Lisboa 2018

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Freitag, 13. Januar 2017

Finnland will aus dem Schatten der Nachbarn

In diesem Post geht es um den diesjährigen finnischen Vorentscheid UMK und dessen Teilnehmerfeld. In den vergangenen Wochen wurden die Lieder, sowie die Videos der einzelnen Teilnehmer veröffentlicht. Diese analysieren wir, um eine ultimative Prognose abzugeben. Dabei sei gesagt, dass die Finnen oft sehr, nennen wir es mal "unkonventionell" , entscheiden.

Das UMK wird seit 2012 in verschiedensten Formen zur Ermittlung des finnischen Teilnehmers genutzt. Die Abkürzung steht hierbei für Musiikin Uuden Kilpailu, was frei übersetzt Festival der neuen Musik bedeutet, also ein Gegenentwurf zu Florian Silbereisens Festival der Volksmusik ist. Gewählt wird am 28.1 in den Arenen zu Helsinki. Die 10 Gladiatoren werden von Königin Krista (sie führt durch den Abend) empfangen und auf ihre Fähigkeiten im Kampf überprüft. Wer gewinnt, entscheidet eine internationale Jury und das gemeine Volk. Im letzten Jahr verursachte dieses "sorgfältig ausgewählte Feld aus Musikexperten und Kennern" dafür, dass Finnland im Semifinale deutlich scheiterte. Und das gemeine Volk? Das stimmte mehrheitlich für Saara Alto. Genau die, die nach ihrer knappen Niederlage nach London zog und das Königreich bei the X-Factor so begeisterte, dass sie den Silberrang erreichte und einen Plattenvertrag + Sia's Hilfe bekommt. Ja lieber Experten, was wäre wenn...

2016 verzichtet man auf jegliche Semifinals ( es würde ja kein finnischer Song das Finale erreichen haha) und geht mit diesen 10 Kandidaten an den Start:

1.) Zühlke - Perfect Villain

2.) Emma - Circle Of Light

3.) Günther & D'Sanz -Love Yourself

4.) My first band - Paradise

5.) Alva - Arrows

6.) Norma John - Blackbird

7.) Lauri Yrjölä - Helppo Elämä

8.) Knucklebone Oscar and the Shangri-La rubies - Cavemen

9.) Anni Saikku - Reach Out For The Sun

10.) Club la perse - My Little World

Da ich vom Handy aus blogge, kann ich die Videos leider nicht einfügen, daher bitte dem Link folgen.

1. Zühlke - Perfect Villain:

Das Video ist sehr amerikanisch gehalten und erzählt die verhängnisvolle Geschichte einer Undercover Agentin. In einem Verhöhrraum sitzen ein Verdächtiger und ein Emittler, der gerne ein Geständnis hätte. Klappt scheinbar nicht und der Vorhang für Zühlke öffnet sich. Sie probiert es wortwörtlich mit Zuckerbrot und Peitsche, ohne Erfolg. Nun fährt sie zurück in ihr Apartment in einer asiatischen Großstadt und der Verdächtige zündet den Sprengsatz, der unglücklicherweise in Zühlkes Apartment ist. Tot.

Das Video ist sehr toll und hochwertig produziert. Alles wirkt echt, bei den Knutsch - und Duschszenen manchmal zu echt, für Kinderaugen ist das nichts. Generell mag ich Videos, die eine Geschichte erzählen und dieses macht das sehr gut. Schauspielerisch hat Zühlke schon Mal einiges drauf, das wird sich positiv auf den 28.1 auswirken.

Nun zum wichtigen: Der Song. Für mich wirkt dieser wie eine Homage an die 2000er. Power-Pop einer starken Frau, die zwar keine Modell-Maße hat, dafür aber ein starkes Organ besitzt. Kurzum: Der Song selbst könnte ohne Probleme auf einem Christina Aguilera Album sein. Lyrisch ist auch etwas Bewegung drin, da er zunächst Zühlke um den Finger wickelt und später das ganze gedreht wird. Aber textlich gab es sehr viel Gegenwind auf Grund der Passage: "Was würde X-Men machen (...) wenn du das Kryptonit wärst" Finde ich persönlich nicht schlimm, da diese Stelle im Kopf bleibt. Jede Form der Aufmerksamkeit ist positiv für den Betreffenden, siehe Kardashian.

Zühlke wurde 2013 durch eine Castingshow bekannt und hatte schon damals eine sehr gute Stimme. Aber auch live fehlt mir etwas Power, die dieser Song einfach braucht. Da muss geschriehen werden, nicht emotional gehaucht. Beim UMK würde ich mir einige Elemente aus dem Video wünschen. Finster, böse Zühlke und viel Rauch. Die Bridge eignet sich perfekt, um sich auf der Bühne auf seinen Schoß zu setzen und ihn weg zu hauen, schöne Kameraufnahmen sind da sicher.

Gesamt: Grundsolider Beitrag, der mit einem tollen Live-Programm überraschen könnte. Dazu muss Zühlke aber einen super Tag haben.

2. Emma - Circle Of Light

Ach da kommen König der Löwen Erinnerungen hoch, aber Disney hat dieses Meisterwerk nicht komponiert.

Das Video beginnt mit dem Ende. Es werden 2 Geschichten erzählt, die sehr sehr ähnlich sind. 2 Flüchtige verstecken sich vor einem Angreifer. Zum Schluss kämpfen sie, gewinnen die Schlacht, aber verlieren den Krieg. In Szenario A geschieht all das in einem schneebedeckten Wald, mit einem Pfeile schießenden Ninja. In Szenario B befinden sich die Protagonisten in einer Lagerhalle mit einem Angreifer, bewaffnet  durch Pistole. Beide Male gibt es einen Kampf und der Angreifer geht zu Boden, anstatt ihn zu töten wiegen sich die Protagonisten in Sicherheit - mit tödlichen Folgen.

Lyrisch geht es darum, dass es einen Kreis des Lichtes gibt, indem es keine bösen Dinge gibt (Umarmung). Man könne von was auch immer verfolgt werden (Wölfe, Zweifel), aber dort sei man sicher. Auffällig ist, dass das Wörtchen pretend, also so tun als ob, sehr häufig vorkommt. Zusammen mit dem Video wird die also eigentlich schöne Botschaft ziemlich negativ. Du kannst rennen, aber nicht gewinnen, denn die Orte an denen du sicher bist, bildest du dir nur ein.

Emma gilt seit erscheinen der Songs als haushohe Favoritin und mit dem Video verstärkt sie diesen Eindruck. Für mich ist das eines der stärksten Videos. Das Lied würde ich im Ethno-EDM-Greta Salome einordnen. Das internationale Autorenteam hat ea geschafft, dass der Song zwar skandinavisch, aber trotzdem europäisch klingt. Natürlich kommt das durch die Geige und das für mich unterschätzte Becken. Das Werk wirkt für mich wie ein Hybrid aus Wild Dancers (Sieg Ukraine 2004) und Hear them calling me (Island 2016 Greta Salome). Insbesondere der Postchorus ist an Greta angelehnt, natürlich kein Plagiat. Auch mir gefällt der Song gut und der Sieg kann nur über sie gehen. Aber wie sollte das Staging aussehen? Nun, seit Loreen wissen wir, dass man Schnee auf der Bühne haben kann. Ich würde im Postchorus eine Kampfszene gerne sehen und generell eher der Naturszene folgen, um den Ethno-Faktor noch etwas zu steigern.

Gesamt: Wer siegen will, muss sie schlagen. Wären wir nicht in Finnland, wäre sie jetzt schon die klare Siegerin.

3. Gühnter & D'Sanz - Love Yourself

Vielleicht kennen Sie Günther noch, das war die tiefe hauchende Stimme von "uh, you touched my tralala" und ein früherer Teilnehmer des Melodifestivalen. Über D'Sanz ist relativ wenig bekannt, meinen Informationen nach ist er ein spanischer Sänger, der seinen Erfolg als James Blunt Kopie suchte, jedoch nicht fand. Nun also trifft das ungleiche Paar aufeinander.

Vorweg wenig Überraschendes: Natürlich handelt es sich hierbeium einen Funact, der erste von drei (!) in diesem Jahr. Im Video sitzt Günther als heißer Leder-Lustknabe auf einem handelsüblichen drehbaren Bürostuhl und versucht verzweifelt seine Lippen mit seiner Fleischschleimschnecke zu bewässern. Scheinbar unerfolgreich, da er es das ganze Video über weiter versucht. Der Background ist die ganze Zeit über weiß und schießt von Zeit zu Zeit Herzen wild durch die Gegend. Latino-Leadsänger D'Sanz ist ebenso vollständig in weiß gekleidet, nur seine farbwechselnden LED-Schuhe sind aufregend. Ansonsten sieht man in Videos vor allem nackte Oberkörper mit VR-Brillen auf dem Kopf. Diese schauen sich wohl nicht jugendfreies Material an und werden von Günthers Hebel kontrolliert, bitte nicht falsch verstehen.

Die Aussage des Songs ist ziemlich eindeutig: "berühe dich selbst und fühle dieses Kribbeln" Naja, man kann es wie gesagt nicht ernst nehmen. Mir tut D'Sanz ein wenig leid, denn während Günther voll in seinem Element ist, wirkt er etwas fehl am Platze. Als ob diese Kolabaration die letzte Chance, aus Sicht seines Management, für seine Karriere ist. Ein gutes Bild gibt er im Video schon Mal nicht ab. Der Song kommt aus den 90-ern, die Hook zwar einprägsam, doch schon tausendfach gehört und altbacken. Generell ist mir das alles zu erwartbar und zu eindeutig. Diese Figur Günther ist für mich mittlerweile ausgelutscht und hat viele  (bessere) Nachahmer gefunden. Dazu verwirrt mich, was der andere Typ da macht, da dieser ja das durchaus ernst zu nehmend performt.

Wie man da eine gute Performance auf die Bühne bringt. Wohl mit viel Trara und Nebenschauplätzen. Ich würde möglichst selten D'Sanz ins Bild holen, da er sich scheinbar nicht wohl fühlt und das auch deutlich zeigt. Die Rampensau Günther hingegen wird die Kamera verführen. Dazu Tänzer, Konfetti und Lichtshows - Die Finnen könnten das fressen und daran Gefallen finden. Bei den Juroren sehe ich jedoch schwarz, sowas darf da auch ganz einfach nicht gut ankommen.

Gesamt: Ein Sugardaddy geht mit seinem "Opfer" das erste Mal in einen Szenenclub. Er feiert, seinem Sohn ist das alles peinlich und ganz Finnland schaut zu. Wäre ein Plot für ne Telenovela. Für den ESC wird es denke ich nicht reichen und ich habe das Gefühl, dass D'Sanz darüber recht glücklich wäre.

4. My first band - Paradise

Ach ja, ich liebe es ja, wenn erfolgreiche Bands so einflussreich auf Künstler sind, dass die Songs dieser Band sich nicht vom Vorbild unterscheiden lassen. Diese nicht mehr all zu jungen Hüpfer klingen doch verdächtig nach Maroon 5, nicht wahr?

Von roten Lampen angestrahlt steht die Band mitten in einer Sporthalle einer Schule oder Universität. Da bleiben sie auch die ganze Zeit über stehen, nur das Licht ändert sich manchmal und es wird nicht an Konfetti gespart. Es wird dann ab und zu ein junges Pärchen eingeblendet, bei dem s zum Ende des Videos doch ordentlich zu Sache geht. Das wars. Sehr statischer und einfallsloser Weg ein Video zu gestalten, wobei man sicherlich nicht an der Budgetgrenze war. Für einen solch fröhlichen Song ist die Farbwahl ziemlich dunkel gewählt, dadurch wären wir beim Thema.

Hast du was gemerkt? Ist dir irgendetwas aufgefallen? Beim ersten Hören empfand ich diesen Maroon 5 Abklatsch mit jamaikanischen Einflüssen noch ganz nett. Schöne Melodie, gute Stimme, nicht das ganz große Los, aber es wird seine Fans finden. Beim zweiten Hören achtete ich auf den Text und war sprachlos. Hier eine kleine Auswahl: kiss your paradise, leave you paralysed, falling in front of you, working on my appetite, I just wanna have a bit. Das ist X-Rated, texte das auf finnisch um und du hast einen Skandal an der Backe. Dazu das Rotlicht und die Ah ah ah Schreie. Das geht gar nicht. Warum? Ein Günther spielt eine Rolle, diese frechen Finnenrocker wollen ernst zu nehmende Künstler sein. Dieser Text, der kann von pickelverseuchten, hormongesteuerten Pubertätsbands kommen, aber doch nicht von Männern, die sich mindestens in den hohen 30-ern bewegen.

Für das Staging kann man nur weitere Anspielungen vermeiden, sonst wird es noch peinlicher. Ein einfaches Bandstaging ohne viel Tamtam und hoffen, dass die Finnen nicht auf den Text hören. Wenn der Frontmann noch ein bisschen symphatischer rüber kommt und diesen lächerlichen Moustache abnimmt, können sie die Bühne ohne all zu viel Schaden verlassen.

Gesamt: Ein Song, der textlich absolut für fremdschämen sorgt, garniert mit einer Band, die Maroon 5 sehr gut covert. Nope, das hat keine Chance.

5. Alva - Arrows

Wir kommen zur jüngsten Interpretin des diesjährigen UMK's. Die 16-jährige Alva, die als Mini-Me von Krista Siegfrieds gilt. Bei der Pressekonferenz standen beide auf der Bühne und man konnte sehen, dass an diesem Spruch etwas dran ist.

Die typische Teenie-Romanze mit einem Unterschied: Es ist keine. Alva und ihr mit einem autofetisch behafteter Freund, fahren zu Autowaschstraßen, Parkplätzen und Flughäfen, jeweils natürlich mit einem Oldtimer. Dabei haben sie viel Spaß, genießen die Zweisamkeit, doch das Entscheidende fehlt. Keiner macht den ersten Schritt. Keiner traut sich aus der Konforzone der Freundschaft in die unbekannten Weiten einer Beziehung, obwohl beide dies sichtbar wollen. Oder wie wir jungen Hüpfer das zusammenfassen: Friendzone. Währenddessen dreht sich Alva noch einige Male dramatisch in Zeitlupe zur Kamera und blickt mit finsterer Miene bei lila Beleuchtung hinein. Das Video endet mit einem Selfie der beiden.

Als die Lieder noch ohne Videos veröffentlicht wurden, war dies mein Favorit und wenn ich nur an das Lied denke, ist es das auch immer noch. Mir war klar, dass das Video in diese Richtung gehen wird, allerdings hätte ich mir ein bisschen Bewegung gewünscht, eine etwas ausgeflipptere Alva, denn wie im Video ist sie nicht. Ein solcher Mangel an Authenzität hat letztes Jahr den Mitfavoriten Estland den letzten Platz eingebracht. Etwas mehr mit dem Text spielen, dass hätte ich mir im Video gewünscht. Ein paar offensive Handlungen Alvas, die in peinlichen Situationen (die geschossenen Pfeile) enden, aber sie immer weitere vollzieht. Oder auch seine Perspektive verdeutlichen. Eine Aufnahme, in der er über ein Foto von ihr streicht hätte schon gereicht. Aber man hat sich dagegen entschieden und mich nicht als Regisseur beauftragt.

Für mich ist das der beste Text im Vorentscheid. Da süß und doch irgendwie Police "Every breath you take" mäßig. "Ich werde weiter Pfeile in die Dunkelheit schießen (...) um dein Herz zu finden. Ich werde erst aufhören, wenn ich es bekommen habe" Sätze, die man auf RTL selten von jungen Mädchen hört, da dort sofort der nächste Mark-Jeromé gesucht wird. Beim Staging befürchte ich ein Understatement. Wie gut Alvas Stimme ist, kann zur Zeit niemand einschätzen, aber Bühnenpräsenz hat sie sowas von. Viele Close-Ups, starke Mimik strahlt sie aus. Ansonsten habe ich auch keine großartigen Ideen für ein Staging, Tänzer passen nicht wirklich, aber irgendwas sollte passieren. Vielleicht eine kleine Choreo allá Serbien 2007 nur weniger dramatisch?

Gesamt: Mein Favorit und das Dark Horse des Wettbewerbs. Die Jurys werden sie lieben und an den Bildschirmen wird sie auch gut ankommen. Sollte Emma patzen wird sie parat stehen und ach ja: Mit was wird auf Emma im Video Jagd gemacht? Richtig, mit einem Pfeil.

UPDATE: Am 5.1 postete Alva ein Bild auf Instagram, auf dem sie am Mikrofon mit einem Tänzer steht. Also wird man offenbar eine Schauspielnummer dem Song beifügen. In meinem Kopf macht sich das sehr gut! Pass auf Emma

6. Norma John - Blackbird

Das Duo besteht aus der singenden Dame und dem danebenstehenden Typen. Worin genau seine Aufgabe liegt, weiß bis jetzt wohl nur er selbst, aber ich denke schon, dass er eine tragende Rolle auf der Bühne übernehmen wird.

Es beginnt mit einem roten Meer und einem starken Seil in diesem. Danach fahren Norma John nachts mit einem Truck zu einem See und haben einige Materialien dabei. Die Dame bindet sich das Seil um und geht immer tiefer ins Wasser. Der Herr schlägt einen Pfeiler in den Schlamm und bindet das Seil daran fest. Die Dame lässt sich ins Wasser fallen. Stille. Plötzlich zieht der Herr wie ein Besessener am Seil und man sieht in einem Schnitt, wie die Dame das Seil loslässt und keine Regung mehr im Wasser vollführt. Doch anstatt ihrer Leiche, befindet sich nun am anderen Ende des Seils ein Piano, dass der Herr alleine (!) auf den Truck legt, er sieht sehr verzweifelt aus.

Hier mal ein ganz ganz großes Lob an alle Beteiligten des Videos, denn es wurde ein unfassbar gutes und für mich klar das Beste. Man fühlt sich ganz unwohl, es zieht einen mit und ist dabei geheimnisvoll und finster. Die Schauspieler sind nicht die Besten, aber das unterstreicht nur die Klasse dieser Produktion. Norma John können sich freuen: Das Video wird äußerst positiv in den Fankreisen aufgenommen und für mich ist es nun Klassen höher. Blackbird ist kein Lied, sondern ein Soundtrack, dass starke Bilder kräftig untermalt. Ähnlich zu Edurne 2015.

Die sehr klangvolle Ballade in tiefsten Moll wirkt wie Norwegen 2015 ohne den letzten Knall. Ohne Video pendelt das Lied vor sich hin, nimmt keinen Schwung auf und wirkt deutlich länger als 3 Minuten. Aber dank des Videos liegt das HauptAUGENmerk nicht mehr auf dem Lied und dieses kann seine Rolle als Bildverstärker mehr als gerecht werden. Auch lyrisch kommt für mich eine völlig neue Ebene hinzu. Ohne Video dachte ich, dass sie nach einer längeren Beziehung verlassen wurde und dieser Blackbird ein Symbol für ein physisches oder emotionales Andenken an ihn ist. "Du sangst, wenn mein Herz sang. Nun erinnerst du mich an etwas, was ich nie wieder haben werde" Wegen des neuen Videos habe ich neue Interpretationen, dis auch mit der Amsel (Blackbird) zu tun haben. Ich meine, dieser Vogel gilt seit vielen Jahrhunderten in der Literatur als Todessymbol, aber auch als Glücksbringer. Ist dieser Blackbird also eine Erinnerung, ein Geheimnis oder noch stärker: Todessehnsucht? Fakt ist, dass es keinen klaren Ansatz gibt und jeder seinen eigenen Blackbird findet.

Für den Zuschauer bleibt keine Zeit sich solche Gedanken zu machen, er wird nach Staging und Gehör gehen. Der Juror jedoch sollte den für mich künstlerisch hochwertigsten Beitrag deutlich höher bewerten. Wie man das gut auf der Bühne inszeniert ist wohl die Frage aller Fragen. Ich würde um ehrlich zu sein, einfach das Video abspielen im Vollbild und am Ende ein prägnantes Bild auf der Bühne visualisieren. Vielleicht wie er am Piano sitzt, noch völlig durchnässt.

Gesamt: Es ist ein klasse Beitrag, dessen vollständige Wirkung erst mit dem Video kommt. Ich wünsche mir ein tolles Ergebnis der beiden, aber für den ESC ist das wohl doch etwas zu harte Kost. Da würde sich Finnland einen großen Gefallen tun, wenn sie Norma John nicht nach Kiew beordern.

7. Lauri Yrjölä - Helppo Elämä

Der einzige Beitrag in Landessprache kommt von einem Gitarristen, der seit neuesten den Gesang für sich entdeckt hat. Der Videoclip ist ziemlich schnell erklärt: Im Video spielt Lauri in einem futuristisch kalten Restaurant über den Dächern Londons (?) zugleich Barmann und Bedienung, so sparsam bei der Einrichtung. Im Laufe der Zeit tritt eine Frau im besten Alter mit verschiedenen Gefährten in die Lokalität ein und genießt ein hochprozentiges Getränk, serviert vom lässigen Laufburschen Lauri. Von allen drei Männern bekommt sie am Ende der Treffen ein Glitzibitzi. Oder einfach gesagt Schmuck. Sie tut total überrascht und Lauri kann nur staunen. Zwischen diesen einzelnen Dates bekommen wir Lauri zu sehen, der in besagten Restaurant bei Nacht eine Performance abliefert. Bei lila und blauen Licht geht er so richtig ab und wird von 4 Tänzerinnen und einem Lederstuhl umgarrnt. Am Ende folgt noch ein ziemlich unlustiger Witz, den man sich hätte sparen müssen.

Ich habe leider ein ganz ganz großes Problem mit diesem Beitrag: Lauri. Er wirkt auf mich total unsympathisch und das nicht nur im Video. In der Pressekonferenz wirkte er genau so, wie in den Tanzszenen im Video und diese übertrieben überzeugten Gesten kann ich gar nicht ab. Diese Eindrücke hatte ich 2016 bei Freddie und Douwe, beim Ungarn ging das schnell weg und so wünsche ich mir das auch bei Lauri. Gerade, weil mir der Song so gut gefällt. Diese Loungemusik ist ja seit einiger Zeit auf dem Vormarsch und letztes Jahr kam sie ja auch beim Esc an. Für mich ist das Lied an sich nicht all zu besonders oder hochwertig, die Sprache und Aussprache macht es für mich einzigartig. Das ist für mich ESC, wenn die Sprache einem Song das gewisse Etwas gibt. Ähnlich wie bei Zoë letztes Jahr oder Estland 2012. Nimmst du diese Lieder in English - die bleiben im Halbfinale hängen. Finnisch ist ja ohnehin eine sehr befremdlich klingende Sprache und dadurch wird der Effekt noch verstärkt. Natürlich hat auch dieser Song eine Message: Der Titel bedeutetso viel wie angenehmes Leben. Es geht um Menschen, die ohne jeden Skrupel andere für sich ausnutzen, um ein möglichst angenehmes Leben zu führen. Sieht man im Video ja recht deutlich.

Lauri mag zwar über sehr viel Bühnenerfahrung verfügen, aber wie er gesanglich drauf ist weiß man noch nicht. Die Studioversion hört sich ziemlich hochwertig an, was gut ist, da er scheinbar mit Profis arbeitet, aber auch schlecht, da diese ja sehr viel drehen und verschönern könnten. Die Antwort folgt am 28.1. Ansonsten fällt mir zum Staging nichts besonderes ein. Relativ standardmäßig am Mikro und in den Refrains dramatischer Lichtwechsel mit Tänzern, um diese verruchte Atmosphäre zu erlangen. Man sollte des Weiteren dringend seine Hände zügeln und diese Yo Yo Gesten unterbinden.

Gesamt: Mein liebster Beitrag im Radio, der hoffentlich beim UMK nett rüberkommt. Durch das Finnisch hat er das berühmte Alleinstellungsmerkmal und wird damit einige Votes einkassieren. Dennoch rechne ich ihm maximal Außenseiterchancen ein.

8. Knucklebone Oscar and the Shangri - La Rubies - Cavemen

Der wahrscheinlich älteste Teilnehmer Oscar performt den am ältesten klingenden Song Cavemen. Begleitet wird er von 2 Burlesque-Tänzerinnen, was die erste Kolabaration der drei ist.

Der zweite Funact im Vorentscheid hat sich für ein passendes Video entschieden. Zunächst fahren die beiden Tänzerinnen mit einem Truck in eine leere Tiefgarage. Im Laderaum befindet sich ein kleiner Käfig, in dem ein Gefangener mit silberner mexikanischer Wrestlingmaske sitzt und versucht zu fliehen. Mit dem Käfig fahren die beiden Aufzug und erreichen eine neue Ebene. In dieser ist ein Bandset in einem riesigen Käfig zu sehen. Drum herum stehen interessante Gestalten, die auf Action warten. Das ganze Setting ist an einen underground Fightclub angelehnt. Die Blonde Burlesque Barbie zählt runter und pünktlich zum Refrain nimmt der Gefangene die Maske ab und siehe da: Es ist Oscar, wer hätte das gedacht. Dieser flippt nun mit Gitarre völlig aus, eckt wie ein Kreisel an jede Wand an und versetzt die Zuschauer in eine super Stimmung. In der Bridge, in der er über die früheren Tanzriesen singt, befindet er sich in einem Jungel, danke für diese überdeutliche Darstellung. Am Ende gibt es einen kleinen Psy Moment, da es einen Flashmob gibt, an dessen Ende Oscar lässig auf einem Motorad vorgefahren kommt.

Rocky Horror Picture Show. Damit fasst man den gesamten Song denke ich ziemlich gut zusammen. Die Gitarrensoli, die Charaktere und insbesondere der zweite, ansteigende Teil im Refrain ist sowas von inspiriert von meinem Lieblingsmusical. Genau deshalb mag ich das Lied und ist mein Liebster der Unernsten. International kommt er aber mit großem Abstand am schlechtesten an. Am Video kann es nicht liegen, das ist grundsolide, unterstreicht die Stimmung des Songs und ist doch ganz amüsant anzusehen. Ein Großteil der Kritik geht an den Musikstil, gut das ist Geschmackssache, aber vor allem den Text. Da muss ich nämlich recht geben, der macht gar keinen Sinn. "Ich habe keine Filme (...) Ich habe keine Mickey Mouse Pyjama Hosen" Auch der Refrain strotzt nicht wirklich vor Sinn. "Do the cavemen wunderbar" Ja, das Deutsche Wort wunderbar hat es tatsächlich in das Lied geschafft. Da fällt mir auf, dass verdammt oft Deutsch in Funacts verwendet wird, siehe Verka Serduchka oder die Hungry Hearts im Vorentscheid 2016 in Norwegen. Der Unterschied zu cavemen ist, dass diese beiden Songs politische Interpretationsmöglichkeiten offen liesen. Verka aus der Ukraine mit ihrem lasha tumbai alias russia goodbye und die lesbischen Norweger mit der Zeile "auf den Straßen Moskaus, mit meiner Freundin.

Was dieser Cavemen ist, dass weiß man noch nicht. Ein Tanzmove ist es nach langer Googelei wohl nicht, oder ziemlich unbekannt. Der Flashmob am Ende hatte nun auch keinen Move, der den Namen rechtfertigen würde. Aber vielleicht steckt ja doch ein tieferer Sinn dahinter, der sich mir nur noch nicht ergibt. Auf der Bühne dürfen wir uns sicherlich auf Chaos und visuelle Überlastung freuen. Da wird für drei Minuten abgedreht. Tänzer und Flashmob würde mich freuen und ein flummihafter Oscar könnte auch spaßig werden.

Gesamt: Wer nun meint den letzten Platz zu kennen, der könnte sich gewaltig irren. Oscar ist nämlich sehr populär in Finnland und tourte gar durch Deutschland. Somit hat er eine Fanbase, die ihm schon mal einen Vorsprung gibt, bitte nicht unterschätzen. Aber unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es drei Funacts in ähnlicher Richtung gibt, die sich gegenseitig die Stimmen klauen werden, denke ich nicht, dass Oscar eine Chance hat.

9. Anni Saikku - Reach Out For The Sun

Eine weitere blonde Skandinavierin versucht ihr Glück mit einem exzentrischen Video. Zu Beginn sieht man das leuchtende Rechteck aus Calvin Harris' this is what you came for, in einer Nummer kleiner. Danach wird es ziemlich wild und unübersichtlich. Es wechseln sich Goldfische, Anni und Ärsche von Sychronschwimmerinnen in fließenden Übergängen ab. Mal ist Anni über den Dächern Helsinkis, mal im Rechteck und mal in mitten der Schwimmer, einmal sogar auf dem Sprungturm. Unterstützt wird das ganze von einer schwimmenden Kamerabewegung, die den Effekt eines "Trips" verstärkt. Anni ist darüber hinaus nie im vollen Ausmaße zusehen, dick ist sie nicht, hätte man also auch lassen können. Das wichtigste und der letzte prägnante Eindruck zuletzt. Ein Einhorn auf ihrer Lederweste.

Das alles mag nun sehr zufällig wirken, das ist es wohl auch. Ein klares Muster erkenne ich nicht, was nun Tunnel, Rechteck und Sprungturm miteinander zu tun haben. Auch manche Blicke von Anni in die Kamera wirken manchmal dezent unglücklich und machen mir Angst. Es polarisiert sehr stark. Es gibt meine Fraktion, die den Sinn hinter diesem Video vergeblich sucht und die uns Gegenüberstehende die meint, dass das alles künstlerische Ausdrücke sind und einen musikalischen Sinn ergeben. Da muss ich ihnen recht geben, die Musik und das Visuelle harmonieren sehr schön miteinander.

Das Lied würde ich im Felix Jahn chillout Bereich deklarieren. Für mich beginnt es sehr vielversprechend mit leisen Piano Akkorden und kraftvoller Stimme. Der Prechorus ist auch sehr kraftvoll und man erwartet den typischen Drop, an dem die einprägsame Melodie beginnt und alles tanzen oder zumindest wippen wird. Doch dann kommt die große Enttäuschung: Am eigentlichen Höhepunkt befindet sich kein Höhepunkt. Anstatt des Berges hören wir ein Tal. Statt Extase Cannabis. Für mich hat dieser Beitrag sehr viel Potential, nur so wird eben allea zunichte gemacht. Wenn du diesen Song 5 Mal hörst, kann er das #UMK gewinnen, aber wir hören Anni eben nur ein Mal. Chillout Musik braucht seine Zeit um in die Köpfe der Leute zu kommen, die hat sie aber nicht und auf einer Bühne macht sie es sich nicht sonderlich leicht. Da bleiben eigentlich nur lockere Tanzmoves von ihr. Tänzer? Nein, Atmosphäre passt nicht. Gesanglich schätze ich sie sehr gut ein, da das Lied einige Hürden besitzt und um die zu bekommen, muss man schon einiges drauf haben.

Gesamt: Vielversprechend beim ersten Bissen, aber enttäuschend im Abgang, das ist Anni! Sie könnte durchaus einen Hit landen, aber bei einem Vorentscheid könnte es schwierig werden. Die Jurys werden das wohl ziemlich hoch loben, aber wie hoch? Ich spreche ihr nicht sämtliche Chancen ab, jedoch könnte Finnland bessere Wahlen treffen.

10. Club la persè - My little world

Und wir kommen zum letzten Act, dem dritten Funact. Club la persè haben sich in einschlägigen Szenenclubs in Finnland einen Namen gemacht und versuchen nun diesen Schwung mitzunehmen, um als Transvestit-Lordis die Trophäe zu erringen. Wie erwartet, befinden wir uns mit der vierköpfigen Gruppe, auf einer ausgefallenen Party. Zunächt beginnt Miss Lili, die eine ausgesprochene Ähnlichkeit zu Olivia Jones besitzt. Blonde Perrücke garniert mit bienenfarben um die Augen und lila schimmernden Lippenstift. Dazu trägt die Dame ein schönes rotes Kleid, dass sie gewagt in Szene setzt. Dieses besitzt einige Einflüsse aus der Barockzeit und kontrastiert diese wunderschön mit den roten Lederhandschuhen. Dazu verspeißt sie verführerisch Pralinen und der Zuseher erstarrt vor....Eindrücken. Danach ist Ellen Vivian dran, diese sieht ehrlicherweiße am weiblichsten aus. In einem türkisenen hautengen Latexeinteiler, mit ein paar dezenten Ketten und Accessories, wirkt sie wie ein Alien mit verirrten Klamottengeschmack. Im Video haucht sie einige Küsse in die Kamera und sprüht einen gelben Freund mit Konfetti voll. Jean Michelle ist das dritte im Bunde und wirkt wie eine glitzernde Version von Ursula aus Ariele der Meerjungfrau. Blauer Kopf, mit goldener Krone, unter der die goldene Glatze hervorlugt. Ein Mund, der von Konstantinopel bis Paderborn reicht, gibt es mit viel Glitzer auch. Sie trägt ein klassisches weißes Brautkleid ohne Schleppe, dafür mit Scherpe. Das letzte in der Reihe ist Mr C**t, ein blondes Etwas mit Schweinenase (kein sarkastischer Kommentar, er trägt tatsächlich eine) Der Interpret überzeugt mit seinem silbernen Kleid, dass viel Rücken zeigt. Eine Handlung gibt es nicht wirklich, verschiedene Ärsche werden maltretiert.

Trash, Trash, Traaaaash. Aber für mich unterhaltsam und die fröhlichen Finnen werden das wohl ähnlich sehen. Es ist auf seine Art sehr unterhaltsam und dadurch, dass es 4 völlig verschiedene Charaktere gibt, wird der eigentlich langweilige Song zur wahren Spektakelbombe, natürlich glutenfrei. Intoleranz ist in Finnland weniger Thema und sollten sie diesen Beitrag zum ESC schicken haben wir wieder Schlagzeilen, weil irgendwelche Länder das nicht einblenden wollen. Kann sich nach diesen Zeilen noch jemand an den Song erinnern? Aber ich wette Sie können die Charaktere immer noch beschreiben.

Auf der Bühne wird das ein Fest und der Regisseur kann alles verfeuern, was bei den eher ruhigen Songs gespart wird. 3 Rampensäue und ein echtes Schwein werden die Kamera voll im Griff haben. Stimmlich könnte die Schwäche gar zur Stärke werden, da noch mehr Kontrast zu den anderen. Damit kein falscher Eindruck entsteht: ich bin kein Fan von diesem Beitrag, ich sehe aber das Potential. Natürlich ist das nicht neu und man kennt es schon, ich möchte sie auch gar nicht in Kiew sehen, aber diesen Unterhaltungsfaktor kann man nicht bestreiten.

Gesamt: Politische Botschaft? Dass Menschen wie sienicht in die "kleine Welt" mancher Leute passen? Wer weiß das schon. Außenseiter, jedoch nicht chancenlos dank Fanbase und Aufmerksamkeit. Vergesst aie nicht.

Das wars

Somit komme ich zu folgendem Endergebnis:

Emma wird das Ding gewinnen (Mein Platz 2)

Dahinter wird sich Alva (1) und Club la persè (7) auf dem Podest wieder finden.

Der undankbare 4. Platz geht an Anni(8).

Im Mittelfeld folgen Oscar (4), Lauri (6) und Norma John  (3)

Platz 8 geht an Günther (9), 9 an My first Band (10).

Den letzten Platz befürchte ich für Zühlke(5).

Somit habe ich, das Orakel, gesprochen und freue mich auf den 28.1!

Möge der beste gewinnen!

Donnerstag, 5. Januar 2017

Australien Pause

Es ist nun schon eine Weile her, seit dem letzten Post. Das liegt an meiner Australienreise, die noch bis August anhalten wird. Nun wird mobil vom Handy gebloggt, um auch der 2017-ner Saison genűgend Würdigung entgegen zu bringen. Neue Artikel folgen demnächst

Sonntag, 4. September 2016

Was macht eigentlich...? (3. Ausgabe: 2013)

Leider hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass der ESC meist die Spitze der Laufbahn der angetretenen Künstler war. Es gibt kaum einen Interpreten, der nach dem ESC noch einen Hit in Europa landen konnte. Und sogar die Liste der Ausnahmen fällt vergleichsweise kurz aus. 

Durch diese neue Serie möchte ich zeigen, was die Künstler nach dem ESC noch auf die Beine stellen. Denn viele Künstler wehren sich gegen ihr dadurch bestimmtes Schicksal und veröffentlichen fleißig Songs. Diese reichen oft nicht an den ESC-Beitrag heran und gehen in den Tiefen der Itunes-Liste unter. Einige Perlen gibt es natürlich dennoch unter den unglaublich vielen neuen Songs. Nun in der absoluten Stunde 0 des ESC´s kann man sich damit beschäftigen. Aber das stoppt mich nicht in den tiefen des Internets, nach neuem Material zu stöbern.

Starten werden wir in 2013, dem letzten Jahr indem Schweden Ausrichter war. Natürlich haben nicht alle Künstler neue Songs veröffentlicht, manche haben gar den Beruf Sänger an den Nagel gehängt, aber dennoch gibt es so einige Neuigkeiten. Die Lieder sind nicht nach meinem Geschmack sortiert, sondern nach ihrer Platzierung beim ESC. Ich hoffe, dass ich zu jedem Künstler zumindest ein Lebenszeichen finde. Sicher ist das nicht. In diesem Post kümmern wir uns um das Mittelfeld des Finales, also die Plätze 11-20.

Platz 20: Birgit Õigemeel (Estland)

Et uus saaks alguse, so hieß ihr ESC-Beitrag. Es könnte ein neuer Anfang sein war für ihren Beitrag ein in allen Belangen der passender Titel, denn im Mai 2013 war sie im fünften Monat die ESC-Quotenschwangere. 2015 war das Trijntje aus Holland, 2016 Ira aus Malta. Im Oktober 2013 kam ihr gesundes Kind zur Welt und komplettierte das Glück der heute 39-Jährigen. Sie wuchs im beschaulichen Dorf Vilivere, das direkt am Fluss Keila liegt, auf und diese ländliche Prägung kann man in ihren Songs wiedererkennen. Bevor sie 2013 zum ESC durfte, scheiterte sie 2008 und 2012 im estnischen Vorentscheid als 3 bzw. 7.

Die Gewinnerin der Castingshow Estland sucht den Superstar 2007 ist glücklich (?) mit ihrem estnischen Manager Indrek Sarrap verheiratet. Dadurch hat sie auch ihren wunderschönen Nachnamen verloren und heißt nun Birgit Sarrap. Musikalisch ist sie noch aktiv und arbeitet mit der estnischen ESC-Prominenz zusammen. So nahm sie 2014 eine Single mit Ott Lepland (Estland 2012) auf, hatte im Oktober acht Auftritt mit Jüri Pootsmann (Estland 2016) und ihr Mann organisierte eine Weihnachtstour für Tanja (Estland 2014). Am ersten Mai wurde ihre erste Tochter geboren, was sie mit einer neuen Single feierte. Im Song geht es nach einem schnellen Estnisch Crashkurs darum, dass sich zwei Menschen treffen und zusammen glücklich werden und allen Schwierigkeiten aus dem Weg gehen. Der gute Laune Softpop-Song geht sofort ins Blut und animiert zum mitsingen. 




Platz 19: Bonnie Tyler (Großbritannien)

Ja, manch einer hat schon vergessen, dass diese große Popdiva auch schon im ESC-Karussell war. Manch einer hat es schon verdrängt. Aber ihre guten Tage sollten natürlich nicht unerwähnt bleiben. 6 Top-10 Hits in ihrer Heimat Großbritannien, ein Nr.1 Song in den USA und ein Nummer 1-Album in Großbritannien. Diese Erfolge stammen aus 1977-1984. Aber das Ablaufdatum ihres Erfolges hatte sie kurz darauf überschritten. Selbst der deutsche Pop-Titan Dieter Bohlen konnte mit ihr keinen Erfolg erzielen. Der schafft es normalerweise unmusikalische französische Schildkröten zu Stars zu machen, aber Bonnie war dann doch eine Nummer zu groß. 2005 dann der vorzeitige Abschied, der 2012 dann mit dem neuen Flop-Album und 2013 mit der ESC-Teilnahme ad absurdum geführt wurde. Aber der guten alten Zeiten wegen ihr größter Hit:



Beim ESC konnte nicht einmal eine fünfköpfige Backgroundsängerband die Geräusche im Refrain verbessern, obwohl natürlich nicht alles an ihrem Auftritt so unterirdisch war, wie ihre Ausstrahlung. Die Choreographie und die Kameraführung waren wirklich passend, dass rettet aber keinen Song, der selbst in den 90ern als altbacken gegolten hätte. Es ist immer schade wenn Stars nicht wissen, wann sie langsam aus dem Spotlight abtreten sollten. Ein abschreckendes Beispiel hierfür ist Madonna und ihr Song Bitch I´m Madonna. Bei Bonnie Tylor mag das, was sie aktuell macht nicht peinlich wie bei Madonna sein, aber man verspürt eben nur ein Gefühl, wenn man hört, dass ein solcher Star sich mittlerweile mit Konzerten in Ulm oder Dresden über Wasser hält: Mitleid. Wer übrigens noch einmal Bonnie Tylor sehen möchte, kann das in diesem Herbst bei ihrer Deutschland-Tour. Hier die Daten


Platz 18: Dorians (Armenien)

Die armenische Rockgruppe mit ihrem Frontsänger, dem Augenbrauenbalkenmonster, zeigte sich mit ihrem hymnischen ESC-Beitrag ziemlich nachdenklich über die Zukunft unserer Erde. Hätten sie sich mal Gedanken um ihre Zukunft gemacht, denn diese ist nicht existent. Die 2008 in Jerewan gegründete Band, deren Fronsänger schon 2010 als Backgroundsänger beim ESC war, gab im Mai 2015 das letzte Lebenszeichen von sich. Das war ein Spendenaufruf für ein Kleinkind. Seit dem scheinen sie vom Erdboden verschluckt zu sein.

Platz 17: Eyþór Ingi Gunnlaugsson (Island)Der erste Schock dieser Ausgabe. Der sehr friedliche Wikinger war bei seinem ESC-Auftritt erst 24. Ich dachte allein um eine solche Haarpracht zu entwickeln, brauche man mehr als 30 Jahre. Wie dem auch sei, der in diesem Jahrtausend bislang einzige Isländer, der beim ESC Isländisch gesungen hatte, ist dem Musikgeschäft auch mit 27 Jahren noch treu geblieben. Er hat eine sehr aktive Facebook-Seite, auf der er seine verschiedenen musikalischen Projekte erwähnt. So lautet sein aktuelles Projekt Atomskaldin, was eine rein isländische sechsköpfige Band ist. Aber auch seine Solokarriere macht weiter Fortschritte. So veröffentlichter er diesen Sommer den Titelsong zum Film Alfheim´s Edge. Diesen typischen isländischen Folksong, der eine ähnliche Stimmung wie der neue Song Row von Greta Salomé verbreitet, möchte ich natürlich nicht vorenthalten.

Privat ist er nicht mehr Solo unterwegs, sondern glücklich mit der Frau seiner Träume zusammen. Das gemeinsame Glück wird durch zwei Kinder seiner Frau aus einer vorausgegangener Beziehung , zusammen mit einem gemeinsamen Kind, komplettiert. 

Platz 16: Aljona Lanskaja (Weißrussland)

Die tanzende Diskokugel aus Minsk scheint den typischen Gang einer Frau nach dem ESC nachzugehen. Die Diskokugel bezieht sich natürlich auf die Visualisierung ihres Auftrittes und nicht auf ihren Körperbau, bevor hier eine Hobby Alice Schwarzer auftaucht. Auch sie bringt keine neuen Lieder heraus, postet täglich neue Fotos auf Instagram und hat einige TV-Auftritte hier und da. Im Moment ist sie in Sotschi, um einen Auftritt beim New Wave Festival (einer nicht ernst zu nehmenden osteuropäischen Konkurrenz zum ESC) hinzulegen. Wirklich spannende Neuigkeiten gibt es nicht. 

 




 Platz 15: Nodiko Tatishvili & Sopho Gelovani (Georgien)

Die Performance von den beiden war so konstruiert, gewollt und statisch, wie es ein Auftritt beim ESC wohl nie mehr sein wird. Stimmlich harmonierten die beiden aber sensationell, dass sollte man fairerweise dazu sagen. Nach dem ESC haben sich ihre Wege aber meinen Erkenntnissen nach nicht mehr gekreuzt. Nur für den ESC 2015 saßen sie wohl im selben Raum, denn sie agierten als 2 der 5 Juroren Georgiens.  Sopho veröffentlichte im Dezember eine neue Single. Der Sound dieses Songs ist wirklich speziell und erzeugt eine sphärische, fast majestätische Stimmung, die die Natur im Vordergrund behält. Falls ihr also für eure nächste Hot-Stone-Massage noch nicht die richtige Musik gefunden habt, hilft euch Sopho dabei, eine mystische Atmosphäre zu erzeugen.



Und Nodiko? Der feiert im November seinen 30. Geburtstag. Musikalisch gibt es wohl keine Neuigkeiten von ihm. Auf seiner Facebook-Seite sitzt er in einem The-Voice Juroren Stuhl, also gehe ich davon aus, dass er dort als Juror arbeitet(e). Sein letzter Auftritt ist auf den 19.8 im #Sector26 datiert. Seit dem postete er nur noch ein religiöses Gemälde. 


Platz 14: Robin Stjernberg (Schweden)

Robin, der Mann von dem Natalie Horchler so beeindruckt war, aber am Ende doch nur den 14. Platz Zuhause erreichte. Ein Wunder, dass man keine Kötbullar aus ihm gemacht hat. Was sein komisches Podest sollte, dass wie eine überdimensionale IKEA-Lampe aussah, verstehe ich bis heute nicht. Sein Gesang allerdings war sehr stark, 2013 war es einer meiner Hassbeiträge, 2016 einer meiner Liebsten. 

Aber nach dem ESC ist vor allem in Schweden meistens vor dem ESC. Aber bisher gab es keine Bemühungen von ihm, erneut beim ESC anzutreten. Aber ich liebe die Gerüchteküche, von daher kann jeder sein neustes Instagram-Bild selber interpretieren...



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Direkt nach dem ESC kam sein Album auf den Markt, dass in Schweden Platz 2 erklomm. Darauf folgten noch einige Singles. 2015 erschien der typische EDM-Song Let me dance with you, der von TDK produziert wurde. Im Januar 2016 erschien seine bislang letzte Single Take me home. Diese erinnert mich ein bisschen an Charlie Puths See you again, dennoch durchaus hörenswert. Keine der neuen Songs schaffte es in die Charts. Nirgends.

Platz 13: Cezar (Rumänien)

An dem in Mailand professionell ausgebildeten Opernsänger scheiden sich die Geister. Ist ja toll, dass er so schön singen kann, aber er sollte dann doch lieber bei Opern bleiben. Aber er mischt da fröhlich, wie in seinen Stimmlagen. Neue Songs gibt es nicht. Instagram ebenfalls nicht. Aber dennoch ist er in Rumänien noch regelmäßig zu sehen - nämlich im Fernsehen. Er nahm schon Lieder mit Paula Seling (Rumänien 2010 &2014) auf, in welchen er mit seiner außergewöhnlichen Stimme zaubert. 2015 nahm er an der rumänischen Staffel von Youre face sounds familiar teil. Und beim rumänischen Vorentscheid 2016 trat er als Interval Act auf. Mit einer unglaublichen Version von Rise like a phoenix berührte er die Zuschauer:



Platz 12: Roberto Bellarosa (Belgien)

Der Belgier mit italienischen Wurzeln gehörte 2013 zu den auffälligsten Teilnehmern, da man in jeder seiner Schritte Unsicherheit und Anspannung spüren konnte. Sein Management setzte bei seiner Optik auf die "Ohh, wie putzig ist der denn!" Strategie. Der Justin Bieber Topfhaarschnitt war die passende Ergänzung zu den Rehkitzaugen und dem verschmitzten Lächeln. Warum man ihn dann in einen langweiligen Anzug packte - Egal, wir reden hier ja nicht über den ESC-Auftritt. 

Das Erste, was sofort ins Auge fällt, ist sein neuer Look. Dieser lässt ihn zwar deutlich älter als 22 aussehen, ist aber ein Quantensprung zum pubertären Wischmop zuvor. Mit seinem Freund/Mann hat er scheinbar eine kleine Tochter, deren Leben er sehr gerne auf Instagram teilt.





Aber genug vom Privaten, ab zum Beruflichen! Zur Zeit absolviert er einige Auftritte bei kleineren Locations in Belgien, der nächste am 07.10 in der Kleinstadt Binche. Aber zum Leben kann das nicht reichen und seine letzte Single ist in 2015 erschienen. My Girl erschien in Zusammenarbeit mit Sony und klingt in der Studioversion ganz ok, wenn man billig produzierten Pop mag. Aber live hat es Roberto immer noch super drauf, einen Song unglaublich zu verhunzen. Respekt! 

Platz 11: Aliona Moon (Moldawien)

Die bislang letzte Person Moldawiens, die das Finale bereichern durfte. Warum schafft es Moldawien nicht mehr ins Finale? Diese Antwort würde einen eigenen Blog-Post rechtfertigen. Aber egal, die Broadwayhexe Aliona hat doch nach ihrem dramatischen Aufstieg beim ESC bestimmt eine kometenhafte Karriere gestartet! 

Naja, sie lebt immerhin noch. Obwohl ihr Gewicht mir noch mehr Sorge bereitet als 2013. 2014 nahm sie an The Voice in Rumänien teil und kam einige Runden weiter. Da die Musikbranche im malerischen mittelgroßen Moldawien (Jetzt reicht´s aber mit den Alliterationen!)  nicht als Größte gilt, führt nahezu kein Weg am ESC vorbei. So trat sie als Interval-Act beim Vorentscheid 2016 auf. Eine Einladung aus Rumänien nahm sie dankend ab, da sie nicht den perfekten Song hatte. Im Nachhinein hat ihr das viel Arbeit für Nichts erspart. Musikalisch gibt es auch Neuigkeiten aus dem April. Ihre Single "Raum für Romantik" ist ein typisch entspannter Sommerhit, der nirgends aneckt und auf jeden zweiten Popalbum gefunden werden könnte. Im Video hab ich fast das Gefühl, dass das rote Etwas von Sekunde zu Sekunde noch dünner wird! Das Video erinnert an die 70-er und enthält einen tollen Witz, der den Titel auf den Arm nimmt. Aber dafür bitte das Video ansehen. Und wer sich fragt, wie sie heute aussieht:



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 Bisher scheint Sara Jo aus Serbien die einzige ESC-Teilnehmerin 2013 zu sein, die aktuell wirklich erfolgreich ist. Aber die Top10 aus 2013 werden in der finalen Folge behandelt. An sich kann es nur besser werden. Aber ich täusche mich sehr oft, wie die Zuschauer, als sie Aserbaidschan auf Platz 2 wählten! Das habe ich immer noch nicht überwunden. 

Mittwoch, 22. Juni 2016

Was macht eigentlich...? (2. Ausgabe: 2013)

Leider hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass der ESC meist die Spitze der Laufbahn der angetretenen Künstler war. Es gibt kaum einen Interpreten, der nach dem ESC noch einen Hit in Europa landen konnte. Und sogar die Liste der Ausnahmen fällt vergleichsweise kurz aus. 

Durch diese neue Serie möchte ich zeigen, was die Künstler nach dem ESC noch auf die Beine stellen. Denn viele Künstler wehren sich gegen ihr dadurch bestimmtes Schicksal und veröffentlichen fleißig Songs. Diese reichen oft nicht an den ESC-Beitrag heran und gehen in den Tiefen der Itunes-Liste unter. Einige Perlen gibt es natürlich dennoch unter den unglaublich vielen neuen Songs. Nun in der absoluten Stunde 0 des ESC´s kann man sich damit beschäftigen. Aber das stoppt mich nicht in den tiefen des Internets, nach neuem Material zu stöbern.

Starten werden wir in 2013, dem letzten Jahr indem Schweden Ausrichter war. Natürlich haben nicht alle Künstler neue Songs veröffentlicht, manche haben gar den Beruf Sänger an den Nagel gehängt, aber dennoch gibt es so einige Neuigkeiten. Die Lieder sind nicht nach meinem Geschmack sortiert, sondern nach ihrer Platzierung beim ESC. Ich hoffe, dass ich zu jedem Künstler zumindest ein Lebenszeichen finde. Sicher ist das nicht. In diesem Post kümmern wir uns um die hintere Hälfte des Finales, also die Plätze 21-26.

Platz 26: Ryan Dolan (Irland)

Zunächst einmal zu seinem Privatleben: 2014 outete sich Ryan als homosexuell und unterstützt seither die irische Szene. Ach ja, Ryan durchbrach auch schon die Schallmauer 30, wär hätte das gedacht? Musikalisch scheint es einige Probleme zu geben, da er unbedingt als Sänger arbeiten möchte, aber keine neuen Songs veröffentlicht. Auch Auftritte außerhalb der LGBT-Szene sind nur noch Ausnahmen. Neben dem singen beschäftigt er sich noch mit der Malerei. Im Mai veröffentlichte er ein Album, in dem er ausschließlich Cover darbietet. Diese klingen wirklich gut und sind ein Reinhören auf Spotify wirklich wert. Seine letzte Single stammt aus dem Sommer 2014 und hatte einen sehr großen Radiocharakter. Wie man auch in seinen Covers hört, hat er sehr großes Talent und es ist wirklich bedauernswert, dass er keine neue Ware herstellt.



Platz 25: ESDM (Spanien)

Die spanische Band scheint zur Zeit eine Pause eingelegt zu haben, oder haben sich gar getrennt. Jeden falls gibt es keine gemeinsamen Auftritte in der näheren Vergangenheit. Aber auch die Wege haben sich mittlerweile extrem getrennt. Der grob motorische Gitarrist scheint sich von der Musik verabschiedet zu haben, oder auf Infos zur seiner Person. Kennt jemand Juan Luis Suárez Garrido? Bitte melde dich!

Das Xabi Alonso Double hat sich auch von der Frontfrau losgelöst und veröffentlicht nun seine eigene Musik. Vor gut einem dreiviertel Jahr hat er wohl ein Album veröffentlicht, die Songs daraus hören sich wirklich gut an! Besonderen Gefallen hab ich an dem Rocksong Vapor (Dampf) gefunden.



Die Frontfrau glänzte ja noch nie mit einer besonders starken Stimme. so ist es kein Wunder, dass singen zwar noch eine große Rolle für sie spielt, sie aber selten Auftritte hat oder neue Songs veröffentlicht. Das Singen war ja nicht ihr erster Job, denn zuvor war sie die Frau von Formel 1 Dauerbrenner Fernando Alonso, ein sehr Kräfte zehrender Job. Nun hat sie erneut einen Berufswechsel vollzogen und ist nun Bloggerin, praktisch wie ich, nur mit 150k Followers einen Hauch erfolgreicher. Einen neuen Mann hat sie auch gefunden und nennt auch noch den Beruf Mutter ihr Eigen. Ihr Ehemann Pedro ist übrigens Regisseur.


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 Platz 24: Krista Siegfrieds (Finnland)

Die heiratswütige Braut ist nun unter der Haube. Geheiratet hat sie Janne Grönroos, ein selbsternannter Comedian und DJ. Das passt irgendwie. Das Jahr 2016 war ein recht aufregendes Jahr für sie, da sie gleich in zwei Vorentscheiden mitwirkte. Zum einen moderierte sie in Finnland den Vorentscheid, in einem unfassbar hässlichen pinken Kleid. 


Des weiteren war sie beim erfolgreichen Bruder Schweden und versuchte dort ihr Glück als Teilnehmerin um Schweden zu repräsentieren. Ihr schwedischer Song "Faller" erreichte im zweiten Halbfinale nur den 5. Platz, was also das sofortige Aus bedeutete. Das härteste Semifinale hatte sie bei weitem nicht, da sich Platz 3 und 4 ebenfalls nicht fürs Finale qualifizieren konnten und die Plätze 1 und 2 im Finale die Plätze 4 und 11 erreichten. Aber durch dieses Engagement zeigt sich, dass sie großes Interesse an einer Rückkehr hat. Warum nicht 2017 für Finnland?


Platz 23: Amandine Bourgeois (Frankreich)

Die beim ESC unsicher wirkende Französin scheint kein wirkliches Glück in der Musikbranche gefunden zu haben. Das sollte allerdings nicht all zu sehr überraschen, da sie ja auch durch eine Castingshow bekannt wurde. Nach ihrem ESC-Auftritt folgten noch einige Singles, allerdings nur bis in den Sommer 2014, als die letzte Single veröffentlicht wurde. Dieser lockere Song mit dem Titel Wie du mich lieben sollst, eignet sich super zur Hintergrundbeschallung in einem Restaurant, zu mehr aber auch nicht.



2014 nahm sie auch an einer TV-Show teil, die niveautechnisch an das deutsche Dschungelcamp erinnert. Scheinbar kann sich Frankreich aber die Namenskosten für das Dschungelcamp nicht leisten und nennt es Fort Boyard. Eine Mischung aus Fluch der Karibik und den Ekelprüfungen von RTL. Amandine musste zum Beispiel einen Spieß mit Vogelspinnen essen. Der Fall eines ESC-Stars.

Dem Terminkalender schaden diese Auftritte wohl dennoch nicht, da sie regelmäßig Auftritte hat. Am 21.06 trat sie in Saint Tropez auf, am 19.06 in der Nähe von Lyon und hier kann man einen Blick auf ihre kommenden Konzerte werfen. Sie schlägt sich also immer noch als Sängerin durch, aber der Durchbruch gelang ihr nicht.

Platz 22: Andrius Pojavis (Litauen)

Die zuckende Augenbraue von Malmö hat auch im Jahre 2016 eine Sache nicht verlernt: Seinen unglaublich schlimmen Akzent. Die Veröffentlichung von guten Liedern gehörte noch nie zu seinen Stärken und auch das behielt er bei sich. Im vergangenen Jahr wurden zwar einige Songs veröffentlicht, doch lässt alleine die Produktionsqualität Professionalität vermissen. Autotune ist erst dann gut eingesetzt, wenn man es nicht mehr hört, aber bei ihm wurde es einfach gar nicht vertuscht, wenigstens ist er ehrlich. Von April stammt der kritisierte Song:



Ansonsten soll diese Single wohl den Startschuss für ein Album zünden, ohh Gott! Das Album "Seven" wurde durch Kickstarter finanziert und scheint wohl mitten im Entstehungsprozess zu stecken. Zumindest hat er wohl alle Songs eingesungen und spielt noch ein wenig an den Knöpfen herum. Auf seiner Website erklärt er, dass er die Songs in einem 18-monatigen Großbritannien-Aufenthalt zusammen mit Studenten geschrieben habe. Danach sei er nach Valencia gezogen, um dort das Album aufzunehmen. Auf seiner Website ist von Mai die Rede, aber die kann man sowieso nicht ernst nehmen, da er Friedrich Nietzsche als Friedrech schreibt. Es ist wirklich schön, dass er seinen Traum als Sänger sein Geld zu verdienen, nachgeht. Aber etwas Hilfe würde ihm nicht schaden...genau so wenig wie ein Englischlehrer. Kleines Update: Am 01.09. erschien die zweite Single aus dem neuen Album. Man hört wahrlich, dass es ein Low-Budget Album wird.

Platz 21: Cascada (Deutschland) 

Die damalige große Hoffnung Deutschlands und wie wir heute wissen, der Beginn des rapiden Absturzes deutscher ESC-Beiträge. Nach dem ESC wurde nicht lange gefackelt und es fanden einige Singles den Weg in die Läden. Die großen Pläne der Gruppe wurden allerdings durch die Schwangerschaft Natalie Horchlers etwas gebremst, das im September zur Welt kam. Zuvor wurde aber noch eine neue Single aufgenommen und aktuell sind sie wieder auf Europa-Tour. Am 25.6 spielen sie an einem finnischen Strand, später in Spanien, Großbritannien, Österreich, Irland und natürlich Deutschland. Somit hat der ESC ihnen keinen spürbaren Rückenwind gebracht, aber ihre Karriere auch nicht total beschmutzt, was ja leider fast schon eine Seltenheit ist. 

Die restlichen Sänger werden in den beiden finalen Episoden der Reihe: Was macht eigentlich...? behandelt.

Freitag, 3. Juni 2016

Was macht eigentlich...? (1. Ausgabe: 2013)

Leider hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass der ESC meist die Spitze der Laufbahn der angetretenen Künstler war. Es gibt kaum einen Interpreten, der nach dem ESC noch einen Hit in Europa landen konnte. Und sogar die Liste der Ausnahmen fällt vergleichsweise kurz aus. 

Durch diese neue Serie möchte ich zeigen, was die Künstler nach dem ESC noch auf die Beine stellen. Denn viele Künstler wehren sich gegen ihr dadurch bestimmtes Schicksal und veröffentlichen fleißig Songs. Diese reichen oft nicht an den ESC-Beitrag heran und gehen in den Tiefen der Itunes-Liste unter. Einige Perlen gibt es natürlich dennoch unter den unglaublich vielen neuen Songs. Nun in der absoluten Stunde 0 des ESC´s kann man sich damit beschäftigen. Aber das stoppt mich nicht in den tiefen des Internets, nach neuem Material zu stöbern.

Starten werden wir in 2013, dem letzten Mal indem Schweden Ausrichter war. Natürlich haben nicht alle Künstler neue Songs veröffentlicht, manche haben gar den Beruf Sänger an den Nagel gehängt, aber dennoch gibt es so einige Neuigkeiten. Die Lieder sind nicht nach meinem Geschmack sortiert, sondern nach ihrer Platzierung beim ESC. Ich hoffe, dass ich zu jedem Künstler zumindest ein Lebenszeichen finde. Sicher ist das nicht. In diesem Post kümmern wir uns um die Ausscheider aus den Semifinals.

Platz 39 in Malmö: Hannah Mancini (Slowenien)

Von der mittlerweile 43 (!) jährigen US-Amerikanerin hört man mittlerweile nicht mehr viel. Auf ihrer relativ aktiven Facebook-Seite finden sich nur noch kleinere Auftritte in Clubs oder Bars. Neue Songs gibt es laut meinen Informationen gar nicht, das letzte wurde am 25.5.13 hochgeladen, also sehr knapp nach dem ESC. Dieser Song ist ein typischer House-Song, der zusammen mit einer slowenischen DJ-Gruppe und einem Kroaten aufgenommen wurde. Und dieser ist gar nicht mal schlecht.



Zwar hat sie seit dem keine Lieder mehr aufgenommen, aber dennoch gibt es ein Lebenszeichen vom 12.12.2015 von ihr, als sie ein Cover von Robin Schulz als Duett auf YouTube veröffentlicht hat. Dank ordentlicher Nachbearbeitung klingt das wirklich gut.



Platz 38: Despina Olympiou (Zypern)

Die Zypriotin hat seit 2013 scheinbar gar nichts mehr veröffentlicht. Die Schallmauer 40 hat sie mittlerweile auch durchbrochen und erachtet es offenbar als unnötig, neue Songs zu veröffentlichen. Aber scheinbar ist ihr Terminkalender dennoch gut gefüllt, zumindest behauptet das ihre Instagramseite. Aber ansonsten gibt es keine neuen Infos von ihr. Aber ein Lebenzeichen vom 30.05.2016!


 Platz 37: PeR (Lettland)

Die Band PeR ("Please explain the rhythmn") hat nach 2013 einige Songs veröffentlicht, aber auch bei ihnen hat es in letzter Zeit ziemlich nachgelassen. Der letzte Song der auf ihrem YouTube-Konto veröffentlicht wurde, stammt vom 09.06.2014. Danach folgen noch einige Auftritte, aber auch in der aktuellen Festivalsaison müssen wir nicht auf PeR verzichten. Am 2.Juli sind sie auf der Conincy Pop in Elsloo, Niederlande. Der andere Auftritt ist am 5. August in Estland verzeichnet. Mein persönlicher Favorit ihrer "After-Eurovison-Phase" ist auch ihr neuster "Smile". Damit wäre eine deutlich besser Platzierung in Schweden erreicht worden.



Platz 36: Natália Kelly (Österreich)

2013 bei ESC gewesen und im Jahre 2016 erst 21 Jahre alt. Die Karriere von Natália könnte so gut sein, wenn sie denn existieren würde. Es gibt rein gar nichts. Ihr Album erschien noch im Sommer 2013, danach noch 2014 ein Song. Das wars. Dank den verschiedenen Plattformen weiß man, dass sie nach wie vor in kleineren Bars auftritt. Ihr kleiner Bruder hat kürzlich in den USA die Universität abgeschlossen. Aber Natália macht doch noch Hoffnung, da sie dieses Bild im April geteilt hat.


Ein von Natália Kelly (@tatimiu) gepostetes Foto am

Platz 35: Esma und Lozano (Mazedonien) 

Die Wege des ungleichen Paares kreuzten sich seit dem ESC meines Wissens nicht mehr. Über Esma (heute 72) gibt es überhaupt gar keine Infos mehr, sie scheint vom Erdboden verschluckt zu sein (Edit: Leider verstarb Esma am 11 Dezember 2016 in Skopje). Umso mehr gibt es allerdings von Lozano (30) eigentlich Vlatko Lozanoski. Er besitzt eine hochaktive Facebook-Seite, auf der er mehrmals täglich das für ihn wichtige teilt. Dazu kommen auch von Zeit zu Zeit neue Songs. Offenbar hat er es anscheinend geschafft in der mazedonischen musikalischen Szene Fuß zu fassen. Sein aktuellster Song folgt unten und ist ein wirklich radiotauglicher Song.



Platz 34: Adrian Lulgjuraj und Bledar Sejko (Albanien)

Bledar war der E-Gitarren-Spieler, der bereits 2011 beim albanischen Act, seine Fähigkeiten darbieten durfte. Von ihm gibt es in näherer Vergangenheit keine neuen Songs, nur vereinzelte Projekte und Auftritte, die er auf seiner Facebook-Seite zeigt. Zur Zeit hatte er einige Gigs in Österreich und regelmäßige Auftritte in Albanien. Aber auch Schicksalsschläge müssen ESC-Stars verkraften. Sein kleiner Yorkshire Terrier Kiko starb zu Jahresbeginn. Eine Minute des Schweigens bitte.

Vom Sänger Adrian gibt es ähnlich viele Nachrichten. Er teilt viele Bilder seines Sohnes, den ich auf circa 4 Jahre schätzen würde. Ansonsten gibt es kleinere Gigs in Bars, Clubs oder Festivals. Leider ist seine Facebook-Seite nicht sonderlich aktiv. sodass man kaum Konzerte von ihm findet. Generell haben beide Künstler eine mehr als mangelhafte Internetpräsenz. Auch abschreckendes fand ich. Nämlich ein Bild, auf dem er aussieht wie Costa Cordalis

Platz 33: Klapa s mora (Kroatien)

Klapa bedeutet auf kroatisch Gruppe. Es ist eine oft männliche, bis zu 12 Köpfe große Gesangsgruppe, die auf melodische und harmonische Bausteine in ihren Liedern achten. Diese Tradition stammt aus Dalmatien, was der untere Teil Kroatiens ist. Beim ESC startete die "Gruppe des Meeres". Diese 6 Sänger stammten aus 5 verschiedenen Klapas. Alles verstanden?

Marko Škugor, der 1. Tenor der Gruppe, tourt zurzeit scheinbar Solo durch Kroatien und absolviert viele Auftritte. Am 22.Mai hatte er auch ein Konzert in Slowenien, daher scheint er  in der ganzen Region relativ bekannt zu sein. Auch neues Material gibt es von ihm (2016), was bei uns vermutlich auf den Schlagersendern laufen würde. 



Zum 2. Tenor Ante Galić gibt es überhaupt keine Infos. Mit gar keinen meine ich tatsächlich gar keine, da er weder eine Facebook-Seite, noch irgendwelche anderen Fußspuren im Internet hinterlassen hat.

Von den anderen 4 Teilnehmern gibt es zwar Lebenszeichen, allerdings veröffentlichen sie keine neuen Songs und singen weiterhin mit ihren Heimatgruppen. 

Platz 32: Who See feat. Nina Žižić (Montenegro)


Das HipHop-Duo Who See scheint auch weiterhin auf dem Balkan recht populär zu sein. Im April und Mai standen einige Gigs im Terminkalender, in ganz Montenegro. Diese Popularität könnte auch damit zu tun haben, dass sie in regelmäßigen Abständen Songs veröffentlichen und das nicht zu knapp. Die beiden aktuellsten stammen vom April 2016, diese finden sich allerdings nicht in meinem Geschmack wieder. Der Song, der mir am besten gefällt ist nun ein Jahr halt und klingt so:


Das Alien Nina hat ein scheinbar ein wirklich spannendes Leben. Aber die Musik scheint dabei nur noch eine Nebenrolle zu spielen. Viel mehr wirkt sie mittlerweile als "Person des öffentlichen Lebens". Also keine neuen Songs, aber viele, viele Bilder auf Instagram. Ihren letzten gesanglichen Auftritt hatte sie am 21. Mai, in einer Hafenstadt in Montenegro. Allerdings war es ein Festival, bei dem sie nicht der größte Name war. Aber als Model macht sie sich ja auch nicht schlecht, obwohl ihre Stimme ja wirklich gut klingt.




Platz 31: Moran Mazor (Israel)

Musikalisch gibt es nicht viele neuen Infos von Moran, denn ihre Facebook-Seite ist inaktiv und ihr letztes Album erschien 2013. Aber körperlich ist sie eine völlig neue Person geworden. Man erinnert sich ja noch an 2013 und ihren geplatzten Neoprenanzug. Heute würde sie in ein Bein des Anzugs passen, denn sie hat ihr Gewicht praktisch halbiert. Bei der erstmals in Tel Aviv stattfindenden Pre-Party trat sie auf, aber ihre Stimme schien nicht minder abgenommen zu haben. (PS: Ist die "Schwulenszene" so riesig in Israel? Denn jeder israelische Interpret seit 2013 hat einen Bezug zu dieser Szene?)



Mittlerweile habe ich neue Videos gefunden, die zeigen, dass das einfach ein stimmlich schwacher Auftritt war. Also singen kann sie wohl immer noch, nur mit der Karriere will es nicht so klappen. Dabei ist sie erst 25 und sieht mittlerweile so aus.




Ein von Moran Mazor (@moran_mazor) gepostetes Foto am

Platz 30: Takasa (Schweiz) 

Die Band hat sich wohl aufgelöst, da es seit 2013 kein Lebenszeichen als Gruppe mehr gab. Die einzelnen Mitglieder verfolgen nun alleine ihren Weg. Dieser endet oft auf der Straße, also als Straßenmusikant natürlich. Große Neuigkeiten gibt es nicht.

Platz 29: Eliza Todorowa & Stojan Jankulow (Bulgarien)

Das trommelnde Duo scheint kein trommelndes Paar zu sein, sie arbeiten einfach nur seit 2003 zusammen. Während man von Stojan absolut nichts findet, hat Eliza noch einige Auftritte. am 1.6 hatte sie ihren letzten Auftritt in Pernik, etwas westlich von Sofia. Ihr letztes Album erschien 2014. Man merkt schon, dass es keine besonderen Neuigkeiten gibt, aber immerhin ist ihre Website aktuell. 

Platz 28: Moje 3 (Serbien)

Nach dem das Projekt mit dem Podest von the Voice ordentlich nach hinten los ging, was natürlich an den Cupcakekostümen lag, trennte sich die Formation kurz darauf auf. Die Mitlglieder machen heute folgendes:

Mirna Radulović: Die Gewinnerin der Show und die Älteste der Formation, schlägt sich mittlerweile mehr schlecht als recht als Solointerpretin in Serbien herum. In den Jahren 2013 und 2014 schaffte sie es noch, einige neue Songs im Fernsehen darzubieten. 2016 durfte sie als Hilfssängerin bei einer Kneipenband aushelfen. Sie ist erst 23.



Nevena Božović: Bei der jüngsten der drei läuft es deutlich besser. Die Goldsträhne hat nämlich ein funktionierendes Management, dass es ihr ermöglicht, neue Lieder zu veröffentlichen. Zu den Chartplatzierungen ihrer Singles konnte ich nichts finden, aber der Sound ist auf jeden Fall kompatibel für den gesamten Balkan. Schöne traditionelle Elemente, die mit Landessprache garniert werden, ein wahres Festmahl, auch optisch.






Ein von Nevena Božović (@nevenabozovicofficial) gepostetes Foto am

Sara Jovanović: Die Ausgeflippte aus der Truppe hat nicht nur einen Imagewechsel, sondern auch einen namentlichen hinter sich. Für ihre Solokarriere nennt sie sich nun nur noch Sara Jo. Und sie geht einen völlig anderen Weg als Nevena, die ja in der heimischen Balladenszene tätig ist. Sara ist mittlerweile in der Clubszene tätig und dort sehr erfolgreich mit 61 Tausend Abonnenten auf Instagram.  Im Moment ist sie der Justin Timberlake der Gruppe. Außerdem ist sie als Moderatorin tätig und bekommt viel Sendezeit. Bei dem Aussehen kein Wunder.



Platz 27: Valentina Monetta (San Marino)

Leider hat sich in ihrer Karriere nichts getan. Keine neuen Songs, sie tritt nur mit ihren drei ESC-Beiträgen auf. Aber viel mehr ist für eine Künstlerin aus diesem kleinen Land eben nicht drin. Im März zeigte sie noch eine Performance von "Maybe", zu sehen auf Facebook.

Die restlichen Sänger werden in den nächsten drei Episoden der Reihe: Was macht eigentlich...? behandelt.