Lisboa 2018

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Samstag, 11. Februar 2017

Neuer Versuch, deutsche Probleme

Den Donnerstagsmarathon haben wir hinter uns gebracht. Nach über 3 Stunden erlöste uns Barbara Schöneberger von den Brainpool Studios in Köln und hinterließ viele Fans ratlos zurück. Was ist der Song dieses Jahr wert?

Der Abend begann mit der Coverrunde und sorgte, so ehrlich muss man sein, für klare Verhältnisse. Helene kann nicht singen, hat aber eine sehr sympathische Art, Yosefine ist unscheinbar, der Kürbiß war bei falscher Songauswahl als Favorit zu nervös, der Hahn im Korb Axel hat eine riesen Stimme, dafür 0 Charisma. Und die letzte im Bunde Levina? Die machte mit einem sensationellen Adele Cover schon in Runde 1 alles klar. Das Publikum verliebte sich und es hagelte nur Lob. In Runde 2 wurde dann zusammen mit Helene und Axel Wildfire performt. Auch hier hatte das Publikum im Saal nur Augen für eine. Es erhob sich sogar! Den Satz, den Jurymitglied Lena brachte, hätte man berücksichtigen sollen: "Also von mir aus, kann jetzt Schluss sein!". Aber es ging noch eine gute Stunde weiter. Schon vor dem Finale eleminierte sie alle anderen Gegner, sodass sie gegen sich selbst im Finale stand. Es war eine Machtdemonstration, ein Spiel mit der sogenannten Konkurrenz, die sie wie Amateure aussehen ließ.

Alle im Saal waren sich einig: Wildfire ist der Song, der Deutschland vertreten solle.  Doch dann kam es zu der Verkettung (un) glücklicher Umstände. Levina performte beide Songs erneut, wobei sie bei Wildfire nicht die starke Performance abliefern konnte, wie beim ersten Durchlauf. Dazu wurde dem Zuschauer Zuhause ein Schnelldurchlauf der anderen Nationen 2017 gezeigt, dass ja bisher beinahe nur aus Balladen besteht, wie Wildfire. Der entscheidende Satz des Abends lieferte dann Florian Silbereisen: "Ich weiß nicht, ob es aus taktischen Gründen, dass schnellere Perfect life auszuwählen." Ich weiß nicht, ob Florian Silbereisen eine moralische Instanz ist und ob man auf ihn hört, aber die Zahlen sprechen für sich. Wildfire konnte alle Runden vor dem Finale für sich entscheiden, mehr als deutlich. In der finalen Abstimmung lag dann aber plötzlich Perfect life vorne, und zwar mit 70%.

Es ist also scheinbar soweit, dass wir der Konkurrenz ausweichen und taktisch den Song auswählen, um nicht erneut eine Blamage zurück zu bringen. Das wäre ja nicht schlimm, aber wir haben einen Song zu Recht mit Standing Ovation geschmückt. Das eine Lena in diesem Moment den richtigen Riecher zeigt und abbrechen wollte zeigt, dass es wohl nicht die richtige Entscheidung war. Denn nach dem ersten Hören von Perfect life regte sich kaum was im Publikum.

Perfect life ist also der deutsche Beitrag und einmal mehr halten wir uns an das typische Bild seid 3 Jahren: tolle Sängerin und ein mittelmäßiger Beitrag. Levina ist eine tolle Persönlichkeit mit einer Stimme, die nicht nur einzigartig, sondern auch gut ausgebildet ist. Studierend in London als preisgekrönte Künstlerin, andere Länder würden sich solche Sängerinnen wünschen. Diesem Ausnahmetalent geben wir dann einen Song, der Altkanzler Adenauer gefallen würde: Keine Experimente. Alle möglichen Ecken und Besonderheiten herausgenommen, sodass nur eine graue Songmasse übrig bleibt.

Das einzige, was diesen Song etwas lebendig macht, ist die internationale Diskussion, ob es sich um ein Plagiat eines anderen Songs handelt. Nein, das ist kein Flashback zu 2013 und dem Euphoria - Glorious - Don't you worry Child - Gate. Die ersten Takte von Perfect life klingen sehr ähnlich zu Titanium von David Guetta und SIA , Gott segne sie. Es handelt sich hierbei nicht um ein Plagiat, da die Töne doch in einer anderen Reihenfolge erscheinen, aber es ist ein typischer Fall von: Was hatte neulich Erfolg? Das ändere ich etwas um und baue es in meinen Song ein. So machte es Schweden in den vergangenen beiden Jahren, Dänemark 2010 und Deutschland 2013, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die Kompositionistin arbeitete sogar schon mit Guetta zusammen, also ist das typische "das hab ich noch niiiie gehört" nicht drin. Thomas Schreiber, der Kopf des deutschen ESC Debakels hat angedeutet, noch etwas am Song herum zu schrauben.

Doch das Problem bleibt: in der aktuellen Version werden wir erneut Letzter werden. Ganz einfach, weil kein Juror das als besonders sieht, um Punkte zu vergeben. Und welcher Zuschauer ruft den schon für Füllmaterial an? Das einzige spannende aus deutscher Sicht dürfte sein, ob mit dem neuen Wertungssystem 0 Punkte möglich sind. Galgenhumor muss schon im Februar angewendet werden. Falls jemand vom NDR das ließt: es wird niemand bei einem Song Tausch sauer sein! Wenn Sie wirklich den Erfolg für Deutschland zurück haben wollen, dann empfehle ich, sofort alles bis auf Levina über den Haufen zu schmeißen.

Sollten wir mit diesem Gesamtpaket also nach Kiew fahren  und erneut einen Platz jenseits von Rang 20 erreichen, MUSS das Konsequenzen in Form von Personen haben. Ein Thomas Schreiber ist spätestens dann dran abgesägt zu werden, sollte die ARD ein Interesse daran haben, sich, und viel schlimmer uns, nicht international zu blamieren.

Es könnte so einfach sein, ein einmaliges und kostensparendes Modell zu entwickeln. Aber gerne, ich liefere ja den ersten Schritt in Richtung 2018, denn Kiew habe ich aus deutscher Sicht schon abgehackt.

Option A: Wir geben einen wirklich erfolgreichen Produzenten (damit meine ich international) einen Batzen Geld in die Hand und schreibt einen Hammersong. Ein Name der mit spontan einfällt, wäre Max Martin, der wohl beste Produzent auf der Welt zur Zeit. Dann nehmen verschiedene Künstler eine Demo des Songs auf und ein Panel aus ESC - Interessieren (Journalisten, Fans, Experten) wählt die perfekte Kombi aus. Man spart sich das Geld für einen Vorentscheid.

Option B: Man schaut, welche Songs nach dem 1.09 von deutschen Künstlern veröffentlicht wurden und fragt diese an. Felix Jaehn, Zedd, Milky Chance. Somit kauft man einen internationalen Hit für den ESC ein und der Künstler hat tolle Promomöglichkeiten. Einen Vorentscheid spart man sich auch hier.

Ein letzter Absatz zu Unser Song für Kiew: Die Publikumspartizipation lag in Dimensionen von Millionen Stimmen unter dem Wert für letztes Jahr. Das kann nur zum Teil durch die niedrigste Einschaltquoten seit 2012 erklärt werden. Auch der gewollte Spannungsaufbau von Wertungsrunde zu Wertungsrunde ging schief, da im Finale mit Abstand die wenigsten Stimmen abgegeben wurden. Die Liveband Heavytones war das negative Highlight des Vorentscheids. Nicht, weil sie schlecht spielten, sondern weil sie so unpassend wie ein ägyptischer Ballonkünstler auf einer Beerdigung waren. Beim ESC wird vom Band gespielt, nix Orchester. Diese Verzerrung im Wettbewerb, da die elektronischen Sounds natürlich schlecht umgesetzt werden, war nicht nur unnötig, sondern auch unnötig teurer.

Somit bleibt uns Deutschen einmal mehr nur der Blick in andere Länder. Denn mit unseren Song werden wir keinen Blumentopf gewinnen. Was ich letzter Jahr noch als Horrorszenario ausmalte, wird in diesem Jahr als Fortsetzung gedreht.

Samstag, 21. Januar 2017

Sadi stiehlt sich aus der Show

Es zieht sich wie ein roter Faden durch die jüngere Geschichte des deutschen ESC-Vorentscheids, ähnlich wie die schlechten Platzierungen. Ein neuer Skandal, ein neues Jahr und das alte Bild: Ein erneut bloß gestellter NDR.

Einer der fünf Kandidaten für Unser Star für Kiew, hat seine Teilnahme "freiwillig" zurückgezogen. Sadi, mit bürgerlichen Namen Wilhelm Richter, galt international als Favorit die Show im Februar zu gewinnen. Jedoch berichtete die Bild am 16.1 als Erstes, dass Sadi Ärger mit der Justiz Dortmund habe. Er habe mit einer Frau zusammen als Putzdienst gedeckt, das Haus eines Düsseldorfers leergeräumt, so das Boulevard-Blatt. Darüber hinaus habe er eine Uhr auf Ebay versteigert, das Geld einkassiert, die Uhr aber nie ausgeliefert. So müsse sich der 19-jährige Pottler nicht zum ersten Male dem Jugendrichter stellen.

Das Echo aus dem ESC-Universum folgte promp und bereits einen Tag später gab der NDR bekannt, dass Sadi kein Teilnehmer mehr sei. "Berichte über mich verursachen gerade so viel Trubel - das möchte ich erst einmal klären und verarbeiten. Ich bin selber verwundert, was mir vorgeworfen wird. Ich hatte mich total auf die Teilnahme gefreut, möchte das aber nicht unter diesen Umständen machen. So kann ich nicht unbeschwert auftreten. Deshalb bin ich am 9. Februar schweren Herzens in Köln nicht dabei.", so Sadi.

Der NDR, Lob an dieser Stelle, versuchte diese Nachricht so schnell wie möglich zu verdauen und nominierte eine Künstlerin nach. Dabei ist Yosefin Buohler auf gar keinen Fall ein unbeschriebenes Blatt. Die 21-jährige Halbschwedin, hatte die Musik schon lange für sich entdeckt. Sie stand mit 13 im RTL-Finale von Das Supertalent, tourte darauf mit einem Musical durch Deutschland und lebt seit her in Stockholm. Die Kölnerin sang beim denkwürdigen Länderspiel Deutschland Schweden (Entstand 4:4) die deutsche Nationalhymne. Sie selbst ordnet sich dem Pop zu, wobei ihre musikalischen Vorlieben eher im Rap oder Metal zu liegen scheinen.

Für mich ist sie ein starker Ersatz, für den nicht minder starken Sadi. Ein geschlechtliches Ungleichgewicht entsteht durch diese Neubesetzung zwar (4 Frauen, 1 Mann), aber in Zeiten der Gleichstellung braucht man keine Quoten sondern Leistung. Wenn die Frauen in dieser Auswahl das starke Geschlecht sind, dann ist das eben so. Sadi wird sich dagegen auf die Zunge beißen. Wer seine Chance so leichtfertig vergibt und nicht von Anfang an offen mit seiner (hoffentlich) Vergangenheit umgeht, dann das ganze als Trubel der Medien bezeichnet, der verdient eine solche Abfuhr. Ob er tatsächlich schuldig gesprochen wird, steht noch nicht fest, jedoch spricht sein Rückzug eine deutliche Sprache.

Sadi ist nur die Fortsetzung der Unruhe bei deutschen Vorentscheiden. Eine Zeitreise.

2013: Das Cascada-Gate

Die Vorfreude war groß, als einer der international erfolgreichsten deutschen Gruppen, ihre Teilnahme am Vorentscheid bekannt gab. Es war das Jahr 1 nach der Zusammenarbeit von ARD und Stefan Raab. Der Vorentscheid war hochwertig besetzt und lieferte eine gute Show ab. Natalie Horler, die Frontfrau Cascadas, sah zwar etwas unglücklich mit ihrem Kleid aus, begeisterte allerdings trotz Textunsicherheiten die Halle. Im dreiteiligen Voting konnte sie sich schließlich dank der Jury gegen LaBrassBanda verteidigen. Der Skandal begann, als die Ohren der internationalen Bubble auf das Lied stieß. Denn das hatte in einigen Ohren Erinnerungen an Loreen und der Swedish House Mafia geweckt. Vereinzelt wurde gar eine absichtliche Ähnlichkeit ge(t)wittert, also ein Plagiat. Danach begann für Cascada ein Spießrutenlauf nach Malmö zum ESC. In jedem Interview wurden Fragen nur zu diesem Thema gestellt und der NDR gab gar eine unabhängige Untersuchung in Auftrag, die Cascada musikfachlich für unschuldig erklärte. Doch das gemeine Volk hatte die Mistgabeln schon aus dem Keller geholt und angezündet. Beim ESC konnten Cascada ihrer Favoritenrolle bei weitem nicht gerecht werden und landeten abgeschlagen auf den hinteren Plätzen.

2015: Das Was-Kümmerts-Mich-Gate

Die Mutter aller ESC-Vorentscheidsskandale, das worst case scenario. 2015 trug man einen ähnlichen Vorentscheid aus wie 2014, bei dem alles glatt lief. Doch wir alle können uns noch an das Finale erinnern. The Voice Sieger Andreas Kümmert gegen die bis dahin unbekannte Ann-Sophie. In der finalen Abstimmung gab es einen lawinengleichen Sieg für den ruhigen Rocker. Babsi Schöneberger war glücklich und übergab ihm die letzten Worte. In diesen zeigte er, dass der Gewinn seine größte Niederlage war, denn seine Maske viel. Ohne jegliches Selbstvertrauen, ängstlich und krank sagte er live auf der Bühne, dass er Deutschland nicht vertreten könne. Babsi löste die Situation recht gut und Ann-Sophie war glücklich, zweite Wahl zu sein. Dann begannen die großen Diskussionen. Wenn er nur kleine Konzerte spielen will, wieso nimmt er dann vor dem Millionenpublikum teil? Drängt ihn sein Management? Hat er eine psychische Krankheit? Hätte er die Reißleine früher ziehen müssen?

In der Süddeutschen Zeitung sagte er später, dass er durchaus gewillt war, Deutschland zu vertreten. Jedoch hätten ihn kurz vor dem Auftritt üble Sprüche im Internet verletzt und ihm wurde klar, dass das nur zunehmen würde, wenn er nach Wien fahre. Er habe Depressionen, Angstzustände und Selbstmordgedanken gehabt, die ihn zu einer Therapie gebracht hätten. Ann-Sophie, die nur von gut 20% der Voter gewählt wurde, ging in Wien als 27 klanglos unter. Rang 27 wird einige Zeit in den Geschichtsbüchern bestehen bleiben, da die EBU nur noch 26 Länder im Finale haben möchte. Und der Herr Kümmert? Der macht das eckelhafteste, egozentrischte und traurigste überhaupt: er nutzt seine überstandene Erkrankung, um mehr seiner neuen Platte zu verkaufen. Jeder bekommt das, was er verdient.

2016: Das Naidoo-Gate

Der vorläufige Höhepunkt bis Sadi. Einer der bekanntesten deutschen Sänger, Xavier Naidoo, wurde intern vom NDR als Repräsentant von 'Schland auserwählt. Dies führte jedoch zu einer Empörungswelle mit 2 Argumenten.

1. Niemand darf ohne einen Vorentscheid Deutschland beim Esc vertreten! (Außer Helene Fischer)
2. Erst recht kein rechter, vor Nazis auftretender, das Grundgesetz nicht anerkennender Reichsbürger.

Während Punkt 1 relativ unproblematisch ist, hat der zweite Punkt einiges an Potenzial in sich. Wie dieses Video zeigt, präsentierte er vor Reichsbürgern in Berlin unhaltbare Verschwörungstheorien und stand seit her stark in der Kritik. Während sich also die internationale ESC-Presse begeistert gab, ging ein wahrer Shitstorm auf die ARD nieder. Nach einigen Tagen folgte dann das wahre Chaos: Der NDR schmiss Naidoo wieder von Bord. Somit konnte sich das Opfer als Täter darstellen, erhielt unfassbare Rückendeckung aus der Musik und der NDR zeigte sein rückratloses Gesicht. Wenn man einen umstrittenen Künstler wie Naidoo nominiert, muss man von einem Shitstorm ausgehen. Dann aber den Schwanz einzuziehen war peinlich, schwach und würdelos. Das Ende des Liedes war der letzte Platz Jamie Lees und eine beleidigte Musikibranche, die sich wohl auf Jahre vom ESC fernhalten wird.

Mit Sadi haben wir nun also bereits unseren jährlichen Skandal. Dieser wurde zum Glück so zeitig aufgeklärt, dass die Wellen nicht zu hoch schlagen. Außerdem sind andere Länder auch recht fleißig heuer, beim produzieren von Problemen. In Ungarn gab es mehrere Disqualifikationen, ebenso in Georgien, wo ein Lied im Vorentscheid antreten wird, dass nicht in Kiew auftreten darf.

Somit glaube ich, dass Yosefin ein exellenter Ersatz ist und der NDR keine andere Wahl hatte, als Sadi zum Rückzug zu bewegen. Hoffen wir, dass es nun ruhig bleibt und uns am 9.2 zwei Hammersongs erwarten!

Dienstag, 17. Januar 2017

5 (un)glückliche Deutsche Kandidaten

Der NDR mit Thomas Schreiber hat sich also entschieden. Die 5 glorreichen Talente, die live an einem kühlen Februartag gegeneinander antreten werden, stehen fest. Die drei jungen Damen und die beiden Herren stelle ich etwas ausgedehnter vor:

1. Axel Maximilian Feige
Beim ESC wäre der Sänger mit 29 der Älteste deutsche Teilnehmer seit Cascada 2013 und ist auch in diesem Aufgebot der Papa. Er kommt aus Hamburg, spielt Klavier, Bass und Fagott, dazu singt er ganz gerne. Er hatte mehrere Bands, die zwar Covers performten, jedoch hin und wieder auch eigene Lieder spielten. Er selbst ordnet sich eher dem harten Rock zu und seine Lieblingskünstler sind seit mindestens 10 Jahren nicht mehr in den Charts zu sehen.

Erster Eindruck: weiß was er will, nur will ich das nicht. Nix innovatives, wird wohl einen Rocksong oder Rockballade aus den 2000ern beisteuern.

2. Felicia Lu Kürbiß
Überraschung: den Namen dieser Dame kenne ich sogar! 2014 stand die heute 22 jährige nämlich im Finale der Flop-Show rising star auf RTL. Sie stammt aus Bayern, spielt Klavier und hat eine professionelle moderne Gesangsausbildung in Salzburg hinter sich. Lieblingsmusik sind Lieder aus der Kindheit, sie selbst befindet sich jedoch im Elektropop, spannend!

Erster Eindruck: Sehr symphatisch und locker drauf. Erfahrung hat sie, singen kann sie ebenso und ihr Genre klingt vielversprechend.

3. Helene Nissen
Aus dem tiefsten Bayern in den hohen Norden zu Helene. Sie ist 20, macht seit 8 Jahren Musik und ist die unbekannteste aller Teilnehmer. Sie hört gerne Demi Lovato und würde sich im Blues, Jonny Cash ansiedeln.

Erster Eindruck: Schüchtern und 0 Charisma, überhaupt kein typisches Nordlicht. Dazu die Unerfahrenheit und der Musikstil bei Country? Vielfalt ist gut, sie ist nicht gut genug.

4. Isabelle Lueen
Levina ist ein gefördertes Talent: Aus Chemnitz kommend, gewann sie mehrere Preise, darunter Jugend musiziert. Sie studierte in London, wo sie währenddessen weitere Preise abräumte. 2014 wagte sie den Schritt in die Solokarriere und pendelt seitdem zwischen London und Berlin. Stimmlich sei sie im SoulPop unterwegs.

Erster Eindruck:
Sehr viel Erfahrung und Preise gewinnen sich nicht von selbst! Wird das Projekt in eigene Hand nehmen, muss nur auf den richtigen Song hoffen.

5. Wilhelm Richter
Ist eine 19 jährige Pottsau uns nennt sich selbst Sadi. Er stand schon mit Silvie Meis (aka van der Vaart) auf der Bühne, kommt aus Dortmund und studiert Gesang in Essen. Er selbst behauptet, ee habe eine 4 Oktaven Stimme. Aber der kleine hat es faustdick hinter den Ohren. Wie Bild berichtet, darf er sich wegen Betrug dem Richter stellen.

Erster Eindruck: Stimmliche Wucht, charakterlich kein Gewissen.

Am Finalabend von USfK wird es aber sehr kompliziert, ich fürchte zu kompliziert. Es wird wohl insgesamt 4 (!) Votingphasen geben und das grauenvolle: die Erste ist nach einer Runde von Coversongs, der Grundstein jeder Katastrophe. Ja, in einer Castingshow ist es unabdinglich, dass Talente Covers singen. Nein, an jenen Abend brauchen wir einen Künstler, der seinen eigenen Weg gewunden hat. Der ein Lied zu seinem macht. Wenn man das bei Coversongs macht, sie also dem persönlichen Stil anpasst, kommt das oftmals nicht sehr gut an, da es anders bzw. befremdlich klingt. Somit kann man einen Künstler die Chance rauben, bevor er überhaupt seinen Beitrag vorgestellt hat.

Das bringt uns auch schon zum nächsten Problem. Es wurden noch keine Einzelheiten bekannt gegeben, aber jeder Künstler wird 2 Songs vorbereiten. So stelle ich mir dann den Ablauf vor:

Runde 1: Coversongs

Voting --> 4 verbleiben

Runde 2: Song 1

Voting--> 3 verbleiben

Runde 3: Song 2

Voting: --> 2 verbleiben

Runde 4 (Superfinale): Künstler A und B treten jeweils mit ihrem stärkeren (mehr Anrufe) Song gegeneinander an.

Voting: --> Sieger

Insgesamt macht das 14 Songs an einem Abend. Jedoch, wenn man die fünf Coversongs weglässt, werden 9 potentielle ESC-Beiträge vorgestellt. Somit kann ein Kandidat nur einen Song performen, ein anderer sogar gar keinen! Wir hören somit 3 Beiträge überhaupt nicht. Da frage ich mich schon, warum man nicht einfach die Coversongs in die Tonne steckt und stattdessen alle ihre beiden Songs performen lässt, mit abschließenden Superfinale der beiden bestbewertesten Songs. Somit käme man auf 12 Beiträge, also auf 2 weniger, als mit dem aktuellen System. Das hieße mehr Zeit für Babsi Schöneberger.

Kritik ist ja schon und gut
und daher geht es direkt weiter. Der NDR hatte ja international um Songs geworben und damit geprahlt, dass man auch aktiv Labels angeschrieben habe. Nun ja, am Ende haben die Teilnehmer einen Pool gigantischen Ausmaßes für ihre Songs. 2. Im Finale werden 2 Songs immer und immer wieder, zugegeben in völlig veränderten Arrangement, gesungen. Da stellt sich natürlich die Frage, ob nur zwei Songs eingereicht wurden oder diese beiden so granaten geil sind, dass sie sich von den anderen ohnehin absetzen könnten. Da diese Kompetenz in der Hand des NDR liegt, befürchte ich zweites.

Meckern ist immer einfacher als loben. Und ich muss sagen, dass Deutschland dieses Jahr einen wohl besseren Weg eingeschlagen hat. Zunächst wurde ja das Konzept des Vorentscheids völlig geändert. Nun wird der ESC nicht von schon bekannten Acts als Promo benutzt, sondern ist das Event, weshalb man sich beworben hat. Das Hauptaugenmerk liegt auf Kiew, nicht auf dem deutschen Markt. Das ist natürlich alles nur theoretisch gedacht. Wenn ein fleißiger Manager nach dem Finalabend schon weiter plant und den Esc vergisst, dann haben wir eine neue Ann-Sophie. Was ich ebenfalls gut finde ist, dass man sich mit Bürger Lars Dietrich einen erfahrenen Entertainer ins Team geholt hat. Dieser alleine wird natürlich dem Ansehen des ESC's wenig helfen, aber Promis bringen immer eine Form der Aufmerksamkeit.

Es gibt aber auch noch Dinge, die ich mir noch dieses Jahr wünschen würde. Zum einen wäre das, dass der deutsche Interpret an der Pre-Esc Tour teilnehmen wird. Übrigens sind Amsterdam, Riga und London bestätigt. Das hat den Vorteil, dass die Bubble den Künstler besser kennenlernt, denn schauen wir uns mal die Fanlieblinge 2016 an. Barei (Spanien), Sergey (Russland), Hovi (Israel) und Poli (Bulgarien; alle 2016) haben alle mindestens an einem Event teilgenommen. Jamie-Lee an keinem. Gabi, die Vorletzte wurde, ebenfalls nicht. Ann-Sophie war 2015 in Amsterdam dabei, was aber ehrlicherweiße eigentlich Pflichtprogramm ist.

Das andere ist, dass doch die stärkste Volkswirtschaft beim Contest bitte das offizielle Video auf dem offiziellen YouTube Kanal uploaded. Jamie-Lee besaß ein solches Video, jedoch wurde es nur auf Kanälen hoch geladen, bei denen ihr Management verdient. Wie das beim offiziellen YouTube Account ist, weiß ich nicht, aber welchen Grund sollte es sonst geben, dass offizielle Video nicht zu posten? Dazu kommt, dass das Video einfach nur Dreck ist. Ann-Sophie hatte kein Video, Elaizas Billo-Produktion kann man nicht zählen und auch Cascada lieden ihr Video lieber beim eigenen Label hoch. Kleiner Vergleich: Malta (300.000 Einwohner) lädt jedes Jahr eine hochwertige Performance hoch.

Wie sieht nun meine Vorhersage aus? Schwierig ohne Songs, aber rein von den Kandidaten wünsche ich mir den Kürbis oder Levina. Erfahren, dynamisch und jung. Der Song wird alles nochmal aud den Kopf stellen, ich hoffe aber, dass es wirklich gute Arrangements gibt!

Somit bin ich äußerst gespannt, wie es ausgehen wird und mit welchem Song wir überrascht werden. Mein Gefühl sagt mir nichts gutes, es fühlt sich ähnlich zu Jamie-Lee an. Aber wir befinden uns früh in der Saison, noch kein Song steht in der finalen Version fest und evtl. ist ein Song von Barei (Spanien 2016) im Vorentscheid dabei.

Falls es jemanden interessiert: dieser Post wurde in einer Nacht am Flughafen Auckland erstellt. Ich war zu schwäbisch mir eine Unterkunft für den ersten Tag zu buchen und so nächtige ich am Flughafen neben dem McDonald's.