Lisboa 2018

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Montag, 14. März 2016

Mit Vollgas gegen die montenegrinische Wand

Was ist logisch, wenn man bei einem Wettbewerb antritt, indem die Zuschauer als große Masse den Sieger küren? Natürlich ein Lied, dass die meisten Menschen packt, Nischenmusik eignet sich hierzu aber nicht. Eine Lektion, die ausgerechnet in Montenegro wohl nicht ganz verinnerlicht wurde. Montenegro versucht die Ausnahme der Regel zu werden, dass Rock beim ESC nicht funktioniert. Ein ambitioniertes Ziel, für den kleinen Balkanstaat.


Montenegro war ja schon Bestandteil von Jugoslawien und von Serbien-Montenegro. Wir betrachten nun einmal nur die Geschichte Montenegros als eigenen Staat. Das hat zur Folge, dass die erste Teilnahme sich auf das Jahr 2007 datieren lässt. In den Jahren 2010 und 2011 gönnte sich das Land eine finanzielle Pause. Montenegro nahm also bisher 7 Mal teil. Während die ersten Jahre sehr unerfolgreich liefen, konnte sich Montenegro in der jüngeren Vergangenheit zumindest einmal stabilisieren. 2015 war dabei das erfolgreichste Ergebnis aller Zeiten, mit einem 13.Platz von Knez. Allerdings ist das nicht so schwierig, bei bisher nur 2 Finalteilnahmen, ihm eingeschlossen. 
Der ESC Gott scheint dem Land auch eine Art Auftrag gegeben zu haben: Gibt mir Balkanpop, sonst sündigt ihr! Diese These wird vom Fakt unterstützt, dass Montenegro mit Balkanpop eine 100% Qualifikationsquote hat. Bei ausnahmslos allen anderen Musikstilen wie HipHop, Pop oder Rock besitzt Montenegro eine sagenhafte Qualifikationsquote von sage und schreibe 0%. 
Somit sollte der Auftrag für die Rundfunkanstalt RTCG klar sein. Ein Balkansong muss her. Dieser wäre beliebt bei jeglichen Nachbarn und bei guter Qualität, könnten sogar noch andere Länder dafür voten. Den ersten Schritt machte RTCG, da sie einen Interpreten und ein Lied selber bestimmen wollten. Die Tür war da. Allerdings haben sie es nicht geschafft, die Tür, welche man ziehen muss, aufzubekommen. Also der letzte Weg? Mit roher Gewalt dagegen drücken

Für Montenegro tritt dieses Jahr die Formation Highway an. Die 4-köpfige Männergruppe konnte bei X-Faktor Adria den 4. Platz erringen, allerdings noch zu 3. Die Urmitglieder heißen Peter Tošić, Marko Pešić und Luka Vojvodić. Nähere Infos zu den Dreien konnte ich nicht finden, aber immerhin das Alter von Marko und Luka. Nämlich 21, nach eigenen Angaben. Aber offenbar war die junge Truppe dem nationalen Fernsehen nicht erfahren genug und sie fügten noch eine 4. Person zur Gruppe hinzu. Nämlich Bojan Jovović. Der laut dieser Quelle 31-jährige besitzt die nötige ESC-Erfahrung, um die drei Kücken ruhig zu brüten und entwickeln zu lassen. 
2005 nahm er, damals noch für Serbien-Montenegro, mit der Gruppe No Name am ESC teil und konnte mit dem Lied Zauvijek moja einen 7. Platz einfahren.


Hier das Video seiner Teilnahme 2005


Hier unten der Beitrag Montenegros The Real Thing von Highway

Das ist definitiv kein Balkanpop und kein balkantypischer Song. Schon das Anfangsriff macht deutlich, dass wir es hier mit schwerem Rock zu tun haben. Die Verse sind sehr zurückgenommen, haben sogar was von Coldplay. Der Refrain eignet sich super zum Headbangen, hab leider nicht die geeigneten Haare dafür. Der nächste Vers ist durch einen deutlichen Cut vom Refrain abgetrennt und wieder sehr ruhig. Allerdings steigert es sich diesmal etwas früher und das Headbang-Thema erscheint erneut. Für eine Bridge reicht es zeitlich nicht mehr, so besitzt das Stück zwar keine Steigerung, aber es beginnt ja auch schon auf großer Höhe.

Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass wir hier eines der besten Lieder des Genres Heavy Metal hören, dass es beim ESC jemals gab. Bei einem der großen Festivals würden sie als No Names nicht untergehen, da das Stück wirklich klasse ist. Mir gefällt es sehr, obwohl ich eigentlich nicht viel mit dem Genre anfangen kann. Der Refrain bleibt im Kopf hängen und ich mache sofort die Headbang-Bewegung, ist das normal? 

Hier ist aber wie gesagt das Problem: Rock (Metal) funktioniert beim ESC nicht! Das Lied mag großen Anklang bei den Fans der Musikrichtung finden, dennoch bilden diese nur einen Bruchteil des allgemeinen Musikgeschmacks. Ein Poplied hat es da einfacher. Wenn ich einen bayrischen Schlager komponiere, werde ich bestimmt eine super Rückmeldung einiger hinterwäldlerischer Bayern bekommen. Die Deichkinder werden mich allerdings mit Schrotflinten jagen. So ähnlich ist es hier eben auch. Ansprechend für Leute, die die Musikrichtung ohnehin lieben, abturnend für Menschen mit  Mainstream Geschmack.

Ein weiteres Problem könnte die Livestimme darstellen, aber nicht auf Grund der Töne. Ihr Akzent ist extrem stark ausgeprägt, also das Englisch ist kaum verständlich. Natürlich passt das dann auch irgendwie wieder zu dem aggressiven Song, Osteuropäer und Vorurteile. Stimmlich auch nicht gerade glänzend sind sie bei diesem Auftritt.


In Stockholm erwartet und wohl eine ziemlich düstere Performance, mit sehr viel Stroboskop. Dunkle Gestalten und Tänzer, vielleicht ein paar Lasereinlagen. Meine persönliche Idee wäre ein leuchtender Handschuh. Dieser umfasst das Mikro im Ständer und dient als einzige Lichtquelle im Vers. Text ist inside you. Also in dir ist des Licht. Das wäre mal mein Vorschlag. Im Refrain dann jegliche Geschütze ausfahren, die Stockholm zu bieten hat. 


Die Zeichen der Zeit stehen gegen Montenegro, trotz super Lieds. Die Balkanhilfe aus Bosnien und Kroatien wird ebenfalls geringer ausfallen, als mit Balkanpop.Highway wird auf der Schnellstraße die Ausfahrt vor dem Finale nehmen und dadurch Zuschauer in eben diesem sein. Letzter wird man nicht, dafür werden die Nachbarn schon sorgen und San Marino ist ja auch in dem Halbfinale, aber sie sind mit Nischenmusik einfach nicht fähig, eine Mehrheit zu bedienen. Dadurch ist Montenegro einer der wenigen Beiträge, die man schon im Vorhinein vergessen kann.

Montenegro scheint aus den Fehlern der Vergangenheit einfach nicht zu lernen, warum setzen sie nicht einfach immer auf Balkanpop?! Sie haben damit nur  positive Erfahrung gemacht, mit Rock nur schlechte. Der ESC-Gott wird auch dieses Mal alles im Gleichgewicht halten und dafür sorgen, dass Montenegro ohne hörbare Heimatverbundenheit, das Finale nicht erreichen wird. Da hilft auch kein Beten.

Sonntag, 13. März 2016

Russland rüstet mit Schlager auf

Eine der größten Überraschungen der Liedvorstellungen war das erste Hören des russischen Beitrags. Keine heuchlerische Friedensballade? Was macht denn Mother Russia da?

Anscheinend haben die beiden russischen Rundfunkanstalten kapiert, dass solche Lieder ausgerechnet aus Russland nicht besonders glaubwürdig sind. Der Erfolg beim ESC blieb natürlich nicht aus, die Lieder waren ja nicht schlecht. Aber durch einen Einmarsch in andere Länder und ein zeitgleiches Singen von Frieden, wird nicht gerade das ohnehin schon schlechte Bild Russlands gestützt. Vielleicht ist das der Beginn einer Image Kampagne, zumindest beim ESC, denn weltpolitisch sieh es nicht so aus, als ob Russland bald von Westen gelobt wird.

Russland stieß 1994 zum ESC, nachdem die UdSSR nie beim ESC teilnahm. Das größte ESC-Land hatte eine mittelmäßige Bilanz im alten Jahrtausend, der in einem neunten Platz (1994) gipfelte, die in vielen Niederlagen ausgedrückt wurden. Eine nicht erfolgreiche Qualirunde(1996), 1998 waren sie nicht teilnahmeberchtigt und 1999 setzten sie aus. Ab dem Jahre 2000 starteten sie eine beispiellose ESC-Serie. Ich lass es mal in Zahlen stehen: 16 Teilnahmen, 16 Finalplatzierungen besser als Platz 17, 15 Top-15 Platzierungen, 10 Top-10 Platzierungen, 7 Podestplätze und 1 Sieg. Besser geht nicht.

Nun also die Abkehr von 2013-2015, in denen weibliche Engel für Frieden sangen, hin zu einem männlichen Interpreten, der einen politisch belanglosen Song beisteuert. 

Der intern ausgewählte Sergej Wjatscheslawowitsch Lasarew wird nun also für Russland antreten. Alle Pressestellen können aufatmen, er lässt seinen ersten Nachnamen weg und nennt sich Sergey Lazarev. Der am ESC-Abend 33-jähige wurde in Moskau geboren und ist außerdem als Schauspieler tätig. Er nahm bereits 2008 beim russischen Vorentscheid teil, indem er den 4 . Platz erreichte. Seit dem erhielt er große Unterstützung aus ESC-Fankreisen. Nun also endlich die Teilnahme Lazarovs, welcher mit folgendem Lied teilnehmen wird.


Hier Russlands ESC-Beitrag von Sergey Lazarev You are the only one:



Zunächst zum Lied. Der Beginn wirkt etwas sperrig, da der klare Beat fehlt und nur durch elektronische Einsetzer seine Stimme begleitet wird. Sobald der Beat einsetzt wird es zum typischen Upbeat-Song, ohne Ecken und Kanten, aber auch ohne das gewisse Etwas. Der Refrain ist relativ einprägsam, jedoch kein Ohrwurm. Die Streicher im Refrain unterstreichen die Atmosphäre, aber wirklich zu etwas Besonderen machen sie das Lied nicht. In der Bridge nimmt sich das Lied etwas zurück, nur um im letzten Refrain den typischen ESC-Key change durchzuführen.

Insgesamt ist dieses Werk ein durch und durch erwartbares. Vor allem die Bridge findet man in jedem zweiten amerikanischen Popstück wieder. Innovation ist kein russisches Wort. Dennoch ist der Beitrag sehr stimmig und grundsolide, was sehr vielversprechend ist. Lyrisch ist es natürlich kein Meisterwerk z.B. thunder and lighting its getting exciting Die Definition des Wortes Zweckreim.

Aber der wesentlich interessantere Teil ist das Video. Die 3D-Projektionen in seinem Video sind natürlich außergewöhnlich und werten das Lied unglaublich auf. Aber geht das auch in Stockholm?

Man müsste die Wände selber in Stockholm aufbauen, dazu den Boden. Also insgesamt 4 Einheiten, die genau an einem Ort stehen müssen und das alles in dreißig Sekunden. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass er in Stockholm diesen Aufwand betreiben kann und sein ganzes Set auf die Bühne schleppt. Dann müsste er eine andere super Methode finden, das Lied zu verbessern. Denn an sich ist es kein Gewinnerlied, das war Schweden 2015 aber auch nicht. 

Semifinale kann man seinen Kopf auf einen lockeren Durchlauf verwetten. Ebenso der Top10-Platz. Russland kam schon 2010 mit dem wohl schlimmsten Lied aller Zeiten auf den 11.Platz. Dieses Lied ist wirklich gut, mit der Show sogar sehr gut. Die Chancen auf einen Sieg stehen sehr gut, aber er muss auf jeden Fall über die Show kommen. Er ist Schauspieler, dass sollte kein Problem sein. Aber die Prognose fällt in einem so ausgeglichenem Jahrgang sehr schwierig.



Samstag, 12. März 2016

Ralph Siegel hat das sinkende Schiff SS San Marino verlassen

Die ganze ESC-Welt wurde erschüttert, als bekannt wurde, dass the godfather of grand prix, Ralph Siegel, dieses Jahr nicht das Lied für San Marino komponieren würde. Diese Schockstarre endete darin, dass er mit seinem Beitrag sogar 4. im deutschen Vorentscheid wurde, natürlich nur aus Mitleid. Denn je öfters wir uns einreden, dass alle Siegel-Lieder scheiße sind, desto wahrer wird es. Aber San Marino gewährte dem Geflüchteten keine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis. Aber wer soll es nun für das von Italien ummantelte San Marino richten, nachdem jetzt auch neben der Fan-Favoritin Valentina Monetta, Ralph Siegel verjagt wurde? Die Antwort: Ein weiterer Geflüchteter.

San Marino gab sich 2008 zum ersten Mal die Ehre beim ESC teilzunehmen und wurde dafür belohnt! Und zwar mit 4 Pünktchen im Semifinale. Den Kummer ertränkten die San Marinesen in Rotwein und verbrassten ihr Geld im Casino. Dadurch hatten sie allerdings nicht genug Geld für die nächsten Teilnahmen und sie schmollten bis 2012. Dann begann die  dreijährige Symbiose des Siegels und der Monetta. Diese begann zunächst schwach, (2012: Semifinale: 14/18) steigerte sich dann stark aber nutzlos (2013: 11/17) und gipfelte 2014 in der puren Eruption des Glücks. San Marino gelang der Einzug ins Finale! Der Tag des Halbfinals, der 6. Mai gilt seither als der Nationalfeiertag des Zwergenstaates. Am Ende gewann die Perle Monetta den 24. Platz und das beweißt die Existenz einer Gottheit!


Hier Maybe von Valentina Monetta 2014:


Valentina kündigte im selben Jahr ihren Rücktritt vom aktiven ESC-Geschehen ein (schließt nicht die Aufgabe als Spokesperson aus) und Ralph Siegel blieb Marino treu. 2015 allerdings die Entlassung nach einem schwachen Beitrag und dem vorletzten Platz im Semifinale.

Die Lösung dieses Machtvakuums fand SMRTV nicht in San Marino. Ebenfalls nicht in Italien. Sie fanden es in.......der Türkei! 

Der Mann der Hoffnung heißt Serhat, 51 Jahre jung und geboren in Istanbul. Der Moderator und Produzent besuchte übrigens auch die deutsche Schule in Istanbul, also müsste er doch sogar deutsch sprechen können. Seine musikalische Karriere ist sogar relativ erfolgreich, da er sogar 5 Wochen auf Platz 1 der deutschen Black DJ Charts stand. Er ist eher für Upbeat-Songs bekannt, vollzieht für den ESC einen krassen Wechsel.

ACHTUNG!!! veraltete Version!!! Hier Serhat als Repräsentant San Marinos 2016 mit dem Song I didn´t know:



Jeglicher Kommentar hierzu ist unnütz. Wenn es wenigstens lustig gemeint wäre, aber Serhat bekräftigt die Ernsthaftigkeit des Liedes. Für alle Siegel-Kritiker: DAS hier ist schlimmer als ein 34 Stunden Siegel-Marathon. Der Akzent, die Komposition, das Video,.. Das ist alles schrecklich!

Meine persönliche Lieblingsstelle:I got to pee inside your mind. Eventuell war be gemeint, aber er singt eindeutig pee.

Ich wünsche San Marino zumindest eine schöne Bühnenshow, auf einer Südseeinsel würde zum Video passen. Oder vielleicht auch ganz anderes. Es ist auch egal, denn aufwerten kann man dieses Stück musikalischen Erbrochenes nicht. 

San Marino wird den letzten Platz im Semifinale konkurrenzlos erreichen. Und wir können nur hoffen, dass Ralph Siegel, als abgetrennter Kopf, den Körper San Marino wiederbeleben kann, denn dieses Werk stinkt zum Himmel.


UPDATE 21.03.16: "Wenn es wenigstens lustig gemeint wäre, aber Serhat bekräftigt die Ernsthaftigkeit des Liedes" So lautet ein Satz aus meiner Bewertung seines Liedes. Aber San Marino zeigt einmal mehr, dass es sehr eng verbunden mit den ESC-Fans ist. Nach dem die Beurteilung seines Werkes so unglaublich schlecht war, nahm sich San Marino eine von Fans gestartete Aktion zu herzen. In dieser forderten sie, dass Serhat eine Discoversion seines Stückes aufführen solle. Diese Version landete auch schnell im Internet und San Marino sorgte heute für den Paukenschlag: Tatsächlich hat San Marino bei der EBU angefragt, dass Lied noch einmal nach Fristende zu tauschen. Die EBU musste ja sowieso auf Grund des neuen, aus Sicht San Marino´s, unfairen Votingssystems, etwas bei San Marino gut machen und so gaben sie der Bitte statt.

 

Jetzt kann man kaum noch böse Worte verlieren, nicht weil das Lied nun qualitativ toll ist, sondern weil es sich selbst auf die Schippe nimmt, nach der Vorgeschichte erst recht. So haben wir also doch unseren ersten Trash-Act - und ich find es toll! Fürs Finale wird das auf gar keinen Fall reichen, aber der letzte Platz ist nun in weite Ferne gerückt. Toll das San Marino auf das Fanecho gehört hat und dadurch ein enormes Plus bei den Fans bekommen hat. Wenn es nun noch richtig schön klischeehaft aufgeführt wird, bin ich total happy. Das Video ist übrigens aus einem anderen Lied zusammengeschnitten. 

Toller Schachzug von San Marino, aber das Finale wird natürlich nicht erreicht werden.


Kaliopi für Mazedonien...mal wieder

Ist da niemand anders mehr, dann kommt die Kaliopi daher. So oder so ähnlich läuft das in Mazedonien. Dem kleinen Binnenland gehen offenbar die Künstler aus und so bedient man sich an der alten Bekannten, die sich das natürlich nicht zwei Mal sagen lässt. Schon zum dritten Mal wird sie nun Mazedonien vertreten und man könnte meinen, dass es die mazedonische Musikbranche gar nicht gibt. Aber dazu sag ich gleich noch was.

Mazedonien nimmt seit 1996 beim ESC teil. Wer war der erste Teilnehmer? Richtig, Kaliopi. Danach folgten relativ durchschnittliche Jahre, die 2006 mit dem 12.Platz im Finale gipfelten. Ab 2007 begann der tiefe Fall. Von 2008-2011 und 2013-2015 konnte sich kein Teilnehmer Mazedoniens für das Finale qualifizieren. Aber wer durchbrach diese schwarze Serie 2012? Richtig, Kaliopi. Nun soll es die gestandene Dame wieder richten und um sicher zu stellen, dass sie auch nach Stockholm fährt, gab es keinen nationalen Vorentscheid.

Denn im letzten Jahr sorgte das Skopje Festival für die Bestimmung des Acts. Aber das Festival 2014 (fand im November statt, daher trat der Act 2015 auf) endete mit einem riesigen Skandal. Die haushohe Favoritin wurde gestürzt und der Außenseiter Daniel Kajmakoski gewann überraschend. Die Polizei nahm allerdings wegen des Verdachtes auf Betrug die Ermittlungen auf und fand ganz, ganz viele Prepaid Karten, von welchen oft angerufen wurde. Aber Daniel´s Sieg wurde nicht verhindert, bzw. anuliert. Die Quittung für das schlechtere Lied erhielt Mazedonien am ESC-Abend, als sie als Vorletzter aus dem Halbfinale ausschieden. 

Wer nun glaubt, Kaliopi sei die einzige Person, die halbwegs gute Musik in Mazedonien machen kann, der irrt sich. Hier zwei Beispiele aus jenem Skopje Festival Jahrgang, indem Daniel gewann.

Hier Viktorija Loba mit ihrem packenden Edna edinstvena


Und hier das wohl beste Lied das Mazedonien seit 2012 gesehen hat. Brod sto tone von der wunderbaren Tamara Todevska, Schwester von Tijana (Mazedonien 2014)



Also man sieht, dass Mazedonien letztes Jahr nur wegen eines nationalen Betrugs nicht das Finale erreichte. Aber jetzt die heilige Kaliopi. Die 49-jährige tritt also mit ihrer unglaublich rockigen Stimme zum dritten Mal für Mazedonien an. Hier Impressionen ihrer letzten beiden Auftritte.

1996 mit samo ti



2012 mit crno i belo und dem 13.Platz



Diese kraftvolle Stimme hat ihr bei den ESC-Fans einen exzellenten Ruf eingebracht und auch ihre souveräne Art Interviews zu führen. Sie ist die aktuelle ESC-Diva und daher liebt sie jeder. Wie im Jahre 2012 schrieb auch ihren 2016-ner Beitrag ihr Ex-Mann Romeo Grill.

Hier der mazedonische Beitrag 2016 von Kaliopi Dona:




Für die stolze Mazedonierin steht außer Frage, dass sie in mazedonisch singt. Der sehr balladenhafte Beginn endet in einem lauten, rockigen Refrain. Dieser erinnert an die Rockmusik aus den 80-ern in Italien, wirkt nichtsdestotrotz aber zeitlos und wunderschön. Die Streicher unterstützen das ganze Lied eher im Hintergrund, bis auf ihr Solo nach dem ersten Refrain. Das Ende ist wieder ruhig und nachdenklich wie der Beginn.

Das Lied strahlt durch seinen starken Refrain, der gerade in Italien gut ankommen sollte. Bei Kaliopi muss man aber immer bedenken, dass sie sich auf der Bühne unheimlich steigern wird. Die Studioversion von crno i belo ist auch um Klassen schlechter als ihre Live-Performance. Für die jüngeren scheint das Lied sehr outdated zu sein, aber beim durchschnittlichen, zufälligen ESC-Zuschauer kann das hier wirklich zünden.

Eigentlich kann man eine abgeschwächte Version ihrer Show von 2012 auch für diesen Song benutzen. Kein Schlagzeug und E-Gitarre, dafür mehr Streicher und schon hat man eine gute Performance. Kaliopi glänzt durch ihre Stimme und braucht kein albernes Rumgehampel um eine klasse Show abzuliefern. 

Kaliopis Ziel ist das Finale. Im zweiten Semifinale sind viele Länder, in denen Kaliopi ebenfalls erfolgreich ist und daher kann man von einer Finalqualifikation ausgehen. Ob sie an 2012 heran kommt bezweifel ich, da ich Dona doch etwas schwächer finde. Aber unterschätzt Kaliopi nicht! Mit ihrer Gesangsleistung MUSS sie bei den Jurys abräumen und kann den Fluch Mazedoniens ein zweites Mal brechen.




Freitag, 11. März 2016

Ruslana + Bon Jovi = Rumänien 2016?

Rumänien nahm erstmals 1993 beim Osteuropäischen ESC-Vorentscheid teil, konnte sich damals allerdings nicht qualifizieren. Generell waren die ersten Jahre Rumäniens nicht vom Erfolg gekrönt: Hintere Plätze führten zu keiner Startberechtigung im nächsten Jahr, dies führe zu einem allgemeinen Desinteresse, das für schlechte Platzierungen und schließlich auch zum Verzicht auf Teilnahmen. 

Der Wendepunkt kam im Jahre 2002 mit einem 9. Platz und seit her schrammten sie mehrmals nur knapp am Sieg vorbei z.B. 2005 und 2010 mit dem 3.Platz. Auch Rumänien gehört zu den 100% Ländern. Also die Länder, die seit Einführung des Semifinales 2004, das Finale immer erreicht haben, auch wenn es 2009 sehr knapp war (Letzter Qualiplatz). 

Rumänien gab bisher bei allen Teilnahmen die Entscheidungsgewalt, wer für das Land antreten soll, an seine Bürger weiter, na ja, mehr oder weniger. Der Modus des Vorentscheids hat sich dabei mehrmals geändert und war keine Konstante. Dieses Jahr wurde wieder einmal ein Semifinale veranstaltet, aus dem 6 Teilnehmer ins Finale kamen. 5 davon durch eine Jury bestimmt, ein Kandidat vom Publikum. Jetzt wirkt das ganze nicht mehr so demokratisch. Im Finale allerdings bestimmen zu 100% die Zuschauer, wer für Rumänien an den Start gehen soll. Aber die Selecția Națională ist teuer, 1€ pro Anruf. Das erklärt auch, warum der spätere Gewinner nur 6.585 Anrufe bekam, aber damit knapp 2000 mehr als der Zweitplatzierung.

Die Bühne wirkte durch die zahlreichen LED-Schirme sehr modern. Es gab sogar einzelne LED-Strahlen von der Bühne ab, das könnte eine Idee für den nächsten ESC. Vielleicht eine Bühne im Sonnenlook? Es gab aber sehr viele technische Pannen mit den Screens und außerdem war die Kameraführung immer eine Wundertüte. Die Jury saß in knallig roten Stühlen, die wahrscheinlich aus The Voice gestohlen waren und im Bild links unten angedeutet sind.



Das Moderatorenpaar sah sehr gewöhnungsbedürftig. Der Mann im normalen Outfit, klar beim ESC bloß nicht auffallen. Die Dame hat 8294 kleine tote Katzenbabys um die Füße gewickelt. Wird das nicht verdammt heiß beim Scheinwerferlicht?



Das Feld war ausgeglichen und durchschnittlich. Nichts aufregendes, bahnbrechendes, aber eben auch kein Totalausfall. Ein Act konnte sich etwas von dieser langweiligen Masse absetzen und siehe da, er gewann.

2016 wird Ovidiu Anton für Rumänien mit dem Song Moment of silence beim ESC antreten.



Zunächst zu Ovi. Er ist 33 Jahre alt, kommt aus Bukarest, studierte Gitarre und Klavier und hat seinen Beitrag selber geschrieben! Er kann als rumänischer Ralph Siegel gesehen werden, da er nun im fünften Anlauf endlich den rumänischen Vorentscheid gewinnen konnte.

Das Lied ist natürlich in der Dimension eines Meat Loaf anzusiedeln. Diese Art von Rock versucht den Rock auf frühere Epochen zu übertragen. Bevorzugt ist hierbei natürlich das Mittelalter, wie auch bei Ovi. Das Lied steigert sich toll von der schönen Klaviereinleitung mit Streicherunterstützung in einen für dieses Genre typischen Refrain. Der Vorteil an dieser Musikrichtung liegt eindeutig im packenden Refrain, der bei anderen Rocksongs nur sehr schwer erreichbar ist.

Ovi´s Stimme ist perfekt auf dieses Lied zugeschustert, eher anders herum. Der Text ist wirklich fast akzentfrei und wir sind hier in Rumänien. Stimmlich gelangt er beim Wort silence an seine Grenzen und leider darüber hinaus. Aber ansonsten Top Leistung.

Das größte Problem im Moment liegt nicht am Song sondern an der Präsentation. Ein solch hymnisches Lied bedarf einer aufwändigen Bühnenshow um dieses ganze Gefühl gut herüber zu bringen. Ob sich die angeschlagene rumänische Rundfunkanstalt das allerdings leisten kann, steht in den Sternen.

Mein Konzept: Zu Beginn ist die Bühne in blau gehüllt und nur ein Spott zeigt auf Ovi. Auf dem LED-Screen ist eine kleine Flamme zu sehen. Diese wird immer größer und zu Beginn des Refrains werden die Flammen dann auf der Bühne abgefeuert und es entwickelt sich eine Höllenszene. Danach vielleicht Tänzer mit roten Kontaktlinsen in Nahaufnahme zeigen und eine gute Choreo für Ovi entwickeln.

Das Fazit kann nur positiv ausfallen. Das Lied ist super und einprägsam, Ovi kann singen und das Genre wird von keinem Konkurrenten besetzt. Finale ist sicher, aber für die rechte Seite der Tabelle (1-13) sehe ich eher schwarz. Aber sollte Ovi wirklich eine zündende Idee haben, kann das auch in die Top-10. Ein Sieg ist allerdings nicht drin.


Hier noch der Moment seines Sieges:


UPDATE 15.03.16: Das offizielle Video ist nun online. Wobei man wirklich hoffen muss, dass das nicht das endgültige Video sein wird. Schwach, billig, simpel. Das hat man in einem Durchlauf geschossen. Außerdem sieht er wirklich dick in dem Hemd aus, auch nicht vorteilhaft. Eine Änderung am Song ist nicht hörbar.

UPDATE 15.03.16: Das Video ist wieder offline. Da gab es wohl doch noch die späte Einsicht, dass das Video absolut schrecklich war. Aber Einstellung nur auf Privat geändert, also kann es zu einem späteren Zeitpunkt erneut veröffentlicht werden. Zur Überbrückungszeit wird uns nun die Studioversion mit den Live-Bildern angeboten. Na gut, hier stimmt wenigstens der lange Ton im Refrain besser. Dieser soll dissonant klingen, aber nicht schrecklich. 



Donnerstag, 10. März 2016

Balkan Pop frisch aus Bosnischer Einzelfertigung

Dieses Jahr scheint im doppelten Sinne  das Jahr der Rückkehrer zu werden und Bosnien leistet einen großen Beitrag dazu. Wir dürfen nämlich die ganze Familie Balkan beim 2016-er Jahrgang begrüßen, denn Bulgarien, Kroatien und Bosnien und Herzegowina kehren nach mehrjähriger Abstinenz wieder zurück und machen Osteuropa wieder komplett, bis auf die Slowakei und die Türkei. 

Aber auch auf anderer Ebene gibt es eine Rückkehr, denn es gibt so viele ESC-Rückkehrer wie noch nie zuvor! Im Moment stehen für Bulgarien, Island, Litauen , Malta, Mazedonien, Montenegro und eben Bosnien ESC-Rückkehrer auf dem Teilnahmezettel. 

Bosnien nahm das erste Mal 1993 teil und wird 2016 zum 19. Mal antreten. In den Jahren 2013-2015 gönnte sich die finanziell stark angeschlagene Rundfunkanstalt einen Pause und kann dieses Jahr auf Grund von Sponsorenhilfe wieder am ESC teilnehmen. Der bisher größte Erfolg gelang Bosnien im Jahre 2006 mit der Gruppe Hari Mata Hari und dem Lied Lejla, welches mit dem dritten Platz das Podest erreichte. Übrigens ist Bosnien eines der wenigen Länder, die das 2004 eingeführte Semifinale, immer überstanden haben. 

Der diesjährige Beitrag Bosnien und Herzegowinas heißt Ljubav je und wird performt von Dalal, Deen, Ana Rucner und Jala





Zunächst ein paar Sätze zu den Künstlern, damit man die 4 Namen auseinander halten kann. Die Cellistin nennt sich Ana Rucner, ist am ESC-Abend 33 und kommt aus Kroatien und hat nach einer flotten Internetrecherche nix am Hut mit Bosnien. Sie hat Cello studiert und mit exzellent an der Universität Zagreb bestanden und tourt nun durch ganz Europa. Fun Fact: Auf ihrer Website wird jedes Land durch das sie tourt namentlich erwähnt, Bosnien wird nicht erwähnt...

Dann haben wir den Rapper der mich von der Stimmfarbe leider an Sido erinntert, nämlich Jala. Vielleicht macht der 29-jährige einen auf Rapper, weil sein Vorname Jasmin ist, you never know. Er kommt aus Sarajevo und hat keinerlei größerer Erfolge....und keine Homepage.

Kommen wir zur Frau mit den nicht vollständig geöffneten Lidern. Dalal Midhat-Talakić, warum hat die Frau eigentlich keinen Künstlernamen? Die 34-jährige stammt ebenfalls aus Sarajevo und kann schon Erfolge im alten Jahrtausend nachweißen, außerdem heimische Top-10 Chartplatzierungen. 

Der letzte in der Reihe und der wohl bekannteste ist Deen. Der im Video etwas seltsam und schmierig wirkende Sänger, hat frisch seine Glatze poliert und schon einmal beim ESC geglänzt. 2004 trat er damals für Bosnien an, aber eher mit einem unseriösen Beitrag, dass am Ende mit dem 9. Platz belohnt wurde.




Aber nun zum Lied ljubav je. Eine Balkan-Ballade wie sie im Buche steht und überraschenderweise die einzige dieses Jahr. Wie es sich für eine gute BB (Balkan-Ballade) gehört, beginnt ein 30-sekündiges Streicherintro, ehe das Duett in Erscheinung tritt. Beim erwarteten zweiten Refrain überrascht dann ein Rapper die ruhige Stimmung. 

Jeder der Balkanpop bisher gehasst hat, wird ihn nach dem Lied immer noch hassen, jeder der ihn liebt, wird Bosnien lieben. Ich gehöre zur zweiten Kategorie. Der Refrain ist trotz Landessprache extrem eingängig und schön. Nur der Rapteil könnte beim ESC unpassend wirken, vor allem wenn es einer dieser Rapper ist, der beim Auftritt nur rumgrölt. Also hier hat Bosnien zum konventionellen eine eigene Note ergänzt und diese kommt besser an als erwartet.

Bühne wird wahrscheinlich typisch für solche Lieder sein: Streicher auf der Bühne, dezente Kleidung und die Background-Sänger sind zeitgleich die Streicher. Der Rapper wird erst ab seinem Part sichtbar sein und danach auf der Bühne verweilen. Das alles wird dann durch schöne Landschaftsbilder unterfüttert. Ich könnte eigentlich drauf wetten. Vorauf man allerdings acht geben sollte ist, wie sich Deen der Kamera gegenüber verhält. Im Video wirkt das stellenweise vom Gesichtsausdruck wie der Mann, der kleinen Kindern seine Hasen zeigen will. Dalal ist ein Vollprofi und weiß ganz genau, welche Bewegungen sie machen muss.

Ein wirklich guter Act aus Bosnien. Wir müssen uns gar nicht um die Qualichancen unterhalten, das hier ist im Finale. In diesem ist im schlechtesten Fall ein 15. Platz drin, da die Balkanstaaten da ordentlich Punkte lassen werden. Wenn nun noch Westeuropa Punkte schickt, kann das ganz schnell in die Top-5. Ein Sieg ist für mich eher unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich bei klasse Staging.

Mittwoch, 9. März 2016

Holland bleibt ganz ruhig

Hat sich der NDR eigentlich das ganze Naidoo-Gate von den Niederländern abgeschaut? Zur kurzen Erklärung: Xavier Naidoo wurde vom NDR intern bestimmt, um für Deutschland beim ESC teilzunehmen. Video auf dem ESC-Youtube-Kanal war schon hochgeladen, die Presse vorm PC. Allerdings kamen berechtigte Zweifel auf, ob eine Person, die schon öfters bei rechtsextremen Veranstaltungen auftrat oder gar Schwule mit Kindervergewaltigern gleich setzte, zum ESC(!) fahren sollte und ein ganzes Land vertreten dürfe. Der NDR sagte, man stehe hinter ihm - aber nur um ihn später hinterhältig in den Arsch zu kicken und ihn rauszuschmeißen. Der Skandal war perfekt und Babsi Schöneberger machte sich beim Vorentscheid drüber lustig.

Besser hätte es nicht inszeniert werden können, aber war es vielleicht inszeniert? Das Drehbuch erinnert stark, an Trijntje, die Holland 2015 beim ESC vertrat. Ihr Lied geriet in der ersten Probe völlig in den Hintergrund, da alle auf ihr Kleid schauten. Hier ein kleiner großer Einblick: 

Irgendein Kind muss sich wohl in ihre Garderobe geschlichen haben und dort viel Spaß mit einer Schere gehabt haben. Die ausgeschnittenen Formen lassen an Wolkenkratzer einer großen Skyline erinnern. Doch sie sind völlig schwarz. Vielleicht eine Rückblende auf die Finanzkriese, in der die Banken im Schatten ihrer Vergangenheit standen? Es bietet auf jeden Fall genug Interpretationsspielraum.

Voraus ich hinaus will ist, dass auch Trijntje nach erster Kritik an ihrem Kleid sehr stur reagierte und sagte, dass sie das Kleid auch im Finale tragen werde. Doch dann plötzlich die Distanzierung vom Kleid und am Auftritt trug sie einen zerschnippelten schwarzen Müllbeutel. Auch damals machte sich eine Powerdame darüber lustig, nämlich die Punktesprecherin der Holländer, die im Finale ihr Kleid trug!


Hier Edsilia Rombley bei der Verkündung der Punkte, sie ist übrigens Trjintjes Schwägerin:




Übrigens schied Holland 2015 im Halbfinale aus, hoffentlich geht es da Jamie Lee besser. Aber zurück zu Holland.

Denn das Küstenland darf sich damit brüsten (haha), dass es das unerfolgreichste der letzten 11 Jahre war. Bei diesen 11 Teilnahmen, stand nur 2 Mal das Finale in den Geschichtsbüchern. 2013 leitete Anouk mit dem 9. Platz die Wende für den vierfachen (Zuletzt 1975) Gewinner ein, welcher 2014 mit einen 2. Platz der Common Linnets, seinen Höhepunkt erreichte. Nun soll nach Trijntjes Absturz neue Hoffnung empor steigen.

Diese Hoffnung nennt sich Douwe Bob und beschreibt einen 23-jährigen Singer/Songwriter, der wie die letzten Jahre auch, intern bestimmt wurde und schon vorher Kontakt zu Anouk (Niederlande 2013) hatte, wie schon die Linnets und Trijntje.

Hier der Beitrag der Niederlande: Douwe Bob mit Slow down.


Douwe präsentiert einen sehr einprägsamen, radiotauglischen Beitrag, den man ohne Probleme auf einem amerikanischen Roadtrip laufen lassen könnte. Im Gegensatz zu den Linnets (2014) ist es ein fröhlicher, heller Country-Song, der wirklich keine tiefere Ebene besitzt. Aber er bleibt mit seinem kompletten Stilwechsel im Kopf. Außerdem ist sein Lied wesentlich stärker als ManuEllas (Slowenien 2016), aber diese beiden könnten frühstens im Final aufeinander treffen. Dass Country klappen kann, haben die Holländer schon einmal bewiesen, aber was einmal klappt, muss nicht immer klappen. 

Ich weiß nicht ganz warum, aber er wirkt extrem unsympathisch auf mich. Wahrscheinlich liegt das an seinem ständigen Augen zusammenkneifen und Augenbrauenchoreographie. Auf der Bühne kann das manche Zuschauer verschrecken, also möglichst selten Nahaufnahmen.

In Stockholm eignet sich das Lied perfekt für einen Barauftritt in den 50-ern in dem Niemandsland in Oklahoma. So könnte man auch die Brücke zum Video schlagen. Also das heißt eine Band, Saloon und die klischeehaften Heuballen. Anzug würde ich auch gegen Cowboy Outfit austauschen, wenn schon denn schon! Auf was sie dringend verzichten sollten, ist die Kameraführung von 2014 & 2015! Das passte 2014, zerstörte aber alles 2015. Also bitte Holland, macht euch durch das vermeintlich simpelste nicht alles kaputt!

Die Chancen stehen nicht schlecht. Zwar startet er im ersten Teil des Semifinales und er kann sich auf nahezu keine Nachbarschaftlichen Punkte verlassen, aber in Ländern wie Ungarn, Estland oder Finnland könnte er gut ankommen. Also ich leg mich von der Studioversion fest, dass er es ins Finale schafft und dort auch gute Chancen auf die linke Seite hat. Aber all das nur ohne Trijntjes Kleid...