Lisboa 2018

Lisboa 2018

Montag, 7. März 2016

Polen verweigert Sieg

Schon bei den letzten Wahlen in Polen konnte ich mein Unverständnis kaum in Worte fassen. Warum katapultiert sich ein Land freiwillig politisch und demokratisch ins Mittelalter zurück? Auch vor den Rundfunkanstalten hat die ekelhafte dreckige Made, auch Ministerpräsidentin genannt, keinen Halt gemacht und starke Kontrollen durch Staatsbedienstete erhoben. Das alles hat auch auf Polen beim ESC Auswirkungen, so viel, dass sogar schon von einem Rausschmiss aus der EBU geredet wurde. 

Aber fangen wir mal mit der jüngeren ESC-Geschichte Polens an. 1994 erstmals dabei wird es in Stockholm die 19. Teilnahme sein, da man in den Jahren 2000 und 2002 auf Grund eines schlechten Fünf-Jahres Durchschnittwertes aussetzen musste und 2012 & 2013 nicht am ESC teilnahm. Bei den letzten 10 Teilnahmen erreichten sie 4 Mal das Finale, auch in den vergangenen 2 Jahren, was letztes Jahr wirklich unverdient überraschend war. Polen erreichte seine beste Platzierung im Debütjahr als 2. Die Top-10 wurden danach nur noch 1 Mal erreicht (2003). 

Dieses Jahr war die Chance für Polen auf den Sieg da, so groß wie lange nicht mehr, aber dazu gleich.

Zum ersten Mal seit Polens Rückkehr 2014 gab es einen Vorentscheid. der von der polnischen Regierung gefordert wurde. In diesem 9-Act großen Feld, wurde demokratisch wie Polen nun mal ist (lach), nur per Televoting entschieden.

Die Qualität des Vorentscheids war allerdings verdammt gut. Die Bühne war sehr modern und mit vielen LED-Screens ausgestattet. Die Vorberichte zwischen den einzelnen Act behandelten die ESC-Beiträge der anderen Länder, sogar relativ ausführlich. Und das Feld war auch stark besetzt, mit Castingshow-Gewinnern oder ehemaligen ESC-Interpreten. Nur der Moderator wirkte etwas unterkühlt und hat in dem gesamten Vorentscheid keine Miene verzogen, geschweige den geblinzelt. 

Polen stand bis zu diesem verhängnisvollen Samstag unangefochten auf Platz 1 der Wetten. Ja, es gibt einige Menschen, die schon vor der Auswahl des Acts, auf ein Land setzten. Normalerweise befindet sich Polen in solchen Wetten immer weiter hinten, da man von anderen eine höhere Erwartungshaltung an den Sieg hat (Schweden, Russland, Aserbaidschan). 

Aber warum war Polen so weit vorne? Die Erklärung beinhaltet 8 Buchstaben: M A R G A R E T. Moment wer? Jetzt macht´s gleich Klick:



Die Erzeugerin des Ohrwurms von 2013 trat nun also beim polnischen ESC Vorentscheid an. Als sie dann ihr Lied cool me down veröffentlichte, schoss Polen auf Platz 1. Das hätte der Sieg sein können, aber die polnischen Zuschauer entschieden sich anders.

Fun-Fakt am Rande: Die sooo demokratische Regierung hat jedes Video auf Youtube blockiert, dass den Vorentscheid zeigt, der europaweit frei empfangbar war und nun als einziger auch auf der ESC-Homepage fehlt. Wie gesagt, tolle Regierung! Hier auf dailymotion gibt es die Studioversion.



Den Vorentscheid gewann am Ende völlig überraschend Michael Szpak. Jetzt bitte nicht falsch verstehen: Er ist ein super Sänger und es wird durch seine Erscheinung nicht langweilig, aber den Sieg hat man dadurch verschenkt. 

Also hier der polnische Act für den ESC 2016 in Stockholm: Color your life


Die Ballade ist sogar so eine ziemlich gute und ich würde es nicht bezweifeln, dass er damit 1994 gewonnen hätte. Das Erscheinungsbild bleibt im Kopf und als The Voice Teilnehmer kann er auch super singen. Die Komposition ist durch die oh oh Stellen auch gut einprägsam, wie gesagt allerdings etwas altbacken. Den typischen key chance am Ende übersteht er auch super. 

Inszenierung in Stockholm würde ich zu Beginn nur mit Spot machen. Ab Refrain dann sehr farbenfroh, passend zum Titel. An der englischen Aussprache bitte auch arbeiten und etwas dramatischer darf er dann auch noch schauen ;). So im nachhinein muss ich zugeben, dass es hätte schlimmer kommen können, aber der Sieg ist damit nicht zu schaffen. 

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass er rausfliegen wird. Aber mein Bauch ist noch hungrig auf Margaret und ist deshalb ihm gegenüber negativ eingestellt. Also er kann die Finalqualifikation schon schaffen, aber die Tatsachen, dass nicht alle direkten Nachbarn in seinem Halbfinale sind und er im ersten Teil startet, sprechen dann doch eine andere Sprache. Aber er wird so heiß auf seinen Auftritt sein, dass nicht einmal Wasser ihn abkühlen könnte, grrrrrr....


UPDATE 13.03.16: Gerade erschien das offizielle Video zum Song. In diesem wird nochmal die klasse Livestimme von Michael unterstrichen, da es nahezu identisch klingt. Nur an der englischen Aussprache hat man hier etwas gearbeitet, aber es sollte im Rahmen des Machbaren sein, ihm bis Mai das th beizubringen.





Sonntag, 6. März 2016

Schweizer ESC-Sprichwort: Was einmal klappt, klappt auch ein zweites Mal

Ach ja, der Schweizer Vorentscheid liegt nun zwar schon eine Weile zurück (13.02.16) aber in dem ganzen Trubel um den Super Saturday ging das irgendwie unter. Aber jetzt ist die Schweiz dran!

Die Schweiz war ja 1956 das erste Land, welches den ESC gewinnen konnte. Ein zweites Mal schaffte das 1988 eine kleine, heute unbedeutende Kanadierin, nämlich Céline Dion, aber zu der kommen wir später. Die Bilanz der letzten 10 Jahre ist ähnlich ernüchternd, wie der aktuelle Frankenkurs. 7 Mal im Halbfinale ausgeschieden, im Finale 1 Mal Letzter und die beste Platzierung der letzten 22(!) Jahre erreichte Sebalter 2014, als 13. Der Glanz ist den Schweizern völlig abhanden gekommen und die Qualifikation fürs Finale ist schon zu einer Art Sensation geworden.

Wie eigentlich jedes Jahr, veranstaltete die Schweiz einen öffentlichen Vorentscheid. Nun ist es in dem 3-Sprachen-Land etwas schwierig, fair zu entscheiden, wer denn an diesem Vorentscheid teilnehmen darf und genau deswegen wurden die 6 Startplätze folgendermaßen zusammengesetzt. 3 Songs werden vom deutschsprachigen Sender auserwählt, 2 vom französischsprachigen und einer vom italienischsprachigen. Der Deutschsprachige Sender lädt übrigens auf seiner Website alle eingereichten Titel hoch und lässt die Welt abstimmen, wer nun ins Finale soll. Da sind so manche amüsante "Perlen" dabei. Die anderen beiden Anstalten machen das alles intern. Und am Ende haben wir 6 Starter.

Die eigentliche Show läuft relativ simpel ab. Jeder singt sein Lied und einen frei ausgewählten Coversong, um seine musikalische Genialität zu beweisen oder eben genau das Gegenteil. Das Publikum stimmt dann ab und diese Stimmen werden dann im Verhältnis 1 zu 1 mit den Wertungen der Jury verrechnet. 

Mich hat etwas gewundert, dass man Mélanie René in die Jury setzte. Das war diese Frau.



Die aller, aller Letze des ESC´s 2015 sollte also Mitentscheiden, wer die erfolgsversprechendste Wahl für die Schweiz ist. Wir reden von der Frau, die sage und schreibe 0,328% der Gesamtstimmen erhielt. Ich möchte nicht spotten, aber die ÖDP erlangte bei der Bundestagswahl 2013 auch 0,3% der Stimmen und die fragt auch keiner, wenn es um die politische Zukunft eines Landes geht! Aber in der Schweiz ist das offenbar möglich. 

Aber nun wirklich zum Vorentscheid! 

Dieser war nicht wirklich hochklassig, aber wirklich ertragbar. 2 Lieder konnten sich etwas absetzen. Das eine war voller aufgeblasener Einhörnern in denen Männer steckten und die spätere Siegerin.

Rykka heißt die lockige Blondine, die mit ihrem Lied the last of our kind für die Schweiz beim ESC antreten wird.



Rykka wurde in Vancover, also Kanada, geboren. Außerdem ist sie dort aufgewachsen. Ach ja und sie lebt dort bis heute. Mit der Schweiz verbindet sie anscheinend ihre genetische Herkunft, aha. Damit hat sie mehr mit der Schweiz zu tun, als Céline Dion. Aber es verbindet die Beiden doch relativ viel. Das gemeinsame Heimatland und die Tatsache, dass beide nach unerfolgreichen Schweizer ESC-Jahren auserwählt wurden. 

Der Song ist eine Midtempo Ballade mit einem starken Refrain, wenn dieser richtig gesungen wird. Kompositorisch ist es wirklich großes Kino, der Spannungsaufbau zum Refrain ist klasse geglückt und in diesem explodiert alles. Der Text ist an einigen Stellen etwas notgedrungen oder es werden Zweckreime benutzt: "And its stronger, stronger than water"  Aber Lyrics spielen beim ESC keine Rolle. Der typische Tonartweschsel zum Schluss ist ein weiteres Spannungselement. 

Stimmlich muss sie einige Klassen zulegen, denn das was sie beim Vorentscheid "geleistet" hat, war wirklich schrott. Interessanterweise hat sie die komplexe Bridge gesanglich relativ gut rüber gebracht, also sie kanns doch!

Ein klares Konzept für Stockholm hab ich auch noch nicht im Kopf, aber sie muss weg von diesem Engelsoutfit. Der Song dürfte düster präsentiert wahrscheinlich besser ankommen als eine ganz in Weiß getunktes Etwas. Die Frisur sollte dann auch geändert werden. Aber all diese Gedanken sind müßig, solange sie ihre Stimme nicht in den Griff bekommt. 

In Stockholm kann das bei guter Leistung fürs Finale reichen, aber den Umbruch für die Schweizer ESC Zukunf wird sie auch nicht schaffen. Allerdings kann sie auf nur magere Nachbarschaftshilfe hoffen, da es ja das Osteuropäische Halbfinale ist. Aber sie könnte sich ja Tipps von Oma Céline holen, Gerüchten zufolge hat sie ja jetzt etwas Platz Zuhause...

UPDATE 13.03.16: Wenn ihr wissen wollt, wie toll das Lied ohne ihre schreckliche Livestimme klingt, dann schaut euch dieses Video an. Selbe Performance, aber eben nicht live und dadurch klassen besser. 



UPDATE 02.04.16: Rykka hat auf dem Eurovisiontreffen in Riga gerade in einem Interview bekannt gegeben, dass sie ihre Performance, im Vergleich zum Vorentscheid, ändern wird. Genaueres gab sie nicht bekannt außer, dass es sehr stark von der Natur inspiriert sein wird. Ich hoffe nicht, dass sie eine zweite Mélanie René wird. Wie das aber nun zum Song passt, bleibt wohl ihr Geheimnis und durch eine kaputte Performance, erhöhen sich ihre Chancen auch nicht. 

Armenien bewirbt sich für die neue James-Bond-Hymne

Am 2.3. veröffentlichte der offizielle ESC-Youtubekanal den armenischen Beitrag. Auch Armenien entschied sich für eine interne Bestimmung, wie sie es seit 2011 machen.

Armenien ist ein recht neues Land im ESC-Universum, mit der ersten Teilnahme 2006.  Seit dem nahmen sie bis auf 2012, als der ESC in Baku, Aserbaidschan <-- Erzfeind stattfand, immer teil. Bei diesen 9 Teilnahmen erreichten sie 8 Mal das Finale und 6 Mal die Top-10, ihr Rekord stammt aus dem Jahr 2008 als 4. Also ein sehr erfolgreiches Land, dass allerdings noch keinen Sieg erringen konnte. Die Betonung liegt hierbei jedoch bei noch. 

2016 tritt ein Gesicht, eigentlich ein ganzer Körper, für Armenien auf, dass wir vielleicht bei großem Privatsenderkonsum kennen. Iveta Mukutschjan. Sagt dir nichts? Die in Hamburg aufgewachsene Armenierin nahm 2012 an der Castingshow The Voice of Germany teil und kam in das Team von Xavier Naidoo, also wäre sie beinahe gegen ihren ehemaligen Mentor angetreten. Ach ja, sie schaffte die Blind-Auditions übrigens mit einem zukunftsweisenden Lied: Euphoria


Nach ihrem Ausscheiden in der Show kehrte sie nach Armenien zurück und wurde dort unter anderem zur schönsten Armenierin gekürt. Und jetzt eben die Bestimmung für den ESC.

Hier Armeniens Beitrag für den ESC 2016 Iveta Mukutschjan mit LoveWave



Durchatmen. Ein sehr interessanter und außergewöhnlicher Beitrag, den Armenien hier nach Stockholm schickt. Die ersten 16 Sekunden Sprechgesang fesseln den Zuhörer schon mal an ihre Lippen, sind ja auch angeblich die schönsten ganz Armeniens. Dann kommt dieser hohe Balladenteil und das erinnert mich einfach extrem an einen James Bond Titelsong.  Nun kommt der starke Bruch durch diese Kriegssirene, die nicht mehr aufzuhören scheint. Das alles war eigentlich nur die Einleitung, denn jetzt kommt der eigentliche Song, mit vielen üüüüü´s. Ihre Stimme kann sie dabei sehr gut ausspielen, obwohl viel an den Sprechgesang der Einleitung erinnert. Die arabischen Einflüsse passen auch super in das Gesamtkonzept nur den Text versteht man an einigen Stellen nicht so ganz.

Da das Lied keine eingängige Hook besitzt, muss in Stockholm vor allem an der Inszenierung gearbeitet werden, sodass sie mystisch und majestätisch zugleich wirkt. Natürlich mit dunkler Bühnenbeleuchtung und das hier ist der erste Act, indem ich sogar einen Ausdruckstanz für angemessen halte (!). Ich glaube sie hat ein gutes Team hinter sich stehen, das bestimmt schon ein krasses Konzept für die Inszenierung besitzt.

Ich glaube die Konkurrenten werden im Semifinale allein schon durch die Sirene weggeblasen, daher wird sie ziemlich sicher das Finale erreichen. Sollte sie natürlich bei der Inszenierung krass daneben greifen, wird das auch nichts. Aber das müsste dann auch schon extrem sein, zum Beispiel als Disneyprinzessin durch ein buntes Süßigkeitenland zu laufen, um am Ende an Diabetes zu sterben. Aber das halte ich für eher unwahrscheinlich. Also im Finale kann das bei passender Inszenierung sehr sehr weit nach vorne kommen. wahrscheinlich in die Top-10, vielleicht sogar aufs Treppchen.

Und Iveta kann doch bestimmt auf deutsche Rückendeckung hoffen, natürlich in Form von Punkten.  

Spanien schickt Super Sängerin für Sieg!

Die Big-5-Länder hatten ja im letzten Jahr eine blamable Schlappe hinnehmen müssen. Die Plätze 27, 26(Österreich), 25, 24 und 21. Nur Italien konnte das Bild noch mit ihrem 3. Rang (im Televoting 1.) retten. Die Türkei boykottiert ja den ESC, offiziell, weil die Big-5-Länder nicht ins Semifinale müssen und dadurch einen Vorteil hätten. Zu diesem Statement muss ich beim Anblick dieser Zahlen wohl nichts sagen. Das Problem für die Türkei ist die demokratische Wahl ohne Einflussnahme, beispielsweise von Conchita (seit neustem ohne Wurst). Das ist natürlich ein Dorn im Auge der hohen Schweine Tiere in den Sendeanstalten. Und so wie es aktuell läuft, dürfen wir Polen auch bald verabschieden. Aber das ist alles eine andere Geschichte...

Kümmern wir uns um den 21. des Vorjahres, Spanien! In der langen ESC-Geschichte Spaniens stehen zwei Siege 1968 & 1969 zu buche. In den letzten 10 Jahren, also in Big-5-Jahren, konnten sie nur zwei Mal die Top-10 erreichen, trotz wirklich toller Beiträge (2013& 2015). Auch die beiden Top-10-Platzierungen 2012& 2014 waren deutlich unter Wert geschlagen. Hätte Russland oder Schweden solch ein Lied geschickt, hätten sie es locker gewonnen, aber na ja...

Nach der interen Nominierung im letzten Jahr, hat sich TVE dieses Jahr wieder für einen Vorentscheid entschieden. Das Studio sah sehr billig aus und konnte nur schätzungsweise 200 Menschen und drei Kälber fassen. 

Die Zusammensetzung der Entscheidung war etwas komplizierter. 30% internationale Jury, 30% Internationale Jury im Saal (darunter Edurne (Spanien 2015) und Loreen /Schweden 2012)) und 40% Televoting. Am Ende hätte man sich diese komplizierte Zusammensetzung sparen können, da es sowieso einen klaren Sieger gab.

 6 Kandidaten stellten sich dem Publikum, also dem sehr sehr kleinen Publikum. Ein wirklich hochklassiges Feld sah anders aus, aber 3 der 6 Lieder erregten durchaus Aufmerksamkeit, interessanterweise die Englischen. Ja, Spanien erlaubte, (erstmals?) dass der komplette Song auf Englisch gesungen werden darf und die drei Spanischen Acts waren fast schon unnütz. 

Der wohl ungewöhnlichste Act im Feld war Electric Nana mit Now. Dieser sehr elektronische und moderne Song, der nur 2:25 Minuten dauert, ist schnelllebig und schön. Natürlich nicht wirklich geeignet für die große Masse, aber die 200 Fans haben laut gegrölt.

Now von Electric Nana am Ende 5.


Der größte Gegner für die spätere Siegerin war Xuso Jones mit Victorious. Ein fröhlicher Dancesong, der allerdings etwas altbacken wirkt. Auch stimmlich konnte er nicht an die Studioversion heranreichen und seine Backgroundsänger waren so schlecht, dass man schon von Körperverletzung reden konnte. Am Ende kam er auf Platz 2 mit 20 Punkten Rückstand.



Aber nun zur Siegerin des Abends. Es gewann Barei mit Say yay, hochverdient und mit großem Abstand. Barei hat die 30-iger Zone bereits überschritten und ein Teil ihres Lebens in Miami verbracht. Ihr Lied erinnert mich wegen des Klaviers an What I did for love, mit dem Unterschied, dass es besser ist! Der extrem catchy Refrain sorgt bei jedem Menschen für mitwippen. Dazu singt sie das Lied souverän und sie war die Einzige, die etwas Stimmung in den Saal brachte. 

Was mich allerdings etwas stutzig macht ist die Tatsache, dass Barei ein Lied für Edurnes (Wir erinnern uns, sie sitzt in der Jury) Album geschrieben hat. Also es war natürlich nicht entscheidend, aber trotzdem darf sowas nicht sein, da kann Edurne natürlich nicht neutral bewerten.

 Bei Spaniens ESC-Größen kommt das Lied allerdings nicht gut an. Warum? Weil die zerbrechliche spanische Seele es als ungut empfindet, dass Spanien durch einen nicht spanischen Song repräsentiert wird. Ausgerechnet Spanien. Genau das Land, welches 1968 den ESC gewann, weil sie über 100 la´s in ihrem Song hatten. Wahrscheinlich spricht der Neid aus den Stimmen, da Barei eindrucksvoll zeigt, was ein guter Refrain ist!

Hier der spanische Beitrag für den ESC 2016:



Um es kurz zu machen: Spanien wird wenn alles normal läuft den ESC gewinnen. Daran gibt es aktuell für mich keine Zweifel. Barei hat eine extrem starke Bühnenpräsenz, ihre Blicke greifen einen fast durch den Bildschirm, eine saustarke Stimme und einen catchy Refrain. Sie hat Spaß, findet die Kameras sofort und animiert das Publikum. Der Tanz ist von Malta 2012 geklaut, aber das wird am 14. Mai kaum ein Zuschauer wissen. Nun muss man nur noch für eine gute Inszenierung und Kleiderwahl sorgen und wir können unsere Koffer nach Madrid schicken. 

Und auch die Marketingphase hat schon bei ihr begonnen. Sie trat im zweiten Halbfinale des ukrainischen Vorentscheids auf und sorgte auch dort für eine klasse Stimmung. 

Barei hat das Potenzial den ESC zu gewinnen! Und ich kann nur noch hinzufügen: Say yay! 

UPDATE 11.03.16: Barei hat nun ihr offizielles Video zu Say yay veröffentlicht und dabei wurde auch ein bisschen am Lied herumgeschraubt. Das ganze Video wirkt eher wie eine Adidias Werbung als ein ESC-Beitrag, aber diese Version ist auf jeden Fall spannungsgeladener. An einigen Stellen wurden minimalistische Veränderungen vorgenommen, die das Lied wirklich stark aufwerten. Der Flug nach Madrid wird immer wahrscheinlicher.

 





Samstag, 5. März 2016

In Georgien ist es fünf vor zwölf!

Wie soll ich diesen Kommentar starten? Ok, ganz ruhig, bestimmt gibt es da draußen irgendjemanden, der DAS was Georgien dieses Jahr zum ESC schickt, als "Musik" und nicht als Lärm bezeichnen würde. Irgendwo, weit weit weg, in einem anderen Universum, würden Lebewesen das mögen. Bestimmt. Es hilft ja nichts, fangen wir an...

Georgiens Geschichte beim ESC ist vergleichsweise kurz. 2007 gesellte sich Georgien zum ESC und nahm seit dem, bis auf eine Ausnahme 2009 (Putin-Gate), immer teil. Bei diesen bisher 8 Teilnahmen gelang ihnen 6 Mal der Einzug ins Finale, mit dem Höhepunkt des 9. Platzes in den Jahren 2010&2011. Die Kooperation mit Thomas G:son (2013& 2015) war ebenfalls mit den Plätzen 15 bzw. 11 von Erfolg gekrönt. Auffällig ist, dass Georgien bei all seinen Finalteilnahmen als schlechtestes Ergebnis den 15. und als bestes Ergebnis den 9. Platz eingenommen hat. Außerdem sind sie, wenn sie im Halbfinale ausgeschieden sind, deutlich ausgeschieden. (14/18 und 15/15)

Da die Televoting-Auffälligkeiten 2014 keine 3-jährige Sperre zu Folge hatten, dem Geld sei dank, darf Georgien auch dieses Jahr antreten. Beim aktuellen Act wünsche ich mir allerdings die Sperre. 

Letztes Jahr gewann Nina Sublatti einen 5-Act großen Vorentscheid. Dieses Jahr stellte man seinen Vorentscheid um. Die georgische Rockband Nika Koscharow & young Georgian Lolitaz stellten dem Publikum fünf Songs vor, von denen einer zum ESC sollte. Die Songs waren wie der Name der Band sehr sperrig und rockig. Das Publikum konnte zwischen Pest und Cholera Midnight gold entscheiden, welches nun also leider für Georgien beim ESC antreten wird.

Hier also der Beitrag Georgiens Achtung! Kopfhörer sollten deutlich herunter gedreht werden.... am besten ganz aus.



Gehen wir mal analytisch an. Rock hat NUR in den Jahren 2006 und 2010 funktioniert. Sonst nie! Lordi 2006 gewannen natürlich auch wegen den Outfits und der zweite Platz der Türkei 2010 lässt sich durch den catchy Refrain und dem sensationellen Staging erklären. Die Lolitaz sehen zwar Lordi ähnlich, haben meinen Informationen nach aber keine Maske auf. Der Refrain, wo ist er? Kann sich hier irgendjemand an nur eine einzige Stelle des Liedes erinnern? An ein Wort? 

Das hier ist glaube ich der erste Rocksong, bei dem ich gähnen muss! Natürlich bin ich kein Rock-Fan, aber das ist nur schrecklich. Bis Minute 2 ist ja alles anhörbar, repetitiv eben und dadurch etwas nervig. Der Synthesizer der dann kommt lässt meinen Kopf explodieren. Nun ist das nur noch Lärm. Schrecklich, schlimm, katastrophal sind die besten Adjektive die diesen Beitrag beschreiben. 

Staging wird in Stockholm natürlich mit viel Nebel, Flammen und Strobo gemacht. Krasse Effekte um möglichst von dem Lied abzulenken.

Im Stockholm wird das konkurrenzlos den letzten Platz erreichen. Im Moment gibt es drei andere Rocksongs, die wesentlich mehrheitskompartibler sind (Zypern), als dieses Störgeräusch. Selbst wenn es einzelne Seelen im Televoting gibt, die sich aus versehen verwählen, werden die Jurys das Lied hochkant rausschmeißen! Schade Georgien, ihr ward auf einem super Weg...

UPDATE: 11.03.16    Gerade wurde das neue Video online gestellt und Georgien hat noch etwas am Lied herumgeschraubt. Es gefällt mir nun deutlich besser, die ersten 2 Minuten sogar sehr. Das Störgeräusch haben sie leider immer noch nicht entfernt und dadurch bleiben die Chancen gleich 0




Mittwoch, 2. März 2016

Zypern holt sich Schweden ins Boot

Am 22.2. veröffentlichte die zypriotische Rundfunkanstalt CyBC das Lied, welches Zypern beim ESC vertreten wird. Ganz ohne Vorentscheid wurde diese Entscheidung getroffen, im Gegensatz zum letzten Jahr, indem es eine richtige Castingshow gab.

Zyperns Bilanz in den letzten Jahren glänzt nicht wirklich: Bei den letzten 10 Teilnahmen in den Jahren 2005-2013 & 2015 gelang Zypern nur 4 Mal die Finalqualifikation. Der beste Platz war 2012 Ivis La La Love, das am Ende 16. wurde. Für mich persönlich ein Skandal, da das Lied wirklich extrem gut war und es noch Jahre später auf ganz normalen Party´s gespielt wird.



Bei der Castinshow für den ESC letztes Jahr entdeckte Zypern eine richtig rockige Gruppe, nämlich Minus One. Sie erreichten beim Vorentscheid den 3. Platz, die Zusammensetzung ist allerdings interessant. Denn beim Televoting sind sie glatt durchgefallen und wurden Letzter. Allerdings fühlte sich die Jury wohl in einer etwas düsteren Stimmung und wählte sie auf Platz 1 des Juryvotings. Also schon damals handelte die Jury gegen den Willen der Zuschauer. Konsequenz daraus in Zypern: Die Bevorteilen unantastbar machen und sie direkt zum ESC schicken...kein Kommentar.




Allerdings hat der CyBC einigen die Wut in der Kehle stoppen lassen, als sie bekannt gaben, wer den Song für Zypern schreiben wird. Thomas G:son ist der wahrscheinlich prominenteste Komponist des ESC-Universums. Praktisch der schwedische Ralph Siegel - nur mit Erfolg. Einige der größten ESC-Hits stammen von ihm. Hier eine kleine Auswahl:

Loreen - Euphoria - Schweden 2012 - 1 Platz

Pastora Soler - Quédate conmigo - Spanien 2012 - 10. Platz

Nina Sublatti - Warrior - Georgien 2015 - 11. Platz


Aber ein Thomas G:son für ein Rocksong? Das konnte eigentlich nicht sein. Daher stieg die Spannung, wie das Lied Alter Ego nun klingen wird. Am 22.02. kam die Auflösung.



Wie erwartet ist der Song nicht im extremen Rockbereich, sondern durch einen schönen durchgängigen Popbeat unterlegt. Das Lied startet mit einem klasse Gitarrenriff und der erste Vers lässt auch noch eher an das Rockgenre erinnern. Im Refrain allerdings kommt dieser typische, aber eigentlich unpassende Europopbeat. Dieser harmonisiert doch überraschend gut mit Francois tiefer Stimme. Die Bridge ist in meinen Augen etwas verhauen, aber das Gitarrensolo macht das schon wieder wett. All das ist jammern auf hohen Niveau. 

Generell könnte man sagen, dass G:son hier taktisch vorgegangen ist, was natürlich aus zeittechnischen Gründen gar nicht möglich ist. Denn Georgien und Weißrussland schicken ebenfalls Rock Songs zum ESC. Georgien befindet sich aber noch deutlich weiter im Rockbereich und Weißrussland ist einfach zu schwach. Daher können sie sowohl aus den Rockgewässern, als auch den Popgewässern fischen. Ein kluger Schachzug G:sons. 

Die Live-Stimme Francois ist, wie im oberen Video zu sehen, ausgezeichnet und das Lied sollte gut machbar für ihn sein. Das Staging ist nur begrenzt möglich, da 5 Bandmitglieder natürlich auf der Bühne stehen wollen und dadurch nur noch ein Platz für eine weitere Person übrig bleibt. Daher wird die Band auf der Bühne stehen und performen, wahrscheinlich ohne Tänzer. Eventuell wäre ein schwarzes Cape mit Kopftuch bis zum Refrain eine gute Idee, um eine mystische Atmo zu erstellen. Natürlich muss hier auch mit Lichteffekten und den LED-Screens arbeiten. 

Zypern hat sich wahrscheinlich einiges kosten lassen, um G:son zu gewinnen. Aber es hat sich gelohnt. Zypern wird das Finale höchstwahrscheinlich erreichen und könnte sogar ein Dark horse , also ein Geheimtipp, auf den Sieg sein. G:son sei dank!




Finnland findet Funk!

In den USA war gestern Super Tuesday, es werden bei Republikanern und Demokraten in 12 bzw. 11 Bundestaaten gewählt. Wir vom ESC können darüber nur lachen, denn wir hatten am vergangenen Samstag den Super Saturday! Neben Moldawien, Ungarn, Norwegen und Slowenien, entschied auch Finnland über seinen Act 2016.

Finnland ist oft für die Platzierungen von den großen skandinavischen Brüdern fertig gemacht worden. Finnland hat im Vergleich zu den anderen skandinavischen Ländern eine schreckliche ESC-Bilanz. Im Vergleich zu allen eine durchaus Durchwachsene. Bei den letzten 10 Teilnahmen kamen sie nur 3 Mal nicht ins Finale, konnten aber bis auf den Sieg 2006 keine einzige Top-10 Platzierung mehr vorweisen. 

Finnlands erster und bislang einziger ESC-Sieg 2006

Zum 10-jährigen Jubiläum des Sieges, haben sie sich was ganz besonderes einfallen lassen: Nämlich das selbe Vorentscheidskonzept wie die letzten Jahre, das Uuden Musiikin Kilpailiu (UMK). Also ein 50/50 Mix aus Jury- und Televoting, der wie im neuen ESC-System vorgetragen wird. Letztes Jahr gewann die Behinderten-Band Pertti Kurikan Nimipäivät den Vorentscheid, die trotz Mitleidsbonus auf dem Letzten Platz im Semifinale landete, zurecht! Mal sehen, was der Wettbewerb dieses Jahr für Perlen zeigt, den schlimmer als letztes Jahr kann es ja nicht werden! Und ich behielt recht...

Das Feld war wirklich gut und vor allem ausgeglichen besetzt. Bei den 9 auftretenden Acts, waren 3 unbrauchbar und 3 richtig gut, der Rest füllte sich für meine Ohren im Mittelfeld an. Meine große Sorge allerdings, dass Finnland nach dem Totalausfall nur auf Mainstreampop konzentrierte, wurde zum Glück nicht bestätigt. Natürlich waren dieses Jahr keine für Finnland typischen Musikausflüge, die sich hier oft durchsetzen, dabei. Beispiele? 2006 Lordi, 2010 das wunderschöne Akkordionstück Työlki ellää = man kann auch durch Arbeit leben oder der Rap mit brennenden Ölfässern 2009.

Wir befinden uns im Jahr 1 nach dem Totalausfall, das wäre selbst für die finnische Seele zu viel gewesen. Aber das Feld war wirklich musikalisch vielfältig. Von einem Discohit einer 55-jährigen, bis zu einem wunderschönen R&B angehauchten Popsong von der finnischen Namika.

Ich hatte im Vorfeld 3 Favoriten, von denen musste einer dieser 3 doch gewinnen! 

Lied Nummer 1 war No fear von Saara Aalta. Was wie eine typische Ballade in extrem hoher Lage beginnt, entwickelt sich langsam zu einem schön modernen, von indischen Klängen beeinflussten, Popnummer. Es war mehrheitstauglich, hatte aber trotzdem mit diesen Klängen ein Alleinstellungsmerkmal. Mit der richtigen Show wäre sie super in Stockholm angekommen.



Nummer 2 war ein Duett von Annica Milán & Kimmo Blom Good Enough. Eine Schlagerballade par exellence. Kitschig aber wunderschön. Das Video passt nicht wirklich zu dieser Musikart, aber das sah man ja im Vorentscheid nicht. Stimmen harmonierten super und es wäre eine sichere Bank fürs Finale gewesen, aber auch nicht gut genug für ganz vorne. Außerdem hätte man sich bei den beiden ein einfaches Staging leisten können. 


Das dritte Lied war Sandhjas Sing it away. Die Stimme erinnert mich sehr an Alicia Keys, das Genre aber nicht, denn es war Funk. Schöner Up-Beat-Beitrag, den sie sehr überzeugend vortrug. 

Aber dann kam schon das Juryvoting. Die 10 Juroren bewerteten, sodass dieser Zwischenstand entstand:


Also war die Funk-Frau vorne, Bollywood auf 3 und das Gangster Duo auf der 6. Aber dann begann das Drama, denn Sandhja landete im Televoting nur auf der 3, Saara hingegen auf der 1. Und wer hat jetzt gewonnen? Die Antwort ist




SANDHJA! Mit einem minimalen Vorsprung von 6 Pünktchen konnte sie sich gegen die rechts Eingeblendete durchsetzten. Sinnhaftigkeit des Juryvotings lasse ich mal unkommentiert...

Nun also schon der zweite Funksong neben Belgien in diesem Jahr, wird das der 2016ner Trend? Nach dem Common Linnets-Erfolg 2014 hatten wir ja auch 6 Duette im Jahr 2015. Guy Sebastian wurde 5. für Australien mit Funk, mal sehen wer sich noch so dazugesellt.

Der finnische Beitrag ist allerdings deutlich stärker als der belgische und das nicht, weil das Arrangement besser ist, sondern weil Sandhja eine deutlich bessere Ausstrahlung und kraftvollere Stimme besitzt als Laura. Diese muss sich zumindest was das Semifinale angeht keine Sorgen machen, Finnland ist im anderen. Aber im möglichen Finale würde Sandhja dafür sorgen, dass Belgien kaum Stimmen erhält.

An der Bühnenshow MUSS gefeilt werden, da es sehr unkoordiniert aussah. Auch der wechselnde Bildausschnitt hat mich eher verärgert als beeindruckt (Seht mich an! Ich kann schwarze Balken bewegen!)  Big Band im Hintergrund und eine gut durchinszenierte spontanwirkende Bühnenshow, das ist ein Schlüssel.

Finnland wird aller Voraussicht nach (KEIN Ausdruckstanz) auch dank schwedischer und isländischer Hilfe, das Finale erreichen, dort aber im hinteren Feld landen. Es sei denn, sie kommt beim ESC genauso gut bei der Jury an, wie in Finnland.