Wie immer Anfang April, findet im Amsterdamer Melkweg das größte Treffen der ESC-Teilnehmer vor dem eigentlichen Event im Mai statt. Die Rekordanzahl von 24 im letzten Jahr, wird dieses Jahr erneut gebrochen und zwar auf die riesige Zahl 27. Das bedeutet, dass beinahe 2/3 der Teilnehmer in Stockholm heute dabei sind. Folgende Länder haben sich angekündigt:
Eneda aus Albanien
Dalal, Deen, Ana & Jala aus Bosnien Herzegowina
Poli aus Bulgarien
Jüri aus Estland
Amir aus Frankreich
Greta aus Island
Hovi aus Israel
Francesca aus Italien
Nina aus Kroatien
Justs aus Lettland
Ira aus Malta
Kaliopi aus Mazedonien
Lidia aus Moldawien
Highway aus Montenegro
Douwe Bob als Gastgeber
Agnete aus Norwegen
Zoe aus Österreich
Michal aus Polen
Ovidiu aus Rumänien
ManuElla aus Slowenien
Barei aus Spanien
Joe & Jake aus Großbritannien
Rykka aus der Schweiz
Sanja aus Serbien
Jamala aus der Ukraine
Ivan aus Weißrussland
Minus One aus Zypern
Die rot unterlegten Namen waren bereits in Riga dabei, die grün unterlegten in Moskau und die blau unterlegten machten an beiden Partys halt. Dazu werden die gelb hinterlegten Namen zum ersten Mal eine Live-Version ihres Songs vorführen. Eigentlich waren sogar 28 Acts angekündigt, doch Iveta aus Armenien entschied sich, auf Grund der aktuellen Konflikte in ihrem Land, zu Hause zu bleiben, was durchaus verständlich ist. Somit haben wir das größte Treffen aller Zeiten und das hat natürlich mehrere Gründe:
Allein die Statistik zeigt schon, dass es Sinn macht, sich solchen Auftritten zu stellen. Die letzten 2 Jahre gewann nämlich auch ein Act, der beim EIC antrat.
Es ist eine sehr gute Möglichkeit zu schauen, wie bestimmte Bewegungen auf der Bühne beim Publikum ankommen oder bestimmte Gesichtszüge die Reaktion des Publikums verändern. Also eine Probe für die Choreo.
Der wohl wichtigste Grund ist jedoch wohl, dass man hier eine Fanbase sammeln kann, die einem nach dem ESC auch noch treu bleiben wird, egal wie man abschneidet.
Die Länder die nicht am EIC teilnehmen sind übrigens:
Armenien
Aserbaidschan
Australien
Belgien
Dänemark
Deutschland
Finnland
Georgien
Griechenland
Irland
Litauen
Russland
San Marino
Schweden
Tschechien
Ungarn
Das hat natürlich auch verschiedene Gründe. Die rot hinterlegten nahmen bereits an einem Event teil und die grün hinterlegten besitzen bereits so viel Erfahrung/Fans, dass sie diese Promo nicht mehr benötigen. Ich vermute auch bei den gelb hinterlegten Teilnehmern, dass sie zu Hause für ihre Choreographie in Stockholm üben und damit keine Zeit für die Reise haben. Die großen Rätsel bleiben damit Dänemark, Georgien, Ungarn und leider Deutschland. Während man bei Dänemark und Georgien schon zynisch von einer Kapitulation reden kann, wundert mich es insbesondere bei Ungarn. Das EIC ist eine Party, da geht es auch laut zu. Aber selbst mit der wunderbaren Friedenshymne nahm Ungarn letztes Jahr teil. Vielleicht arbeitet Freddie auch an seiner Bühnenshow, aber die Angst auf eine zu gewollte Show bei diesem Lied, steigt natürlich.
Das Management von Jamie-Lee gehört ohne hin gefeuert. Dazu habe ich gestern bei eurovision.de einen Kommentar hinterlassen:
"Für mich ist es trotzdem ein Rätsel, warum Jamie-Lee keinen Auftritt im Ausland absolviert, gar keinen! Für den ESC bringen ihr all diese Auftritte in Deutschland nichts. Natürlich weiß ich, dass es ihr hierbei um ihre weitere Karriere geht, aber welcher ESC No Name hatte denn danach noch Erfolg außer Lena, die oh Wunder gewann!? Kann sich noch irgendjemand an die anderen The Voice-Sieger erinnern? Sie wird in der deutschen Musikbranche ab Juni keine Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie beim ESC schlecht abschneidet. Und im Moment gibt ihr Management alles, dass das so passieren wird. Mann muss sich doch nur mal Kaliopi oder Barei anschauen. Die touren durch Europa, haben Kontakte für die Zukunft geknüpft und ihre Fanbase um ein Vielfaches vergrößert. Eigentlich sollte man aus Fehlern lernen..."
Aber zurück zum EIC in Amsterdam. Da es ein sehr großes Event ist, werden viele Interviews geführt werden und zum Abschluss gibt es ab 19:30 Uhr das große Konzert, an dem auch einige vergangene ESC-Interpreten teilnehmen werden. Hera Björk (Island 2010) wird mit einem männlichen Partner durch die Show führen. Interviews, die rund um den EIC stattfanden, werden hier gezeigt. die Bewertung der Auftritte mit Videos hier.
Das zweite mehr oder weniger offizielle Jahrgangstreffen, fand am 3.April 2016 in Moskau statt. Viele der anwesenden Acts hatten eine stressige Anreise hinter sich, da sie nur einen Tag zuvor in Riga, auf dem ersten Treffen waren. (Nachzulesen hier und hier) Für dieses Event haben sich insgesamt 12 Künstler angekündigt, nämlich:
Iveta aus Hamburg (Armenien)
Samra aus Aserbaidschan
Hovi aus Israel
Ira aus Malta
Lidia aus Moldawien
Kaliopi aus Mazedonien
Ovidiu aus Rumänien
Sergey aus Russland
Rykka aus der Schweiz
Barei aus Spanien
Ivan aus Weißrussland
Minus One aus Zypern
Die fett gedruckten Namen waren bereits in Riga dabei. Dieses Pre-ESC-Event ist größer als das in Riga, nicht nur wegen der größeren Teilnehmerzahl, sondern wegen dem deutlich größeren Medieninteresse. Auch die Bühne wird hochwertiger aussehen und klingen, als das Scheunentheater in Riga.
Einen ersten Eindruck liefert uns Ivan auf seinem Instagram-Account von der Pressekonferenz.
Ein von Александр Иванов (@ivan_eurovision) gepostetes Foto am
Im Laufe des Tages werden Interviews geführt und Fragen zu der Performance im Mai gestellt. Der Höhepunkt der Veranstaltung ist natürlich das Konzert, in dem alle Künstler ihren Song performen werden. Die Infos, die ich hier über die Interpreten schreibe stammen von Interviews von den Seiten Wiwibloggs und ESC Wissen von A bis Z,ESCKAZ . Auf der Pressekonferenz waren allerdings nur 9 der 12 Acts anwesend. Rykka, Ovidiu und Iveta waren nicht da, vielleicht kommen sie noch, vielleicht auch nicht. Die Pressekonferenz war nicht zu verarbeiten, da die Akustik sehr schlecht war und die Hälfte der Acts der russischen Sprache mächtig waren und dadurch auch diese sprachen. Barei und Hovi saßen eng bei einander, sie kennen sich ja schon aus Riga. Auffällig war auch, dass Ira sehr außerhalb an einem Einzeltisch saß und auch nicht gerade glücklich aussah. 1. Iveta aus Hamburg (Armenien): Iveta war weder auf der Pressekonferenz, noch wurde bisher ein Interview mit ihr veröffentlicht. Daher beziehe ich mich ausschließlich auf ihre Liveperformance. Der beginnende Sprechgesang wurde textlich geändert, irgendwas mit ich hab dich in meinen Kopf. Die ersten Töne in diesem ruhigen Anfangsteil wackeln noch etwas. Der Text wird aber sehr schön und deutlich von ihr gesungen und die Spannung bleibt erhalten. Die Sirene hat natürlich einen tollen Effekt live. Danach explodiert ja der Song und auch Iveta scheint diesen Teil besonders zu lieben. Stimmlich sehr stark absolviert sie diesen Part. Auch bei diesem Auftritt hat man sich Gedanken zum Staging gemacht. Dunkles Kleid, viel Nebel und einzelne, sehr wirkungsvolle Bewegungen, geben dem Song jetzt schon einen düsteren Touch. Wir dürfen also gespannt sein, was sich Armenien für Stockholm ausgedacht hat. Die große Sorge, dass sie dem Song nicht mächtig wird, ist sie schon einmal los, jetzt muss sie nur noch dafür sorgen, dass ihre leisen hohen Töne zu Beginn sitzen und Armenien bekommt das nächste tolle Ergebnis.
2. Samra aus Aserbaidschan:
Auch von Samra ist noch kein ausführliches Interview erschienen, es gab nur eine ganz kurze Frage nach ihrem Kleid auf dem roten Teppich. Aber beim Kleid bleib ich gleich mal. Es war ein kurzes rotes Kleid, mit einer Art Umhang, der ebenfalls knallrot war. Diejenigen, die den britischen Vorentscheid gesehen haben, können sich wahrscheinlich an dieses Kleid noch erinnern, denn die wahre Siegerin Bianca trug genau dieses Kleid.
Die große Sorge vieler Fans war, dass sie stimmlich nicht an die Studioversion heranreichen würde. Diese Zweifel machte Samra dann aber doch relativ schnell zunichte. Stimmlich sehr stark und sicher, sang sie ihren tollen Song und unterstrich ihre Favoritenposition. Allerdings kann man es nicht performen nennen, da sie nur da stand und gut aussah, das muss man aber auch erst Mal können.
3. Hovi aus Israel:
Hovi war ja auch schon in Riga dabei und spaßte sich da schon in die Herzen vieler Fans und sang einmal wieder sensationell am Abend. Er sei schon oft in Moskau und St.Petersburg gewesen und liebe Russland über alles. Über seinen Kleiderstil sagte er, dass er es liebe teures mit billigem zu vermischen, so dass man keinen Unterschied sähe. Er tue viel für sein Haar, was natürlich viel Zeit in Anspruch nehme.
Er habe auch von Dana International (Siegerin 1998) und seinem/ihrem Manager, viele Tipps und Tricks für den ESC bekommen. Sein favorisiertes ESC-Lied sei Euphoria von Loreen (Siegerin 2012) und dieses Jahr sieht der Spanien und Finnland (?!) ganz vorne. In seinem Lied gehe es darum, dass man immer das machen solle, worauf man gerade Lust hat und dass man auf die Meinung der Anderen scheißen solle. Ach ja un man solle ihm unbedingt auf Twitter folgen.
Auf der Bühne machte er wieder einen sensationellen Job. Besser kann man diesen Song nicht singen und unsere Diva performte sogar auf der Bühne. Stimmlich wahrscheinlich der beste Mann dieses Jahr und auch ausdruckstechnisch ganz weit vorne dabei. Je öfter ich sein Lied höre, desto mehr glaube ich an eine Qualifikation Israels.
4. Ira aus Malta:
Ira war ja schon in Riga dabei und sollte sich daher stimmlich sicherer fühlen, als die meisten anderen Interpreten. Im Interview gab sie zu Protokoll, dass sie mehr Verantwortung fühle, als bei ihrem Auftritt 2002 beim ESC. Sie habe nun mehr Erfahrung und diese wolle sie nutzen, sie wisse aber nicht, ob sie mehr Erfahrung habe, als andere Acts dieses Jahrgangs. Die größte Änderung sei für sie allerdings die Einführung der Semifinals, da dadurch der Druck auf die Interpreten deutlich vergrößert würde. Sie wiederholte, dass es Malta als isolierte Insel schwer habe, Punkte zu erreichen, da es keine Nachbarländer gäbe.
Auf ihre Songschreiber Molly Pettersson Hammar angesprochen sagte sie, dass sie eine unglaubliche Person sei und glaube, dass sie Schweden in den nächsten Jahren erfolgreich beim ESC vertreten werde. Bei der Aufzählung ihrer anderen Schreiber hatte sie allerdings Probleme, die Namen zu nennen.
Bei ihrem Auftritt sah sie dann deutlich besser aus, als noch in Riga. Haare und Make-Up waren eleganter und das Kleid hatte extrem gute Ansätze. Die Hose war sensationell, allerdings gab sie sich obenrum etwas zugeknöpft und auch sie hatte ein Cape. Die Farbe des Kleids (schwarz) passte aber überhaupt nicht zu ihrem fröhlichen Song. Stimmlich war das am Abend dann in dem Rahmen, den man sich von ihr erwartet hat. Sie ist nicht die beste Sängerin und das weiß sie auch, aber sie singt ihr Lied bis auf eine Stelle dann doch annehmbar. Aber das Lied verliert natürlich etwas an Schwung, wenn die Sängerin so mit den Tönen kämpfen muss.
5. Lidia Isac aus Moldawien: Lidia hat ein modernes zweiteiliges Kleid an, dass in einem nerdhaften blau schwarz Ton gehalten ist und Rauten abbildet. Ihren Haaren hat sie einen Rotstich gegeben, der zu diesem Kleid perfekt passt. Bei ihrem Auftritt hatte sie das Kleid aus dem Vorentscheid an, mein Geschmack ist das wirklich nicht. Ja ich bin jetzt auch ein Mode-Blogger. Sie sei schon seit gestern Nacht in Moskau und hatte heute morgen ein Treffen, mit einem ihrer Komponisten. Sie habe ihren Komponisten beim letzten ESC kennengelernt, als sie als Reporterin für ein moldawisches Portal gearbeitet hatte. Irgendwann habe er ihr dann die Demoversion geschickt und sie sei sofort begesitert gewesen. Sie macht gerade ihren Masterabschluss in Moderation (Journalismus?) und spaßt, dass sie dann mit 40 ihre eigene Musiksendung moderieren würde. Über das Staging macht sie einen großen Bogen, sie erwähnt allerdings, dass es sehr dezent ?! sein wird und die Show nicht überzogen sein soll. Ihre Backgroundsänger lasse sie in Moldawien (Richtig so!) und sie glaube, dass ihre neuen aus Schweden kommen. Mich persönlich überrascht das schon, da man aus Moldawien genau das Gegenteil gewohnt ist und dieses Jahr wäre eine fast schon überzogene Show schon empfehlenswert. Hoffentlich überschätzt ihr Team den Song nicht so stark, dass es ein dezenter Auftritt bereits genügt. Aber vielleicht hat sie die ESC-Fans auch nur angelogen, damit die Überraschung in Stockholm noch größer ausfällt. Sie hat einen netten, professionellen Eindruck gemacht und ihr englisch war auch sehr angenehm. Ein solider Auftritt von Lidia. Stimmlich hat sie sehr stark zugelegt und singt den ersten Ton im Refrain nun etwas höher. Leider hat sie immer noch eine Tanzlegasthenie.
6. Kaliopi aus Mazedonien:
Kaliopi tritt 2016 bereits zum dritten Mal für Mazedonien beim ESC auf. Und trotz dieser vergleichslosen Zahl, lässt sie sich es nicht nehmen, auch auf diesen Partys vor dem ESC aufzutreten. Sie sei bereits einmal in Moskau gewesen und zwar 1987 mit ihrer Band, bei einem Festival, an dem auch Bon Jovi teilnahm. Kurzer Funfact: 21 ihrer Gegner waren in diesem Jahr noch nicht einmal geboren! Kaliopi nahm zwar nicht am Treffen in Riga teil, aber sie habe in den vergangenen Wochen Fernsehauftritte auf der gesamten Balkanhalbinsel gehabt.
Sie wird ihre große Promotour in Albanien, Bulgarien, London, Amsterdam und eventuell sogar Griechenland fortsetzen. Die alte Dame zeigt mehr Engagement, als alle anderen jüngeren Kollegen. Über ihre Performance sagte sie kein Wort, aber es wird wahrscheinlich so ähnlich werden wie 2012. Für sie sei Dona aktuell der passende Song für ihre Emotionen und sie wünsche sich, dass die Zuhörer das auch spüren können. Sie singt ihren Song auf Mazedonisch, da sie so schlecht Englisch spreche, wie ein Latinosinger. Sie könne es kaum abwarten nach Stockholm zu reisen, da es für sie das Zentrum der Popmusik sei.
Am Abend gab es dann also die Live-Premiere von Dona und was soll ich sagen. Kaliopi ist die Königin des Gesanges. Sensationell, übermenschlich und unglaublich. Diese Begriffe können diese Performance nur ansatzweise in Worte fassen. Für mich ist nun klar, dass Mazedonien im Finale stehen wird, so blind kann Europa gar nicht sein. Augen schließen und genießen bitte.
7. Ovidiu aus Rumänien:
Da sind wir schnell fertig. Er war nicht da.
8. Sergey aus Russland:
Der Gastgeber des ganzen Events ist ja ein riesiger Star in Russland und so verwundert es nicht, dass er überall mit riesigem Applaus begrüßt wurde. Natürlich wurde er zuerst darauf angesprochen, dass er in den Wettbüros gerade auf Platz 1 liegt. Dies sei eine Ehre für ihn, allerdings freue er sich noch nicht darüber, da der Wettbewerb erst im Mai ist und sich bis dahin noch alles ändern könne. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt für ihn, sein Land zu vertreten, da er ein sagenhaftes Team hinter sich stehen habe. In seinem Song gehe es auch speziell um eine Person, die er allerdings nicht nennen möchte.
Er habe viele Tipps von ehemaligen Teilnehmern bekommen, vor allem den, dass er den Moment genießen solle. Auf die Frage, wer seine stärksten Rivalen dieses Jahr sind, gab er die politisch korrekte Antwort, dass alle Länder einen hervorragenden Beitrag schicken und man es schwer einschätzen könne. Er sagte natürlich ebenfalls nichts zu seiner Bühnenpräsentation.
Bei seiner heutigen Bühnenpräsentation hatte er als einziger sogar Tänzer dabei, mit denen er super interagierte. Die 4 in schwarz gehüllten Tänzer und er hatten eine sehr durchdachte Choreo und nichts wurde dem Zufall überlassen. Gesanglich war er extrem gut, verdächtig gut. Aber spätestens beim ESC würde ein mögliches Playback auffliegen. Mir persönlich ist alles in schwarz dann doch etwas zu dunkel für diesen eigentlich fröhlichen Song. Aber unterm Strich muss man ihm einen Platz auf dem Podest beim ESC wirklich einrechnen, da er wirklich eine Show bietet und nicht nur semioptimal singt (Malta schau Mal!)
9. Rykka aus der Schweiz:
Auch sie war ja bereits in Riga dabei und konnte dabei zwar stimmlich einen guten Eindruck hinterlassen, charakterlich war sie jedoch extrem zurückhaltend und so stellte man sich natürlich die Frage, ob sie vielleicht auch nur einen schlechten Tag hatte.
Nein, sie ist immer so. Auch in den heutigen Interviews gab sie sich extrem introvertiert und wortkarg. Wenn sie dadurch wenigstens mysteriös wirken würde, aber es sieht einfach nur überheblich und unsympathisch aus. Ihr Album hat sie natürlich auch noch einmal erwähnt. Aber wenig Worte lassen große Taten erhoffen.
Bei ihrer Performance wurden immerhin ihre Stimme weiter verbessert. Die Töne sitzen eigentlich alle, nun müssten diese nur noch schön klingen und sie hätte wieder Chancen auf das Final. Doch im Moment ist sie für mich klar unter dem Strich und sie macht es einer zum Glück sehr leicht, ihr nicht nachzutrauern.
10. Barei aus Spanien:
Barei kam ebenfalls aus Riga, allerdings schon am Morgen mit Hovi und Ira und konnte daher an der Pressekonferenz teilnehmen. Sie klärte nun auch auf, warum sie nicht auf der Stadtbesichtigung durch Riga dabei war. Ihr Koffer war ja verschwunden und sie verbrachte den ganzen Tag damit, beim Flughafen anzurufen und in Erfahrung zu ziehen, wo ihr Gepäck denn nun sei. Ihre ganzen Outfits seien im Gepäck gewesen und er kam erst eine Stunde vor der Show an.
Für Tel Aviv müsse man sie doch von der Liste streichen, da sie zuhause proben müsse. Sie ist die einzige, die eine halbwegs detaillierte Info ausgegeben hat, wie es bei ihr auf der Bühne aussehen wird. Sie wird mit 5 Backgroundsängerinnen arbeiten, wovon eine nicht auf der Bühne stehen wird, aus Choreographiegründen. Sie wechselte ihren Choreographen ebenfalls und wird nun nicht mehr von einem Deutschen unterstützt.
Auf der Bühne trug sie ein durchsichtigen Poncho und stimmlich war sie wieder einer der Beste. Ihr Lied ist vom Ambitus natürlich nicht das fordernste, aber lieber singt man ein solches Lied perfekt, als ein schwierigeres schlecht wie Ira aus Malta. Ihre Tanzmoves sind immer noch klasse und sie ist ein supersympathischer Mensch.
Ein von wiwibloggs (@wiwibloggs) gepostetes Foto am
Ja, Ivan hatte tatsächlich einen echten Wolf dabei, mitten auf dem roten Teppich! Zum Glück nahm er das arme Tier nicht auch noch auf die Bühne mit, warum die EBU nichts dagegen unternimmt, finde ich nebenbei bemerkt sehr sehr schwach. Die Hauptaussage seines Songs sei Hoffnung und Friede. Mehr Neuigkeiten gab es nicht von ihm, da er die selben Fragen gestellt bekam, wie auch in Riga. Stimmlich machte er einen noch besseren Eindruck als in Riga und auch optisch hat er sich etwas einfallen lassen. Und zwar war er ganz in weiß gekleidet, mit weißer Kriegsbemalung im Gesicht. Aber mittlerweile verstehe ich sogar die Wolfidee. Sein Gesang hat sich so stark verbessert, dass Weißrussland sogar wieder vom Finale träumen kann. Aber die Performance ist momentan noch zu statisch für einen solchen Song, von daher braucht er eine wunderwolfe Performance. Er wirkt aber irgendwie nicht voll zurechnungsfähig, auch von den Aussagen die er tätigt. Aber Achtung: Verstehen heißt nicht, das ich Verständnis habe.
12. Minus One aus Zypern: Die zypriotische Band war noch nicht in Riga dabei und haben somit noch nie live ihren Song performt. Der Leadsänger schied ja bei "the voice" in Frankreich aus und hatte somit auch Zeit. Fun Fact: 19 Acts des Jahrgangs 2016, haben einen Bezug zu einer Castingshow. Aber nur 6 konnten ihre Show gewinnen, Poli aus Bulgarien war Jurorin. Für die Band sei es das erste Mal in Moskau, der Frontsänger Francois sei aber bereits in seiner Jugend öfters da gewesen.Sie seien außerdem sehr gerührt von der Tatsache, dass sie enorm positives Feedback aus ganz Europa bekommen. Ihr Lieblingsbeitrag der Rock(!)band ist übrigens der Siegersong von Céline Dion. Live waren sie allerdings die Enttäuschung des Abends. Das kann natürlich auch dem extrem lauten Playback liegen, die den Frontmann dazu zwing etwas over the top zu singen. Ich persönlich glaube wirklich, dass Francois bei einem guten Soundcheck auch eine gute Leistung bringen wird. Ich bin mir auch sehr sicher, dass sie ihren Auftritt noch deutlich verbessern werden, da es sehr spontan auf der Bühne aussah.
Das bringt mich jetzt auch schon zur Gesamtbewertung dieses Treffens, das nur die Interviews und den Auftritt berücksichtigt, nicht die Stärke des Liedes und dessen Qualifikationschancen:
12. Ovidium aus Rumänien: /
11. Minus One aus Zypern: - -
10. Rykka aus der Schweiz: - -
9. Ira aus Malta: -
8. Ivan aus Weißrussland: - (Wegen des Wolfs)
7. Lidia aus Moldawien: 0
6. Sergey aus Russland: + (Wenn es wirklich live war)
5. Samra aus Aserbaidschan: +
4. Iveta aus Armenien: ++
3. Hovi aus Israel: ++
2. Barei aus Spanien: +++
Und meine klare persönliche Gewinnerin des Abend ist eindeutig
6. Ira aus Malta: Ira erklärte, warum sie nach 2002 wieder zum ESC zurückkehrt, denn diesen Beschluss fasste sie, nachdem sie Loreen 2012 gesehen hatte. Durch andere Projekte aufgehalten, konnte sie erst 2016 beim Vorentscheid teilnehmen, denn sie ja auch dann gleich gewann. Sie will sich nicht mit ihrem damaligen zweiten Platz vergleichen, da der ESC sich sehr verändert habe. Er sei doppelt so groß geworden und für ein Land wie das kleine Malta, sei es schwierig, Punkte aus anderen Nationen zu bekommen, daher lasse sie sich keinen Druck machen. Zum Thema Show sagte sie gar nichts. Außerdem unterstütze sie sowohl die Bildung der Kinder, als auch Homosexualität auf Malta, klasse Stimmfang! Ein schlauer Schachzug war es von ihr zu behaupten, dass heutzutage ein Top-10 Platz genau so viel wert sei, wie damals ein Podestplatz. Dadurch nimmt sie noch etwas Druck von ihren Schultern. Eine ebenfalls schlüssige Argumentation lieferte sie beim Thema Songtausch. Malta hätte nämlich die Regel, dass der Sieger das Lied austauschen dürfte. Sie hat sich gedacht, dass es ja nur besser werden kann, denn wenn kein besserer Song eingeschickt wird, hätte sie ja ihren alten behalten können. Somit war es eine Win-Win Situation, auch wenn sie 16 Songs aufnehmen musste. Ira sah doch relativ alt durch ihr Haarstyling aus, da sollte dann doch ein Profi am ESC-Abend ran gelassen werden. Aber in Sachen Medien ist sie ein echter Profi und man merkte ihr auch an, dass sie sich sehr gut auf die Fragen vorbereitet hat. Ein sehr kompetenter Auftritt, der noch einmal unterstreicht, dass Ira den ESC absolut ernst nimmt. Ach ja, das Album kommt im Sommer.
7. Sanja aus Serbien: Sanja beschreibt den schwierigen Spagat zwischen ihrem Song und ihrer Persönlichkeit. Denn im Song geht es um den Missbrauch an Frauen, also einem sehr ernsten Thema, der gar nicht zu ihr als fröhliche Person passe.Aber sie nimmt diese Herausforderung an und wird in Stockholm alles geben, damit sie den Song glaubhaft rüberbringt. Der Hauptgrund, warum sie auf Englisch performen wird sei, damit man die Geschichte hinter dem Lied auch in ganz Europa verstehen könne und so wünsche es sich im übrigen auch der Komponist. Sie wurde nominiert, weil sie mit ihrer Band im Fernsehen auftrat und die hohen Tiere des serbischen Fernsehens so von ihr überzeugt waren, dass man sich für sie entschied. Sie empfindet das als Ehre, was aber natürlich gleichzeitig Druck bedeutet. Allerdings will sie nicht an serbischen Erfolgen gemessen werden, da sie relaxt in den ESC gehen möchte und so wenig Druck wie möglich spüren möchte. Als Vorbild nennt sie alle möglichen Jazzdiven. Und alle die Hoffnung auf ein Verschwinden des starken körperlichen Ausdrucks ihres Liedes hatten, wurden von ihr enttäuscht. Dieses aufgedrehte Huhn hat definitiv Spaß an den ganzen Treffen und Interviews. Durch ihre neue Freundin Poli wirkt sie noch lockerer und gelassener. Aber sie wird nach einiger Zeit doch relativ nervig durch diesen aufgedrehten Charakterzug. Sympatisch, souverän und in Maßen verträglich.
8. Barei aus Spanien: Zunächst zeigte sie den Interviewer ihre Tanzmoves und versuchte diesem per Tutorial, die Schritte zu erklären - mit nur mäßigen Erfolg. Diese Tanzschritte habe sie seit ihrer Kindheit immer wieder gemacht und ihr Freund hatte ihr geraten, diese Schritte auf der Bühne vorzuführen. Sie erstellte eine neue Version des Songs, da sie einfach mehr Zeit hatte und damit noch mehr verbessern konnte, um den Song noch attraktiver für das Tanzen zu machen.Ihr Künstlername Barei stammt übrigens aus dem Begriff Barbie, der ohne Zugabe des b´s, in den Mixer geworfen wurde. Die Kritik manch alternden spanischen Diva, dass sie nicht in Englisch singt, ist ihr scheißegal. Sie glaubt, dass der Song auf spanisch unpassend wäre und es daher gar keine andere Möglichkeit gibt. Barei machte sich noch unbeliebter in Spanien, als sie sagte, dass der nationale Vorentscheid qualitätstechnisch absolut scheußlich war. Auch Barei hinterlässt einen durchweg positiven Eindruck, da sie sehr lässig mit den Interviewern sprach und sogar den Körperkontakt gesucht hat.
9. Rykka aus der Schweiz: Zunächst erklärte sie, warum sie als Kanadierin für die Schweiz antritt. Ihr Opa kommt nämlich von dort und sie lebt seit einiger Zeit in der Schweiz. Sie sagt über ihre Performance, dass sie wesentlich anders als im Vorentscheid sein wird und sehr von der Natur geprägt sei. Also eine Melanié Réne 2.0? Sie sieht es auch nicht als Druck an, dass mit Céline Dion die letzte Gewinnerin für die Schweiz, ebenfalls aus Kanada kam, der Druck bleibt für sie gleich. Den Song habe sie auch zusammen mit 3 Freunden geschrieben und er basiert auch auf Situationen, in denen sie sich befand. Der Song wird auch auf ihrem neuen Album sein, was im Sommer erscheinen wird und sich sehr im Bereich Pop aufhält. Sie erzählt noch vom Videodreh eines anderen Liedes in einem Gletscher und was für eine tolle Erfahrung das war. Ein offizielles Video für ihren ESC-Beitrag ist auch geplant, sie wisse aber nicht, wann genau das Ergebnis zu sehen ist. Sie hinterließ den mit Abstand schlechtesten Eindruck von den 9 Acts. Sie gab sich als unnahbar und man musste ihr die Antworten wirklich aus der Nase ziehen. So hatte man nicht das Gefühl, dass sie ein Interview führt, sondern eher ausgefragt wird. Positiv war einzig ihre neue Frisur und die bessere Stimme.
Fazit: Wie kamen die einzelnen Acts an?: Malta: 0 Serbien: + Spanein: ++ Schweiz: --
Heute, einen Tag nach dem ersten April, fand das erste Jahrgangstreffen des ESC-Jahrgangs 2016 in Riga statt. Neben dem Kennenlernen standen Interviews, eine Stadtbesichtigung und natürlich die Performance des Liedes auf der Agenda. Es hatten sich die folgenden 10 Acts angemeldet:
Weißrussland
Bosnien & Herzegowina
Bulgarien
Estland
Israel
Lettland
Malta
Serbien
Spanien
Schweiz
Aus bisher unbekannten Gründen, waren die bosnischen Teilnehmer nicht in Riga anwesend und so musste sich die Gemeinde mit 9 Songs vergnügen. Bei diesem ersten Treffen werden vor allem die ersten Kontakte geknüpft und manchmal sogar erste Freundschaften gebildet. Hovi aus Israel postete folgendes Bild auf Instagram, auf dem nur der estnische und der lettische Interpret fehlen.
Zunächst stand der Besuch Rigas auf dem Plan, bei dem Sanja (Serbien), Poli (Bulgarien),IVAN (Weißrussland) und Hovi (Israel) teilnahmen. Ob die anderen Nationen erst später ankamen und deshalb verhindert waren, weiß ich leider nicht. Auffällig bei diesem Rundgang war, dass Poli und Sanja sehr freundschaftlich miteinander umgingen, fast so, als würden sie sich schon seit langem kennen. Das Hovi bei den beiden Diven mit seiner Art super ankommen würde, war schon davor klar. IVAN stand immer etwas abseits, was sicherlich auch mit seinen mäßigen Englischkenntnissen verbunden ist. Jeweils bei Wiwibloggs und bei Esckaz, den beiden größten ESC-Blogs, gaben sie Interviews, die ich jetzt einmal zusammenfasse: 1. Ivan aus Weißrussland: Zunächst musste der 1,94 m Hüne sich logischerweise zu dem im Internet verbreiteten Video äußern, dass ihn nackt mit echten Wölfen zeigt, die er auch in Stockholm haben möchte. Er sagte, dass die Wölfin Shakira zwar einige Male nach ihm geschnappt hätte, aber nur, um ihm seine Grenzen zu zeigen. Er stehe voll hinter der Idee, nackt unter Wölfen zu performen, da er eine Brücke zwischen Menschen und der Natur bauen will. Das habe dann natürlich keinen sexuellen Hintergrund, sondern sei rein künstlerisch begründet. Und wenn er Leder an hätte, sähe er ja aus wie ein Jäger und er tritt nur deshalb nackt auf, um Verwirrungen zu vermeiden, natürlich... Er zählt unter anderem Eric Clapton als musikalisches Vorbild auf und gibt offen und ehrlich zu, dass er natürlich etwas Druck verspürt, da ein ganzes Land auf ihn setzt. Er wurde sogar in der Moskauer Metro erkannt und glaubt daher, dass er in Russland berühmt sei. Und zum Abschluss verrät er noch, dass er nach dem ESC natürlich ein Album auf den Markt bringen wird, das vor allem im Bereich Rock anzusiedeln sein soll. In den kurzen gesanglichen Auszügen, die er a-capella von sich gab, konnte man eine starke Verbesserung was den Gesang angeht feststellen. In den Interviews hat er eine gewisse Kühle und Distanz zum Interviewer eingehalten und öfters den Blick zu seinem Manager gesucht. Das kann natürlich daran liegen, dass er der Sprache nicht wirklich Herr ist und daher etwas unsicher wirkt. Aber Sympathiepunkte erhält er deshalb natürlich nicht, aber er hat sich wesentlich besser verkauft als seine Vorgänger aus Weißrussland.
2. Poli aus Bulgarien: Poli erklärte zunächst, dass sie den Song in nur sehr kurzer Zeit produziert habe und sie daher auch als letzter Act den Song veröffentlicht hat. Sie wurde intern vom bulgarischen Sender nominiert, da sie erfolgreich den JESC 2015 moderiert habe und dadurch den Verantwortlichen gezeigt hätte, dass sie erneut ihr Land repräsentieren könnte. Sie mied es übrigens ihren Song, als Hymne für die Mitglieder der LGBT zu bezeichnen, sondern sagte, dass Liebe die stärkste Verbindung sei, die auch Hass nicht trennen könnte. Dann wurde sie natürlich noch zu ihrem überraschenden Semifinalaus beim ESC 2011 befragt. Sie antwortete, dass sie natürlich traurig gewesen sei, dass sie den Song nur einmal performen konnte. Allerdings habe sie sich das Ziel gesetzt, dieses Jahr ihren Song dreimal zu singen, also den ESC zu gewinnen. Außerdem ist sie der Meinung, dass der ESC sich mehr in Richtung Westeuropa verschoben hätte und dadurch die traditionellen Klänge aus Osteuropa verloren gingen. Für sie sei das aber kein Problem, da sie Pop und Rock so sehr liebt. Poli machte einen souveränen und freundlichen Eindruck und man sieht bei ihr die ganze Erfahrung, die sie bereits gesammelt hat. Stimmlich war sie etwas wacklig, aber dennoch souverän. Der Begriff Medienprofi umschreibt sie wohl am besten.
3.Jüri aus Estland: Zunächst erzählte er seine kleine Anekdote zu seiner so tiefen Stimme. Vor dem Stimmbruch habe er nämlich eine ungewöhnlich hohe Stimme gehabt und musste daher im Chor immer bei den Mädchen sitzen. Er wünschte sich wieder bei den Jungs zu sitzen und mit 15/16 wurde seine Hoffnung erfüllt. Er fülle keinen Druck, obwohl er ja schon zwei Wettbewerbe gewonnen hat. Er sei erst 21 und fühle sich grade wie der König der Welt. Auf sein Lied angesprochen sagt er, dass die größte Herausforderung für ihn ist, seinen heiteren Charakter nicht im düsteren Lied zu zeigen. Das Lied spiegelt nämlich das Gegenteil seiner selbst da. Er hat auch den ganzen Socialmedia Rummel um seine Person als Mitglied der Baltic boys nicht wahrgenommen. Bei seinem Auftritt wird er sich an seinem Vorentscheid beziehen und diesen mit einigen Überraschungen noch mysteriöser gestalten. Ach ja und das obligatorische Album wird wohl im Herbst erscheinen. Für mich war er ganz klar der Gewinner dieses Treffens. Er war sowohl in den Interviews, als auch in der Pressekonferenz extrem locker und auch für Späße zu haben. Sein Englisch ist ebenfalls ausgezeichnet und man spürt und sieht, dass dieser junge Mann wirklich den Moment genießt.
4. Hovi aus Israel: Zunächst erklärte er, dass er mit 14 Jahren seinen Namen in Hovi ändern ließ, weil er diesen Namen wesentlich geeigneter für seine Person fand. Er erklärte, warum er den Songwechsel durchführte. Zwischen den Zeilen konnte man verstehen, dass es größtenteils wegen der schlechten Resonanz vollzogen wurde. Beim Videodreh hatte er Angst, dass ihn die Drohnen die Haare abschneiden und niemand zerstört Hovi´s Haare! Über die Performance lässt er keinen Mucks raus, aber er verneinte nicht, dass Drohnen auf der Bühne fliegen könnten. Er macht keinen Hehl daraus, dass der ESC für ihn eine riesige Plattform ist und sich dadurch seine Albumverkäufe extrem steigern werden. Doch er sagt es auf eine so sympathische Weiße, dass man ihm gar nicht böse sein kann. Er mag die Sonne Tel Avivis übrigens nicht, da sein Make-Up deshalb immer verläuft, außerdem ist Adele sein großes Vorbild. Hovi zeigt in seiner Erscheinung genau das, was ich mir von ihm für ein erfolgreiches Abschneiden erhofft habe. Er ist der Quotenschwule. Das hört sich jetzt natürlich böse an, aber ich meine es als Kompliment und sehe es als Vorteil. Denn Hovi wird bei dem großen schwulen Publikum super ankommen und seine ganze Aura ist die einer big city bitch. Sobald er in einem Raum ist, erstrahlt dieser im Lichte des Spaßes und seine Schlagfertigkeit macht ihn noch besser. Auch sein Englisch war exzellent und er hat mich mit diesem ersten Auftritt voll und ganz überzeugt und ich sehe wieder Hoffnung für das Finale für Israel.
5. Justs aus Lettland: Wie auch die Acts zuvor, erklärte er, dass er nichts zu seiner Performance im Mai sagen darf, sie aber deutliche Unterscheide zum Vorentscheid haben wird. Die Kooperation mit Aminata war eher zufällig, bei einem anderen lettischen Musikwettbewerb lernten sie sich kennen und hielten den Kontakt, der dann schließlich zum Song führte. Er fühlt des Weiteren keinen Druck, obwohl das Interesse am ESC dank Aminata 2015 doch spürbar gestiegen sei. Auch ihm ist das Baltic Boys Video unbekannt und auch mit den Songs seiner Konkurrenten hat er sich noch nicht beschäftigt. Überraschend war allerdings sein klarer Seitenhieb gegen Ivan, dem er vorwirft, dass es darum geht den besten Song darzubieten und nicht alles aufgeblasen zu gestalten, wie z.B. nackt unter Wölfen zu tanzen. Ein souveräner, wenn auch nicht ganz überzeugender Eindruck bleibt bei mir von ihm stehen. Er war sehr konzentriert und ehrlich, hat aber die Interviews scheinbar tot ernst genommen. Auch als Gastgeber einen Gast so direkt zu beleidigen, war nicht unbedingt der schlauste Satz. Dennoch ist Justs ein sympathischer Mensch, der auch recht gut Englisch spricht.
Fazit: Wie kamen die einzelnen Acts an?: Weißrussland: - Bulgarien: 0 Estland: ++ Israel: +++ Lettland: - --------------------------------------------------------Teil 2 folgt---------------------------------------------------
Totgesagte leben länger. Dieses Sprichwort kann man auf viele Länder im ESC beziehen. So zum Beispiel auf Finnland. Das einzige unerfolgreiche skandinavische Land, bis zum Jahre 2007. Davor waren siebte Plätze das höchste der Gefühle für Finnland. 2007 dann einige Menschen mit Maske und schon glänzt die Statistik. Ähnlich sieht es bei Lettland oder Holland aus, die nach mehrjährigen Katastrophenbeiträgen sich in den letzten Jahren durchaus stabilisieren konnten (Bei Lettland beginnt das erst jetzt). Kroatien ist im ESC eigentlich schon klinisch tot. Der letzte Vitalparameter ist schon Jahre her und die Angehörigen hatten sich bereits verabschiedet. Aber nun war die Reanimation anscheinend doch erfolgreich... Kroatien ist beim ESC so etwas wie das Portugal des Ostens. Es nahm erstmals 1993 beim ESC als eigenständiges Land an. Zuvor war es die fleißigste Teilrepublik von Jugoslawien, was ESC-Beiträge angeht. Auch der Sieg 1989 Jugoslawiens, geht auf das Konto einer kroatischen Gruppe. Doch seit der Unabhängigkeit kommt Kroatien an die großen Erfolge nicht mehr heran. Nach dieser ersten Teilnahme, sah man das Land ununterbrochen bis 2013 beim ESC. Die beste Platzierung gelang dabei 1996 und 1999 mit den beiden 4. Plätzen. In den Jahren 2014 und 2015 schmollte das Balkanland auf Grund von schlechter Ergebnisse. Daher rechnete niemand damit, dass sie zeitnah zurückkehren würden. Doch nur 2 Jahre später kriechen die Kroaten zu ihrem Peiniger zurück in der Hoffnung, dass er dieses Jahr gnädig sein würde. Und nach den aktuellen Fanreaktionen muss sich Kroatien darauf einstellen, dass man die Rückflüge erst nach dem Finale buchen sollte. In Kroatien durchaus eine Seltenheit, da in den letzten 4 ESC-Teilnahmen (2010-2013)das Land alles andere als knapp gescheitert war. Dieses Jahr unterbrach man den kroatischen Vorentscheid Dora, um intern aussuchen zu dürfen. 2013 versuchte man das mit folklorischen Tönen ebenfalls und schied bereits im Semifinale aus. Warum soll es nun also besser werden? Möglicherweise, weil Kroatien wohl zum ersten Mal nicht eine Connection zum Land im Lied aufbaut, sondern einen internationalen Hit komponierte. Dieser wird nicht von einer ausgelutschten Balkangröße gesungen (sorry Kaliopi) sondern von dem wohl größten musikalischen Talents Kroatiens.
hier ist der kroatische Beitrag für den ESC 2016 von Nina Kraljić Lighthouse:
Dieses Video soll nur eine Überbrückungsversion sein, bis man es geschafft hat, sie an verschiedenen Küstenabschnitten Kroatiens zu verfrachten und dort tolle Aufnahmen zu machen. Sobald das neue Video online geht, werde ich es hier einfügen:
Nina ist ein Neujahrskind und 24 Jahre alt. Seit ihrer frühsten Jugend beschäftigt sie sich mit Musik und diese war auch der ausschlaggebende Grund dafür, dass sie mit 14 von Zuhause ausgezogen ist. Sie ist außerdem kein großer Partyfan, sondern umgibt sich lieber in einem kleineren, aber dafür engeren Kreis von Vertrauten. Ihr besonderes Merkmal sind übrigens nicht ihre 2 Tattoos, sondern ihre außergewöhnliche Stimme. Engelsgleich, melancholisch oder beruhigend sind wohl die passenden Ausdrücke dafür. Die Stimme von Jasmine Thompson (die eine von ain´t nobody) kommt ihr wohl noch am nächsten.
Bekannt wurde Nina, wie jeder zweite Sänger scheinbar, durch the voice. Die 2015´ner Staffel gewann sie eindrucksvoll mit einem riesigem Vorsprung im Finale. Schon in diesem Wettbewerb zeigt sie, dass man nur eine untypische Stimme braucht, um bekannte Lieder ganz anders zu interpretieren. Mit Preisen für ihre erste Single in Kroatien zugeschissen, fährt sie nun nach Stockholm, um möglichst viel Aufmerksamkeit auf dem Balkan zu erregen. Dadurch kann sie ihre Karriere über die kroatische Grenze hinaus erweitern.
Ihr Song startet mit einer kurzen Einleitung eines typischen Balkaninstruments. Danach kommt ihre Stimme die nur durch Beat, dem Holzblasinstrument und einer Harfe getragen wird. Der Refrain baut sich langsam auf, setzt sich dann doch stark vom Vers ab. Der Instrumentalteil wird durch sie unterstützt und ist dadurch kein Instrumentalteil mehr. Der zweite Refrain ist deutlich lauter, aber dennoch weit davon entfernt, aggressiv zu klingen. Die Bridge existiert nicht, stattdessen kommt der klischeehafte Tonartwechsel,welcher in einen hymnischen letzten Refrain endet. Und gerade, als das Lied so richtig Schwung aufgenommen hat, ist es auch schon wieder vorbei.
Das Lied kommt super bei den Harcore-ESC-Fans an und ist einer von 2 oder 3 Fanfavoriten. Aber diese Ernennung ist nicht immer ein gutes Zeichen, da es immer mindestens einen dieser Favoriten im Semifinale erwischt. Kroatien hat genau dafür ein Händchen, also trotz gutem Song und annehmbarer Umsetzung auf der Bühne, auszuscheiden. Doch dieser Beitrag ist der wohl stärkste in der jüngeren Vergangenheit aus Kroatien.
Dass sie Englisch singt liegt wohl an der mangelnden Selbstsicherheit Kroatiens. Instrumental gesehen ist es zwar keine Balkanballade, aber würde Bosnien als erfolgreiches Balkanland das schicken, wäre es zu 100% in Landessprache. Aber da es auf Englisch ist, wurde hier sehr sehr clever und geschickt nationale Identität mit europäischen Musikstilen verbunden. Sie singt sehr verständlich, was für Songs aus dem Osten nicht immer selbstverständlich ist. Das einzig wirklich negative was ich zu diesem Song sagen kann ist, dass der zweite Vers etwas sehr kindlich gereimt klingt.
Harbous near
no more fear
wall of clouds disappears
so I steer
to the pier
in tears
Der Tonartwechsel zu Schluss ist im Gegensatz zu vielen anderen Songs, wirklich passend und dramaturgisch vollzogen. Das ändert natürlich nichts daran, dass das einigen nicht gefällt.
Mich persönlich hat die perfekte Stimme in der Studioversion sogar ein weinig Angst gemacht. Einfach aus dem Grund, da ein normaler Mensch stimmlich dieses Level kaum halten kann. Dadurch würde Kroatien dann beim ESC enttäuschen und wäre einmal wieder raus. Dann sah ich sie allerdings im serbischen Frühstücksfernsehen und sie hat das Lied stimmlich brillant raus gehauen. Gestik war leider gar nicht vorhanden und das sollte dringend geändert werden. Hier kann man den Auftritt sehen.
Stimmlich ist das natürlich sensationell, aber trotzdem haben sich meine Zweifel nach diesem Auftritt verstärkt. Sie singt ihn zu perfekt. Sie trifft die Töne ohne sich dabei anstrengen zu müssen. Um es in Bruce Darnells Worten zu sagen: Drama Baby, drama! Sie kann das Lied ohne Ausdruck in Mimik und Gestik einfach nicht an den Mann/Frau bringen. Die blauen Haare lassen auf eine charismatische Interpretin hoffen und am Ende hat sie in etwa soviel Charisma wie eine verschimmelte Kiwi.
Aber wie würde ich das auf der Bühne retten wollen? Naja, dass im Hintergrund die Landschaftsbilder zu sehen sind, sollte wohl klar sein. Ich würde das ganze Showkonzept auf Werbung für den Tourismus in Kroatien auslegen, also wunderschöne Landschaften auf den LED-Screens zeigen. Dann würde ich ihr einen Crashkurs in Schauspielerei geben, damit sie bei den hohen Tönen ein etwas angestrengteres Gesicht macht und gar ihre Hände benutzen würde. Um sie aber etwas aus der Schussbahn zu nehmen, würde ich Tänzer auf die Bühne bringen. Am besten ein tanzendes Paar, welches übertrieben dramatisch über den schwedischen Boden tanzt. Ach ja, man muss natürlich noch einen Effekt mit einem Licht machen, wegen Lighthouse, also Leuchtturm. Da würde aber mir zu Beginn eine Einstellung reichen und am Schluss im LED-Schirm einen Leuchtturm, der auf einer wunderschönen Düne steht.
Kroatien ist zurück, keine Frage, doch das Wunder von Stockholm sehe ich für Kroatien nicht. Eine Finalqualifikation ist durchaus möglich, aber bei der Charismaresistenz der Protagonistin auch nicht sicher dabei. Kroatien ist im Moment der klare Fan Favorit, der den Sprung ins Finale nicht schaffen wird. Schade eigentlich, denn stimmlich ist das ein Meisterwerk.