabei, nett gesagt, sehr speziell. Man könnte auch sagen verpeilte Blondi. Ob sie die richtige für uns wäre? Eine Option auf jeden Fall.




8. Broilers

Zum Abschluss noch ein paar lautere Töne. Wann gab es den letzten guten Rockbeitrag beim ESC? Ich bin verleitet ins Jahr 2014 den Song Something better aus Finnland zu nennen. Also könnten es in Lisboa 2018, 4 Jahre keinen guten Rocksong gegeben haben. Um das zu verhindern würde ich die diesjährigen Gewinner des ECHO´s empfehlen, die Broilers. Die Punkrock-Gruppe aus Düsseldorf, um Frontmann Sammy Amara (38), gründete sich bereits 1992. Sie konnten zwei Alben auf Platz 1 setzen und Rang 27 in den Single Charts war bisher ihr größter Einzelerfolg. Die Band besteht aus 4 Männern und einer Frau am E-Bass. Warum denn nicht? Avantasia haben 2016 eine große Fanbase beim Vorentscheid gewonnen und im Nachhinein hätte man sie statt der Manga-Braut schicken MÜSSEN. Aber anstatt in der Vergangenheit leben, könnten wir es in der Gegenwart besser machen. Voraussetzungen: Sie nehmen teil und haben den perfekten Instant-Appeal. 








Das sind also meine beiden Vorschläge, was der NDR macht, steht auf einem anderen Stern. Vielleicht wird dieses Jahr eine rationale, gut überlegte und sensationelle Idee nicht vom NDR abgelehnt. Die Konzepte sind vielfältig, doch auch bei der Umsetzung kann man viel falsch machen. Partizipation ist leider nicht möglich, da der NDR unter Führer Schreiber, das alles intern regelt. Was in anderen Länder klappt, scheint hier zu scheitern. Vor allem liegt es daran, dass wir keine klare Linie haben. in Dänemark gibt es einen Vorentscheid, der schon Tradition hat. Nach den Misserfolgen 2015 und 2016, wurde 2017 neue Details verändert, sodass nur Solokünstler starten durften. Wir wechseln zwischen Clubkonzert (2015), interner Nominierung (2016), zu Castingshow mit Song-Künstler-Puzzle (2017). Wir wechseln die Konzepte, wie Lothar Matthäus seine Frauen. So langsam sollten wir uns entscheiden, doch auch die Fixierung auf ein Projekt nach Misserfolg scheint zweifelhaft. Der einfachste Weg: Wir überzeugen dieses Jahr mit einem Konzept und führen es länger fort. Voraussetzung hierfür wäre jedoch ein Erfolg 2018.

Vielleicht ja mit einem der oben genannten Künstler? 
  


   

Samstag, 11. Februar 2017

Neuer Versuch, deutsche Probleme

Den Donnerstagsmarathon haben wir hinter uns gebracht. Nach über 3 Stunden erlöste uns Barbara Schöneberger von den Brainpool Studios in Köln und hinterließ viele Fans ratlos zurück. Was ist der Song dieses Jahr wert?

Der Abend begann mit der Coverrunde und sorgte, so ehrlich muss man sein, für klare Verhältnisse. Helene kann nicht singen, hat aber eine sehr sympathische Art, Yosefine ist unscheinbar, der Kürbiß war bei falscher Songauswahl als Favorit zu nervös, der Hahn im Korb Axel hat eine riesen Stimme, dafür 0 Charisma. Und die letzte im Bunde Levina? Die machte mit einem sensationellen Adele Cover schon in Runde 1 alles klar. Das Publikum verliebte sich und es hagelte nur Lob. In Runde 2 wurde dann zusammen mit Helene und Axel Wildfire performt. Auch hier hatte das Publikum im Saal nur Augen für eine. Es erhob sich sogar! Den Satz, den Jurymitglied Lena brachte, hätte man berücksichtigen sollen: "Also von mir aus, kann jetzt Schluss sein!". Aber es ging noch eine gute Stunde weiter. Schon vor dem Finale eleminierte sie alle anderen Gegner, sodass sie gegen sich selbst im Finale stand. Es war eine Machtdemonstration, ein Spiel mit der sogenannten Konkurrenz, die sie wie Amateure aussehen ließ.

Alle im Saal waren sich einig: Wildfire ist der Song, der Deutschland vertreten solle.  Doch dann kam es zu der Verkettung (un) glücklicher Umstände. Levina performte beide Songs erneut, wobei sie bei Wildfire nicht die starke Performance abliefern konnte, wie beim ersten Durchlauf. Dazu wurde dem Zuschauer Zuhause ein Schnelldurchlauf der anderen Nationen 2017 gezeigt, dass ja bisher beinahe nur aus Balladen besteht, wie Wildfire. Der entscheidende Satz des Abends lieferte dann Florian Silbereisen: "Ich weiß nicht, ob es aus taktischen Gründen, dass schnellere Perfect life auszuwählen." Ich weiß nicht, ob Florian Silbereisen eine moralische Instanz ist und ob man auf ihn hört, aber die Zahlen sprechen für sich. Wildfire konnte alle Runden vor dem Finale für sich entscheiden, mehr als deutlich. In der finalen Abstimmung lag dann aber plötzlich Perfect life vorne, und zwar mit 70%.

Es ist also scheinbar soweit, dass wir der Konkurrenz ausweichen und taktisch den Song auswählen, um nicht erneut eine Blamage zurück zu bringen. Das wäre ja nicht schlimm, aber wir haben einen Song zu Recht mit Standing Ovation geschmückt. Das eine Lena in diesem Moment den richtigen Riecher zeigt und abbrechen wollte zeigt, dass es wohl nicht die richtige Entscheidung war. Denn nach dem ersten Hören von Perfect life regte sich kaum was im Publikum.

Perfect life ist also der deutsche Beitrag und einmal mehr halten wir uns an das typische Bild seid 3 Jahren: tolle Sängerin und ein mittelmäßiger Beitrag. Levina ist eine tolle Persönlichkeit mit einer Stimme, die nicht nur einzigartig, sondern auch gut ausgebildet ist. Studierend in London als preisgekrönte Künstlerin, andere Länder würden sich solche Sängerinnen wünschen. Diesem Ausnahmetalent geben wir dann einen Song, der Altkanzler Adenauer gefallen würde: Keine Experimente. Alle möglichen Ecken und Besonderheiten herausgenommen, sodass nur eine graue Songmasse übrig bleibt.

Das einzige, was diesen Song etwas lebendig macht, ist die internationale Diskussion, ob es sich um ein Plagiat eines anderen Songs handelt. Nein, das ist kein Flashback zu 2013 und dem Euphoria - Glorious - Don't you worry Child - Gate. Die ersten Takte von Perfect life klingen sehr ähnlich zu Titanium von David Guetta und SIA , Gott segne sie. Es handelt sich hierbei nicht um ein Plagiat, da die Töne doch in einer anderen Reihenfolge erscheinen, aber es ist ein typischer Fall von: Was hatte neulich Erfolg? Das ändere ich etwas um und baue es in meinen Song ein. So machte es Schweden in den vergangenen beiden Jahren, Dänemark 2010 und Deutschland 2013, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die Kompositionistin arbeitete sogar schon mit Guetta zusammen, also ist das typische "das hab ich noch niiiie gehört" nicht drin. Thomas Schreiber, der Kopf des deutschen ESC Debakels hat angedeutet, noch etwas am Song herum zu schrauben.

Doch das Problem bleibt: in der aktuellen Version werden wir erneut Letzter werden. Ganz einfach, weil kein Juror das als besonders sieht, um Punkte zu vergeben. Und welcher Zuschauer ruft den schon für Füllmaterial an? Das einzige spannende aus deutscher Sicht dürfte sein, ob mit dem neuen Wertungssystem 0 Punkte möglich sind. Galgenhumor muss schon im Februar angewendet werden. Falls jemand vom NDR das ließt: es wird niemand bei einem Song Tausch sauer sein! Wenn Sie wirklich den Erfolg für Deutschland zurück haben wollen, dann empfehle ich, sofort alles bis auf Levina über den Haufen zu schmeißen.

Sollten wir mit diesem Gesamtpaket also nach Kiew fahren  und erneut einen Platz jenseits von Rang 20 erreichen, MUSS das Konsequenzen in Form von Personen haben. Ein Thomas Schreiber ist spätestens dann dran abgesägt zu werden, sollte die ARD ein Interesse daran haben, sich, und viel schlimmer uns, nicht international zu blamieren.

Es könnte so einfach sein, ein einmaliges und kostensparendes Modell zu entwickeln. Aber gerne, ich liefere ja den ersten Schritt in Richtung 2018, denn Kiew habe ich aus deutscher Sicht schon abgehackt.

Option A: Wir geben einen wirklich erfolgreichen Produzenten (damit meine ich international) einen Batzen Geld in die Hand und schreibt einen Hammersong. Ein Name der mit spontan einfällt, wäre Max Martin, der wohl beste Produzent auf der Welt zur Zeit. Dann nehmen verschiedene Künstler eine Demo des Songs auf und ein Panel aus ESC - Interessieren (Journalisten, Fans, Experten) wählt die perfekte Kombi aus. Man spart sich das Geld für einen Vorentscheid.

Option B: Man schaut, welche Songs nach dem 1.09 von deutschen Künstlern veröffentlicht wurden und fragt diese an. Felix Jaehn, Zedd, Milky Chance. Somit kauft man einen internationalen Hit für den ESC ein und der Künstler hat tolle Promomöglichkeiten. Einen Vorentscheid spart man sich auch hier.

Ein letzter Absatz zu Unser Song für Kiew: Die Publikumspartizipation lag in Dimensionen von Millionen Stimmen unter dem Wert für letztes Jahr. Das kann nur zum Teil durch die niedrigste Einschaltquoten seit 2012 erklärt werden. Auch der gewollte Spannungsaufbau von Wertungsrunde zu Wertungsrunde ging schief, da im Finale mit Abstand die wenigsten Stimmen abgegeben wurden. Die Liveband Heavytones war das negative Highlight des Vorentscheids. Nicht, weil sie schlecht spielten, sondern weil sie so unpassend wie ein ägyptischer Ballonkünstler auf einer Beerdigung waren. Beim ESC wird vom Band gespielt, nix Orchester. Diese Verzerrung im Wettbewerb, da die elektronischen Sounds natürlich schlecht umgesetzt werden, war nicht nur unnötig, sondern auch unnötig teurer.

Somit bleibt uns Deutschen einmal mehr nur der Blick in andere Länder. Denn mit unseren Song werden wir keinen Blumentopf gewinnen. Was ich letzter Jahr noch als Horrorszenario ausmalte, wird in diesem Jahr als Fortsetzung gedreht.

Samstag, 21. Januar 2017

Sadi stiehlt sich aus der Show

Es zieht sich wie ein roter Faden durch die jüngere Geschichte des deutschen ESC-Vorentscheids, ähnlich wie die schlechten Platzierungen. Ein neuer Skandal, ein neues Jahr und das alte Bild: Ein erneut bloß gestellter NDR.

Einer der fünf Kandidaten für Unser Star für Kiew, hat seine Teilnahme "freiwillig" zurückgezogen. Sadi, mit bürgerlichen Namen Wilhelm Richter, galt international als Favorit die Show im Februar zu gewinnen. Jedoch berichtete die Bild am 16.1 als Erstes, dass Sadi Ärger mit der Justiz Dortmund habe. Er habe mit einer Frau zusammen als Putzdienst gedeckt, das Haus eines Düsseldorfers leergeräumt, so das Boulevard-Blatt. Darüber hinaus habe er eine Uhr auf Ebay versteigert, das Geld einkassiert, die Uhr aber nie ausgeliefert. So müsse sich der 19-jährige Pottler nicht zum ersten Male dem Jugendrichter stellen.

Das Echo aus dem ESC-Universum folgte promp und bereits einen Tag später gab der NDR bekannt, dass Sadi kein Teilnehmer mehr sei. "Berichte über mich verursachen gerade so viel Trubel - das möchte ich erst einmal klären und verarbeiten. Ich bin selber verwundert, was mir vorgeworfen wird. Ich hatte mich total auf die Teilnahme gefreut, möchte das aber nicht unter diesen Umständen machen. So kann ich nicht unbeschwert auftreten. Deshalb bin ich am 9. Februar schweren Herzens in Köln nicht dabei.", so Sadi.

Der NDR, Lob an dieser Stelle, versuchte diese Nachricht so schnell wie möglich zu verdauen und nominierte eine Künstlerin nach. Dabei ist Yosefin Buohler auf gar keinen Fall ein unbeschriebenes Blatt. Die 21-jährige Halbschwedin, hatte die Musik schon lange für sich entdeckt. Sie stand mit 13 im RTL-Finale von Das Supertalent, tourte darauf mit einem Musical durch Deutschland und lebt seit her in Stockholm. Die Kölnerin sang beim denkwürdigen Länderspiel Deutschland Schweden (Entstand 4:4) die deutsche Nationalhymne. Sie selbst ordnet sich dem Pop zu, wobei ihre musikalischen Vorlieben eher im Rap oder Metal zu liegen scheinen.

Für mich ist sie ein starker Ersatz, für den nicht minder starken Sadi. Ein geschlechtliches Ungleichgewicht entsteht durch diese Neubesetzung zwar (4 Frauen, 1 Mann), aber in Zeiten der Gleichstellung braucht man keine Quoten sondern Leistung. Wenn die Frauen in dieser Auswahl das starke Geschlecht sind, dann ist das eben so. Sadi wird sich dagegen auf die Zunge beißen. Wer seine Chance so leichtfertig vergibt und nicht von Anfang an offen mit seiner (hoffentlich) Vergangenheit umgeht, dann das ganze als Trubel der Medien bezeichnet, der verdient eine solche Abfuhr. Ob er tatsächlich schuldig gesprochen wird, steht noch nicht fest, jedoch spricht sein Rückzug eine deutliche Sprache.

Sadi ist nur die Fortsetzung der Unruhe bei deutschen Vorentscheiden. Eine Zeitreise.

2013: Das Cascada-Gate

Die Vorfreude war groß, als einer der international erfolgreichsten deutschen Gruppen, ihre Teilnahme am Vorentscheid bekannt gab. Es war das Jahr 1 nach der Zusammenarbeit von ARD und Stefan Raab. Der Vorentscheid war hochwertig besetzt und lieferte eine gute Show ab. Natalie Horler, die Frontfrau Cascadas, sah zwar etwas unglücklich mit ihrem Kleid aus, begeisterte allerdings trotz Textunsicherheiten die Halle. Im dreiteiligen Voting konnte sie sich schließlich dank der Jury gegen LaBrassBanda verteidigen. Der Skandal begann, als die Ohren der internationalen Bubble auf das Lied stieß. Denn das hatte in einigen Ohren Erinnerungen an Loreen und der Swedish House Mafia geweckt. Vereinzelt wurde gar eine absichtliche Ähnlichkeit ge(t)wittert, also ein Plagiat. Danach begann für Cascada ein Spießrutenlauf nach Malmö zum ESC. In jedem Interview wurden Fragen nur zu diesem Thema gestellt und der NDR gab gar eine unabhängige Untersuchung in Auftrag, die Cascada musikfachlich für unschuldig erklärte. Doch das gemeine Volk hatte die Mistgabeln schon aus dem Keller geholt und angezündet. Beim ESC konnten Cascada ihrer Favoritenrolle bei weitem nicht gerecht werden und landeten abgeschlagen auf den hinteren Plätzen.

2015: Das Was-Kümmerts-Mich-Gate

Die Mutter aller ESC-Vorentscheidsskandale, das worst case scenario. 2015 trug man einen ähnlichen Vorentscheid aus wie 2014, bei dem alles glatt lief. Doch wir alle können uns noch an das Finale erinnern. The Voice Sieger Andreas Kümmert gegen die bis dahin unbekannte Ann-Sophie. In der finalen Abstimmung gab es einen lawinengleichen Sieg für den ruhigen Rocker. Babsi Schöneberger war glücklich und übergab ihm die letzten Worte. In diesen zeigte er, dass der Gewinn seine größte Niederlage war, denn seine Maske viel. Ohne jegliches Selbstvertrauen, ängstlich und krank sagte er live auf der Bühne, dass er Deutschland nicht vertreten könne. Babsi löste die Situation recht gut und Ann-Sophie war glücklich, zweite Wahl zu sein. Dann begannen die großen Diskussionen. Wenn er nur kleine Konzerte spielen will, wieso nimmt er dann vor dem Millionenpublikum teil? Drängt ihn sein Management? Hat er eine psychische Krankheit? Hätte er die Reißleine früher ziehen müssen?

In der Süddeutschen Zeitung sagte er später, dass er durchaus gewillt war, Deutschland zu vertreten. Jedoch hätten ihn kurz vor dem Auftritt üble Sprüche im Internet verletzt und ihm wurde klar, dass das nur zunehmen würde, wenn er nach Wien fahre. Er habe Depressionen, Angstzustände und Selbstmordgedanken gehabt, die ihn zu einer Therapie gebracht hätten. Ann-Sophie, die nur von gut 20% der Voter gewählt wurde, ging in Wien als 27 klanglos unter. Rang 27 wird einige Zeit in den Geschichtsbüchern bestehen bleiben, da die EBU nur noch 26 Länder im Finale haben möchte. Und der Herr Kümmert? Der macht das eckelhafteste, egozentrischte und traurigste überhaupt: er nutzt seine überstandene Erkrankung, um mehr seiner neuen Platte zu verkaufen. Jeder bekommt das, was er verdient.

2016: Das Naidoo-Gate

Der vorläufige Höhepunkt bis Sadi. Einer der bekanntesten deutschen Sänger, Xavier Naidoo, wurde intern vom NDR als Repräsentant von 'Schland auserwählt. Dies führte jedoch zu einer Empörungswelle mit 2 Argumenten.

1. Niemand darf ohne einen Vorentscheid Deutschland beim Esc vertreten! (Außer Helene Fischer)
2. Erst recht kein rechter, vor Nazis auftretender, das Grundgesetz nicht anerkennender Reichsbürger.

Während Punkt 1 relativ unproblematisch ist, hat der zweite Punkt einiges an Potenzial in sich. Wie dieses Video zeigt, präsentierte er vor Reichsbürgern in Berlin unhaltbare Verschwörungstheorien und stand seit her stark in der Kritik. Während sich also die internationale ESC-Presse begeistert gab, ging ein wahrer Shitstorm auf die ARD nieder. Nach einigen Tagen folgte dann das wahre Chaos: Der NDR schmiss Naidoo wieder von Bord. Somit konnte sich das Opfer als Täter darstellen, erhielt unfassbare Rückendeckung aus der Musik und der NDR zeigte sein rückratloses Gesicht. Wenn man einen umstrittenen Künstler wie Naidoo nominiert, muss man von einem Shitstorm ausgehen. Dann aber den Schwanz einzuziehen war peinlich, schwach und würdelos. Das Ende des Liedes war der letzte Platz Jamie Lees und eine beleidigte Musikibranche, die sich wohl auf Jahre vom ESC fernhalten wird.

Mit Sadi haben wir nun also bereits unseren jährlichen Skandal. Dieser wurde zum Glück so zeitig aufgeklärt, dass die Wellen nicht zu hoch schlagen. Außerdem sind andere Länder auch recht fleißig heuer, beim produzieren von Problemen. In Ungarn gab es mehrere Disqualifikationen, ebenso in Georgien, wo ein Lied im Vorentscheid antreten wird, dass nicht in Kiew auftreten darf.

Somit glaube ich, dass Yosefin ein exellenter Ersatz ist und der NDR keine andere Wahl hatte, als Sadi zum Rückzug zu bewegen. Hoffen wir, dass es nun ruhig bleibt und uns am 9.2 zwei Hammersongs erwarten!

Dienstag, 17. Januar 2017

5 (un)glückliche Deutsche Kandidaten

Der NDR mit Thomas Schreiber hat sich also entschieden. Die 5 glorreichen Talente, die live an einem kühlen Februartag gegeneinander antreten werden, stehen fest. Die drei jungen Damen und die beiden Herren stelle ich etwas ausgedehnter vor:

1. Axel Maximilian Feige
Beim ESC wäre der Sänger mit 29 der Älteste deutsche Teilnehmer seit Cascada 2013 und ist auch in diesem Aufgebot der Papa. Er kommt aus Hamburg, spielt Klavier, Bass und Fagott, dazu singt er ganz gerne. Er hatte mehrere Bands, die zwar Covers performten, jedoch hin und wieder auch eigene Lieder spielten. Er selbst ordnet sich eher dem harten Rock zu und seine Lieblingskünstler sind seit mindestens 10 Jahren nicht mehr in den Charts zu sehen.

Erster Eindruck: weiß was er will, nur will ich das nicht. Nix innovatives, wird wohl einen Rocksong oder Rockballade aus den 2000ern beisteuern.

2. Felicia Lu Kürbiß
Überraschung: den Namen dieser Dame kenne ich sogar! 2014 stand die heute 22 jährige nämlich im Finale der Flop-Show rising star auf RTL. Sie stammt aus Bayern, spielt Klavier und hat eine professionelle moderne Gesangsausbildung in Salzburg hinter sich. Lieblingsmusik sind Lieder aus der Kindheit, sie selbst befindet sich jedoch im Elektropop, spannend!

Erster Eindruck: Sehr symphatisch und locker drauf. Erfahrung hat sie, singen kann sie ebenso und ihr Genre klingt vielversprechend.

3. Helene Nissen
Aus dem tiefsten Bayern in den hohen Norden zu Helene. Sie ist 20, macht seit 8 Jahren Musik und ist die unbekannteste aller Teilnehmer. Sie hört gerne Demi Lovato und würde sich im Blues, Jonny Cash ansiedeln.

Erster Eindruck: Schüchtern und 0 Charisma, überhaupt kein typisches Nordlicht. Dazu die Unerfahrenheit und der Musikstil bei Country? Vielfalt ist gut, sie ist nicht gut genug.

4. Isabelle Lueen
Levina ist ein gefördertes Talent: Aus Chemnitz kommend, gewann sie mehrere Preise, darunter Jugend musiziert. Sie studierte in London, wo sie währenddessen weitere Preise abräumte. 2014 wagte sie den Schritt in die Solokarriere und pendelt seitdem zwischen London und Berlin. Stimmlich sei sie im SoulPop unterwegs.

Erster Eindruck:
Sehr viel Erfahrung und Preise gewinnen sich nicht von selbst! Wird das Projekt in eigene Hand nehmen, muss nur auf den richtigen Song hoffen.

5. Wilhelm Richter
Ist eine 19 jährige Pottsau uns nennt sich selbst Sadi. Er stand schon mit Silvie Meis (aka van der Vaart) auf der Bühne, kommt aus Dortmund und studiert Gesang in Essen. Er selbst behauptet, ee habe eine 4 Oktaven Stimme. Aber der kleine hat es faustdick hinter den Ohren. Wie Bild berichtet, darf er sich wegen Betrug dem Richter stellen.

Erster Eindruck: Stimmliche Wucht, charakterlich kein Gewissen.

Am Finalabend von USfK wird es aber sehr kompliziert, ich fürchte zu kompliziert. Es wird wohl insgesamt 4 (!) Votingphasen geben und das grauenvolle: die Erste ist nach einer Runde von Coversongs, der Grundstein jeder Katastrophe. Ja, in einer Castingshow ist es unabdinglich, dass Talente Covers singen. Nein, an jenen Abend brauchen wir einen Künstler, der seinen eigenen Weg gewunden hat. Der ein Lied zu seinem macht. Wenn man das bei Coversongs macht, sie also dem persönlichen Stil anpasst, kommt das oftmals nicht sehr gut an, da es anders bzw. befremdlich klingt. Somit kann man einen Künstler die Chance rauben, bevor er überhaupt seinen Beitrag vorgestellt hat.

Das bringt uns auch schon zum nächsten Problem. Es wurden noch keine Einzelheiten bekannt gegeben, aber jeder Künstler wird 2 Songs vorbereiten. So stelle ich mir dann den Ablauf vor:

Runde 1: Coversongs

Voting --> 4 verbleiben

Runde 2: Song 1

Voting--> 3 verbleiben

Runde 3: Song 2

Voting: --> 2 verbleiben

Runde 4 (Superfinale): Künstler A und B treten jeweils mit ihrem stärkeren (mehr Anrufe) Song gegeneinander an.

Voting: --> Sieger

Insgesamt macht das 14 Songs an einem Abend. Jedoch, wenn man die fünf Coversongs weglässt, werden 9 potentielle ESC-Beiträge vorgestellt. Somit kann ein Kandidat nur einen Song performen, ein anderer sogar gar keinen! Wir hören somit 3 Beiträge überhaupt nicht. Da frage ich mich schon, warum man nicht einfach die Coversongs in die Tonne steckt und stattdessen alle ihre beiden Songs performen lässt, mit abschließenden Superfinale der beiden bestbewertesten Songs. Somit käme man auf 12 Beiträge, also auf 2 weniger, als mit dem aktuellen System. Das hieße mehr Zeit für Babsi Schöneberger.

Kritik ist ja schon und gut
und daher geht es direkt weiter. Der NDR hatte ja international um Songs geworben und damit geprahlt, dass man auch aktiv Labels angeschrieben habe. Nun ja, am Ende haben die Teilnehmer einen Pool gigantischen Ausmaßes für ihre Songs. 2. Im Finale werden 2 Songs immer und immer wieder, zugegeben in völlig veränderten Arrangement, gesungen. Da stellt sich natürlich die Frage, ob nur zwei Songs eingereicht wurden oder diese beiden so granaten geil sind, dass sie sich von den anderen ohnehin absetzen könnten. Da diese Kompetenz in der Hand des NDR liegt, befürchte ich zweites.

Meckern ist immer einfacher als loben. Und ich muss sagen, dass Deutschland dieses Jahr einen wohl besseren Weg eingeschlagen hat. Zunächst wurde ja das Konzept des Vorentscheids völlig geändert. Nun wird der ESC nicht von schon bekannten Acts als Promo benutzt, sondern ist das Event, weshalb man sich beworben hat. Das Hauptaugenmerk liegt auf Kiew, nicht auf dem deutschen Markt. Das ist natürlich alles nur theoretisch gedacht. Wenn ein fleißiger Manager nach dem Finalabend schon weiter plant und den Esc vergisst, dann haben wir eine neue Ann-Sophie. Was ich ebenfalls gut finde ist, dass man sich mit Bürger Lars Dietrich einen erfahrenen Entertainer ins Team geholt hat. Dieser alleine wird natürlich dem Ansehen des ESC's wenig helfen, aber Promis bringen immer eine Form der Aufmerksamkeit.

Es gibt aber auch noch Dinge, die ich mir noch dieses Jahr wünschen würde. Zum einen wäre das, dass der deutsche Interpret an der Pre-Esc Tour teilnehmen wird. Übrigens sind Amsterdam, Riga und London bestätigt. Das hat den Vorteil, dass die Bubble den Künstler besser kennenlernt, denn schauen wir uns mal die Fanlieblinge 2016 an. Barei (Spanien), Sergey (Russland), Hovi (Israel) und Poli (Bulgarien; alle 2016) haben alle mindestens an einem Event teilgenommen. Jamie-Lee an keinem. Gabi, die Vorletzte wurde, ebenfalls nicht. Ann-Sophie war 2015 in Amsterdam dabei, was aber ehrlicherweiße eigentlich Pflichtprogramm ist.

Das andere ist, dass doch die stärkste Volkswirtschaft beim Contest bitte das offizielle Video auf dem offiziellen YouTube Kanal uploaded. Jamie-Lee besaß ein solches Video, jedoch wurde es nur auf Kanälen hoch geladen, bei denen ihr Management verdient. Wie das beim offiziellen YouTube Account ist, weiß ich nicht, aber welchen Grund sollte es sonst geben, dass offizielle Video nicht zu posten? Dazu kommt, dass das Video einfach nur Dreck ist. Ann-Sophie hatte kein Video, Elaizas Billo-Produktion kann man nicht zählen und auch Cascada lieden ihr Video lieber beim eigenen Label hoch. Kleiner Vergleich: Malta (300.000 Einwohner) lädt jedes Jahr eine hochwertige Performance hoch.

Wie sieht nun meine Vorhersage aus? Schwierig ohne Songs, aber rein von den Kandidaten wünsche ich mir den Kürbis oder Levina. Erfahren, dynamisch und jung. Der Song wird alles nochmal aud den Kopf stellen, ich hoffe aber, dass es wirklich gute Arrangements gibt!

Somit bin ich äußerst gespannt, wie es ausgehen wird und mit welchem Song wir überrascht werden. Mein Gefühl sagt mir nichts gutes, es fühlt sich ähnlich zu Jamie-Lee an. Aber wir befinden uns früh in der Saison, noch kein Song steht in der finalen Version fest und evtl. ist ein Song von Barei (Spanien 2016) im Vorentscheid dabei.

Falls es jemanden interessiert: dieser Post wurde in einer Nacht am Flughafen Auckland erstellt. Ich war zu schwäbisch mir eine Unterkunft für den ersten Tag zu buchen und so nächtige ich am Flughafen neben dem McDonald's.

Mittwoch, 18. Mai 2016

Deutschland am Ende - Mal wieder

Einmal mehr haben wir Ende Mai und wir müssen uns wieder fragen: Warum hasst uns Europa? Einmal mehr Letzter, seit 2012 keine Platzierung mehr in den Top15. Wenn wir Newcomer schicken landen wir hinten (2014-2016) und wenn wir den erfolgreichsten deutschen Act der 2000er schicken, landen wir ebenfalls hinten (2013). Was machen wir also falsch? 

Fast ganz Europa war sich wie 2015 einig: Deutschland schickte nicht den schlechtesten Song nach Stockholm. Fast jeder mochte ihn oder gab zu, dass er nicht schlecht sei. Und selbst wenn jemand Kritik am Song äußerte, war da noch die süße Jamie-Lee, die das wieder wett machte. Aber im Gegensatz zu 2015, bei dem praktisch jeder Ann-Sophie lobte, gab es auch kritische Stimmen. Warum schickt Deutschland um Himmels Willen einen japanischen Cupcake zum ESC? Wie passt das zum Lied? Und warum noch mal rennt sie alleine durch einen Laserwald?

Das was die Ukraine dieses Jahr perfektioniert hat, interessierte den NDR überhaupt nicht. Nämlich die Authentizität. Jamala, eine Krimtatarin, singt über das Leid, dass ihrer Großmutter angetan wurde, mit einer emotionalen und zurückgenommen Präsentation auf der Bühne. Jamala ließ uns den Schmerz fühlen und erzählte uns die Geschichte, während sie uns in ihre eigene Welt mitnahm. Jamie-Lee? Sie sang über eine Beziehung, die sich gerade in einer Krise befinet, als Cupcake im Wald. Dass das kein Kostüm, sondern der Geschmack Jamie-Lees ist, sollte man berücksichtigen, aber das macht der ESC-Zuschauer eben nicht.


Diese "Heilige Dreifaltigkeit" wurde einmal mehr nicht erreicht. Sollten Sänger, Song und Bühne keine Einheit bilden, kann man eine gute Platzierung vergessen. Selbst wenn einzelne Kriterien schwach sind, kann eine harmonierende Show das wieder wett machen. Das konnte man dieses Jahr gut bei Belgien sehen, da Lauras Stimme wirklich nicht wettbewerbsfähig war und auch der Song eher im Mittelmaß schwamm. Auf der Bühne versprühte sie aber extrem viel Freude, dank Choreo die zum Song passte sprang der Funke ans Publikum über und sie erreichte einen 10. Platz, an den niemand vor den Proben auch nur gewagt hat zu träumen.

Von einer Krise zu sprechen ist einfach, aber wie kommen wir wieder heraus?

Nun, zunächst muss man sich den Umgang mit dieser Platzierung ansehen. Und dieser ist mehr als nur amateurhaft, sondern einfach peinlich. Die Pressekonferenz nach dem Finale wurde praktisch kommentarlos abgesagt. Man nahm sich selbst die Chance, die Fehler zu erklären und auch Kritik der Journalisten anzunehmen. Man wolle Jamie-Lee schützen. Dann soll Jamie-Lee aber auch bitte nicht in der Öffentlichkeit arbeiten, sondern auf einem Bauernhof im südlichen Greifswald. Wer in der Öffentlichkeit stehen will muss mit den Journalisten umgehen (können), nur Kinder gelten als Ausnahme. 

Die gesamte deutsche Delegation nahm sie in Schutz. Thomas Schreiber, das höchste deutsche ESC-Tier beim NDR: "Ihr Auftritt war 1A. Nach unserem Eindruck hat Jamie-Lee ... vor allem das junge Publikum angesprochen." Jamie-Lee selbst sagte: "Ich persönlich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung... Ich werde jetzt erst einmal feiern"

Ganz ehrlich, solche Aussagen machen mich sprachlos. Das Jamie-Lee zufrieden mit sich selbst ist, kann man ja durchaus verstehen, aber die Sätze aus Thomas Schreibers Mund sind einfach nur beschämend. Offenbar hat ja Jamie-Lee gar kein Publikum angesprochen und nur Punkte aus Ländern bekommen, in denen man sie aus der The Voice-Staffel kennt, also Österreich und Schweiz. 

Man stelle sich nur einmal vor, bei einem Fussballverein, der das zweite Mal in Folge absteigt erklärt der Trainer, dass es ein "1A Auftritt" der Mannschaft war. Im Sport und in der Wirtschaft wird ein solches Verhalten mit Kündigungen bestraft. Der Fisch stinkt meistens vom Kopf. Aber was macht Thomas Schreiber? Er wird wieder bis Februar in der Versenkung verschwinden und das Debakel einmal mehr Aussitzen. Immerhin das kann er "1A". Auf seine Kappe geht auch das ganze Naidoo-Gate, was schon ein schlechtes ESC-Jahr vermuten ließ. 

Deutschland braucht einen zweiten Stefan Raab. Einen modernen Ralph Siegel. Oder einen Christer Björkman. Keinen Thomas Schreiber, der scheinbar kein Interesse an Erfolg hat. Das schöne am ESC ist, dass wenn man unten ankommt, es nicht mehr schlimmer kommen kann. Warum also riskiert die ARD nicht mal was? Die aktuellen Modelle sind veraltet und haben zu keinem Erfolg geführt.

Das Problem am Vorentscheid ist nun mal, dass er nur als Werbung für den nationalen Markt dient. Die beste Werbung dafür ist natürlich eine Kostprobe des Songs bei diesem Wettbewerb, wobei  der eigentliche Wettbewerb in Hintergrund ist. Wir brauchen ein Konzept, bei dem junge aufstrebende Künstler ein Interesse am ESC haben, nicht die Plattenfirmen an der Vermarktung. Niemand kann mir erzählen, dass Deutschland keine begabten Künstler ohne Interesse am ESC hat.

Aber das Hauptproblem in den letzten beiden Jahren war nicht der Künstler, sondern der Song. Dieser war in beiden Fällen super radiotauglich, aber für den ESC praktisch ungeeignet. Bei der Unterhaltungsshow muss man herausstechen und einen Song haben, der das praktisch schon von alleine macht. Wir müssen andere Wege gehen und vielleicht auch mal einen Song extra für den ESC schreiben. Thomas G:son schreibt ja gerne für andere Länder, warum nicht für Deutschland?

Natürlich wäre das nicht der ideale Plan, aber es wäre zumindest ein guter ESC-Beitrag gesichert. Es gibt natürlich auch andere Möglichkeiten: Dieter Bohlen bringt jedes Jahr eigene Sänger bei DSDS heraus, warum sollte er nicht einen ESC-Song für den aktuellen Sieger Prince schreiben? Oder wie wäre es mit Robin Schulz oder Felix Jaehn, die zur Zeit einen Hit an den anderen reihen? Aber da gibt es natürlich das Problem, dass der NDR aktiv Werbung für den ESC machen müsste. Das ist natürlich mit Arbeit verbunden und wird dadurch schon kategorisch vom NDR abgelehnt.

Der einzige Weg, wie Deutschland aus dieser Abwärtsspirale herauskommen kann ist eine radikale Änderung. Falls der NDR zu dieser nicht fähig ist, sollten man dem WDR die Rechte für den ESC übertragen. Ein Thomas Schreiber MUSS  zurücktreten oder diese Änderungen zulassen. Ein weiteres Aussitzen kann sich DE nicht erlauben, da der ESC ja nun weltweit gesehen wird und wir uns dank Herr Schreiber jährlich blamieren. Danke Dafür!


Freitag, 26. Februar 2016

Kawaii Cupcake im Wald schlägt 9 Zwerge - Unser Lied für Stockholm

Ohne große Überraschungen ist gestern der deutsche Vorentscheid über die Bühne gegangen. Eine wunderbare Barbara "Babsi" Schöneberger, die ganz schön abgenommen hat, leitete frech und sympathisch durch die Show, Peter Urban war auch dabei und übte schon mal für den Mai in seiner gewohnt schrecklichen Art.

Das Prinzip der Show war einfach: 10 Kandidaten kämpften um 3 Superfinalplätze, welche durch die Zuschauer via Telefon, App oder SMS (Wer benutzt das heue noch ?!) bestimmt wurden. Diese drei performten noch einmal ihren Beitrag und eine zweite Votingphase schloss sich an, in der die Stimmen zu den Stimmen aus der ersten Votingphase addiert wurden. Weder eine internationale - noch eine nationale Jury saßen in Köln. Die Musikrichtungen waren breit gefächert, sie begannen bei Schlager und Indie-Rock, und endeten bei gregorianischen Gesängen und Weltverbesserungssound.

Der erste Durchlauf verlief wenig überraschend, da sich die drei Favoriten mit den Startnummern 7-9 durchsetzten konnten. Ella Endlich konnte nicht von ihrer Eröffnung profitieren, sie konnte nur 5,34% aller Voter hinter sich bringen. Hinter ihr (zugegeben mit deutlichen Anstand) befanden sich nur noch Keøma (3,32%), Joco (2,93%) und den Ann-Sophie-Gedächtnis-Award erhält WoB mit 1,63%, herzlichen Glückwunsch!

Luxuslärm konnte sich dank gelungenem Imagewechsel knapp vor Ella schieben, hatte aber einen großen Rückstand gegenüber Platz 5, den Mönchen. Dank erfolgreicher misslungener Bühnenshow sind die selbsternannten "überaus Erfolgreichen" mit nur 9,06% erfolgreich untergegangen. Wann merkt man, dass dein Auftritt wohl nicht so supi war? Wenn eine klischeemäßige Ralph Siegel Ballade 15 000 Stimmen mehr bekommt. Natürlich lag das auch an Siegels Startplatz, aber ein Erfolg ist es dennoch! Avantasia und Alex Diehl waren im ersten Voting nahe zu gleich auf (16,19 bzw. 16,12 %) Nur Jamie Lee konnte sich mit 28,78% oder 221 846 Votes absetzen. Ich möchte ja nicht daran erinnern, wie mein Orakel-Spruch aussah, aber ich hatte einen ziemlich guten Riecher. Platz 1-5 passen ohne Patzer. Danach habe ich einen Verdreher bei Ella und Luxuslärm, aber diesen Luxus kann ich mir erlauben. Weiter unten hab ich dann noch einen Dreher drin, aber wir fokussieren uns auf Platz 1 bis 5. Und da hab ich 100% richtig. YAY! 

Hier noch mal das Ergebniss tabellarisch ausgearbeitet




Dann also zum Superfinale! Alle 3 Acts spulten souverän ihr Performance ab, Avantasia konnte sich etwas steigern. Gebracht hat das ihnen am Ende nichts, denn Alex Diehl konnte sich Platz 2 erschleichen! Aber Jamie Lee´s Sieg war mit 44,48% extrem ungefährdet. Muss noch kurz mein staunen über die Stimmenanzahl ausdrücken. Hätte es nie gedacht, dass die ARD-Stammzuschauer Hildegard und Otmar, ihr Telefon so heißlaufen lassen. Das ist klasse! Hier nochmal das Ergebnis des Superfinales:





Deutschland geht zum erstmals seit 2009 wieder einen riskanteren Weg und setzt nicht nur auf das Lied. Ghost ist das vermutlich schwächste Lied seit 2009, welches wir zum ESC schicken. Aber Jamie gewinnt durch ihre Ausstrahlung und durch ihr unkonventionelles Auftreten. Polarisierende Beiträge sind die erfolgreichsten (Conchita, Dana International, Verka,...). Jamie´s Live-Stimme ist nochmal deutlich besser als die Studioversion, deshalb ärgere ich mich noch ein bisschen mehr über das Lied. 

Somit muss man über die Inszenierung kommen, 2009 hat das trotz Dita im Glas nicht gut geklappt. Und genau hier sitzt bei mir noch der störende Punkt in ihrer Performance. Ich habe den Kontrast zwischen dem Cupcake und dem toten Laserwald verstanden, aber hier sollte nachgebessert werden. Achtung, konstruktive Kritik!

Option 1: Durch Nebel, einem Schattentänzer und vielleicht einer Windmaschine, kann der Effekt des Waldes noch verstärkt werden. Durch schlaue Kamerafahrten kann man das auch noch wirklich extrem beeinflussen. Aber dadurch verstärkt sich dieser Kontrast noch einmal und man kann dadurch noch mehr Spannung erzeugen.

Option 2; Der Wald verwandelt sich langsam vom toten, ausgestorbenen Wald zu einem Cupcake-Wunderland. Klingt erst einmal schräg, ist es auch! Jamie vertreibt also während der Performance die Geister (vielleicht auch nur in ihrem Kopf?) und stolziert gegen Ende durch ein Schlaraffenland, bitte etwas bei Katy Perry´s Lied California Gurls abkupfern. 

Die aktuelle Bühnenshow basiert auf einer guten Idee, wirkt aber noch nicht ganz fertig. Etwas magic hineinbringen bis Mai und die Punkte könnten, wie von Geisterhand, in ihre Hände s(i)egeln.

Was kann Jamie-Lee in Stockholm reißen? Schwierig. Ein Sieg ist das hier sicherlich nicht. Jamie wird auch dank des neuen Modus Punkte für Deutschland holen, aber ob es bis in die Top15 reichen kann, bezweifele ich. Es liegt nicht an Jamie, sondern am Lied. Aber sie setzt sich klar von der Masse ab, polarisiert und besitzt sicherlich ihre Fanbasis im Mangabereich. Also Jamie: Vertreib die bösen Geister aus der jungen deutschen ESC-Geschichte, und wir werden dir ein Monument bauen!


Hier ihre Finalperformance: