Lisboa 2018

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Donnerstag, 17. März 2016

Der kometenhafte Aufstieg Israels

Bei Israel hört man leider Jahr für Jahr immer die gleichen Diskussionen: Warum darf das Land beim ESC teilnehmen, dass gehört doch gar nicht zu Europa! Diese Position wird seit dem Auftauchen Australiens beim ESC zum Glück immer seltener vertreten. Ich meine Europa ist nicht ganz schuldlos an der Gründung Israels. Kulturell gehört es mehr zu Europa, als so manch abgeschotteter Oststaat. Aber der ESC war ja noch nie ein Ort der politischen Reden (lach), also beschäftigen wir uns lieber mit Israel beim ESC.

Israel nimmt seit 1973 ziemlich konstant beim Eurovision Song Contest teil. Die letzte Pause nahm sich das Land 1997, ein Jahr vor dem Sieg Dana Internationals. Insgesamt konnte Israel den ESC drei Mal gewinnen und zwar 1978,1979 und eben 1998. Diesen Glanz konnte Israel nicht ganz ins neue Jahrtausend bringen. Bei den letzten 10 Teilnahmen stand das Land 5 Mal im Finale, dabei gab es eine 4-jährige Serie zwischen 2011-2014, in der nie das Finale erreicht wurde. 2015 schaffte der erst 17-jährige Nadav Guedj mit seinem 9. Platz die Wende. 

Wer es übrigens bis hier her noch nicht gemerkt hat: Ich bin ein großer Israelfan beim ESC. Eigentlich konnte sich jeder Titel der nahen Vergangenheit, in meinem Kopf nach oben katapultieren. Dabei fällt mir vor allem Mei Feingold ein, die 2014 skandalös als Vorletzte ausschied. Sie nahm es zum Glück mit Humor, ich nicht. 


Jeder ESC-Fan fragte sich natürlich, was Israel denn noch besser machen sollte. Es war ja nicht das erste Mal, dass ein sensationell guter Song aus Israel die Halbfinalhürde nicht gepackt hat. War der Hass auf die Israelis so groß? Seit 2015 wissen wir, dass es wohl einfach nur die Sprache war, die Europa verschreckt hat. Erstmals singt ein israelischer Beitrag nur auf Englisch und schon meistert man den Halbfinalkurs mühelos und schließt ihn als 3. ab. Israel haderte zwar mit diesem Schicksal, aber hat sich nun endgültig damit abgefunden, denn dieses Jahr macht man es noch einmal genau so, nur ganz anders.

Der Vorentscheidsmodus in Israel wurde schon in Deutschland erprobt und scheiterte hier grandios. Die Castingshow rising star sollte das neue Aushängeschild der Castings bei RTL werden. Allerdings wurde es bereits nach einer Staffel abgesägt, zu wenig Zuschauer. Wobei das auch nicht ganz stimmt, da die Staffel abgebrochen wurde.

Dieses Format funktioniert in Israel dagegen herausragend, vielleicht auch wegen dem tollen Namen HaKokhav HaBa. Wie in jeder Castingshow treten Künstler auf und hoffen die nächste Runde erreichen zu können. Allerdings ist die Jury keine Ansammlung aus Möchtegernpromis, sondern der Juror bist Du! Per App kannst du ihn weiter lassen oder auch nicht und wenn er eine gewisse Prozentzahl übersteigt, kommt er eine Runde weiter. Also praktisch die musikalische Form von Tinder. So fand man letztes Jahr schon Nadav, aber dieses Jahr wurden die Regeln so angeglichen, dass das Finale gleich mit den potentiellen Liedern für Stockholm stattfand. 

Sieger wurde der 29-jährige Hovi Sekulets. Für einen zukünftigen Popstar ist dieser Name natürlich unbrauchbar und er nennt sich nun Hovi Star. Wie wunderschrecklich klischeehaft. Aber wie könnte man den Gipfel des Mount Klischee erreichen? Richtig, mit dem passenden Songtitel Made of stars.

Hier der israelische Beitrag 2016 von Hovi Star Made of stars:



Damit haben wir die erste klassische Ballade im diesem Jahrgang, die sogar die Einzige sein wird. Nach den sehr ruhigen Jahrgängen 2013 & 2014 folgte ja 2015 ein ziemlich ausgeglichenes Teilnehmerfeld. Aber das dieses Jahr nur diese eine klassische Ballade und 6 weitere Balladen teilnehmen, überrascht doch. Aber wie gesagt, ist das hier die typische ESC-Ballade, die man eher aus Aserbaidschan erwartet hätte.

Generell passiert in den ersten zwei Minuten nicht viel. Er schlendert durch die Straßen Tel Avivs und das Lied ist wie die ruhige See. Aber dann gibt das Lied Vollgas und steigert sich in eine chorartige Bridge. Die zuvor sehr minimalistisch  gehaltene Instrumentation steigert sich nun auch und erhält durch das Einsetzen des Chores und des Schlagzeug eine gewisse Breite und Dramaturgie.

Aber eigentlich gewann er den Vorentscheid mit einer anderen Version des Liedes. Die deutlich tanzbarere Version wurde aber aufgrund der negativen Reaktionen abgeändert, ein vor allem taktisches Mittel. Die Originalversion war nichtssagend und wäre völlig untergegangen. Nun haben sie aber als Einzige auf das offensichtlichste Pferd gesetzt. Diese neue Version ist eine extreme Steigerung. 

Aber die neue Version wirkt wie eine verbesserte Version von Rak bishvilo (Israel 2013)



Dieses Lied ist natürlich auch extrem stark, aber einige Fehler wurden behoben. So z.B. der Synthesizer nach dem Refrain oder die fehlende Steigerung am Ende. Somit hat Israel aus seinen Fehlern gelernt und versucht nun nach den Sternen zu greifen.

Das Staging könnte aber etwas komplizierter werden. Hovi ist ein sehr extrovertierter Mensch und ich glaube nicht, dass er nur vor dem Mikro stehen will, um dort sein Lied runter zu singen. Wie immer habe ich eine brillante Idee, wie man dieses Lied gut inszenieren könnte. Der Spot nur auf ihn im ersten Vers, Klavier auch zu sehen. Dann im Refrain erscheint eine Drohne die auf ihn zufliegt, nur um dann aufs Publikum zu fliegen. Diese hat natürlich eine Kamera bei sich und nimmt somit alles auf.

Dann geht das bis zur dramatischen Bridge so weiter. Dann werden aber die Lichter des Publikums eingefangen und die Kamera fliegt dramatisch darüber. Dann etwas Nebel und Windmaschinen und man hat eine wirklich gut durchdachte Bühnenshow, die sogar zum Titel passt. Ob das mit der Drohne so realistisch ist, weiß ich nicht.

Der Vertreter Israels ist schwächer als die Jahre zuvor, aber die Umstände sind einfacher geworden. Zwar tritt man wieder in der ersten Hälfte im Semifinale an, tritt dank Feiertag aber im schwächeren an. Damit ist die Chance auf den Todesstartplatz 2 relativ gering, da kommt noch keine Ballade hin. Israel ist auf jeden Fall ein Wackelkandidat, der das Finale aber sehr bereichern würde. Die Jurys müssten ihn eigentlich auch mögen und singen kann er ja. Die politische Ebene darf man aber auch nicht vergessen, auch wenn sie nur ungern angesprochen wird. Es gibt derzeit keine neuen Nachrichten aus dem Konflikt mit den Palästinensern, daher sollte das doch eher keine Rolle spielen.

Wie so oft kommt es also auf seine Performance an. Was aber dieses Jahr auffällig ist, dass die Semifinals so spannend wie schon lange nicht mehr werden. Nur die Flüge nach Tel Aviv würde ich nicht in der Hoffnung auf den ESC 2017 buchen, das ist doch relativ unwahrscheinlich.





Mittwoch, 16. März 2016

Neue Impulse aus Schweden

Schweden ist das Bayern München beim ESC. Bisher konnte der skandinavische Staat 6 Siege verbuchen, also einen weniger als Rekordsieger Irland. Diese befinden sich aber schon seit langer Zeit nicht mehr auf Augenhöhe mit den Schweden und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis Schweden die Siege Nummer 7 und 8 holt. Vielleicht sogar dieses Jahr?

Schweden gehört zu den Großvätern der ESC-Familie, da das Land bereits 1958 teilnahm und damit in Stockholm zum 57. Mal antreten wird. In den letzten 10 Jahren hat Schweden nur einen Schönheitsfehler zu beklagen, nämlich das Jahr 2010, als es sich nicht fürs Finale qualifizieren konnte. Ansonsten stehen 2 Siege 2012 und 2015 zu buche.


Einschub: Es gibt ja bis heute die Menschen, die behaupten, dass das Blockvoting ein rein osteuropäisches Phänomen sind. Der schwedische Beitrag 2009 ist der perfekte Gegenbeweis. Das Lied qualifizierte sich aus dem Semifinale heraus als 4. Hohe Wertungen gab es aus Island, Finnland und UK. Im Finale landete die blonde Schönheit mit der Opernstimme allerdings nur auf Rang 21. Warum? Weil alle skandinavischen Länder, Großbritannien und 2 baltische Nationen im Finale waren und dadurch wählbar waren. Nun waren auch noch Norwegen und Island die klar stärksten Lieder. Also konzentrierten sich die Nachbarn auf die beiden Favoriten und Schweden (und Finnland) gingen fast leer aus. Die frühe Startnummer leistete ihr Übriges dazu. Also nicht nur einseitig denken.

Einen ausführlichen Bericht, zum schwedischen Vorentscheid gibt es übrigens hier.

Zurück zu Schweden: Dieses Jahr tritt der erst 17-jährige Frans Jeppsson-Wall für den aktuellen Dominator an. Aber jetzt das Unfassbare: Schon vor knapp 10 Jahren hatte er einen Nummer1-Hit in Schweden. Es handelte sich dabei um eine Hymne für den schwedischen Fussballer Zlatan Ibrahimovic. Also mit 6 Jahren. Hier beim Auftritt im äähm....schwedischen Fernsehgarten?


Nach diesen Erfolgen verschwand er erst Mal von der Bildfläche und kroch erst zum Melo wieder aus seinem Loch hervor. Er galt schnell als Topfavorit und gewann schließlich das Melodifestivalen, wenn auch knapper als prognostiziert.

Hier der schwedische Beitrag zum ESC von Frans If I were sorry



Zuerst einmal kann man sagen, dass der Teil ohne Musik am Anfang zu vernachlässigen ist, da dieser nicht beim ESC antreten wird. Man kann allerdings festhalten, dass Schweden dieses Jahr einen anderen Weg geht als üblich. Europop oder blondes Etwas trällert eine Ballade, das waren die typischen Beiträge.

Aber Schweden ist mal wieder am Zahn der Zeit. Diese Art von ruhiger Chillmusik ist ja in den Charts gerade ganz weit vorne, von daher war es fast erwartbar, dass Schweden wieder versucht an den aktuellen Chart Anschluss zu halten. 

Dabei ist einigen sensiblen Ohren aufgefallen, dass Frans Song angeblich gewisse Ähnlichkeiten zu einem aktuellen Chartsong aufweißt. Ich persönlich sehe jetzt keine krassen Ähnlichkeiten, es ist eben das selbe Genre. Aber es wäre ja nicht das erste Mal, dass Schweden sich von anderen Ländern, nennen wir es mal inspirieren lässt.



Das Lied verfügt natürlich auf Grund des Sprechgesangs keinen große Ambitus und das macht es schwierig, dass Lied nach einmaligen Hören zu verinnerlichen. Ich persönlich musste es mir drei Mal anhören, um es endgültig zu verinnerlichen. Aber sind die Noten erst einmal im Kopf gelangt, nisten sich diese irreversibel im Kopf ein. Seine Art Englisch zu reden soll wohl hipp und cool wirken, mich nervt sie einfach nur. Das Lied wirkt dadurch einfach kindlicher und ich kann es nicht ganz ernst nehmen. Ebenfalls ist der Text im Refrain einfach nur billig:" If I were sorry, I´d give you all the glory [..] It would be a different story". 

Aber er konnte sich natürlich deutlich vom Schwedenschlager beim Melodifestivalen absetzen, auch wegen der minimalistisch gehaltenen Bühnenshow. Er stand alleine umgeben von schwarz auf der Bühne und nur eine kleine Lichterwand stand hinter ihm. Auf dieser erstrahlten einige Schlagworte seines Liedes, die toll von der Kamera eingefangen wurden. Normalerweise kann man die Performance aus dem Melodifestivalen auch immer beim ESC vorführen, da sie normalerweise schon an der Perfektion kratzen (Ace Wilder), aber hier würde ich dringend zu einer Umgestaltung raten. 

Schweden startet im Finale von der Startposition 9, wie die Auslosung vom 14.3.16 ergeben hat. Das bedeutet, dass nach ihm noch mehr als 15 Acts folgen, er also eher Pech bei der Auslosung hatte. Also muss er irgendwie dafür sorgen, dass er in Erinnerung bleibt. Bei so einem Understatement-Song ist das eher schwierig und er müsste bei der Performance noch einige Stufen zulegen. Mir schwirrt im Kopf die Idee herum, dass er auf einem Laufband steht und die Liebesgeschichte, auf der das Lied beruht, im Hintergrund zu sehen ist. Also läuft er nochmal die Geschichte ab und denkt nach, wie es ausgegangen wäre, wenn er sich entschuldigt hätte. Das ganze gut ausgearbeitet wäre bestimmt ein gutes Gadget, wenn es bei den Zuschauern besser ankommt als Frankreich im  letzten Jahr.

Also zusammengefasst: Ein wirklich guter Beitrag von Schweden, der allerdings wegen seiner ausstrahlenden Ruhe aus der Reihe tanzt. Das Problem liegt aber im Detail: Das Lied bleibt nach dem ersten Mal hören nicht im Ohr, dazu wird mehrmaliges Anhören benötigt und der Schnelldurchlauf kann die Ruhe nicht erneut rüberbringen. Außerdem startet er relativ früh und seine Performance steckt noch in den ABS-Socken. Schweden kann meiner Meinung nach den Titel unter keinen Umständen verteidigen. Ich erwarte eine Platzierung, die ungefähr beim letzten schwedischen Heimspiel erreicht wurde. Nämlich zwischen 12 und 18.

Dienstag, 15. März 2016

Das Melodifestivalen 2016

Ach ja, am 12.03 war es wieder so weit. Das Melodifestivalen in Schweden stand wieder auf dem Plan. Der feuchte Traum jedes ESC Fans und der Vorbildwettbewerb für Vorentscheide in Europa. Der neben Litauen komplexeste Modus, fand nach 5 Wochen sein Finale in der Tele2-Arena in Stockholm.

In den 4 Halbfinals traten jeweils sieben Acts an, um einen Finalplatz zu ergatten. Platz 1 und 2 qualifizierten sich hierfür, Platz 3 und 4 kamen in die andra chansen und Platz 5-7 konnten sich schon mal auf das nächste Jahr vorbereiten. Die insgesamt 8 andra chansen Teilnehmer traten um die 4 verbliebenen Finaltickets an. Somit hatten wir 12 Finalteilnehmer. Während in den Vorrunden nur die Zuschauer entschieden, kamen nun im Finale 50% internationales Juryvoting hinzu.

 Viele neue Gesichter und einige alte Bekannte errungen einen Platz im Finale. Das Melo dieses Jahr gefiel mir nicht so sehr, wie die letzten Jahre, war aber natürlich der qualitativ hochwertigste Vorentscheid, bei weitem. Die Halle war voll, die Stimmung toll nur das Outfit der Moderatoren war oll.



Modisch waren die beiden Moderatoren eher im osteuropäischen Sphären. Ein 70-er Blumenkleid und ein schmieriger weißer Anzug, das geht besser Schweden! Die ganze Welt blickte also in eine grenzdebile Blumenvisage und auf eine aufgeschreckten Ente.



Also los geht´s mit der Einzelkritik der Acts, das war ja das wichtigste im Vorentscheid. Wobei, in Schweden liegt das eher im Bereich der optischen Fütterung. Ich möchte nur kurz erwähnen, dass ich mir keinen Song in der Studiofassung angehört habe, sondern unvoreingenommen zuschauen konnte. Also bis zum Melo-Abend keinen Song kannte.


Startnummer 1: Panetoz - Håll om mig hårt (Halt mich fest)


So stelle ich mir das Melodifestivalen immer vor: Fröhliche Melodien von fröhlichen Leuten, von denen ich kein Wort vestehe, aber trotzdem mitgröle. Die 6 haben verdammt viel Spaß auf der Bühne und ihre Choreo klappt sogar manchmal. Das Lied ist verdammt catchy und es wäre ein toller Act für den ESC gewesen, da wir so einen großen Gute-Laune-Song noch nicht vorweisen können. Um es in ESC-Punkten auszudrücken: 10/12

Startnummer 2: Lisa Ajax - My heart wants me dead (Mein Herz will, dass ich sterbe)



Eine Blonine aus Schweden singt so einen klangvollen Titel. Der Beginn gefiel mir durch die orientalischen Einflüsse sehr, entwickelte sich dann aber schnell zur Standartpopnummer. Das einzig auffällige war ihr viel zu breiter Kopf, wie kam sie durch den Geburtskanal?! Warum hängt auf der Bühne Toilettenpapier von der Decke? Und warum verdammt nochmal, braucht sie Ausdruckstänzer? Fragen, auf die wir wohl nie Antworten erhalten werden. 5/12

Startnummer 3: David Lindgren - We are your tomorrow (Wir sind dein Morgen)



Der Schlingel klaut einfach Lailas Hologramme aus Norwegen, das geht gar nicht! Der Typ ist langweilig mit dem leichten Hang zu unsympathisch. Das Lied ist typisch schwedisch, aber eben nichts besonderes. Lasershow wertet es noch einmal auf. Aber mehr als 3/12 kann ich für dieses Sammelsurium an schwedischen Musiktracks nicht geben. 

Startnummer 4: SaRaha - Kizunguzungu (Kizunguzungu)



Einen so aus ESC-Material zusammengewürfelten Beitrag hab ich lange nicht mehr gesehen. Die Dame sieht aus wie Rykka (Schweiz 2016), hat die Feuerwerkskreisel von Sofi (Bulgarien 2012) und das schlimmste ist, dass das Lied ein 1 zu 1 Abklatsch von Haba Haba (Norwegen 2011) ist. Aber es ist und bleibt ein klasse Lied, trotz all der Abzüge. 6.5/12



Startnummer 5: Oscar Zia - Human (Mensch)


Also er bräuchte für Stockholm einen Kleidungsberater. Er steht am größten Tag seines Lebens mit Jogginghose und einem zu engen schwarzen T-Shirt vor Millionen Menschen. Die Schnitte im Lied sind mir zu abrupt und dadurch geht so ein bisschen der Genuss verloren. Die Einblendungen von Wolken finde ich auch unnötig. Der Refrain spaltet, ich bin auf der "Gefällt mir nicht"-Seite. Das dieser Song sich auf die Flüchtlingsdebatte beziehen kann, erhöhte natürlich seine Chancen. 4.5/12 persönlicher Geschmack

Startnummer 6: Ace Wilder - Don´t worry (Mach dir keine Sorgen)



Bills von Lunchmoney Lewis in Schweden. Die Bühnenpräsentation war sensationell und ihre Mimik ebenfalls erstklassig. Eine Pyramide, in der in verschiedenen Feldern ihr Körper als Aufzeichnung erscheint, genial! Das Lied ist ein extremer Gute-Laune-Song und transportiert diese Stimmung super zum Publikum.  Über das Outfit kann man keine guten Worte verlieren, deshalb hier kleiner Abzug. Aber das würde den nächsten Top-5 Platz Schwedens sicherstellen. 11.5/12

Startnummer 7: Robin Bengtsson - Constellation Prize (Preiskonstellation)



Wie ich Männer mit Mundharmonika einfach nur lächerlich finde. Die Mundharmonika passt in dieses typischen Schwedenschlager einfach mal gar nicht rein. Nur so Alibi mäßig "Schaut meinen individuellen Song an, der voll des Alleinstellungsmerkmal hat" Nein, gar nicht meins. Der Refrain besteht auch nur aus 3.5 Worten. Schöne Augen, aber lieber stumm genießen. 2/12

Startnummer 8: Molly Sandén - Youniverse (Du bist mein Weltraum)



Der Vers ist genial, sowohl gesanglich als auch kompositorisch. Die Ariana Grande-Gedächtnis-Treppe am Ende des Verses stört auch nicht. Einfach mal schön, dass auch in Schweden der Schwerpunkt auf der Stimme liegen kann. Kommt zwar selten vor, aber solche Ausnahmen sind klasse. Der Refrain enttäuscht mich dann doch, genau so wie die Präsentation. Die riesige Plastiktüte am Ende gab es schon in wesentlich kreativen Variationen auf Zypern. Also sind das 6/12.

Startnummer 9: Boris René - Put your love on me (Schenk mir deine Liebe)

 

Ich mag seine Blicke in die Kamera nicht, aber das ist nur die Spitze des Eisberges. Das Lied ist extrem Nichtssagend. Es erzählt nichts, erlebt keine Steigerung, aber packt dich auch nicht von der ersten Sekunde an. Wie hat er es ins Finale geschafft? Das Lied ist alles andere als modern und lyrisch höchstens Grundschulniveau. Auch die Bühnenpräsentation war für schwedische Verhältnisse, einfach zu normal. Kein Spiel mit der Technik oder besondere Effekte. Dafür ist Schweden nicht bekannt. 1/12

Startnummer 10: Frans - If I were sorry (Wenn es mir Leid täte)



Der erst 17-jährige kann sich völlig vom Vorangegangenen unterscheiden und auch absetzen. Ein völliger Stimmungswechsel und nicht das, was Melo-Fans zu oft hören. Seine Aussprache soll wohl cool wirken, mich nervt sie. Stimmlich bewegt er sich in einer Terz und Sprechgesang, keine Beanspruchung. Das ganze Lied wirkt wie schon einmal gehört, aber ich komme nicht drauf von wem. Ein sehr eigensinniges Stück, welches wahrscheinlich öfters als einmal gehört werden muss, um geliebt zu werden. Für Schweden also nicht die beste Wahl. 9/12 

Startnummer 11: Wiktoria - Save me (Rette mich)



Diese Haare *,* Der Country Beginn ist durch die Synkopierung wirklich perfekt, der geht nicht besser. Im Refrain eine tolle Steigerung und sehr, sehr catchy. Stimmlich dieses Jahr mit Molly klar die Beste. Der Refrain besteht übrigens aus mehr als 3 Worten, eine Seltenheit in Schweden. Die Bühnenshow hat natürlich so einen Bart beim ESC, aber war deutlich weiterentwickelt. Passend war sie nicht wirklich und dadurch ging die Stimmung etwas verloren, da sie sich kaum bewegen konnte. 11/12

Startnummer 12: Samir&Viktor - Bada nakna (Nacktbaden)


Der Sunnyboy und der Bad-Boy. Die Verse sind mit Abstand die schlimmste Liveperformance aller Zeiten. Im Refrain geht es noch. Aber mittlerweile gilt bei Männern auch: Mehr Haut, mehr Votes. Im Refrain sagt die Computerstimme Mistgeburten? Wieso Schweden, wieso? So kann man doch kein Melodifestivalen abschließen. -1/12

Also mein Abschlussranking:
1. Ace Wilder - Don´t worry 11.5/12
2. Wiktoria - Save me 11/12
---------------------------------------------------------------------wäre super-----------------------------------
3. Panetoz - Håll om mig hårt 10/12
4. Frans - If I were sorry 9/12
-------------------------------------------------------ab hier bitte abschneiden-------------------------------
5. SaRaha - Kizunguzungu 6.5/12
6. Molly Sandén - Youniverse 6/12
7.  Lisa Ajax - My heart wants me dead 5/12
8. Oscar Zia - Human 4.5/12
9. David Lindgren - We are your tomorrow 3/12
10. Robin Bengtsson - Constellation Prize 2/12
11. Boris René - Put your love on me 1/12
12. Samir&Viktor - Bada nakna -1/12

Dann kamen wir zum Voting, dass genau so vorgestellt wird, wie das neue ESC-Voting. Nur mit dem Unterschied, dass hier eben nur 10 Jurys befragt werden. Das von den Buchmachern versprochene deutliche Ergebnis, zeigte sich nicht nach dem Juryvoting.


Für mcih überraschend führte Oscar, allerdings mit nur einem Pünktchen vor Topfavorit Frans. Ace war mit 6 Punkten Rückstand auch noch dabei, Wiktoria hatte nur noch Außenseiterchancen. Für den Rest war schon jetzt klar, dass es nichts mehr wird mit dem Sieg. Es freute mich übrigens sehr, dass Samir&Viktor 0 Punkte auf dem Konto hatten. 

Das Televoting gewann: FRANS! Damit siegte er mit 156 Punkten vor Oscar (132) und Ace (118).

Was ich von Frans als Sieger halte kann man hier nachlesen. 

Montag, 14. März 2016

Mit Vollgas gegen die montenegrinische Wand

Was ist logisch, wenn man bei einem Wettbewerb antritt, indem die Zuschauer als große Masse den Sieger küren? Natürlich ein Lied, dass die meisten Menschen packt, Nischenmusik eignet sich hierzu aber nicht. Eine Lektion, die ausgerechnet in Montenegro wohl nicht ganz verinnerlicht wurde. Montenegro versucht die Ausnahme der Regel zu werden, dass Rock beim ESC nicht funktioniert. Ein ambitioniertes Ziel, für den kleinen Balkanstaat.


Montenegro war ja schon Bestandteil von Jugoslawien und von Serbien-Montenegro. Wir betrachten nun einmal nur die Geschichte Montenegros als eigenen Staat. Das hat zur Folge, dass die erste Teilnahme sich auf das Jahr 2007 datieren lässt. In den Jahren 2010 und 2011 gönnte sich das Land eine finanzielle Pause. Montenegro nahm also bisher 7 Mal teil. Während die ersten Jahre sehr unerfolgreich liefen, konnte sich Montenegro in der jüngeren Vergangenheit zumindest einmal stabilisieren. 2015 war dabei das erfolgreichste Ergebnis aller Zeiten, mit einem 13.Platz von Knez. Allerdings ist das nicht so schwierig, bei bisher nur 2 Finalteilnahmen, ihm eingeschlossen. 
Der ESC Gott scheint dem Land auch eine Art Auftrag gegeben zu haben: Gibt mir Balkanpop, sonst sündigt ihr! Diese These wird vom Fakt unterstützt, dass Montenegro mit Balkanpop eine 100% Qualifikationsquote hat. Bei ausnahmslos allen anderen Musikstilen wie HipHop, Pop oder Rock besitzt Montenegro eine sagenhafte Qualifikationsquote von sage und schreibe 0%. 
Somit sollte der Auftrag für die Rundfunkanstalt RTCG klar sein. Ein Balkansong muss her. Dieser wäre beliebt bei jeglichen Nachbarn und bei guter Qualität, könnten sogar noch andere Länder dafür voten. Den ersten Schritt machte RTCG, da sie einen Interpreten und ein Lied selber bestimmen wollten. Die Tür war da. Allerdings haben sie es nicht geschafft, die Tür, welche man ziehen muss, aufzubekommen. Also der letzte Weg? Mit roher Gewalt dagegen drücken

Für Montenegro tritt dieses Jahr die Formation Highway an. Die 4-köpfige Männergruppe konnte bei X-Faktor Adria den 4. Platz erringen, allerdings noch zu 3. Die Urmitglieder heißen Peter Tošić, Marko Pešić und Luka Vojvodić. Nähere Infos zu den Dreien konnte ich nicht finden, aber immerhin das Alter von Marko und Luka. Nämlich 21, nach eigenen Angaben. Aber offenbar war die junge Truppe dem nationalen Fernsehen nicht erfahren genug und sie fügten noch eine 4. Person zur Gruppe hinzu. Nämlich Bojan Jovović. Der laut dieser Quelle 31-jährige besitzt die nötige ESC-Erfahrung, um die drei Kücken ruhig zu brüten und entwickeln zu lassen. 
2005 nahm er, damals noch für Serbien-Montenegro, mit der Gruppe No Name am ESC teil und konnte mit dem Lied Zauvijek moja einen 7. Platz einfahren.


Hier das Video seiner Teilnahme 2005


Hier unten der Beitrag Montenegros The Real Thing von Highway

Das ist definitiv kein Balkanpop und kein balkantypischer Song. Schon das Anfangsriff macht deutlich, dass wir es hier mit schwerem Rock zu tun haben. Die Verse sind sehr zurückgenommen, haben sogar was von Coldplay. Der Refrain eignet sich super zum Headbangen, hab leider nicht die geeigneten Haare dafür. Der nächste Vers ist durch einen deutlichen Cut vom Refrain abgetrennt und wieder sehr ruhig. Allerdings steigert es sich diesmal etwas früher und das Headbang-Thema erscheint erneut. Für eine Bridge reicht es zeitlich nicht mehr, so besitzt das Stück zwar keine Steigerung, aber es beginnt ja auch schon auf großer Höhe.

Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass wir hier eines der besten Lieder des Genres Heavy Metal hören, dass es beim ESC jemals gab. Bei einem der großen Festivals würden sie als No Names nicht untergehen, da das Stück wirklich klasse ist. Mir gefällt es sehr, obwohl ich eigentlich nicht viel mit dem Genre anfangen kann. Der Refrain bleibt im Kopf hängen und ich mache sofort die Headbang-Bewegung, ist das normal? 

Hier ist aber wie gesagt das Problem: Rock (Metal) funktioniert beim ESC nicht! Das Lied mag großen Anklang bei den Fans der Musikrichtung finden, dennoch bilden diese nur einen Bruchteil des allgemeinen Musikgeschmacks. Ein Poplied hat es da einfacher. Wenn ich einen bayrischen Schlager komponiere, werde ich bestimmt eine super Rückmeldung einiger hinterwäldlerischer Bayern bekommen. Die Deichkinder werden mich allerdings mit Schrotflinten jagen. So ähnlich ist es hier eben auch. Ansprechend für Leute, die die Musikrichtung ohnehin lieben, abturnend für Menschen mit  Mainstream Geschmack.

Ein weiteres Problem könnte die Livestimme darstellen, aber nicht auf Grund der Töne. Ihr Akzent ist extrem stark ausgeprägt, also das Englisch ist kaum verständlich. Natürlich passt das dann auch irgendwie wieder zu dem aggressiven Song, Osteuropäer und Vorurteile. Stimmlich auch nicht gerade glänzend sind sie bei diesem Auftritt.


In Stockholm erwartet und wohl eine ziemlich düstere Performance, mit sehr viel Stroboskop. Dunkle Gestalten und Tänzer, vielleicht ein paar Lasereinlagen. Meine persönliche Idee wäre ein leuchtender Handschuh. Dieser umfasst das Mikro im Ständer und dient als einzige Lichtquelle im Vers. Text ist inside you. Also in dir ist des Licht. Das wäre mal mein Vorschlag. Im Refrain dann jegliche Geschütze ausfahren, die Stockholm zu bieten hat. 


Die Zeichen der Zeit stehen gegen Montenegro, trotz super Lieds. Die Balkanhilfe aus Bosnien und Kroatien wird ebenfalls geringer ausfallen, als mit Balkanpop.Highway wird auf der Schnellstraße die Ausfahrt vor dem Finale nehmen und dadurch Zuschauer in eben diesem sein. Letzter wird man nicht, dafür werden die Nachbarn schon sorgen und San Marino ist ja auch in dem Halbfinale, aber sie sind mit Nischenmusik einfach nicht fähig, eine Mehrheit zu bedienen. Dadurch ist Montenegro einer der wenigen Beiträge, die man schon im Vorhinein vergessen kann.

Montenegro scheint aus den Fehlern der Vergangenheit einfach nicht zu lernen, warum setzen sie nicht einfach immer auf Balkanpop?! Sie haben damit nur  positive Erfahrung gemacht, mit Rock nur schlechte. Der ESC-Gott wird auch dieses Mal alles im Gleichgewicht halten und dafür sorgen, dass Montenegro ohne hörbare Heimatverbundenheit, das Finale nicht erreichen wird. Da hilft auch kein Beten.

Sonntag, 13. März 2016

Russland rüstet mit Schlager auf

Eine der größten Überraschungen der Liedvorstellungen war das erste Hören des russischen Beitrags. Keine heuchlerische Friedensballade? Was macht denn Mother Russia da?

Anscheinend haben die beiden russischen Rundfunkanstalten kapiert, dass solche Lieder ausgerechnet aus Russland nicht besonders glaubwürdig sind. Der Erfolg beim ESC blieb natürlich nicht aus, die Lieder waren ja nicht schlecht. Aber durch einen Einmarsch in andere Länder und ein zeitgleiches Singen von Frieden, wird nicht gerade das ohnehin schon schlechte Bild Russlands gestützt. Vielleicht ist das der Beginn einer Image Kampagne, zumindest beim ESC, denn weltpolitisch sieh es nicht so aus, als ob Russland bald von Westen gelobt wird.

Russland stieß 1994 zum ESC, nachdem die UdSSR nie beim ESC teilnahm. Das größte ESC-Land hatte eine mittelmäßige Bilanz im alten Jahrtausend, der in einem neunten Platz (1994) gipfelte, die in vielen Niederlagen ausgedrückt wurden. Eine nicht erfolgreiche Qualirunde(1996), 1998 waren sie nicht teilnahmeberchtigt und 1999 setzten sie aus. Ab dem Jahre 2000 starteten sie eine beispiellose ESC-Serie. Ich lass es mal in Zahlen stehen: 16 Teilnahmen, 16 Finalplatzierungen besser als Platz 17, 15 Top-15 Platzierungen, 10 Top-10 Platzierungen, 7 Podestplätze und 1 Sieg. Besser geht nicht.

Nun also die Abkehr von 2013-2015, in denen weibliche Engel für Frieden sangen, hin zu einem männlichen Interpreten, der einen politisch belanglosen Song beisteuert. 

Der intern ausgewählte Sergej Wjatscheslawowitsch Lasarew wird nun also für Russland antreten. Alle Pressestellen können aufatmen, er lässt seinen ersten Nachnamen weg und nennt sich Sergey Lazarev. Der am ESC-Abend 33-jähige wurde in Moskau geboren und ist außerdem als Schauspieler tätig. Er nahm bereits 2008 beim russischen Vorentscheid teil, indem er den 4 . Platz erreichte. Seit dem erhielt er große Unterstützung aus ESC-Fankreisen. Nun also endlich die Teilnahme Lazarovs, welcher mit folgendem Lied teilnehmen wird.


Hier Russlands ESC-Beitrag von Sergey Lazarev You are the only one:



Zunächst zum Lied. Der Beginn wirkt etwas sperrig, da der klare Beat fehlt und nur durch elektronische Einsetzer seine Stimme begleitet wird. Sobald der Beat einsetzt wird es zum typischen Upbeat-Song, ohne Ecken und Kanten, aber auch ohne das gewisse Etwas. Der Refrain ist relativ einprägsam, jedoch kein Ohrwurm. Die Streicher im Refrain unterstreichen die Atmosphäre, aber wirklich zu etwas Besonderen machen sie das Lied nicht. In der Bridge nimmt sich das Lied etwas zurück, nur um im letzten Refrain den typischen ESC-Key change durchzuführen.

Insgesamt ist dieses Werk ein durch und durch erwartbares. Vor allem die Bridge findet man in jedem zweiten amerikanischen Popstück wieder. Innovation ist kein russisches Wort. Dennoch ist der Beitrag sehr stimmig und grundsolide, was sehr vielversprechend ist. Lyrisch ist es natürlich kein Meisterwerk z.B. thunder and lighting its getting exciting Die Definition des Wortes Zweckreim.

Aber der wesentlich interessantere Teil ist das Video. Die 3D-Projektionen in seinem Video sind natürlich außergewöhnlich und werten das Lied unglaublich auf. Aber geht das auch in Stockholm?

Man müsste die Wände selber in Stockholm aufbauen, dazu den Boden. Also insgesamt 4 Einheiten, die genau an einem Ort stehen müssen und das alles in dreißig Sekunden. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass er in Stockholm diesen Aufwand betreiben kann und sein ganzes Set auf die Bühne schleppt. Dann müsste er eine andere super Methode finden, das Lied zu verbessern. Denn an sich ist es kein Gewinnerlied, das war Schweden 2015 aber auch nicht. 

Semifinale kann man seinen Kopf auf einen lockeren Durchlauf verwetten. Ebenso der Top10-Platz. Russland kam schon 2010 mit dem wohl schlimmsten Lied aller Zeiten auf den 11.Platz. Dieses Lied ist wirklich gut, mit der Show sogar sehr gut. Die Chancen auf einen Sieg stehen sehr gut, aber er muss auf jeden Fall über die Show kommen. Er ist Schauspieler, dass sollte kein Problem sein. Aber die Prognose fällt in einem so ausgeglichenem Jahrgang sehr schwierig.



Samstag, 12. März 2016

Ralph Siegel hat das sinkende Schiff SS San Marino verlassen

Die ganze ESC-Welt wurde erschüttert, als bekannt wurde, dass the godfather of grand prix, Ralph Siegel, dieses Jahr nicht das Lied für San Marino komponieren würde. Diese Schockstarre endete darin, dass er mit seinem Beitrag sogar 4. im deutschen Vorentscheid wurde, natürlich nur aus Mitleid. Denn je öfters wir uns einreden, dass alle Siegel-Lieder scheiße sind, desto wahrer wird es. Aber San Marino gewährte dem Geflüchteten keine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis. Aber wer soll es nun für das von Italien ummantelte San Marino richten, nachdem jetzt auch neben der Fan-Favoritin Valentina Monetta, Ralph Siegel verjagt wurde? Die Antwort: Ein weiterer Geflüchteter.

San Marino gab sich 2008 zum ersten Mal die Ehre beim ESC teilzunehmen und wurde dafür belohnt! Und zwar mit 4 Pünktchen im Semifinale. Den Kummer ertränkten die San Marinesen in Rotwein und verbrassten ihr Geld im Casino. Dadurch hatten sie allerdings nicht genug Geld für die nächsten Teilnahmen und sie schmollten bis 2012. Dann begann die  dreijährige Symbiose des Siegels und der Monetta. Diese begann zunächst schwach, (2012: Semifinale: 14/18) steigerte sich dann stark aber nutzlos (2013: 11/17) und gipfelte 2014 in der puren Eruption des Glücks. San Marino gelang der Einzug ins Finale! Der Tag des Halbfinals, der 6. Mai gilt seither als der Nationalfeiertag des Zwergenstaates. Am Ende gewann die Perle Monetta den 24. Platz und das beweißt die Existenz einer Gottheit!


Hier Maybe von Valentina Monetta 2014:


Valentina kündigte im selben Jahr ihren Rücktritt vom aktiven ESC-Geschehen ein (schließt nicht die Aufgabe als Spokesperson aus) und Ralph Siegel blieb Marino treu. 2015 allerdings die Entlassung nach einem schwachen Beitrag und dem vorletzten Platz im Semifinale.

Die Lösung dieses Machtvakuums fand SMRTV nicht in San Marino. Ebenfalls nicht in Italien. Sie fanden es in.......der Türkei! 

Der Mann der Hoffnung heißt Serhat, 51 Jahre jung und geboren in Istanbul. Der Moderator und Produzent besuchte übrigens auch die deutsche Schule in Istanbul, also müsste er doch sogar deutsch sprechen können. Seine musikalische Karriere ist sogar relativ erfolgreich, da er sogar 5 Wochen auf Platz 1 der deutschen Black DJ Charts stand. Er ist eher für Upbeat-Songs bekannt, vollzieht für den ESC einen krassen Wechsel.

ACHTUNG!!! veraltete Version!!! Hier Serhat als Repräsentant San Marinos 2016 mit dem Song I didn´t know:



Jeglicher Kommentar hierzu ist unnütz. Wenn es wenigstens lustig gemeint wäre, aber Serhat bekräftigt die Ernsthaftigkeit des Liedes. Für alle Siegel-Kritiker: DAS hier ist schlimmer als ein 34 Stunden Siegel-Marathon. Der Akzent, die Komposition, das Video,.. Das ist alles schrecklich!

Meine persönliche Lieblingsstelle:I got to pee inside your mind. Eventuell war be gemeint, aber er singt eindeutig pee.

Ich wünsche San Marino zumindest eine schöne Bühnenshow, auf einer Südseeinsel würde zum Video passen. Oder vielleicht auch ganz anderes. Es ist auch egal, denn aufwerten kann man dieses Stück musikalischen Erbrochenes nicht. 

San Marino wird den letzten Platz im Semifinale konkurrenzlos erreichen. Und wir können nur hoffen, dass Ralph Siegel, als abgetrennter Kopf, den Körper San Marino wiederbeleben kann, denn dieses Werk stinkt zum Himmel.


UPDATE 21.03.16: "Wenn es wenigstens lustig gemeint wäre, aber Serhat bekräftigt die Ernsthaftigkeit des Liedes" So lautet ein Satz aus meiner Bewertung seines Liedes. Aber San Marino zeigt einmal mehr, dass es sehr eng verbunden mit den ESC-Fans ist. Nach dem die Beurteilung seines Werkes so unglaublich schlecht war, nahm sich San Marino eine von Fans gestartete Aktion zu herzen. In dieser forderten sie, dass Serhat eine Discoversion seines Stückes aufführen solle. Diese Version landete auch schnell im Internet und San Marino sorgte heute für den Paukenschlag: Tatsächlich hat San Marino bei der EBU angefragt, dass Lied noch einmal nach Fristende zu tauschen. Die EBU musste ja sowieso auf Grund des neuen, aus Sicht San Marino´s, unfairen Votingssystems, etwas bei San Marino gut machen und so gaben sie der Bitte statt.

 

Jetzt kann man kaum noch böse Worte verlieren, nicht weil das Lied nun qualitativ toll ist, sondern weil es sich selbst auf die Schippe nimmt, nach der Vorgeschichte erst recht. So haben wir also doch unseren ersten Trash-Act - und ich find es toll! Fürs Finale wird das auf gar keinen Fall reichen, aber der letzte Platz ist nun in weite Ferne gerückt. Toll das San Marino auf das Fanecho gehört hat und dadurch ein enormes Plus bei den Fans bekommen hat. Wenn es nun noch richtig schön klischeehaft aufgeführt wird, bin ich total happy. Das Video ist übrigens aus einem anderen Lied zusammengeschnitten. 

Toller Schachzug von San Marino, aber das Finale wird natürlich nicht erreicht werden.


Kaliopi für Mazedonien...mal wieder

Ist da niemand anders mehr, dann kommt die Kaliopi daher. So oder so ähnlich läuft das in Mazedonien. Dem kleinen Binnenland gehen offenbar die Künstler aus und so bedient man sich an der alten Bekannten, die sich das natürlich nicht zwei Mal sagen lässt. Schon zum dritten Mal wird sie nun Mazedonien vertreten und man könnte meinen, dass es die mazedonische Musikbranche gar nicht gibt. Aber dazu sag ich gleich noch was.

Mazedonien nimmt seit 1996 beim ESC teil. Wer war der erste Teilnehmer? Richtig, Kaliopi. Danach folgten relativ durchschnittliche Jahre, die 2006 mit dem 12.Platz im Finale gipfelten. Ab 2007 begann der tiefe Fall. Von 2008-2011 und 2013-2015 konnte sich kein Teilnehmer Mazedoniens für das Finale qualifizieren. Aber wer durchbrach diese schwarze Serie 2012? Richtig, Kaliopi. Nun soll es die gestandene Dame wieder richten und um sicher zu stellen, dass sie auch nach Stockholm fährt, gab es keinen nationalen Vorentscheid.

Denn im letzten Jahr sorgte das Skopje Festival für die Bestimmung des Acts. Aber das Festival 2014 (fand im November statt, daher trat der Act 2015 auf) endete mit einem riesigen Skandal. Die haushohe Favoritin wurde gestürzt und der Außenseiter Daniel Kajmakoski gewann überraschend. Die Polizei nahm allerdings wegen des Verdachtes auf Betrug die Ermittlungen auf und fand ganz, ganz viele Prepaid Karten, von welchen oft angerufen wurde. Aber Daniel´s Sieg wurde nicht verhindert, bzw. anuliert. Die Quittung für das schlechtere Lied erhielt Mazedonien am ESC-Abend, als sie als Vorletzter aus dem Halbfinale ausschieden. 

Wer nun glaubt, Kaliopi sei die einzige Person, die halbwegs gute Musik in Mazedonien machen kann, der irrt sich. Hier zwei Beispiele aus jenem Skopje Festival Jahrgang, indem Daniel gewann.

Hier Viktorija Loba mit ihrem packenden Edna edinstvena


Und hier das wohl beste Lied das Mazedonien seit 2012 gesehen hat. Brod sto tone von der wunderbaren Tamara Todevska, Schwester von Tijana (Mazedonien 2014)



Also man sieht, dass Mazedonien letztes Jahr nur wegen eines nationalen Betrugs nicht das Finale erreichte. Aber jetzt die heilige Kaliopi. Die 49-jährige tritt also mit ihrer unglaublich rockigen Stimme zum dritten Mal für Mazedonien an. Hier Impressionen ihrer letzten beiden Auftritte.

1996 mit samo ti



2012 mit crno i belo und dem 13.Platz



Diese kraftvolle Stimme hat ihr bei den ESC-Fans einen exzellenten Ruf eingebracht und auch ihre souveräne Art Interviews zu führen. Sie ist die aktuelle ESC-Diva und daher liebt sie jeder. Wie im Jahre 2012 schrieb auch ihren 2016-ner Beitrag ihr Ex-Mann Romeo Grill.

Hier der mazedonische Beitrag 2016 von Kaliopi Dona:




Für die stolze Mazedonierin steht außer Frage, dass sie in mazedonisch singt. Der sehr balladenhafte Beginn endet in einem lauten, rockigen Refrain. Dieser erinnert an die Rockmusik aus den 80-ern in Italien, wirkt nichtsdestotrotz aber zeitlos und wunderschön. Die Streicher unterstützen das ganze Lied eher im Hintergrund, bis auf ihr Solo nach dem ersten Refrain. Das Ende ist wieder ruhig und nachdenklich wie der Beginn.

Das Lied strahlt durch seinen starken Refrain, der gerade in Italien gut ankommen sollte. Bei Kaliopi muss man aber immer bedenken, dass sie sich auf der Bühne unheimlich steigern wird. Die Studioversion von crno i belo ist auch um Klassen schlechter als ihre Live-Performance. Für die jüngeren scheint das Lied sehr outdated zu sein, aber beim durchschnittlichen, zufälligen ESC-Zuschauer kann das hier wirklich zünden.

Eigentlich kann man eine abgeschwächte Version ihrer Show von 2012 auch für diesen Song benutzen. Kein Schlagzeug und E-Gitarre, dafür mehr Streicher und schon hat man eine gute Performance. Kaliopi glänzt durch ihre Stimme und braucht kein albernes Rumgehampel um eine klasse Show abzuliefern. 

Kaliopis Ziel ist das Finale. Im zweiten Semifinale sind viele Länder, in denen Kaliopi ebenfalls erfolgreich ist und daher kann man von einer Finalqualifikation ausgehen. Ob sie an 2012 heran kommt bezweifel ich, da ich Dona doch etwas schwächer finde. Aber unterschätzt Kaliopi nicht! Mit ihrer Gesangsleistung MUSS sie bei den Jurys abräumen und kann den Fluch Mazedoniens ein zweites Mal brechen.