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Dieses Bild fasst den gesamten Samstagabend sehr gut zusammen. Das unfassbare ist einmal mehr im Globen geschehen: Der LED-Wand haushohe Favorit wurde gestürzt, obwohl ihn die Wetten und auch die Fans nahezu unanfechtbar vorne sahen. Doch der ESC hat seine eigenen Gesetze und diese schreibt er jährlich neu. Auf dem Bild rechts unten sieht man Sergey Lazarev aus Russland, als er das unglaublich gute Publikumsergebnis von 361 Punkten sah. Im selben Moment realisierte er allerdings, dass es nicht für den Sieg reichen würde. Passend dazu wurde oben die Ukraine eingeblendet, als deren Jubelsturm begann. Ukraine feiert und Russland kann nur zu ihnen aufsehen. Ein Bild, dass Russland mit allen Mitteln versuchte zu verhindern. Ohne Erfolg. Russland gewann zwar deutlich das Televoting, jedoch wurde bei den Jurys nur ein mit Belgien (!) geteilter 5. Platz erreicht. Selbst Malta erlangte mehr Punkte von den Juroren als der große Favorit. Der Komponist des russischen Beitrags, der Frank N. Furter des 21. Jahrhunderts Filipp Kirkorow, roch sofort eine Verschwörung des restlichen Europas. Eine von der Regierung gesteuerte Jurywertung, die Russland beim ESC verunglimpfen sollte. Das sind harte Vorwürfe, die sich allerdings ziemlich gut beweisen lassen:
Mehr als die Hälfte aller nationaler Jurys haben Russland keinen Punkt gegönnt. Die typischen Punktexporteure an Russland haben natürlich dennoch ihre Lieferung abgegeben. Aber durch die politischen Entwicklungen haben 2/3 des Baltikums, die Ukraine und Georgien keine Punkte mehr an Russland gereicht. Im Televoting sieht das ganze so aus:
Nun erhält Kirkorows Aussage mehr Gewicht, da JEDES Land mindestens 3 Punkte an Russland vergeben hat. Aus der Ukraine und Georgien gab es sogar 12, ebenso wie aus Deutschland. Dadurch sind die Zweifel dann doch begründet, da es auf jeden Fall Länder gibt, aus denen keine Punkte an Russland vergeben werden dürfen.
Aber man sollte auch den Sinn hinter den Juroren bitte gerade als Komponist betrachten: Die Jurys sollen den Effekt der Diaspora schmälern und qualitativ hochwertige Beiträge gut bewerten. War der Song Russlands qualitativ hochwertig? Die Antwort kennt jeder. Das Lied war allerhöchstens Mittelmaß und man war besseres von Captain Kirkorow gewöhnt.
Warum Russland also mehr Punkte im Televoting bekommen hat? Weil die Show natürlich Eindruck hinterlässt. Sie bleibt im Kopf, das Lied hingegen nicht. Dazu noch die unglaublich große Diaspora und nun ist es gar keine Überraschung mehr.
Hat das nun also nur politische Gründe? Natürlich nicht. Russland war natürlich nicht das einzige Land, das in der Jury deutlich schlechter abschnitt. Ich denke da nur an Österreich, die ja nicht einmal eine Diaspora haben oder das diesjährige Paradebeispiel Polen. Auch gegenteilige Ereignisse gibt es, zum Beispiel bei Australien, Malta oder Israel.
Es ist zu einfach alles auf die Politik zu schieben, das versuchen ja die deutschen Medien auch schon länger. Natürlich hat die Außenpolitik Russlands nicht viele Freunde in der EU, aber vielleicht sollte man sich auch einfach damit abfinden, dass der Beitrag Sergeys zwar gut schmeckte, aber eben in keinem Sternerestaurant gegessen werden kann, da die Zutaten zu simpel waren. Sein darauffolgender Appel, dass Russland doch aussetzen solle, halte ich für eine gefährliche Idee. Denn der ESC ist wohl zur Zeit das einzige Event, bei dem Russland von den anderen Ländern nicht angefeindet wird, sondern sogar angefeuert wird.
Sollte Russland also 2016 den Weg nach Kiew finden, wäre dies ein Zeichen von wahrer Größe und auch ein Schritt zur Entspannung der Situation. Sollte sich Russland dagegen entscheiden, dann kapselt sich das Land auch noch vom ESC ab und es wird immer dunkler. So dunkel, dass wieder die Vorhänge zufallen könnten.
Ach ja, am 12.03 war es wieder so weit. Das Melodifestivalen in Schweden stand wieder auf dem Plan. Der feuchte Traum jedes ESC Fans und der Vorbildwettbewerb für Vorentscheide in Europa. Der neben Litauen komplexeste Modus, fand nach 5 Wochen sein Finale in der Tele2-Arena in Stockholm. In den 4 Halbfinals traten jeweils sieben Acts an, um einen Finalplatz zu ergatten. Platz 1 und 2 qualifizierten sich hierfür, Platz 3 und 4 kamen in die andra chansen und Platz 5-7 konnten sich schon mal auf das nächste Jahr vorbereiten. Die insgesamt 8 andra chansen Teilnehmer traten um die 4 verbliebenen Finaltickets an. Somit hatten wir 12 Finalteilnehmer. Während in den Vorrunden nur die Zuschauer entschieden, kamen nun im Finale 50% internationales Juryvoting hinzu. Viele neue Gesichter und einige alte Bekannte errungen einen Platz im Finale. Das Melo dieses Jahr gefiel mir nicht so sehr, wie die letzten Jahre, war aber natürlich der qualitativ hochwertigste Vorentscheid, bei weitem. Die Halle war voll, die Stimmung toll nur das Outfit der Moderatoren war oll.
Modisch waren die beiden Moderatoren eher im osteuropäischen Sphären. Ein 70-er Blumenkleid und ein schmieriger weißer Anzug, das geht besser Schweden! Die ganze Welt blickte also in eine grenzdebile Blumenvisage und auf eine aufgeschreckten Ente.
Also los geht´s mit der Einzelkritik der Acts, das war ja das wichtigste im Vorentscheid. Wobei, in Schweden liegt das eher im Bereich der optischen Fütterung. Ich möchte nur kurz erwähnen, dass ich mir keinen Song in der Studiofassung angehört habe, sondern unvoreingenommen zuschauen konnte. Also bis zum Melo-Abend keinen Song kannte.
So stelle ich mir das Melodifestivalen immer vor: Fröhliche Melodien von fröhlichen Leuten, von denen ich kein Wort vestehe, aber trotzdem mitgröle. Die 6 haben verdammt viel Spaß auf der Bühne und ihre Choreo klappt sogar manchmal. Das Lied ist verdammt catchy und es wäre ein toller Act für den ESC gewesen, da wir so einen großen Gute-Laune-Song noch nicht vorweisen können. Um es in ESC-Punkten auszudrücken: 10/12
Startnummer 2: Lisa Ajax - My heart wants me dead (Mein Herz will, dass ich sterbe)
Eine Blonine aus Schweden singt so einen klangvollen Titel. Der Beginn gefiel mir durch die orientalischen Einflüsse sehr, entwickelte sich dann aber schnell zur Standartpopnummer. Das einzig auffällige war ihr viel zu breiter Kopf, wie kam sie durch den Geburtskanal?! Warum hängt auf der Bühne Toilettenpapier von der Decke? Und warum verdammt nochmal, braucht sie Ausdruckstänzer? Fragen, auf die wir wohl nie Antworten erhalten werden. 5/12
Startnummer 3:David Lindgren - We are your tomorrow (Wir sind dein Morgen)
Der Schlingel klaut einfach Lailas Hologramme aus Norwegen, das geht gar nicht! Der Typ ist langweilig mit dem leichten Hang zu unsympathisch. Das Lied ist typisch schwedisch, aber eben nichts besonderes. Lasershow wertet es noch einmal auf. Aber mehr als 3/12 kann ich für dieses Sammelsurium an schwedischen Musiktracks nicht geben.
Einen so aus ESC-Material zusammengewürfelten Beitrag hab ich lange nicht mehr gesehen. Die Dame sieht aus wie Rykka (Schweiz 2016), hat die Feuerwerkskreisel von Sofi (Bulgarien 2012) und das schlimmste ist, dass das Lied ein 1 zu 1 Abklatsch von Haba Haba (Norwegen 2011) ist. Aber es ist und bleibt ein klasse Lied, trotz all der Abzüge. 6.5/12
Startnummer 5: Oscar Zia - Human (Mensch)
Also er bräuchte für Stockholm einen Kleidungsberater. Er steht am größten Tag seines Lebens mit Jogginghose und einem zu engen schwarzen T-Shirt vor Millionen Menschen. Die Schnitte im Lied sind mir zu abrupt und dadurch geht so ein bisschen der Genuss verloren. Die Einblendungen von Wolken finde ich auch unnötig. Der Refrain spaltet, ich bin auf der "Gefällt mir nicht"-Seite. Das dieser Song sich auf die Flüchtlingsdebatte beziehen kann, erhöhte natürlich seine Chancen. 4.5/12 persönlicher Geschmack
Startnummer 6: Ace Wilder - Don´t worry (Mach dir keine Sorgen)
Bills von Lunchmoney Lewis in Schweden. Die Bühnenpräsentation war sensationell und ihre Mimik ebenfalls erstklassig. Eine Pyramide, in der in verschiedenen Feldern ihr Körper als Aufzeichnung erscheint, genial! Das Lied ist ein extremer Gute-Laune-Song und transportiert diese Stimmung super zum Publikum. Über das Outfit kann man keine guten Worte verlieren, deshalb hier kleiner Abzug. Aber das würde den nächsten Top-5 Platz Schwedens sicherstellen. 11.5/12
Startnummer 7: Robin Bengtsson - Constellation Prize (Preiskonstellation)
Wie ich Männer mit Mundharmonika einfach nur lächerlich finde. Die Mundharmonika passt in dieses typischen Schwedenschlager einfach mal gar nicht rein. Nur so Alibi mäßig "Schaut meinen individuellen Song an, der voll des Alleinstellungsmerkmal hat" Nein, gar nicht meins. Der Refrain besteht auch nur aus 3.5 Worten. Schöne Augen, aber lieber stumm genießen. 2/12
Der Vers ist genial, sowohl gesanglich als auch kompositorisch. Die Ariana Grande-Gedächtnis-Treppe am Ende des Verses stört auch nicht. Einfach mal schön, dass auch in Schweden der Schwerpunkt auf der Stimme liegen kann. Kommt zwar selten vor, aber solche Ausnahmen sind klasse. Der Refrain enttäuscht mich dann doch, genau so wie die Präsentation. Die riesige Plastiktüte am Ende gab es schon in wesentlich kreativen Variationen auf Zypern. Also sind das 6/12.
Startnummer 9: Boris René - Put your love on me (Schenk mir deine Liebe)
Ich mag seine Blicke in die Kamera nicht, aber das ist nur die Spitze des Eisberges. Das Lied ist extrem Nichtssagend. Es erzählt nichts, erlebt keine Steigerung, aber packt dich auch nicht von der ersten Sekunde an. Wie hat er es ins Finale geschafft? Das Lied ist alles andere als modern und lyrisch höchstens Grundschulniveau. Auch die Bühnenpräsentation war für schwedische Verhältnisse, einfach zu normal. Kein Spiel mit der Technik oder besondere Effekte. Dafür ist Schweden nicht bekannt. 1/12
Startnummer 10: Frans - If I were sorry (Wenn es mir Leid täte)
Der erst 17-jährige kann sich völlig vom Vorangegangenen unterscheiden und auch absetzen. Ein völliger Stimmungswechsel und nicht das, was Melo-Fans zu oft hören. Seine Aussprache soll wohl cool wirken, mich nervt sie. Stimmlich bewegt er sich in einer Terz und Sprechgesang, keine Beanspruchung. Das ganze Lied wirkt wie schon einmal gehört, aber ich komme nicht drauf von wem. Ein sehr eigensinniges Stück, welches wahrscheinlich öfters als einmal gehört werden muss, um geliebt zu werden. Für Schweden also nicht die beste Wahl. 9/12
Startnummer 11: Wiktoria - Save me (Rette mich)
Diese Haare *,* Der Country Beginn ist durch die Synkopierung wirklich perfekt, der geht nicht besser. Im Refrain eine tolle Steigerung und sehr, sehr catchy. Stimmlich dieses Jahr mit Molly klar die Beste. Der Refrain besteht übrigens aus mehr als 3 Worten, eine Seltenheit in Schweden. Die Bühnenshow hat natürlich so einen Bart beim ESC, aber war deutlich weiterentwickelt. Passend war sie nicht wirklich und dadurch ging die Stimmung etwas verloren, da sie sich kaum bewegen konnte. 11/12
Startnummer 12: Samir&Viktor - Bada nakna (Nacktbaden)
Der Sunnyboy und der Bad-Boy. Die Verse sind mit Abstand die schlimmste Liveperformance aller Zeiten. Im Refrain geht es noch. Aber mittlerweile gilt bei Männern auch: Mehr Haut, mehr Votes. Im Refrain sagt die Computerstimme Mistgeburten? Wieso Schweden, wieso? So kann man doch kein Melodifestivalen abschließen. -1/12
-------------------------------------------------------ab hier bitte abschneiden-------------------------------
5. SaRaha - Kizunguzungu 6.5/12
6. Molly Sandén - Youniverse 6/12
7. Lisa Ajax - My heart wants me dead 5/12
8. Oscar Zia - Human 4.5/12
9. David Lindgren - We are your tomorrow 3/12
10. Robin Bengtsson - Constellation Prize 2/12
11. Boris René - Put your love on me 1/12
12. Samir&Viktor - Bada nakna -1/12
Dann kamen wir zum Voting, dass genau so vorgestellt wird, wie das neue ESC-Voting. Nur mit dem Unterschied, dass hier eben nur 10 Jurys befragt werden. Das von den Buchmachern versprochene deutliche Ergebnis, zeigte sich nicht nach dem Juryvoting.
Für mcih überraschend führte Oscar, allerdings mit nur einem Pünktchen vor Topfavorit Frans. Ace war mit 6 Punkten Rückstand auch noch dabei, Wiktoria hatte nur noch Außenseiterchancen. Für den Rest war schon jetzt klar, dass es nichts mehr wird mit dem Sieg. Es freute mich übrigens sehr, dass Samir&Viktor 0 Punkte auf dem Konto hatten.
Das Televoting gewann: FRANS! Damit siegte er mit 156 Punkten vor Oscar (132) und Ace (118).
Was ich von Frans als Sieger halte kann man hier nachlesen.
Schon bei den letzten Wahlen in Polen konnte ich mein Unverständnis kaum in Worte fassen. Warum katapultiert sich ein Land freiwillig politisch und demokratisch ins Mittelalter zurück? Auch vor den Rundfunkanstalten hat die ekelhafte dreckige Made, auch Ministerpräsidentin genannt, keinen Halt gemacht und starke Kontrollen durch Staatsbedienstete erhoben. Das alles hat auch auf Polen beim ESC Auswirkungen, so viel, dass sogar schon von einem Rausschmiss aus der EBU geredet wurde. Aber fangen wir mal mit der jüngeren ESC-Geschichte Polens an. 1994 erstmals dabei wird es in Stockholm die 19. Teilnahme sein, da man in den Jahren 2000 und 2002 auf Grund eines schlechten Fünf-Jahres Durchschnittwertes aussetzen musste und 2012 & 2013 nicht am ESC teilnahm. Bei den letzten 10 Teilnahmen erreichten sie 4 Mal das Finale, auch in den vergangenen 2 Jahren, was letztes Jahr wirklich unverdient überraschend war. Polen erreichte seine beste Platzierung im Debütjahr als 2. Die Top-10 wurden danach nur noch 1 Mal erreicht (2003). Dieses Jahr war die Chance für Polen auf den Sieg da, so groß wie lange nicht mehr, aber dazu gleich. Zum ersten Mal seit Polens Rückkehr 2014 gab es einen Vorentscheid. der von der polnischen Regierung gefordert wurde. In diesem 9-Act großen Feld, wurde demokratisch wie Polen nun mal ist (lach), nur per Televoting entschieden. Die Qualität des Vorentscheids war allerdings verdammt gut. Die Bühne war sehr modern und mit vielen LED-Screens ausgestattet. Die Vorberichte zwischen den einzelnen Act behandelten die ESC-Beiträge der anderen Länder, sogar relativ ausführlich. Und das Feld war auch stark besetzt, mit Castingshow-Gewinnern oder ehemaligen ESC-Interpreten. Nur der Moderator wirkte etwas unterkühlt und hat in dem gesamten Vorentscheid keine Miene verzogen, geschweige den geblinzelt.
Polen stand bis zu diesem verhängnisvollen Samstag unangefochten auf Platz 1 der Wetten. Ja, es gibt einige Menschen, die schon vor der Auswahl des Acts, auf ein Land setzten. Normalerweise befindet sich Polen in solchen Wetten immer weiter hinten, da man von anderen eine höhere Erwartungshaltung an den Sieg hat (Schweden, Russland, Aserbaidschan). Aber warum war Polen so weit vorne? Die Erklärung beinhaltet 8 Buchstaben: M A R G A R E T. Moment wer? Jetzt macht´s gleich Klick:
Die Erzeugerin des Ohrwurms von 2013 trat nun also beim polnischen ESC Vorentscheid an. Als sie dann ihr Lied cool me down veröffentlichte, schoss Polen auf Platz 1. Das hätte der Sieg sein können, aber die polnischen Zuschauer entschieden sich anders.
Fun-Fakt am Rande: Die sooo demokratische Regierung hat jedes Video auf Youtube blockiert, dass den Vorentscheid zeigt, der europaweit frei empfangbar war und nun als einziger auch auf der ESC-Homepage fehlt. Wie gesagt, tolle Regierung! Hier auf dailymotion gibt es die Studioversion.
Den Vorentscheid gewann am Ende völlig überraschend Michael Szpak. Jetzt bitte nicht falsch verstehen: Er ist ein super Sänger und es wird durch seine Erscheinung nicht langweilig, aber den Sieg hat man dadurch verschenkt.
Also hier der polnische Act für den ESC 2016 in Stockholm: Color your life
Die Ballade ist sogar so eine ziemlich gute und ich würde es nicht bezweifeln, dass er damit 1994 gewonnen hätte. Das Erscheinungsbild bleibt im Kopf und als The Voice Teilnehmer kann er auch super singen. Die Komposition ist durch die oh oh Stellen auch gut einprägsam, wie gesagt allerdings etwas altbacken. Den typischen key chance am Ende übersteht er auch super.
Inszenierung in Stockholm würde ich zu Beginn nur mit Spot machen. Ab Refrain dann sehr farbenfroh, passend zum Titel. An der englischen Aussprache bitte auch arbeiten und etwas dramatischer darf er dann auch noch schauen ;). So im nachhinein muss ich zugeben, dass es hätte schlimmer kommen können, aber der Sieg ist damit nicht zu schaffen.
Mein Bauchgefühl sagt mir, dass er rausfliegen wird. Aber mein Bauch ist noch hungrig auf Margaret und ist deshalb ihm gegenüber negativ eingestellt. Also er kann die Finalqualifikation schon schaffen, aber die Tatsachen, dass nicht alle direkten Nachbarn in seinem Halbfinale sind und er im ersten Teil startet, sprechen dann doch eine andere Sprache. Aber er wird so heiß auf seinen Auftritt sein, dass nicht einmal Wasser ihn abkühlen könnte, grrrrrr....
UPDATE 13.03.16: Gerade erschien das offizielle Video zum Song. In diesem wird nochmal die klasse Livestimme von Michael unterstrichen, da es nahezu identisch klingt. Nur an der englischen Aussprache hat man hier etwas gearbeitet, aber es sollte im Rahmen des Machbaren sein, ihm bis Mai das th beizubringen.
Am 22.2. veröffentlichte die zypriotische Rundfunkanstalt CyBC das Lied, welches Zypern beim ESC vertreten wird. Ganz ohne Vorentscheid wurde diese Entscheidung getroffen, im Gegensatz zum letzten Jahr, indem es eine richtige Castingshow gab. Zyperns Bilanz in den letzten Jahren glänzt nicht wirklich: Bei den letzten 10 Teilnahmen in den Jahren 2005-2013 & 2015 gelang Zypern nur 4 Mal die Finalqualifikation. Der beste Platz war 2012 Ivis La La Love, das am Ende 16. wurde. Für mich persönlich ein Skandal, da das Lied wirklich extrem gut war und es noch Jahre später auf ganz normalen Party´s gespielt wird.
Bei der Castinshow für den ESC letztes Jahr entdeckte Zypern eine richtig rockige Gruppe, nämlich Minus One. Sie erreichten beim Vorentscheid den 3. Platz, die Zusammensetzung ist allerdings interessant. Denn beim Televoting sind sie glatt durchgefallen und wurden Letzter. Allerdings fühlte sich die Jury wohl in einer etwas düsteren Stimmung und wählte sie auf Platz 1 des Juryvotings. Also schon damals handelte die Jury gegen den Willen der Zuschauer. Konsequenz daraus in Zypern: Die Bevorteilen unantastbar machen und sie direkt zum ESC schicken...kein Kommentar.
Allerdings hat der CyBC einigen die Wut in der Kehle stoppen lassen, als sie bekannt gaben, wer den Song für Zypern schreiben wird. Thomas G:son ist der wahrscheinlich prominenteste Komponist des ESC-Universums. Praktisch der schwedische Ralph Siegel - nur mit Erfolg. Einige der größten ESC-Hits stammen von ihm. Hier eine kleine Auswahl:
Nina Sublatti - Warrior - Georgien 2015 - 11. Platz
Aber ein Thomas G:son für ein Rocksong? Das konnte eigentlich nicht sein. Daher stieg die Spannung, wie das Lied Alter Ego nun klingen wird. Am 22.02. kam die Auflösung.
Wie erwartet ist der Song nicht im extremen Rockbereich, sondern durch einen schönen durchgängigen Popbeat unterlegt. Das Lied startet mit einem klasse Gitarrenriff und der erste Vers lässt auch noch eher an das Rockgenre erinnern. Im Refrain allerdings kommt dieser typische, aber eigentlich unpassende Europopbeat. Dieser harmonisiert doch überraschend gut mit Francois tiefer Stimme. Die Bridge ist in meinen Augen etwas verhauen, aber das Gitarrensolo macht das schon wieder wett. All das ist jammern auf hohen Niveau.
Generell könnte man sagen, dass G:son hier taktisch vorgegangen ist, was natürlich aus zeittechnischen Gründen gar nicht möglich ist. Denn Georgien und Weißrussland schicken ebenfalls Rock Songs zum ESC. Georgien befindet sich aber noch deutlich weiter im Rockbereich und Weißrussland ist einfach zu schwach. Daher können sie sowohl aus den Rockgewässern, als auch den Popgewässern fischen. Ein kluger Schachzug G:sons.
Die Live-Stimme Francois ist, wie im oberen Video zu sehen, ausgezeichnet und das Lied sollte gut machbar für ihn sein. Das Staging ist nur begrenzt möglich, da 5 Bandmitglieder natürlich auf der Bühne stehen wollen und dadurch nur noch ein Platz für eine weitere Person übrig bleibt. Daher wird die Band auf der Bühne stehen und performen, wahrscheinlich ohne Tänzer. Eventuell wäre ein schwarzes Cape mit Kopftuch bis zum Refrain eine gute Idee, um eine mystische Atmo zu erstellen. Natürlich muss hier auch mit Lichteffekten und den LED-Screens arbeiten.
Zypern hat sich wahrscheinlich einiges kosten lassen, um G:son zu gewinnen. Aber es hat sich gelohnt. Zypern wird das Finale höchstwahrscheinlich erreichen und könnte sogar ein Dark horse , also ein Geheimtipp, auf den Sieg sein. G:son sei dank!
Super Saturday! Auch Slowenien war dieses Jahr dabei und suchte die Nachfolger von Maraaya. Das Duo, indem vor allem Raay eine wichtige Rolle für Slowenien spielt, war beim EMA ebenfalls von Partie, allerdings nicht als Wettbewerber. Raay komponierte die letzten beiden ESC-Beiträge Sloweniens, beide kamen ins Finale, Here for you (2015) sogar in die Top-15. Auch beim Junior Eurovision Song Contest (JESC) war er für die letzten beiden Beiträge verantwortlich, konnte sogar 2015 einen 3. Platz nach Slowenien holen. Dieses Jahr setzte das Duo aus und hatte keinen Beitrag im Rennen. Das EMA zählt immer zu meinen Highlights im Kalender. Warum? Hier ist die Antwort:
So etwas kommt in Slowenien nicht einmal in die Top3! (2015)
Dieses Jahr war es allerdings etwas schwächer besetzt, aber die neugestaltete Bühne hat das aus dem Weg geschafft. Der Modus blieb der gleiche. 10 Lieder kämpften um den Einzug ins Superfinale (2 Plätze), der ausschließlich durch die Jury bestimmt wurde. Zwischen diesen beiden Liedern konnte sich dann das Publikum alleinig entscheiden. 8 der 10 Songs waren Durchschnittskost, keine Erwähnung wert. Es war vom Rockband bis Countryband alles dabei, darunter auch Regina, die zum 8. Mal am slowenischen Vorentscheid teilnahm. Die beiden anderen Acts kamen dann auch ins Superfinale. Einer davon war die Gestalt Raiven, mit ihrem slowenischen Lied Crno bel. Mit sehr langen pinken Haaren und einem eigenwilligen Augen-Make-Up, verzauberte sie die Menschen mit ihrem Lied, in der die Harfe im Vordergrund steht. Die Hook ist nichts besonderes, aber die Bühnenpräsenz die diese Frau hatte war sensationell! Beim ESC wäre sie aufgefallen, aber das Lied wäre dann wohl doch etwas zu anspruchsvoll für den gemeinen Zuschauer gewesen, aber das macht ihre Leistung nur noch stärker. Sie konnte nur von einem unglaublich gutem musikalischen Meisterwerk besiegt werden! Naja...
Dieses "musikalische Meisterwerk" heißt ManuElla. Nein, das ist kein Duett von Manuel und Ella, es ist eine Künstlerin. Kurz zusammengefasst kann man sagen: Sie begibt sich zu den Ursprüngen Taylor Swifts, also an die Country-Musik. Aber auch optisch hat sie einige Ähnlichkeiten zu Taylors 35.jährigen Zukunfts-Ich. Das Lied ist anspruchslose Countrymukke, indem das Banjo eine große Bühne bekommt, jedoch auf der Bühne nicht zu sehen war! Selbst einige Bewegungen hat sie sich von der Untreuen abgeschaut.
Mich stört an diesem Beitrag einfach dieser extreme Hang zu Taylor Swift, Ich HASSE nämlich Taylor Swift. ´Ja die Cowboys stehen auf meine Musik, oh was? im Pop kann ich viel mehr Geld machen? Tschau Country!´ Darüber könnt ich mich jz stundenlang aufregen. Aber wieder zurück zu ManuElla.
Ihr Lied ist ein typisches Vorentscheidlied aus Irland oder Malta. Bisher haben wir keinen solchen Country-Song, das ist im Moment ein Vorteil für sie. Allerdings ist Country in Europa nicht sonderlich beliebt und das wird sich mit diesem Act nicht wirklich ändern. Die einzig wirklich erfolgreichen Countrysinger (Ausnahme BossHoss) sind die Common Linnets, ach ja da war ja was.
2014 hat die Countryschiene wunderbar funktioniert, bei ManuElla hab ich da eher Zweifel, da es kein melancholisches Countrystück ist. Lyrisch ist das Stück auch ein Meisterwerk. Kostprobe:" cause blue is blue and red is red" Wow, krass.
Slowenien wird versuchen müssen eine stimmige Performance auf die Bühne zu bringen. Hier würde mir schon eine Band, diesmal MIT Banjo, einem schönen Western-LED Bilder, ein paar Strohballen und ein goldener Filter auf der Kamera gefallen. Eine zu große Westernparty wirkt da auch falsch - und selbst die Strohballen sind für den slowenischen Broadcaster eine riiiiesige Investition. Der Kostümwechsel beim Vorentscheid war unnötig, der Ganztonerhöhung am Schluss zu erwartbar.
Die Chancen Sloweniens fürs Finale stehen alles andere als gut. Der Startplatz und Nachbarn werden ihnen helfen, aber das muss nicht zwingend reichen. Im Moment sehe ich sie bei den aktuell veröffentlichten Songs auf Platz 6 von 11. Aber Australien, Litauen (Donny du packst es!), Israel, Rumänien, Kaliopi für Mazedonien und Polen sind nur ein paar Namen, die noch kommen werden.
Insgesamt glaube ich an ein Ausscheiden im Semifinale, natürlich nicht als Letzte, aber auch nicht besonders knapp. Aber da ich sowieso Taylor Swift in ihr sehe, kann sie auch weg bleiben...
Ach ja, fast vergessen: Wir haben unsere erste Plagiatsaffäre, wuuuhuuuuu
Einigen ist die Ähnlichkeit zu Carrie Underwoods Something in the water aufgefallen. Ich lasse euch selber entscheiden, aber ich persönlich finde nicht, dass die beiden Songs so ähnlich sind, dass man von einem Plagiat reden kann
Carrie Underwood
Sloweniens ESC-Beitrag:
UPDATE 28.03.2016: Heute erschien ein Skype-Interview auf der Youtube-Seite des größten ESC-Nachrichtenportals Wiwibloggs. In diesem vor allem von Smalltalk geprägten Video, gab sie dezente Hinweise, wie ihre Bühnenshow im Mai aussehen wird. Genaueres sagte sie nicht nur, dass sie keine typische Countryszene auf der Bühne haben wird. Also eher in die Richtung Pop oder Minimalismus? Sie erwähnte nebenbei auch, dass sie mit einem Choreographen zusammen arbeitet. Also wird viel von ihr ausgehen und aus meiner Sicht sind damit Tänzer aus dem Rennen, aber natürlich nicht ausgeschlossen. Aber würde dieser dezente Countrysong nicht zerstört werden, wenn sie und ein paar weitere Tänzer auf der Bühne Vollgas geben? Im Interview wirkte sie übrigens sehr nett, humorvoll und sympathisch, leider. Sie ist nämlich einer der wenigen Acts, denen ich kaum bis keine Qualifikationschancen eingestehe. Das komplette Video gibt es hier:
UPDATE 09.04.2016: Heute gab ManuElla pünktlich zum EIC (hier) eine neue Version ihres Songs bekannt. Die Unterschiede zur ursprünglichen Version sind wirklich gering. Die Intro ist nun ihr Schrei und in der Bridge kommen nun interessanterweise Trommeln vor. Ansonsten ist das Banjo noch etwas stärker in Vordergrund getreten. Also insgesamt eine zusätzliche Steigerung, die allerdings ManuElla nicht retten wird. Außer, es stellt sich tatsächlich heraus, dass sie Taylor Swift ist.
Haben wir in Lettland bald san-marinesische Ralph Siegel-Verhältnisse? Das kleine baltische Ländchen gewann zwar schon bei seiner 3. Teilnahem im Jahr 2002 den ESC, bekam danach aber nur noch wenig hin. In den Jahren 2009-2014 hat es Lettland nicht geschafft, sich für das Finale zu qualifizieren, eine rekordverdächtige Serie, die aber von Holland locker überragt wird (2005-2012). Doch eine kleine Frau mit einem komplizierten Namen verschaffte Lettland letztes Jahr Aufmerksamkeit: Aminata Savadogo schaffte in Wien einen unglaublichen 6. Platz mit dem modernsten Werk des Abends. Dieses Jahr trat sie als Komponistin an, ihr Lied gewann natürlich.
Hier Aminata beim ESC 2015
Lettland startete nicht am Super Samstag, sondern am einsamen Sonntag alleine. Der Vorentscheidsmodus blieb natürlich im Vergleich zum letzten Jahr gleich und 4 Acts konnten sich fürs Finale qualifizieren. In diesem konnten nur die Zuschauer abstimmen, auch Ausländer, die über die Website ihre Stimme abgeben konnten. Außerdem finde ich den Titel des Vorentscheides klasse: Supernova
Die Moderatoren sahen, sagen wir mal gewöhnungsbedürftig aus. Botox Man mit seinem Schneewittchen im Rocker Look.
Über die anderen 3 Lieder verliere ich nicht zu viele Worte, da sie alle Klassen schlechter waren als Aminatas. Eher will ich über den Bieber reden. Eben dieser tauchte immer dann auf, wenn in Lettland gerade Werbung dran war. Er unterhielt uns mit Tanz, Charme und Bastelkunst. Warum schickt man ihn nicht nach Stockholm?!
Kommen wir nun aber zum Sieger: Es gewann Justs, ein 21-jähriger Lette mit Aminatas Werk Heartbeat. Und wie ihr ESC Beitrag 2015 geht Heartbeat auch in den modernen Balladenbereich. Es wirkt wie eine Verbesserung, da es wesentlich radiotauglicher ist, als love injected. Gegen Ende nimmt es dramaturgisch zu. Nach der etwas beruhigenden Bridge, endet der Song im puren Geschrei von Justs.
Das Lied ist stark, auch wenn es (noch?) nicht diese Atmosphäre verbreitet wie love injected. Das könnte natürlich auch an Justs liegen, der nicht die Ausstrahlung einer Aminata versprüht. Ob man das allerdings an Hand eines einzigen Auftritts aussagen kann, ist eher problematisch. Vor allem weil er als Goliath in den Vorentscheid ging und sich daher auch nicht sonderlich anstrengen musste. Außerdem ist die Bühne in Lettland relativ klein, da ist kein Platz für Ausdruckstanz viel Bewegung.
Was mich dann doch stört ist die brüchige Stimme im letzten Refrain. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube nicht, dass es gewollt ist. Dadurch zerstört er sich etwas die gesangliche Leistung, also hier vielleicht eine Einheit zurück.
Inszenierungstechnisch ist hier wirklich viel zu machen.Da es ein moderne Song ist, können auch zunächst verwirrende Inszenierungsoptionen eingebaut werden, z.B. Hologramme oder Spiegeltechniken. Das rote Licht ist auch irgendwie typisch Aminata, das sollte man so lassen. Vor allem, da es ja auch noch super zum Titel passt.
In Lettland muss man ehrlicherweise sagen, dass der Supernova-Sieg ein Selbstläufer war, die Konkurrenz hat schlichtweg nicht existiert. In Stockholm muss er in allem eine Schippe drauflegen: Performance, Gesang und Ausdruck. Also eigentlich an allem, an dem Aminata nichts tun kann.
Finale ist eigentlich schon gebucht, jetzt muss Justs nur noch seine Hausaufgaben erledigen. Ob es allerdings an die Platzierung von 2015 ran kommt bezweifele ich...
UPDATE 11.03.16 Das Lied hat sich bei mir in den letzten Tagen unglaublich gesteigert und mittlerweile glaube ich, dass er das Ergebnis von 2015 toppen kann!
Die Schweden haben es mal wieder geschafft, eine große Änderung durchzusetzen. 2013 nahmen sie uns die Sitzplätze und gaben uns Stehplätze, die auch in den kommenden Jahren benutzt wurden. Auch die Auslosung der Startreihenfolge nahm man uns, zugunsten einer dramaturgischen Verbesserung der Veranstaltung. Was man allerdings nahm war die Fairness, aber diese wird ja in Schweden sowieso nicht groß geschrieben. Nun also fassen die Schweden die Kronjuwelen des ESC´s an: Das Votingsystem. 1975 wurde das Zwölf-Punkte-System in Stockholm geboren und 2016 wird es gekreuzigt. Aber es scheint eine sinnvolle Änderung zu sein.... Wie war es bisher?
Das Voting setzt sich zu 50% Zuschauer- und 50% Juryvoting zusammen. Die Zuschauer stimmen für ihren Lieblingsact ab, höchstens 20 Mal pro Anschluss. Diese Anrufe werden addiert und dadurch wird eine Rangliste erstellt, das Land mit den meisten Anrufen natürlich auf der 1. Jedes Land verfügt zudem über eine Fünf-köpfige nationale Jury. Jedes Jurymitglied bestimmt unabhängig (wers glaubt) voneinander eine Reihenfolge aller Lieder. Diese nun 5 Listen werden zusammenaddiert und durch 5 geteilt. Das Land mit dem geringsten Schnitt wird auf 1 gesetzt, das Land mit dem größten auf den Letzten Rang. Zum Schluss werden Jury und Televote (Fernsehzuschauer) im Mischverhältnis 1:1 zusammengezählt, wieder (dieses Mal durch 2) geteilt und eine neue Reihenfolge entsteht. Diese Reihenfolge ist nun das Ergebnis des Landes! Eine Spokeperson vergibt per Live-Schaltung in die Arena, die Punkte des Landes. Dabei werden die Punkte 1-7 eingeblendet und die Punkte 8, 10 und 12 namentlich zelebriert. Dies geschieht mit allen teilnehmenden Nationen, auch die, die im Semifinale rausgeflogen sind. Diese Punkte werden alle addiert und man hat den Gewinner (meistens Schweden) Wo liegen die Schwachstellen dieses Systems? Dieses System hat sich die letzten 40 Jahre bewährt, aber mit der Zeit wurden immer mehr kleinerer Macken gefunden, die durch das neue Votingsystem nun ausgebessert werden sollen. Einige dieser Schwachstellen waren: 1.) Vorhersehbarkeit: 2015 war schon eingefleischten ESC-Fans VOR dem Start des Finals klar, dass Schweden den ESC gewinnen wird. Aber warum? Um keine große Verzögerung zwischen Liedern und Ergebnissen zu verursachen, stimmen die nationalen Jurys bereits einen Tag vor dem Finale ab. Anhand dieser Ergebnisse berechnet ein Logarithmus die Reihenfolge der Punkteansagen, um die Spannung möglichst hoch zu halten. Da aber beispielsweise im letzten Jahr die skandinavischen Länder, die auf Grund kultureller Gemeinsamkeiten für einander abstimmen (Blockvoting) erst ganz am Schluss dran kamen, war klar, dass Schweden gewinnen würde - ganz ohne Televoting. Diese Vorhersehbarkeit ist natürlich unannehmbar für ein Event dieser Größe. 2.) Langeweile bei der Punktevergabe: In der Vergangenheit kam es öfters vor, dass schon nach der Hälfte der Votingländer der Sieger nahezu fest stand. Für die Spannung ist das natürlich nicht von Vorteil, der EBU wird das auch ein Dorn im Auge gewesen sein 3.) Länge: Die Votingverkündung nimmt ein großen Teil der ESC-Show ein, in den letzten Jahren einen immer Längeren. Ohne Spannung ist das quotentechnisch eine riesige Katastrophe. Daher liegt in der Kürze die Würze. Wie sieht das neue System aus? Kurz gesagt: Jedes Land vergibt nun anstatt 12 Punkte 24 Punkte. Das Juryvoting bleibt wie bisher bestehen, mit dem Unterschied, dass das Juryvoting nun nicht mehr mit dem Zuschauervoting zusammengerechnet wird. Das Juryvoting wird nun Land für Land von den Spokespersons vorgetragen, allerdings wird namentlich nur noch die Höchstwertung (12) genannt. Durch die Stimmen im Televoting wird wieder eine Rangliste erstellt und nach dieser die Punkte verteilt. Die Punkte aus ALLEN Ländern werden nun zusammengerechnet und werden vom Moderator vorgetragen. Startend bei der geringsten Punktzahl, aufwärts zur höchsten. Dadurch gewinnt das Voting:
Zeit
Spannung
Unvorhersehbarkeit
Meine Meinung?
Abwarten. Diese neue Regel scheint mir allerdings Sinn zu machen, obwohl sie aus Schweden kommt! Die Spannung baut sich nun eben nicht mehr langsam auf, sondern konzentriert sich auf einen kleineren Zeitraum, dafür in diesem allerdings extrem. Aber wenn immer noch jede Jury einzeln seine Ergebnisse vorträgt, kann schnell Langweile ausbrechen. Außerdem kommt es zur Diskriminierung kleinerer Länder ohne Televoting, da diese nur noch die halbe Stimmkraft haben. Aber Fairness hat ja in Schweden noch nie ne große Rolle gespielt...